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Rezension: „Agenten der Bilder“ von Annette Vowinckel

Es gibt etli­che Bücher über Fotografen und die Fotografie, deren Theorie, Geschichte und die ver­schie­de­nen Genres.

Über die wirt­schaft­li­che Seite der Fotografie und die Vertriebswege wird jedoch deut­lich weni­ger geschrie­ben. Die zwei­te Reihe hin­ter den Fotografen, die Bildredakteure und Bildagenturen, gera­ten da sehr sel­ten in den Blick. Dabei ent­schei­den sie fast mehr als die Fotografen selbst, wel­che Bilder zu Ikonen und wel­che ver­ges­sen wer­den, indem sie bestim­men, wel­che Motive auf die Titelbilder gro­ßer Zeitungen und Zeitschriften kom­men.

Deshalb war ich sehr gespannt, als die Historikerin Annette Vowinckel (Leiterin der Abteilung für Mediengeschicke am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) vor einer Weile ihr Buch „Agenten der Bilder. Fotografisches Handeln im 20. Jahrhundert“* im Wallenstein Verlag (ISBN 978–3-8353–1926-4) ver­öf­fent­lich­te.

Auf 480 Seiten geht sie der Frage nach, „wer die Fotografien wo, wann und in wel­cher Erwartung plat­ziert und nach wel­chen Kriterien bestimm­te Bilder aus­ge­wählt und ande­re ver­ges­sen oder ver­hin­dert wer­den“ (S. 8).

Statt wie so oft eine Motivanalyse zu ver­su­chen, geht Vowinckel anders vor: „Ich kon­zen­trie­re mich dabei auf das, was ich als ‚Bildhandeln‘ bezeich­ne, gehe also nicht von den Bildern aus, son­dern von den Handlungen, deren Ziel und Inhalt die Produktion und Zirkulation von Bildern ist“ (S. 15).

Das Buch ist neben den Pflichtteilen wie Einleitung, Schluss und diver­sen (Quellen-)Verzeichnissen in fünf Abschnitte geteilt.

Im ers­ten Teil, „Die Entstehung einer glo­ba­len visu­el­len Öffentlichkeit“ genannt, beschreibt sie his­to­risch den Aufbau der ers­ten (Nachrichten-)Bildagenturen und wel­che Rolle dabei der Zweite Weltkrieg gespielt hat. Der zwei­te Teil ist den „Berufsgruppen“ gewid­met, nament­lich den Fotojournalisten und Bildredakteuren: Deren Herkunft, Motivation, Werdegang und Selbstverständnis wer­den nach­ge­zeich­net.
Der drit­te Teil betrach­tet die „Fotografie im Staatsdienst“, vor allem in der Armee und zivi­len staat­li­chen Organisationen.
Teil vier nennt sich „Bildsteuerung und Bildverwendung“ und beschäf­tigt sich mit Zensur, foto­gra­fi­scher Ethik und Evidenz.
Der fünf­te Teil geht sechs Fallbeispiele durch, nament­lich Fotojournalismus in Afrika, Fotografische Subversion in der DDR, Faschismus und Antifaschismus, der Kalte Krieg, der Bilderkrieg in Vietnam und Politiker.

Im Buch sind etli­che span­nen­de Themenfelder ver­steckt, zu denen ich noch kom­men wer­de. Unbefriedigend ist jedoch, dass sich beim Lesen manch­mal das Gefühl ein­stellt, die Autorin wür­de über ihre eige­ne Ansprüche stol­pern.

Das fängt gleich in der Einleitung an, wo sie das „Bildhandeln“ als zen­tra­les Element ihrer Arbeit aus­macht und Fragen auf­wirft wie „Was unter­schei­det eine Bildhandlung von einer Sprachhandlung?“, „Welche Formen des Bildhandelns hat die Moderne im Schatten der Massenproduktion […] ver­vor­ge­bracht?“ und „Wie ver­än­dert sich das Politische unter dem Ansturm der Bilder, der das 20. Jahrhundert präg­te […]?“ (alle S. 15), obwohl es im Folgenden dann „nur“, dafür aber mate­ri­al­ge­sät­tigt, um die Herstellung und den Vertrieb von Bildern geht.

Theoretisch ganz span­nend führt sie fünf Kategorien ein, nach denen „Bilder als Argumente“ (S. 19) die­nen: Erstens zur Herstellung einer visu­el­len Öffentlichkeit, zwei­tens zur Agitation, Propaganda und Public Relations, drit­tens zur Solidarisierung mit den Opfern von Krieg und Gewalt sowie zur huma­ni­tä­ren Anklage, vier­tens zur foto­gra­fi­schen Subversion und fünf­tens zum Erbringen von Evidenz.

Mal ganz abge­se­hen davon, dass sie die­se ohne jeg­li­che Erwähnung des „Geldverdienens“ immer als hand­lungs­lei­tend ansieht, erklärt sie gleich dar­auf, sich nicht an die­se Struktur im Buch hal­ten zu wol­len.

Sehr erhel­lend ist das Kapitel über die Bildredakteure, weil die­ser Aspekt der kom­mer­zi­el­len Fotografie meist zu kurz kommt. Vowinckel schreibt bei­spiels­wei­se, dass etli­che Fotografen ein­fach ihre vol­len Filme in der Redaktion ablie­fer­ten und sich nicht wei­ter dar­um scher­ten, was die Bedeutung der Bildredaktion für die Entstehung iko­ni­scher Motive her­vor­hebt.

Auch die Details im ers­ten Teil über die Entstehung von Bildagenturen wie Associated Press (AP) und mit wel­chen tech­ni­schen Kniffen sie sich gegen­über der Konkurrenz durch­set­zen konn­ten, habe ich noch nir­gend­wo anders gele­sen.

Ähnliches gilt für das Kapitel über die Fotografie im Staatsdienst. Es lie­fert einen span­nen­den Einblick in die ver­schie­de­nen Überlegungen, wie Fotografien sei­tens der Armee für ihre Zwecke genutzt wer­den könn­ten und wie die­se Ideen prak­tisch umge­setzt wur­den.

Aber oft ging es mir im Buch dann doch sehr häu­fig wie­der um die, teils sehr bekann­ten, (Kriegs-)Fotografen wie Robert Capa, W. Eugene Smith, Dorothea Lange oder James Nachtwey und was sie im Einsatz erdul­den muss­ten. Dabei wäre selbst inner­halb der gewähl­ten Fallbeispiele inter­es­sant gewe­sen, wie bei­spiels­wei­se Bildredaktionen in der DDR arbei­te­ten oder zu Zeiten des Kalten Krieges oder wie sich der Vertrieb der Bilder auch nach dem Zweiten Weltkrieg mit den wach­sen­den tech­ni­schen Möglichkeiten gewan­delt hat.

Nichtsdestotrotz ist das Buch eine fak­ten­rei­che Sammlung zur Fotogeschichte. Vor allem wer sich für die Kriegsfotografie und Dokumentarfotografie inter­es­siert, wird beim Lesen auf sei­ne Kosten kom­men.

Es ist hier im Buchhandel* für 34,90 Euro als Hardcover mit Schutzumschlag erhält­lich.

* Affiliate

Frustration über unsinnige Ablehnungen bei Bildagenturen

Egal, ob im Stockfotografie-Foren, in Bildagentur-Foren oder bei mir im Email-Postfach, stän­dig schrei­ben dort frus­trier­te Fotografen, wel­che die Ablehnungen ihrer Bilder nicht ver­ste­hen kön­nen.

Meist zurecht. Aber: Jetzt kommt ein ganz gro­ßes Aber, so groß, dass es für einen eige­nen Artikel reicht.

Die Frustration über abge­lehn­te Bilder kann von meh­re­ren Seiten betrach­tet wer­den, die sich teil­wei­se ergän­zen.

Der Zufall-Effekt

Wie ich schon zwei Mal hier und hier mit einer hoch­wis­sen­schaft­li­chen Analyse her­aus­ge­fun­den habe, wer­den die Bilder eher zufäl­lig abge­lehnt. Das heißt, wer zehn Mal die glei­chen Bilder bei zehn ver­schie­de­nen Agenturen hoch­lädt, erhält von jeder Agentur sicher ca. fünf Ablehnungen, aber jeweils für ande­re Bilder. Das trägt nicht dazu bei, eine Konsistenz bei den Ablehnungen zu erken­nen.

Die Liebe zum Bild ver­hin­dert Einsicht

Vor allem am Anfang schmer­zen Ablehnungen sehr. Der Fotograf inves­tiert viel Zeit und Aufwand, um ein gelun­ge­nes Foto zu machen und noch mal viel Zeit und Mühen, um es am Computer zu ent­wi­ckeln und zu retu­schie­ren. Dann ver­bringt er Zeit mit dem Beschriften und Hochladen und – zack – wird das Bild abge­lehnt. Und das bei einem Motiv, bei dem der Fotografen viel Herzblut rein­ge­steckt hat. Leider sehen das nicht die Bildredakteure. Aber das ist auch gut so, denn die Bildkäufer inter­es­siert es eben­so­we­nig, ob sie sie­ben Tage oder zwei Minuten auf den per­fek­ten Moment war­ten muss­ten, um das Bild zu machen. Was zählt, ist ein­zig, ob das Motiv zum pas­sen­den Preis für die gewünsch­te Verwendung erhält­lich ist. Deshalb: Bau als Fotograf eine pro­fes­sio­nel­le Distanz zu dei­nen Werken auf. Das ist neben der Zeitersparnis auch einer der Gründe, war­um vie­le pro­fes­sio­nel­le Stockfotografen das Hochladen der Bilder aus­la­gern oder Assistenten über­las­sen. Ablehnungen sind nie per­sön­li­che Angriffe auf das Können der Fotografen, son­dern meist betriebs­wirt­schaft­li­che Entscheidungen.

Unzutreffene Textbausteine

Eine regel­mä­ßi­ge Quelle gro­ßen Frusts sind die Textbausteine, wel­che die Bildagenturen den Fotografen lie­fern, wenn sie über­haupt so gnä­dig sind, ihre Ablehnungsgründe mit­zu­tei­len. Das reicht von „Model-Release fehlt“ bei 3D-Bildern über „Zu star­ke Nutzung von Foto-Filtern“ bei Bildern, die direkt aus der Kamera kom­men und so wei­ter. Die Textbausteine pas­sen eben nicht immer genau auf die abge­lehn­ten Bilder oder obwohl Bilder unter den glei­chen (Studio-)Bedingungen auf­ge­nom­men wur­den, wer­den eini­ge davon wegen tech­ni­scher Mängel abge­lehnt und ande­re nicht.

Einige Agenturen wie Fotolia oder Dreamstime behel­fen sich, indem sie bei Ablehnungen aus tech­ni­schen Gründen ein­fach eine lan­ge Liste an mög­li­chen Ablehnunsgründen nen­nen, aus denen sich dann der Fotograf das pas­sen­de raus­su­chen kann. Das wie­der­um führt zu neu­en Problemen, weil vor allem uner­fah­re­ne­re Fotografen nicht genau wis­sen, was sie falsch gemacht haben könn­ten oder den­ken „Ich habe doch 19 der 20 auf­ge­führ­ten Punkte umge­setzt, das soll­te doch rei­chen?

Aber sehen wir uns die Sache mal von der ande­ren Seite an.

Unerfahrende und gestress­te Bildredakteure

Bei den Bildagenturen sit­zen je nach Größe der Agentur ein bis zig Bildredakteure, die tag­ein, tag­aus nichts anders machen als die neu ein­ge­trof­fe­nen Fotos zu kon­trol­lie­ren. Früher waren das Leute, die jah­re­lan­ge Erfahrungen in der Bilderbranche hat­ten und oft auch selbst foto­gra­fiert haben. Durch die Flut der Digitalfotos und die schier unend­lich schei­nen­de Menge an neu­en Fotos gibt es nicht genü­gend kom­pe­ten­te Leute. Deshalb wird die­se Aufgabe – vor allem bei den Microstockagenturen – ent­we­der von unter­be­zahl­ten Leuten erle­digt, die mal kurz in die Materie ein­ge­ar­bei­tet wer­den oder die Bildkontrolle wird gleich nach Asien aus­ge­la­gert, wo die Bedingungen garan­tiert nicht bes­ser sind.

Meine Vermutung ist, dass vor allem bei den Microstock-Agenturen die Redakteure eine gewis­se Zahl an Bildern pro Tag kon­trol­lie­ren müs­sen, um von ihren Chefs nichts auf den Deckel zu krie­gen. Bei die­sem Zeitdruck ent­ste­hen ers­tens leicht Fehler, weil etwas über­se­hen wird und zwei­tens führt die Ablehnung eines Bildes schnell zur Ablehnungsorgie: Wenn ein Bildredakteur Fehler erkennt, wird bei den fol­gen­den Bildern noch genau­er hin­ge­schaut, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Fehler gefun­den wer­den und so wei­ter und plötz­lich ist die gesam­te Serie abge­lehnt wor­den.

Durch den Stress ver­kli­cken sich die Bildredakteure auch mal, wes­halb die genann­ten Ablehnungen nicht immer pas­sen. Außerdem sind sie meist kei­ne pro­fes­sio­nel­len Fotografen und wis­sen des­halb nicht, dass es fast unmög­lich ist, unter bestimm­ten Bedingungen zum Beispiel bei Gegenlicht mit star­ken Kontrasten und Weitwinkelobjektiv Bildfehler wie chro­ma­ti­sche Abberationen zu ver­mei­den.

Die Früchte im Garten der ande­ren

Viele Fotografen machen sich über die Ablehnungen bei Bildagenturen lus­tig, wenn das abge­lehn­te Bild von einer ande­ren Agentur ange­nom­men wur­de und sich dort zu einem lukra­ti­ven Bestseller ent­wi­ckelt. Im Nachhinein ist das ein­fach, aber auch unfair. Denn selbst Stockfotoprofis kön­nen meist nicht genau sagen, wel­ches Bild aus einer Serie ein Topseller wer­den wird. Die Bildredakteure sehen die Downloadzahlen ande­rer Agenturen nicht und vie­le der abge­lehn­ten Bilder, die woan­ders genom­men wur­den, lie­gen dort viel­leicht auch wie Blei in den Regalen.

Die Tücken der Automatisierung

Durch den erwähn­ten Zeitdruck las­sen sich die Agenturen Mittel und Wege ein­fal­len, die Bearbeitung schnel­ler vor­neh­men zu kön­nen. So bekom­men Bildredakteure oft das Foto in einer klei­nen Ansicht zu sehen und vier 100%-Ausschnitte. Wer das Pech hat, dass ein Bildfehler genau in die­sem 100%-Ausschnitt liegt, wird eine Ablehnung bekom­men, wenn der Bildfehler dane­ben liegt, kann es pas­sie­ren, dass das Bild trotz­dem ange­nom­men wird, weil der Bildredakteur kei­ne Zeit hat, ins Bild rein­zu­zoo­men. Manchmal sind Ablehnungen des­halb auch kein Pech, son­dern Annahmen nur Glück.

Bei Dreamstime wer­den auch die Bildtitel und Suchbegriffe im Hintergrund ana­ly­siert. das heißt, wenn ein neu hoch­ge­la­de­nes Bild den glei­chen Bildtitel und die glei­chen Suchbegriffe wie ein schon vor­han­de­nes Foto des glei­chen Fotografen hat, wird es sehr wahr­schein­lich (viel­leicht sogar auto­ma­ti­siert?) wegen „zu vie­ler ähn­li­cher Motive“ abge­lehnt, auch wenn das Bildmotiv ein ganz ande­res sein kann.

Es ist auch sehr wahr­schein­lich, dass die Bildredakteure die bis­he­ri­ge Ablehnungsquote eines Fotografen sehen. Wenn dort 55% Ablehnungen steht, wer­den die Kontrolleure deut­lich genau­er schau­en als bei jeman­den, der sich über die Jahre eine 2–3% Ablehnungsquote erar­bei­tet hat.

Bei recht­li­chen Problem wird im Zweifel abge­lehnt

Auch die recht­li­che Seite führt zu viel Ablehnungsfrust. Wenn es auch nur den Hauch eines Zweifels geben soll­te, leh­nen Bildredakteure ein Bild lie­ber ab, weil immer mehr Agenturen eine Rechte-Garantie für deren Kunden über­neh­men, die sie bei Fehlern teu­er zu ste­hen kom­men wür­de. Manche Fotografen ver­ken­nen aber auch die Rechtslage. Nur weil ein Foto in Deutschland auf­ge­nom­men wur­de, wo bestimm­te Gesetze gel­ten, setzt die Bildagentur oft aber deut­lich stren­ge­re Regeln an, weil die Fotos eben welt­weit ver­kauft wer­den und in ande­ren Ländern manch­mal eben här­te­re Gesetze gel­ten. Zum Beispiel braucht man für das Fotografieren eines Tieres in Deutschland kei­ne Genehmigung, weil es als „Sache“, nicht als „Person“ gilt, aber die Bildagenturen ver­lan­gen trotz­dem einen Eigentumsfreigabe vom Tierbesitzer. Wer pro­fe­sio­nell Stockfografie betrei­ben will, muss das akzep­tie­ren.

Außerdem steht in den meis­ten Agenturverträgen mit den Fotografen, dass die­se für recht­li­che Konsequenzen selbst haf­ten müs­sen. Eine Bildablehnung wegen mög­li­cher recht­li­cher Probleme kann dem Fotografen des­halb manch­mal sogar den Hals und das Bankkonto ret­ten.

Manchmal haben Bildredakteure sogar recht

Jeder Fotograf kann eini­ge Geschichten von abstru­sen Ablehnungsgründen erzäh­len. Darüber wird oft über­se­hen, dass die Bildredakteure manch­mal auch recht haben. Einige Bilder sind ent­we­der unscharf, schon zu oft ver­han­den, blau­sti­chig oder ein­fach nicht ver­käuf­lich. Da hilft dann auch kein Jammern und Meckern, son­dern nur eine kri­ti­sche Selbstbetrachtung und die Frage an sich selbst: „Wie kann ich bes­ser wer­den und die­se Fehler in Zukunft ver­mei­den?“

Alles bud­dhis­tisch sehen

Viele haben ver­sucht, die uner­gründ­li­chen Wege der Bildredakteure zu ver­ste­hen, kaum jemand hat es geschafft. Wer lang­fris­tig erfolg­reich im Stockfotomarkt mit­spie­len will und sein Herz schon möch­te, soll­te alles etwas bud­dhis­tisch sehen. Nicht ärgern las­sen, abha­ken und wei­ter­ma­chen. Bei offen­sicht­li­chen Fehlern und poten­ti­el­len Bestseller-Motiven lohnt sich manch­mal eine Korrektur und ein erneu­tes Einreiches, aber meist ist die Zeit bes­ser ange­legt, gleich neue Fotos zu machen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Ablehnungen gemacht? Wie geht ihr damit um?

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 13

In die­ser Folge von „Pimp My Stock!“ gibt es etwas Neues. Heute schau­en wir uns Bilder an, die alle­samt von Fotolia in den letz­ten Wochen abge­lehnt wur­den. Das ist nichts Ungewöhnliches. Spannender ist eher, dass ich auf den ers­ten Blick fast jedes Foto mit Kusshand auf­ge­nom­men hät­te und ich mir bei den meis­ten Motiven auch sicher bin, dass sie sich gut ver­kau­fen wür­den.

Der Fotograf Sebastian Reuter schrieb mir eine ver­zwei­fel­te Mail, weil sei­ne bes­ten Fotos häu­fig abge­lehnt wür­den. Er schick­te mir auch die Fotos in vol­ler Auflösung, damit ich in der 100%-Ansicht auf Fehlersuche gehen kön­ne. Er schrieb u.a.

Ich lade seit Dezember 2010 nach und nach mei­ne bes­ten Bilder bei Fotolia hoch. Es sind jetzt 117 Bilder und der­zeit sat­te 38 Credits „Gewinn“. Okay, das dau­ert…

Aber was mich am meis­ten nervt ist, dass per­fek­te Bilder immer wie­der abge­lehnt wer­den. Perfekt weil: mit ISO 50 kann nichts rau­schen, Blende 8 kann es kei­ne chro­ma­ti­sche Abberation sein, mit 2,5 sec Belichtung war es auch nicht frei Hand. Und so geht es wei­ter…“

Aber schau­en wir, wor­an es lie­gen könn­te. Seine bis­her ange­nom­me­nen Motive fin­det ihr hier.

Das Motiv sieht geil aus, oder? Eine Glühbirne im Moment des Zersplitterns. Gut beleuch­tet, mit viel Platz für Text, ide­al für Werbeplakate. Würde the­ma­tisch gut zu Themen wie „Energie spa­ren“, „Glasbruch“, „Ideenfindung“ und vie­len ande­ren pas­sen. Kommerziell sehr ver­wert­bar. Am Motiv kann es nicht lie­gen, dass das Bild abge­lehnt wur­de. Zoomen wir mal ran:

Hier wird deut­li­cher, was Gründe sein könn­ten. Zum einen ist das Bild etwas ver­rauscht, außer­dem gibt es ganz leich­te Ansätze von chro­ma­ti­scher Abberation, der Lichtreflex sorgt für klei­ne aus­ge­fres­se­ne Stellen und das Bild ist durch die schnel­le Bewegung etwas unscharf. Würde es die Bildkäufer stö­ren? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn sich ein Bildredakteur dar­an reibt, hilft das dem Fotografen nicht. Trotzdem könn­te das Bild mit­tels Photoshop etwas geret­tet wer­den. Eine leich­te Rauschreduzierung (ich bevor­zu­ge da Plugin Noise Ninja), die Farbsättigung redu­zie­ren und manu­el­les Abwedeln der aus­ge­fres­se­nen Stellen wür­de eini­ge Kritikpunkte abschwä­chen. Bei mir sähe das so aus:


Es sind noch paar JPG-Artefakte zu sehen, die viel­leicht zu ver­hin­dern wären, wenn der Workflow vom RAW-Bild zum Endergebnis behut­sam über­prüft wird.


Bei die­sem Foto einer Kuh auf der Weide brau­chen wir nicht zu zoo­men, um das Problem zu erken­nen. Blendenflecken sind per Definition ein Bildfehler. Punkt. Klar, manch­mal mag der Effekt zur Schönheit eines Fotos bei­tra­gen, aber hier stört vor allem der grü­ne Fleck in der Kopfmitte die Idylle. Vielleicht hät­te es gereicht, die­sen einen Fleck zu retu­schie­ren. Dazu kommt jedoch, dass das Motiv zuhauf in Agenturen vor­han­den ist und der Bedarf eher gering ist. Bei sol­chen Motiven sind Bildredakteure nun mal stren­ger. Da hilft es auch nicht, auf die zehn­tau­send ande­ren Kuhfotos zu ver­wei­sen, die seit Jahren in den Agenturen sind und hun­der­te von Downloads erreicht haben. Mit jedem ange­nom­me­nen Bild steigt das Risiko der Ablehnung für ähn­li­che Motive.


Auch bei die­sem Laserfoto sind die Bildfehler schon in der Kleinansicht zu erken­nen. Trotzdem mal eine 100%-Ansicht:


Die Farben lau­fen deut­lich sicht­bar zusam­men, jedem Bildredakteur wür­den da die Haare zu Berge ste­hen. Aber: Wer schon mal pro­biert hat, eine super­hel­le Lichtquelle (und nichts ande­re ist ein Laserstrahl) mit des­sen Reflexionen auf Metall (in die­sem Fall die Laborgeräte) zu foto­gra­fie­ren, wird mer­ken, dass es nahe­zu unmög­lich ist, das ohne Überstrahlungen zu errei­chen, die einen Lichthof erzeu­gen. Aber vie­le Bildredakteure in Microstock-Agenturen haben davon ent­we­der kei­ne Ahnung oder es ist ihnen egal. Erschwerend kommt beim Foto hin­zu, dass die unter­schied­li­chen Neonfarben das Bild zwar kom­po­si­to­risch span­nend machen, aber durch ihre unter­schied­li­chen Wellenlängen digi­ta­le Sensoren zu schnell über­for­dern.

Das ist einer der Gründe, war­um es weni­ge gute Laserfotos in Bildagenturen gibt, von digi­ta­len Fotomontagen mal abge­se­hen. Das wäre ein Grund, das Foto trotz­dem anzu­neh­men. Aber auch für ein Laserfoto ist es eher für spe­zi­el­le Anwender inter­es­sant, weil es sehr dun­kel ist und durch die vie­len Einzelteile wirr erscheint. Ein ande­res Laserfoto mit weib­li­cher Forscherin und einem ruhi­ge­ren Bildaufbau ist für Microstock-Kunden inter­es­san­ter.

Stillleben mit Werkzeugen eines Zahnarztes. Ein typi­sches Microstock-Motiv, gut ver­käuf­lich. Abgelehnt? Abgesehen von der dunk­len Ecke links unten und dem man­geln­den Kontrast ist auf den ers­ten Blick wenig zu bemän­geln. Zoomen wir ran:

Der größ­te Kritikpunkt: Die schärfs­te Stelle im Bild ist noch nicht rich­tig scharf. Außerdem ist eine leich­te chro­ma­ti­sche Abberation (CA) zu erken­nen. Ihr seht nicht, was ich mei­ne? Speichert das Bild ab, öff­net es in Photoshop, wählt das Werkzeug „Farbton/Sättigung“, klickt auf „Bearbeiten: Magentatöne“ und zieht den Regler „Sättigung“ auf +100. Seht ihr die lila Linie? Um sie zu ent­fer­nen, jetzt ein­fach den Sättigungsregler auf -100 zie­hen. Fertig.

Ich habe mal den Kontrast etwas ange­ho­ben, die CA ent­fernt und das Bild leicht geschärft. Das Ganze sieht dann so aus. Wer will, kann ja bei­de Versionen als Ebenen über­ein­an­der legen und direkt ver­glei­chen:


So wür­de das Foto schon eher ange­nom­men wer­den.


Bei die­sem Foto aus einer Eisengießerei tritt ein ähn­li­ches Problem auf wie beim Laserfoto. Geschmolzenes Metall ist per Definition sehr hell und erzeugt damit auto­ma­tisch Lichthöfe auf Fotos, die unver­meid­lich sind. Bei der 100%-Ansicht tritt noch ein ande­res Problem zu Tage:


Es gibt eine leich­te Bewegungsunschärfe und ein unschö­nes Bildrauschen. Ein Blick in die EXIF-Daten gibt Aufschluss: Das Foto wur­de mit einer Canon EOS 1Ds Mark III und dem Canon 24–70mm-Objektiv (f2.8) auf­ge­nom­men, die Blende betrug 3.5, die Brennweite 45mm, Verschlusszeit war 1/60 Sekunde und – jetzt kommt’s – der ISO-Wert war 800. Für eine „avail­ab­le light“-Aufnahme ist das Foto zwei­fels­frei gut gelun­gen, aber die Microstock-Bildredakteure sind da sehr ver­wöhnt. Entweder wäre ein mobi­ler Blitz hilf­reich gewe­sen, der einen gerin­ge­ren ISO-Wert erlaubt hät­te oder das Rauschen könn­te mit Photoshop dezent redu­ziert wer­den.

Trotzdem: Wäre ich Chef einer Bildagentur und wür­de sehen, wie mein Bildredakteur so ein Foto ablehnt, wür­de ich ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben und fra­gen: „Sag mal, spinnst Du? Das Foto wird sich wie geschnit­ten Brot ver­kau­fen, scheiß auf die Bildfehler!“


Bei die­sem Foto sind so gut wie kei­ne Bildfehler zu erken­nen, auch in der 100%-Ansicht nicht. Das Foto eines Reinraums könn­te einen Hauch mehr Schärfe ver­tra­gen, aber das wäre hier noch kein Ablehnungsgrund. Viel wahr­schein­li­cher ist es, dass den Bildredakteuren die­se ver­ti­ka­le Variante gereicht hat, wel­che von Fotolia ange­nom­men wur­de. Vom Motiv her wür­den sich bei­de Varianten gut ver­kau­fen las­sen.


Wieder ein Labor, wie­der abge­lehnt. Für den Microstock-Markt ist das Motiv viel­leicht etwas zu spe­zi­fisch, da die abge­bil­de­ten Geräte dem Fachkunden sehr genaue Rückschlüsse über die Art der Forschung erlau­ben wür­den. Hier bie­tet sich die Vermarktung über eine Macrostock-Agentur auf RM-Basis an, weil das Bildmaterial in die­sem Bereich sehr sel­ten ist und die Firmen des­halb für sol­che Motive auch mehr Geld aus­ge­ben. Abgesehen davon, dass der Aufsteckblitz sich in der vor­de­ren Maschine spie­gelt, sind in der klei­nen Ansicht kaum Fehler zu erken­nen. Bei 200% wird es jedoch anders:


Zum einen häu­fen sich in dem Bild ver­schie­de­ne Logos, für die der Fotograf garan­tiert nicht alle schrift­li­che Erlaubnisse hat. Eins der Logos ist in der 200%-Ansicht zu sehen, aber auch auf dem klei­nen Monitor in der Bildmitte ist Philips zu lesen, auf der Rückseite des Mikroskops ist deren Firmenlogo zu sehen und so wei­ter. Für „royal­ty free“-Motive ein „No Go“! Zusätzlich ist wie­der chro­ma­ti­sche Abberation zu erken­nen, die jedoch ein­fach mit Photoshop zu unter­drü­cken wäre.


Bei die­sem Foto eines Präzisionsinstruments ist es ähn­lich. Der Bildaufbau ist gut und agen­tur­taug­lich, aber das abge­bil­de­te Verfahren ist für Microstock mei­nes Erachtens zu spe­zi­ell. Bei Macrostock-Agenturen wäre es bes­ser auf­ge­ho­ben. Um die Annahmewahrscheinlichkeit zu erhö­hen, wür­de ich das Bild aber noch ent­rau­schen und mini­mal schär­fen. Zum Vergleich hier wie­der ein 100%-Ausschnitt und mei­ne retu­schier­te Version danach:


Ihr seht deut­lich, dass der Hintergrund durch das Entrauschen viel ruhi­ger gewor­den ist, ohne dass die Schärfe im Vordergrund dar­un­ter lei­det.


Der Potsdamer Platz in Berlin bei Nacht. Nicht das sel­tens­te Motiv, aber durch den auf­fäl­lig gel­ben Sightseeing-Bus ein gelun­ge­nes Motiv, das vie­le Reiseveranstalter mit Kusshand kau­fen wür­den. Abgelehnt. Ein deut­li­ches K.O.Kriterium für Microstock-Agenturen sind natür­lich die Firmennamen oben an den Wolkenkratzern, zum Beispiel von der Deutschen Bahn in der Mitte. Aber auch hier gibt es wie­der das Problem mit den Lichthöfen, wie eine 100%-Ansicht offen­bart:


Hier wirkt es fast so, als wäre das Foto zu stark ent­rauscht wor­den. Aber wie­der die Sinnfrage: Würde das die Bildkäufer stö­ren? Sehr wahr­schein­lich nicht.


Von den zehn ein­ge­sand­ten Fotos ist das hier mit dem früh­lings­haft gedeck­ten Tisch mein Favorit. Umso blö­der, dass das Bild abge­lehnt wur­de. Aber Mr. Pingelig fin­det auch hier zwei Gründe. Einerseits wur­de wie schon beim Laborbild eine ver­ti­ka­le Variante ange­nom­men, ande­rer­seits ist ein Farbsaum bei den roten Tulpen zu erken­nen:

Selbst bei einem Posterdruck des Motivs wür­de das sicher kaum stö­rend ins Gewicht fal­len, aber Bildredakteure haben lei­der ihre Vorgaben.

Zusammenfassend ein Hinweis: Hätte Sebastian die­se Fotos vor 3–4 Jahren bei Microstock-Agenturen ange­bo­ten, wären sie sehr wahr­schein­lich ange­nom­men wor­den und hät­ten sich auch gut ver­kauft. Aber mit der Masse der Motive steigt der Qualitätsanspruch bei neu­en Bildern. Da hilft es auch nichts, hau­fen­wei­se alte Bilder aus den Agentur-Portfolios zu zie­hen, die oft wirk­lich nur – ähm, na ja – for­mu­lie­ren wir es so: unge­wöhn­lich sind. Natürlich wäre es sinn­vol­ler, einen Haufen alter Bilder aus dem Agenturbestand zu ent­fer­nen und dafür ähn­li­che Motive mit bes­se­rer Qualität anzu­neh­men. Aber so ein Schritt kos­tet Zeit, Geld und viel Arbeit, den vie­le Agenturen scheu­en.

Auch die Position des Fotografen muss berück­sich­tigt wer­den. Würde ein Smaragd-Fotograf bei Fotolia obi­ge Fotos bei sich hoch­la­den, ver­mu­te ich, dass die Annahmequoten höher wären als bei einem Neuling. Bei alt­ein­ge­ses­se­nen Fotografen mit vie­len Verkäufen wis­sen die Bildredakteure zwei Dinge: 1. Der Typ ver­kauft viel, er wird also wis­sen, was für Motive lau­fen und 2. Die Kunden kau­fen die Bilder, sie schei­nen also mit der Qualität zufrie­den zu sein. Diesen Ruf muss sich ein neu­er Fotograf inner­halb einer Agentur erst auf­bau­en. Das ist unge­recht, weil hier nicht objek­tiv nach Bildqualität, son­dern nach „Marktmacht“ ent­schie­den wird, aber die­se Gewichtung bringt der Agentur Geld, wes­halb sie sich ver­mut­lich kaum ändern wird.

Ein klei­ner Trost für Fotografen ist viel­leicht, dass beim Hochladen der glei­chen Motive bei vie­len Agenturen sicht­bar wird, dass man­che Ablehnungen ein­fach purer Zufall sind.

Die heu­te gezeig­ten Bilder bewei­sen aber auch, dass bei ober­fläch­li­cher Betrachtung der Fotos Fehler ver­bor­gen blei­ben kön­nen, die erst bei genau­er Ansicht in Auge sprin­gen. Darum pre­digt jeder Bildredakteur: Bildbearbeitung bei 100%!

Ich bin gespannt: Was meint ihr? Liege ich mit mei­nen Vermutungen rich­tig? Oder war­um wür­det ihr die Fotos ableh­nen? Oder hät­tet ihr sie – wie ich – trotz­dem ange­nom­men?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stock­taug­lich“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung (ca. 600x800 Pixel) zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
– Mit Wartezeit von eini­gen Wochen bis zur Veröffentlichung ist lei­der zu rech­nen.

* Affiliate

Stockfotografie-Interview: Jenja Doerig (Bildredakteur bei ImagePoint)

Damit in die­sem Blog auch mal ande­re Sichtweisen zu Wort kom­men, prä­sen­tie­re ich von Zeit zu Zeit Interviews mit ande­ren Personen aus der Branche: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.

Diesmal ist Jenja Roman Doerig an der Reihe, der Leiter der Bildredaktion bei der Schweizer Bildagentur ImagePoint.

Jenja Roman Doerig

Foto: www.nikkolrot.com

Stelle Dich doch bit­te mal kurz vor…

Jenja Doerig, Leiter der Bildredaktion bei ImagePoint. Jenja ist die rus­si­sche Kurzform von Jewgenij, was sich mei­ne Eltern dabei gedacht haben – kei­ne Ahnung. Ich lebe ohne Haustiere in Zürich.

Wie sieht Dein Schreibtisch unge­fähr aus? Was sind Deine wich­tigs­ten Arbeitsgeräte/Werkzeuge?

Maus, Mausmatte, PC, Tastatur und Bildschirm. Bei ImagePoint funk­tio­niert alles online.

Wieviele Bilder siehst Du auf der Arbeit täg­lich?

Zwischen 500 und 700 – je nach Qualität.

Und, macht’s noch Spaß?

Je nach Qualität…

Beschreibe bit­te mal kurz den Ablauf, wenn Du ent­schei­dest, ob ein Foto ange­nom­men wird oder nicht?

Zuerst ent­schei­de ich, ob sich das Motiv ver­kau­fen lässt. Danach beur­tei­le ich die tech­ni­sche Qualität in der 100-Prozent-Ansicht. Anschließend kon­trol­lie­re ich die Informationen bezüg­lich der Drittrechte.

Hörst Du Musik bei der Arbeit? Wenn ja, wel­che?

Diesbezüglich herrscht ein lie­be­vol­ler Kleinkrieg im Büro. Aber meis­tens hören wir Radio.

Was sind die drei häu­figs­ten Ablehnungsgründe?

Erstens: Motiv. Zweitens: Qualität – viel zu oft müs­sen wir lei­der moti­visch gute Bilder auf­grund der schlech­ten Qualität ableh­nen. Drittens:  Siehe ers­tens.

Wieviel Prozent der Bilder wer­den durch­schnitt­lich abge­lehnt?

Knapp über 50 Prozent. Tendenz stei­gend auf­grund der sehr hohen Kundenansprüche und des hohen Konkurrenzdrucks.

Welche Motive bekommst Du am häu­figs­ten zu sehen?

Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Rapsfelder und bald wie­der aktu­ell: Tulpenbilder.

Welche Motive sind Dir am liebs­ten?

Naturalistisch insze­nier­te Lebenssituationen – Stichwort: Available Light – mit Charaktermenschen.

Erkennst Du eini­ge Fotografen schon am Stil?

Oh ja. Die sehr guten Fotografen. Und die eher schlech­ten.

Gibt es noch Fotos von Sonnenuntergängen oder Blumen, die Dich begeis­tern kön­nen?

Nein. Außer viel­leicht wirk­lich gut insze­nier­te Blumenbilder.

Hast Du eini­ge Empfehlungen, wel­che Fotografen-Portfolios einen län­ge­ren Blick wert sind?

Spontan fal­len mir da Tina Steinauer, Karsten Jipp, Ramesh Amruth, Nikkol Rot, Stefan Kubli, Sandra Kawohl und Andrea Diefenbach ein. Es gibt aber noch vie­le ande­re sehr gute Portfolios.

Fotografierst Du auch selbst?

Nein.

Was ist der ange­nehms­te Teil Deiner Arbeit?

Neue Fotografen zu ent­de­cken und im Rahmen der Möglichkeiten för­dern zu kön­nen.

Was ist der unan­ge­nehms­te?

Einer Fotografin, einem Fotografen zu kün­den.

Wie kön­nen Dir Fotografen den größ­ten Gefallen tun?

Auch ich bin bestech­lich. Im Ernst: Keine all­zu gro­ßen Bildserien hoch­la­den, tech­nisch unzu­läng­li­che Bilder im Vorfeld ver­wer­fen, abge­lehn­te Bilder kein zwei­tes Mal hoch­la­den – lie­ber anru­fen und fra­gen: Weshalb bloß? – und, soll­ten Bilder abge­lehnt wer­den: Nicht per­sön­lich neh­men.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Interviews:
Elisabeth Cölfen (Fotografin)