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Teil 6: Fotos von Bildagenturen in Gala, Cosmopolitan, Bild der Frau, Petra, Brigitte

Wer die “Einleitung: Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften” schon gele­sen hat, kann nach dem Foto wei­ter­le­sen, ansons­ten emp­feh­le ich, sich dort einen Überblick zu ver­schaf­fen.

Zeitschriften-Cover Gala, Bild der Frau, Petra, Brigitte, Cosmopolitan

Zeitschrift: Gala
Untertitel: Die Leute der Woche
Ausgabe: 37/2008
Erscheinungsweise: wöchent­li­ch
Preis: 2,50 Euro
Zeitschriftenthema: Stars/Celebrity
Größe der Bildredaktion: Neun Personen (Leitung: Margit Mönikes)
Verlag: Norddeutsche Verlagsgesellschaft mbH

Der Bildverbrauch der Gala ist enorm. Die Zeitschrift kommt auf 172 Fotos aus 43 Bildagenturen und beschäf­tigt neun Leute in der Bildredaktion. Bedient wird sich vor allem bei Agenturen, die Paparrazzi-Fotos im Angebot haben.

Hier die Liste der Agenturen, sor­tiert nach Häufigkeit der Fotos: Teil 6: Fotos von Bildagenturen in Gala, Cosmopolitan, Bild der Frau, Petra, Brigitte wei­ter­le­sen

Stockfotografie-Interview: Jenja Doerig (Bildredakteur bei ImagePoint)

Damit in die­sem Blog auch mal ande­re Sichtweisen zu Wort kom­men, prä­sen­tie­re ich von Zeit zu Zeit Interviews mit ande­ren Personen aus der Branche: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.

Diesmal ist Jenja Roman Doerig an der Reihe, der Leiter der Bildredaktion bei der Schweizer Bildagentur ImagePoint.

Jenja Roman Doerig

Foto: www.nikkolrot.com

Stelle Dich doch bit­te mal kurz vor…

Jenja Doerig, Leiter der Bildredaktion bei ImagePoint. Jenja ist die rus­si­sche Kurzform von Jewgenij, was sich mei­ne Eltern dabei gedacht haben – kei­ne Ahnung. Ich lebe ohne Haustiere in Zürich.

Wie sieht Dein Schreibtisch unge­fähr aus? Was sind Deine wich­tigs­ten Arbeitsgeräte/Werkzeuge?

Maus, Mausmatte, PC, Tastatur und Bildschirm. Bei ImagePoint funk­tio­niert alles online.

Wieviele Bilder siehst Du auf der Arbeit täg­li­ch?

Zwischen 500 und 700 – je nach Qualität.

Und, macht’s noch Spaß?

Je nach Qualität…

Beschreibe bit­te mal kurz den Ablauf, wenn Du ent­schei­dest, ob ein Foto ange­nom­men wird oder nicht?

Zuerst ent­schei­de ich, ob sich das Motiv ver­kau­fen lässt. Danach beur­tei­le ich die tech­ni­sche Qualität in der 100-Prozent-Ansicht. Anschließend kon­trol­lie­re ich die Informationen bezüg­li­ch der Drittrechte.

Hörst Du Musik bei der Arbeit? Wenn ja, wel­che?

Diesbezüglich herrscht ein lie­be­vol­ler Kleinkrieg im Büro. Aber meis­tens hören wir Radio.

Was sind die drei häu­figs­ten Ablehnungsgründe?

Erstens: Motiv. Zweitens: Qualität – viel zu oft müs­sen wir lei­der moti­vi­sch gute Bilder auf­grund der schlech­ten Qualität ableh­nen. Drittens:  Siehe ers­tens.

Wieviel Prozent der Bilder wer­den durch­schnitt­li­ch abge­lehnt?

Knapp über 50 Prozent. Tendenz stei­gend auf­grund der sehr hohen Kundenansprüche und des hohen Konkurrenzdrucks.

Welche Motive bekommst Du am häu­figs­ten zu sehen?

Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Rapsfelder und bald wie­der aktu­ell: Tulpenbilder.

Welche Motive sind Dir am liebs­ten?

Naturalistisch insze­nier­te Lebenssituationen – Stichwort: Available Light – mit Charaktermenschen.

Erkennst Du eini­ge Fotografen schon am Stil?

Oh ja. Die sehr guten Fotografen. Und die eher schlech­ten.

Gibt es noch Fotos von Sonnenuntergängen oder Blumen, die Dich begeis­tern kön­nen?

Nein. Außer viel­leicht wirk­li­ch gut insze­nier­te Blumenbilder.

Hast Du eini­ge Empfehlungen, wel­che Fotografen-Portfolios einen län­ge­ren Blick wert sind?

Spontan fal­len mir da Tina Steinauer, Karsten Jipp, Ramesh Amruth, Nikkol Rot, Stefan Kubli, Sandra Kawohl und Andrea Diefenbach ein. Es gibt aber noch vie­le ande­re sehr gute Portfolios.

Fotografierst Du auch selbst?

Nein.

Was ist der ange­nehms­te Teil Deiner Arbeit?

Neue Fotografen zu ent­de­cken und im Rahmen der Möglichkeiten för­dern zu kön­nen.

Was ist der unan­ge­nehms­te?

Einer Fotografin, einem Fotografen zu kün­den.

Wie kön­nen Dir Fotografen den größ­ten Gefallen tun?

Auch ich bin bestech­li­ch. Im Ernst: Keine all­zu gro­ßen Bildserien hoch­la­den, tech­ni­sch unzu­läng­li­che Bilder im Vorfeld ver­wer­fen, abge­lehn­te Bilder kein zwei­tes Mal hoch­la­den – lie­ber anru­fen und fra­gen: Weshalb bloß? – und, soll­ten Bilder abge­lehnt wer­den: Nicht per­sön­li­ch neh­men.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Interviews:
Elisabeth Cölfen (Fotografin)

Schöne Statistik: Getty Images, istockphoto und der FOCUS

Da wer­te ich mona­te­lang die Bildcredits von zig Zeitschriften aus, um einen Überblick über den Bildermarkt zu bekom­men und nun mer­ke ich, dass die Zeitschriften es nicht so gen­au neh­men.

Genauer gesagt: In der Ausgabe Nr. 2/2009 des Nachrichtenmagazins FOCUS habe ich ein Bild des Microstock-Anbieters istock­pho­to gefun­den. Bei den Fotocredits steht jedoch: „Foto: Getty Images“. Formal mag das kor­rekt sein, weil Getty Images die Firma istock­pho­to 2006 gekauft hat­te. Aber ein Anruf bei Getty Images ergab, dass Bilder der Microstock-Tochter nicht direkt über Getty Images gekauft wer­den kön­nen, weil die Lizenzbedingungen ganz ande­re sein und die Buchhaltung in den USA sit­ze.

Ein Anruf bei der Bildredaktion des FOCUS ergab auch nicht viel mehr. Auf mei­ne Frage, war­um bei einem istock-Foto „Getty“ als Credit ste­he, kam von der Dame am Apparat die Gegenfrage: „Warum wol­len sie das denn wis­sen?“. Ich ant­wor­te ehr­li­ch, dass mich das für die Statistik in mei­nem Blog inter­es­siert, aber die Dame blieb wort­karg: „Dazu kann ich Ihnen kei­ne Auskunft geben“. Hm. Wenn das die Bildredaktion nicht weiß, wer dann?

Aber ich ver­ste­he ja, dass es läs­si­ger wirkt, sich mit dem Namen einer Firma zu schmü­cken, die Fotos für hun­der­te von Euro ver­kauft, statt den Namen einer Firma zu zei­gen, die Fotos für weni­ge Euro ver­scher­belt. Wobei die FOCUS-Tochter FOCUS Money da kei­ne Probleme hat. Die Microstock-Agenturen Dreamstime und Fotolia wer­den dort gleich­be­rech­tigt als Bildcredit ange­ge­ben.

Doch was bedeu­tet das für die Auswertung der „Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften?
Falls nur der FOCUS die­se Art der „Aufhübschung“ betreibt, heißt das nur, dass der FOCUS viel­leicht weni­ger Geld für Fotos aus­gibt als ver­mu­tet. Falls ande­re Zeitschriften die­sem Beispiel fol­gen, ist die unan­ge­foch­te­ne Stellung von Getty Images in der Statistik mit Vorsicht zu genie­ßen. Es wür­de bedeu­ten, dass zwar wei­ter­hin die meis­ten Fotos über Getty Images (bzw. der Tochter istock­pho­to) gekauft wer­den, aber dabei weni­ger Gewinn gemacht wird als die Statistik ver­mu­ten lässt.

Ebenfalls bedeut­sam kann auch die Klausel im Lizenzvertrag von istock­fo­to wer­den:

4. Standard License Prohibitions.
(a) Prohibited Uses. You may not do any­thing with the Content that is not express­ly per­mit­ted in the pre­ce­ding sec­tion or per­mit­ted by an Extended License. For grea­ter cer­tain­ty, the fol­lo­wing are “Prohibited Uses” and you may not: […]
14. use the Content for edi­to­ri­al pur­po­ses without inclu­ding the fol­lo­wing credit adja­cent to the Content: “©iStockphoto.com/Artist’s Member Name]“

Grob über­setzt bedeu­tet das, dass es ver­bo­ten ist, Fotos von istock­pho­to für edi­to­ria­le Zwecke (was Zeitschriften in der Regel ein­schließt) zu nut­zen, ohne als Quelle „istockphoto/Fotograf“ anzu­ge­ben. Mal sehen, was istock­pho­to dazu sagt.

Habt ihr auch in ande­ren Zeitschriften istock-Fotos mit „Getty-Credit“ gefun­den?