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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 55

Nach lan­ger Pause gibt es heu­te eine neue Folge von „Pimp My Stock“. Sascha möch­te ein fun­dier­tes Feedback zur Verkäuflichkeit sei­ner Motive erhal­ten. Er schreibt über sich und sei­ne Fotografie in sei­ner Mail:

Moin Robert, mit den bei­gefüg­ten Bildern stel­le ich mich Deiner ein­ge­hen­den Bildanalyse in der Kategorie „Pimp my Stock“. Gerne kannst Du wenn Du magst dar­aus auch einen ent­spre­chen­den Blog-​Beitrag ent­wer­fen. 🙂

Folgendes vor­ab: Als lei­den­schaft­li­cher Amateurfotograf habe ich mich im Dezember 2017 unter dem Pseudonym EMOZION bei Shutterstock ange­mel­det und stel­le mich seit­dem mei­ner eige­nen Challenge zur Bildkritik.
Seitdem habe ich vie­les über die Anforderungen von Bildsuchenden und Marketing von Stockfotos gelernt: Konkret sind dies vie­le Erkenntnisse über alter­na­ti­ve Blickwinkel und Perspektiven und vor allem the­ma­ti­sche Fotografie.
Parallel zu der von mir initi­ier­ten Foto-​Community „Fotowalk – Discovery Hamburg“ gene­rie­re ich das über­wie­gen­de Bildmaterial mit dem Smartphone, wobei sich aktu­ell aber wei­ter­hin fest­stel­len lässt, dass das Bildmaterial im Vollformat deut­lich gefrag­ter ist. Warum eigent­lich?

Ein klei­nes Favorit mei­ner eige­nen Bilder-​Challenge sind die zahl­rei­chen Hintergrundmotive in den zwei Sets Textures & Backgrounds und Simple Pattern.

Beim Verschlagworten der Bilder gebe ich mir ent­spre­chend Mühe, die mobi­le App und die algo­rith­men­ba­sier­te Intelligenz der Bilderkennungssoftware von Shutterstock ist hier­bei lau­fend bes­ser gewor­den.
Insgesamt muss ich fest­hal­ten: Es ist ein abso­lut anspruchs­vol­les Métier um mit Stockfotos wirk­lich Geld zu ver­die­nen, aber dar­um geht es mir auch gar nicht. Wenn ich den Aufwand und den Kostenanteil sowie den steu­er­li­chen Anteil abrech­ne, dann brau­chen wir über die Wirtschaftlichkeit die­ser Challenge kei­ne ein­zi­ge Sekunde nach­zu­den­ken… Es macht mir aber ein­fach Spaß den Erfolg der eige­nen Bilder zu ver­fol­gen und dabei für mich zu ent­de­cken wel­che Art von Bildmaterial und Motiven ver­mark­tungs­ge­recht sind. Dementsprechend ent­wick­le ich mich foto­gra­fisch wei­ter und stel­le mir mei­ne eige­nen Foto-​Aufgaben. Trotzdem ist es ein­fach unver­schämt wie Shutterstock und alle ande­ren Stock-​Agenturen Fotografen ent­loh­nen und sich selbst berei­chern. Hier wächst die Kluft zwi­schen Bildanbietern und Plattformbetreibern wei­ter aus­ein­an­der.

Worüber ich mich immer wie­der wun­de­re ist auf­grund wel­cher absur­den Kriterien Bilder von den Algorithmen und ver­mut­lich zahl­reichs­ten „Off-Shore“-Mitarbeiten im Upload-​Prozess abge­lehnt wer­den. Das Interview mit Alex Lauer bestä­tigt mei­ne Erfahrungen. Sehr viel von dem, was er sagt, kann ich bestä­ti­gen, aller­dings gehe ich anders mit der Situation um… Wer etwas tut, macht das immer im eige­nen Interesse. Allerdings – und das ist unum­strit­ten – fin­det im Stockbereich ein immer weit­rei­chen­der Machtmissbrauch durch Quasi-​Monopolisten statt.

Aktuell sind es rund 1500 Bilder in 66 ver­öf­fent­li­chen Sets. Nachdem ich – ana­log zu Deinen Empfehlungen die Top3 der Stockagenturen ange­tas­tet habe – begren­ze ich mich inzwi­schen aus­schließ­lich auf Shutterstock.
Das Bildmaterial gene­rie­re ich inzwi­schen sowohl mit einem iPhone X und einer Canon EOS 5D Mark III.

Mit bes­ten Grüßen aus Hamburg
Sascha“

Schauen wir uns sei­ne Bilder an:

Das ers­te Bild zeigt ein Mädchen auf einem Segelboot. Der wei­ße Rahmen ist etwas, was bei jeder Bildagenturen uner­wünscht ist und so gut wie immer zu einer Ablehnung führt, denn der Kunde soll nicht für unnö­ti­ge wei­ße Flächen bezah­len, die er leicht selbst hin­zu­fü­gen könn­te. Abgesehen davon ist das Bild durch­aus brauch­bar. Der Horizont ist gera­de, der Himmel fast wol­ken­los blau. Einzig die gro­ße dunk­le Fläche rechts unten im Bild wirkt etwas stö­rend, aber nicht so sehr, dass das Foto nicht trotz­dem zum Thema „Reisen“ und „Urlaub“ ver­wen­det wer­den könn­te. Noch bes­ser als die anony­me Rückenansicht wäre sicher eine seit­li­che Ansicht der Person gewe­sen, wo sie ver­träumt in die Weite schaut, aber ich ver­ste­he, wenn das aus per­sön­li­chen Gründen even­tu­ell uner­wünscht ist.

Beim Foto des brau­nen Labradors wird es schwie­ri­ger. Haustiere sind auf­grund der leich­ten Verfügbarkeit ein sehr oft umge­setz­tes Motiv und ent­spre­chend hoch ist die qua­li­ta­tiv star­ke Konkurrenz auf die­sem Gebiet. Ich mag das Licht in die­sem Bild, befürch­te aber, dass die Haltung der Pfoten und vom Schwanz ungüns­tig ist, weil der Hund so auf klei­ne­ren Formaten weni­ger gut erkenn­bar ist. Außerdem wirkt der Hintergrund mit sei­nem har­ten Schatten unru­hig und trägt wenig zur Bildstimmung bei. Insofern sehe ich hier lei­der nur gerin­ge Verkaufschancen.

Dieses Herz aus Laub bedient sich eines Konzepts, was immer sehr gefragt ist: Liebe. Die Umsetzung lässt aller­dings noch eini­ge Verbesserungen zu. Am auf­fäl­ligs­ten ist der Baumstamm in der obe­ren lin­ken Ecke, der pro­blem­los hät­te retu­schiert wer­den kön­nen. Ähnliches gilt für das Laub und Gras unten links. Etwas ungüns­tig ist auch, dass das Herz links sehr eng beschnit­ten ist und Designern so kei­nen Spielraum für eige­ne Formate lie­fert. Insgesamt hät­te ich mir auch eine Perspektive direk­ter von oben gewünscht, was je nach Begebenheiten vor Ort viel­leicht schwie­rig war. Deshalb: Idee gut, Ausführung ver­bes­se­rungs­wür­dig.

Das nächs­te Foto zeigt Sarnico Paratico in Italien. Für ein Tourismusfoto hat es alles, was es braucht: Blauer Himmel mit wei­ßen Wolkentupfern, schö­ne Farben und Reflexionen im Wasser und mit dem roten Gebäude rechts einen pas­sen­den Farbtupfer. Ich wür­de das Bild etwas wei­ter nach links kip­pen, um die Strandpromenade hori­zon­ta­ler aus­zu­rich­ten, aber ansons­ten ist es ein gutes Stockfoto. Ob die Gegend selbst häu­fig genug nach­ge­fragt wird, um das Bild lukra­tiv zu machen, kann ich spon­tan lei­der nicht beur­tei­len.

Diese grü­nen Wände einer Hamburger U‑Bahn-​Station eig­nen sich gut als Hintergrund. Ich hät­te viel­leicht ver­sucht, zumin­dest eine der Linien am Bildrand aus­zu­rich­ten, ver­mut­lich am ehes­ten die unte­re, aber trotz­dem hat das Bild eine Dynamik, die gefragt sein könn­te. Ich wür­de das Bild noch blau ein­fär­ben, um es moder­ner und tech­ni­scher wir­ken zu las­sen.

Dieses Hollandrad in Hamburg sorgt für eine gute Tiefenwirkung im Bild, was es sehr gut für Reiseführer oder Webseiten geeig­net macht. Mit der rich­ti­gen Verschlagwortung funk­tio­niert das Foto auf jeden Fall.

Das Gleiche kann ich bei die­sen Spaziergängern am Strand lei­der nicht sagen. Der Mann im Vordergrund ist zu sehr im Schatten, die Frau rechts wirkt durch den Wind in der Jacke zu unför­mig und die Frau hin­ter dem vor­de­ren Mann sorgt dafür, dass die Konturen von bei­den qua­si inein­an­der­lau­fen und nicht gut erkenn­bar sind. Dazu kommt, dass der Mann nicht bar­fuß läuft, was für das Sommer-​Sonne-​Strand-​Feeling deut­lich hilf­rei­cher wäre. Im Kontrast zu die­sem Strand-​Bestseller* wird deut­lich, was ich mei­ne.

Ein wei­te­rer Hintergrund aus Linien in ver­schie­de­nen Grüntönen. Schlicht, aber wir­kungs­voll. Einzig die win­zi­ge hel­le Ecke rechts unten hät­te noch retu­schiert wer­den kön­nen. Außerdem hät­te das Motiv ver­mut­lich sehr leicht auf die dop­pel­te Breite gestreckt wer­den kön­nen, um es als Panorama anbie­ten zu kön­nen. Kann als Stockfoto funk­tio­nie­ren, aber das Angebot ist hier eben­falls schon sehr groß.

An die­sem Nachtpanorama der Porta Westfalica bei Minden habe ich nichts aus­zu­set­zen. Das Licht wirkt fan­tas­tisch und das Kaiser-​Wilhelm-​Denkmal fällt durch die Beleuchtung gut auf, was ange­sichts sei­ner tou­ris­ti­schen Bedeutung sehr hilf­reich für das Stockfoto ist. Die Bäume links und rechts unten sor­gen für Tiefenwirkung. Ein sehr gutes Foto, was sicher sei­ne Abnehmer fin­den wird.

Als letz­tes Foto haben wir eini­ge Häuser im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Aus archi­tek­tur­fo­to­gra­fi­scher Sicht lei­der eher ein Schnappschuss, obwohl der blaue Himmel und das seit­li­che Licht den wei­ßen Häusern sehr schmei­cheln. Ungünstig sind aber die Verzerrungen durch die seit­li­che und nied­ri­ge Perspektive. Auch der Baum oben rechts wirkt zu dun­kel. Trotzdem mag es eini­ge Käufer geben, die mit dem Bild Immobilienthemen, stei­gen­de Mieten oder Eigentumswohnungen illus­trie­ren wür­den, ich wür­de es also nicht ganz abschrei­ben.

Insgesamt haben mir die Landschaft- und Städtaufnahmen am meis­ten zuge­sagt und ich wür­de in die­ser Richtung wei­ter­ma­chen.

Falls ihr eben­falls an einer kos­ten­lo­sen Bewertung eurer Fotos inter­es­siert seid, fin­det ihr auf die­ser Seite alle not­wen­di­gen Informationen.

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 53

Heute gibt es wie­der eine neue Folge von „Pimp My Stock!“. Hier beur­tei­le ich Bilder von Leserinnen und Lesern auf ihre Verkaufschancen und gebe Tipps zur Verbesserung.

Matthias schrieb mir die­se lan­ge, aber den­noch span­nen­de Mail:

Lieber Robert,

mein Name ist Matthias, 34, und eigent­lich arbei­te ich auf der „ande­ren Seite“, ich lei­te näm­lich die Vertriebsmarketingabteilung eines Medienhauses. Wir arbei­ten dort auch sehr viel mit Stockfotos, aber auch eige­nen Fotoproduktionen, wenn wir unse­re Werbemittel ent­wi­ckeln (wir machen fast alles inhouse und nicht mit Werbeagenturen). Ich bin also was Werbung und Marketing betrifft durch­aus Profi und arbei­te seit 17 Jahren in dem Bereich, kom­me aber mehr von der Konzepter- und mitt­ler­wei­le Managementseite. Wobei es wirk­lich Vorteile hat auf bei­de Seiten zu schau­en und man ent­wi­ckelt ein grö­ße­res Verständnis.

Vor drei Jahren ist mein Sohn gebo­ren, was ich kurz vor­her zum Anlass genom­men habe mir eine Canon 650D zu kau­fen, ich woll­te ein­fach mehr als Handyfotos haben. Irgendwann habe ich mich dann auch mal inten­si­ver mit Blende und Co aus­ein­an­der­ge­setzt, Fotokurse besucht, TfP-​Shootings gemacht und Youtube-​Tutorials auf­ge­saugt. Als Adobe Adobe Stock so gepusht hat und das Lightroom PlugIn her­aus­ge­bracht hat, habe ich mich auch mit dem Stockbereich mal aus­ein­an­der­ge­setzt und habe ange­fan­gen mei­ne Fotos bei Adobe Stock /​ Fotolia anzu­bie­ten. Weniger um damit Geld zu ver­die­nen, son­dern ein­fach, damit mei­ne Fotos nicht nur auf der Platte lie­gen, son­dern ein biß­chen was von der Welt sehen. Das war auch unge­fähr der Zeitpunkt, als ich auf dei­nen Blog gesto­ßen bin und mir auch Dein Buch geholt habe. An der Stelle ein gro­ßes Danke schön dafür, dass Du Dein Wissen auch im Blog so frei­mü­tig teilst. Mir hat das sehr gehol­fen.

Seit unge­fähr vier, fünf Monaten habe ich einen gewis­sen Ehrgeiz ent­wi­ckelt, habe deut­lich mehr hoch­ge­la­den und bie­te mei­ne Fotos auch bei Shutterstock an, vor 2 Wochen Dreamstime und vor ein paar Tagen die „Bewerbung“ bei iStock.

Ich wür­de mich sehr freu­en, wenn Du in Deiner Rubrik „Pimp my Stock“ Dir auch mal mei­ne Fotos anschau­en könn­test.

Vielleicht noch ein paar Rahmendaten, die, wie auch die gesam­te Mail, ger­ne ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen, da ich es auch immer sehr inter­es­sant fin­de, wenn Du in Deinem Blog dar­über berich­test:

Seit Bilder online Abgelehnte Bilder Verkaufte Bilder Einnahmen Portfolio-​URL
Adobe Stock /​ Fotolia 22.6.2016 786 444 169 151,88 € https://stock.adobe.com/de/contributor/206563167/matthias
Shutterstock 11.7.2017 859 179 31 11,01 $ https://www.shutterstock.com/de/g/mlin
Dreamstime 11.9.2017 185 7 0 0 https://www.dreamstime.com/matthiaslindner7_info
iStock Gerade erst bewor­ben

Die ers­ten Monate bei Adobe Stock habe ich nicht wirk­lich viel gemacht (die ers­ten 50€ waren erst im April 2017, nach knapp 10 Monaten zusam­men) und habe auch ein­fach Erfahrungen gesam­melt. Das erklärt auch die hohe Ablehnungsquote. Ich bin z.B. auf den Gedanken gekom­men, Schiefertafeln in Photoshop mit Text zu kom­bi­nie­ren („Herzlich Willkommen“, „Tagesmenü“, etc) und habe direkt mal 30–40 fer­tig gemacht und hoch­ge­la­den. Da war, glau­be ich, der Effizienzmanager in mir mehr am Werk als der Kreative. Adobe Stock war aber mit mei­ner Bearbeitung nicht zufrie­den und hat alle abge­lehnt. Sowas ist mir zwei, drei Mal pas­siert.

Mein Tipp für Anfänger: Wenn ihr etwas Neues aus­pro­biert, immer erst­mal nur ein oder zwei Bilder test­wei­se hoch­la­den.

Auch ansons­ten habe ich in dem Bereich natür­lich Lehrgeld bezahlt. Meine ers­ten iso­lier­ten Objekte schau­en grau­sig aus, bei ein paar Bildern hab ich im fal­schen Farbprofil expor­tiert und es zu spät gemerkt oder bin im Nachhinein ein­fach mit der Bearbeitung nicht zufrie­den, und eigent­lich möch­te ich sie auch aus mei­nem Profil löschen. Jedoch ver­su­che ich gera­de erst­mal Masse auf­zu­bau­en. Und Übung macht bekannt­lich den Meister. Im Stockbereich muss man mitt­ler­wei­le glau­be ich ein­fach auch ein biß­chen Geduld haben und dran blei­ben. Man muss auch klar sagen, das ich oft tech­ni­sche Schwierigkeiten/​Ablehnungsgründe (Artefakte, Rauschen etc) habe, da ich mit einer Canon 650D und Kit-​Objektiven (18–55mm & 55–250mm) und ner 50mm Festbrennweite arbei­te. Solange man nicht zuhau­se unter kon­trol­lier­ten Bedingungen arbei­tet, kann das dann schon mal eng wer­den mit ISO und Co. Zu Weihnachten wer­de ich mir aber sel­ber ne Canon 5D Mark 3 oder 4 (mal schau­en was der Geldbeutel sagt) und das Canon 24–105mm Objektiv schen­ken.

Für 2018 habe ich mir vor­ge­nom­men, deut­lich geziel­ter zu arbei­ten und vor allem auch mit Models. Bisher war mir das ein­fach zu viel Aufwand, auch vor dem Hintergrund der tech­ni­schen Ausstattung und mei­ner Lernkurve. Ganz sicher sind mei­ne Bilder auch noch nicht werb­lich genug, son­dern sehr oft mehr Natur und Reisefotografie, oder es gibt die Motive bereits zu oft und bes­ser. Daher ver­su­che ich in letz­ter Zeit vor allem Sachen zu foto­gra­fie­ren, die für mich leicht mach­bar sind, es aber trotz­dem nicht über­all gibt. Im Fall mei­ner Heimat Rheinhessen sind das z.B. Sachen rund um das Thema Wein, Weinberge und roman­ti­scher Rhein und oft mit dem Keyword „Rheinhessen“. Das wird zwar sicher­lich sel­te­ner gesucht als „Toskana“, aber bei allen Bildbibliotheken gibt es dazu nur drei­stel­li­ge Suchtreffer.

Im Anhang fin­dest Du fol­gen­de Bilder in nied­ri­ger Auflösung, die Namen sind online spre­chen­der, ich habe jetzt nur ver­ein­facht:

Bingen Panorama – Mit 17 Verkäufen (Adobe) mein am häu­figs­ten ver­kauf­tes Bild, das ich per­sön­lich aber auf­grund des Dunst im Himmels und gene­rell der zu hef­ti­gen Bearbeitung gar nicht mal mehr mag.

Marktszene – Mit 10 Verkäufen (Adobe) mein dritt­häu­figs­tes Bild, mit dem ich eigent­lich ganz hap­py bin, viel­leicht habe ich es mir beim aus­sof­ten im Hintergrund etwas zu ein­fach gemacht.

Hyazinthen Willkommen – Noch gar nicht ver­kauft, aber ich mag es, und hab da eine gan­ze Serie in ver­schie­de­nen Arrangements von gemacht.

Fahrräder im Hafen – Noch gar nicht ver­kauft, aber ich mag die Szenerie und hab aus dem Hafen dort eine Menge Fotos mit gebracht, die Lichtstimmung und die alten Schiffe, das war echt toll.

Student schreibt in Notizbuch - Noch gar nicht ver­kauft und ich glau­be, das ein­zi­ge Bild mit einem erkenn­ba­ren Menschen und Release. Etwas lang­wei­lig, aber nun gut. Ich woll­te da vor allem tes­ten, wie das mit den Releases so funk­tio­niert.

Schilf – Noch gar nicht ver­kauft.

Lavendelstrauß – Noch gar nicht ver­kauft, aber eines mei­ner per­sön­li­chen Lieblingsbilder.

Blattgold Porträt – Das Bild habe ich noch nicht online gestellt, mich wür­de aber Deine Meinung dazu inter­es­sie­ren. Taugt so etwas?

60s Porträt & 60s Sofaszene – Das sind Bilder aus einem frü­he­ren TfP-​Shooting, d.h. die sind nicht für Stock frei­ge­ge­ben, son­dern nur für nicht-​kommerzielle Veröffentlichung. Was ich übri­gens nicht mehr machen wür­de, son­dern immer direkt ein ver­nünf­ti­ges Release, weil ich die Fotos aus dem Shooting sehr mag und die ger­ne ver­kau­fen wür­de, viel­leicht spre­che ich noch­mal mit dem Model… Aber mich wür­de inter­es­sie­ren, wie Du die Chancen die­ser Fotos für Stock sehen wür­dest.

Nun ist die­se E‑Mail doch län­ger gewor­den, als gedacht, ich hof­fe Du legst es mir als das aus, was es ist: Begeisterung für das Thema.

Alles Gute und wenn Du es schaffst ein Feedback zu den Bildern zu geben auch schon mal vie­len Dank.

Viele Grüße, Matthias“

Nach die­ser sehr aus­führ­li­chen Einleitung wol­len wir uns direkt die Fotos von Matthias anschau­en:

Diese Aufnahme von Bingen ist ein gelun­ge­nes Landschaftsbild und auch wenn dem Fotografen die hef­ti­ge Bearbeitung nicht so zusagt, sind gesät­tig­te Landschaftsfotos im Microstock-​Bereich stark gefragt, mehr dazu sie­he Folge 48.
Der Dunst kann übri­gens in Adobe Lightroom oder Camera Raw mit die­ser „Dunstfunktion“ redu­ziert wer­den, wenn das gewünscht ist.

Diese Marktszene eig­net sich zum Verkauf, weil sie zum einen das bun­te, fri­sche Gemüse in den Mittelpunkt rückt und trotz­dem das geschäf­ti­ge Treiben im Hintergrund erkenn­bar ist. Die feh­len­de Preise und nicht erkenn­ba­re Schilder und Menschen sor­gen für uni­ver­sel­le Anwendungsmöglichkeiten, die nicht auf eine bestimm­te Region beschränkt sind.

Der Weichzeichner hät­te in der Tat etwas sau­be­rer ein­ge­setzt wer­den kön­nen, aber die Entscheidung für den Einsatz war ins­ge­samt eine gute Wahl, weil das Bild sonst wegen erkenn­ba­rer Personen deut­lich schwe­rer in die Bildagenturen zu bekom­men wäre.

Hm, auf den ers­ten Blick wirkt das Bild ganz stim­mig, aber ins­ge­samt gibt es eini­ge Details, wel­che die Verkäuflichkeit ein­schrän­ken, Als ers­tes stört mich die Rolle Garn. Für mich gibt es da kei­nen Zusammenhang zum „Willkommen“-Konzept. Höchstens bei einem Arrangement zum Thema „Gartenarbeit“ könn­te er viel­leicht Vverwendung fin­den, aber als Willkommensgruß ist es das fal­sche Symbol. Das Herz hat auch nicht so recht die „typi­sche“ Herzform, wel es stark gestaucht ist. Den Vogel über dem gro­ßen W hät­te ich retu­schiert, weil er vom Text ablenkt und auch als irri­tie­ren­der Fleck wahr­ge­nom­men wer­den könn­te. Die Bearbeitung der Schatten ist auch nicht ganz ide­al. Zum Beispiel sieht man links, wie der Schatten am Bildrand schlag­ar­tig auf­hört. Insgesamt ein gutes Bild, was aber mit mehr Überlegung bes­ser umge­setzt wer­den könn­te.

Dieses Bild vom Fahrrädern am Hafen über­zeugt mich lei­der nicht als Stockfoto. Es ist vor allem im Hintergrund viel zu unru­hig un die Form der Fahrradständer ist etwas unty­pisch, was irri­tiert. Insgesamt fehlt euch etwas das Konzept. Für „Gesundheit durch Fahrradfahren“ fehlt die Bewegung, für „Urlaub“ fehlt das Bunte, für „Hafen“ ist zu wenig vom Hafen zu sehen und so wei­ter.

Bei die­sem Mann mi Notizbuch gibt es foto­gra­fisch wenig aus­zu­set­zen. Die Vignettierung mag Geschmackssache sein, mir ist sie etwas zu stark. Der star­ke Anschnitt ver­hin­dert auch, dass Designer sich ggf. selbst den nöti­gen Anshchnitt crop­pen kön­nen, das schränkt also die Verkäuflichkeit ein. Zu über­le­gen wäre noch gewe­sen, ob etwas sicht­ba­rer Inhalt auf dem Notizblock das Bild mehr in eine Richtung gelenkt hät­te und somit die Verkäuflichkeit erhö­hen könn­te. Zwar ver­kauft sich „gene­ri­sches“ Material gut, aber zusätz­li­che kon­kre­te­re Varianten kön­nen bes­ser den „Long Tail“-Markt bedie­nen. Zum Beispiel macht es einen gro­ßen Unterschied, ob der Mann eine Skizze zeich­net (Künstler, Kunststudent), ein Haus oder Grundriss ent­wirft (Architekt), Zahlen (BWL-​/​Mathestudent) oder Text (Dichter, Journalist, gene­rell Lernen) schreibt.

Insgesamt ist der Look etwas dun­kel und farb­los, hel­le­re Kleidungs hät­te hier sicher gehol­fen.

Dieses Schilf-Bild hat sich noch nicht ver­kauft und ich mache dem Fotografen da auch wenig Hoffnungen. Schilf ist nicht die optisch anspre­chends­te Pflanze und auch die Nutzungsmöglichkeiten sind beschränkt. Dazu kommt, dass Käufer, wel­che die Vorteile von Schilf her­aus­stel­len wol­len, sicher Bilder ohne brau­ne Enden an den Blättern bevor­zu­gen wür­den. Kaum ins Gewicht fällt dann noch, dass oben links und rechts etwas unmo­ti­viert Teile wei­te­rer Schilfpflanzen ins Bild ragen und retu­schiert wer­den soll­ten.

Wie dem Fotografen gefällt auch mir die­ses Foto vom Lavendel. Es ist auch har­mo­nisch und schlicht gestal­tet, mit einer hel­len, ruhi­gen Fläche rechts als Textfreiraum, der Fokus liegt erkenn­bar auf dem Lavendel, der sich durch das Lila leicht vom Rest des Bildes abhebt. Zwar ist die Konkurrenz bei sol­chen Motiven hoch, aber das Foto kann optisch gut mit­hal­ten.

Das Portrait einer jun­gen Frau mit Blattgold im Gesicht. Hier stellt sich mir sofort die Frage: „Warum?“ Warum ist die Frau nackt und hat Blattgold im Gesicht?  Für ein „Fashion“-Bild ist das Licht etwas zu schlicht und die Frisur zu „nor­mal“ und das rest­li­che Make-​Up zu nüch­tern. Als posi­ti­ve Beispiele mögen hier Valua Vitaly* oder George Mayer* die­nen.
Wie oben schon erwähnt stört auch hier der nicht zu recht­fer­ti­gen­de Anschnitt oben an den Haaren. Die Verkäuflichkeit wür­de ich des­halb ins­ge­samt als gering ein­schät­zen.

Bei die­sem 60s-​Portrait bin ich nur auf das Konzept gekom­men, weil der Fotograf es mir geschrie­ben hat. Ohne Hinweis hät­te ich nicht erra­ten, dass hier ein 60s-​Look gezeigt wer­den soll. Vielleicht liegt es aber auch ein­fach an mei­ner Unkenntnis. Davon abge­se­hen fin­de ich die Kontraste zu stark, da in den schwar­zen Haare kei­ne Zeichnung mehr zu sein scheint. Die Verwendungsmöglichkeiten für sol­che Motive sind auch gering. Für Friseure zu wenig Haare sicht­bar, für Make-​Up-​Firmen zu wenig und zu dezent geschminkt, für ande­re Branchen durch die Kunstblumen-​Deko im Vordergrund unbrauch­bar.

Diese 60s-​Variante fin­de ich etwas gelun­ge­ner. Schnell ins Auge fällt jedoch der Hintergrund, was auf­grund der leich­ten Wiedererkennbarkeit für Agenturen auch ein Grund sein könn­te, nach einem Property Release zu fra­gen. Ich fin­de das Foto auch zu dun­kel und kühl, um ein gutes Stockfoto zu sein.

Insgesamt sind die Fotos tech­nisch und kom­po­si­to­risch gelun­gen, nur inhalt­lich soll­te etwas stär­ker an Konzepten gear­bei­tet wer­den, um eine Aussage klar rüber­zu­brin­gen. Bei eini­gen Bildern klapp­te das schon sehr gut, bei ande­ren ist Potential noch oben.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen und mir sei­ne Fotos für eine „Pimp My Stock!“-Folge schi­cken will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.
Wie wür­det ihr die Fotos beur­tei­len?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 52

Diese Folge von „Pimp My Stock!“ will ich etwas anders auf­zie­hen. Normalerweise bespre­che ich jedes gezeig­te Bild ein­zeln, aber da fast alle der ein­ge­sand­ten Bilder super und kaum ver­bes­se­rungs­fä­hig sind und nur eins davon abge­lehnt wur­de, gehe ich gleich einen ande­ren Weg. Erst mal aber die Vorstellungsmail des heu­ti­gen Teilnehmers:

Hallo Robert,

ich hei­ße Felix und bin 18 Jahre alt. Ich foto­gra­fie­re nun schon seit Weihnachten 2014  mit mei­ner Nikon D5000 und hab mir mein Wissen haupt­säch­lich über YouTube-​Videos ange­eig­net. Dabei bin ich irgend­wann ein­mal auf Stock-​Fotografie gesto­ßen und woll­te aber noch war­ten bis ich 18 bin und alles selbst regeln kann. Doch mein Interessensfeld hat sich im Sommer letz­ten Jahres vor allem um Bildmanipulation und Composing ver­dich­tet.

Auf Instagram bin ich dann zu Beginn 2017 voll mit Composings aus kos­ten­frei­en Bildern ande­rer durch­ge­star­tet (z.B. www.unsplash.com). Doch der Reiz die Bilder zu neh­men, die „jeder“ Editor auf Instagram ver­wen­det, hat irgend­wann nach­ge­las­sen und mein Ziel war jetzt nach einem Alleinstellungsmerkmal zu suchen: die eige­ne Fotografie.

Vor ein paar Wochen ist mir mein altes Vorhaben – die Stock-​Fotografie –  wie­der ein­ge­fal­len und ich hab mich direkt im Internet nach Ratschlägen umge­schaut. Dadurch bin ich auf dei­nen tol­len Blog gesto­ßen und möch­te mich bei der Gelegenheit auch mal für all dei­ne Mühen und Tipps bedan­ken.

Heute sind auch die ers­ten Mails mit ange­nom­me­nen Bildern auf Adobe Stock rein­ge­flat­tert – mei­ne Freude war groß. Doch ein Bild was ich per­sön­lich super fin­de wur­de nicht ange­nom­men, mit der Begründung: „Der Grund für die Ablehnung lau­tet: Fehlender ästhe­ti­scher oder kom­mer­zi­el­ler Anspruch “ .

Nun hab ich noch ein paar Fragen:
1) Was kann ich ver­bes­sern an dem besag­ten Bild?
2) Kann ich das Ranking der Bilder irgend­wie beein­flus­sen?
3) Darf ich Bilder, die ich auf Adobe Stock anbie­te auch noch auf Instagram ver­öf­fent­li­chen?
4) Sollte ich Keywörter auf Englisch oder Deutsch ange­ben? Denn die Übersetzung ist in bei­de Richtungen meist sehr frag­lich. (Bei mei­ner Verschlagwortung hab ich Englische Begriffe genom­men, um den Internationalem Markt anzu­spre­chen – die­se wur­den aber nun ins Deutsche über­setzt und erge­ben nicht soviel Sinn …)
5) Generelle Kritik oder Verbesserungsvorschläge sind äußerst will­kom­men!

Meine Ziele in die­ser Branche hab ich noch nicht klar gefasst, da es nun erst­mal ein „hin­ein­schnup­pern“ ist und ich noch kaum Erfahrungswerte gesam­melt hab.

Meine Auswahl an „ver­kaufs­fä­hi­gen“ Bildern ist noch nicht so groß, des­halb sind im Anhang nur jene, die ich auch auf Adobe Stock schon ver­öf­fent­licht habe.

Vielen Dank für dei­ne Zeit und son­ni­ge Grüße vom Bodense,
Felix Sechser

Hier sind die Bilder, die ich bis­her hoch­ge­la­den hab:
https://stock.adobe.com/de/contributor/207019973/Felix

Als letz­te klei­ne Anmerkung noch:
Meine ers­te Ablehnquote : Annahmequote war: 1:11. War das ein­ma­li­ger „Zufall“ oder pas­siert das häu­fi­ger?“

Es geht um die fol­gen­den Bilder, von denen die ers­ten zehn gezeig­ten alle bei Adobe Stock ange­nom­men wur­den. Nur das letz­te Bild wur­de abge­lehnt.

 

Ich bin mal ganz ehr­lich:

Der genann­te Ablehnungsgrund „Fehlender ästhe­ti­scher oder kom­mer­zi­el­ler Anspruch“ ist sicher unpas­send. Die Ablehnung erfolg­te sehr wahr­schein­lich, weil das zehn­te Bild den ande­ren neun Bildern ein­fach viel zu ähn­lich sieht. Durch das „ein­ge­fro­re­ne“ Wasser ist es auch nicht ganz so uni­ver­sell nutz­bar wie die ande­ren Motive. Insofern kann ich die Entscheidung der Bildredaktion kom­plett nach­voll­zie­hen. Andere Fotografen wür­den sich über die­se Quote sehr freu­en, inso­fern sehe die Ablehnung eher als Lektion, weni­ger ähn­li­che Bilder vom glei­chen Shooting zusam­men hoch­zu­la­den.

Insgesamt sind die Fotos genau das, was Stockagenturen gera­de suchen: Authentische, ästhe­tisch anspre­chen­de Fotos, die den Lebensstil einer jun­gen Generation abbil­den. Sind also aus Stocksicht sehr gefragt und wenn Felix in die­sem Stil wei­ter­macht, soll­te sei­nem Erfolg wenig im Wege ste­hen.

Angesichts des­sen, dass neun der zehn Fotos hoch­for­ma­tig waren, möch­te ich noch den Tipp mit­ge­ben, dass sich das Verhältnis von ver­ti­ka­len und hori­zon­ta­len Motiven min­des­ten die Waage hal­ten soll­te, im Zweifel mit einem leich­ten Übergewicht der hori­zon­ta­len Bilder.

Dieser Tipp passt zu Felix‘ zwei­ter Frage, wie er sein Ranking ver­bes­sern kann. Eine sehr aus­führ­li­che Übersicht mit Ranking-​Faktoren habe ich kürz­lich hier ver­öf­fent­licht und ich emp­feh­le jedem die gründ­li­che Lektüre. Aufgrund des belieb­ten „Ziegelstein“-Layouts der Suchergebnisse bei vie­len Bildagenturen wer­den ver­ti­ka­le Bilder pro­zen­tu­al auch viel klei­ner dar­ge­stellt als hori­zon­ta­le Fotos, was die Thumbnails der waa­ge­rech­ten Fotos viel attrak­ti­ver für Käufer macht.

Frage 3: Ja, Fotos, die bei Adobe Stock hoch­ge­la­den wer­den, dür­fen auch bei Instagram gezeigt wer­den.

Ob deut­sche oder eng­li­sche Keywords sinn­vol­ler sind, dar­über strei­ten sich die Geister. Ich ver­schlag­wor­te in deutsch und auch die offi­zi­el­le Empfehlung von Adobe Stock ist, in der eige­nen Landesprache zu ver­schlag­wor­ten. Das kann sich jedoch ändern, falls die Suchalgorithmen ange­passt wer­den.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen und mir sei­ne Bilder zur Besprechung schi­cken will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.
Welche Tipps wür­det ihr Felix geben?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 51

Heute gibt es wie­der eine Folge von „Pimp My Stock!“, wo Leute mir ihre Stockfotos schi­cken, damit ich sie einer fun­dier­ten Kritik unter­zie­hen kann. Diesmal ist Eike an der Reihe. Er schreibt:

Hallo Robert,
ich bin 24 Jahre alt, kom­me aus Bayern und habe im Februar die­sen Jahres erst rich­tig mit der Fotografie ange­fan­gen und bin seit­dem Feuer und Flamme. Meine Ausrüstung setzt sich aus der Sony Alpha 6000, 16–50mm Kit-​Objektiv, 18–105mm Sony-​Objektiv und dem 12mm Super-​Weitwinkel-​Objektiv von Samyang zusam­men.

Relativ schnell bin ich dann auf die Stockfotografie gekom­men, habe mir dein Buch gekauft und mich auf die­ses Thema gestürzt.
Besonders dei­ne Kategorie „Pimp my Stock“ hat es mir ange­tan und mir schon viel wei­ter­ge­hol­fen. Ich betrei­be die Stockfotografie als Hobby neben mei­nem Beruf, inves­tie­re aber momen­tan jeden Tag meh­re­re Stunden in die Fotografie und Bearbeitung.

Am Anfang habe ich ange­fan­gen, mög­lichst viel aus mei­nem häus­li­chen Umfeld zu foto­gra­fie­ren und hoch­zu­la­den, was ich mitt­ler­wei­le als Fehler ein­schät­ze. Ich habe des Öfteren den Tipp gele­sen, mög­lichst schnell ein gro­ßes Portfolio auf­zu­bau­en und habe daher auch mit­tel­mä­ßi­ge Bilder hoch­ge­la­den. Jetzt spie­le ich mit dem Gedanken die­se älte­ren Fotos wie­der zu löschen.

Nun habe ich mich mehr mit der Stockfotografie beschäf­tigt und wür­de ich ger­ne wis­sen, ob ich mich auf dem Holzweg befin­de oder mei­ne Bilder gut ver­käuf­lich sind. Seitdem ich Anfang März ange­fan­gen habe, habe ich inner­halb von 40 Tagen ca. 50 Bilder ver­kauft und 19 Dollar ver­dient. Mein Portfolio umfasst mitt­ler­wei­le etwa 300 Bilder.

Ich lade über die Software „StockSubmitter“ gleich­zei­tig bei etwa 10 Stockseiten mei­ne Bilder hoch. 75% der Einnahmen wer­den jedoch von Shutterstock gene­riert (35 Bilder von 50). Ist das ein guter Start in die Stockfotografie? Ich bin damit eigent­lich rela­tiv zufrie­den, habe aber kei­ner­lei Vergleichswerte, was am Anfang zu erwar­ten ist.

Stutzig macht mich nur, dass der Großteil mei­ner Bilder kei­nen ein­zi­gen „view“ hat und die­se anschei­nend ganz am Ende der Suchlisten auf­tau­chen. Ich hof­fe, das bes­sert sich noch in Zukunft?

Momentan tes­te ich eine Vielzahl unter­schied­li­cher Themen aus, um mei­ne „Richtung“ in der Stockfotografie zu fin­den. Isolierte Bilder, Stilleben – mit und ohne Copyspace – , Landschaftsaufnahmen und Architektur, aber auch Photoshop-​Composing fin­det sich in mei­nem Portfolio. Würdest du die brei­te Aufstellung eher als Vorteil oder Nachteil sehen?

Besonders reizt mich an der Stockfotografie die Kreativität, einen bestimm­ten Gedanken foto­gra­fisch umzu­set­zen.
Mittlerweile lade ich kei­ne Schnappschüsse mehr hoch, son­dern nur spe­zi­ell für die Stockfotografie erstell­te Bilder.
Richtig Freude berei­tet es mir dann, wenn sich die Arbeit und die Gedanken aus­ge­zahlt haben und das Bild tat­säch­lich gekauft wird, das Geld ist für mich eher zweit­ran­gig.
Leider wer­den oft die extra für die Stockfotografie pro­du­zier­ten Fotos trotz­dem nicht gekauft, was mich wie­der­um ver­un­si­chert.

Lange Rede kur­zer Sinn, ich wür­de mich sehr über eine Fotokritik von dir freu­en und fin­de es beson­ders toll, dass du dein Wissen über die Stockfotografie mit uns teilst!
Meine Bilder: https://www.shutterstock.com/g/Likee68

Eine Frage hät­te ich noch bezüg­lich property-​releases. In mei­ner Nähe befin­det sich ein bekann­tes Gebäude, das ich ger­ne foto­gra­fie­ren und ver­kau­fen wür­de. Dabei wer­den die­se Fotos oft mit der Bemerkung abge­lehnt, dass der property-​release fehlt. Deshalb habe bei der Verwaltung des Gebäudes ange­ru­fen. Diese ver­si­cher­ten mir, dass Bilder von dem Haus ohne Einschränkungen ver­kauft wer­den dür­fen. Die Verwaltung selbst will aber kei­ne property-​releases aus­stel­len, da ihn dies zu auf­wen­dig ist. Wie gehst du damit um? Muss ich wei­ter­hin mit einer hohen Ablehnungsquote rech­nen?
Vielen Dank!“

In sei­ner Mail sind eini­ge Fragen ent­hal­ten, die ich nach der Bildbesprechung beant­wor­ten will. Schauen wir uns erst mal sei­ne Bilder an. Zu jedem Bild gibt es erst einen Kommentar von Eike, bevor ich ant­wor­te:


„1. – Noch nicht ver­kauft – Liegt es am zu klei­nen Copyspace oder der feh­len­den Nachfrage? Schlagworte gehen in Richtung Champion, Sieger etc.“

Das Problem bei die­sen Spielfiguren-Konzept-​Bildern ist, dass sie sehr ein­fach, schnell und güns­tig nach­zu­ma­chen sind und des­halb auch seit Jahren von vie­len Fotografen umge­setzt wer­den. Selbst in den kos­ten­lo­sen Bilddatenbanken gibt es da hau­fen­wei­se Konkurrenz. Trotzdem las­sen sich hier natür­lich die Verkaufschancen stei­gern. Ich wür­de das Bild spie­geln, damit der Textfreiraum rechts ist, weil das mehr der euro­päi­schen Leserichtung ent­spricht und rechts den Hintergrund auch noch etwas erwei­tern. Mit dem „inhalts­ba­sier­ten Füllen“ (kon­kre­ter hier „inhalts­ba­sier­tes Freistellen“) von Photoshop geht das sehr ein­fach.


„2. – Noch nicht ver­kauft – Ist das Bild zu sim­pel? Ich habe auch beschrif­te­te Varianten erstellt, rech­ne aber nicht damit, dass jemand genau die­se Beschriftung haben möch­te und ten­die­re zum lee­ren Copyspace.“

Das Bild ist grund­sätz­lich gut gelun­gen und mir gefällt vor allem die Kombination von gra­fi­schen Elementen und der mensch­li­chen Hand. Aber wie beim ers­ten Bild ver­küm­mert hier der Textfreiraum links, wäh­rend Kunden die­sen lie­ber rechts plat­zie­ren, vor allem, da sich hier links der gera­de Rand des Pfeils als Abschluss gera­de­zu anbie­tet. Außerdem ist die Vignettierung der Ränder recht deut­lich zu erken­nen und soll­te in Photoshop ent­fernt wer­den.

3. – Noch nicht ver­kauft – Wurde teil­wei­se abge­lehnt mit der Begründung „Belichtungsproblem“. Dabei woll­te ich genau die­se nächt­li­che Einbruchsstimmung trans­por­tie­ren.“

Thematisch ist das Bild von einem Einbruch super als Stockfoto geeig­net. Der Blitz ist natür­lich sehr hart und hät­te etwas (nicht viel) wei­cher gestal­tet wer­den kön­nen. Manchmal hilft es auch, gegen­über der Bildagentur zu argu­men­tie­ren, dass die abge­sof­fe­nen schwar­zen Stellen zum Bildkonzept gehö­ren. Ich mei­ne jedoch auch einen grün­li­chen Farbstich wahr­zu­neh­men. Dieser soll­te vor­her noch kor­ri­giert wer­den und wenn wir schon dabei sind, wür­de ich auch den Punkt-​Lichtreflex auf dem gel­ben Griff ent­fer­nen, weil er zuviel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Noch bes­ser wäre es auch, wenn eine Stelle gewählt wor­den wäre, wo die Wand nicht nach Rohbau aus­sieht.


„4. – 2 Mal ver­kauft – Vermutlich ist das Bild zu dun­kel, um erfolg­rei­cher zu sein? Ist die Nische zu klein?“

Das Bild von der Schnittverletzung ist in der Tat etwas dun­kel, aber ins­ge­samt ist es ein gut durch­dach­tes Stockfoto, was lang­fris­tig sicher sei­ne Kosten wie­der ein­spie­len wird. Auffällig ist oben links das Astloch im Holzmuster, was ich reflex­ar­tig ent­fernt hät­te.

5. – Noch nicht ver­kauft – Ist der Business-​Markt zu über­sät­tigt? Ich habe in die­ses Foto einen Gegenlicht-​Effekt ein­ge­bracht, wirkt er pas­send?“

Das Foto ist eben­falls wie­der the­ma­tisch super. Klar ist der klas­si­schen Business-​Handshake oder wie hier die Visitenkarten-​Übergabe sehr gesät­tigt, ver­kauft sich aber immer noch. Den Gegenlicht-​Effekt fin­de ich pas­send und wer­tig. Störend ist eher der Lichtreflex genau auf der Visitenkarte. So wird das Bild optisch in zwei Seiten geteilt, obwohl ja genau das Gegenteil, das Miteinander und Zueinanderfinden, aus­ge­drückt wer­den soll.

6. – in ande­ren Versionen schon 5 Mal ver­kauft – Wirkt das Composing auf dich pro­fes­sio­nell oder eher lai­en­haft? Die Bilder zum Thema „Cybersecurity“ gehö­ren zu mei­nen erfolg­rei­che­ren.“

Auch hier ist die Idee gut und die Umsetzung brauch­bar, lässt sich aber ver­bes­sern. Die Schriftart beim Wort „Scanning…“ rechts passt nicht ganz zum maschi­nel­len Charakter des Scanvorgangs, da in Automaten meist ande­re Schriftarten ver­wen­det wer­den. Das Bild könn­te auch noch mit eini­gen SciFi-​Flares (zum Beispiel hier bei RAWexchange*) auf­ge­motzt wer­den.


„7. – Noch nicht ver­kauft – Ich dach­te bei die­sen Fotos an einen Arzt, der sei­ne Hände des­in­fi­ziert und wäscht. In die­se Richtung habe ich es auch ver­schlag­wor­tet.“

Ein Foto vom Waschbecken und der Hebel vom Wasserhahn ist abge­schnit­ten? Das geht gar nicht. Außerdem ist auch hier wie­der die Vignettierung zu erken­nen. Um das Thema Sauberkeit noch zu unter­strei­chen und das Bilder an die übli­chen wei­ßen Arztbilder anzu­pas­sen, wür­de ich es auch hier auf­hel­len, so weit es geht.


„8. – Noch nicht ver­kauft – Ich woll­te einen Postkarten-​Look kre­ieren. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob ich auch sol­che Text-​Varianten erstel­len soll oder den Copyspace nur leer las­sen soll. Vielleicht dient der Text dem Kunden als Inspiration und greift dann zum lee­ren Exemplar?“

Das Kaffee-Bild ist ziem­lich eng beschnit­ten und ein Kunde hät­te kei­ner­lei Möglichkeit, das Bild irgend­wie zu beschnei­den, ohne es unbrauch­bar zu machen. Die Fülltextur im Text ist auch, ich sage mal, „spe­zi­ell“, doch zum Text gleich mehr beim nächs­ten Bild.
Leinwand.jpg

9. – Noch nicht ver­kauft – Ein etwas simp­le­res Composing. Ist das Bild zu ein­fach, um erfolg­reich zu sein?“

Sorry, das Bild wirkt wie ein 90er-​Jahre-​Clipart und das mei­ne ich nicht posi­tiv. Welchen Sinn soll der gel­be „Heiligenschein“ haben? Vor allem jedoch passt die Schriftart nicht zum „To Do“-Konzept. Diese ans „Art Deco“-angelehnte Schrift passt viel­leicht in einen Kunstbildband, aber nicht hier­her. Schau mal allein das „o“ und die Punkte an: Der Buchstabe ist kom­plett rund, die Doppelpunkte sind jedoch oval. Das passt nicht zusam­men und sieht schei­ße aus.

Ähnlich beim vor­he­ri­gen Kaffee-​Bild: Hier ist die Schrift unpro­por­tio­nal gestreckt, was jedem Typografie-​Kenner die Fußnägel hoch­rol­len lässt. Das erzeugt auch einen „gedrun­ge­nen“ Eindruck, der nicht zur „Entspannungsaussage“ des Textinhalts passt.

10. – Noch nicht ver­kauft – Ein arran­gier­tes Bild mit Copyspace auf dem Blatt. Vermutlich ist der Markt mit pro­fes­sio­nel­le­ren Varianten gesät­tigt?“

Die Selbsteinschätzung ist hier voll­kom­men rich­tig. Von die­sen „Tabletop“-Fotos gibt es vie­le deut­lich pro­fes­sio­nel­le­re Aufnahmen. Um nur mal eini­ge Punkte her­aus­zu­grei­fen: Ist das Foto für Linkshänder kon­zi­piert? Sonst wür­de ich das Bild spie­geln. Auch die Verwendung des gel­ben Platzes schränkt die Verwendung ein, genau­so wie der rote Buntstift, der im Business- und auch im Kreativbereich jetzt kei­ne so gro­ße Rolle spielt.

Insgesamt haben fünf der zehn Bilder eine sehr kla­re, nütz­li­che Bildaussage mit einer guten Umsetzung. Da sehe ich gute Chancen für die Zukunft und kann Eike nur bestär­ken, so wei­ter­zu­ma­chen. Lernen soll­te er noch etwas über gra­fi­sche Gestaltung, spe­zi­ell über Typografie, hier kann ich sehr das Buch „Grafik und Gestaltung“ von Markus Wäger emp­feh­len.

Zu den ande­ren Fragen:
Um ein bes­se­res Gefühl dafür zu bekom­men, wie man als Anfänger im Vergleich zu ande­ren steht, hel­fen viel­leicht die­se Zahlen von ande­ren Microstock-​Fotografen.
Löschen wür­de ich kei­ne Bilder im Portfolio, solan­ge es kei­ne recht­li­chen Probleme gibt oder Dir Deine Anfangswerke irgend­wann uner­träg­lich pein­lich wer­den. Ich ver­kau­fe immer noch manch­mal Bilder, die ich vor über zehn Jahren gemacht habe.

Zum Property Release: Die Agenturen wer­den hier immer stren­ger und mit den dies­be­züg­li­chen Ablehnungen musst Du Dich lei­der abfin­den, da es kei­nen Rechtsanspruch auf Aufnahme in eine Bildagentur gibt.

Und ja, anfangs kannst Du ruhig expe­ri­men­tie­ren, wel­che foto­gra­fi­schen Bereiche Dir am meis­ten zusa­gen und wo Du die bes­ten Verkäufe erzielst, aber nach einer Weile soll­test Du Dich auf einen Bereich spe­zia­li­sie­ren, um gezielt in die­ser Nische bes­ser als vie­le ande­re zu wer­den.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen und mir sei­ne Bilder zur Besprechung schi­cken will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.
Welche Tipps wür­det ihr Eike geben?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 50

Wow! 50 Folgen schon mei­ner Serie „Pimp My Stock!“ Das hät­te ich nicht erwar­tet, als ich sie vor knapp neun Jahren ins Leben geru­fen habe. (Was, neun Jahre ist das schon her?)

Was ist „Pimp My Stock“?
Vor zehn Jahren habe ich mich auf eini­gen Fotocommunitys rum­ge­trie­ben, die alle ein ähn­li­ches Schema hat­ten: Fotos wur­den ent­we­der mit „Toll, wow, groß­ar­tig“ kom­men­tiert oder gar nicht. Falls mal ernst­haf­te Vorschläge zur Verbesserung kamen, wur­den die­se vom Fotografen meist abge­bü­gelt mit „Das soll so, ist Absicht!“.

Selbst wer als Fotograf wirk­lich wis­sen woll­te, wel­chen kom­mer­zi­el­len Wert sei­ne Aufnahmen haben, bekam in die­sen Fotocommunitys sel­ten Hilfe, weil vie­le der Leser Hobbyfotografen waren, die wenig Erfahrung mit dem Bilderverkauf hat­ten.

So kam mir die Idee zu „Pimp My Stock!“. Leser kön­nen mir hier ihre Fotos schi­cken, wel­che ich öffent­lich mit Blick auf ihre Verkaufschancen beur­tei­le und Tipps gebe, wie sie sich even­tu­ell ver­bes­sern las­sen. Hier geht es nicht um Lob, son­dern um nütz­li­che Kritik, wel­che die Annahmechancen bei Bildagenturen ver­bes­sern soll. Da ich seit mitt­ler­wei­le 12 Jahren nichts ande­res mache als Bilder über Agenturen zu ver­kau­fen, gibt es bei mir Tipps aus der Praxis.

Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen will, fin­det hier alle not­wen­di­gen Informationen.

Wie der Zufall so spielt, gibt es pas­send zum Jubiläum ein beson­de­res Schmankerl.
Stefan hat mir sei­ne Fotos geschickt, die auf den ers­ten Blick alle sehr stock­taug­lich aus­se­hen. Aber las­sen wir ihn vor­her zu Wort kom­men:

Hallo Robert,

ich hei­ße Stefan und bin gelern­ter Fotograf. Mitte 2015 habe ich beschlos­sen, ein biss­chen Stockfotografie zu machen und habe dann erst mal neben­bei 6 Shootings dafür gemacht. Mitte 2016 habe ich beschlos­sen das Ganze noch stär­ker zu betrei­ben. Also habe ich noch mehr Stockfoto-​Shootings gemacht. Mittlerweile habe ich ein Portfolio von ca. 1200 Fotos bei Shutterstock und Fotolia.

Von eini­gen Bildserien habe ich bis­her aller­dings fast kei­ne Verkäufe, obwohl ich mir von den Motiven mehr erhofft hat­te. Die Bildserien, von denen ich dir je 1–2 Beispielfotos schi­cke, bestehen meist aus ca. 50 Fotos, haben aber über meh­re­re Monate ins­ge­samt unter 10 Downloads. Vor allem von den Downloadzahlen bei der Serie mit der Weihnachtsfamilie, den Sportfotos und den 4 Mädels bin ich ent­täuscht.

Vielleicht kannst du ent­de­cken, was ich falsch gemacht habe? Liegt es am Motiv? Haben die­se ein zu unspe­zi­fi­sches Thema? Oder liegts am Bildaufbau? Oder viel­leicht an der Verschlagwortung (die Schlagworte fin­dest du in den Metadaten der Fotos)?
Oder hab ich irgend­was ganz ande­res ver­mas­selt?

Ich fän­de es super, wenn du dich dem Thema in dei­ner Pimp My Stock Reihe wid­men könn­test. Dass du Stock-​Einsteigern so den Einstieg erleich­terst, find ich toll 🙂

Liebe Grüße
Stefan“

Schauen wir uns mal die Bilder von Stefan an.

Vorab:
Alle Bilder von Stefan sind auf den ers­ten Blick gut ver­käuf­lich. Es sind People-​Lifestyle-​Bilder, also genau das, was Bildagenturen am meis­ten ver­kau­fen, ein Thema oder Konzept ist immer leicht erkenn­bar und die Umsetzung ist tech­nisch sau­ber. Dennoch haben die Bilder alle kaum Verkäufe. Da müs­sen wir uns mal genau anschau­en, was der Grund sein könn­te.

fami­ly unboxing christ­mas pres­ents in front of christ­mas tree

Die Titel las­se ich mal drin, weil sie auch ein Merkmal sein könn­ten, was eine Rolle spielt. Aber auch hier scheint auf den ers­ten Blick sau­ber gear­bei­tet wor­den zu sein. Einziger Vorschlag von mir wäre, „christ­mas gift“ (32 Mio. Treffer bei Google) statt „christ­mas pre­sent“ (nur 19 Mio. Treffer) zu ver­wen­den, weil es gebräuch­li­cher ist.

Zum Motiv:
Lachende Familie packt Weihnachtsgeschenke aus? Sollte laut mei­ner Keyword-​Analyse weg­ge­hen wie war­me Semmeln. Die Tücken lie­gen wie immer im Detail: Zuerst die Eltern: Der Mann schaut starr ins Leere anstatt sich am Glück sei­ner Kinder zu erfreu­en, die Mutter ist etwas zu sehr hin­ter der Tochter ver­steckt. Die Spitze vom Weihnachtsbaum ist abge­schnit­ten und durch die gan­zen dunk­len Blau- und Schwarztöne der Kleidung ver­schwimmt die Familie im Thumbnail zu einem dunk­len Haufen.

Viel stö­ren­der ist jedoch die feh­len­de Weihnachtsatmosphäre beim Licht. Die Beleuchtung wirkt rela­tiv kühl und wie in einem Möbelhaus, nicht die fest­li­che Heiligabendstimmung, mit der Firmen im Romantiktopf rüh­ren wol­len.

Ich habe mal in einer Minute die Farben etwas wär­mer gemacht, eine Vignette drü­ber­ge­legt und einen Lens Flare, dann bekommt das Bild schon eine ganz ande­re Stimmung:
Als Keywords ent­hält das Bild die­se 14 Begriffe:
„christ­mas; fami­ly; gifts; laugh; child­ren; hap­py; christ­mas tree; advent; home; cele­bra­te; unpack; holi­day; boy; girl“.

Auffällig ist, dass Englisch ver­wen­det wur­de. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich wei­ter­hin, für Fotolia in deut­scher Sprache zu ver­schlag­wor­ten und für Shutterstock dann ins Englische zu über­set­zen. Die 14 Begriffe sind alle sehr akku­rat und zutref­fend, wobei ich mehr gewählt hät­te. Es feh­len noch Begriffe wie „peop­le, cele­bra­ti­on, pre­sent, mother, deco­ra­ti­on, hap­pi­ness, daugh­ter, smi­ling, woman, sur­pri­se, fun, xmas, child­hood, tog­e­ther, father, love, joy, son, giving“.  Damit wären wir bei 33 Begriffen, was eine super Menge ist für sol­che Bilder.

fami­ly deco­ra­tes christ­mas coo­kies

Auch beim zwei­ten Bild der Serie sind mei­ne Kritikpunkte ähn­lich. Der Mann schaut eher zu als mit­zu­hel­fen, sein wei­ßes Hemd lässt ihn mit der Kleidung des Jungen ver­schwim­men, die Mutter ver­deckt den Weihnachtsbaum, bei­de Kinder schau­en etwas zu ernst und die brau­ne Dose vor­ne im Bild lenkt etwas ab. Dazu kommt wie­der der küh­le Lichtaufbau.

Zu den 15 Keywords „bake; christ­mas coo­kies; deco­ra­te; fami­ly; child­ren; christ­mas; gifts; hap­py; christ­mas tree; advent; home; cele­bra­te; holi­day; boy; girl“ wür­de ich die­se 16 Begriffe ergän­zen: „coo­kie, food, coo­king, kit­chen, baking, home­ma­de, peop­le, pre­pa­ra­ti­on, woman, deco­ra­ti­on, tog­e­ther, win­ter, sea­son, child, child­hood, gin­ger­b­read“.

group selfieAuch die­ses Gruppenfoto zum Thema „Selfie“ wirkt ober­fläch­lich super. Viele attrak­ti­ve Leute, moder­nes Thema, tech­nisch gut umge­setzt. Aber wie­der die Details: Die Haare der brü­net­ten Frau lie­gen etwas unge­ord­net, die Hot Pants sind vor allem dem prü­den us-​amerikanischen Markt ver­mut­lich schon etwas zu kurz, der voll­stän­di­ge täto­wier­te Arm der Frau links mag kon­ser­va­ti­ve­re Kunden abschre­cken, die Oberteile hät­ten statt den „Unfarben“ schwarz und weiß etwas abwechs­lungs­rei­cher sein kön­nen und so wei­ter. Das Licht ist auch wie­der etwas „stim­mungs­los“ und kühl.

Der Titel ist super knapp, schon ein „girl group smart­pho­ne sel­fie“ wür­de das Bild dop­pelt so auf­find­bar machen. Als Keywords wer­den wie­der 14 Wörter ver­wen­det:
„sel­fie; group; women; girls; sum­mer; city; fri­ends; hap­py; fun; life­style; urban; fri­endship; beau­ti­ful; young“.

Ich hät­te noch Begriffe wie „peop­le, taking, pho­to, vaca­ti­on, hap­pi­ness, smart­pho­ne, self, por­trait, teen­ager, pho­ne, came­ra, tech­no­lo­gy, tog­e­ther, mobi­le, tra­vel, pic­tu­re, tou­rism, tou­rists, stu­dents“, also auch wie­der 19 Wörter mehr.

shop­ping sale

Bei die­sem Bild gilt zum Thema Hotpants und Oberteile das Gleiche wie beim letz­ten Motiv. Außerdem hät­te hier eine gerin­ge­re Schärfentiefe die Gruppe bes­ser vom etwas unru­hi­gen Hintergrund getrennt.

Es wur­den dies­mal 15 Keywords ver­wen­det: „shop­ping; sale; women; city; girls; sum­mer; fri­ends; group; hap­py; fun; life­style; urban; fri­endship; beau­ti­ful; young“.

Mir feh­len da noch zum Beispiel noch 15 Begriffe wie „peop­le, fashion, retail, hap­pi­ness, custo­mer, sho­pa­ho­lic, bags, out­doors, hol­ding, clot­hing, buy, shop­per, street, cen­ter, con­su­me­rism“.

stret­ching run­ning legs

Was ist euch (hof­fent­lich) sofort bei der Betrachtung auf­ge­fal­len? Die Jogger oder das Haus? Oder bei­des?  Der Punkt ist: Es ist unklar, ob es ein Architekturfoto oder ein Sportbild sein soll. Weniger Schärfentiefe hät­te auch hier das Problem leicht gelöst.

Als Suchbegriffe wur­den dies­mal schon 18 Wörter bemüht: „stretch; legs; run­ning; sport; city; fit­ness; health; trai­ning; jog­ging; work­out; life­style; ath­le­te; exer­ci­se; peop­le; sports­we­ar; sports­man; sports­wo­man; coup­le“.

Da fehlt mir noch min­des­tens „run­ner, woman, man, healt­hy, urban, ath­le­tic, jog­ger, fit, active, street, out­doors, spor­ty, exer­cis­ing, activi­ty, road“, also 15 Keywords.

hap­py coup­le in park with copy space at sky

Glückliches Pärchen im Park: Mir fällt auf, dass die Haltung der bei­den Personen nicht so ein­deu­tig erkenn­bar ist. Trägt er sie hucke­pack, steht sie hin­ter ihm, springt sie hoch? Das kann von der Komposition bes­ser gelöst wer­den. Außerdem wür­de dem Bild etwas mehr Photoshop gut tun.

Wieder ein super­kur­zes Beispiel von mir: Ein Blauverlauf im Modus „Multiplizieren“ und ein Flare im Modus „Negativ mul­ti­pli­zie­ren“, schon hat das Bild eine viel som­mer­li­che­re Stimmung.

Als Keywords kamen die­se 15 Wörter zum Einsatz: „coup­le; sky; park; love; copy space; sum­mer; life­style; rela­ti­ons­hip; hap­py; young; out­doors; romance; date; boy­fri­end; girl­fri­end“.

Ich ergän­ze die­se 14 Begriffe: „woman, man, peop­le, tog­e­ther, natu­re, smi­ling, hap­pi­ness, roman­tic, fun, leisu­re, joy, autumn, vaca­ti­on, out­door“.

hap­py smi­ling busi­ness woman in down­town city crossing a street with mobi­le pho­ne

Auch die­ses Bild funk­tio­niert grund­sätz­lich. Die dunk­len, nicht sehr ein­la­dend wir­ken­den Ladenzeilen unten rechts wir­ken jedoch etwas abschre­ckend. Unklar ist auch, ob die Frau „Business“ sein soll oder „Freizeit“. Bei Business wäre die Tasche zu leger, bei Freizeit das Outfit zu streng.

Diesmal kamen die­se 24 Kewords zum Einsatz: „busi­ness­wo­man; city; busi­ness; woman; mobi­le pho­ne; down­town; skirt; smi­le; por­trait; pho­ne; young; street; hap­py; out­door; job; laugh; fac­ca­de; buil­dings; beau­ti­ful; blond; clerk; casu­al; blou­se; employee“.

Diese las­sen erah­nen, dass das Thema eher „Business“ sein soll. Zuviel sind auf jeden Fall die Wörter „fac­ca­de und buil­dings“. Wer nach Häusern oder einer Fassade sucht, wird ande­re Bilder im Kopf haben, die er sucht. Ähnliches gilt für „skirt“.

Ich wür­de noch die­se 12 Keywords ergän­zen: „mobi­le, urban, smart­pho­ne, com­mu­ni­ca­ti­on, tech­no­lo­gy, modern, out­doors, call, cell pho­ne, tal­king, tra­vel“.

short hai­red woman with hand on glas­ses

Im Thumbnail wür­den wir hier ein Portrait einer lächeln­den jun­gen Frau erken­nen. In der grö­ße­ren Ansicht sind jedoch das Lippenpiercing, der Nasenring und die Tunnel in den Ohren erkenn­bar. Auch die graue Haarfarbe bei der jun­gen Frau irri­tiert. Insgesamt sind das zusam­men mit der Vintagebrille alles Details, die Hipness und Coolness dar­stel­len sol­len. Der Hintergrund ver­mit­telt dies jedoch über­haupt nicht. Ein Freisteller vor weiß wäre hier sicher die bes­se­re Wahl gewe­sen.

Auch die Keywords spie­geln das lei­der nicht wie­der: „glas­ses; woman; fema­le; peop­le; por­trait; girl; tren­dy; short; hair; young; short hairstyle; gray; per­son; hap­py; beau­ti­ful; pret­ty; face“.

screa­ming girl with shop­ping bags

Gleiches Modell, glei­ches Problem. Die Piercings sind für etli­che Kunden ein­fach zu extrem, als vier­tes kommt das Zungenpiercing noch hin­zu. Das dunk­le Gebäude im Hintergrund wirkt auch eher wie ein lang­wei­li­ger Bürokomplex als wie ein auf­re­gen­des Shoppingzentrum. Bei den Keywords gel­ten die glei­chen Tipps wie beim Shoppingbild oben.

young busi­ness woman hol­ding hands in focus

Viele mei­ner obi­gen Kritikpunkte wur­den hier schon beher­zigt. Der Hintergrund ist unschär­fer, Lichtlecks brin­gen Atmosphäre ins Bild und die Haare lie­gen bes­ser. Mit 43 Wörtern wur­de hier auch nicht an den Keywords gespart. Sicher könn­te man hier und da über die Notwendigkeit eines der Begriffe dis­ku­tie­ren oder 2–3 wei­te­re erset­zen, aber ins­ge­samt ist auch die Verschlagwortung gelun­gen.

Insofern ist das ein sehr gelun­ge­nes Stockfoto. Wenn sich die Käufer da jetzt nicht wie wild drauf stür­zen, blei­ben lei­der trotz­dem noch meh­re­re mög­li­che Ursachen: Hohe Konkurrenz bei den Business-​Themen oder das Ranking bei den Bildagenturen.

Erkenntnis zum Schluss

Ich hat­te in der Folge 37 von „Pimp My Stock!“ schon mal einen gelern­ten Fotograf dabei und wie auch Stefan die­ses Mal wird deut­lich, dass die Leute danach wirk­lich gut foto­gra­fie­ren kön­nen. Eine Ausbildung in die­sem Bereich bringt also etwas.

Die Beispiele zei­gen aller­dings auch, dass damit nicht auto­ma­tisch „Stockfotografie-​Tauglichkeit“ gege­ben ist, dann die gol­de­nen Regeln der Stockfotografie wer­den ange­hen­den Fotografen nicht immer mit­ge­ge­ben. (Kurzer Werbeblock: Dafür kön­nen sie in mei­nem Buch „Stockfotografie“* nach­ge­le­sen wer­den.)

Damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen:
Hätte Stefan sei­ne Bilder vor 10 bis 5 Jahren ein­ge­reicht, wären sie alle­samt Bestseller gewor­den. Garantiert. Bei der heu­ti­gen Konkurrenz haben selbst so hoch­wer­ti­ge Bilder wie die von Stefan es deut­lich schwe­rer, sich einen Platz in den Verkaufsrängen zu erkämp­fen. Deshalb muss jedes noch so klei­ne Detail sit­zen. Dazu gehö­ren lei­der auch die Keywords, die vie­len Fotografen schwer fal­len. Aber es hilft nichts. Wer hier schlu­dert, ver­schenkt kost­ba­res Potential.

Wie schätzt ihr Stefans Bilder ein?
War ich zu hart? Hättet ihr ande­re Tipps gege­ben?

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