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Die Microstock-Industrie im Jahr 2011 – Teil 3: Die Agentur-Seite

Vor eini­gen Wochen ver­öf­fent­lich­te mein geschätz­ter Microstock-Kollege Kzenon in sei­nem emp­feh­lens­wer­ten Blog eine Artikel-Serie über die Lage der Microstock-Industrie auf eng­li­sch. Mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung ver­öf­fent­li­che ich in mei­nem Blog sei­ne Serie von mir ins Deutsche über­setzt. Letztes Mal gab es den zwei­ten Teil, davor den ers­ten und heu­te folgt der drit­te Teil:

Im zwei­ten Teil der Serie schau­ten wir uns an, wel­chen Herausforderungen die Fotografen in der Microstock-Industrie heu­te gegen­über­ste­hen. Lasst uns nun im drit­ten Teil über die Agenturen reden.

Was zuer­st auf­fällt, wenn man sich die Agenturen betrach­tet: Es gibt vie­le davon. Nicht so vie­le wie Fotografen natür­li­ch, aber nichts­des­to­trotz brau­chen sie einen USP (Unique Selling Point; Alleinstellungsmerkmal). Der war zwar schon immer nötig, aber in einem schnell wach­sen­den Markt konn­te das Fehlen einer guten Strategie oder eines Unterscheidungsmerkmals gut ver­bor­gen wer­den. Trotzdem schei­ter­ten vie­le Bildagenturen und der Druck, her­aus­zu­ra­gen wird noch schlim­mer wer­den.


Eine Antwort auf die­se Herausforderung war und ist es viel­leicht immer noch, die Agentur mit dem nied­rigs­ten Preis zu sein. Aber lang­fris­tig kann man nicht nur über den Preis kon­kur­rie­ren (und tat­säch­li­ch ver­lang­samt sich der Lauf nach dem nied­rigs­ten Preis), weil kein Geschäft über­le­ben kann, wenn der Preis sei­ner Produkte gegen Null ten­diert. Außerdem wer­den die Fotografen pro­fes­sio­nel­ler und bau­en sich eige­ne Alleinstellungsmerkmale auf, wes­halb Microstock auf der (zuge­ge­be­ner­ma­ßen klei­nen) guten Seite weni­ger eine Massenware sein wird als es frü­her war. Es wird einen Kampf um gute Talente geben und die­ser kann nicht ohne eine fai­re Bezahlung gewon­nen wer­den.

Deshalb müs­sen ande­re Wege als Preissenkungen und das Zurückfahren von Fotografenanteilen gefun­den wer­den. Wie immer sind die­se Wege grob gesagt Inhalts- und Kundenmanagement.

  1. Ein offen­sicht­li­ches Beispiel ist der Weg der exklu­si­ven Inhalte. Das wird für eine Weile funk­tio­nie­ren. Die Gefahr ist nur bei einer immer stei­gen­den Anzahl Bilder, dass es immer mög­li­ch ist, gute Fotos auch woan­ders zu fin­den. Das Konzept mag trotz­dem funk­tio­nie­ren (wenn auch nicht so gut wie vor­her), weil es mit nur einer exklu­si­ven Quelle, um ein Bild run­ter­zu­la­den, für Kunden ein­fa­cher zu kon­trol­lie­ren ist, wie oft ein Bild schon her­un­ter­ge­la­den und even­tu­ell genutzt wur­de – viel­leicht auch von der Konkurrenz. Eine Bildagentur, die es schafft, vie­le exklu­si­ve Inhalte zu einem guten Preis zu ver­kau­fen, kann viel­leicht auch talen­tier­te Fotografen anlo­cken, die nach einem Weg suchen, sich von der Last der Bilderverwaltung zu befrei­en und sich stär­ker auf das Fotografieren und Bildbearbeiten kon­zen­trie­ren wol­len. Deshalb erwar­te noch här­te­re Versuche von Agenturen, ihren Fotografenstamm zu zemen­tie­ren.
  2. Agenturen wer­den wei­ter nach mehr Inhalten und ande­ren Arten von Inhalten suchen. Nichtsdestotrotz wird eine Zeit kom­men, in der die schie­re Masse an Inhalten ihren Reiz ver­liert. Mit 15 oder 20 Millionen Bildern auf Lager sehen wei­te­re 500.000 Bilder für die gro­ßen Agenturen nicht so erstre­bens­wert aus wie es noch vor drei Jahren der Fall war. Deshalb wird es in Zukunft eine stär­ke­re Segmentierung bei der Art der Inhalte geben. Einige Agenturen füh­ren die Herde an mit einem vol­len Set an Medieninhalten wie redak­tio­nel­len und kom­mer­zi­el­len Fotos, Illustrationen, Musik, Videos, Programmcode-Schnipseln und so wei­ter. Diesen Agenturen wird gefolgt wer­den. Jede Agentur, die es aus dem Stand schafft, sol­ch ein vol­les Set an Medientypen anzu­bie­ten, zeigt immer auch, dass sie in der Lage ist, ein kom­ple­xes IT-System am Laufen zu hal­ten, was dafür not­wen­dig ist. Das nen­ne ich Vertrauen auf­bau­en.
  3. Ein ande­rer viel­ver­spre­chen­der Weg, viel­leicht der Königsweg, ist es, sei­ne Bilder den Kunden zugäng­li­cher zu machen. Das bedeu­tet, die bes­te Unterteilung zu haben, die bes­ten Ranking-Algorithmen, die bes­te Muster- und Farberkennung und die best­mög­li­che Kontrolle über Bildbeschreibungen und die Suchbegriffe. Agenturen gehen schon die­sen Weg. Die bes­ten Bildagenturen haben schon jetzt Ranking-Algorithmen, die sen­si­bel auf Suchbegriffe reagie­ren – was ein gro­ßer Schritt nach vor­ne ist – und erlau­ben eine gro­ße Auswahl an Möglichkeiten, die Suchergebnisse zu fil­tern und zu sor­tie­ren. Trotzdem haben nur sehr weni­ge Agenturen eine rich­ti­ge gute Begriffsklärung bei mehr­deu­ti­gen Suchwörtern oder ein halb­wegs zuver­läs­si­ges Übersetzungssystem. Weiterhin gibt es noch bes­se­re Wege, um zwi­schen Haupt-Suchbegriffen und weni­ger wich­ti­gen Suchwörtern zu unter­schei­den. Zu die­sem wich­ti­gen Thema kann noch viel geschrie­ben wer­den und es ist sicher eine nähe­re Betrachtung in einem spä­te­ren Blog-Artikel wert.
  4. Wo wir bei Segmentierung und Differenzierung sind: Einige Agenturen begin­nen zu ver­ste­hen, dass es tat­säch­li­ch ver­schie­de­ne Werte für ver­schie­de­ne Inhalte gibt. Einige Premium-Fotos soll­ten ein­fach nicht zu tra­di­tio­nel­len Microstock-Preisen ver­kauft wer­den, obwohl sie per­fekt als lizenz­freie Bilder ver­kauft wer­den kön­nen. Deshalb wer­den Premium-Kollektionen in Zukunft zuneh­men.
  5. Aktive Inhalte-Entwicklung als Gegensatz zur Methode „Einfach war­ten und gucken, was uns die Fotografen anbie­ten“, wird eine grö­ße­re Rolle spie­len. Lokale Bilder müs­sen ange­lockt wer­den und da soll­te man nicht nur „China, Korea und Brasilien“ den­ken, son­dern zum Beispiel auch „Oktoberfest“. Ich bin davon über­zeugt, dass mit­tel­fris­tig „Inhalte-Entwicklung“ auch „Inhalte-Überwachung“ bedeu­tet, oder weni­ger euphe­mis­ti­sch for­mu­liert: Die pein­li­chen Bilder der Anfangszeit müs­sen end­li­ch aus­sor­tiert wer­den. Und davon gibt es eine gan­ze Menge.
  6. Agenturen müs­sen zukünf­tig wei­ter ver­su­chen, neue Märkte zu erschlie­ßen. Es gibt unglaub­li­ch vie­le Märkte da drau­ßen, die kaum ange­fasst wur­den und nur dar­auf war­ten, beackert zu wer­den.
  7. Bildagenturen schei­nen die Idee nicht zu mögen, ihre Bildlieferanten als Geschäftspartner zu sehen. Langfristig lässt sich das jedoch nicht ver­mei­den, sie als sol­che zu behan­deln, wenn die Agenturen gute Talente hal­ten wol­len. Dafür müs­sen sie den Fotografen auch viel bes­se­re Mitgliedsbereiche geben. Ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Richtung wäre ein zwei­ge­teil­ter Mitgliedsbereich, einer für das Editieren von Inhalten, einer für die finan­zi­el­len Belange. So wäre es mög­li­ch, dass ein Fotograf sei­ne Bildbearbeitung oder Verschlagwortung aus­la­gert und trotz­dem die Kontrolle über sei­ne Finanzen behält. Es ist eine Schande, dass das heut­zu­ta­ge bei den meis­ten Agenturen nicht mög­li­ch ist. Dazu kommt, dass die Werkzeuge, wel­che die Bildagenturen den Fotografen bie­ten, um ihre Verkäufe zu ana­ly­sie­ren, gelin­de gesagt ein Witz sind.
  8. Es gibt noch vie­le ande­re Dinge zu tun oder zu berück­sich­ti­gen. Ach, am Ende des Tages müs­sen auch Agenturen ihre Marketing-Gelder sinn­voll ein­set­zen. Das mag nach einer Banalität klin­gen, aber es ist trotz­dem wahr: Sei cool und erzäh­le den ande­ren davon auf eine Art und Weise, die glaub­haft ist.

Die Microstock-Industrie im Jahr 2011 – Teil 2: Die Anbieter-Seite

Vor eini­gen Wochen ver­öf­fent­lich­te mein geschätz­ter Microstock-Kollege Kzenon in sei­nem emp­feh­lens­wer­ten Blog eine Artikel-Serie über die Lage der Microstock-Industrie auf eng­li­sch. Mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung ver­öf­fent­li­che ich in mei­nem Blog sei­ne Serie von mir ins Deutsche über­setzt. Letztes Mal gab es den ers­ten Teil, heu­te folgt der zwei­te Teil:

Im ers­ten Teil des Artikels haben wir uns ange­schaut, wie die Microstock-Industrie heu­te aus­sieht. Aber was bedeu­tet das? Es gibt, abhän­gig von dei­ner Funktion und Position im Markt, ver­schie­de­ne Antworten. Lass uns zuer­st die Anbieterseite anschau­en. Für die Anbieter und Fotografen gibt es vie­le Konsequenzen.

  1. Um zu „über­le­ben“, müs­sen die Kontributoren bes­se­re Inhalte pro­du­zie­ren. „Besser“ wird hier in einem wei­ten Sinne benutzt, ich mei­ne damit nicht nur die visu­el­le Qualität eines Bildes – Fotografen lie­ben es, sich dar­auf zu kon­zen­trie­ren. Ich mei­ne auch, dass ein Bild ein Konzept rüber­brin­gen muss und die Beschreibung und die Suchbegriffe hat, um das Konzept so zu ver­ba­li­sie­ren, dass es von den Suchmaschinen, Ranking-Algorithmen der Bildagenturen und den Kunden, die dana­ch suchen, ver­stan­den wird. Anbieter müs­sen nicht nur Fotografie ver­ste­hen, son­dern auch eine Agentur (und deren IT-System), dass sie wie Luft behan­delt, einen Kunden, den sie nicht ken­nen und ein Thema (in den Bildern), das nicht ihres ist. Kurz: Sie müs­sen viel bes­ser wer­den, Gleichungen mit vie­len unbe­kann­ten Variablen zu lösen.

  2. Anbieter müs­sen mehr Inhalte pro­du­zie­ren und in der Lage sein, die­se Inhalte durch die Vermarktungskette zu schleu­sen. Sie wer­den sehr sorg­fäl­tig ent­schei­den müs­sen, ob sie alles selbst machen wol­len oder ob es nicht klü­ger wäre, ande­re Leute eini­ge Aufgaben über­neh­men zu las­sen, ent­we­der aus qua­li­ta­ti­ven oder öko­no­mi­schen Gründen. Um das zu ent­schei­den, müs­sen sie sich ihrer benutz­ten Prozesse bewusst wer­den, die­se ver­schlan­ken und so zu gestal­ten, dass sie extern aus­ge­la­gert wer­den kön­nen. Anbieter müs­sen wirt­schaft­li­ch arbei­ten und wie eine Firma agie­ren.

  3. Wie bei jeder Firma wird die Fähigkeit es wich­ti­ger, schnell zu han­deln und sei­ne Ressourcen rich­tig ein­zu­set­zen. Microstock ist ein Spiel, wo die Anbieter erst das Geld auf den Tisch legen, ohne zu wis­sen, ob sie von die­ser Investition pro­fi­tie­ren wer­den. Je mehr pro­du­ziert wird, desto mehr Ressourcen müs­sen benutzt wer­den. Das ist eine finan­zi­el­le und eine logis­ti­sche Frage. Für die meis­ten neu­en Fotografen liegt der Schwerpunkt auf der ers­ten Frage, für die eta­blier­ten Fotografen auf der zwei­ten Frage.

  4. Anbieter müs­sen den Markt noch genau­er beob­ach­ten. Heute arbei­ten immer noch vie­le Fotografen ohne jeg­li­che Marktrecherche oder pro­du­zie­ren ihre Motive nach dem Grundsatz „Einfach foto­gra­fie­ren und sehen, was pas­siert“.

  5. Die bes­ten Microstock-Fotografen könn­ten ver­su­chen, den Markt nicht nur zu beob­ach­ten, son­dern ihn auch zu ent­wi­ckeln, bestimm­te Stile und Moden umzu­set­zen und die­se zu bewer­ben. Sie kön­nen Marktführer wer­den, denen ande­re fol­gen und die kopiert wer­den. Das pas­sier­te in der Vergangenheit bei eini­gen wie Yuri Arcurs‘ Stil der Business-Fotografie und den wei­ßen 3D-Männern von Ioannis Kounadeas. Selbst wenn das nicht für jeden funk­tio­nie­ren wird, ist es einen Versuch wert. Auf die­sem Weg kön­nen Anbieter ihr eige­nes Markenzeichen wer­den und ihr Stil kann erkannt und aktiv dana­ch gesucht wer­den, sprich: Designer book­mar­ken sich deren Portfolios. Das ist offen­sicht­li­ch eine gute Position für die Anbieter. Solche Anbieter wer­den der Porsche der Automarken sein und dadurch mehr ver­kau­fen in einem Markt, wo die Unterscheidung durch den Preis schwie­rig ist.

Es wird auch wei­ter­hin die Art von Anbietern geben, die ein­fach die Fotos ihrer Haustiere zu den Bildagenturen hoch­la­den und sie wer­den paar Euro ver­die­nen. Aber sie wer­den nicht den Markt beein­flus­sen oder genug pro­du­zie­ren, um auf einem pro­fes­sio­nel­len Level zu arbei­ten.

Nachdem das gesagt wur­de, blei­ben eini­ge Fragen offen und ich geste­he, dass ich bis jetzt kei­ne kla­ren Antworten dar­auf habe.

  1. Sollten Fotografen nicht­ex­klu­siv oder exklu­siv anbie­ten? Die Frage wur­de woan­ders aus­gie­big dis­ku­tiert mit kei­nem kla­ren Ergebnis. Ich möch­te der Diskussion einen wich­ti­gen Punkt hin­zu­fü­gen: Von den Agenturen, die es wert wären, exklu­siv belie­fert zu wer­den, wickeln eini­ge alle ihre Finanztransaktionen in US-Dollar ab. Für die meis­ten Anbieter außer­halb der USA birgt das ein unkal­ku­lier­ba­res Wechselkurs-Risiko. Der US-Dollar wird wahr­schein­li­ch in Zukunft wei­ter gegen­über ande­ren Währungen an Wert ver­lie­ren und ist tat­säch­li­ch schon so weich gewor­den wie die Währung einer Bananenrepublik. Deshalb: Anbieter wür­den dann nicht nur alle Eier in einen Korb packen, son­dern auch noch unsi­cher über die Größe des Korbes sein.

  2. Wenn sich ein Anbieter für Nicht-Exklusivität ent­schei­det, soll­te er ver­su­chen, so vie­le Agenturen wie mög­li­ch zu belie­fern oder lie­ber eine Auswahl vor­neh­men? Während der ers­te Impuls wahr­schein­li­ch ist, sei­ne Bilder über so vie­le Kanäle wie mög­li­ch zu ver­kau­fen, gibt es nichts­des­to­trotz zwei Dinge zu berück­sich­ti­gen. Erstens zahlt es sich nicht aus, über­all anzu­bie­ten. Es gibt Agenturen, die so wenig ver­kau­fen, dass der Aufwand der Belieferung in kei­nem Verhältnis zum erziel­ten Gewinn steht. Zweitens soll­te über die – nicht so offen­sicht­li­che – Möglichkeit der Kannibalisierung und Marktpositionierung nach­ge­dacht wer­den. Einige Agenturen bie­ten ihre Inhalte so bil­lig an und sehen so schä­big aus, dass es dem Image eines Anbieters, sei­nem Portfolio und sei­nem RPI scha­den kann, dort gefun­den zu wer­den.

Wohin füh­ren die­se Überlegungen? Anbieter wer­den weni­ger Fotografen und mehr Geschäftsleute wer­den. Diese Entwicklung wird – das soll­te bemerkt wer­den – nicht aktiv von den Agenturen unter­stützt; andern­falls hät­ten sie ande­re Mitgliedsbereiche auf ihren Webseiten. Nichtsdestotrotz ist es unver­meid­bar. Diese Aufgabe kann nicht von allen Anbietern bewäl­tigt wer­den, des­halb wird sich der Markt wei­ter dif­fe­ren­zie­ren: Eine dicke Masse von Fotografen, die nur manch­mal was hoch­la­den, eini­ge, die in der Mitte kämp­fen und eine dün­ne Sahneschicht von Profis an der Spitze. Wähle jetzt dei­nen Bereich.

Im nächs­ten Teil der Serie wol­len wir uns die Aufgaben aus Agentursicht anschau­en.

Die Microstock-Industrie im Jahr 2011 – Teil 1: Analyse

Vor eini­gen Wochen ver­öf­fent­lich­te mein geschätz­ter Microstock-Kollege Kzenon in sei­nem emp­feh­lens­wer­ten Blog eine Artikel-Serie über die Lage der Microstock-Industrie auf eng­li­sch. Mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung ver­öf­fent­li­che ich in mei­nem Blog sei­ne Serie von mir ins Deutsche über­setzt. Los geht es heu­te mit dem ers­ten Teil:

Wenn Du ein Microstock-Lieferant bist, ein Fotografenkollege oder ein­fach die Diskussion in den ein­schlä­gi­gen Foren ver­folgst, wirst Du die Klagen bemerkt haben über fal­len­de RPIs (Return per Image; Umsatz pro Bild), wach­sen­de Konkurrenz und gene­rell den Abwärtstrend der Industrie. Der Konsens scheint zu sein, dass frü­her alles bes­ser war.

Ist das so? Bis zu einem gewis­sen Grad: ja. Ist das schlecht? Nicht unbe­dingt.

Du soll­test wis­sen, dass es wirk­li­ch ein gol­de­nes Zeitalter für Microstock gab. Das war, als die Industrie jung genug war, um von pro­fes­sio­nel­len Fotografen ver­ach­tet zu wer­den, aber erwach­sen genug, um eine star­ke Kundenbasis zu haben. Es gab Land abzu­ste­cken und rela­tiv wenig Konkurrenz. Selbst min­der­wer­ti­ge oder gar total tri­via­le Bilder konn­ten ver­kauft wer­den, ein­fach weil sie bil­lig waren. Konzeptionell gute Bilder, gut umge­setzt, konn­ten dir ein Vermögen brin­gen.

Nun, das ist vor­bei. Es gibt kei­ne Verkäufe mehr für den USB-Stick mit gerin­ger Schärfentiefe oder die nicht ganz so umwer­fend aus­ge­leuch­te­te Tomate auf wei­ßem Hintergrund. Die Archive der Agenturen sind voll mit die­sen Motiven und die meis­ten exis­tie­ren­den Bilder haben so viel Verkäufe und „Ranking-Saft“ ange­sam­melt, dass sie für lan­ge Zeit immer an die Oberfläche der Suchergebnisse gespült wer­den. Wenn jemand nach einem tri­via­len (lies: aus­tausch­ba­ren) Bild sucht, wer­den sie den Impuls haben, die­ses von der ers­ten Seite der Suchergebnisse aus­zu­wäh­len. Soviel dazu.

Auf der ande­ren Seite gibt es kein Ende der Stockfotografie nur weil es genug Bilder gibt, genauso wie es kein Ende der Wissenschaft gibt, nur weil wir schon eine Menge wis­sen. Es wird immer Nischen geben, es wird Änderungen geben, wie wir Bilder auf­neh­men, beim Geschmack der Bildkäufer und die Art, wie Models ihre Haare machen wird 2013 eben­falls anders sein. Versprochen.

Nachdem wir das gesagt haben: Ja, Microstock ist erwach­sen gewor­den. Um an der Spitze zu blei­ben, braucht es kon­zep­tio­nel­le­res Denken, tech­ni­sche Finesse und – nicht zu ver­ges­sen – mehr Ressourcen als frü­her. Dafür gibt es ver­schie­de­ne Gründe.

Mehr und mehr Profi-Fotografen betre­ten den Markt und auch mehr der dama­li­gen Amateure, die ihre ers­ten Gebiete auf dem Microstock-Land absteck­ten, wur­den eben­falls zu Profis. Das bedeu­tet, das sowohl die Bildqualität und -quan­ti­tät bes­ser wird. Das letz­te­re umso schnel­ler, weil vie­le Profis ihre alten Archivbilder in atem­be­rau­ben­dem Tempo zu den Agenturen schi­cken.

Käufer wer­den selek­ti­ver. Sie sind jetzt ein­fach gewöhnt an hohe Qualität selbst im unte­ren Ende des Preissegments. Wir haben sie dar­auf trai­niert. Wir kön­nen dar­über jam­mern, aber ich sehe kei­nen Weg, das zu ändern. Akzeptiere es.

Der Markt kann nicht ewig in dem Tempo wie bis­her wei­ter­wach­sen. Es gab tat­säch­li­ch eine Zeit als die Nachfrage nach Microstock-Bildern schnel­ler wuchs als das Bruttoinlandsprodukt von China. Jedoch haben heu­te die meis­ten Leute, die als Microstock-Kunden in Betracht kom­men, schon mal davon gehört. Das bedeu­tet nicht, dass es kein Wachstum in der Zukunft geben wird – dass die Welt immer visu­el­ler wird ist schon seit tau­sen­den Jahren ein Trend, von dem ich kein Ende abse­hen kann – aber das infla­tio­nä­re Wachstum nach dem gro­ßen Knall ist vor­bei.

Diese Dinge sind offen­sicht­li­ch, aber was bedeu­ten sie? Die Antwort ist unter­schied­li­ch für die ver­schie­de­nen Mitspieler des Marktes. Schauen wir uns im nächs­ten Teil der Serie die Fotografen– bzw. Anbieterseite an.

Was sagt ihr zu der Analyse? Würdet ihr sie tei­len oder wie seht ihr das?

Artikel von mir in der Presse

Einige haben es schon ent­deckt.

Es gibt wie­der zwei Auftritte von mir in den Medien:

In der Jubiläumsausgabe 20 der Web-Zeitschrift t3n gibt es auf Seite 83 eine Einführung für Bildkäufer in die Stockfotografie und ich stel­le eini­ge nütz­li­che Web-Tools für die Bildsuche vor.

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Auch die Juni-Ausgabe der Online-Zeitschrift .psd­Pho­to­shop beschäf­tigt sich aus­führ­li­ch mit dem Bildermarkt. Auf Seite 44 gibt es ein Interview mit mir, es gibt eini­ge Auszüge aus mei­nem Buch „Stockfotografie“* zu lesen, vor­ne im Heft steht ein lan­ger Artikel über die Bildagentur Fotolia und nach mei­nem Interview folgt noch eins mit mei­nem Kollegen Kzenon. Das Heft kann kos­ten­los als PDF run­ter­ge­la­den wer­den.

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Viel Spaß beim Lesen.

* = Affiliate-Link