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Frustration über unsinnige Ablehnungen bei Bildagenturen

Egal, ob im Stockfotografie-Foren, in Bildagentur-Foren oder bei mir im Email-Postfach, stän­dig schrei­ben dort frus­trier­te Fotografen, wel­che die Ablehnungen ihrer Bilder nicht ver­ste­hen kön­nen.

Meist zurecht. Aber: Jetzt kommt ein ganz gro­ßes Aber, so groß, dass es für einen eige­nen Artikel reicht.

Die Frustration über abge­lehn­te Bilder kann von meh­re­ren Seiten betrach­tet wer­den, die sich teil­wei­se ergän­zen.

Der Zufall-Effekt

Wie ich schon zwei Mal hier und hier mit einer hoch­wis­sen­schaft­li­chen Analyse her­aus­ge­fun­den habe, wer­den die Bilder eher zufäl­lig abge­lehnt. Das heißt, wer zehn Mal die glei­chen Bilder bei zehn ver­schie­de­nen Agenturen hoch­lädt, erhält von jeder Agentur sicher ca. fünf Ablehnungen, aber jeweils für ande­re Bilder. Das trägt nicht dazu bei, eine Konsistenz bei den Ablehnungen zu erken­nen.

Die Liebe zum Bild ver­hin­dert Einsicht

Vor allem am Anfang schmer­zen Ablehnungen sehr. Der Fotograf inves­tiert viel Zeit und Aufwand, um ein gelun­ge­nes Foto zu machen und noch mal viel Zeit und Mühen, um es am Computer zu ent­wi­ckeln und zu retu­schie­ren. Dann ver­bringt er Zeit mit dem Beschriften und Hochladen und – zack – wird das Bild abge­lehnt. Und das bei einem Motiv, bei dem der Fotografen viel Herzblut rein­ge­steckt hat. Leider sehen das nicht die Bildredakteure. Aber das ist auch gut so, denn die Bildkäufer inter­es­siert es eben­so­we­nig, ob sie sie­ben Tage oder zwei Minuten auf den per­fek­ten Moment war­ten muss­ten, um das Bild zu machen. Was zählt, ist ein­zig, ob das Motiv zum pas­sen­den Preis für die gewünsch­te Verwendung erhält­li­ch ist. Deshalb: Bau als Fotograf eine pro­fes­sio­nel­le Distanz zu dei­nen Werken auf. Das ist neben der Zeitersparnis auch einer der Gründe, war­um vie­le pro­fes­sio­nel­le Stockfotografen das Hochladen der Bilder aus­la­gern oder Assistenten über­las­sen. Ablehnungen sind nie per­sön­li­che Angriffe auf das Können der Fotografen, son­dern meist betriebs­wirt­schaft­li­che Entscheidungen.

Unzutreffene Textbausteine

Eine regel­mä­ßi­ge Quelle gro­ßen Frusts sind die Textbausteine, wel­che die Bildagenturen den Fotografen lie­fern, wenn sie über­haupt so gnä­dig sind, ihre Ablehnungsgründe mit­zu­tei­len. Das reicht von „Model-Release fehlt“ bei 3D-Bildern über „Zu star­ke Nutzung von Foto-Filtern“ bei Bildern, die direkt aus der Kamera kom­men und so wei­ter. Die Textbausteine pas­sen eben nicht immer gen­au auf die abge­lehn­ten Bilder oder obwohl Bilder unter den glei­chen (Studio-)Bedingungen auf­ge­nom­men wur­den, wer­den eini­ge davon wegen tech­ni­scher Mängel abge­lehnt und ande­re nicht.

Einige Agenturen wie Fotolia oder Dreamstime behel­fen sich, indem sie bei Ablehnungen aus tech­ni­schen Gründen ein­fach eine lan­ge Liste an mög­li­chen Ablehnunsgründen nen­nen, aus denen sich dann der Fotograf das pas­sen­de raus­su­chen kann. Das wie­der­um führt zu neu­en Problemen, weil vor allem uner­fah­re­ne­re Fotografen nicht gen­au wis­sen, was sie fal­sch gemacht haben könn­ten oder den­ken „Ich habe doch 19 der 20 auf­ge­führ­ten Punkte umge­setzt, das soll­te doch rei­chen?

Aber sehen wir uns die Sache mal von der ande­ren Seite an.

Unerfahrende und gestres­s­te Bildredakteure

Bei den Bildagenturen sit­zen je nach Größe der Agentur ein bis zig Bildredakteure, die tag­e­in, tag­aus nichts anders machen als die neu ein­ge­trof­fe­nen Fotos zu kon­trol­lie­ren. Früher waren das Leute, die jah­re­lan­ge Erfahrungen in der Bilderbranche hat­ten und oft auch selbst foto­gra­fiert haben. Durch die Flut der Digitalfotos und die schier unend­li­ch schei­nen­de Menge an neu­en Fotos gibt es nicht genü­gend kom­pe­ten­te Leute. Deshalb wird die­se Aufgabe – vor allem bei den Microstockagenturen – ent­we­der von unter­be­zahl­ten Leuten erle­digt, die mal kurz in die Materie ein­ge­ar­bei­tet wer­den oder die Bildkontrolle wird gleich nach Asien aus­ge­la­gert, wo die Bedingungen garan­tiert nicht bes­ser sind.

Meine Vermutung ist, dass vor allem bei den Microstock-Agenturen die Redakteure eine gewis­se Zahl an Bildern pro Tag kon­trol­lie­ren müs­sen, um von ihren Chefs nichts auf den Deckel zu krie­gen. Bei die­sem Zeitdruck ent­ste­hen ers­tens leicht Fehler, weil etwas über­se­hen wird und zwei­tens führt die Ablehnung eines Bildes schnell zur Ablehnungsorgie: Wenn ein Bildredakteur Fehler erkennt, wird bei den fol­gen­den Bildern noch genau­er hin­ge­schaut, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Fehler gefun­den wer­den und so wei­ter und plötz­li­ch ist die gesam­te Serie abge­lehnt wor­den.

Durch den Stress ver­kli­cken sich die Bildredakteure auch mal, wes­halb die genann­ten Ablehnungen nicht immer pas­sen. Außerdem sind sie meist kei­ne pro­fes­sio­nel­len Fotografen und wis­sen des­halb nicht, dass es fast unmög­li­ch ist, unter bestimm­ten Bedingungen zum Beispiel bei Gegenlicht mit star­ken Kontrasten und Weitwinkelobjektiv Bildfehler wie chro­ma­ti­sche Abberationen zu ver­mei­den.

Die Früchte im Garten der ande­ren

Viele Fotografen machen sich über die Ablehnungen bei Bildagenturen lus­tig, wenn das abge­lehn­te Bild von einer ande­ren Agentur ange­nom­men wur­de und sich dort zu einem lukra­ti­ven Bestseller ent­wi­ckelt. Im Nachhinein ist das ein­fach, aber auch unfair. Denn selbst Stockfotoprofis kön­nen meist nicht gen­au sagen, wel­ches Bild aus einer Serie ein Topseller wer­den wird. Die Bildredakteure sehen die Downloadzahlen ande­rer Agenturen nicht und vie­le der abge­lehn­ten Bilder, die woan­ders genom­men wur­den, lie­gen dort viel­leicht auch wie Blei in den Regalen.

Die Tücken der Automatisierung

Durch den erwähn­ten Zeitdruck las­sen sich die Agenturen Mittel und Wege ein­fal­len, die Bearbeitung schnel­ler vor­neh­men zu kön­nen. So bekom­men Bildredakteure oft das Foto in einer klei­nen Ansicht zu sehen und vier 100%-Ausschnitte. Wer das Pech hat, dass ein Bildfehler gen­au in die­sem 100%-Ausschnitt liegt, wird eine Ablehnung bekom­men, wenn der Bildfehler dane­ben liegt, kann es pas­sie­ren, dass das Bild trotz­dem ange­nom­men wird, weil der Bildredakteur kei­ne Zeit hat, ins Bild rein­zu­zoo­men. Manchmal sind Ablehnungen des­halb auch kein Pech, son­dern Annahmen nur Glück.

Bei Dreamstime wer­den auch die Bildtitel und Suchbegriffe im Hintergrund ana­ly­siert. das heißt, wenn ein neu hoch­ge­la­de­nes Bild den glei­chen Bildtitel und die glei­chen Suchbegriffe wie ein schon vor­han­de­nes Foto des glei­chen Fotografen hat, wird es sehr wahr­schein­li­ch (viel­leicht sogar auto­ma­ti­siert?) wegen „zu vie­ler ähn­li­cher Motive“ abge­lehnt, auch wenn das Bildmotiv ein ganz ande­res sein kann.

Es ist auch sehr wahr­schein­li­ch, dass die Bildredakteure die bis­he­ri­ge Ablehnungsquote eines Fotografen sehen. Wenn dort 55% Ablehnungen steht, wer­den die Kontrolleure deut­li­ch genau­er schau­en als bei jeman­den, der sich über die Jahre eine 2–3% Ablehnungsquote erar­bei­tet hat.

Bei recht­li­chen Problem wird im Zweifel abge­lehnt

Auch die recht­li­che Seite führt zu viel Ablehnungsfrust. Wenn es auch nur den Hauch eines Zweifels geben soll­te, leh­nen Bildredakteure ein Bild lie­ber ab, weil immer mehr Agenturen eine Rechte-Garantie für deren Kunden über­neh­men, die sie bei Fehlern teu­er zu ste­hen kom­men wür­de. Manche Fotografen ver­ken­nen aber auch die Rechtslage. Nur weil ein Foto in Deutschland auf­ge­nom­men wur­de, wo bestimm­te Gesetze gel­ten, setzt die Bildagentur oft aber deut­li­ch stren­ge­re Regeln an, weil die Fotos eben welt­weit ver­kauft wer­den und in ande­ren Ländern manch­mal eben här­te­re Gesetze gel­ten. Zum Beispiel braucht man für das Fotografieren eines Tieres in Deutschland kei­ne Genehmigung, weil es als „Sache“, nicht als „Person“ gilt, aber die Bildagenturen ver­lan­gen trotz­dem einen Eigentumsfreigabe vom Tierbesitzer. Wer pro­fe­sio­nell Stockfografie betrei­ben will, muss das akzep­tie­ren.

Außerdem steht in den meis­ten Agenturverträgen mit den Fotografen, dass die­se für recht­li­che Konsequenzen selbst haf­ten müs­sen. Eine Bildablehnung wegen mög­li­cher recht­li­cher Probleme kann dem Fotografen des­halb manch­mal sogar den Hals und das Bankkonto ret­ten.

Manchmal haben Bildredakteure sogar recht

Jeder Fotograf kann eini­ge Geschichten von abstru­sen Ablehnungsgründen erzäh­len. Darüber wird oft über­se­hen, dass die Bildredakteure manch­mal auch recht haben. Einige Bilder sind ent­we­der unscharf, schon zu oft ver­han­den, blau­sti­chig oder ein­fach nicht ver­käuf­li­ch. Da hilft dann auch kein Jammern und Meckern, son­dern nur eine kri­ti­sche Selbstbetrachtung und die Frage an sich selbst: „Wie kann ich bes­ser wer­den und die­se Fehler in Zukunft ver­mei­den?“

Alles bud­dhis­ti­sch sehen

Viele haben ver­sucht, die uner­gründ­li­chen Wege der Bildredakteure zu ver­ste­hen, kaum jemand hat es geschafft. Wer lang­fris­tig erfolg­reich im Stockfotomarkt mit­spie­len will und sein Herz schon möch­te, soll­te alles etwas bud­dhis­ti­sch sehen. Nicht ärgern las­sen, abha­ken und wei­ter­ma­chen. Bei offen­sicht­li­chen Fehlern und poten­ti­el­len Bestseller-Motiven lohnt sich manch­mal eine Korrektur und ein erneu­tes Einreiches, aber meist ist die Zeit bes­ser ange­legt, gleich neue Fotos zu machen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Ablehnungen gemacht? Wie geht ihr damit um?

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 13

In die­ser Folge von „Pimp My Stock!“ gibt es etwas Neues. Heute schau­en wir uns Bilder an, die alle­samt von Fotolia in den letz­ten Wochen abge­lehnt wur­den. Das ist nichts Ungewöhnliches. Spannender ist eher, dass ich auf den ers­ten Blick fast jedes Foto mit Kusshand auf­ge­nom­men hät­te und ich mir bei den meis­ten Motiven auch sicher bin, dass sie sich gut ver­kau­fen wür­den.

Der Fotograf Sebastian Reuter schrieb mir eine ver­zwei­fel­te Mail, weil sei­ne bes­ten Fotos häu­fig abge­lehnt wür­den. Er schick­te mir auch die Fotos in vol­ler Auflösung, damit ich in der 100%-Ansicht auf Fehlersuche gehen kön­ne. Er schrieb u.a.

Ich lade seit Dezember 2010 nach und nach mei­ne bes­ten Bilder bei Fotolia hoch. Es sind jetzt 117 Bilder und der­zeit sat­te 38 Credits „Gewinn“. Okay, das dau­ert…

Aber was mich am meis­ten nervt ist, dass per­fek­te Bilder immer wie­der abge­lehnt wer­den. Perfekt weil: mit ISO 50 kann nichts rau­schen, Blende 8 kann es kei­ne chro­ma­ti­sche Abberation sein, mit 2,5 sec Belichtung war es auch nicht frei Hand. Und so geht es wei­ter…“

Aber schau­en wir, wor­an es lie­gen könn­te. Seine bis­her ange­nom­me­nen Motive fin­det ihr hier.

Das Motiv sieht geil aus, oder? Eine Glühbirne im Moment des Zersplitterns. Gut beleuch­tet, mit viel Platz für Text, ide­al für Werbeplakate. Würde the­ma­ti­sch gut zu Themen wie „Energie spa­ren“, „Glasbruch“, „Ideenfindung“ und vie­len ande­ren pas­sen. Kommerziell sehr ver­wert­bar. Am Motiv kann es nicht lie­gen, dass das Bild abge­lehnt wur­de. Zoomen wir mal ran:

Hier wird deut­li­cher, was Gründe sein könn­ten. Zum einen ist das Bild etwas ver­rauscht, außer­dem gibt es ganz leich­te Ansätze von chro­ma­ti­scher Abberation, der Lichtreflex sorgt für klei­ne aus­ge­fres­se­ne Stellen und das Bild ist durch die schnel­le Bewegung etwas unscharf. Würde es die Bildkäufer stö­ren? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn sich ein Bildredakteur dar­an reibt, hilft das dem Fotografen nicht. Trotzdem könn­te das Bild mit­tels Photoshop etwas geret­tet wer­den. Eine leich­te Rauschreduzierung (ich bevor­zu­ge da Plugin Noise Ninja), die Farbsättigung redu­zie­ren und manu­el­les Abwedeln der aus­ge­fres­se­nen Stellen wür­de eini­ge Kritikpunkte abschwä­chen. Bei mir sähe das so aus:


Es sind noch paar JPG-Artefakte zu sehen, die viel­leicht zu ver­hin­dern wären, wenn der Workflow vom RAW-Bild zum Endergebnis behut­sam über­prüft wird.


Bei die­sem Foto einer Kuh auf der Weide brau­chen wir nicht zu zoo­men, um das Problem zu erken­nen. Blendenflecken sind per Definition ein Bildfehler. Punkt. Klar, manch­mal mag der Effekt zur Schönheit eines Fotos bei­tra­gen, aber hier stört vor allem der grü­ne Fleck in der Kopfmitte die Idylle. Vielleicht hät­te es gereicht, die­sen einen Fleck zu retu­schie­ren. Dazu kommt jedoch, dass das Motiv zuhauf in Agenturen vor­han­den ist und der Bedarf eher gering ist. Bei sol­chen Motiven sind Bildredakteure nun mal stren­ger. Da hilft es auch nicht, auf die zehn­tau­send ande­ren Kuhfotos zu ver­wei­sen, die seit Jahren in den Agenturen sind und hun­der­te von Downloads erreicht haben. Mit jedem ange­nom­me­nen Bild steigt das Risiko der Ablehnung für ähn­li­che Motive.


Auch bei die­sem Laserfoto sind die Bildfehler schon in der Kleinansicht zu erken­nen. Trotzdem mal eine 100%-Ansicht:


Die Farben lau­fen deut­li­ch sicht­bar zusam­men, jedem Bildredakteur wür­den da die Haare zu Berge ste­hen. Aber: Wer schon mal pro­biert hat, eine super­hel­le Lichtquelle (und nichts ande­re ist ein Laserstrahl) mit des­sen Reflexionen auf Metall (in die­sem Fall die Laborgeräte) zu foto­gra­fie­ren, wird mer­ken, dass es nahe­zu unmög­li­ch ist, das ohne Überstrahlungen zu errei­chen, die einen Lichthof erzeu­gen. Aber vie­le Bildredakteure in Microstock-Agenturen haben davon ent­we­der kei­ne Ahnung oder es ist ihnen egal. Erschwerend kommt beim Foto hin­zu, dass die unter­schied­li­chen Neonfarben das Bild zwar kom­po­si­to­ri­sch span­nend machen, aber durch ihre unter­schied­li­chen Wellenlängen digi­ta­le Sensoren zu schnell über­for­dern.

Das ist einer der Gründe, war­um es weni­ge gute Laserfotos in Bildagenturen gibt, von digi­ta­len Fotomontagen mal abge­se­hen. Das wäre ein Grund, das Foto trotz­dem anzu­neh­men. Aber auch für ein Laserfoto ist es eher für spe­zi­el­le Anwender inter­es­sant, weil es sehr dun­kel ist und durch die vie­len Einzelteile wirr erscheint. Ein ande­res Laserfoto mit weib­li­cher Forscherin und einem ruhi­ge­ren Bildaufbau ist für Microstock-Kunden inter­es­san­ter.

Stillleben mit Werkzeugen eines Zahnarztes. Ein typi­sches Microstock-Motiv, gut ver­käuf­li­ch. Abgelehnt? Abgesehen von der dunk­len Ecke links unten und dem man­geln­den Kontrast ist auf den ers­ten Blick wenig zu bemän­geln. Zoomen wir ran:

Der größ­te Kritikpunkt: Die schärfs­te Stelle im Bild ist noch nicht rich­tig scharf. Außerdem ist eine leich­te chro­ma­ti­sche Abberation (CA) zu erken­nen. Ihr seht nicht, was ich mei­ne? Speichert das Bild ab, öff­net es in Photoshop, wählt das Werkzeug „Farbton/Sättigung“, klickt auf „Bearbeiten: Magentatöne“ und zieht den Regler „Sättigung“ auf +100. Seht ihr die lila Linie? Um sie zu ent­fer­nen, jetzt ein­fach den Sättigungsregler auf -100 zie­hen. Fertig.

Ich habe mal den Kontrast etwas ange­ho­ben, die CA ent­fernt und das Bild leicht geschärft. Das Ganze sieht dann so aus. Wer will, kann ja bei­de Versionen als Ebenen über­ein­an­der legen und direkt ver­glei­chen:


So wür­de das Foto schon eher ange­nom­men wer­den.


Bei die­sem Foto aus einer Eisengießerei tritt ein ähn­li­ches Problem auf wie beim Laserfoto. Geschmolzenes Metall ist per Definition sehr hell und erzeugt damit auto­ma­ti­sch Lichthöfe auf Fotos, die unver­meid­li­ch sind. Bei der 100%-Ansicht tritt noch ein ande­res Problem zu Tage:


Es gibt eine leich­te Bewegungsunschärfe und ein unschö­nes Bildrauschen. Ein Blick in die EXIF-Daten gibt Aufschluss: Das Foto wur­de mit einer Canon EOS 1Ds Mark III und dem Canon 24–70mm-Objektiv (f2.8) auf­ge­nom­men, die Blende betrug 3.5, die Brennweite 45mm, Verschlusszeit war 1/60 Sekunde und – jetzt kommt’s – der ISO-Wert war 800. Für eine „avail­able light“-Aufnahme ist das Foto zwei­fels­frei gut gelun­gen, aber die Microstock-Bildredakteure sind da sehr ver­wöhnt. Entweder wäre ein mobi­ler Blitz hilf­reich gewe­sen, der einen gerin­ge­ren ISO-Wert erlaubt hät­te oder das Rauschen könn­te mit Photoshop dezent redu­ziert wer­den.

Trotzdem: Wäre ich Chef einer Bildagentur und wür­de sehen, wie mein Bildredakteur so ein Foto ablehnt, wür­de ich ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben und fra­gen: „Sag mal, spinn­st Du? Das Foto wird sich wie geschnit­ten Brot ver­kau­fen, scheiß auf die Bildfehler!“


Bei die­sem Foto sind so gut wie kei­ne Bildfehler zu erken­nen, auch in der 100%-Ansicht nicht. Das Foto eines Reinraums könn­te einen Hauch mehr Schärfe ver­tra­gen, aber das wäre hier noch kein Ablehnungsgrund. Viel wahr­schein­li­cher ist es, dass den Bildredakteuren die­se ver­ti­ka­le Variante gereicht hat, wel­che von Fotolia ange­nom­men wur­de. Vom Motiv her wür­den sich bei­de Varianten gut ver­kau­fen las­sen.


Wieder ein Labor, wie­der abge­lehnt. Für den Microstock-Markt ist das Motiv viel­leicht etwas zu spe­zi­fi­sch, da die abge­bil­de­ten Geräte dem Fachkunden sehr genaue Rückschlüsse über die Art der Forschung erlau­ben wür­den. Hier bie­tet sich die Vermarktung über eine Macrostock-Agentur auf RM-Basis an, weil das Bildmaterial in die­sem Bereich sehr sel­ten ist und die Firmen des­halb für sol­che Motive auch mehr Geld aus­ge­ben. Abgesehen davon, dass der Aufsteckblitz sich in der vor­de­ren Maschine spie­gelt, sind in der klei­nen Ansicht kaum Fehler zu erken­nen. Bei 200% wird es jedoch anders:


Zum einen häu­fen sich in dem Bild ver­schie­de­ne Logos, für die der Fotograf garan­tiert nicht alle schrift­li­che Erlaubnisse hat. Eins der Logos ist in der 200%-Ansicht zu sehen, aber auch auf dem klei­nen Monitor in der Bildmitte ist Philips zu lesen, auf der Rückseite des Mikroskops ist deren Firmenlogo zu sehen und so wei­ter. Für „royal­ty free“-Motive ein „No Go“! Zusätzlich ist wie­der chro­ma­ti­sche Abberation zu erken­nen, die jedoch ein­fach mit Photoshop zu unter­drü­cken wäre.


Bei die­sem Foto eines Präzisionsinstruments ist es ähn­li­ch. Der Bildaufbau ist gut und agen­tur­taug­li­ch, aber das abge­bil­de­te Verfahren ist für Microstock mei­nes Erachtens zu spe­zi­ell. Bei Macrostock-Agenturen wäre es bes­ser auf­ge­ho­ben. Um die Annahmewahrscheinlichkeit zu erhö­hen, wür­de ich das Bild aber noch ent­rau­schen und mini­mal schär­fen. Zum Vergleich hier wie­der ein 100%-Ausschnitt und mei­ne retu­schier­te Version dana­ch:


Ihr seht deut­li­ch, dass der Hintergrund durch das Entrauschen viel ruhi­ger gewor­den ist, ohne dass die Schärfe im Vordergrund dar­un­ter lei­det.


Der Potsdamer Platz in Berlin bei Nacht. Nicht das sel­ten­s­te Motiv, aber durch den auf­fäl­lig gel­ben Sightseeing-Bus ein gelun­ge­nes Motiv, das vie­le Reiseveranstalter mit Kusshand kau­fen wür­den. Abgelehnt. Ein deut­li­ches K.O.Kriterium für Microstock-Agenturen sind natür­li­ch die Firmennamen oben an den Wolkenkratzern, zum Beispiel von der Deutschen Bahn in der Mitte. Aber auch hier gibt es wie­der das Problem mit den Lichthöfen, wie eine 100%-Ansicht offen­bart:


Hier wirkt es fast so, als wäre das Foto zu stark ent­rauscht wor­den. Aber wie­der die Sinnfrage: Würde das die Bildkäufer stö­ren? Sehr wahr­schein­li­ch nicht.


Von den zehn ein­ge­sand­ten Fotos ist das hier mit dem früh­lings­haft gedeck­ten Tisch mein Favorit. Umso blö­der, dass das Bild abge­lehnt wur­de. Aber Mr. Pingelig fin­det auch hier zwei Gründe. Einerseits wur­de wie schon beim Laborbild eine ver­ti­ka­le Variante ange­nom­men, ande­rer­seits ist ein Farbsaum bei den roten Tulpen zu erken­nen:

Selbst bei einem Posterdruck des Motivs wür­de das sicher kaum stö­rend ins Gewicht fal­len, aber Bildredakteure haben lei­der ihre Vorgaben.

Zusammenfassend ein Hinweis: Hätte Sebastian die­se Fotos vor 3–4 Jahren bei Microstock-Agenturen ange­bo­ten, wären sie sehr wahr­schein­li­ch ange­nom­men wor­den und hät­ten sich auch gut ver­kauft. Aber mit der Masse der Motive steigt der Qualitätsanspruch bei neu­en Bildern. Da hilft es auch nichts, hau­fen­wei­se alte Bilder aus den Agentur-Portfolios zu zie­hen, die oft wirk­li­ch nur – ähm, na ja – for­mu­lie­ren wir es so: unge­wöhn­li­ch sind. Natürlich wäre es sinn­vol­ler, einen Haufen alter Bilder aus dem Agenturbestand zu ent­fer­nen und dafür ähn­li­che Motive mit bes­se­rer Qualität anzu­neh­men. Aber so ein Schritt kos­tet Zeit, Geld und viel Arbeit, den vie­le Agenturen scheu­en.

Auch die Position des Fotografen muss berück­sich­tigt wer­den. Würde ein Smaragd-Fotograf bei Fotolia obi­ge Fotos bei sich hoch­la­den, ver­mu­te ich, dass die Annahmequoten höher wären als bei einem Neuling. Bei alt­ein­ge­ses­se­nen Fotografen mit vie­len Verkäufen wis­sen die Bildredakteure zwei Dinge: 1. Der Typ ver­kauft viel, er wird also wis­sen, was für Motive lau­fen und 2. Die Kunden kau­fen die Bilder, sie schei­nen also mit der Qualität zufrie­den zu sein. Diesen Ruf muss sich ein neu­er Fotograf inner­halb einer Agentur erst auf­bau­en. Das ist unge­recht, weil hier nicht objek­tiv nach Bildqualität, son­dern nach „Marktmacht“ ent­schie­den wird, aber die­se Gewichtung bringt der Agentur Geld, wes­halb sie sich ver­mut­li­ch kaum ändern wird.

Ein klei­ner Trost für Fotografen ist viel­leicht, dass beim Hochladen der glei­chen Motive bei vie­len Agenturen sicht­bar wird, dass man­che Ablehnungen ein­fach purer Zufall sind.

Die heu­te gezeig­ten Bilder bewei­sen aber auch, dass bei ober­fläch­li­cher Betrachtung der Fotos Fehler ver­bor­gen blei­ben kön­nen, die erst bei genau­er Ansicht in Auge sprin­gen. Darum pre­digt jeder Bildredakteur: Bildbearbeitung bei 100%!

Ich bin gespannt: Was meint ihr? Liege ich mit mei­nen Vermutungen rich­tig? Oder war­um wür­det ihr die Fotos ableh­nen? Oder hät­tet ihr sie – wie ich – trotz­dem ange­nom­men?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stockt­aug­li­ch“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung (ca. 600x800 Pixel) zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­li­ch das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
– Mit Wartezeit von eini­gen Wochen bis zur Veröffentlichung ist lei­der zu rech­nen.

* Affiliate

Stockfotografie-Interview: Jenja Doerig (Bildredakteur bei ImagePoint)

Damit in die­sem Blog auch mal ande­re Sichtweisen zu Wort kom­men, prä­sen­tie­re ich von Zeit zu Zeit Interviews mit ande­ren Personen aus der Branche: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.

Diesmal ist Jenja Roman Doerig an der Reihe, der Leiter der Bildredaktion bei der Schweizer Bildagentur ImagePoint.

Jenja Roman Doerig

Foto: www.nikkolrot.com

Stelle Dich doch bit­te mal kurz vor…

Jenja Doerig, Leiter der Bildredaktion bei ImagePoint. Jenja ist die rus­si­sche Kurzform von Jewgenij, was sich mei­ne Eltern dabei gedacht haben – kei­ne Ahnung. Ich lebe ohne Haustiere in Zürich.

Wie sieht Dein Schreibtisch unge­fähr aus? Was sind Deine wich­tigs­ten Arbeitsgeräte/Werkzeuge?

Maus, Mausmatte, PC, Tastatur und Bildschirm. Bei ImagePoint funk­tio­niert alles online.

Wieviele Bilder siehst Du auf der Arbeit täg­li­ch?

Zwischen 500 und 700 – je nach Qualität.

Und, macht’s noch Spaß?

Je nach Qualität…

Beschreibe bit­te mal kurz den Ablauf, wenn Du ent­schei­dest, ob ein Foto ange­nom­men wird oder nicht?

Zuerst ent­schei­de ich, ob sich das Motiv ver­kau­fen lässt. Danach beur­tei­le ich die tech­ni­sche Qualität in der 100-Prozent-Ansicht. Anschließend kon­trol­lie­re ich die Informationen bezüg­li­ch der Drittrechte.

Hörst Du Musik bei der Arbeit? Wenn ja, wel­che?

Diesbezüglich herrscht ein lie­be­vol­ler Kleinkrieg im Büro. Aber meis­tens hören wir Radio.

Was sind die drei häu­figs­ten Ablehnungsgründe?

Erstens: Motiv. Zweitens: Qualität – viel zu oft müs­sen wir lei­der moti­vi­sch gute Bilder auf­grund der schlech­ten Qualität ableh­nen. Drittens:  Siehe ers­tens.

Wieviel Prozent der Bilder wer­den durch­schnitt­li­ch abge­lehnt?

Knapp über 50 Prozent. Tendenz stei­gend auf­grund der sehr hohen Kundenansprüche und des hohen Konkurrenzdrucks.

Welche Motive bekommst Du am häu­figs­ten zu sehen?

Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Rapsfelder und bald wie­der aktu­ell: Tulpenbilder.

Welche Motive sind Dir am liebs­ten?

Naturalistisch insze­nier­te Lebenssituationen – Stichwort: Available Light – mit Charaktermenschen.

Erkennst Du eini­ge Fotografen schon am Stil?

Oh ja. Die sehr guten Fotografen. Und die eher schlech­ten.

Gibt es noch Fotos von Sonnenuntergängen oder Blumen, die Dich begeis­tern kön­nen?

Nein. Außer viel­leicht wirk­li­ch gut insze­nier­te Blumenbilder.

Hast Du eini­ge Empfehlungen, wel­che Fotografen-Portfolios einen län­ge­ren Blick wert sind?

Spontan fal­len mir da Tina Steinauer, Karsten Jipp, Ramesh Amruth, Nikkol Rot, Stefan Kubli, Sandra Kawohl und Andrea Diefenbach ein. Es gibt aber noch vie­le ande­re sehr gute Portfolios.

Fotografierst Du auch selbst?

Nein.

Was ist der ange­nehms­te Teil Deiner Arbeit?

Neue Fotografen zu ent­de­cken und im Rahmen der Möglichkeiten för­dern zu kön­nen.

Was ist der unan­ge­nehms­te?

Einer Fotografin, einem Fotografen zu kün­den.

Wie kön­nen Dir Fotografen den größ­ten Gefallen tun?

Auch ich bin bestech­li­ch. Im Ernst: Keine all­zu gro­ßen Bildserien hoch­la­den, tech­ni­sch unzu­läng­li­che Bilder im Vorfeld ver­wer­fen, abge­lehn­te Bilder kein zwei­tes Mal hoch­la­den – lie­ber anru­fen und fra­gen: Weshalb bloß? – und, soll­ten Bilder abge­lehnt wer­den: Nicht per­sön­li­ch neh­men.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Interviews:
Elisabeth Cölfen (Fotografin)