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10 Tipps für ein gelungenes Shooting (Gastbeitrag)

Die Macrostock-Bildagentur Westend61 bietet ihren Fotografen unter anderem die Westend61-E-Learning Academy, wo de Fotografen hilfreiche Tipps für bessere Shootings und Briefings zu besonders gefragten Themen erhalten.

Aus dieser Reihe stellt heute – mit freundlicher Genehmigung von Westend61 – Michael, Art Director bei Westend61 zehn Tipps für ein gelungenes Shooting vor. Michael hat mich auch bei meinem Supermarkt-Shooting tatkräftig unterstützt, ich weiß also, dass er weiß, wovon er redet. Los geht’s:

10 Tipps für ein gelungenes Shooting

1. Das Briefing

“Make a difference”! Die kreative Idee eines Shootings und die Einzigartigkeit des Themas oder Details der Umsetzung machen den Großteil des Erfolges aus. Daher sollte vor jedem Shooting ein detailliertes Briefing erstellt werden, welches das Shooting beschreibt und die Ziele für den Tag festhält. Das Briefing (oder auch Shootingplan) kann entweder nur dem Fotografen und seinen Mitarbeitern am Set helfen sich zu fokussieren oder auch als Hilfestellung für die Models genutzt werden. Das Briefing sollte mindestens 5-10 “Must Have – Motive” beinhalten, also die Topmotive, die man auf jeden Fall beim Shooting realisieren möchte. Neben der Motivauflistung ist es auch ratsam, eine konzeptuelle Keywordliste einzubauen, mit der man am Set spontan improvisieren kann. Diese Keywords sind genau die Suchbegriffe, unter denen die Endkunden später die Bilder in den Suchmaschinen finden sollen.

2. Gutes Styling

Grundsätzlich raten wir bei professionellen People-Shootings immer dazu, auch einen Stylisten zu buchen. Oft genug ist es das Styling der Models, das den Erfolg der Bilder zu großen Teilen ausmacht. Unbedingt vor dem Shooting mit den Maßen der Models und den Größen der Garderobe auseinandersetzen. Zu große oder zu kleine, nicht perfekt passende Kleidung wirkt schnell billig und mindert den vielleicht sonst guten Eindruck eines Fotos. Lassen Sie die Models ruhig auch ihre Lieblingsoutfits zum Shooting mitbringen. Zudem ist eine mobile Bügelmöglichkeit ist am Set äußerst ratsam. Das Styling sollte je Shootingthema geschmackvoll, passend und zeitgemäß sein. Weniger ist oft mehr, daher sind “Basics” oft eine gute Wahl für die Ausstattung der Models. Diese ansprechend zu kombinieren und mit Accessoires zu garnieren will gekonnt sein! Grundsätzlich muss man sich gerade beim Styling vor Augen halten, dass Westend61 Stockbilder fast ein Jahrzehnt auf die weltweite Reise schickt und die Bilder auch noch in ein paar Jahren als Aushängeschild für Fotograf und Agentur dienen.

3. Haare und Make-Up

Ohne Make-Up (in welcher Form und Variante auch immer) funktioniert eigentlich kaum ein People-Shooting. Ausser, man möchte ein Model in der Situation “der morgendliche Blick in den Spiegel” fotografieren. Und auch das Styling der Haare darf nicht unterschätzt werden. Die Frage nach aktueller Haarlänge und -farbe der Models sollte also nie vergessen werden. Während der Aufnahmen muss immer wieder ein kritischer Blick auf Haare (auch Strähnen!) und Make-Up geworfen werden. Das nachträgliche Retuschieren von Haaren kann sehr zeitaufwendig sein. Das Make-Up erfüllt in den meisten Fällen unter anderem die Funktion, die Haut der Models matt und nicht zu glänzend erscheinen zu lassen, Vorsicht also vor zu starkem Make-Up, das nicht zur Situation und Stimmung passt.

4. Die Technik

Hierzu gäbe es viel zu schreiben, aber aufgrund der fast unüberschaubaren Fülle an professioneller Kamera-, Licht und Objektivtechnik würde dies den Rahmen an dieser Stelle sprengen. So banal es auch klingt: Bitte vor jedem Shooting die Technik von A bis Z prüfen, säubern, Akkus laden, Ersatzgeräte und -akkus bereithalten und wenn möglich verschiedenen Optiken zum Set mitbringen. Natürlich ist es oft praktisch mit Zoomobjektiven zu arbeiten, aber manchmal lassen ein paar Aufnahmen mit Festbrennweiten hunderte anderer Bilder im Schatten stehen. “Make a difference” gilt auch beim Einsatz der Technik!

5. Gutes Auge

Ein gutes fotografisches Auge ist unheimlich wichtig für das Bildergebnis. Der Bildaufbau sollte eine eigene Dynamik haben, einen “Drive”, den Blick des Betrachters führen. Auch ein passendes, unterstützendes Schärfe/Unschärfe-Verhältnis und möglicherweise Textfreiraum (Copyspace) sind wichtig für Stockbilder. Hier hilft es, immer wieder Magazine und Zeitschriften zu wälzen und sich ganzseitige und doppelseitige Bildnutzungen anzuschauen. Wie werden Bilder eingesetzt, wann wirkt das Verhältnis von Text und Bild ausgewogen? Was genau macht ein gutes Bild aus, das einem sofort ins Auge springt und einen begeistert?

6. Assistenz und Unterstützung

Ein (kräftiger?), fleissiger Assistent ist eine wesentliche Erleichterung und Unterstützung beim Shooting. Es gibt am Set ständig so viele Dinge zu beachten und zu prüfen (Licht, Schärfe, Details, Überblick über die Dateien selbst, etc.) dass sich ansonsten schnell Fehler einschleichen oder die Kreativität augrund dieser Arbeiten leidet. Verlässt man das Shooting, sollte schon an dieser Stelle ein Backup der fertigen Aufnahmen gemacht werden.

7. Stay cool!

Locker und cool zu bleiben ist für das Endergebnis äußerst wichtig. Man sieht Bildern einfach an, ob sie mit Spaß und Freude entstanden sind oder unter Zeitdruck und Stress. Sollte einmal nicht alles wie ursprünglich geplant ablaufen, ist Mut zum kreativen Improvisieren gefragt! Oft entstehen die schönsten und auch brauchbarsten Bilder zwischen den eigentlichen geplanten Motiven. Die moderne Bildsprache lebt von Echtheit, Authentizität und “unbeobachtetem” Fotografieren. So komisch es auch klingen mag: Anspruchsvolle Stockbilder dürfen nicht zu “stockig” aussehen. Natürlich gibt es Ausnahmen und gerade sehr konzeptionelle Shootings sind und bleiben Stock-Shootings.

8. Technische Prüfung und Überblick

Am besten direkt mit Funk- oder Kabelverbindung mit dem Laptop/Tablet verbinden. Nur so kann man alles genau beurteilen und bekommt ein Gefühl fürs Format, die Technik und Details. Ein Shooting nur auf dem Kameradisplay zu beurteilen ist sehr riskant und man verliert schnell den Überblick.

9. Die Models

Das A und O eines jeden People-Shootings. Wirklich. Es sind die Gesichter und Körper der Models, die Endkunden zur Lizenzierung eines Fotos bewegen.

10. Wetter

Gerade in unseren Breitengraden immer ein Risiko, daher am besten eine “Schlechtwetteroption” einplanen bzw. 1-2 Tage Puffer für das Shootingdatum ermöglichen. Nichts ist frustrierender, als im Regen zu stehen wenn man für ein Shooting Sonne pur gebraucht hätte. Hier gilt also: Wetterberichte beobachten, genau vorplanen und notfalls ein Shooting lieber verschieben als es unter ungünstigen Bedingungen “durchzuziehen”. Übrigens: Auch bei vielen Indoor-Shootings ist tolles Wetter draußen wichtig für das Endergebnis. Zusätzlich aber immer genug Licht dabei haben!

Fazit

Ein gutes Shooting erfordert sehr viel Vorbereitung, eine gute Portion Selbstvertrauen, eine gewisse technische Sicherheit, einen Spritzer Mut und gute Stimmung im Team den ganzen Tag lang. Et voilà!

Viel mehr Tipps gibt es für Westend61-Fotografen hier in der Westend61 Academy.

Probleme und Chancen der Selbstkannibalisierung in der Stockfotografie

Apple muss verrückt sein: Da bauen die ein Mobiltelefon, das iPhone, welches die Verkaufszahlen ihres bestverkaufendsten Musikspielers, dem iPod, nach unten drückt. Ähnlich ist es beim Macbook Air gewesen, welcher das Macbook Pro kannibalisiert. Auch der Medienkonzern Time Warner nutzt die Selbstkannibalisierung zur Umsatzsteigerung. Im Grunde ist es eine gute Entscheidung: Lieber sich selbst kannibalisieren als das Mitbewerbern überlassen.

Das gilt für viele Branchen, besonders auch für die Stockfotografie. Denn wenn wir ehrlich sind, verkaufen sich originelle Konzepte vor allem im Microstock-Bereich nicht so gut wie die Klischees. Und Klischees haben es nun mal in sich, dass sie überansprucht, abgedroschen und  althergebracht sind. Je universeller und je weniger einprägsam ein Stockfoto ist, desto höher sind dessen Verkaufschancen (siehe dazu auch Kapitel 2.3 dieser Seminararbeit).

Es ist deshalb einfach, im Internet Spott über klischeehafte Stockfotos zu finden, wie Seiten wie diese, diese, diese, diese, diese oder diese beweisen. Okay, ich höre schon auf, nachdem ich noch den Klassiker „Frau lacht allein mit Salat“ erwähnt habe.

Anhand eines Beispiels lassen sich gut die Probleme und Chancen der Selbstkannibalisierung in der Stockfotografie aufzeigen.

Im November 2010 hatte ich eine Fotosession in einem Fitnesscenter gemacht. Die monatlichen Einnahmen des relativ teuren Shootings waren sehr lange stabil. Bis ich im April 2012 einen deutlichen Umsatzeinbruch hatte. Daran war ich selbst schuld, denn ich hatte im März 2011 eine andere Fotosession aus einem anderen Fitnesscenter hochgeladen, bei dem sich die Motive stark an den erprobten Bestsellern des ersten Shootings orientierten.

Die Balken zeigen die Umsätze pro Monat an, die rote Linie die Verkaufszahlen. Solche übersichtlichen Statistiken erstellt übrigens Stockperformer.

Im Dezember 2012 ist für die Serie ein erneuter Einbruch zu erkennen, der nicht nur den Weihnachtsfeiertagen geschuldet ist, sondern auch der Tatsache, dass ich ein weiteres Shooting im gleichen Fitnesscenter wie beim ersten Bestseller-Shooting gemacht habe. Ich habe zwar andere Models genommen, damit etwas Unterschiede zum ersten Shooting vorhanden sind, mich aber wieder bewusst an den gut laufenden Motiven der vorigen Fitness-Serien orientiert habe.

Und es hat sich gelohnt: Das aktuelle Shooting hat innerhalb von sechs Wochen eine Sell-Through-Rate von 70% bei Fotolia und 92% bei Shutterstock, das heißt, soviel Prozent der Fotos des gesamten Shootings wurden mindestens ein Mal verkauft. Sonst brauche ich dafür bei anderen Shootings ca. drei bis vier Monate.

Trotz der Umsatzeinbrüche lohnt sich die Kannibalisierung auch finanziell: Wenn ich auf die gesunkenen Einnahmen des ersten Shootings die monatlichen Umsätze das zweiten und dritten Fitness-Shootings addiere, zeigt die Umsatzkurve wieder nach oben, auch in Berücksichtung der  zusätzlichen Kosten für die neuen Shootings.

Ein weiterer Punkt, den ich bald noch genauer erläutern werde, ist die durchschnittliche Lebensdauer eines Microstock-Fotos. Egal, ob ich jetzt neue Motive nachschiebe oder nicht, sinken die Umsätze eines Fotoshootings irgendwann. Das hängt damit zusammen, dass Alter und bisherige Verkäufe ein Faktor im Suchalgorithmus der Bildagenturen sind und mit der zunehmenden Konkurrenz durch andere Bilder. Da bietet es sich an, erfolgreiche Shootings nach zwei Jahren noch mal nachzustellen.

Klar, es wäre lohnender für mich, immer komplett andere Themen-Shootings zu organisieren. Aber erstens profitiere ich bei der Wiederholung von Bestseller-Shootings von meinen bisherigen Erfahrungen, sei es durch vorhandene Kontakte, Models oder die passende Verschlagwortung. Außerdem werden häufig verkaufte Motive – wie auch bei meinen Fitness-Fotos geschehen – schnell von anderen Microstock-Fotografen kopiert. Da kopiere ich mich lieber selbst und verdiene an den Kopien mit als dass ich die Einnahmen den anderen Fotografen überlasse.

Wie seht ihr das? Wiederholt ihr eure Bestseller-Bilder und warum?

Das Alter der Models in der Stockfotografie

Jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitze und mich die Zahnärztin lächelnd begrüßt, bin ich kurz irritiert. Wenn ich sie beschreiben müsste, würde ich sagen, dass sie eine attraktive, junge Frau mit langen, schwarzen Haaren ist, schätzungsweise Mitte 20, in einem engen weißen Top und mit einem Pferdeschwanz.

Erkennt ihr den Fehler?  Die Wahrscheinlichkeit, dass eine junge Frau Mitte 20 noch in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung steckt, ist sehr hoch. Normalerweise fangen die jüngsten Zahnärzte mit ca. 25-27 Jahren ihre Arbeit an.

Es kann natürlich sein, dass meine Zahnärztin schon älter ist, aber immer noch jung aussieht, doch in der Stockfotografie geht es eben um den „Schein“ nicht das „Sein“. Niemand interessiert sich dafür, was meine Models außerhalb eines Fotoshootings machen (wenn sie nicht gerade Erotikstars sind), wenn sie die Rolle, die sie auf den Stockfotos verkörpern sollen, glaubwürdig darstellen können.

Diese Glaubwürdigkeit eines Models entsteht hauptsächlich durch drei Faktoren: Geschlecht, Alter und Requisiten. Die Requisiten sind ein eigenes Thema und wer Interesse daran hat, dem empfehle ich das Kapitel 10 in meinem „Stockfotografie“-Buch*. Auch beim Geschlecht gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Beim Alter gibt es deutlich mehr Variationen.

Es ist aber nicht schwer, das richtige Alter eines Models für ein bestimmtes Fotomotiv festzulegen, wenn ihr in Wahrscheinlichkeiten denkt. Wie häufig kommt die geplante Konstellation von Alter/Geschlecht vor und welche anderen Konstellationen sind wahrscheinlicher? In diesem Blogartikel hatte ich beschrieben, wie mich die Chefin eines Fitnesscenters darauf hinwies, was die typische Zielgruppe ihres Sportstudios sei. Daran habe ich mich bei der Modellauswahl gehalten.

Jemanden zu fragen, der Ahnung von der zu fotografierenden Branche hat, ist eine einfache und unfehlbare Methode, die richtige Altersspanne der Models herauszufinden.

Trotzdem sehe ich ständig Stockfotos, die unfreiwillig komisch wirken, weil das Model nicht passt.  Ein typisches Beispiel ist die junge, gertenschlanke Blondine im Blaumann und Schutzhelm, die Anfang 20 ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine attraktive junge Frau, die aussieht, als könne sie keine fünfzehn Kilo stemmen, einen Beruf ergreift, der es erfordert, einen Blaumann anzuziehen? Sehr gering. Viel realistischer ist ein unrasierter, muskulöser, braungebrannter Mann ab Ende 20.

Ebenfalls berüchtigt in den Microstock-Portfolios sind die halbnackten jungen Frauen mit großer Oberweite im Nikolauskostüm, die mehr Haut als Stoff zeigen. Das mag oft die Fantasien der älteren, männlichen Fotografen bedienen. Aber wenn ihr Kinder – immerhin die größte Zielgruppe für Fotos mit Weihnachtsmännern – bittet, ein Bild vom Nikolaus oder Weihnachtsmann zu malen, werden die Bilder kaum wie die der beschriebenen Weihnachtsbunnies aussehen. Und vergesst Klebebart und Kopfkissen: Nehmt gleich einen dickeren älteren Herren mit ergrautem Vollbart.

Ich gebe zu, dass ich in meiner Anfangszeit auch oft den Fehler gemacht habe, das Alter der Modelle zu ignorieren. Jetzt im Nachhinein frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, eine Siebzehnjährige im Anzug zu fotografieren? Das würde höchstens zu einer Konfirmation passen und auch nur, wenn die Requisiten und das Umfeld stimmen. Ein Mann Anfang 40 im Anzug hingegen kann alles sein: Rechtsanwalt, Manager, Lehrer, Berater, Chef, Politiker, Beamter und so weiter. Das heißt für den Fotografen: Deutlich höhere Chancen, mit diesen Fotos Geld zu verdienen.

Für das Motiv nicht ganz geeignet vom Alter.

Meine Erfahrung zeigt, dass es im Zweifel sinnvoller ist, eher Models zu wählen, die etwas älter als etwas zu jung sind. In diesem Blogartikel hatte ich über ein Shooting von mir in einer Universität geschrieben. Als Models hatte ich Leute Anfang bis Mitte 20 gewählt. Es kam der Kommentar, dass im Zuge der Bologna-Reform und der Bachelor-Studiengänge die Studierenden heute immer jünger würden und ich jüngere Models hätte wählen sollen. Dem kann ich zustimmen. Kürzlich habe ich aber festgestellt, dass die Motive meines Uni-Shootings auch gerne  in der Werbung für Erwachsenenbildung oder für Weiterbildungsmaßnahmen benutzt werden.  Wären die Models alle einige Jahre jünger gewesen, hätte es besser zum Thema Studium gepasst, aber die zusätzliche Zielgruppe der Erwachsenenbildung hätte ich dann mit meinen Bildern vielleicht nicht erreicht.

Übrigens: Ich habe gestern meine Zahnärztin nach ihrem Alter gefragt. Sie meinte, sie sei 32, fühle sich aber geschmeichelt, dass ich sie auf Mitte 20 schätze.

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr euch beim Alter eurer Models?

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Sollte man alte Bilder aus seinem Agentur-Portfolio löschen?

Eine Frage, die Stockfotografen häufig diskutieren, ist, ob man seine alten, unverkauften Fotos aus seinem Bildbestand löschen sollte oder lieber nicht. In einer Facebook-Gruppe gab es neulich wieder eine lange Diskussion, deren Essenz ich heute zusammenfassen will.

Welche Vorteile gibt es, Fotos aus seinem Portfolio zu löschen?

Fangen wir mit den Vorteilen an: Wer sein Portfolio regelmäßig von alten Bildern befreit, welche sich in mehrere Jahre lang noch nie verkauft haben und die einem mittlerweile peinlich sind, weil man als Fotograf dazugelernt hat, erhält ein auf den ersten Blick beeindruckenderes Portfolio.

Sinnvoll kann das vor allem auch bei Serien sein. Wenn sich aus einer Serie abzeichnet,  dass bestimmte Motive gefragter sind als andere, hilft eine Löschung der „schlechteren“ Motive, die Verkäufe auf weniger Bilder zu vereinen, was die betreffenden Bilder im Ranking der Suchalgorithmen bevorzugt, was wiederum zu mehr Verkäufen führt.

Ein weiterer Vorteil ist der Anblick eines von „Dateileichen“ gereinigten Portfolios für den Bildkäufer, der so leichter die gut gehenden Bilder finden kann und deshalb vielleicht eher bereit ist, sich das Portfolio für einen Direktzugriff zu speichern.

Es wird gemutmaßt, dass es auch eine Art „Portfolio-Ranking“ geben könnte, welches bewirke, dass Bilder eines Portfolios, welches ein besseres Verhältnis von Ansichten zu Verkäufen (Views-Sales-Ratio) hat, prominenter in den Suchergebnissen der Bildagenturen angezeigt werden. Wer unverkaufte Bilder aus seinem Portfolio löscht, verbessert dieses Verhältnis automatisch. Ob es das ominöse Ranking jedoch gibt, konnte meines Wissens noch kein Stockfotograf nachweisen.

Einige Fotografen betonen auch die psychologische Wirkung einer „Aufräumaktion“, weil man sich danach befreiter fühlt und das Portfolio geordneter aussieht. Das ist jedoch ein Effekt, den ich aus wirtschaftlicher Sicht vernachlässigen würde.

Welche Nachteile hat das Löschen alter Bilder aus seinem Portfolio?

Der größte Nachteil einer Löschaktion liegt auf der Hand: Ein Bild, was nicht in der Bildagentur vorhanden ist, kann vom Kunden nicht gekauft werden. Da für den Fotografen weder Kosten für den Speicherplatz noch für die Serverwartung o.ä. anfallen, tendiere ich dazu, dem „Long-Tail“-Gedanken zu folgen, wonach man auch Geld verdienen kann, wenn man ganz viele Bilder hat, die nur sehr selten verkauft werden. Ich glaube, der passende altdeutsche Spruch dafür lautet: „Kleinvieh macht auch Mist“.

Ein weiterer logischer Nachteil ist die benötigte Zeit. In der Zeit, die ein Fotograf braucht, um 100 alte Bilder aus seinem Bildbestand zu löschen, hätte er einige komplett neue Bilder machen können, welche die Chance haben könnten, neue Bestseller zu werden.

Die meisten Käufer interessieren sich auch nicht dafür, wie das Portfolio eines Fotografen aussieht, denn sie brauchen in bestimmtes Motiv, welches sie mit Suchbegriffen über die Suchfunktion finden. Nur wenn sie Serien oder weitere Varianten eines Motivs brauchen, durchstöbern sie das Portfolio eines Fotografen, nutzen dann aber eher – je nach Agentur – die „Sortieren nach Datum“ oder „Mehr Bilder des gleichen Models“ oder „Mehr Bilder der Serie“-Funktion.

Im Gegensatz zum vermuteten Portfolio-Ranking gibt es vielleicht auch ein Portfoliogröße-Ranking, welches einfach Portfolios bevorzugt, wenn sie größer als andere sind. Das ist zwar auch nicht bestätigt, jedoch glaube ich daran mehr als an das andere Ranking.

Ausnahmen und meine Herangehensweise

Eine klare Ausnahme, die eindeutig für das Löschen bestimmter Bilder spricht, ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Bild rechtliche Probleme bereiten könnte, weil Logos, Markennamen oder andere geschützte Elemente abgebildet sind, die damals übersehen wurden. Manchmal ändert sich auch die Rechtslage und damals „rechtlich sichere“ Motive werden plötzlich unerwünscht.

Manchmal empfiehlt es sich auch, Bilder zu löschen, wenn sich herausstellt, dass wichtige Suchbegriffe bei einem Foto vergessen wurden und man bei der Bildagentur (zum Beispiel bei Fotolia) nachträglich keine neuen Keywords eintragen kann.

Ich selbst lösche – bis aus die genannten Ausnahmen – keine alten Fotos, hauptsächlich deshalb, weil es mich Zeit kosten würde und ich den erwähnten Long-Tail-Ansatz für plausibel halte.

Wie haltet ihr das? Löscht ihr alte Fotos oder nicht? Und warum?

Zeit sparen bei Bildauswahl durch Cachegenerierung mit Adobe Bridge

Jeder Fotograf kennt das: Nach einem erfolgreichen Shooting werden die Bilder von der Kamera in den Computer geladen. Danach muss aus den hunderten oder gar tausenden Bildern eine Auswahl getroffen werden. Was sind die besten Motive? Welche Fotos sind wirklich scharf?

Vor allem Bildagenturen sind sehr streng, was die Schärfe angeht und jeder Fotograf muss sich das Foto mindestens in der 100%-Ansicht anschauen, um wirklich sehen zu können, ob wichtige Bilddetails scharf genug sind. Bei Stockfotografen kommt hinzu, dass Zeit Geld ist und jede Hilfe willkommen ist, diese Zeit für die Bildauswahl zu minimieren.

Deshalb möchte ich heute einen kleinen Kniff vorstellen, der sich in den Tiefen von Adobe Bridge verbirgt und mir oft mindestens einige Minuten pro Fotoshooting spart.

Einige fragen sich vielleicht? Bridge? Nie gehört. Dabei ist Bridge ein sehr komfortables Fotoverwaltungsprogramm (vergleichbar mit Lightroom ohne Bearbeitungsfunktionen), was sogar kostenlos ist – na ja, fast: Bridge ist Teil des sündhaft teuren Adobe Photoshop*. Bridge kann entweder direkt über die Bridge.exe aufgerufen werden oder indem ihr in Photoshop auf „Datei/In Bridge suchen…“ klickt.

In Bridge gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich Bilder anzeigen zu lassen, ich nutze meist den Filmstreifen-Look. Wenn ihr mit der Maus auf ein Detail des Bildes klickt, wird dieser Bereich als Ausschnitt in einer 200%-Ansicht angezeigt. Sehr nützlich, um eben schnell entscheiden zu können, ob das Bild scharf ist oder nicht. Schnell ist jedoch relativ. Das Programm lädt die volle Bilddatei im Hintergrund, was bei den großen RAW-Dateien meiner Canon 5D Mark III* selbst mit meinem schnellen Rechner 5-10 Sekunden dauern kann.

Deswegen benutze ich fast immer die Möglichkeit, den Cache eines Bildordners im Voraus generieren zu lassen, während ich mit anderen Tätigkeiten beschäftigt bin. Dazu klickt man in Adobe Bridge auf „Werkzeuge/Cache/Cache generieren und exportieren…„.

Dann erscheint das Dialogfeld „Cache anlegen“ mit zwei wichtigen Optionen. Das Häkchen bei „Vollbildvorschauen erstellen“ bewirkt, dass Bridge die 200%-Ansichten alle vorab in den Speicher lädt und „Cache in Ordner exportieren“ sorgt dafür, dass der Cache im Ordner bleibt und auch bei einer Leerung des Arbeitsspeichers oder einem Verschieben oder Kopieren des Ordners der Cache erhalten bleibt.

Wer später den – teilweise 500 MB großen  – Cache löschen will, kann einfach entweder im betreffenden Ordner die beiden Dateien „.BridgeCache“ und „.BridgeCacheT“ löschen, oder in Bridge unter „Werkzeuge/Cache“ die Option „Cache für Ordner leeren“ wählen.

Wenn der Cache angelegt wird, sollte man Bridge im Hintergrund vor sich hin werkeln lassen. Das dauert je nach Anzahl der Bilder und Geschwindigkeit des Computers unterschiedlich lange.  Bei mir dauert die Bearbeitung von ca. 1000 Bildern (je 500 RAW und 500 JPG) in Adobe Bridge CS6 mit einem i5-Prozessor mit 3,1 Ghz, Win7 (64 Bit) und 16 GB Arbeitsspeicher ca. eine Stunde.

Danach geht es deutlich schneller, sich aus 500 Fotos die besten 100 rauszusuchen, weil nicht jeweils einige Sekunden Ladevorgang beim Reinzoomen ins Bild anfallen. Warum die Detailansicht wichtig ist, seht ihr in diesem Vergleich, bei dem der Unterschied nur beim Reinzoomen erkennbar ist:

Wer sich lieber Tutorial-Videos anschaut, kann sich diese kurze Video-Anleitung bei Adobe TV zur Gemüte führen.

Ob es diese Funktion auch in Lightroom gibt, weiß ich nicht, vielleicht kann ja jemand von euch nachschauen und das in den Kommentaren ergänzen.

Wie ist euer Workflow zur Bildauswahl und Schärfebegutachtung?

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