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Making-Of eines Stock-Fotoshootings in Universität

Wie genau entstehen Stockfotos? Heute will ich euch wieder einen Einblick geben in die Arbeit, die hinter der Produktion einer Bildstrecke steht.


Die Idee

Um als Stockfotograf erfolgreich zu sein, gehört eine genaue Analyse des Marktes. Welche Motive verkaufen sich gut, welche Bilder verkaufe ich am meisten? Da mein Shooting in einer Uni-Bibliothek vor ca. drei Jahren sehr gut lief, entschied ich mich, ein ähnliches Shooting anzugehen, diesmal jedoch nicht in der Bibliothek, sondern in den Unterrichtsräumen einer Uni.


Die Location

Okay, eine Uni oder etwas vergleichbares sollte es sein. Ich suchte mir im Internet raus, welche Institutionen im Großraum Köln dafür in Frage kämen. Diese kontaktierte ich telefonisch und stellte meine Idee kurz vor. Einige lehnten direkt ab, mit anderen traf ich mich zu einem direkten Gespräch. Die Uni, mit der ich mich letztendlich einig wurde, hatte Häuser an verschiedenen Standorten, die ich bei einem zweiten Termin zusammen mit einem Uni-Mitarbeiter besuchte, um zu entscheiden, welche Räume für das Shooting am besten geeignet wären. Ich entschied mich für einen Raum im obersten Stockwerk in einer ehemaligen Altbau-Schule. Dieser hatte den Vorteil, dass die Räume und Fenster einerseits hoch und dadurch der Raum schön hell war, andererseits gab es einen sehr fotogenen Flur mit breiter Treppe, den ich ebenfalls für Fotos nutzen konnte.


Die Models

Mir war klar, dass ich für ein Uni-Shooting viele Leute bräuchte. Sonst sähe der Raum schnell zu leer aus und die Fotos würden nicht glaubhaft wirken. Außerdem wollte ich versuchen, nicht nur europäische Models auszuwählen, sondern einen multikulturellen Look zu bekommen. Ich entschied mich dafür, zehn Models zu buchen. Neun Studierende und eine ältere Person, die den Lehrer oder Dozenten mimen sollte. Das gestaltete sich sogar viel schwieriger als die jungen Personen zu finden. Fünf der eingeladenen Models waren Leute, mit denen ich schon ein Shooting gemacht hatte. Das sollte das Risiko minimieren, dass zu viele Models kurzfristig abspringen. Letztendlich hat nur ein Model krankheitsbedingt abgesagt, was aber bei der Menge der Models mit einkalkuliert war.

Die Requisiten

Für die Auswahl der Requisiten habe ich mir vorher viele andere Uni-Fotos angeschaut, um zu sehen, was benötigt wird. Hauptsächlich waren das Hefte, Hefter, Stifte, Laptops und Handys. Die Schreibwaren kaufte ich vorher ein, entfernte etwaige Logos und Text, die Stifte nahm ich aus meinem Requisitenschrank und für die Laptops und Handys bat ich die Models, ihre Geräte mitzubringen, wenn vorhanden. Außerdem war die Universität so freundlich, mir einige hippe Apple-Geräte aus dem Rechenzentrum auszuleihen, die ich in den Hintergrund stellen konnte. Das war übrigsens der anstrengendste Teil des gesamten Shootings: Die Transportkisten mit drei Rechnern drei Stockwerke hoch in unseren Raum zu schleppen.


Die Technik

Für das Shooting kam eine sehr mobile Variante meines Equipments zum Einsatz. Als Kamera wie immer die Canon 5D Mark II, dazu zur Hälfte das 24-70mm f2.8 Objektiv* und zur anderen Hälfte die 85mm f1.2 Festbrennweite. Neben dem Tageslicht von draußen sorgte ein Canon Speedlite 580 EX II-Blitz* an der großen Lastolite Ezybox* für Aufhellung, manchmal auch oder stattdessen der California Sunbounce Mini*-Reflektor. Der Blitz wurde drahtlos mit den PocketWizard MiniTT1-Funkauslösern* gezündet und um die Gefahr von Verwacklungen zu reduzieren, kam mein Manfrotto Monopod* zum Tragen.


Das Shooting

Das Shooting selbst wurde für 10 Uhr angesetzt, ich war schon ab 9 Uhr vor Ort, um zusammen mit meiner Assistentin des Tages, der hilfreichen Gabi WehZet (die in ihrem Blog sicher auch bald was über das Shooting schreiben wird), das Licht aufzubauen und die Geräte nach oben zu wuchten. Gabi war übrigens auch so nett, einige Making-of-Fotos zu machen, die hier im Artikel eingestreut sind. Kurz vor zehn Uhr trudelten die ersten Models ein, die einen eigenen Raum für ihre Sachen und zum Umziehen bekamen. Ich ließ mir die mitgebrachte Kleidung jeweils kurz zeigen und suchte mir etwas aus, damit die Farben insgesamt gut zusammen passten.


Ca. 10:15 Uhr begann ich mit den ersten Models zu fotografieren, während die letzten nach am Umziehen waren. Am zeitaufwändigsten waren die Anweisungen an die Models. Wenn fünf oder mehr Leute im Bild sind, musste ich den Personen nacheinander ihre Kommandos geben oder Rollen zuweisen (wie „flüstere bitte mal mit Deinem Banknachbarn“) und gleichzeitig darauf achten, dass am Schluss das erste Model ebenfalls immer noch richtig posierte. Außerdem setzte ich die Models ständig um, damit ich möglichst viele Varianten auf den Bildern haben konnte.


Der Dozent kam auf den Fotos weniger zum Einsatz als ursprünglich geplant, aber ich hatte Glück, denn er muss in seinem Hauptberuf viele Präsentationen halten und deshalb konnte er, auch wenn er mal nicht im Bild war, mit seinem Vortrag die Blicke der Studenten auf sich lenken, damit die Bilder natürlicher wirkten. Alle jungen Models, die nicht im Vordergrund waren, wurden auf Plätze im Hintergrund verteilt, damit der Raum voller wirkt.


Mittags gab es eine Pizza-Pause mit Cola und fünf Pizzen vom Lieferdienst, danach sollten die meisten Models einen Kleidungswechsel machen und weiter ging es mit Fotos im Treppenhaus. Das war jedoch dunkler als gedacht, weshalb wir dann ca. 14:30 Uhr das Shooting beendeten und mit dem Abbauen begannen.


Die Nachbearbeitung

Am Ende des Tages hatte ich 350 Fotos auf meiner Speicherkarte, von denen ich ca. 115 für die Bildagenturen auswählte. Bearbeitet wurden die Bilder nur minimal, der Hauptteil bestand aus einer Anpassung von Sättigung, Helligkeit und Kontrast, der Rest war Retusche von den Logos und Markennamen auf den Computern.


Das Ergebnis

Das Shooting ist seit einem guten halben Jahr bei den Bildagenturen zum Verkauf und hat insgesamt schon über 6000 Downloads erzielt. Die Verkäufe setzten vor allem nach ca. zwei Monaten ein, vorher dachte ich fast, die Bilder würde niemand haben wollen. Aber es brauchte seine Zeit, bis sich die Bestseller herauskristallisierten, die jetzt mehrere hundert Downloads haben.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie würdet ihr so ein Shooting umsetzen?

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Tutorial: Küche für 99 Euro als Requisite selbst bauen

Heute gibt es was Leckeres: Der Fotograf Jörg Hempelmann vom Essener Fotostudio Picture-Factory zeigt, wie sich Fotografen aus dem Nichts eine komplette Küche als Location für ein Fotoshooting selbst bauen können. Alles, was ihr braucht, sind 3 x 2 Meter Platz und… ach, lest selbst:

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Viele Stockfotografen kennen das leidige Thema: Wie kann ich ohne großen Aufwand Bilder produzieren, die aus dem alltäglichen Leben gegriffen sind?

Gern werden in den Frauenmagazinen Bilder gezeigt, die aus dem Bereich Küche kommen. Jeder hat zuhause eine Küche. Aber ist sie auch zeitgemäß? Ist die Farbe aktuell, ist sie nicht zu dunkel und habe ich genug Platz, um vernünftig meine Licht zu positionieren? Vor dem gleichen Problem standen wir auch bei unserem ersten Küchenshooting.


Wir selbst haben eine offene Küche mit sehr viel Platz. Die Oberfläche ist aus Kirsche und die Arbeitsplatten und Rückwände sind aus Granit. Das erste Shooting, was wir dort realisiert haben, klappte ganz gut, aber gekauft werden nur die Nahaufnahmen, wo man die Küche nur erahnen kann. Fazit: Die Küche war vom Design nicht mehr zeitgemäß und die Farben passten nicht. Aber jetzt eine neue Küche nur für Shootings kaufen wäre doch ein bißchen zu viel des Guten.

Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Küche im Studio aufzubauen. Mehrfach bei Ebay geschaut, ob eine weiße Küche dort günstig zu ersteigern war. Aber unter 500€ war da nichts zu machen. Also mußten wir uns etwas anderes einfallen lassen, um eine Küche zu simulieren. Dabei entstand folgende Idee:

Alles, was bei der Küche im Hintergrund seinen sollte, wird unscharf dargestellt, aber man sollte noch erkennen, dass es sich um Küchenutensilien handelt. Also mußte ein Regal her, wo man Tassen und Teller offen reinstellen kann. Damit war das Thema Hintergrund bis auf die Töpfe und Pfannen an der Wand schon erledigt. Vom Platzbedarf brauchten wir nur eine weiße Wand von ca. 3m und eine Raumbreite von ca. 2m. Das reichte für das Küchenset vollkommen.


Moderne Küchentheken mit Kochfeld sieht man fast überall. Also mußte eine Thekennachbildung her. Hierfür haben wir zwei weiße Tische 1m x 0,6m genommen, sie länglich zusammengestellt und die Küchentheke war schon fast perfekt. Das Einzige, was noch nicht stimmte, war die Arbeitshöhe. Hierfür haben wir einfache Obstkästen genommen und die Tische damit um ca. 20cm erhöht. Jetzt noch ein Holzschneidebrett für die Gemüseschneidaktion platziert. Diese Holzbreit überdeckte gleichzeitig die Stoßnaht der beiden Tische und dann war die Theke schon fertig.


Es fehlten noch Utensilien wie Teller, Messer, Gemüse, Töpfe, und so weiter. Die Töpfe stehen doch nicht einfach so auf einer Arbeitsplatte rum? Ein Kochfeld mußte her. Aber jetzt extra ein Cerankochfeld kaufen, das würde unser Budget sprengen. Also entschlossen wir uns, eine große 60 x 60cm Granitfliese aus dem Baumarkt für 5 Euro zu nehmen, da das Kochfeld sowieso nur im Anschnitt und in der Unschärfe erscheinen sollte. Wie man es auf den Bildern sieht, kann man es nicht erkennen.


Als wir nach dem Shooting zusammengerechnet haben, was das Ganze gekostet hat, mußten wir schmunzeln. Genau 99 € hat dieses Set gekostet.

Hier die Aufstellung der Teile:

  • 2 x Lackregal weiß je 20€
  • 2 x Tisch mit Beinen 1m x 0,6m je 22€
  • 1 x Holzschneidebrett 7€
  • 1 x Granitfliese 5€
  • 4 x Styroporplatten für Rückwand Regal 3 €

Dies bekommt ihr alles beim gelben Möbelhaus und im Baumarkt. Viel Spaß beim Nachbauen.


Über Picture-Factory:
Die Picture-Factory ist ein Fotostudio in Essen. Wir sind ein Fotografenteam von 3 Fotografen und haben die Schwerpunkte People- und Hochzeitsfotografie. Seit November 2010 sind wir auch in dem Bereich der Stockfotografie tätig und haben innerhalb von 4 Monaten ein Stock von ca. 1700 Bildern aufgebaut.

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Wie findet ihr diesen Trick? Habt ihr auch schon Locations für ein Fotoshooting simuliert und was habt ihr dafür benutzt?

Stockfotografie-News 2010-07-16

Auch an diesem Freitag gibt es News und wieder wird die Branche gut durchgeschüttelt. Fangen wir gleich an:

  • Die traditionelle Macrostock-Bildagentur Masterfile kauft die Microstock-Agentur Crestock zum 1. Juli 2010. In den letzten Monaten häuften sich bei Crestock ausstehende Zahlungen, keine Antworten auf Kunden- oder Käuferanfragen und lange Wartezeiten bei der Bildfreischaltung. Das soll sich jetzt alles wieder ändern. Zum Guten natürlich.
  • Noch Ende April 2010 verkündeten viele Branchenmedien und auch ich hier im Blog die Meldung, dass der Branchenriese Getty Images die Celebrity-Bildagentur Rex Features kaufen wolle. Doch daraus wird jetzt wohl nix. Nachdem das britische Kartellamt „Office Of Fair Trading“ Bedenken geäußert hätte und meinte, durch den Kauf der Agentur Rex könnten die Preise für Bildkäufer steigen, bläst Getty den Deal jetzt ab. Die Begründung könnt ihr hier in einer internen Getty-Email lesen. Ich halte das für eine gute Entscheidung, da etwas Marktvielfalt sinnvoll bleibt.
  • Die Software ProStockMaster wird jetzt kostenlos angeboten. Vorher hatte die Pro-Version knapp 40$ pro Jahr gekostet. Mit dieser Software können Fotografen ihre Bilder verschlagworten, übersetzen und simultan zu verschiedenen Bildagenturen hochladen. Die Gründe für diesen Schritt werden auf der Firmen-Webseite nicht erwähnt, aber ich vermute, dass es mit der starken Konkurrenz durch Upload-Dienste wie iSyndica* oder ähnlicher Software wie CushyStock zu tun hat.
  • Ach ja, diesen Juli feiert Shutterstock* seinen siebten Geburtstag. Herzliche Glückwünsche! Waren es zum Start erst 30.000 Bilder, sind jetzt schon über 10 Millionen Dateien erhältlich.
  • Wer als Fotograf in Berlin eine heruntergekommene Halle sucht, kann zum Beispiel diese Kranhalle und ehemalige Brauerei in Neukölln mieten.
  • Die Grenzen zwischen Microstock und Macrostock verwischen immer mehr. Die Agentur Veer hat jetzt angekündigt, die bisherige Aufteilung des Portfolios in drei Preisklassen aufzuheben (Microstock war „Veer Marketplace“) und alle Bilder mit ihren unterschiedlichen Preisen unter der Dachmarke Veer anzubieten. Es erscheint auch logisch. Gab es vor par Jahren noch große Vorbehalte seitens der traditionellen Bildagenturen und auch Bildkäufern gegenüber den Billigagenturen, haben sich diese innerhalb von zehn Jahren zu konkurrenzfähigen starken Agenturen gewandelt, deren Bildqualität ebenso schnell steigt wie die Menge. Es ist nicht mehr „Pfui“ dort zu kaufen und so können die Microstock-Tochterfirmen, die nur pro forma anders hießen, wieder in das Stammhaus aufgenommen werden.
  • Auch Getty Images lässt ihre Angebote verschmelzen. Thinkstock, das Abo-Modell der Firma, bietet jetzt auch Bildpakete an, mit dem Nutzer ähnlich wie bei den „On Demand“-Downloads von Shutterstock zu einem Festpreis eine bestimmte Anzahl an Bildern kaufen können. Im Gegensatz zu einem Abo verlängert sich der Vertrag nicht. Bei den Bildern handelt es sich über 5 Millionen RoyaltyFree-Bilder von Getty Images, istockphoto und Jupiterimages. Ob jedoch auch Fotos aus den istock-Premium-Kollektionen Vetta oder Plus enthalten sind, ist unklar.


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Wie plane ich ein Foto-Shooting? Ein Praxisbeispiel

Ein Studioshooting mit einem Model ist einfach. Habe ich hundertfach gemacht. Ein Shooting vor Ort mit fünf Models ist anders. Deswegen möchte ich beschreiben, wie ich ein solches Shooting geplant habe.

Heitere Lerngruppe

1. Location
Am Anfang stand die Idee, Fotos zum Thema Bildung zu machen. In einer Universität oder einer Bibliothek vielleicht. Oder in einer Uni-Bibliothek? Da ich während meines Studiums an der FU Berlin in der Uni-Bibliothek eine Ausstellung zum Thema „Berlin“ hatte, kannte ich eine erste Ansprechpartnerin. Diese arbeitete zwar nicht mehr dort, empfahl mich jedoch ihrer Nachfolgerin. Ich erklärte ihr kurz per Email mein Anliegen und vereinbarte ein Treffen, bei dem ich ihr meine bisherigen Fotos und Veröffentlichungen zeigte, den „Property Release“ erklärte und einen Termin absprach. Es passte gut, dass bald die Semesterferien waren, denn dort ist die Bibliothek deutlich weniger besucht. Die Bibliotheksmitarbeiterin musste den Vertrag noch mit ihren Chef absprechen und gab dann grünes Licht. Hilfreich war auch, dass ich eine Berufshaftpflicht hatte, die eventuelle Schäden abdecken würde.

Hilfe am Computer

2. Recherche
Mir war außerdem klar, dass ich eine Gruppe von Models haben wollte. So würde ich viel mehr Varianten fotografieren können und die kurze Zeit in der Bibliothek besser nutzen können. Außerdem habe ich die Mitarbeiterin gefragt, welche Fotos sie sich wünschen würde. Sie klärte mich auf, dass die Bibliotheken im Zeitalter des Internets ihre Rolle weg vom „Buchlieferanten“ hin zu einer dienstleistungsorientierteren „Recherche-Quelle mit Lernmöglichkeiten“ definieren würden. Sie wollte gerne Fotos von Lerngruppen am Tisch haben, von Studenten an der Info-Theke und bei der Suche im Internet haben. Damit hatte ich auch gleich meine Trend-Recherche.

Außerdem habe ich die Begriffe „Student Universität“ bei einigen Bildagenturen eingegeben und geschaut, was für Bilder schon im Angebot waren und welche Motive sich davon am besten verkauften. ich erstellte meine Themenliste und ein Moodboard, das ist ein Blatt mit Beispielbildern, damit sich die Models (und in meinem Fall auch die Bibliotheksmitarbeiter) vorstellen können, was ich vorhabe.

Jubel in der Bibliothek

3. Models
Ich schrieb bei der Model-Kartei eine Shooting-Anfrage aus. Leider weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr, aber ich definierte auf jeden Fall die Model-Kriterien (Alter 18-28 Jahre, männlich und weiblich, gerne auch asiatische oder afrikanische Models, schönes Lachen), erklärte die geplante Nutzung der Fotos, verlinkte meinen Vertrag und erwähnte die Bezahlung. Für ca. 3-4 Stunden habe ich 60 Euro pro Model plus die fertigen Bilder auf CD gezahlt, bei fünf Leuten insgesamt 300 Euro.

Es meldeten sich knapp 30 Models, nur wenige Männer, fast nur Frauen, teilweise deutlich über 35, wo ich mich gefragt habe, ob sie auch gelesen haben, dass sie als „Studierende“ durchgehen sollten. Im Zuge des Bologna-Prozesses werden die Studienzeiten ja eher kürzer als länger. Ich richtete in meinem Email-Account einen eigenen Ordner für die Bewerbungen ein. Die beiden Männer waren schnell ausgesucht, bei den Frauen war es schwieriger. Ich wollte sowohl eine gute Mischung an Haarfarben (blond, brünett, schwarzhaarig) als auch interkulturell. Im Zuge des „Castings“ stellte sich heraus, dass eine Frau die Partnerin von einem der männlichen Models war. Das war ein guter Vorteil, weil ich mir sicher sein konnte, dass zumindest bei einem Teil der Models „die Chemie stimmen“ würde.

Ich entschied mich für fünf statt wie anfangs geplant für vier Models, da die Absage-Quote der Model-Kartei relativ hoch ist und ich einen Ausfall von ein bis zwei Models einplanen müsste. Bei vier Models hätte es dadurch passieren können, dass nur zwei erscheinen würden. Das wäre für eine Gruppe zu wenig. Außerdem achtete ich bei den Models darauf, dass sie einige Referenzen vorweisen konnten und schon viele Shootings und gute Shootingbewertungen hatten. Das alles ist keine Garantie für gute Models, zeugt aber von Ehrgeiz und zum Teil auch von Zuverlässigkeit. Ich legte einen Tag fest, an dem alle Models Zeit hatten und schickte den Models vorab eine Liste mit gewünschter Kleidung, die Motivliste, das Moodboard, den Model-Vertrag und unseren Treffpunkt.

Gemeinsam lernen

4. Requisiten
Am Tag vor dem Shooting galt es für mich noch Vorbereitungen zu treffen. Ich traf mich mit einem Bibliotheks-Mitarbeiter, bei dem ich schon einen Teil meiner Ausrüstung lagerte (nicht die teuren, aber die sperrigen Sachen). Er stellte mich den Angestellten vor, die am nächsten Tag im Lesesaal Dienst haben würden und ich erklärte noch mal mein Vorhaben und versprach, so leise und so wenig störend wie möglich zu sein. Außerdem ging ich mit der Kamera umher, um Plätze innerhalb des Lesesaals und Archivs zu finden, die am fotogensten sind. Diese Stunde war eine lohnende Investition, da ich einige Blickwinkel entdeckte, die mir am hektischen Shooting-Tag vielleicht entgangen wären.

Außerdem nahm ich mir die Zeit, die anderen Besucher der Bibliothek zu beobachten, vor allem jene, die dort lernten. Was hatten sie bei sich? Laptop, Schreibblock, einige Stifte, paar Bücher daneben gestapelt. Also packte ich mir Schreibblöcke, Stifte und mein Laptop ein, Bücher gab es ja genug vor Ort. Eins der Models bat ich auch, ihr neues Netbook mitzubringen. Das wäre etwas, was auf älteren Bibliotheksfotos fehlt und meine Fotos davon abheben würde. Am Computer druckte ich alle benötigen Model-Verträge noch mal aus (wie erwartet hatten einige Models ihren Vertrag vergessen) und einen großen Zettel mit der Aufschrift „Aufgrund eines Fotoshootings kann es heute in der Bibliothek vorübergehend zu einigen Beeinträchtigungen kommen. Wir bitten um ihr Verständnis. Vielen Dank.“). Den klebte ich vor dem Shooting an den Eingang der Bibliothek.

Warteschlange

5. Shooting
Der große Tag war da. Ein Shooting in dieser Größenordnung – neue Location mit Publikumsverkehr und fünf mir unbekannten Models – hatte ich noch nie umgesetzt. Rekord war bisher fünf Models im Studio oder drei Models in neuer Location. Als ich zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt vor der Bibliothek ankam, waren schon zwei der fünf Models anwesend. Die Uhrzeit war 8:30 Uhr, eine halbe Stunde vor Öffnung des Lesesaals. Kurz darauf kamen zwei weitere Models. Während wir auf das letzte Model warteten, ließ ich mir die mitgebrachte Kleidung zeigen und wählte für jede Person etwas aus, was halbwegs mit der Kleidung der anderen harmonieren würde. Dazu bestimmte ich ein zweites Outfit, in das die Models während einer Pause wechseln sollten. Die Models schminkten sich in der Toilette und schlossen ihre Sachen in die Schließfächer.

Ich schraubte einen Aufsteckblitz auf ein Stativ (ähnlich wie hier beschrieben, nur mit Durchlichtschirm statt Mini-Softbox) und verband das Ganze mit Pocket Wizards mit meiner Kamera. Der Blitz kam in die Nähe der Models, auf die andere Seite stellte ich einen California Sunbounce Pro als Diffusor auf. Wem der zu teuer ist, findet hier übrigens einen günstige Bastel-Anleitung. Nach kurzer Licht-Einstellung fotografierte ich die geplanten Motive der Shooting-Liste zügig ab. Als Objektiv nutzte ich abwechselnd das 85mm f1.2 und das 50mm f1.8 bei ca. Blende 2.2 bis 2.8. Das war schon sehr gering von der Schärfentiefe, ging aber nicht anders, da ich die ganze Halle nicht mit Blitzen ausgeleuchtet bekommen hätte und sie nicht im Dunkeln verschwinden lassen wollte.

Beim Fotografieren achtete ich darauf, dass ich abwechselnd verschiedene Konstellationen der Models hatte (einzeln, Paare, Dreier-Gruppen, alle). Nach ca. zwei Stunde ließ ich zwei Models eine Pause machen, fotografierte die anderen und so weiter, bis alle eine Pause hatten. Während der Pause sollten die Models auch in das zweite vorher bestimmte Outfit wechseln, damit sie nicht auf allen Bildern die gleiche Kleidung tragen. Am Ende des Shootings unterschrieben wir die Verträge, ich machte je ein Foto von den Models mit ihrem Personalausweis und zahlte das Geld gegen eine Quittung aus. Außerdem hatte ich spontan die Idee, auf dem Rückweg zur U-Bahn im daneben gelegenen Park einige Gruppen-Fotos im Park zu machen. Alle Models stimmten zu und es sind zusätzlich zu den Bildungsfotos einige nette Fun-Fotos entstanden.

Gemeinsame Umarmung

6. Nachbearbeitung
Das größte Problem bei der Retusche waren trotz geringer Tiefenschärfe einige Buchrücken, die ich in Fleißarbeit wegstempeln musste. Aufgrund der ähnlichen Motive konnte ich einen großen Grundwortschatz für alle Bilder übernehmen und musste vor allem bei den Personenbeschreibungen je nach Anzahl, Geschlecht etc. Anpassungen vornehmen. Inklusive Pausen und Vertragsunterzeichnung (immerhin insgesamt 20 Blatt Papier: 2x Vertrag und 2x Quittung x 5 Models) haben wir ca. vier Stunden fotografiert und ich habe an dem Tag 100 Fotos erhalten. Die fertigen Fotos schickte ich jedem Model auf CD mit 1-2 Abzügen in einer schönen Präsentationsmappe. Auch die Universitätsmitarbeiterin bekam eine solche CD und ein Dankesschreiben per Mail.

Die Annahmequote bei den Microstock-Bildagenturen betrug zwischen 83% und 100%, durchschnittlich ca. 94%. Mir war klar, bei welchen 5-10 Fotos die meisten Ablehnungen erfolgen würden. Da werde ich nächstes Mal strenger bei der Auswahl sein müssen. Bei über der Hälfte der Bildagenturen waren die Bilder noch nicht online, da haben die anderen Bildagenturen innerhalb der ersten Woche mindestens die Kosten für ein Model wieder eingespielt. Ich bin zuversichtlich, dass sich das Shooting bald rentiert haben wird.

Hände fassen sich an

7. Aus Fehlern lernen
Einige großartige Motive konnte ich nicht gebrauchen, weil sie schlicht zu verwackelt waren. Bei Belichtungszeiten zwischen 1/30 und 1/80 hätte ich auf jeden Fall mein Einbeinstativ mitnehmen müssen. Das hatte ich in Köln gelassen, weil es mir neben der Kameraausrüstung, zwei Lichtstativen und dem riesigen Reflektor zu viel war. Ein deutlicher Fehler. Ein weiterer Fehler war, dass ich die ganze Zeit mit ISO 100 fotografierte. Einige der verwackelten Bilder wären sicher zu retten gewesen, wenn ich auf ISO 200 gegangen wäre. Selbst wenn meine Belichtungszeiten kurz genug gewesen wären, hätte ich etwas mehr Tiefenschärfe erhalten und einige Ablehnungen wegen zu geringer Schärfe vermieden.

Lerngruppe im Archiv

Was war Euer aufwändigstes Shooting bisher? Und was habt ihr daraus lernen können?