Die paar Tagen hatte ich wieder eine Frage in meinem Email-Postfach, diesmal von Eva Maria:
“Lieber Robert,
durch Deinen Hinweis im Foto-Talk bin ich auf Dein Buch* aufmerksam geworden. Auch wenn ich gerade erst mal 100 Seiten gelesen habe, kann ich Dir nur gratulieren. Schon allein an der sauberen Strukturierung merkt man, dass hier ein Thema genauso angegangen wurde wie eine wissenschaftliche Arbeit an der Uni. Die intensive Auseinandersetzung mit den Themen ist ganz nach meinem Geschmack und – ich denke, das ist auch Deine Ziel – beschreibt nicht nur einfach, sondern gibt dem Leser eine Art Handwerkszeug, wie er selbst an sein Projekt “Stockfotografie” herangehen kann.
Ich selbst habe mit der Stockfotografie eigentlich das Fotografieren an sich gelernt, ein paar Bilder verkauft, aber inzwischen viel mehr Spaß an etwas künstlerischer Fotografie (die “gefragten” Themen wie People sind weniger mein Ding). Dennoch – Dein Hinweis auf die Nachfrage nach Texturen hat mich schon aufmerksam gemacht. Hast Du da vielleicht einen Tip, bei welcher Agentur man so etwas besonders gut unterbringen kann und wo Texturen besonders gut nachgefragt und verkauft werden? Ich arbeite bisher nur mit Digitalstock und für Landschaftsbilder, die so nebenbei “abfallen”, plane ich demnächst eine Bewerbung bei Imagebroker (als Ersatz für Polylooks und Zoonar, die demnächst gekündigt werden). Aber ich glaube kaum, dass das die richtigen für Texturen sind. Was meinst Du?
Ich würde mich freuen, wenn Du mir hier einen Hinweis geben könntest – im voraus schon mal allerbesten Dank.”
Meine Erfahrung ist, dass sich Texturen vor allem in Abonnements verkaufen. Dementsprechend hat Shutterstock* beim Verkauf von Texturen und Hintergründen als größte Abo-Agentur die Nase vorn. Auch der Vergleich der Bestseller von 123rf, sortiert nach Credit-Downloads und Abo-Downloads zeigt, dass im Abo-Bereich Texturen gefragter sind. Wer solche Fotos bei Bildagenturen im Programm hat, die den Fotografen entscheiden lassen, ob er ein Bild für das Abo-Programm freigibt oder nicht, der sollte darauf achten, dass die Option dafür aktiviert ist.
Woran liegt das, dass Texturen im Abo-Modell beliebter sind? Meine Vermutung ist: Wer als Grafiker einen Hintergrund braucht, ist selten gewillt, dafür viel zu bezahlen, schließlich soll das Foto nur als Hintergrund benutzt werden und nicht der Blickfang sein. Dazu kommt, dass die gleichen Grafiker aber auch viele Hintergründe und Texturen brauchen, weil sie Ausschnitte machen, Collagen, verschiedene Hintergründe kombinieren und so weiter. Entsprechend häufig haben diese Grafiker auch ein Abonnement bei einer Bildagentur und laden vorsorglich lieber etwas mehr Texturen runter. Wer weiß, wann die mal gebraucht werden.
Was sagt ihr? Wo verkaufen sich eure Texturen am besten?
Bevor ihr weiter lest, ein wichtiger Hinweis. Das Thema heute ist nur für Erwachsene und bei vielen Links in diesem Artikel erwarten Euch freizügige Inhalte und Bilder, die nicht für Minderjährige bestimmt sind. Deshalb: Lesen und Klicken diesmal bitte nur für Erwachsene.
Letzte Woche erreichte mich diese Mail aus Süddeutschland.
“Servus Robert,
ich bin erst vor kurzem auf deinem Blog gestoßen. Dies hat mich wieder ermutigt mehr Bilder in meine Agenturen zu stellen.
Was ich aber bisher noch nicht herausgefunden habe, wo kann ich Erotik, Adult oder Pornart anbieten?
Ich hoffe das Thema ist nicht zu unseriös, aber ich denke das die vielen Adult-Websites doch auch Content benötigen.
mit freundlichen Grüßen…”
Lebensechte Gummipuppe auf der AVN Adult Entertainment Expo in Las Legas (Foto: Dklimke/Flickr)
Die Überlegung ist richtig. Die “normalen” Bildagenturen nehmen zwar auch Aktfotos u.ä. an, verbieten aber die Nutzung für pornographische Zwecke. Deswegen werden dort solche Motive selten verkauft. Explizite Motive wie die Darstellung primärer Geschlechtsorgane oder des Geschlechtsakts werden gar nicht erst angenommen. Trotzdem gibt es massenweise Pornoseiten im Internet, von denen nicht alle ihr Material selbst filmen und fotografieren. Auch dafür gibt es Spezial-Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, sogenannten “adult content” anzubieten, meist Bilderserien eines Models, was sich entkleidet und mit einem anderen Model intim wird.
2002 hatte ich ein Interview mit einem Gestalter von Pornoseiten geführt. Dieser erzählte mir, dass er für mehrere hundert Euro im Monat Bildlizenzen kaufe. Besonders erwähnt wurde da der Erotik-Fotograf David Lace, auf dessen Webseite sich übrigens gute Model-Tipps für die Aktfotografie finden. Auch dieser Nischenmarkt hat sich gewandelt und ist offener geworden. Immer öfter gleichen die Adult-Bildagenturen den klassischen Microstock-Agenturen, mit Credits und der Suche nach Hobby-Fotografen. Hier eine Auswahl von Agenturen, die sich auf den Vertrieb von “Adult Material” spezialisiert haben.
Ich bin bei diesen Agenturen weder Kunde noch Lieferant, kann deshalb keine Erfahrungen aus erster Hand weitergeben. Aber vielleicht melden sich Fotografen in den Kommentaren, die Erfahrungen mit diesen oder anderen Agenturen gemacht haben:
Wer mit dem Gedanken spielt, solches Bildmaterial zu verkaufen, muss sich über zwei Dinge im Klaren sein. Es reicht nicht, die üblichen Model-Releases zu nutzen, sondern die Model-Verträge müssen sehr weit gefasst sein, damit eben auch die pornografische Nutzung der Bilder vom Model erlaubt wird. In diesem dafür vorgesehenen Modelvertrag liest sich das dann beispielsweise so (beachtet die von mir unterstrichene Stelle):
“I further release, discharge, and agree to defend the photographer, her legal representatives, agents, licensees, successors and assigns, and all parties acting under their permission, or with authority from them, or those for whom they are acting, from any claims for remuneration associated with any form of damage, foreseen or unforeseen, associated with the proper commercial or artistic use of these images even should the same subject me to ridicule, scandal, scorn or indignity, and from any liability as a result of any distortion, blurring, or alteration, optical illusions or use in composite form, either intentionally or otherwise, that may occur or be reproduced in the taking, processing or reproduction of the finished product, or its publication or distribution, or which may arise from any breach of any warranty, representation, covenant or agreement made by me.”
Der Fotograf sollte dem Model klar machen, worauf es sich einlässt und dass die Bilder – einmal im Internet – sich kaum noch “entfernen” lassen.
Außerdem verlangen die Adult-Agenturen, dass der Fotograf alle Dokumente nachweisen und einreichen kann, um den us-amerikanischen “2257 Regulations” zu entsprechen. Kurz gesagt reguliert dieses Gesetz den Umgang mit erotischen Fotos und fordert u.a. von den Fotografen, dass diese bei jedem Model nachweisen können, dass es zum Zeitpunkt des Shootings volljährig war. Am einfachsten geht das, indem das Model mit einem lesbaren Ausweis in der Hand fotografiert wird. Beispiele finden sich unten auf dieser Seite. Wer kann dem Fragesteller weitere Tipps geben?
Manchmal hinke ich etwas hinterher. Jan D. hatte mir schon im September folgende Mail mit einer Frage geschickt:
“Sehr geehrter Herr Kneschke/Lieber Robert,
zu allererst möchte ich Dir zu deinem absolut gelungenen Blog gratulieren.
Ich bin regelmäßig einer der stillen Besucher und Leser deiner vielen Artikel
und ebenso regelmäßig von den immer neuen Themen rund um das Thema
Fotografie/Stockfotografie begeistert. Ich selbst bin eher ambitionierter denn
professioneller Hobbyfotograf aber stetig auf der Suche nach Tips die
Optik der eigenen Werke zu verbessern.
Besonders angetan hat es mir der herrliche, helle Bildstil von Yuri Arcurs.
Ähnliches schwebt mir ebenfalls bei meinen Bildern (im Privaten, ich
verkaufe nicht) vor. Bisher bekomme ich, obwohl ich mich als sicher &
gut im Umgang mit Photoshop bezeichnen würde, nicht diesen besagten
hellen Stil mit den trotzdem schönen Hauttönen hin. Daher habe ich auch
mit Spannug deinen Bericht des fotolia Workshops mit Yuri A. verfolgt, bis
auf kleine Andeutungen zum Verwirklichen des Stils gab es jedoch leider
keinerlei Hinweise.
Langer Rede kurzer Sinn. Da du ja vor Ort ein wenig über die Schulter gucken
konntest, weißt du wie dieser Stil per Photoshop (entsprechendes
Ausgangsmaterial natürlich vorrausgesetzt) erreicht wurde?! Über ein
paar Tips und HInweise würde ich mich sehr freuen.”
Ich habe lange überlegt. Darf ich so einen Post schreiben? Kann ich mich erdreisten, zu behaupten, ich wüsste, wie Yuri Arcurs seine superprofessionellen Bilder hinbekommt? Nein, das nicht. Deswegen kurz die Klarstellung: Ich sage Euch jetzt, wie ihr Bilder im Yuri Arcurs-Stil hinbekommt. Aber das heißt nicht, dass Yuri genau so arbeiten muss.
Außerdem klammert euch lieber nicht an die Vorstellung, dass ihr nur gut mit Photoshop umgehen müsstest, um den Yuri-Look hinzubekommen oder dass es gar einen Filter oder einen Plugin gäbe, der das für Euch erledigt. Das Wichtigste ist die Arbeit vor der Retusche!
Vier Faktoren machen ein gutes Yuri Arcurs-Bild aus:
Gute Schärfe
Geringe Tiefenschärfe
Glückliche Models
Viel (weiches) Licht
Schauen wir uns die Punkte genauer an. Wie Yuri seine Fotos gut scharf bekommt, habe ich schon in meinem Artikel “Scharfe Fotos mit Yuri Arcurs” erklärt. Teuer wird der zweite Punkt. Die meisten seiner Fotos fotografiert er mit geringen Blendenwerten, vor allem 2,8. Das setzt entsprechende lichtstarke Objektive voraus, idealerweise welche, deren Offenblende noch weiter geht ist, zum Beispiel bis 1,8 oder 1,2. Gut sind leichte, lichtstarke Tele-Objektive, da sie schneller eine schöne geringe Tiefenschärfe erzeugen.
Der Punkt Models sollte nicht vernachlässigt werden. Nur wessen Models so im Gesicht strahlen als würden sie eine Dauer-Hochzeit feiern und dabei gleichzeitig im Lotto gewinnen, sind für solche Fotos geeignet. In diesem Video zeigt Yuri, wie er seine Models aussucht und mit seiner Hand die Kopfbewegung einfach beeinflußen kann. Außerdem sehr ihr gleich seinen idealtypischen Lichtaufbau.
Im zweiten Teil des Videos zeigt er, wie er dieses natürliche Lachen auf die Model-Gesichter zaubert.
Und das Wichtigste: Der Lichtaufbau. Es wird viel Licht benötigt, nicht unbedingt aus vielen Lichtquellen, aber hell muss es schon sein. In diesen eins, zwei, drei YouTube-Videos vom Fotolia-Workshop beschreibt Yuri einige seiner typischen Lichtaufbauten ganz gut, von einfach bis komplex. In meinem Artikel “Ein Tag mit Microstock-Fotograf Yuri Arcurs” ist auf den Fotos noch eine andere Beleuchtungssituation zu sehen: Die indirekte Beleuchtung. Wer mal einen Blick in sein umwerfendes Studio geworfen hat (übrigens ein umgebautes Industrie-Gewächshaus), kann sehen, dass er das sehr clever mit Tageslicht löst, indem die Studiodecken aus leicht milchigem Glas sind, welche wie eine riesige Softbox von oben wirken. Ein unbezahlbarer Effekt. Bezahlbar ist die Variante mit Blitzen, indem einfach weiche Blitze (z.B. Softboxen) noch mal an Wände und vor allem Decken gerichtet werden.
Ich will nicht behaupten, dass ich wie Yuri fotografieren kann, aber dieses Foto kommt seinem Stil schon nah, meint ihr nicht auch?
Da ich das fotografiert habe, kann ich sagen, dass es ein verhältnismäßig simpler Aufbau ist. Fotografiert habe ich mit meiner 50mm-Festbrennweite* bei Blende 2.8 und 1/100 Sekunde Belichtungszeit (ISO 200). Als Licht diente mir ein Canon 580EX II Speedlite* auf einem Stativ mit einer Lastolite EzyBox-Softbox*, welches ich manuell mit Funkauslöser an die weiße Decke geschickt habe. Damit kann ich das Licht auf dem Gesicht bestimmen, während ich mit der Blende/Verschlusszeit-Kombination die Helligkeit des Hintergrunds beeinflußen kann. Als Kamera kam meine Canon 5D Mark II* zum Einsatz, aber es hätte genauso gut eine Canon EOS 450D* oder eine Nikon D3000* sein können. Als Alternative zum Fensterlicht zur Regulierung der Hintergrundhelligkeit kann auch ein zweiter Blitz genutzt werden, der auf eine hintere Wand o.ä. gerichtet wird.
In diesem Video zeigt Yuri, wie selbst Available Light-Bilder einen ähnlichen Look erreichen können. Etwas Überbelichtung und die Models an einem sonnigen Tag im Schatten oder unter dem Himmel bei bewölktem Wetter ergeben schattenfreie Aufnahmen.
Das letzte fertige Foto, was zum Schluß gezeigt wird, ist auch mit den kompletten EXIF-Daten in Yuri’s Flickr-Stream zu finden. Ohne Blitz werden dann Werte wie 1/40 Sekunde bei Blende 4 (ISO 400) mit einem 70mm-Objektiv erreicht.
Damit sind wir in der Lage, helle, freundliche Bilder zu machen. Trotzdem bleibt etwas Nachbearbeitung nicht aus. Dazu gehört neben dem korrekten Weißabgleich und einer leichten Überbelichtung auch das Anheben der Kontraste und der Sättigung. Zum Schluss werden die Bilder von störenden Elementen befreit. In diesem Artikel zeigt Yuri unter Punkt 2 ein Vorher/Nachher-Bild, was die Unterschiede gut sichtbar macht. Und das war es auch schon. Ist dich nicht so schwer, oder? Was meint ihr? * Affiliate-Link (Ich bekomme bei Kauf eine kleine Provision, ihr zahlt nicht mehr)
Diesmal möchte ich keine Email beantworten, sondern eine Frage. Diese wurde mir auf der Foto-Webseite fokussiert.com in diesem Kommentar zu einem Artikel von mir gestellt.
Skip schreibt da:
“[...] Zum Thema, an das ich mich wieder erinnerte:
Ich bin über Dein Blog überhaupt mit Stockfotos in Berührung gekommen. Erst da wurde mir als (Print-)Medienlaien überhaupt klar: Wo sollen denn sonst die Fotos in der Apothekenrundschau und “familie & Co.” herkommen.
Und genau so sehen die Fotos in den Datenbanken auch immer aus: Leicht zu konsumieren, keine Ecke, keine Kontraste, keine inhaltliche Tiefe, Beiwerk zum Artikel. Dabei technisch natürlich hoch professionell produziert.
Das fällt vor allem bei Deinen Familienfotos auf, wo die Kinder immer sauber sind und die Haare ordentlich gekämmt. Und wenn Dreck, dann ist der sauber aufgetragen. Jeder Fleck perfekt. Da werden Menschen im Raum bei einer Tätigkeit abgebildet.
Die Frage ist: Muss das so sein? Verdient man mit “unordentlicheren” Settings und Modellen kein Geld?”
Die Antwort in Kürze lautet: Nein, das muss nicht so sein.
Aber die Antwort auf die zweite Frage lautet: Ja, damit verdient man kein, bzw. zu wenig Geld.
Doch jetzt hole ich mal aus: Es steht jedem Fotografen frei, sich “häßliche Models” zu suchen, diese zu fotografieren und den Bildagenturen anzubieten. Je nach Bildagentur werden diese entweder schon von der Bildredaktion abgelehnt oder aber auch angenommen. Abgelehnt werden sie meist deshalb, weil die Bildagenturen wissen, dass deren Kunden die Bilder aller Wahrscheinlichkeit nach kaum kaufen würden. Warum sollten sie auch? So lange genug Fotos von schönen Menschen angeboten werden, wird die Werbung oder der Artikel lieber damit illustriert.
Mittlerweile ist dank der Attraktivitätsforschung erwiesen, dass es Kriterien gibt, die alle Menschen oder mindestens Menschen aus dem gleichen Kulturkreis als “schön” ansehen. Ich gebe ehrlich zu, dass ich mir lieber schöne Menschen als häßliche Menschen anschaue. Außerdem gehe ich davon aus, dass es den meisten ebenso geht. Deswegen wird lieber ein Foto mit einem schönen statt mit einem häßlichen Menschen gekauft.
Das Ganze lässt sich auch spielerisch beweisen. Die Bildagentur Dreamstime hat vor kurzem ein Rate-Spiel names “Stock Rank” veröffentlicht, wo dem Spieler immer zwei verschiedene Fotos gezeigt werden. Er muss dann raten, welches sich schon verkauft hat und welches nicht. Sind auf beiden Bildern Menschen zu sehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich eher das mit den schöneren Menschen schon verkauft hat.
Dass sich schöne Menschen gut verkaufen, sehe ich an meinen Umsatzzahlen. Mit über 100 Models habe ich bisher zusammengearbeitet, ca. zur Hälfte männlich und weiblich. Bei den weiblichen Models verkaufen sich diese besser, die ich auch als “schöner” empfinden würde. Bei den männlichen Models fällt mir so ein Urteil schwerer, da Männer per se für mich weniger attraktiv sind. Hier greife ich deshalb gerne auf die Meinungen weiblicher Freunde zurück, um Männermodels auszusuchen.
Zwar heißt es von Bildagenturen immer wieder: Wir suchen natürliche, “echte” Menschen, keine Top-Models. Das heißt aber nicht, dass häßliche Typen willkommen wären. Die Models sollen gut aussehen, aber nicht so perfekt schön sein, dass sich die Betrachter nicht mehr damit identifizieren können oder wollen.
Es gibt aber eine Ausnahme: Fotos von sehr dicken Menschen, von Gesichtern mit vielen, dicken Eiterpickeln, zernarbte Körper und so weiter würden sich bestimmt verkaufen lassen. Jedoch nur mit den passenden Suchbegriffen wie “dick”, “häßlich” oder “Pickel”. Aber finde mal ein Model, dass keine Probleme damit hat, wenn Leute ihr ins Gesicht sagen: “Darf ich zu Deinem Foto schreiben, dass es häßlich aussieht?”
Selbst wenn das Model einwilligt, bleibt das Problem der gesellschaftlichen Akzeptanz. Wie ich hier in einem langen Artikel gezeigt habe, verbieten alle Bildagenturen die Nutzungen von Fotos in einem diffamierenden oder beleidigenden Kontext. Wenn dann das Foto vom Pickelgesicht für eine Akne-Werbung genutzt würde, könnte das Model vor Gericht gute Chancen auf Schadensersatz wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten haben.
Manchmal sagen mir Leute: “Diese ganzen Schönheiten auf den Titeln von TV-Zeitschriften, das ist doch nicht mehr schön, das will ich nicht sehen”. Aber damit meinen sie nie, dass sie häßliche Models sehen wollen. Sie erkennen nur, dass die Retusche so übertrieben ist, dass die Schönheit Illusion bleiben muss, obwohl sie doch lieber an echte, “natürliche” Schönheit glauben wollen. Deswegen ist die Kunst bei der Retusche auch, die Models schöner zu machen, ohne den Betrachter erkennen zu lassen, was da verändert wurde.
Selbst Model-Agenturen, die sich auf Models “abseits des Mainstream” spezialisiert haben, um es mal dezent auszudrücken, wie z.B. “Ugly Models” in London oder “Autseider” in Berlin, reden nie von häßlichen Models, sondern immer von “interessanten Gesichtern”, “Menschen mit Charaktern” oder “Leuten mit Wiedererkennungswert”.
Wer echte Fotos sucht, muss bei den Nachrichten-Agenturen schauen. Da werden Fotografen ja hochkant gefeuert, wenn sie auch nur etwas Himmel retuschieren. Autihenzitätist deren höchstes Gut, deswegen sind deren Bilder unbearbeitet und die Menschen und Orte eben mit Kanten und Dreck.
Und was ist mit dem Dreck? Gegen Dreck haben Bildagenturen nichts, vorausgesetzt, er passt zum Bildkonzept. Ein Bauer oder Bauarbeiter darf auch mal ein dreckiges Hemd tragen und Schmutz unter den Fingernägeln haben. Aber dreckige Kinder unter dem Weihnachtsbaum? Wäre das glaubwürdig? Okay, vielleicht, aber anders gefragt: Hätten sich die Eltern das gewünscht?
Eben habe ich überlegt, ob ich diesen Blog-Artikel nicht nutzen sollte, um einen Aufruf zu starten. Ich könnte fragen, wer meint, richtig häßlich zu sein und für Stockfotos modeln möchte. Irgendwie befürchte ich jedoch, dass ich dann Models absagen müsste, wenn sie für den Suchbegriff “häßlich” zu “schön” sind. Was für eine Welt.
Okay, was meint ihr? Verdient man mit “unordentlichen” Models kein Geld? Warum kaufen Designer so selten Fotos von häßlichen Models?
Heute bekam ich eine Mail des Fotografen Aroso, der mir folgendes schrieb:
“Ich stehe vor der Entscheidung mir ein Canon EF 70-200mm L IS USM in der Lichtstärke 1/4,0 oder 1/2,8 anzuschaffen. Im Augenblick sind die Preise vom 1/2,8 sehr weit unten (1490 Euro). Leider hat dieses Objektiv ein sehr hohes Gewicht von ca. 1,57 Kg. Aus Erfahrung ist mir bekannt, das ich ein Objektiv mit diesem Gewicht aus der Hand nicht richtig ruhig halten kann. Es wird laufend nach einer Ablage / Auflage gesucht. Anscheinend muss bei Gebrauch von solch schweren Objektiven ein Hantel-Training betrieben werden. Bei mir haben solch schwere Objektive immer nur im Schrank gelegen. Alleine das Tragen auf eine längere Distanz wurde zur Qual.
Bei einem Besuch in einem Tierpark der in einem Wald lag, ist mir wieder schmerzlich bewusst geworden das ich mit meinen 70-210mm 1/4.0 Objektiv und Iso 1600 nicht die richtige Lichtstärke parat hatte.
Aus diesem Grund würde mich das Canon 70-200mm 1/4.0 IS (Gewicht: 0,76 Kg) in Verbindung an einer Canon Eos 5D Mark II sehr stark reizen. Dieses Objektiv würde ich mit Sicherheit sehr oft benutzen. Die 5D Mark II wird bei Iso 6400 noch als brauchbar ausgewiesen.
Wie sind Deine Erfahrungen mit solch lichtstarken Objektiven in Verbindung mit hohem Gewicht? “
Es stimmt. Anderthalb Kilo beim 70-200 IS USM L 2.8 sind kein Gewicht, was bei einem Spaziergang Spaß macht. Aber es ist ja auch kein Spielzeug, sondern ein Arbeitsgerät. Meine Erfahrung scheint jedoch eine andere zu sein. Ich kann schwere Objektive (und Kameras) ruhiger halten als kleine, weil das Gewicht mir beim Ausbalancieren hilft. Klar, auf Dauer wird es trotzdem anstrengend. Aber was hilft gespartes Gewicht, wenn ebenfalls gute Fotos gespart werden?
Viele Leute lassen übrigens ihre Kamera beim Transport lässig um den Hals baumeln. Das geht jedoch schnell auf den Rücken. Besser ist es, den Kameragurt ganz lang zu stellen und die Kamera quer über die Schulter zu hängen. So verteilt sich das Gewicht besser und die Kamera bleibt trotzdem einsatzbereit.
Der Fotograf ist auch interessiert, Eure Meinungen zu hören. Lasst ihr Eure Schwergewichtsobjektive auch oft zu Hause oder lasst ihr die Dinger einfach Euren Assistenten tragen?
Seit einem halben Jahr beantworte ich in meiner Blog-Rubrik “Frag den Fotograf” Fragen meiner Leserinnen und Leser. Umso mehr freut es mich, dass ich letzte Woche die erste Antwort bekommen habe von der Fotografin, mit der ich die Rubrik gestartet hatte. Sie bat mich hier um Hilfe bei der Agentursuche. Meine Tipps haben geholfen und ich möchte Ihre Mail mit Euch teilen.
“Vielleicht erinnern Sie sich? Am 15.01. haben Sie in Ihrem Blog meine Frage nach bestmöglicher Vermarktung von Tier- und Kinderfotos veroeffentlicht (RM oder RF)? Hier meine Zwischenbilanz und was ich aus den hilfreichen Anregungen für mich so “gezogen” habe:
Die Tierfotos gehen fast ausschliesslich an eine spezielle Tierfotoagentur. Dort habe ich auf Anhieb auch gleich einige wirklich gute Verkäufe (Kalenderbilder) erzielen koennen. Zur Zeit halte ich es so, dass ich mir beim Shooting gegen Preisnachlass eine Freigabe unterzeichnen lasse und die Fotos direkt beim Sichten auswähle und auf den Server der Agentur lade. So landen die Fotos zeitnah dort und der “Stock” wächst und wächst Diese Agentur vermarktet RM.
Meine Kinderfotos zeigen entweder meine Kinder oder ich mache inzwischen Shootings direkt für den “Verkauf” mit entsprechender Freigabe gegen Fotos (TfP). Diese gehen überwiegend in den Microstock-Bereich, wobei sich dies momentan noch auf 2-3 Agenturen beschränkt, da ich zeitlich mehr nicht schaffe. Ich bin ja selbst noch im Babyjahr und mit zwei Kleinkindern “eigentlich” voll ausgelastet.
Interessant finde ich den anscheinend sehr unterschiedlichen Geschmack des deutschen und des amerikanischen Marktes:
In “good old germany” verkaufen sich – zumindest ich – eher “natürliche” Fotos, wobei es in Amerika gerne schon mal ein wenig “kitschig” sein darf. Hier ein Foto, das sich in Deutschland wirklich gut verkauft:
Das gleiche Foto hat bei einer amerikanischen Agentur noch “nix” gebracht. Hier ein Foto, das wiederum in Amerika gut geht, in Deutschland aber ein Ladenhüter ist:
Am Model kann es nicht liegen, ist nämlich das gleiche, mein süsser Samuel
Erstaunlich ist auch, das eine grosse amerikanische Agentur Fotos ablehnte, die sich hier schon definitiv “gut” verkauft haben. Die Geschmäcker scheinen zumindest bei der Baby-/Kinderfotografie doch sehr unterschiedlich zu sein.
Sobald meine Zeit es zulässt, plane ich eine regelmässige Belieferung der einzelnen Agenturen in folgender Aufteilung:
Baby-/Kinderfotos – Microstock bzw. Macrostock (niemals jedoch aus dem gleichen Shooting gemischt!)
Tierfotografie – spezielle Tierfotoagentur als RM
Szenen des täglichen Familienlebens (davon gibt es hier ja mit zwei Kindern und zwei Hunden genug) – Microstock”
Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit den Unterschieden des deutschen und us-amerikanischen Marktes machen können?
Letzte Woche war wieder eine spannende Frage in meinem Postfach, die bestimmt auch andere Fotografen interessiert. Sie kommt diesmal von Thomas Fischer:
“Ich verfüge noch über reichlich Fotomaterial in Form von großformatigen Diapositiven 6X7, 9X12, 13X18 und 6X12 Panaroamaformat. Gibt es noch Agenturen die solche Formate vermarkten (und auch entsprechende Preise dafür zahlen)? Oder ist es sinnvoll die Fotos einscannen zu lassen und dann anzubieten?“
Mittlerweile nimmt fast keine Bildagentur Dias mehr an. Was die Bildagentur Acor Images auf ihrer Webseite schreibt, gilt auch für viele andere Agenturen: “Analoges Bildmaterial nehmen wir nur noch in Ausnahmefällen. Die Kosten für die fachgerechte Digitalisierung werden dem Fotografen in Rechnung gestellt. Bitte nehmen Sie daher vor einer Einsendung von Dias Kontakt mit uns auf.” Ich empfehle deshalb, die Dias fachgerecht zu scannen, das heißt, vom Profi mit einem Trommelscanner, und die digitalen Fotos an Bildagenturen zu senden.
Beim Einscannen der Dias verlangen die meisten Agenturen mindestens eine optische Auflösung von 4000 dpi und eine minimale Kantenlänge von 4000 Pixeln bei der längeren Seite. Die Dateigröße sollte unkomprimiert mindestens 50 MB betragen.
Da sowohl der Kauf eines geeigneten Dia-Scanners als auch der Service von Scan-Diensten teuer ist, empfehle ich, nur die wirklich besten (im Sinne von gut verkäuflichen) Motive einscannen zu lassen und dann den Bildagenturen zu schicken. Im Gegensatz zur Einsendung der Dias an Bildagenturen hat das auch den Vorteil, dass die empfindlichen Dias beim Fotografen bleiben und die nun digital vorliegenden Daten auch bequem für die eigene Webseite und andere Zwecke genutzt werden können.
Falls es noch Bildagenturen gibt, die Großformat-Dias annehmen, kann das gerne in den Kommentaren erwähnt werden.
Mittlerweile bekomme ich sogar Mails aus vielen Ländern.
Vor einigen Tagen lag diese Mail von Cassandra aus Florida, USA, in meinem Postfach:
“I hope you can read English! I love your stock photography. I am trying to break into the business my self but need guidance! I have a Canon 450d and am going to upgrade to a 5d Mark II but I need help with the lens choice. What is your favorite lens to use? Thank you so much. You are an inspiration to newbies like me!“
Ich antwortete kurz auf englisch, möchte aber hier ausführlicher antworten, da ich gemerkt habe, dass ich meine Objektive meist für bestimmte Zwecke nutze.
Canon EF 24-105 mm, f4, IS USM L
Das ist meine meistbenutzte Linse, mein “Immerdrauf-Objektiv”, da es von Weitwinkel für Übersichtsaufnahmen bis zu einem leichten Zoom für Portraitfotos alles abdeckt. Dieses Können hat seinen Preis. Damit meine ich nicht nur den Wert in Euro, sondern auch, dass es schwer zu benutzen ist. Das Objektiv hat vor allem in den Extrembrennweiten sichtbare Objektivfehler. Da wären beispielsweise im Weitwinkel-Bereich Randabschattungen und kissenförmige Verzerrung, im Tele-Bereich tonnenförmige Verzerrung und je nach Lichtverhältnis bei allen Brennweiten starke chromatische Abberation. Auch die Lichtstärke f4 ist manchmal nicht ausreichend, wird aber oft durch den Bildstabilisatur wett gemacht.
Wer diese Fehler jedoch kennt und sie berücksichtigen kann, sei es schon bei der Aufnahme (durch Wahl einer geeigneten Brennweite) oder nachträglich mit Photoshop, hat mit dem 24-105 ein Objektiv, was sehr vielseitig und robust ist und eine gute Bildqualität liefert.
Canon EF 50mm, f1.8 II
Martin hatte vor einigen Monaten eine Lobeshymne auf dieses Objektiv geschrieben, der ich nur zustimmen kann. Das Objektiv ist mit unter 100 Euro wirklich billig, liefert sehr gute Bildqualität und für den Preis eine unschlagbare Lichtstärke! Außerdem ist es sehr klein und leicht. Diese Eigenschaften zusammen führen dazu, dass ich das Objektiv oft zusätzlich in die Tasche stecke und dann abends froh bin, wenn f4 des obigen Objektivs nicht mehr ausreichen, einige Blendenstufen mehr in Reserve zu haben. Das Objektiv ist meine deshalb “Notfall-Linse”.
Der Autofokus bei diesem Objektiv ist jedoch etwas träge und nicht sehr genau, da heißt es: “Immer schön auf dem Display kontrollieren”.
Canon EF 70-200mm, f2.8 IS USM L
Mein zweitliebstes Objektiv, was ich fast nie für meine Stockfotos einsetze, sondern vor allem für Konzertfotos, Theaterfotografie oder selten, wenn ich den Hintergrund bei Personenaufnahmen verschwimmen lassen will. Das Teil ist wuchtig und mein Mini-Stativ hat schon Probleme mit dessen Gewicht. Dafür ist es so lichtstark, dass sehr gut in dunklen Räumen gearbeitet werden kann, in denen Entfernungen überbrückt werden müssen – wie im Theater oder auf Konzerten eben. Manchmal aber auch, wenn ich das Model auf einen Baum klettern lasse.
Sigma 105mm Macro, f2.8 EX DG Mit diesem Objektiv mache ich meine Nahaufnahmen. Dabei kommt es nicht auf Schnelligkeit an und das kommt dem Makro-Objektiv zugute. Denn der Autofokus ist so laut und langsam, dass es definitiv keine Schnappschuss-Linse ist. Dafür ist die geringe Schärfentiefe bei Blende 2.8 sehr sehenswert. Oft schalte ich auf manuellen Fokus um, da es nervenschonender ist. Missen möchte ich das Objektiv nicht, denn der Makrobereich eröffnet ganz andere Bildwelten aus die anderen Objektive. Manchmal nutze ich es jedoch auch einfach für Nahaufnahmen von Körperteilen wie Augen, Nase oder Mund.
Canon EF 85mm, f1.2 USM L II
Das ist meine neuste Errungenschaft. Viele Erfahrungen konnte ich noch nicht sammeln. Gekauft hatte ich es, um stimmungsvolle Portrait bei schwierigem Licht aufnehmen zu können, doch mit Vollformat ohne Crop-Faktor ist ein Bildausschnitt nur mit Kopf schon nicht mehr möglich. Schade. Dafür mag ich hier bei den ersten Tests den samtweichen Schärfeverlauf bei großer Blendenöffnung. Die Fotos aus der fokussiert-Serie über meine Arbeit sind fast alle mit dieser Linse entstanden.
Zubehör
Ich nutze an den L-Objektiven immer die mitgelieferten Streulichtblenden (auch Gegenlichtblende oder Sonnenblende genannt). Diese erhöhen den Bildkontrast undreduzieren Farbsäume.Zusätzlich schützen sie die Objektiv-Vorderseite vor Stößen, Schlägen und klebrigen Kinderhänden.
Außerdem habe ich drei Arten von Filtern in verschiedenen Größen. UV-Filter, Pol-Filter und Graufilter. Die UV-Filter sind an dem Canon 24-105mm und dem 85mm immer dran, vor allem als zusätzlicher Schutz. Das muss ein qualitativ hochwertiger UV-Sperrfilter sein, denn ein Objektiv ist immer nur so gut wie die schlechteste Linse. Einige meinen, das sei Unsinn, weil es die Bildqualität beeinträchtigen würde. Ich wische einen Fleck jedoch lieber auf einem 100-Euro-Filter weg und riskiere da einen Kratzer als auf einem Objektiv für über 1000 Euro.
Die Pol-Filter sind übrigens die einzigen Filter, welche sich nicht mit Photoshop simulieren lassen. Im Studio bringen sie mir nichts (es sei denn, ich fotografiere spiegelnde Flächen), aber bei Außenaufnahmen sorgen sie für satte Farben und den kitschig blauen Himmel.
Die Graufilter nehme ich selten, nur wenn ich eine geringere Schärfentiefe erzwingen möchte, als es bei strahlendem Sonnenschein sonst möglich wäre. Vor allem für Video-Aufnahmen werden die Filter sicher öfter zum Einsatz kommen. Was für Objektive nutzt ihr und warum findet ihr sie gut?
Ich erhalte viele Mails, in denen ich die gleichen Fragen gestellt bekomme. Deswegen beantworte ich einige davon hier im Blog, um andere Leser daran teilhaben zu lassen.
Kerstin aus Sachsen schrieb mir vor einer Weile:
“Hallo Robert,
ich hätte mal eine Frage an Dich, da Du ja auch ein Meister der Verschlagwortung bist:
Gibt es einen englischen Begriff für Textfreiraum?
All meine Wörterbücher helfen mir dabei leider nicht weiter und auch im Internet habe ich nicht wirklich eine Lösung gefunden…”
Wörterbücher helfen in diesem Fall wirklich nicht weiter, es sei denn, jemand setzt sich mal hin und erstellt ein Branchenwörterbuch für die Stockfotografie.
Das erst mal die Antwort: Das englische Wort für “Textfreiraum” lautet “copyspace“, also wörtlich “Platz zum Kopieren” von Text oder anderen Bildern. Einige schreiben das Wort zusammen, andere auseinander (copy space), aber üblicher und besser verkäuflich ist die zusammengeschriebene Variante.
Einige Bildagenturen wie istockphoto lassen sogar direkt nach diesem freien Platz im Foto suchen. Soll er links oben oder unten in der Mitte sein? Genauer erklärt wird das von istockphoto-Fotograf Sean Locke in einem Blogpost.
Warum ist das Wort Textfreiraum bzw. deren englisches Pendant so wichtig in der Stockfotografie? Stockfotos werden häufig zur Illustration von Text benötigt. Wenn im Bild freie Flächen sind, hat der Designer mehr Spielraum, wo er diesen Text platzieren soll oder wo er bei einer Werbeanzeige das Produkt, das Logo und den Werbeslogan unterbringen kann. In einem Artikel zu Freistellern ist das an einem Praxisbeispiel gut zu sehen.
Durch diesen Blog häufen sich Anfragen von Fotografen in meinem Postfach, die Fragen an mich haben. Da dieser Blog nur ein kleiner Teil meiner Arbeit als Fotoproduzent ist, finde ich leider nicht immer die Zeit, jedem ausführlich zu antworten. Deswegen picke ich mir für die Rubrik “Frag den Fotograf” ab und zu einige Fragen heraus, die ich in größerer Runde beantworten möchte, damit gleich alle Leser (und Leserinnen) an der Antwort teilhaben können. Und bitte, scheut euch nicht. Wer zusätzlich Antworten hat, kann sie gerne in den Kommentaren hinterlassen. Der Fragesteller wird diese ebenfalls lesen.
Dieses Mal schrieb mir ein Fotograf aus Mannheim:
“Hallo Robert,
habe mal eine Frage zu Deiner Stock-Fotografie, vorausgesetzt, Du möchtest mir antworten:
Wie sind Deine Erfahrungen im Bereich Verschlagwortung?
Kann man ohne weiteres alles in Deutsch bearbeiten, oder bringt es Vorteile, das ganze von vorneherein in Englisch durchzuführen.
Wie viel Anlaufzeit hattest Du, bis Du einigermaßen zufrieden warst mit den Verkaufsergebnissen?”
Ich verschlagworte grundsätzlich alle meine Fotos in deutscher Sprache. Zum einen deshalb, weil die meisten meiner Bildagenturen deutsche Suchbegriffe akzeptieren und einige Agenturen verschlagworten die Fotos sowieso selbst. Bei den wenigen Agenturen, die englische Schlagworte verlangen, bediene ich mich eines Tricks. Ich nutze die Übersetzungsfunktion für das kontrollierte Vokabular einer großen Bildagentur und kopiere mir diese Suchbegriffe.
Wichtiger als die Sprache der Suchbegriffe ist jedoch die Wortwahl. Meine Tests haben beispielsweise ergeben, dass ein Wort in seiner ursprunglüchen Wortart, vor allem bei Verben und Substantiven, am meisten gesucht wird. Deshalb ist “laufen” als Suchbegriff sinnvoller als “Lauf” oder “Haus” nützlicher als “häuslich”. Bei Adjektiven ist entgegen dieser Regel lieber nach dem Substantiv gesucht, also z.B. “Stärke” statt “stark” oder “Größe” statt “groß”.
Vor wenigen Tagen habe ich bei einer Bildagentur die Suche eines Kunden verfolgen können. Dieser suchte erst nach “Größenverhältnis”, fand nur 6 Fotos, versuchte es danach mit “Größen” und erhielt 33 Treffer und erst bei der Suchkombination “groß klein” erhielt er 353 Bilder zur Auswahl, auf denen es genug Beispiele für das ursprünglich gesuchte “Größenverhältnis” gab.
Auch andere Ergebnisse sind interessant: So verkaufen sich Fotos mit dem Suchbegriff “Flagge” besser als “Fahne”. Mehr Leute suchen nach “Fotografie” als nach “Fotograf”. Je länger ein Suchbegriff ist, desto seltener wird er genutzt. Trotz aller Konzeptwörter sollte die konkrete Beschreibung der Gegenstände auf einem Foto nicht vergessen werden. Wenn ein Verkehrsschild auf einem Foto zu sehen ist, reicht nicht der Begriff “Verkehrsschild”, sondern auch die dargestellte Verkehrsregel sollte als Suchbegriff genutzt werden, z.B. “Parkverbot”, “Vorfahrt beachten” etc.
Einige Bildagenturen helfen den Fotografen, indem sie z. B. wie Dreamstime angeben, welche Suchbegriffe zum Verkauf eines Fotos führten. Ich weiß, dass einige andere Agenturen diese Daten ebenfalls intern auswerten. Es wäre hilfreich, wenn diese mit den Fotografen geteilt werden würden. Shutterstock, Panthermedia, Digitalstock und einige andere Bildagenturen zeigen beispielsweise Listen der Suchbegriffe, die am häufigsten von den Kunden genutzt werden.
Regelmäßige Zeitschriftenlektüre trainiert auch die Sensibilität für die richtigen Suchbegriffe. Wer sich in einer bunten Zeitschrift die Fotos nicht nur anschaut, sondern überlegt, warum das Foto gekauft wurde, findet viele Informationen. Vor allem im Titel des Textes, Untertitel oder in der Bildunterschrift stehen oft die Worte, nach denen der Bildredakteur gesucht hat, um das Foto zu finden.
Im Internet gibt es viele hilfreiche Programme, die bei der Erstellung oder der Analyse von Suchbegriffen nützlich sind, zum Beispiel:
Stocktagger schlägt ähnliche Suchbegriffe anhand des “kontrollierten Vokabulars” von Getty Images und istockphoto vor
Photokeywords erlaubt ebenfalls die Suche nach ähnlichen Fotos und schlägt passende Suchbegriffe vor
Findphotokeywords wie das vorige Programm, nur viel ausführlicher, dafür aber häufige Nutzung nur gegen Entgelt
PicNiche analysiert Angebot und Nachfrage bestimmter Suchbegriffe
Darüber hinaus gibt es Programme, die zwar nicht für die Stockfotografie erfunden wurden, aber helfen, das Suchverhalten der Menschen besser zu verstehen:
Google Trends zeigt an, nach was bevorzugt bei Google gesucht wird
Keyword-Datenbank liefert viele Daten zu aktuellen Suchanfragen im Internet
Visual Thesaurus visualisiert die Nähe verschiedener verwandter Wörter
KwMap zeichnet ähnliche Suchbegriffe visuell nach und listet sie zusätzlich alphabetisch auf
Nach dieser Informationsflut sollte der Verschlagworter noch mal sein Werk begutachten und einen Schritt zurück treten. Ist wirklich jedes der gewählten Suchbegriffe für mein Foto relevant? Wenn Dich ein Bildredakteur anrufen würde und jedes Wort mit Dir durchgehen würde, könntest Du jeden Deiner Begriffe glaubhaft verteidigen? Wenn nicht, fällt Dein Foto vielleicht dem “Keyword-Spam” zum Opfer. Keyword-Spam bedeutet, dass sehr beliebte Suchbegriffe für ein Foto benutzt werden, damit es bei Suchen häufig angezeigt wird, obwohl diese Wörter nicht zum Foto passen. Das ist bei vielen Bildagenturen ein Ablehnungsgrund. Vor allem istockphoto und Alamy sind in dieser Hinsicht sehr streng.
Meine Art der Verschlagwortung ist bestimmt nicht die beste, aber bisher bin ich damit klar gekommen. In regelmäßigen Abständen schaue ich in meine und die Statistiken der Bildagenturen, welche Suchbegriffe besonders beliebt sind und richte meine Fotosessions danach aus. Danach nutze ich einige der oben angegebenen Webseiten, um bei unsicheren Keywords herauszufinden, welche Variation am gelungendsten wäre. Danach verschlagworte ich das Foto nach sichtbaren Motivteilen (Mann, Tisch, Akte, Telefon, Anzug, …), dann folgen die Konzeptwörter (Business, Arbeit, Hektik, Bürokratie, …) und zum Schluss technische Beschreibungen (Freisteller, Studioaufnahme, isoliert, Textfreiraum, …). Zum Schluß werden alle Wörter nach Relevanz geordnet, also die wichtigsten nach vorn, der Rest nach hinten.
Nach einer Weile habe ich so einen kompakten Satz an Suchbegriffen, die ich für neue Fotos schnell übernehmen kann. Ich mache das mit Copy & Paste in einem Textprogramm, wer will, kann auch Adobe Bridge komfortable dafür einrichten. Hier eine Anleitung. Wer bequem ist, kann sich sogar fertige Keyword-Listen dafür kaufen.
Puh, das war eine lange Antwort. Jetzt interessiert mich, wie ihr Eure Fotos verschlagwortet. Wie ist Eure Vorgehensweise? Was für Erfahrungen habt ihr mit unterschiedlichen Methoden gemacht?
Ein Blick hinter die Kulissen professioneller Fotografie: Der Autor Robert Kneschke ist Fotoproduzent und schreibt hier über seine Arbeit. Mit Tipps und Informationen für Fotografen, Models, Bildkäufer und Bildagenturen.
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