Schlagwort-Archive: Oldtimer

Frag den Anwalt – Folge 08: Darf man Fotos von Oldtimern oder Flugzeugen veröffentlichen?

Nach lan­ger Zeit gibt es wie­der eine neue Folge von „Frag den Anwalt“. Diesmal ein Thema für die Autofotografen unter euch:
Foto: Alexey Testov

Hallo Robert,

seit eini­ger Zeit Suche ich nach einer Antwort auf fol­gen­de Frage, bzw. Fragen:
Kann ich Fotos von Oldtimern ver­öf­fent­li­chen, die auf einem Oldtimertreffen gemacht wur­den?
Manche Treffen haben ihre eige­nen Bestimmungen, da ist es klar. Wie sieht es aber bei unge­re­gel­ten Veranstaltungen oder einem zufäl­li­gen Schnappschuß im öffent­li­chen Raum aus?
Sollte man das Kfz‐Kennzeichen immer unkennt­lich machen?
Die glei­che Frage stel­le ich mir übri­gens auch für Flugzeuge.
Ist es erlaubt Privatmaschinen (z.B. eine Cessna) auf einem „Planespotter“-Blog zu zei­gen?
Vielleicht habe ich ja Glück und das wird ein Thema für die neue Rubrik!“
© Giuseppe Blasioli / Fotolia

Bei der Erstellung von Fotos auf Oldtimertreffen – also außer­halb des öffent­li­chen Raums – gilt zunächst das­sel­be, wie für jede ande­re Veranstaltung auch. Zunächst ist zu klä­ren, ob der Veranstalter damit ein­ver­stan­den ist, dass dort foto­gra­fiert wird. Dabei spielt es übri­gens kei­ne Rolle, ob das Ganze eine orga­ni­sier­te oder eine unge­re­gel­te Veranstaltung ist. Das Recht zu regeln, ob und wie / wofür foto­gra­fiert wer­den darf, resul­tiert aus dem Hausrecht des Veranstalters, das auch dann besteht, wenn die Veranstaltung „unge­re­gelt“ ist, aber auf Privatgrund statt­fin­det.

Erfahrungsgemäß wer­den die meis­ten Veranstalter gegen pri­va­te oder Fotos für ein Portfolio nichts haben. Dennoch emp­fiehlt es sich auch für Portfolionutzungen und aller­spä­tes­tens sobald es aber zu einer Weitergabe oder irgend­wie kom­mer­zi­el­len Verwertung der Aufnahmen kommt, eine Einwilligung des Veranstalters ein­zu­ho­len, um jeg­li­chem Ärger aus dem Weg zu gehen.
Daneben sind bei der Fotografie von Autos stets Rechte des Herstellers ein Thema. Hier kom­men Urheberrechte für die Formgestaltung von Autos oder Autoteilen sowie Marken‐ und Designrechte hin­sicht­lich der Logos, Typbezeichnungen und eben­falls Formgebungen der Fahrzeuge in Betracht. Oldtimer sind hier in der Regel nicht ganz so kri­tisch zu sehen, wie aktu­el­le Modelle, da Urheber‐ und Designrechte nach einer gewis­sen Zeit ablau­fen und auch nicht ver­län­gert wer­den kön­nen. Dennoch blei­ben hier immer Restrisiken bestehen, sodass theo­re­tisch die Einwilligung der Hersteller des jewei­li­gen Fahrzeuges zu fra­gen ist.
Die Antwort auf die­se Frage lässt aber erfah­rungs­ge­mäß sehr lan­ge auf sich war­ten oder bleibt völ­lig aus. Im öffent­li­chen Raum kann bei Fahrzeugen übri­gens nicht auf die Panoramafreiheit zurück­ge­grif­fen wer­den, da die­se nur für Objekte gilt, die sich dau­er­haft im öffent­li­chen Raum befin­den, was bei Autos gera­de nicht der Fall ist.
Zudem stellt sich die Frage, ob auch der Halter des foto­gra­fier­ten Fahrzeuges zu fra­gen ist. Hier vor­weg: Autos haben kein all­ge­mei­nes Persönlichkeitsrecht und auch das Persönlichkeitsrecht des Halters schlägt in der Regel nicht auf das Fahrzeug durch. Daher muss bei der Fotografie von Autos grund­sätz­lich der Halter des Fahrzeuges nicht gefragt wer­den. Etwas ande­res könn­te gel­ten, wenn die Kennzeichen erkenn­bar sind, da die­se dem Fahrzeug die Zuordenbarkeit zum Halter ver­lei­hen. Allerdings ist hier zu berück­sich­ti­gen, dass die­se Zuordnung nicht ohne Weiteres mög­lich ist, sodass zumin­dest ich in die­sem Streit die Auffassung ver­tre­te, dass auch die Abbildung des Kennzeichens kei­ne Rechtsverletzung dar­stellt. Dies gilt umso mehr, als sich in der kon­kre­ten Fragestellung der Halter mit sei­nem Fahrzeug in eine öffent­li­che Sphäre begibt, indem er an einer Veranstaltung teil­nimmt. Die Thematik der recht­li­chen Bedeutung der Abbildung von Kennzeichen ist aller­dings umstrit­ten, sodass die Anonymisierung des Kennzeichens (etwa durch Austausch mit Fantasiekennzeichen) sicher­lich rat­sam ist, um auf Nummer sicher zu gehen. Das Gleiche gilt für die Fotografie von Flugzeugen.
Zusammengefasst ist es gera­de in die­sem Bereich der Fotografie schwie­rig, alle recht­lich erfor­der­li­chen Einwilligungen ein­zu­ho­len, da bei Autos sehr vie­le Rechte ver­eint sind. Gegebenenfalls soll­te man hier, falls man sich im Graubereich bewegt, fra­gen, wie stark man in wes­sen Rechte ein­greift und ob hier die Nachverfolgung einer poten­ti­el­len Rechtsverletzung nach deren Entdeckung wahr­schein­lich erscheint.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Fachanwalt für Urheber‐ und Medienrecht in der Nähe von München.

Hast Du eben­falls eine Frage an den Anwalt?
Hier fin­dest Du mehr Infos.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 39

Ich bin fest ent­schlos­sen, den Rückstand an „Pimp My Stock!“-Einsendungen auf­zu­ar­bei­ten.
Deswegen geht es heu­te gleich wei­ter mit der nächs­ten Folge.

Michael schrieb dies­mal:

Hallo Herr Kneschke,

ich bin nun seit fast einem Jahr bei Fotolia aktiv und habe mit einer Annahmequote von viel­leicht 10% etwas über 100 Bilder online. Meine Renner sind eine Dachrinne und ein Haus mit Wärmebild. […]
Auf Ihre Anregung hin woll­te ich es jetzt auch bei Shutterstock ver­su­chen und habe 10 Bilder ein­ge­reicht.
Im Anhang sind  alle zu fin­den. Nur die Baustelle und die Tür wur­den ange­nom­men! Was kön­nen Sie mir raten?

Meine Ausrüstung: Canon 1100D mit Tamron 18–200.

Mit freund­li­chen Grüßen,
Michael Jäger“

Ich fin­de es immer etwas schwie­rig, Bilder zu bespre­chen, von denen ich schon weiß, ob sie ange­nom­men oder abge­lehnt wur­den, weil es dann schnell so aus­se­hen kann, als wür­de ich nur eine fest­ste­hen­de Meinung zu begrün­den ver­su­chen, aber pro­bie­ren wir es trotz­dem:

2-IMG_0533
Dieses Foto der Scheinwerfer eines Oldtimers wur­de wegen mar­ken­recht­li­chen Bedenken abge­lehnt. Das kann ich nach­voll­zie­hen, weil in der Mitte des vor­de­ren Scheinwerfers ein Logo des Herstellers zu erken­nen ist. Auch wenn mir die Komposition des Bildes – vor allem mit der unscharfen/scharfen Spiegelung des Hauses – gefällt, sind die mög­li­chen Einsatzzwecke des Bildes begrenzt und damit auch der Nutzen als Stockfoto.

7-Oldtimer Grefrath_IMG_9967_0020
Auch hier gefällt mir die Strenge der Komposition. Ob das Design des Kühlergrills mar­ken­recht­lich geschützt ist, kann ich nicht beur­tei­len, auf jeden Fall hat es einen star­ken Wiedererkennungswert. Insgesamt ist mir der Anschnitt für ein Stockfoto jedoch zu eng und oben links über­strahlt das Bild auch.

15 - Monastera_IMG_3200 KopieMachen wir es hier kurz: Es ist kaum erkenn­bar, was auf dem Bild zu sehen sein soll, was immer ein sehr schlech­tes Zeichen bei einem Stockfoto ist. Selbst wenn es um die Schatten auf der Wand gehen soll­te, sind die­se lei­der zu unscharf, um Wirkung zu erzie­len. Ich habe ein ähn­li­ches Foto* gemacht, wo die Wirkung des Schattens jedoch bes­ser zur Geltung kommt.

Apfelblüte_IMG_1492

Dieses Foto von blü­hen­den Apfelbäumen ist prin­zi­pi­ell nicht schlecht, aber noch ver­bes­se­rungs­fä­hig. Um dar­aus ein gutes Stockfoto zu machen, wür­de ich oben rechts die ins Bild ragen­den Äste retu­schie­ren und dann das Bild ver­ti­kal spie­geln, weil der Textfreiraum (Himmel) rechts bes­ser wir­ken wür­de. Zusätzlich wür­de ich die Sättigung erhö­hen, etwas an der Gradiationskurve dre­hen, um mehr Kontrast ins Bild zu bekom­men und even­tu­ell eini­ge Filter (Lens Flare o.ä.) aus­pro­bie­ren.

Baustelle_0007

Dieses ist eins der bei­den Bilder, wel­che bei Shutterstock ange­nom­men wur­den. Es ist kein „schö­nes“ Bild, aber ein „gut ver­käuf­li­ches“ Bild, weil das Thema „Arbeit“ und „Baustelle“ sofort erkenn­bar ist.

Bild4
Wenn wir uns die „Angebot/Nachfrage“-Brille auf­set­zen, ist das hier ein gelun­ge­nes Bild, weil nur weni­ge Fotografen auch eine Wärmebildkamera haben, mit der sie sol­che Thermografien erstel­len kön­nen. Die Komposition des Bildes ist ver­bes­se­rungs­wür­dig (ange­schnit­te­ner Schornstein, Strauch vor dem Haus, etc.) und lei­der sind die Auflösungen auch teue­rer Infrarotkameras zu klein, um die­sen Teil grö­ßer abbil­den zu kön­nen. Ich hät­te pro­biert, die­sen Umstand durch einen Weichzeichnungsfilter zu kaschie­ren und die lin­ke Hälfte des Bildes „nor­mal“ und die rechts vom Wärmebild über­la­gern zu las­sen.

Ittertal_0023
Das ist das zwei­te ange­nom­me­ne Bild. Es ist tech­nisch in Ordnung, die Komposition okay. Nichts Überraschendes oder Weltbewegendes, aber soli­de auf­ge­nom­men. Diese ver­fal­le­nen Fassaden gehö­ren jedoch nicht zu den „Rennern“ in der Stockfotografie, wes­halb ich dem Bild nur weni­ge Verkaufschancen ein­räu­me.

Kaiser-Wilhelm-Hohensyburg_IMG_6937
Diese Pferde‐Statue über­zeugt mich nicht, auch wenn die Perspektive inter­es­sant ist. Aber fragt euch ml selbst: Für wel­che Nutzungen wür­de sich die­ses Motiv eig­nen? Mir fal­len nur sehr weni­ge ein.

Nr7-IMG_5724
Diese Seile am Hafen fin­de ich gut gut. Das leuch­ten­de Gelb sorgt für Aufmerksamkeit und die Seile ste­hen für Halt, Sicherheit und Betriebsamkeit. Der Hintergrund ist etwas unru­hig und hät­te mit einer offe­ne­ren Blende etwas unschär­fer gemacht wer­den kön­nen.

Paragleiter_12-09-17_0044
Die Agenturen ste­hen ja auf Gegenlicht und Sillhouetten, aber lei­der sind sol­che Bilder schwer zu meis­tern, wenn die Agenturen gleich­zei­tig auf tech­ni­sche Perfektion bestehen. Klar ist die Sonne aus­ge­fres­sen, das ist phy­si­ka­lisch nur logisch. Ich hal­te es trotz­dem für ein ver­käuf­li­ches Foto, weil es Freizeit und Freiheit sym­bo­li­siert. Ich wür­de es wie­der spie­geln, damit die Blickrichtung der Person wie beim Lesen nach rechts zeigt.

Was meint ihr? Welche Tipps könnt ihr Michael geben?

* Affiliate