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Die 6 wichtigen Unterschiede zwischen dem Smartphone und einer DSLR-Kamera

Schon vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle eine Lanze für das professionelle Fotografieren mit dem Smartphone gebrochen.

Da ich trotzdem weiterhin mit meiner „richtigen“ digitalen Spiegelreflexkamera fotografiere, fallen mir die Unterschiede zwischen beiden Welten deutlich auf.

Wer diese Unterschiede kennt und zur richtigen Zeit einzusetzen weiß, kann seine Fotos deutlich verbessern.

Immer dabei

Der wohl wichtigste Punkt. Das Smartphone habe ich immer in der Hosentasche, die mindestens zwei Kilo schwere DSLR nicht. Motive wie diesen vollen Mülleimer* in einer öffentlichen Toilette hätte ich sonst nicht aufgenommen.

Gewicht und Größe

Die Smartphone-Kamera ist leichter und kleiner. Paradoxerweise führt eine leichtere und kleinere Kamera zu unschärferen Bildern durch mehr Verwackelungen, weil das Kameragewicht die Körperbewegungen nicht mehr ausgleichen kann. Das bedeutet: Beim Fotografieren das Smartphone bewusst ruhig halten.

Smartphones sind unauffällig

Das geringere Gewicht und die kompakte Bauweise der Smartphones bringt als Vorteil jedoch die Unauffälligkeit. Manchmal hätte ich mich einfach nicht getraut, meine riesige Kamera auszupacken, das dicke Objektiv anzuschrauben, um dann erst fünf Minuten mit Leuten diskutieren zu müssen, die meinen, mir das Fotografieren verbieten oder einfach fachsimpeln zu wollen.

Als ich mit einem Model unterwegs war, um testweise bewusst nur Smartphone-Fotos zu machen, war ich erstaunt, wie wenig wir beide wahrgenommen wurden, während die gleichen Situationen mit meiner DSLR oft eine kleine Menschentraube erzeugen würden.

Ungewöhnlichere Perspektiven möglich

Größe und Gewicht der Smartphones ermöglichen mir auch ungewöhnliche Perspektiven, die aus verschiedenen Gründen mit einer DSLR nicht oder nur schwer umsetzbar wären.

Beim Foto dieser Seerose* von oben habe ich meine Hand am Teichrand so weit ausgestreckt, dass mein Handy fast ein Meter in den Teich rein ragte, so hätte ich die DSLR nie halten können.

Seerose von obenBei der Aufnahme dieses Wollschweins* habe ich durch einen engmaschigen Zaun fotografieren müssen, das ging nur, weil die Linse der Smartphone-Kamera deutlich kleiner ist. Bei der DSLR hätte ich unscharf den Zaun mit auf dem Foto gehabt.

WollschweinÄhnlich schwierig wäre diese Aufnahme aus dem Flugzeugfenster* mit einer DSLR weil durch die größere Linse die Gefahr viel höher wäre, Kratzer oder Reflexionen des Fensters mit auf das Bild zu bekommen.

Über den Wolken von Texas, USA

Verstehe den kleinen Sensor

Der Bildsensor in einem iPhone 6 ist ca. 4,9 x 3,7 mm groß. Zum Vergleich: Meine Canon 5 D Mark III hat einen Bildsensor, der 36x 24 mm groß ist. Damit hat dieser eine mehr als 47x größere Fläche.

Mehr Fläche heißt oft auch: Der Sensor ist lichtempfindlicher, weil mehr Platz da ist, auf den das Licht fallen kann.

Im Umkehrschluss heißt es: Bei ungünstigen Lichtverhältnissen muss das Smartphone immer noch oft genug kapitulieren. Vor allem, wenn die Fotos verkauft werden sollen, weil die Bildagenturen streng gegen zu viel Bildrauschen sind. Will ich also abends auf einer Party fotografieren oder in einem Raum ohne Tageslicht, lasse ich das Smartphone stecken und bemühe doch die DSLR.

Der Vorteil des kleineren Sensors ist jedoch die deutlich geringere Naheinstellgrenze. Während das „Standardobjektiv“ 24-70mm f.2.8 von Canon erst ab 38 cm scharf stellen kann, sind es beim iPhone 6 nur 8 cm. Übersetzt: Ich kann fast fünf mal dichter an das Motiv rangehen. Das ist ideal für Makroaufnahmen.

Auch die Schärfentiefe ändert sich deutlich mit der Sensorgröße. Bei den Mini-Smartphone-Sensoren ist viel mehr vom Hintergrund scharf. Auch das kommt Makro-Fotografen entgegen. Ungünstig ist es hingegen für Portraits. Hier heißt es, besonders stark auf einen ruhigen Hintergrund* zu achten, der nicht vom Gesicht der fotografierten Person ablenkt.

Mobiler Workflow

Wenn ich von einem Fotoshooting mit meiner DSLR unterwegs nach Hause fahre, kann ich auf dem Weg höchstens schon mal einige Fotos löschen oder als besonders gut markieren, um sie später zu Hause am Computer weiter bearbeiten zu können.

Habe ich hingegen mit meinem Smartphone Fotos gemacht, bearbeite diese manchmal mit einigen Apps und lade ich das Foto oft schon Sekunden später über Apps wie Fotolia Instant oder EyeEm zum Verkauf hoch.

Fazit

Ich bin weit davon entfernt, meine DSLR einstauben zu lassen, nur weil ich immer mein Smartphone bei mir habe. Je nach Situation entscheide ich mich jedoch auch mal bewusst für das Handyfoto, wenn es, wie oben beschrieben, Vorteile mit sich bringt.

Welche Vorteile sieht ihr bei Smartphone-Fotos?

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Rezension: CamRanger – Kabellose DSLR-Fernsteuerung mit dem iPad

Im Blog hatte eine Lösung vorgestellt, mit der man die Bilder seiner DSLR-Kamera kabellos direkt auf das iPad, einen Laptop oder ein anderes Tablet senden kann.

Das funktioniert super und nutze ich sehr häufig. Bisher hatte mir noch die Möglichkeit gefehlt, die Bilder schon vor dem Auslösen auf einem externen größeren Monitor zu sehen, idealerweise ebenfalls kabellos. Das soll mit CamRanger* möglich sein, weshalb ich den Hersteller gebeten habe, mir ein Testmuster zu schicken. Ausgepackt sieht das so aus:

Cam-Ranger-Zubehoer_P0A7906
Das weiße Teil unten ist der CamRanger selbst, dazu kommen zwei Kabel, das weiße zum Aufladen des Akkus, das schwarze zur Verbindung mit der Kamera, eine Hülle und eine kurze Anleitung. Wenn man dieser Anleitung folgt, ist die Ersteinrichtung des WLAN-Netzwerks einfach und schnell erledigt. Nüchtern betrachtet ist der CamRanger nämlich nichts anderes als ein Router, welcher ein WLAN-Netz aufbaut, über das dann die Kamera die Daten an eine App liefert. Während es für Android dafür einige günstige Lösungen gibt – dazu unten mehr – ist das bei Apple aufgrund der restriktiveren Software-Architektur nicht so einfach möglich. CamRanger hat deshalb weniger Konkurrenz, die sich die Firma mit über 300 Euro pro Gerät gut bezahlen lässt. Es werden die gängigsten Canon- und Nikon-Kameras unterstützt. Der Akku soll ca. 4-6 Stunden halten. Es ist etwas irritierend, dass an beiden Seiten ein weißer Schalter ist, wovon nur der eine der An/Aus-Schalter ist. Der zweite Schalter hat keine Funktion. Als ich versehentlich mal den falschen Schalter betätigt hatte, lief der Akku natürlich leer.

Etwas umständlich ist die Nutzung des CamRangers selbst, denn obwohl eine kabellose Lösung versprochen ist, muss erst mal das Kabel von der Kamera zum CamRanger angeschlossen werden. Dieser hat ca. die Ausmaße einer Zigarettenschachtel. Ich habe das meist so gemacht, dass ich den CamRanger in die mitgelieferte Tasche gesteckt habe, wo das Kabel rausguckt und dann die Tasche mit dem daran befestigten Karabinerhaken an meinen Kameragurt oder das Stativ befestigt habe. Gefüllt wiegt die Tasche mit beiden Kabeln ca. 208 Gramm. Sie baumelt dann zwar etwas rum, aber das zusätzliche Gewicht ist auch mit der Hand zu tragen. Es gibt aber auch einen Adapter*, um den CamRanger auf dem Blitzschuh zu montieren.

Aber was kann man mit der gleichnamigen App nun machen? Ich habe die iOS-Version getestet, weil es wie gesagt für Android deutlich billigere Lösungen gibt. Das Interface der App sieht so aus:

Camranger-Screenshot

Leider funktioniert der Zugang zur App nur, wenn auch eine Funkverbindung zum CamRanger steht, was schade ist, wenn man mal schnell nach dem Shooting einige der fotografierten Bilder ansehen will. Die Oberfläche ist ähnlich aufgebaut wie bei anderen LiveView-Systemen. Den Hauptteil des Bildes nimmt der Monitor ein, der zeigt, was die Kamera auch sieht. Durch Tippen auf den Monitor lässt sich die gewünschte Stelle fokussieren, rechts kann aber auch deutlich genauer der Fokus manövriert werden. Es gibt ein Live-Histogramm und Zusatzfunktionen wie HDR-Aufnahmen, Fokus-Stacking, Zeitraffer-Aufnahmen etc. sind möglich.

Die wichtigsten Funktionen der Kamera können über die App ferngesteuert werden, zum Beispiel Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert, Weißableich, Aufnahmemodus, Über- und Unterbelichtung, Fokus und einige mehr.

Während meiner Testzeit gab es ein Firmware-Update, was etwas umständlich zu installieren war. Aber es brachte unter anderem als neue Funktion die Möglichkeit, parallel weitere WLAN-Netze aufrecht zu erhalten. Das ist zum Beispiel sehr praktisch, weil ich sie weiterhin in meinem WLAN-Netzwerk im Studio bleiben kann, obwohl auch CamRanger eine WLAN-Verbindung mit dem iPad aufbauen will. Jetzt wollte ich probieren, ob ich nicht auf gleichzeitig das WLAN-Netz meiner EyeFi-Karte aktivieren könnte, damit ich als weitere App Shuttersnitch offen haben könnte, um die geschossenen Fotos zu verwalten. Das klappt leider nicht, weil CamRanger nicht im Hintergrund laufen kann.

Camranger-Screenshot-2
Der Grund, warum ich weiterhin zusätzlich Shuttersnitch nutzen wollen würde, ist, dass diese App einen deutlich bequemeren Workflow für die Verwaltung und Ansicht der geschossenen Bilder bietet. Nach dem Shooting, wenn Kamera und Geräte alle schon verstaut sind und ich mit den Models noch einen Kaffee trinke, kann ich bequem das iPad rumreichen, wo sich alle die Fotos mit Shuttersnitch ansehen können. Das geht leider nicht, wenn ich CamRanger nutze, weil immer die Verbindung zur Kamera aktiv sein muss. Außerdem muss ich manuell entscheiden, welche der Bilder von der Speicherkarte ich runterladen wollen würde. Kurz: CamRanger bietet zwar Funktionen zur Fotoverwaltung, aber ist grundsätzlich einer ein Aufnahme-Tool.

Der Hauptgrund, weshalb ich CamRanger in Zukunft jedoch kaum noch nutzen werde, liegt jedoch in meiner Arbeitsweise. Ich fotografiere fast immer mit Blitz. Das führt logischerweise dazu, dass bei einer LivePreview, wo die Blitze noch nicht auslösen, kaum etwas auf dem Monitor zu sehen ist und damit die gesamte App kaum brauchbar ist. Die Einsatzbereiche der App liegen demnach eher bei der Makrofotografie ohne Blitz, für Produktaufnahmen mit Dauerlicht, Landschaftsaufnahmen und so weiter. Überall, wo Blitze zum Einsatz kommen, sinkt der Nutzwert von CamRanger stark.

Android-Alternative zu CamRanger

CamRanger ist im Grunde nichts anderes als ein Router. Wer nicht in den geschlossenen Apple-Kosmos eindringen muss, kann auch einen anderen WLAN-Router kaufen, zum Beispiel den TP-Link TL-MR3040*. Der kostet nur ca. 40 Euro und der CamRanger sieht sicher nicht zufällig fast identisch aus. Als App wird dann die kostenlose App DslrDashboard im Google Playstore benutzt. Wie die Einrichtung genau funktioniert, erklärt Gunther Wegner hier. Selbst wenn der Kauf eines kleinen Android-Tablets* mit eingerechnet wird, ist diese Lösung immer noch billiger als der CamRanger. Die Nachteile wie die eingeschränkte Nutzung bei Blitzlicht oder das an der Kamera hängende Gerät bleiben aber auch bei dieser Lösung.

Welche Lösung benutzt ihr zur kabellosen Fernsteuerung und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

* Affiliate

Stockfotografie-News 2013-08-30

Bevor ich wie letztes Mal mehrere Monate an News aufarbeiten muss, kommt diesmal die geballte Ladung an (stock)fotografisch relevanten News etwas früher. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken:

  • Interesse daran, Fotograf für Google zu werden? Hier gibt es die Anforderungen und hier die Diskussion dazu.
  • Shutterstock und Facebook arbeiten ab sofort zusammen: Werbekunden, die bei Facebook Anzeigen schalten wollen, können dafür aus Bildern von Shutterstock wählen. Facebook ist damit auf einen Schlag Shutterstocks größter Abo-Kunde. Die Downloads werden in der „Single & Other Downloads“ auftauchen und mindestens wie ein normaler Abo-Download vergütet.
  • Die Bildagentur ARS Box steht zum Verkauf. Oder in anderen Worten: Sie wird geschlossen, wenn sich keiner findet, der sie weiter betreiben will.
  • Auch die britische Bildagentur Picturenation hat vor paar Tagen den Dienst eingestellt. Wer dort noch Guthaben hat, sollte sich da schnell melden.
  • iStockphoto bekommt langsam die Nachteile der Aufhebung des Upload-Limits zu spüren. Im Rahmen einer Umstrukturierung entschied sich die Agentur, Upload-Limits aufzuheben und inoffiziell de facto keine Bildkontrolle mehr vorzunehmen. Das bedeutete auch, keine Keywords mehr zu kontrollieren. Im heute verschickten Newsletter beklagt die Agentur, dass deren „Ähnliche Bilder“-Funktion oft unsinnige Vorschläge macht, was daran liegt, dass bei neuen Fotos die Keywords nicht mehr so gut passen.
  • Die Bildagentur Pitopia reagiert auf den Trend zu größeren Web-Lizenzen und führt als vierte Bildgröße eine Web-XL-Lizenz ein. Gleichzeitig werden die Nutzungsbedingungen geändert: Eine Social Media-Nutzung wird unter anderem ausgeschlossen, wenn der Fotograf es nicht ausdrücklich erlaubt und Kunden bekommen jetzt nur beim Kauf einer Print-Auflösung die Erlaubnis, die Bilder in Templates oder Produkten wie Kalendern und Postkarten zu nutzen.
  • Da liege ich mit meiner Canon 5D Mark II bzw. III ganz vorne: Infografik über die beliebtesten Kameras bei Stockfotografen.
  • Corbis versucht sich anscheinend am Zielgruppen-Marketing. Ein schwuler Asiate berichtet.
  • Models sind zu teuer für ein Fotoshooting? Hier einige kreative Ideen, wie man Models „faken“ kann.
  • Die Firma Lensrental hat ihre Daten zu Reparaturen von Objektiven ausgewertet: Welche Objektive gehen am meisten kaputt? Welche Kamerafirma hat die längsten Reparaturzeiten? Steht alles da.
  • Wer viel mit Photoshop und Bridge arbeitet, wird die Seite PS-Scrips.com lieben. Dort gibt es viele kostenlose Skripte für die Automatisierung von Routinearbeiten. Empfehlenswert beispielsweise die „Ersetzen/Ergänzen“-Funktion für viele Bilder auf einmal bei Bridge oder die Möglichkeit, Keywords in Bilder mittels CSV-Datei zu importieren.
  • Was darf eine Fotoproduktion heute noch kosten? Diese Frage beantwortet hier der Macrostockblog.
  • Einer der Gründe, warum ich (zusammen mit euch) für Reporter ohne Grenzen spende: Ein Fotojournalist nimmt unfreiwillig den Moment seines eigenen Todes durch Erschießen auf.
  • Die letzten Tage füllt ein Aufreger das Sommerloch, als bekannt wurde, dass die FDP, die NPD und eine Werbeagentur für einen Quarkhersteller das gleiche Stockvideo in einem Werbefilm verwendet haben. Kaum thematisiert wurde die Frage, ob das seitens der NPD erlaubt gewesen wäre, da in den Nutzungsbedingungen von Getty Images und iStockphoto „anstößige Nutzungen“ ausgeschlossen werden.
  • Seltsame Welt: Fotografen fordern seit langen, dass Urheberrechte an Fotos deutlich gemacht werden, jetzt fordern es auch Bildnutzer, weil sie ansonsten verklagt werden, wenn sie vermeintlich kostenlose Fotos aus Google Images benutzen.
  • Viele hilfreiche Tipps für Fotografen, welche die ersten Male mit einer DSLR filmen wollen, liefert Chase Jarvis hier in seinem Blog.
  • Ein weiterer Tipp für euch Filmleute da draußen: Wie leuchte ich am besten dunkle Haut aus?

Wie immer: Habe ich was vergessen? Dann rein in die News damit.

Making Of einer Stockvideo-Produktion

Vor paar Wochen habe ich meine Einnahmen aus zwei Jahren Footage-Verkäufen im Blog veröffentlicht. Die Umsätze waren erschreckend niedrig, was auch daran lag, dass ich viel zu wenig Videos bei den Agenturen online habe. Deswegen habe ich mich aufgerafft, paar Pillen in die Hand genommen und einige neue Videoclips gedreht. Damit ihr auch daran teilhaben könnt, habe ich – ganz amateurhaft mit meiner Mini-Casio – den Aufbau gefilmt.


Aber schaut euch erst mal einen kurzen Zusammenschnitt der fertigen Clips an:

Hier gibt es das Making-Of dazu zu sehen:

Diese Art der Clips werden „Turntable“ genannt, weil sie so produziert werden. Mit einem Plattenspieler. In meinem Fall jedoch nur fast, denn ein Plattenspieler hätte sich mit 33 oder 45 Umdrehungen pro Minute viel zu schnell gedreht. Deshalb habe ich mir einen Spieluhr-Motor gekauft und auf die Spitze mit Alleskleber einee große Unterlegscheibe geklebt. Das ist leider etwas wacklig, aber von der Geschwindigkeit mit 3 Umdrehungen/Minute optimal. Leider hat der Motor keinen An/Aus-Schalter, weshalb ich ihn an eine Steckdosenleiste mit Schalter gesteckt habe.

Beleuchtet habe ich die Szene seitlich mit einem Hedler DX15-Dauerlicht mit einem davor montierten Durchlichtschirm. Von hinten leuchtet ein LitePanels LED-Dauerlicht. Das ist jetzt keine perfekte oder theoretisch wohlüberlegte Ausleuchtung, sondern einfach das, was ich an Geräten zur Verfügung habe.

Die Pillen und Tabletten hat mir eine befreundete Apothekerin gesammelt, mir mir auch schon ein Shooting ermöglicht hat. Ich habe sie gebeten, möglichst bunte Pillen aufzuheben, da ein weißer Haufen ja langweilig aussähe. Dann musste ich die mit den Markennamen oder Logos aussortieren und übrig blieb eine farbenfrohe Mischung, die – wie ich finde – sehr telegen ist.

Die Kamera hat eine ungünstige Position, um auf das Display zu schauen. Deswegen habe ich mir nach einer Anleitung aus der d.r.f. Newsgroup einen Wireless-USB-Anschluss für meine Kamera gebaut. Damit kann ich – mehr oder weniger – drahtlos die Kamera direkt vom Laptop aus bedienen mittels der Canon EOS Utility Software. Das hat auch den Vorteil, dass der Fokus auf dem großen Bildschirm genauer kontrolliert werden kann. Da ich am Laptop auch die Aufnahme starten und beenden kann, vermeide ich Verwacklungen beim Druck auf den Kameraauslöser, die auch bei der Stativnutzung entstehen können. Erst später habe ich gemerkt, dass ich bei meinem Aufbau die Kamera auch mit einem normalen USB-Kabel vom PC aus hätte starten können.

Ich hoffe, die Wireless USb-Lösung bald wieder bei Shootings einsetzen zu können, um die Bilder direkt nach der Auslösung zur Kontrolle von Details auf einem Monitor betrachten zu können.

Außerdem habe ich mir einen Movie-Slider bestellt, um endlich auch etwas Kamerafahrten in meine Bilder zu kriegen und die Testgeräte für meine angedachte Outdoor-Akku-Dauerlicht-Lösung sind auch angekommen. Aber dazu mehr, wenn ich Zeit hatte, beides auszuprobieren.

Mit welcher Ausrüstung dreht ihr Eure Videos? Habt ihr noch Tipps für mich zum Selberbasteln?

10 Tipps für Videos-Aufnahmen mit einer DSLR

Mittlerweile habe ich etliche Testvideos gemacht und auch – mehr oder weniger erfolgreich – bei den Bildagenturen eingestellt.

Dabei habe ich gemerkt, dass beim Filmen einige Dinge von elementarer Bedeutung sind, die beim Fotografieren total unerheblich sind. Deshalb hier einige grundlegende Tipps für den Einstieg in die DSLR-Filmerei.

1. Das Stativ ist Dein Freund!
Ja, ich weiß: Es ist schwer, sperrig und unhandlich! Trotzdem. Ohne Stativ werden Dir nur in den seltensten Fällen ruhige Bilder gelingen. Es gibt verschiedene Varianten. Als Standard nutze ich das Manfrotto-Stativ MA 190XPROB Pro*. Das ist relativ leicht (1,8 Kilo), mit 5 Kilo belastbar (also gerade ausreichend für die 5D Mark II und ein schweres Objektiv), ziemlich hoch ausziehbar und die Mittelsäule kann gekippt werden, um Aufnahmen von oben direkt nach unten zu machen (Vogelperspektive). Zuerst hatte ich den Fehler gemacht, einen normalen Kugelkopf zu nehmen, aber damit gibt es bei Kameraschwenks (Panning) und Kamerakipps (Tilting) beim Anfahren und Abbremsen immer einen Ruck. Deshalb habe ich mir als Stativkopf zusätzlich den Mini Fluid Videoneiger 700RC2 von Manfrotto* gekauft. Die Aufnahmen werden damit viel ruhiger, aber die Bedienung der Schnellwechselplatte finde ich noch nicht optimal. Sehr wacklig, bevor sie umständlich festgeschraubt wird.

Die zweite Möglichkeit, wenn ich keinen Platz für Stativ plus Kopf habe, ist mein Einbeinstativ 685B*. Das ist zwar auch nicht das leichteste oder kürzeste, aber dafür ist es eins der wenigen, welches sich mit einer Hand in der Höhe verstellen lässt, ohne die andere Hand von der Kamera zu nehmen. So vermeide ich wenigstens Wackler nach oben und unten und gut schwenken lässt es sich auch.

Andere Möglichkeiten zur Stabilisierung des Bildes sind Steadicams, Dollys oder Schulterhalterungen.

2. Halte Deinen Sensor sauber!
Ein kleiner Fleck auf dem Kamerasensor? Kein Problem bei einem Foto. Ein Klick mit Photoshop und weg ist er. Bei Flecken auf Video geht das nicht so einfach und ich musste schon einige Videos in den Papierkorb befördern, weil sie unübersehbare Flecken zeigten. Deshalb vor ausgedehnten Filmaufnahmen vorher sowohl den Sensor als auch die Objektive reinigen.

3. Bringe Bewegung ins Bild!
Bewegungen in einem Foto darzustellen, ist eine Kunst für sich. Für Videos sind sie eine Notwendigkeit. Ansonsten blieben nur 24 identische Fotos pro Sekunde übrig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Entweder bewegt sich das Motiv, zum Beispiel ein Mensch geht, dreht sich, springt, rennt, fällt. Oder das Motiv wird bewegt, wie Blumen, die sich im Wind wiegen, Bälle, die angestoßen oder Flüssigkeiten, die in Gefäße gefüllt werden.

Alternativ kann sich auch die Kamera um ein statisches Motiv bewegen. Das erfordert vor allem bei DSLR-Kameras durch das manuelle Scharfstellen viel Übung und Genauigkeit. Hier können entweder Movie-Slider, die oben genannten Dollys oder andere Dinge mit Rädern oder Rollen benutzt werden. Die Königsdisziplin ist das Bewegen der Kamera, um sich bewegende Objektive zu filmen.

4. Mach den Ton an!
Bei vielen Footage-Clips für Videoagenturen reichen Aufnahmen ohne Originalton. Der Kunde legt sich oft sowieso Musik oder Ambience-Geräusche drunter. Deshalb würde es sich anbieten, gleich an der Kamera den Ton abzuschalten. Trotzdem rate ich dazu, das bleiben zu lassen. Nachdem ich viele Videos direkt in der Kamera ohne Ton aufgenommen habe, hatte ich den 60. Geburtstag meiner Oma fotografiert. Ihr alter Mädchenchor – jetzt ebenfalls rüstige Damen – hatte ein Überraschungsständchen geplant und meine Oma sang mit Tränen in den Augen gerührt mit. Es entstand ein sehr bewegender Video-Mitschnitt – nur leider ohne Ton.

Außerdem gibt es immer mal wieder Motive, bei denen die Videos sich mit Ton besser verkaufen, seien es gurgelnde Gebirgsbäche oder Vogelgezwitscher auf einer Sommerwiese. In der Regel muss das Video sowieso konvertiert werden, dann kann der Ton immer ohne viel Aufwand noch entfernt.

Manchmal eignet sich der Ton auch für Kommentare aus dem Off, die beim Schneiden des Films o.ä. helfen. Ich habe zum Beispiel bei meinem Dauerlichttest für Videoaufnahmen die Tonspur genutzt, um zu kommentieren, welchen Lichtaufbau ich gerade außerhalb des sichtbaren Bildes nutze.

5. Denke wie ein Kameramann!
Ich habe das Glück, dass ein guter Freund von mir professioneller Videojournalist ist, mit dem ich auch schon zusammen Videos realisiert habe. Dadurch lernte ich eine Denkweise kennen, die Fotografen meist noch nicht verinnerlicht haben.

Um beim Schneiden flexibler zu sein, soll es zum Beispiel am Anfang und Ende einer Szene immer einige Sekunden Ruhe geben, in denen sich das Motiv noch nicht bzw. nicht mehr bewegt. Wenn das nicht möglich ist, wird zum Beispiel eine ruhige Stelle wie der Fußboden oder die Wand gefilmt, damit von dort zur Bewegung geschwenkt werden kann. Fünf Sekunden Vorlauf und Nachlauf sollten reichen.

Außerdem gibt es einige Regeln, die in Fotografiebüchern nicht auftauchen, aber Allgemeinwissen bei Kameraleuten sind. Zum Beispiel gilt es, einen Achsensprung zu vermeiden.

6. Mach’s manuell, Baby!
Das betrifft sowohl Belichtung als auch Fokussierung. Bei einer automatischen Belichtung entstehen Helligkeitsschwankungen, wenn der Bildausschnitt bei Schwenks verändert wird, die sehr amateurhaft wirken. Der Autofokus bei digitalen Spiegelreflexkameras mit Videofunktion ist noch sehr langsam und während einer Aufnahme praktisch nicht zu gebrauchen. Das kann sich noch ändern, bisher ist die manuelle Einstellung jedoch das Maß der Dinge. Für eine genauere Fokussierung kann eine Displaylupe helfen, zum Beispiel von Hoodman*.

7. Kenne die richtigen Einstellungen!
Genau wie für das Fotografieren gibt es auch beim Filmen Einstellungen an der Kamera, die vorteilhafter sind. Dazu gehört zum Beispiel eine Reduzierung des Kontrasts.

Da ich selbst mit der Canon 5D Mark II arbeite, beschränken sich die Kameraeinstellungen auf das Modell. Im Prinzip gilt es aber für alle Video-DSLRs. Am einfachsten ist es, zum Beispiel bei Canon als Bildstil „Neutral“ zu wählen, wo Schärfe, Kontrast und Sättigung unverändert bleiben. Bei schwierigen, kontrastreichen Lichtverhältnissen wie Nachtaufnahmen oder Gegenlicht hilft auch der „Traumflieger Picture-Style für Video„. Als Anzeigemodus für das Live-Bild empfehle ich das Netzgitter 1, welches das Bild in drei gleich große horizontale und vertikale Bereiche teilt. das hilft ungemein bei der Bildgestaltung.

Für Canon 5D Mark II-Nutzer selbstverständlich sollte das Firmware-Update auf 2.0.7 sein, welches im Vergleich zur Firmware 1.1.0 mehr Auswahl bei der Bildrate und dem Ton bietet und nun auch ein Histogramm für Videos anzeigt etc. Mehr Auswahl heißt jetzt aber auch mehr Entscheidungen zu treffen. Eine Bildrate von 24 Bildern/Sekunde (fps) wird bei Kinofilmen genutzt, 25 fps hat das PAL-System (u.a. im europäischen Fernsehen) und 30 fps hat das us-amerikanische NTSC-System. Auch für Zeitlupen-Aufnahmen sind 30 fps zu empfehlen, da dem Schnittprogramm dann mehr Ausgangsmaterial zur Verfügung steht, um Zwischenbilder zu berechnen. Wer beim Filmen jedoch auf Dateigröße oder Mindestlaufzeit des Videos achten muss, sollte lieber weniger Bilder pro Sekunde wählen.

Ganz Mutige können sogar – auf eigenes Risiko – den Firmware-Hack „Magic Lantern“ benutzen, den einige Filmemacher entwickelt haben. Damit sind beispielsweise faszinierende Dinge wie ein Live-Histogramm und Schnittmarken während der Aufnahme oder Focus Pulling möglich.

8. Freunde Dich wieder mit Filtern an!
Geht es um das Fotografieren, rate ich heute nur noch zu zirkularen Polarisationsfiltern*. Der Rest wurde durch RAW und Photoshop ersetzt. Aber beim Filmen werden Filter noch gebraucht, da die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, vor allem verlustfrei, deutlich geringer sind. Neben dem Polfilter zur Reduzierung von Spiegelungen helfen Graufilter* bei hellem Licht, die Schärfentiefe zu verringern. Graue Farbverlauffilter eignen sich, um den Kontrast zwischen hellem Himmel und dunkler Landschaft bei Außenaufnahmen auszugleichen. Da bei Videoaufnahmen oft die internen Antialiasing-Filter der Kameras umgangen werden, helfen auch in solchen Fällen externe Filter.

9. Spiele mit der Unschärfe!
Je kleiner der Sensor, desto eher ist ein Bild oder Video von vorne bis hinten scharf. Dadurch wirkt es jedoch auch flach. Die teuren Kameras mit großen Sensoren können sehr geringe Tiefenschärfe erzeugen, was die Tiefenwirkung im Bild verstärkt. Beide Faktoren, Wirkung und Preis, führen dazu, den Look mit wenig Tiefenschärfe für edel und professionell zu halten. Nutze das zu Deinem Gunsten! Manchmal reicht es, vor dem Motiv einen unscharfen Gegenstand zu haben oder eben dorthin zu stellen, um Tiefe zu simulieren.

Statt sich mit der Kamera zu bewegen, um auf andere Objekte scharf zu stellen, kann auch die Fokussierung am Objektiv verstellt werden. Dadurch wirkt der Übergang sehr weich. Diese Methode ist jedoch an den Video-DSLRs sehr kompliziert, weshalb Hersteller-Firmen schnell teures Zubehör (Stichwort „Follow Focus„) entwickelt haben.

10. Denke in Serien!
Für einen Stockfotografen sollte es selbstverständlich sein, von einem Motiv mehrere Varianten zu fotografieren, um dem Bildkäufer Auswahl zu bieten. Ähnliches gilt für Stock-Footage, auch wenn ich zugebe, das bisher vernachlässigt zu haben. Auch bewegte Bilder können aus verschiedenen Richtungen, als Close-Up oder Weitwinkel-Ansicht gefilmt werden. Nur vertikale Aufnahmen sollten unterlassen werden. Zumindest bis sich Fernseher standardmäßig um 90° drehen lassen…

Was sind Eure Erfahrungen? Was habt ihr bei Euren ersten Videos gelernt? Wo liegen die größten Schwierigkeiten?

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