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Stockfotografie‐News 2010‐07‐16

Auch an die­sem Freitag gibt es News und wie­der wird die Branche gut durch­ge­schüt­telt. Fangen wir gleich an:

  • Die tra­di­tio­nel­le Macrostock‐Bildagentur Masterfile kauft die Microstock‐Agentur Crestock zum 1. Juli 2010. In den letz­ten Monaten häuf­ten sich bei Crestock aus­ste­hen­de Zahlungen, kei­ne Antworten auf Kunden‐ oder Käuferanfragen und lan­ge Wartezeiten bei der Bildfreischaltung. Das soll sich jetzt alles wie­der ändern. Zum Guten natür­lich.
  • Noch Ende April 2010 ver­kün­de­ten vie­le Branchenmedien und auch ich hier im Blog die Meldung, dass der Branchenriese Getty Images die Celebrity‐Bildagentur Rex Features kau­fen wol­le. Doch dar­aus wird jetzt wohl nix. Nachdem das bri­ti­sche Kartellamt „Office Of Fair Trading“ Bedenken geäu­ßert hät­te und mein­te, durch den Kauf der Agentur Rex könn­ten die Preise für Bildkäufer stei­gen, bläst Getty den Deal jetzt ab. Die Begründung könnt ihr hier in einer inter­nen Getty‐Email lesen. Ich hal­te das für eine gute Entscheidung, da etwas Marktvielfalt sinn­voll bleibt.
  • Die Software ProStockMaster wird jetzt kos­ten­los ange­bo­ten. Vorher hat­te die Pro‐Version knapp 40$ pro Jahr gekos­tet. Mit die­ser Software kön­nen Fotografen ihre Bilder ver­schlag­wor­ten, über­set­zen und simul­tan zu ver­schie­de­nen Bildagenturen hoch­la­den. Die Gründe für die­sen Schritt wer­den auf der Firmen‐Webseite nicht erwähnt, aber ich ver­mu­te, dass es mit der star­ken Konkurrenz durch Upload‐Dienste wie iSyndica* oder ähn­li­cher Software wie CushyStock zu tun hat.
  • Ach ja, die­sen Juli fei­ert Shutterstock* sei­nen sieb­ten Geburtstag. Herzliche Glückwünsche! Waren es zum Start erst 30.000 Bilder, sind jetzt schon über 10 Millionen Dateien erhält­lich.
  • Wer als Fotograf in Berlin eine her­un­ter­ge­kom­me­ne Halle sucht, kann zum Beispiel die­se Kranhalle und ehe­ma­li­ge Brauerei in Neukölln mie­ten.
  • Die Grenzen zwi­schen Microstock und Macrostock ver­wi­schen immer mehr. Die Agentur Veer hat jetzt ange­kün­digt, die bis­he­ri­ge Aufteilung des Portfolios in drei Preisklassen auf­zu­he­ben (Microstock war „Veer Marketplace“) und alle Bilder mit ihren unter­schied­li­chen Preisen unter der Dachmarke Veer anzu­bie­ten. Es erscheint auch logisch. Gab es vor par Jahren noch gro­ße Vorbehalte sei­tens der tra­di­tio­nel­len Bildagenturen und auch Bildkäufern gegen­über den Billigagenturen, haben sich die­se inner­halb von zehn Jahren zu kon­kur­renz­fä­hi­gen star­ken Agenturen gewan­delt, deren Bildqualität eben­so schnell steigt wie die Menge. Es ist nicht mehr „Pfui“ dort zu kau­fen und so kön­nen die Microstock‐Tochterfirmen, die nur pro for­ma anders hie­ßen, wie­der in das Stammhaus auf­ge­nom­men wer­den.
  • Auch Getty Images lässt ihre Angebote ver­schmel­zen. Thinkstock, das Abo‐Modell der Firma, bie­tet jetzt auch Bildpakete an, mit dem Nutzer ähn­lich wie bei den „On Demand“-Downloads von Shutterstock zu einem Festpreis eine bestimm­te Anzahl an Bildern kau­fen kön­nen. Im Gegensatz zu einem Abo ver­län­gert sich der Vertrag nicht. Bei den Bildern han­delt es sich über 5 Millionen RoyaltyFree‐Bilder von Getty Images, istock­pho­to und Jupiterimages. Ob jedoch auch Fotos aus den istock‐Premium‐Kollektionen Vetta oder Plus ent­hal­ten sind, ist unklar.


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Das grosse Fressen – Der Wettbewerb der Microstock‐Bildagenturen

Es ist ein­ge­trof­fen, was Insider und Analysten vor­her­ge­sagt haben: Die Konsolidierung des Microstock‐Bildermarktes beginnt. Dazu gehört neben dem Sterben eini­ger klei­ner Microstock‐Agenturen (und auch tra­di­tio­nel­ler Bildagenturen) das Aufkaufen und die Übernahme von Microstocks durch ande­re.

Geld verschenken
Doch tre­ten wir kurz einen Schritt zurück, um einen Überblick über den Markt zu gewin­nen.

Die sechs größ­ten und auch umsatz­stärks­ten Microstock‐Bildagenturen sind:
1. Shutterstock
2. istock­pho­to
3. Fotolia
4. Dreamstime
5. StockXpert
6. 123RoyaltyFree

Die ers­ten vier sind mit Abstand für vie­le Fotografen die „Hauptverdiener“ im Microstock‐Bereich, danach fol­gen die bei­den ande­ren mit etwas Abstand. Im Jargon wer­den die­se Agenturen auch als „The Big Six“ bezeich­net.

Vier wei­te­re Agenturen, die sich wie­der mit Abstand in den Top 10 drän­geln, sind:
7. Bigstockphoto
8. Crestock
9. Canstockphoto
10. Snapvillage

Das sieht nach einer Menge aus. Bei genaue­rer Betrachtung fällt aber auf, dass hin­ter den Kulissen ande­re die Fäden zie­hen. Schon im Februar 2006 wur­de istock­pho­to von der welt­weit größ­ten Bildagentur Getty Images für 50 Mio. US‐Dollar auf­ge­kauft.

Im Oktober 2008 kauf­te Getty Images dann auch die Bildagentur Jupiter Images für 96 Mio. US‐Dollar. Da die­ser Bildagentur aber auch die Microstock‐Agentur StockXpert (sie­he Platz 5) gehört, besitzt Getty Images nun zwei Microstock‐Agenturen.

Auch die Nummer 2 der größ­ten Bildagenturen der Welt, Corbis, war nicht taten­los und grün­de­te im Juli 2007 die Microstock‐Agentur Snapvillage.

Die Nummer 9 der obi­gen Liste, Canstockphoto, wur­de erst vor weni­gen Tagen von der gro­ßen Bildagentur Fotosearch gekauft. Bei Bekanntgabe des Deals wur­de auch gleich ange­kün­digt, dass die über 800.000 Fotos der Microstock‐Agentur nun auch über Fotosearch zu fin­den sein sol­len.

Von den zehn wich­tigs­ten Microstock‐Agenturen sind damit schon vier in der Hand von gro­ßen tra­di­tio­nel­len Bildagenturen. Was pas­siert als Nächtes? Es wür­de mich nicht über­ra­schen, wenn in den nächs­ten Monaten wei­te­re Aufkäufe, Zusammenschlüsse oder Schließungen von Microstocks gemel­det wer­den.

Und was macht Getty Images nun mit zwei Microstock‐Agenturen? Da istock­pho­to ver­stärkt Wert auf Exklusivität ihrer Fotografen legt, könn­te es sein, dass istock­pho­to zu einer „Premium‐Microstock“-Marke aus­ge­baut wer­den soll, die fast nur exklu­si­ve Bilder anbie­tet, die etwas über den übli­chen Microstock‐Preisen lie­gen, wäh­rend bei StockXpert dann die Masse der ande­ren Bilder ver­kauft wird, wel­che vie­le der kon­kur­rie­ren­den Microstock‐Agenturen eben­falls ver­trei­ben.

Habe ich was über­se­hen? Was sind Eure Vermutungen, wie es im Bildermarkt wei­ter­geht?