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Stockfotografie-News 2015-04-03

Zum Karfreitag gibt es noch mal eine Runde Nachrichten aus der Branche.

Stockfotografie-News Header

  • Shutterstock hat einen interessanten Bericht über deren Auszahlungen an Fotografen veröffentlicht. Demnach haben sie u.a. im letzten Jahr ca. 63 Mio. Euro Fotografenhonorar ausgeschüttet. Wenn wir das in Verhältnis zu den ca. 328 Mio. US-Dollar Jahresumsatz von 2014 setzen, kommen wir – je nach aktuellem Wechselkurs – auf schätzungsweise knapp 26% Kommission, welche die Fotografen dort verdienen.
  • Außerdem ändert Shutterstock die Lizenzbedingungen: Einige Auflagenlimits wurden entfernt, das tägliche Downloadlimit wurde in ein monatliches umgewandelt, Zahlungsmöglichkeiten erweitert und einiges mehr.
  • Wie können Stockfotos in sozialen Medien verwendet werden? Beispiele gibt es in diesem Blogpost von Fotolia.
  • Mein Lieblingsanalyse-Dienst Stock Performer unterstützt jetzt auch die Agentur Bigstock und erweitert die Auswertung damit auf insgesamt zehn Agenturen.
  • Amazon bietet jetzt einen unlimitierten Cloud-Speicher für Fotos an. Kunden von Amazon Prime können den Dienst kostenlos nutzen, für alle anderen kostet der Service ca. 12 US-Dollar im Jahr.
  • Die Bildagentur Pond5 verkauft jetzt auch PSD-Dateien mit Ebenen.
  • Sieht nicht gut aus für iStock: Das gute Personal läuft weg. Der Co-Gründer von Getty Images, Jonathan Klein, gibt seinen CEO-Posten gegen einen Sitz im Vorstand auf und die exklusive Top-5-Fotografin bei iStock, Amanda Rohde, hat ihre Exklusivität dort gekündigt.
  • Welchen Text-Themen verkauften sich 2014 am besten? Die Antwort liefert Reportagen.de, das neue Agenturprojekt von Zoonar-Gründer Michael Krabs.
  • Paul Melcher stellt hier in seinem Blogpost zwei neue interessante Bildagenturen vor: Einmal Placeit als Agentur für Mockups, bei denen Screenshots o.ä. direkt live in die Bilder eingebunden werden können sowie Come Alive Images, die sich auf animierte GIFs und Cinemagraphien spezialisiert haben.
  • Macht Instagram uns alle zu Psychopathen? Schön geschriebener Artikel hier zum Abschluss des heutigen Artikels.

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Interview über reportagen.de mit Michael Krabs

Ständig gibt es neue Bildagenturen, die meisten wollen einfach nur unsere Bilder, ohne ein Alleinstellungsmerkmal bieten zu können. Deswegen habe ich aufgehorcht, als der Gründer der bekannten deutschen Bildagentur Zoonar ein neues Projekt auf die Beine gestellt hat, bei dem es nicht nur um Fotos, sondern auch um Texte geht. Herr Krabs erklärt in einem Interview mit mir die Details.

Screenshot der Seite reportagen.de

Hallo Herr Krabs, stellen sie sich bitte mal kurz vor.

Ich bin Jahrgang 1970, habe zwei Kinder und nach dem Studium zuerst zwei Jahre als Dozent, dann ca. 12 Jahre lang als freier Journalist gearbeitet. In diesem Zeitraum hatte ich bereits eine „Reportageagentur“ mit dem Namen TBKmedia. Das TBK stand für „Text-Bild-Konzept“. Das ganze lief eine lange Weile sehr gut. Dann kam der große Medienumbruch: Rückgang der Honorare, Digitalisierungswelle, Printkrise, Microstock usw. Gleichzeitig waren Natur- und Umweltthemen in den Medien deutlich weniger gefragt. Ich wurde mit Foto-DVDs geradezu überschüttet und wusste nicht mehr, wie ich das Ganze ohne Datenbank handhaben sollte. Zuvor mussten sich Fotografen ja entscheiden, an wem Sie ein Originaldia schickten und gute Scans waren sehr kostspielig. Jetzt reichte ein Mausklick, um alle Fotos an zig verschiedene Agenturen zu verteilen. Bei mir häuften sich die Foto-DVDs und ich hatte keine Idee, wie ich damit ohne eine neue technische Lösung umgehen sollte.

Ich habe daher im Jahre 2006 vier Büronachbarn (darunter drei Entwickler) angesprochen und wir haben zusammen die Bildagentur Zoonar GmbH als Antwort auf die neue Marktentwicklung gegründet. Dieses Projekt hat sehr viel Zeit und Kraft gekostet, entwickelt sich jetzt aber ganz ordentlich. Für meine eigentliche Arbeit hatte ich aber seitdem kaum noch Zeit. Zudem erschien sie wenig attraktiv, aufgrund der neuen Marktentwicklungen.

Seit 1-2 Jahre habe ich die Idee gehabt, auch für Reportagen ein Portal aufzubauen. Dieses Vorhaben habe ich jetzt mit privaten Mitteln in die Tat umgesetzt. Ein hohes Risiko, aber ich habe einfach wieder Lust als Journalist zu arbeiten. Außerdem sehe ich enorme Chancen an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Text einerseits und neuen Vertriebsmöglichkeiten andererseits. Die erste Version von Reportagen.de ist jetzt online. Ich freue mich sehr darüber. Aber wir haben gerade erst begonnen.

Michael Krabs, Gründer von reportagen.de

Bei reportagen.de werden nicht nur Bilder verkauft, sondern komplette Reportagen, also Bildserien mit dazu passendem Text. Was genau soll angeboten werden?

Die Idee ist folgende: Fotografen haben oft Bildstrecken, die sich journalistisch gut verwerten lassen. Aber nur die wenigsten schreiben gerne. Das übernehmen wir dann. Journalisten wiederum haben oft Texte, aber es fehlen Fotos. Auch diese Arbeit übernehmen dann wir, d.h. wir suchen passende Fotos zu den Texten. Dafür greifen wir u.a. auf die Fotos der Bildagentur Zoonar zurück, die für den Partner Reportagen.de freigegeben wurden. Wir sprechen bei Bedarf aber auch registrierte Fotografen an. Es entsteht eine Win-Win-Situation.

Ein weiterer Punkt: Die Redaktionen haben wenig Zeit und sind personell oft schwach besetzt. Daher ist es ein Vorteil, wenn man komplette Themen aus Foto, Text, Grafik usw. ausliefern kann. Reportagen.de ist die Schnittstelle, die alle Arbeiten übernimmt damit aus einzelnen Bestandteilen (Fotoserien, Texten usw.) komplette Artikel werden.

Weitere Einsatzfelder sind: Content Marketing, Corporate Publishing, Online Marketing usw. Hier nehmen wir Aufträge und verteilen die einzelnen Tätigkeiten dann an unsere registrierten Mitgliedern. Reportagen.de fungiert dabei wie eine Zentralredaktion und/oder Projektmanagement. Aufgrund meiner großen Erfahrungen in diesen Bereichen, macht das auch Sinn.

Und noch eine Neuigkeit: Ich glaube, dass Journalisten und Fotografen in Zukunft mehr Content direkt an Kunden/Leser verkaufen werden. Über APPs, EBooks, PDFs, mobile Verwendungen usw. In diesem Bereich sehe ich gute Zukuntschancen, dieser Markt entwickelt sich gerade erst. Hier suchen wir gerade einen Investor.

Wie sieht der Bestand aktuell aus?

Derzeit sind rund 700 Features und Reportagen online. Tendenz stark steigend.

Können Fotografen auch nur Texte oder Bildstrecken liefern?

Nur Texte zu liefern ist immer möglich. Das kommt aber eher bei Journalisten vor. Nur Fotostrecken geht auch. Wir brauchen aber oft einige Infos dazu. Also Angaben über Zeit, Aufnahmeort, besondere Ereignisse usw. Diese Infos können auch in eine Mail getippt werden. Den Text schreiben wir dann.

Wie sieht die Honorarverteilung aus?

Wir zahlen 70% des Honorares bei Fotostrecken. Bei Texten ebenfalls 70%, wenn diese unverändert übernommen werden. Wenn wir einen Text umschreiben, weil beispielsweise die Redaktionen einen anderen Stil sucht, dann zahlen wir 50%.

Es kann also so laufen: Ein Fotograf liefert eine Bildstrecke, ein Journalist schreibt einen Text dazu. Der Fotograf erhält 70% vom Bildhonorar, der Journalist 70% vom Texthonorar, Reportagen.de 30% vom Gesamthonorar. Liefert ein Fotograf einen Text, den wir bearbeiten müssen, säe es so aus: Fotos 70%, Text 50%.

An was orientiert sich der Verkaufspreis der Reportagen und in welcher Höhe liegt der ungefähr?

Wir haben feste Preise, die wir online abbilden. Jedoch wird in der Regel mit den Redaktionen verhandelt. Es geht dann um Auflagen, Textlänge, Anzahl der abgebildeten Fotos, E-Paper-Zweitverwertungen usw. Viele große Verlage haben auch feste Pauschalsätze für Texte und Fotos. Diese werden dann in der Regel akzeptiert. Für exklusive Stories kann man aber auch mehr raushandeln. Die Preise auf unserer Homepage zeigen einen guten Mittelwert des Gesamthonorars. Spiegel und Stern zahlen natürlich mehr, das Pinneberger Tageblatt eher weniger.

Was gibt es zu beachten? Müssen die Einlieferungen z.B. exklusiv sein?

Nein. Aber wir haben eine Löschfrist von 12 Monaten. Bei exklusiven Verkäufen durch die User können wir Themen natürlich schnell sperren. Was ich aber vermeiden will, sind kurzfristige Löschungen aller Themen. Viele Redaktionen haben lange Vorproduktionszeiten und es wäre tödlich für ein junges Portal, wenn bestellte Themen dann nicht geliefert werden können. Außerdem haben wir gerade jetzt in der Anfangszeit enorme Kosten, weil wir sehr Vieles bearbeiten, aber es natürlich noch nicht viele Bestellungen gibt. Ich starte mit dem Marketing auch erst im September.

Dürfen oder müssen die Bilder bearbeitet oder retuschiert sein?

Sie dürfen, müssen aber nicht.

Auf was sollten Fotografen bei der Zusammenstellung der Bildstrecke achten? Wie viele Bilder, was für Motive, etc.?

Vier bis 30 Fotos reichen erst einmal aus. Bei Bedarf rufen wir an und stellen ein größeres Paket zusammen. Für viele Printmedien reicht eine Bildstrecke von 20-30 Themen völlig aus. Nur sehr große Magazine wollen mehr Auswahl haben.

Müssen die Texte vorher fertig geschrieben werden?

Nein, es ist üblich, dass wir Themen „anfeaturen“. Das heißt, wir bilden im Internet zwei bis drei Absätze ab. Gibt es ein Interesse, muss es aber schnell gehen. Toll wäre es daher, wenn wir alle Informationen vorliegen haben. Wir können dann bei Bedarf schnell reagieren und den Text vollenden. Möglich ist es auch, einen kompletten Text nicht vollständig im Internet abzubilden, dies erschwert das Abschreiben.

Wenn die Text nachträglich geschrieben werden, in welchem Zeitraum muss man den abliefern?

Wir brauchen Fotos und Infos immer zeitgleich, d.h. wir können keine Fotos ohne Infos einspielen. Einen Text zu vollenden ist möglich, sobald es einen konkreten Auftrag gibt. Dann sollte es aber innerhalb von 2-3 Tagen geschehen.

Im Journalismus gibt es ja die Sorgfaltspflicht. Wie wird sichergestellt, dass die Informationen der Autoren korrekt sind?

Derzeit lese ich alle Texte gegen. Was ich überprüfen kann, überprüfe ich. Es gibt natürlich Grenzen. Ich kann beispielsweise keine Aussagen aus Interviews überprüfen. Hier muss ich den Autoren vertrauen, sie haften ja auch für Ihre Texte.

Wie wird das Angebot angenommen? Gibt es schon Verlage, die regelmäßig einkaufen?

Ja, Ich habe einige Stammkunden. Aber in erster Linie werden wir über einen großen, kostspieligen Medienverteiler regelmäßig Angebote verschicken. Auch per Post. Das ist teuer, bringt aber in der Regel immer auch Bestellungen.

Der Medienmarkt ist derzeit schwach, aber gerade deshalb könnte es ein Interesse an kompletten Artikeln oder gar externen Redaktionsauslagerungen geben. Dies spart Zeit und reduziert die Kosten. Reportagen.de rechnet sich also auch für die Verlage.

Welche Art von Reportagen ist am gefragtesten?

Wir können keine kurzfristigen Themen verwenden. Also eher alles Zeitlose: Gesundheit, Tiere, Natur, Reisen, Food, Ausbildung, Bauanleitungen, Hobby, Sport usw. Aber auch Interviews sind beispielsweise langfristig verwendbar, da sie interessante Zeitdokument sind.

Vielen Dank für das Interview.

Gerne.

Reaktionen auf den Getty Images/Google Drive Deal

Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle über einen Deal zwischen Getty Images und Google geschrieben, der sehr zum Nachteil der beteiligten Fotografen und Agenturen war.

Mittlerweile haben sich einige der betroffenen Agenturen und Interessenverbände zu Wort gemeldet. Damit ihr auf dem Laufenden bleibt, stelle ich diese Reaktionen hier zusammen:

Wie reagiert Google?

Stillschweigen. Als wäre nichts gewesen. Allerdings ist die Webseite, mit der Google seine Benutzer bat, aus der Bildagentur Thinkstock (eine Abo-Tochter von Getty Images und iStockphoto) Bilder auszuwählen, die gratis angeboten werden sollen, immer noch online und funktionsfähig.

Wie reagiert iStockphoto?

Wie der Schläger auf dem Schulhof. Der Anwalt von iStockphoto, Ronald Lo, schickte der Webseite kga.me, welche eine Übersicht der betroffenen Bilder zeigte, eine Abmahnung und sorgte dafür, dass die Übersicht und die Bilder verschwinden mussten. Dabei dachte ich, der Anwalt wäre damit beschäftigt, die immer noch existierende Fake-Seite zu bekämpfen. Die Abmahnung ist umso ironischer, weil die gleichen Bilder bei Google Drive verschenkt werden. Wer die betroffenen Bilder und dazugehörigen Infos sehen will, kann das in diesen drei Tabellen direkt auf Google Drive nachschauen.

Danach verschickte iStockphoto einen Newsletter an deren Fotografen, in dem steht:

„You may have already read our last update in the forums but once again, we’d like to thank you for your continued patience. To reiterate from previous posts, royalties have been paid in connection with the Google Drive usage based on all consideration received by Getty Images under the licensing agreement. We understand your concerns relating to the deal and we are making progress in a productive dialogue with Google about these concerns and potential solutions. As many of you have pointed out Google is a big company, much bigger than Getty Images, and coordinating across the teams there that will help with any modifications is taking longer than we might have hoped, but things are still proceeding.“

Das heißt, sehr grob übersetzt: Bisher hat sich nichts getan, weil Google die bessere Verhandlungsposition hat.

Wie reagiert die betroffene Agentur Blend Images?

Der CEO der Agentur, Rick Becker-Leckrone, schrieb hier im Yahoo Stockphoto-Forum einen – sehr arroganten, wie ich finde – Beitrag, in dem er den Deal für „normal“ hielt und nicht verstand, warum sich Microstock-Fotografen über die 6-12 Dollar aufregen würden, wo sie doch sich sonst mit Cents zufrieden gäben. Im PS am Ende erwähnt er übrigens auch, dass Blend Images mal als niedrigstes Honorar 3 Cent an den Fotografen John Lund gezahlt habe. Hier der volle Text:

„Sean, et al.

Yes, the deal is for images in „premium access“ which licenses bulk content deals largely for new-media, non traditional, usages. In this case it look like Google licensed about 2000 images for between $60-$100 each to allow for use in their Drive / Docs program. Images can be used to terms of Google’s EULA. This deal is exactly like any of the other deals that have been done in the past when a software manufacturer wants to have some clip art images in the box for use in demoing the software. I’m not a big fan of micro priced sales. But I do understand both the client and agency perspective. Google needs imagery to show off their software. It has to be somewhat up to date and relevant, but not necessarily the best content available. Due to the small number of images it’s not likely the collection will be that useful for clients for actual end use, but does show off the technology nicely. From Getty’s perspective it’s a $150,000 sale where the imagery is not likely to get a lot of exposure or end-use by potentially paying clients.

I understand the feeling that the images could be downloaded in bulk and put into an image library and used forever. But, in general, the professional image user – those who WILL buy imagery (even if they’re a grandma working in a church office) would like to search for and find the most relevant content for their needs, and with microstock available, it’s unlikely that the difference between free and 5 „credits“ would be a deterrent. For those hell bent on using images outside of license agreements, sure, they’ll have at it.

The truth of the matter is that micro photographers are extremely comfortable licensing imagery for pennies on the dollar. This is an industry that they pioneered through their efforts to shoot the highest quality product for sales that are, well, micro. 🙂 If you’re a micro photographer, you’re used to sale statements with royalties for .05 cents, .22 cents, .67 cents and the like. Every image in this deal netted photographers about $12.00. So the way to look at this license is that YES, you’re getting paid. As much as $12.00 for no client usage. A huge win, I assume. If nobody downloads and uses the shot commercially, you’re aces. Now as more people download – and USE – the image, your royalty decreases. If the images are used twice, you made $6.00, still very good in the micro and subscription space. But yes, sadly, at 1,200 USES of the image you’re at .01per use. And at 2,400 USES, even less. But even at 10,000,000 uses, you got paid. It’s just a VERY MICRO license. I guess the question for micro photographers is at what license price does the outrage begin? We know that 0 is unacceptable, but .05 cents?, .03 cents? Not sure. I guess its different for every shooter. But Sean, seriously, you got to have a little sense of humor about this stuff. Take a look at your last micro sales
statements. Any .10 centers on there? Maybe you don’t, but many do. Especially when you get into subscription. Just the nature of the beast (that YES, micro photographers largely created.) In fact, micro started out with designers swapping graphics and photos for 0 licensing fees. So maybe I’m wrong – 0 is also OK. 😉

The truth is it’s entirely likely that the end result of this Google experiment will net the photographer somewhere in the range of many traditional micro sales. Ultimately, I think it’s a red herring. We just closed a sale for $60,000 a few days ago. We try to look at the big picture.

And, yes, we have Blend Images material in this deal. I’m not a big fan of „premium access“, but then it’s incremental revenue. I think it very likely that someone using Google docs was going to go to gettyimages.com and license one of our images. So, then is a $12.00 in incremental income worth it if the other option was 0? I know what the MBA’s would say. Hell, I bet Carlyle Group has got plenty of MBAs. 🙂

RBL

P.S. At our last photographer creative meeting in Palm Springs, we gave out a number of awards. Some serious, most not. The best one of all was lowest royalty for a single image – I think it was .03 cents. John Lund. We also gave an award for highest sale. If memory serves it was $55,000 for a single shot.  We’re going to beat that this year.

Rick Becker-Leckrone
CEO“

Der Fotograf und Miteigentümer von Blend Images, Jonathan Ross, äußerte sich hier im Microstockgroup-Forum so:

„Thank you Sean for sharing where you got the post it was a big help when I spoke with Rick at Blend. I see so many different reasons on this post for why people are pulling their images from Istock but the one I see the most is “ they aren’t making me the money I used to “ That unfortunately is what happens when there are more photographers then their are buyers, it is sad but true. I can all appreciate your concern for the loss of income, I lost 90% of my Macro income when Istock was 2 years into sales so I understand what it feels like to lose a great deal of your income from something you believe is a bad idea ( the reduction of average sales from $138 per image sold at Getty each to a dollar back when Istock started sales ) that was what took place when Micro hit the market but we had to evolve to survive and keep our families with food on the table.

I would suggest that for the few that will pull their entire content and I say few because of the millions of images Istock has in it’s collection, I admire anyone that stands by their beliefs enough to stop their families income and stop being exclusive that takes real strength to stick to your principles no matter what the cost. I know I would never pull my content from a company that can replace me overnight and put my family in financially jeopardy but that is me once again my hat is off to those that want to stand behind a belief and try to make a change.
Unfortunately I don’t think you pulling your content from Istock is going to hurt anyone but yourselves but once again I respect everyone’s right to do as they choose and those that do pull their entire collection I applaud.

I have spoken directly with Blend about our images that were used. They were from our Legacy collection images that have been with us from the start and are no longer making sales. For our company to sell 62 images that were no longer selling from our 100,000+ collection is a good gesture and a strong building block in our future relations with the biggest reseller of imagery in the world. Do I like the situation No, I would prefer it didn’t happen this industry is under enough pressure already. I think it is business that needs to take place for Blend especially during such turbulent times in our industry to strengthen our relations with such a giant in the business for a small offering of 62 images sold for $12 each. If this was to continue further I would have great concern especially if it were images of mine that were making solid sales but for Blend this was not the case.

I have no problem with the deal Blend made but that does not mean I agree with what took place elsewhere. If Istock pulled your top sellers for this deal then I can understand the issue but I cannot speak from the Micro side especially Istock. Please I am only the messenger here so keep that in mind. I like to share information at MSG but if I am attacked for my position I hope you understand why I will not reply, it just takes to long and doesn’t resolve anything. Open questions and responses I would love feedback from all that have their finger on the true pulse of this matter. I have seen a lot of emotions get in the way of smart business decisions and I hope you are all thinking this through in great detail for what works best for you at this time for your own business.

I wish you all the best on your decision and support everyone that chooses to do whatever they want I understand it is your income we are speaking of and that can be devastating so please think this through in great detail. As for people pulling a few hundred of your images from Istock I say either go for it and make your stand and leave Istock or just leave your images up. Taking a few hundred of your non sellers is not really supporting what is being asked of in this group support concept “ to pull your entire collection from Istock“.

Thanks for taking the time to read,
Jonathan“

Wie reagiert die betroffene Agentur Westend61?

Der Agentur-Mitinhaber, Gerald Staufer, erläutert die Sicht seiner Agentur in diesem Blog-Beitrag „Der Getty-Google-Deal und seine Konsequenzen“ und deutet darin an, verstärkt wieder auf RM-Material zu setzen, nachdem das viele Agenturen jahrelang im RF-Rausch vernachlässigt haben. Außerdem schreibt er unter anderem:

„[…] Aus meiner Sicht ist das eine komplette Entwertung dieser Bilder und fast eine Art Enteignung. Wer will die noch verwenden, wenn sie millionenfach von Google-Nutzern heruntergeladen werden können? Wer soll noch für diese Bilder bezahlen, wenn sie kostenlos zu haben sind? Wer liest schon die Lizenzbedingungen und wird sich daran halten? Wer kann dann noch kontrollieren, ob diese Bilder künftig alle legal verwendet werden, wenn sie millionenfach auf irgendwelchen Internetseiten herumschwirren? Ganz zu schweigen übrigens von dem Signal, das davon ausgeht: Gute Bilder gibt es kostenlos. Warum dafür bezahlen? Urheberrecht? Ist doch sowieso ein Relikt aus der Vergangenheit.

Auch wir sind betroffen. 19 Westend61-Bilder sind auf Google Drive zu finden. Was tun? Viele Microstockfotografen haben angekündigt, ihre Bilder bei iStockphoto zu löschen, um solchen Verkäufen künftig vorzubeugen und ein Zeichen zu setzen. Ich habe großen Respekt davor, fürchte aber, das werden dann am Ende ein paar zehntausend Bilder sein und es wird nicht weiter auffallen. Andererseits entsteht Getty und iStock gerade ein großer Imageschaden, den sie sicher nicht jeden Monat haben wollen. Ein Microstocker sagte mir, iStock wird künftig nicht mehr von der crowd empfohlen werden und das ist einfach ein langfristiger Schaden, den Getty hier anrichtet. Ich weiß es nicht, weiß aber, dass wir mit solchen Verkäufen nicht einverstanden sind. Es müsste entweder einen vernünftigen finanziellen Ausgleich dafür geben oder eine Opt Out Möglichkeit. […]“

Wie reagiert die betroffene Agentur Zoonar?

Der Inhaber von Zoonar, Michael Krabs, stand mir per Email Rede und Antwort, die Teile mit einem > davor sind meine Passagen:

„> Hallo Herr Krabs,
> ich recherchiere gerade etwas weiter wegen der Getty/Google-Sache, siehe hier:

Zunächst ein allgemeiner HInweis: Da wir einen Vertrag mit Getty haben, dürfen wir in der Öffentlichkeit nichts Negatives über unseren Vertragspartner verlauten lassen (umgekehrt wäre es genau so). Das sind übliche Vertragsbestandteile, deshalb gibt es auch keine offiziellen Stellungsnamen von Getty-Partnern. Es werden sonst Vertragsstrafen fällig. Wie gesagt: Solche Klauseln sind normal und gelten umgekehrt genauso. Inoffiziell kann ich mitteilen, dass wir von diesem „Deal“ nichts wussten und bisher auch keine Abrechnung dazu erhalten haben. Deshalb wissen wir nicht mehr, als in den Foren zu lesen ist. Wir sind jedenfalls nicht glücklich über solche Verkäufe und prüfen, wie wir diese künftig verhindern können, bzw. ob sie überhaupt vertraglich gesehen zugelassen waren (was ich bezweifle).

> Dort sind ja auch einige RF-Bilder von Zoonar betroffen, siehe:

Wenn die Forum-Berichte stimmen, dann sind 20 Fotos von Zoonar betroffen.

> Meine Frage deshalb:
> Wie sind diese Bilder zu Google Drive gelangt und was haben die betroffenen Fotografen dabei eingenommen?

Google hat Photolibrary gekauft und die Zoonar Fotos von Photolibrary integriert. Wir haben vorher alle Fotografen gefragt, ob Sie möchten, dass die Fotos übernommen werden. Darüber hinaus spielen wir seit ca. einem Monat auch direkt Fotos bei Getty ein, die von den Fotografen für diesen Partner freigeschaltet wurden. (Hinweis: Der Partner Getty ist schon lange vorhanden, jedoch hat es lange gedauert, bis wir die Getty Keyword Guidelines passend umsetzen konnten. Wir müssen bei jedem einzelnen Foto die Keywords löschen und neu vergeben, weshalb nur wenige Fotos pro Monat bisher bearbeitet wurden.)

> Wie können andere Fotografen ausschließen, dass deren Bilder auf diese Weise über Google Drive angeboten werden?

Keine Fotos für Getty freigeben.“

Was sagt der us-amerikanische Branchenverband PACA (Picture Archive Council of America)?

Der Fotograf Sean Locke fragte dort nach und veröffentlichte hier deren Antwort:

„Thanks for reaching out to PACA. I have been reading the recent articles and threads about the Getty/Google/Photographer problem.

Unfortunately, I have been caught up in conference calls all day on a couple of urgent things, so I haven’t had the time to devote to your situation that I would have liked to, but I can give you a brief outline of where we can be of help to you and your group.

1. PACA has an Ethics and Grievance Committee already set up to handle grievances against its members. The process starts with a simple letter of grievance sent to: ethics@pacaoffice.org.
2. The success of your complaint will depend a lot on the contracts you signed, so the grievance committee will want to see a copy of your contract with iStock with your complaint.
3. Nancy Wolff is an excellent attorney, but she is unable to represent you. She is our PACA Counsel and it would be a conflict of interest. However, I can get her to recommend another good attorney for you.

It goes without saying that PACA does not promote any kind of unethical business practices between our members and photographers. However, since we aren’t privy to the contracts that are being signed between photographers and agencies, we aren’t aware that are problems unless we hear about them. It always takes just one person to uncover an issue and then the work can begin.

I hope this is helpful. Please let me know if there is anything else I can do to help.

Best wishes,
Cathy Aron
PACA Executive Director“

Was sagt der deutsche Branchenverband BVPA (Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive e.V.)?

Auf meine Anfrage veröffentlichte der BVPA eine Stellungnahme auf deren Webseite als PDF, die hier nachzulesen ist. Darin steht unter anderem:

„Eine Umfrage bei den BVPA-Mitgliedsagenturen hat ergeben, dass diese allenfalls mittelbar betroffen sind. Die Betroffenen wollen sich deswegen an Getty wenden. Die Vereinbarung lässt aber einen weiteren Schritt in Richtung Pauschalierung fotografischer Leistungen auf dem Bildermarkt befürchten. Bezeichnend ist, dass gerade Microstock-Fotografen hier ihren Unmut äußern. Weil aber Google keine auf den deutschen Markt
übertragbaren Nutzungsbestimmungen erkennen lässt, ist zunächst zu klären, welche Nutzungen mit der einmaligen Zahlung für ein Foto abgegolten werden.

Auch in praktischer Hinsicht ist zu klären, welche Nutzungen als innerhalb von Google gelten. So bietet Google Drive Office-Lösungen wie eine Präsentationssoftware an, die ja von unterschiedlichen Orten abgerufen werden kann.

Problematisch ist, dass Google Drive keine Vorkehrungen für den Erhalt der Meta-Daten getroffen hat. So fehlt jeglicher Bezug zu den Fotografen und den ursprünglichen Bildanbietern.

Zweifel bestehen vor allem an einer Kompatibiltät zu kontinental-europäischem Recht. Google teilt seinen Usern mit, dass sie die Bilder im Rahmen von Fair Use nutzen können. Hierunter fallen nichtkommerzielle Nutzungsformen, die auf die Weiterentwicklung und Bearbeitung vorhandener Werke zielen. In der deutschen Rechtspraxis werden die Urheberrechtsschranken restriktiver ausgelegt. Bedenken bestehen zudem, ob eine einmalige Zahlung eines niedrigen Betrages noch dem zwingend geltenden Grundsatz der angemessenen Vergütung gerecht wird.

Eine Stellungnahme seitens Google ist nicht bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form Getty Images und Google diese Praxis fortsetzen werden.“

Was sagt der europäische Branchenverband CEPIC (Coordination of European Picture Agencies Stock, Press and Heritage)?

Trotz mehrmaliger telefonischer und Email-Anfragen konnte ich bisher leider keine Antwort von der CEPIC erhalten. Eine Stellungname soll jedoch bald erfolgen. [Update 13.2.2013: Die CEPIC hat sich jetzt mit dieser Stellungnahme bei mir gemeldet.]