Alle Beiträge von Robert Kneschke

Viele Wege führen zu Suchwörtern

Das Verschlagworten von Fotos wur­de lan­ge Zeit von den Bildagenturen über­nom­men, nach­dem die Fotografen ihre Fotos dort abge­lie­fert hat­ten. Als im Internet die ers­ten Agenturen anfin­gen, ihre Arbeitsabläufe zu auto­ma­ti­sie­ren, über­ga­ben sie vie­le Aufgaben, die bis­her die Agenturen über­na­men, zurück an die Fotoproduzenten.

Dazu gehör­te auch das Verschlagworten der Fotos, damit die­se über Suchmaschinen gefun­den wer­den kön­nen. Dieser Teil mei­ner Arbeit ist für mich (neben der Buchhaltung) der unan­ge­nehms­te.

Ich schei­ne nicht der ein­zi­ge zu sein, denn mitt­ler­wei­le gibt es im Internet eini­ge Webseiten, die hel­fen sol­len, die Verschlagwortung zu ver­ein­fa­chen. Die Webseite www.PhotoKeywords.com arbei­tet nach dem – umstrit­te­nen – Prinzip, nach der Eingabe von zwei, drei Begriffen bestehen­de Fotos anzu­zei­gen, die dem neu­en Fotos ähn­lich sein sol­len.

Nach einer wei­te­ren Auswahl wer­den dann die vor­han­de­nen eng­li­schen Suchwörter der bestehen­den Fotos ange­zeigt, die dann für das neue Foto aus­ge­wählt wer­den kön­nen. Das kann natür­lich zu einer Konzentration auf immer glei­che Suchbegriffe füh­ren.

Das glei­che System gibt es auch in rus­sisch.

Einen ande­ren Weg geht der Stocktagger. Diese sich noch im Test befind­li­che Webseite gibt nach der Eingabe eines Begriffes ver­mut­lich pas­sen­de Synonyme aus und soll sowohl in deutsch und bald auch in eng­lisch funk­tio­nie­ren.

Bisher hat mich noch keins der Systeme über­zeugt, da ich neben der Korrektheit der Begriffe auch noch Anforderungen an die Sortierung etc. habe, die ich bis­her schnel­ler manu­ell umset­zen kann. Wer nur mal schnell ohne viel Erfahrung ein Foto rich­tig beschrif­ten möch­te, fin­det eins der Systeme viel­leicht hilf­reich.

Ich habe eben­falls ein Auge auf der Entwicklung die­ser Webseiten, mer­ke jedoch auch, dass eini­ge höher­prei­si­ge Agenturen wie­der dazu über­ge­hen, die Verschlagwortung per Hand zu über­neh­men. Mal sehen, wohin die Reise geht.

Und wieder was gelernt

Einer der ange­neh­men Aspekte mei­ner Arbeit ist, dass ich stän­dig inter­es­san­te Menschen ken­nen­ler­ne. Oft gibt es Interessen oder Fähigkeiten einer Person, die sich foto­gra­fisch gut umset­zen las­sen. Außerdem ler­ne ich dann wie­der etwas Neues.

Eins mei­ner letz­ten Shootings hat­te ich mit einem Mann, der in sei­ner Freizeit an „Re‐Enactments“ teil­nimmt, wel­che die Ritterzeit simu­lie­ren. Deshalb besitzt er eine mög­lichst ori­gi­nal nach­ge­bau­te Rüstung eines Tempelritters (genau­er gesagt eines Templerserganten). Das ermög­lich­te uns neben „nor­ma­len“ Portraits in einer Ritterrüstung auch Konzeptfotos zu den Konzepten „Sicherheit“, „Schutz“ oder „Stärke“.

Beispiel:
Ritter + Laptop: Internetsicherheit
Ritter + Apfel: Abwehrkräfte
Ritter + Setzling: Umweltschutz
Ritter + Tabletten: Schutz vor Medikamentenfälschungen

Als Bonus zu den aus­sa­ge­star­ken Fotos kann ich nun einen Nasalhelm von einem Topfhelm unter­schei­den und weiß, wann unge­fähr die Tempelritter aktiv waren. Nachdem das Interesse geweckt war, habe ich bei Wikipedia noch eini­ges über den Templerorden und die Kreuzzüge gele­sen und gelernt.

Virtuelles Bikini‐Shooting mit Daniella

Einer der größ­ten Träume vie­ler (männ­li­cher) Fotografen ist es, die Fotos für die Bikini‐Ausgabe der US‐Zeitschrift Sports Illustrated auf­neh­men zu dür­fen.

Als Werbeaktion zusam­men mit Taco Bell (eine Art „McDonalds“ mit mexi­ka­ni­schem Fast‐Food) ist es nun zumin­dest im Internet mög­lich, mit dem Model Daniella am Karibikstrand eini­ge Fotos zu machen und sie anschlie­ßend run­ter­zu­la­den: http://www.directdaniella.com (Update 2012: Inhalte mitt­ler­wei­le gelöscht)

Gut, die Einschränkungen im Vergleich zu einem ech­ten Fotoshooting sind groß, dafür sind sind auch die Nachteile gerin­ger.

Für Models ist die Webseite übri­gens eben­falls sehr hilf­reich: Sie zeigt, wie pro­fes­sio­nel­le Models schnell und pas­send posen kön­nen.

Royalty‐Free heißt nicht kostenlos, oder doch?

Auch wenn das Wort „free“ in „royalty‐free Fotos“ drin steckt, bedeu­tet das nicht, dass die­se Fotos auch kos­ten­los sind. Der Begriff bedeu­tet viel­mehr, dass im Gegensatz zur klas­si­schen Foto‐Lizenzierung („lizenz­pflich­ti­ge Fotos“) bei die­sem Modell kei­ne Lizenzanteile pro Nutzung fäl­lig wer­den, son­dern die Nutzungsrechte (mehr oder weni­ger) pau­schal ver­kauft wer­den.

Der Markführer für Bildbearbeitungsprogramme Adobe („Adobe Photoshop“) hat das schein­bar miss­ver­stan­den. In den Nutzungsbedingungen sei­ner neu­en kos­ten­lo­sen Online‐Version des sonst über 1.000 Euro teu­ren Grafikprogramms Photoshop hat Adobe ein klei­nes, aber bit­te­res Schmankerl ver­steckt. Kostenlos möch­te Adobe Foto nut­zen und damit Geld ver­die­nen kön­nen, die mit Adobe Express ver­öf­fent­licht wer­den.

Hier der Auszug:

8. Use of Your Content.

  1. Adobe does not claim ownership of Your Content. However, with respect to Your Content that you sub­mit or make avail­ab­le for inclu­si­on on publicly acces­si­ble are­as of the Services, you grant Adobe a world­wi­de, royalty‐free, nonex­clu­si­ve, per­pe­tu­al, irre­vo­ca­ble, and ful­ly sub­li­cens­able licen­se to use, dis­tri­bu­te, deri­ve reve­nue or other remu­ne­ra­ti­on from, repro­du­ce, modi­fy, adapt, publish, trans­la­te, publicly per­form and publicly dis­play such Content (in who­le or in part) and to incor­po­ra­te such Content into other Materials or works in any for­mat or medi­um now known or later deve­lo­ped.“

Für Nutzer, die mit ihren Fotos Geld ver­die­nen wol­len, wür­de sich damit die Nutzung der Web‐Version von selbst ver­bie­ten.

Schnell ruder­te Adobe aber weni­ge Tage nach Aufdeckung des Passus zurück: Nie hät­te man dar­an gedacht, die Bilder so zu nut­zen. Die haus­ei­ge­nen Rechtsanwälte arbei­ten nun an einer neu­en Version der Nutzungsrechte.

Man kann es ja mal ver­su­chen, oder? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Mehr Mann als Frau

Bei mei­ner noch wäh­ren­den Suche nach mehr männ­li­chen Models bin ich auf einen net­ten Herren getrof­fen, der neben ele­gan­ten Männerrollen auch Frauen spie­len kann.

Cross‐Dressing“ nennt es sich, wenn Männer sich so als Frau ver­klei­den, dass es mög­lichst nicht auf­fällt, im Gegensatz zu „Drag“, bei dem die Geschlechterattribute über­trie­ben dar­ge­stellt wer­den. Die Verwandlung dau­er­te mit Schminken und Kleidungswechsel ca. 40 Minuten.

Da die meis­ten Bildagenturen zu den Themen „Gender“, „Travestie“ bzw. „trans­gen­der“ meist nur Fotos von Show‐Drag‐Queens im Angebot haben, bin ich gespannt, wie die­se Fotos ankom­men wer­den.