Kategorie-Archiv: Pimp My Stock!

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 43

Nach einer turbulenten Woche wieder eine bekannte Art von Artikel: Die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen.

Diesmal schrieb mir Olaf:

„Hallo Robert, erstmal einen schönen guten Abend.

Mein Name ist Olaf Barth, ich wohne in Mainz und bin 49 Jahre alt.

Tja, warum ich dir schreibe, dürfte auf der Hand liegen. Ich interessiere mich seit neustem für die Stockfotografie. Warum nicht seine Bilder, die man macht, versuchen zu verkaufen … aber bis jetzt bin ich noch nicht sehr weit gekommen, heißt ich habe noch gar nicht angefangen, da ich einfach nicht weiß, ob meine Bilder dazu taugen, verkauft zu werden. Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die auch nur mal so ohne gleich etwas zu verlangen, Hilfe anbieten :)

Fotografieren tue ich seit ca. 15 Monaten, aber wenn man keinen kennt, der dir sagt, das und das könntest du verbessern oder das hast du gut gemacht, weiß man eben nicht, wo man genau mit seinen Bildern steht. Spezialisiert (wenn man davon überhaupt sprechen kann) hab ich mich auf Makrofotografie, es macht mir einfach Spaß, kleine Dinge groß rauszubringen 😉

Fotografieren tue ich mit Nikon (3200) zwei Sigma Objektiven (ein Makro ein Tele) und dem Kit Objektiv von Nikon (18-105). Nichts Spektakuläres, aber der Geldbeutel muß es ja auch hergeben können … nach oben geht immer (vorausgesetzt man kann es sich leisten)

Ich würde mich freuen wenn du meine Bilder beurteilen würdest, kannst auch ruhig meinen Namen nennen … ich freu mich von dir zu lesen.

So, ich häng dann mal was an 😉

Liebe Grüße, Olaf“

Schauen wir uns seine Bilder an:

K800__DSC2573aDas erste Bild zeigt ein Low-Key-Portrait einer roten Rose. Da glaube ich nicht, dass es sich als Stockfoto gut verkaufen wird, weil es erstens zu dunkel ist, um genug für eine Aussage zu erkennen und zweitens Rosen ein eher sehr gut abgedeckter Motivbereich sind. Als „Fine Art“-Print für Poster oder andere „In-Demand“-Produkte könnte das Bild vielleicht geeignet sein, wobei mich auch da das grüne Blatt als dünner Streifen oben links stört.

K800__DSC3249aDas zweite Bild zeigt eine Orchidee. Hier würde ich das Bild spiegeln, weil es dann besser an die Blickrichtung angepasst ist. Mir gefällt, dass das Bild reduziert ist und die Blüte betont. Außerdem hat das Bild oben genug Textfreiraum. Kann man anbieten, zu den Blumenbildern später aber noch mehr.K800__DSC3429Das kaputte Ei im Eierbecher ist eine witzige Idee. Gab es zwar auch schon, ist aber egal. Auf den ersten Blick stört hier oben rechts die Tischdecke, die jedoch leicht retuschiert werden kann. Die Beleuchtung ist etwas (zu) hart und ich wäre eher auf „Augenhöhe“ mit dem Ei gegangen. Ein dicker Filzstift hätte sich für das Gesicht angeboten, weil dann die Mimik schneller und leichter erkennbar wäre. Von der Aussage ein brauchbares Stockfoto mit der richtigen Verschlagwortung, in der jetzigen Ausführung jedoch verbesserungswürdig.

K800__DSC3745aDas dritte Foto zeigt ebenfalls eine Orchideenblüte, diesmal sehr symmetrisch. Technisch okay, wobei ich das Weiß der Blüte mehr mittels einer Tonwertkorrektur herausgearbeitet hätte. Kann als Stockfoto angeboten werden, die möglichen Nutzungszwecke sind jedoch begrenzt.

K800__DSC3779Das nächste Bild zeigt vermutlich die gleiche Orchideenblüte wie am Anfang. Hier ist oben rechts in Teil des Lichtaufbaus zu sehen, was vermieden werden sollte. Unten ist auch ein Teil der Orchidee abgeschnitten, was hier negativ auffällt. Zusätzlich kommt hinzu, dass dunkle Stockfotos nicht so gerne gekauft werden wie helle. Dem Bild rechne ich also nicht so viele Chancen aus.

K1024__DSC4232Das letzte Bild zeigt ein Feld mit vielen Blumen. Als Hintergrund zum Thema Frühling ist das Bild sicher geeignet, die Unschärfe im oberen Teil kann als Textfreiraum dienen und die Komposition ist ausgewogen. Gefällt mir. Hier wird aber auch sichtbar, wie winzige Änderungen in der Nachbearbeitung die Chancen des Bildes noch deutlich steigern können.

K1024__DSC4232_retuschiertIm Original sieht das Bild etwas verwaschen und kontrastarm aus. Ich habe innerhalb einer Minute die drei Standardwerkzeuge Tonwertkorrektur, Sättigung und Gradationskurve angewandt, um das Bild deutlich „knackiger“ aussehen zu lassen. So verkauft es sich als Stockfoto deutlich besser.

Da fünf der sechs eingereichten Fotos Blumenbilder waren, möchte ich kurz auf einen alten, aber immer noch aktuellen Artikel von mir hinweisen. Unter dem Titel „4 typische Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ gibt es einige Tipps, um seine Blumenfotos besser zu gestalten.

Blumenfotos sind insgesamt schwer als Stockfotos zu verkaufen, weil sie zum einen von sehr vielen Leuten fotografiert werden. Andererseits sind die Nutzungsmöglichkeiten solcher Bilder etwas beschränkt. Das absolute Minimum sollte deshalb eine korrekte Beschriftung der Pflanze – auch mit ihrem lateinischen Namen – sein, um zumindest einige Lehrbuch-Verkäufe mitnehmen zu können. Am besten verkaufen sich Blumen, wenn sie eine zusätzliche Aussage haben, sei es als Industriepflanze (Raps), Symbol für Jahreszeiten (Tulpen, Sommerblumen) oder für bestimmte Feiertage (Blumensträuße zum Geburtstag usw.).

In dieser früheren Folge ging es auch schon darum, dass sich Bilder mit einem dunklen, düsteren Look nicht so gut verkaufen lassen. Das ist immer noch aktuell und trifft auch hier zu.

Was sagt ihr zu den Bildern?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 42

Heute gibt es wieder eine „Pimp My Stock!„-Folge mit Fotos, die erkennen lassen, dass es der Fotograf zu was bringen wird, wenn er mit Ehrgeiz und Disziplin bei der Sache bleibt.

Für alle, die erst kürzlich reingeschaltet haben: Was ist „Pimp My Stock!“ überhaupt? In dieser Serien können mehr Leserinnen und Leser ihre Fotos schicken, welche sie als Stockfotos anbieten wollen. Ich beurteile diese dann mit Blick auf die mögliche Verkäuflichkeit und gebe Verbesserungsvorschläge. Es geht also nicht darum, ob ein Foto „schön“ ist, sondern wie gut es sich verkaufen könnte.

Wer ebenfalls mitmachen kostenlos will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Diesmal bekam ich eine Mail von Stephan:

„Hallo Herr Kneschke,

ich beschäftige mich mittlerweile seit ca. 5 Jahren mit der Fotografie. Die ersten Jahre habe ich mich mit der Technik der Kamera auseinandergesetzt, zuletzt mit den Grundlagen der Studiofotografie. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich dazu entschieden, den Schritt in die Stockfotografie zu wagen und habe mich bei Fotolia angemeldet.

Ich habe mir vorgenommen, monatlich etwa 20 Fotos speziell für die Stockfotografie zu produzieren plus die ein oder anderen Fotos, die ich sonst so knipse.

Meine Annahmequote liegt etwa bei 50%, was ja gar nicht schlecht ist.

Leider sind meine ersten Erfahrungen sonst eher ernüchternd. Die Fotos werden kaum angeklickt.

Es wäre schön eine Feedback zu meinen Bilder zu erhalten. Vielleicht hast du auch den ein oder anderen Tipp, was ich besser machen könnte

Vielen Dank und liebe Grüße,
Stephan

PS: Hier mein Profil bei Fotolia.“

Stephan hat mir insgesamt 13 Fotos geschickt, von denen ich mir diese zehn rausgesucht habe:

IMGP0576 (Klein)Erstes Foto: Ein Wasserglas mit Zitrone. Was relativ simpel aussieht, ist in der Praxis gar nicht so einfach: Glas ist mit seinen Spiegelungen eins der herausfordernden Motive. Stephan hat es aber gemeistert. Ich finde das Bild gut und halte es verkäuflich: Die Verwirbelungen im Wasser und das schräge Glas sorgen für Dynamik im Bild. Ich würde es eventuell noch mit einem bläulichen Hintergrund verkaufen, weil das die Farbe ist, die automatisch mit Wasser assoziiert wird. Da ich ja das Portfolio bei Fotolia sehen kann: Im Titel des Bildes sind gleich zwei Tippfehler, auch da sollte sauberer gearbeitet werden.

IMGP0700 (Klein)Ein Stillleben mit Lebensmitteln von oben. Das Licht passt, vielleicht einen Tick zu hart, die Komposition aus ausgewogen, gefällt mir und kann auch Käufer finden. Aber: Solche Bilder verkaufen sich besser, wenn sie eine konkretere Aussage haben. Das heißt zum Beispiel, nur Zutaten der italienischen Küche zu verwenden, nur Kräuter, nur vegane Lebensmittel, nur Obst und Gemüse, nur Milchprodukte und so weiter. Im Detail könnte auch etwas sorgfältiger ausgewählt oder retuschiert werden. Die rote Paprika sieht nicht mehr ganz frisch aus, an einer Cashewnuss ist ein dunkler Fleck, die eine Tomate liegt auf den anderen und so weiter.

IMGP0725 (Klein)Drei Flaschen Bier: Wieder gut ausgeleuchtet, minimalistisch, aber wirkungsvoll komponiert, da kann ich mir viele Verwendungsmöglichkeiten vorstellen. Um die Verkäufe zu steigern, hätte ich hier gleich eine Serie mit verschiedenen Farben im Hintergrund erstellt (klappt vielleicht sogar noch in der Bildbearbeitung).

IMGP0774 (Klein)Was ich bei den bunten Lebensmitteln vorgeschlagen habe, hat Stephan hier schon teilweise umgesetzt. Hier dreht sich alles um Soja: Tofu, Sojabohnen und Sojamilch. Ich finde das Bild insgesamt gelungen, nur die Bohnen direkt vor dem dicken Tofustück hätte ich anders platziert, weil sie so im Schatten verschwinden. Möglich wäre noch eine weitere Bildvariante mit mehr Sojaprodukten wie Sojaöl, Sojasauce oder echten Sojasprossen.

IMGP0967Hier gibt es eine schwäbische Suppe mit Maultaschen: Bei solchen Freistellern neige ich fast reflexartig dazu, zu reinweiß zu raten. So auch in diesem Fall, weil es die Designer dann besser in ihre Layouts einpassen können. Professionelle Food-Fotografen hätten die Möhrenstücke sicher mit einer Pinzette besser im Teller verteilt und einige der Kräuter am Rand retuschiert, aber insgesamt ist das Foto gelungen. Die Variante mit einem hellen und dunklen Holztisch als Untergrund findet sich ebenfalls im Portfolio.

IMGP1006Auf diesem Bild sind Rigatoni mit Basilikum zu sehen. Mein Urteil ist wieder: gut, aber. Das Aber bezieht sich in diesem Fall vor allem auf die Verteilung der Sauce, die etwas lieblos auf die Nudeln gekippt wurde. Wie sorgfältig Sauce angeordnet werden kann, ist hier zu sehen*. Außerdem stört mich die dunkle runde Stelle ganz rechts auf dem Basilikum.

IMGP1131Auch hier zeigt sich wieder, dass das oben erwähnte Konzept, Zutaten nach bestimmten Themen zu ordnen, erfolgversprechend sein kann. Hier sehen wir die Zutaten für „Pesto Genovese“ mit Olivenöl, Basilikum, Knoblauch und Pinienkernen. Insgesamt finde ich das Foto gelungen, im Detail habe ich die Pinienkerne zu bemängeln, die sorgfältiger ausgesucht hätten werden können. Zum geschälten Knoblauch hätte ich noch eine Knolle Knoblauch mit Schale gelegt, damit dieser leichter erkennbar ist.

IMGP8529 (Klein)Äh, nee: Diese bunten Nudeln sehen wie hingeworfen aus. Sorgfalt ist auch hier das Zauberwort. Insgesamt sinnvoller wären andere Anordnungen gewesen, zum Beispiel vollständig formatfüllend von oben, aber die Nudeln nur am Rand mit Textfreiraum, damit das Bild als Hintergrund genutzt werden könnte. Aber so? Nein.

IMGP8098_bearbeitet-1 (Klein)

Ein märchenhafter, nebliger Wald. Technisch und kompositorisch habe ich nichts zu beanstanden. Ein schönes Waldfoto, was durch einige Filter (Sepia, o.ä.) auch noch zusätzliche Varianten hervorbringen könnte.

IMGP11562Ein vegetarischer Burger mit Bratling. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und genau das sollte ein gutes Foodfoto erreichen. Mission erfüllt. Im Detail stört mich etwas das Glas hinten rechts sowie wieder die mangelnde Sorgfalt. Die Brötchenhälften weisen einige Dellen auf (nicht umsonst schreibt eine Fotostylistin in diesem Buch, dass sie für so ein Foto viele Brötchen kauft). Auch die Salatblätter hatte ich, vor allem links mehr aus dem Brötchen gezogen, damit der Burger „gesünder“ wirkt. Zusätzlich hätte ich eine Variante ohne die Kidneybohnen gemacht, weil diese die Verwendungsmöglichkeiten doch etwas einschränken.

Insgesamt sehe ich in den eingereichten Fotos und seinem gesamten Portfolio viel Potential, erfolgreich zu sein. Seine anscheinend bevorzugte Nische „Foodfotografie“ erfordert jedoch noch etwas mehr Sorgfalt als sie aktuell an den Tag gelegt wird. Zu dem Thema gibt es auch einige Bücher wie dieses*, dieses* oder dieses* hier mit vielen hilfreichen Tipps für den Set-Aufbau und mehr.

Was sagt ihr?
Wie würdet ihr die Fotos von Stephan einschätzen?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 41

In flotter Folge geht es heute weiter mit einigen Bildern, die Leser für meine Serie „Pimp My Stock!“ eingereicht haben. Sie wollen wissen: Wie würden sich die Fotos als Stockfotos verkaufen?

Diesmal schrieb mir Konstanze:

„Hallo,

ich mache schon sehr lange Fotos, versuche aber erst seit Anfang des Jahres ernsthaft, sie bei den Microstockagenturen unter zu bringen.

Ich bin angemeldet und akzeptiert bei:
– Dreamstime
– 123rf
– iStockphoto
– Fotolia
– Pitopia
– und Bildunion.

Shotshop hat meine Bewerbungsbilder abgelehnt, bei Shutterstock habe ich jetzt im ersten und zweiten Durchgang je 2 (also bisher 4) der insgesamt 10 gewünschten Bewerbungsbilder akzeptiert bekommen. Coverpicture möchte ich auch noch in meine Liste aufnehmen.

Ich habe bisher ein 😉 Foto verkauft, bei Dreamstime.

Am leichtesten werden meine Bilder bei iStockphoto und 123rf genommen, Fotolia und Shutterstock sind meine Sorgenkinder.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich einfach noch nicht viele Bilder eingereicht habe, bei manchen (amerikanischen) sind 40-55 durch die Beurteilung gegangen, bei anderen vielleicht erst 10.

Bei Fotolia habe ich ca. 55 Fotos eingereicht und 4 wurden bisher akzeptiert. Die Begründung ist – wie ja auch von anderen schon geschrieben – nicht nachvollziehbar, weil zu allgemein. Das ist bei Pitopia oder Dreamstime anders. Das Seltsame ist, dass Fotolia Fotos nimmt, die sonst gerne abgelehnt werden – und bei denen ich die Ablehnungsgründe sogar nachvollziehen kann. Fotos, die von den anderen Agenturen sofort akzeptiert werden, lehnt Fotolia radikal aus “technischen Gründen” ab.

Wir haben neben einer Panasonic Bridge (FZ200) vor allem die Canons 7D, 30D, 650D in Gebrauch. Stativ, Lightbox, Studiolampen sind auch da. Photoshop Elements 10 und Lightroom 5.

Was ich in der Branche vorhabe? Ich möchte möglichst viele Bilder möglichst gut gerankt haben 😉

Im Ernst, ich möchte mich auf Studio-/Produktbilder und evtl. dann auch Models konzentrieren – was beides in den hier gezeigten Fotos nicht vorkommt, gebe ich zu -, momentan “lerne” ich jedenfalls noch, wie die Ansprüche der Agenturen sind und wie/womit ich reinkomme.

Die mitgeschickten Fotos wurden alle von Fotolia abgelehnt, einige davon wurden von allen/vielen anderen Agenturen genommen, andere sind noch pending.

Ich frage mich halt einfach, bei einer Fotolia-Annahmequote von unter 10 Prozent, ob ich das überhaupt noch weiter versuchen soll?

So, nun überlasse ich meine Fotos der Kritik.

Danke,
Konstanze“

Sehen wir uns die Sorgenkinder mal an:

pimp_00004_F18mitFlaresEin Foto vom Kampfflugzeug F/A-18 mit einer Leuchtrakete. Vom Motiv ist so ein Motiv sicher verkäuflich, weil es ein geringes Angebot gibt. Ob das Bild scharf ist, kann ich in dieser Größe nicht beurteilen. Ein weiterer Grund für die Ablehnung könnten markenrechtliche Bedenken sein, weil das Flugzeugdesign eventuell rechtlich geschützt ist.

pimp_00006_EuleDieses Foto einer Eule halte ich für ein gutes Stockfoto. Ein gelungenes Tierportrait mit Betonung auf das Gesicht ohne Ablenkung im Hintergrund. Wenn das Foto in der 100%-Ansicht scharf genug sein sollte, würden mir keine Ablehnungsgründe einfallen.

pimp_00007_schwalbenschwanzHier sehen wir einen Schmetterling, genauer gesagt einen Schwalbenschwanz. Sofort sichtbar ist, dass der Hintergrund leider nicht komplett reinweiß ist, was aber in Photoshop lösbar ist. Die potentiellen Käufer für dieses eher redaktionelle Bild ist jedoch rar gesät. Besser verkaufen sich Schmetterlinge, wenn sie – oft über Fotomontagen – in ein Konzept wie Frühling, Freiheit, Jahreszeiten oder Ökologie eingebettet sind.

pimp_00022_RedAdmiral

Ähnliches gilt für das Bild vom Admiral. Der Hintergrund lässt sich gedanklich leider nicht mit dem Frühling oder anderen positiv besetzten Themen verbinden und der Schmetterling ist wie viele Haustiere ein oft und gern fotografiertes Motiv. Das Angebt übertrifft die Nachfrage also deutlich, was geringe Verkaufschancen bedeutet.

pimp_00016_piano01Hände am Klavier: Das Foto hätte ich ebenfalls abgelehnt, hauptsächlich weil das Bild eindeutig einen gelblichen Farbstich vom Kunstlicht hat und zweitens starke, hässliche Schlagschatten zu sehen sind. Die nicht ganz optimale Handhaltung fällt da schon weniger ins Gewicht.

pimp_00021_StorchFuettertEin Storch füttert seine Jungen. Grundsätzlich halte ich so ein Motiv für verkäuflich, weil neben dem sachlichen Inhalt noch Konzepte wie „Familie“, „Erziehung“ und „Pflege“ kommen. Im mir vorliegenden Bild scheint es aber, als wäre eher das Nest im Vordergrund scharf als der Kopf des Storchs. Der Himmel ist auch etwas langweilig und hier hätte sicher eine Verbesserung mit Photoshop geholfen. Für solche Fälle biete ich zum Beispiel auch komplett kostenlose Wolkenbilder zur eigenen Verwendung an.

pimp_00020_SchnabelPelikanIch musste etwas überlegen, was auf dem Foto zu sehen sein könnte: Nach einer Weile entschied ich mich für den Schnabel von einem Pelikan. Das Bild zeigt eine interessante Komposition aus künstlerischer Sicht. Verkäuflicher wird das Motiv durch diese Abstrahierung aber nicht, im Gegenteil: Welche Kunden sollten das Bild für welche Zwecke nutzen können?

pimp_00023_herzjesu01Das nächste Bild zeigt eine Kirche. Leider könnte das Bild auch als Musterbeispiel für stürzende Linien durchgehen. Für solche Art der Fotos eignen sich Tilt-Shift-Objektive besser, wie in dieser Bildserie von Kirchen zu sehen ist. Der Markt für diese Art der Bilder ist auch zu klein. Gekauft werden vor allem die bekannten Sehenswürdigkeiten großer Städte. Auch als Beispiel einer bestimmten Architekturperiode ist dieses Foto nicht perfekt, weil links Bäume das Bauwerk verdecken und die Kirche an allen vier Seiten nicht komplett im Bild ist.

pimp_00025_ef1Auf diesem Bild sind zwei Eurofighter zu sehen. Ebenfalls zu sehen ist ein rot-weißes Emblem, was die Bildredaktion für ein Logo halten könnte und damit ein Ablehnungsgrund wäre. Ansonsten gelten meine Kommentare zum anderen Flugzeugfoto.

Wer auch meine ehrliche Meinung und Tipps zur Verbesserung seiner Stockfotos haben will, kann hier nachlesen, wie ihr kostenlos bei der “Pimp My Stock!”-Serie mitmachen könnt.

Was sagt ihr?
Wie ist eure Einschätzung?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 40

Ich kann es kaum glauben: Schon vierzig Folgen hat meine „Pimp My Stock!„-Serie jetzt erreicht. Hier gebe ich Feedback über Stockfotos, welches über „schön“ und „gefällt mir“ hinaus gehen soll und berücksichtige besonders stark, ob sich eins der Fotos gut verkaufen könnte und warum.

Das Interesse scheint groß zu sein, die Warteschlange ist entsprechend lang und ich versuche mein Bestes, diese zügig abzuarbeiten. Deswegen geht es gleich weiter, diesmal mit Stephan, der mir schrieb:

„Hi Robert!

Mein Name ist Stephan, ich bin 32 und fotografiere seit einigen Jahren. Seit ca. 3 Jahren fotografiere ich „ernsthafter“, zunächst habe ich mir mit der Lumix G2 die Grundlagen der Digitalfotografie beigebracht und nun fotografiere ich seit einem Jahr mit der Nikon D7000. Ich denke, ich habe meine eigene Bildsprache gefunden, auch wenn ich noch an vielen Stellen einiges zu lernen habe.

Mittlerweile habe ich mich nebengewerblich als Fotograf selbstständig gemacht und möchte einfach mal probieren, ob ich mit meinem Hobby auch ein paar Taler verdienen kann.

Auf der Suche nach Fachwissen durchforste ich nebst diversen Büchern auch regelmässig das Netz und bin so auf Deinen Blog gestoßen, den ich begeistert verfolge. Dein Buch über die Stockfotografie hat mich ebenfalls sehr begeistert, so dass ich es mir umgehend bestellt habe. Ich betreibe seit 3 Jahren einen Stockaccount bei DeviantArt, zugegebenermaßen sind dort aber viele Fotos, die ich aus heutiger Sicht nie irgendwo einreichen würde… trotzdem läuft dieser Account recht erfolgreich, so dass mir die Idee kam, besonders nachdem ich Deinen Blog und Dein Buch entdeckte, es doch auch mal auf professionellerer Ebene mit der Stockfotografie zu versuchen. Tja. Da beginnt das Problem. ich habe etliche Stunden investiert, um mittlerweile 111 Absagen und eine(!) Annahme vorweisen zu können. Das angenommene Bild empfinde ich selbst als stinklangweilig, diverse andere hingegen als ganz gut.

Gerne würde ich die Bilder im Anhang mal vom Fachmann analysieren lassen. Es ist völlig ok, wenn diese eben qualitativ oder hinsichtlich der Verkäuflichkeit nicht genügen, nur bringen mir vorgefertigte Ablehnungsmail nichts – wo genau sind die Fehlerquellen, was muss ich besser machen?

Zu meinen Erwartungen:
Ich bin in Vollzeit an anderer Stelle tätig und werde das auch nicht ändern. Wenn ich im Monat ein paar Euro dazu verdienen könnte, um mir alle paar Monate mal ein neues Objektiv bzw. Ausrüstung zuzulegen, wäre ich völlig zufrieden.

Ein paar Beispiele meiner sonstigen Bilder findest Du hier.

Ich würde mich über eine Rückmeldung sehr freuen und danke Dir für deinen Blog und dass Du Dein Wissen so vielfältig an andere weitergibst – Hut ab!

Viele Grüße,
Stephan“

Dann schauen wir uns mal an, woran es liegen könnte:

P1140113
Fangen wir mit diesem Foto einer Tasse Cappuccino an. Ich hoffe, ihr seht selbst, dass das Muster auf dem Schaum mittlerweile alles andere als appetitlich aussieht. Wer ein Foto von einer Tasse Kaffee kauft, will damit vermutlich seinen eigenen Kaffee besser verkaufen, was mit diesem Foto hier leider nicht klappen würde. Wenn Food-Fotografen sich Mühe geben, sieht der Schaum so aus*. Deutlich anders, gell? Außerdem ist mir der Hintergrund zu dunkel, unten rechts vermutlich sogar abgesoffen.

P1240567
Ich bin mir nicht sicher, was auf dem Foto zu sehen ist: Verschiedene Drinks oder Saucen auf dem Büffet? Dem Käufer wird es ähnlich gehen und er wird sich im Zweifel für ein Bild mit einer klareren Aussage entscheiden. Auf den ersten Blick sieht der Colorkey-Effekt auch hübsch aus, aber beim zweiten Blick wird sichtbar, dass vor allem an den hinteren Rändern der Gläser unsauber gearbeitet wurde. Zusätzlich ist auch hier wieder die Ecke rechts unten sehr dunkel und fast ohne Zeichnung. Warum sollte der Käufer ein Viertel „schwarzes Bild“ kaufen (vor allem, wenn sich der Preis nach Bildgröße berechnet), wenn der Fotograf das Motiv auch besser hätte komponieren können?

P1240573
Ein Büffet mit indischen Gerichten? Schon etwas besser als die ersten beiden Bilder, aber leider immer noch zu dokumentarisch. Zuerst stört mich, dass der Tisch links angeschnitten ist. Die Alu-Behälter rechts im Bild hätte ich für das Foto kurz entfernt und der Dampf oben lässt erahnen, dass der Hintergrund nachträglich schwarz gefärbt wurde. Das passt hier halbwegs, damit der Käufer oben Textfreiraum hat, aber ich habe die Bearbeitung eben erkannt, weil sie unsauber ausgeführt wurde.

_DMP1833
Stellt euch vor, ihr wollt Urlaub am Meer verkaufen: Würdet ihr dafür ein Foto verwenden, wo der Tag bald zu Ende ist (und damit eine kühlere Stimmung aufkommt), die Strandkörbe alle abgeschlossen und vom Betrachter weggewandt sind? Oder würdet ihr lieber so ein sonniges Foto* mit einem offenen, hellen Strandkorb und Schäfchenwolken wählen oder dieses mit vielen Strandkörben*? Nuff said!

_DMP5508
Dieses Foto vom welken Herbstlaub finde persönlich ganz ansprechend, aber ich bezweifle, das viele Kunden das ähnlich sehen. Zum einen gibt es viel buntere, optimistischere Bilder, um das Thema „Herbst“ zu illustrieren und gerade weil diese Jahreszeit so regelmäßig wiederkommt und uns fotogene Motive beschert, ist die Konkurrenz auf diesem Gebiet zu groß, um mit so einem Bild viel Geld verdienen zu können. Auch wieder dabei: Die dunkle, unnötige Ecke, diesmal rechts oben.

P1090447
Bei dieser trauernden Dame als Statue sehe ich mehrere Probleme. Zum einen ist da das Problem, dass die Agenturen eventuell einen Property Release verlangen würden, um auf der sicheren Seite zu sein. Ganz rechts und unten hätte ich das Bild dichter beschnitten, um die unnötigen schwarzen Linien zu vermeiden. Und auch hier ist das Bild wieder zu dunkel, vor allem über dem Kopf und im Bereich des Gesichts. Das mag künstlerisch okay und gewollt sein, Bildagenturen sehen sowas jedoch nicht gerne.

Nach den sechs Fotos zeichnen sich zwei Grundprobleme von Stephan ab: Zum einen sind die Bilder insgesamt zu dunkel, auch an Stellen und bei Motiven, wo es unnötig ist. Die Bildkäufer hingegen stehen auf helle, fröhliche Bilder. Auch die Motive oder die Bildwirkung selbst sind mir zu düster, zu depressiv, zu traurig und melancholisch. Das kann in der Emo- und Grunge-Ecke funktionieren, aber die Microstock-Welt ist das genaue Gegenteil davon.

Wie wirken die Bilder auf euch?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 39

Ich bin fest entschlossen, den Rückstand an „Pimp My Stock!„-Einsendungen aufzuarbeiten.
Deswegen geht es heute gleich weiter mit der nächsten Folge.

Michael schrieb diesmal:

„Hallo Herr Kneschke,

ich bin nun seit fast einem Jahr bei Fotolia aktiv und habe mit einer Annahmequote von vielleicht 10% etwas über 100 Bilder online. Meine Renner sind eine Dachrinne und ein Haus mit Wärmebild. […]
Auf Ihre Anregung hin wollte ich es jetzt auch bei Shutterstock versuchen und habe 10 Bilder eingereicht.
Im Anhang sind  alle zu finden. Nur die Baustelle und die Tür wurden angenommen! Was können Sie mir raten?

Meine Ausrüstung: Canon 1100D mit Tamron 18-200.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Jäger“

Ich finde es immer etwas schwierig, Bilder zu besprechen, von denen ich schon weiß, ob sie angenommen oder abgelehnt wurden, weil es dann schnell so aussehen kann, als würde ich nur eine feststehende Meinung zu begründen versuchen, aber probieren wir es trotzdem:

2-IMG_0533
Dieses Foto der Scheinwerfer eines Oldtimers wurde wegen markenrechtlichen Bedenken abgelehnt. Das kann ich nachvollziehen, weil in der Mitte des vorderen Scheinwerfers ein Logo des Herstellers zu erkennen ist. Auch wenn mir die Komposition des Bildes – vor allem mit der unscharfen/scharfen Spiegelung des Hauses – gefällt, sind die möglichen Einsatzzwecke des Bildes begrenzt und damit auch der Nutzen als Stockfoto.

7-Oldtimer Grefrath_IMG_9967_0020
Auch hier gefällt mir die Strenge der Komposition. Ob das Design des Kühlergrills markenrechtlich geschützt ist, kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall hat es einen starken Wiedererkennungswert. Insgesamt ist mir der Anschnitt für ein Stockfoto jedoch zu eng und oben links überstrahlt das Bild auch.

15 - Monastera_IMG_3200 KopieMachen wir es hier kurz: Es ist kaum erkennbar, was auf dem Bild zu sehen sein soll, was immer ein sehr schlechtes Zeichen bei einem Stockfoto ist. Selbst wenn es um die Schatten auf der Wand gehen sollte, sind diese leider zu unscharf, um Wirkung zu erzielen. Ich habe ein ähnliches Foto* gemacht, wo die Wirkung des Schattens jedoch besser zur Geltung kommt.

Apfelblüte_IMG_1492

Dieses Foto von blühenden Apfelbäumen ist prinzipiell nicht schlecht, aber noch verbesserungsfähig. Um daraus ein gutes Stockfoto zu machen, würde ich oben rechts die ins Bild ragenden Äste retuschieren und dann das Bild vertikal spiegeln, weil der Textfreiraum (Himmel) rechts besser wirken würde. Zusätzlich würde ich die Sättigung erhöhen, etwas an der Gradiationskurve drehen, um mehr Kontrast ins Bild zu bekommen und eventuell einige Filter (Lens Flare o.ä.) ausprobieren.

Baustelle_0007

Dieses ist eins der beiden Bilder, welche bei Shutterstock angenommen wurden. Es ist kein „schönes“ Bild, aber ein „gut verkäufliches“ Bild, weil das Thema „Arbeit“ und „Baustelle“ sofort erkennbar ist.

Bild4
Wenn wir uns die „Angebot/Nachfrage“-Brille aufsetzen, ist das hier ein gelungenes Bild, weil nur wenige Fotografen auch eine Wärmebildkamera haben, mit der sie solche Thermografien erstellen können. Die Komposition des Bildes ist verbesserungswürdig (angeschnittener Schornstein, Strauch vor dem Haus, etc.) und leider sind die Auflösungen auch teuerer Infrarotkameras zu klein, um diesen Teil größer abbilden zu können. Ich hätte probiert, diesen Umstand durch einen Weichzeichnungsfilter zu kaschieren und die linke Hälfte des Bildes „normal“ und die rechts vom Wärmebild überlagern zu lassen.

Ittertal_0023
Das ist das zweite angenommene Bild. Es ist technisch in Ordnung, die Komposition okay. Nichts Überraschendes oder Weltbewegendes, aber solide aufgenommen. Diese verfallenen Fassaden gehören jedoch nicht zu den „Rennern“ in der Stockfotografie, weshalb ich dem Bild nur wenige Verkaufschancen einräume.

Kaiser-Wilhelm-Hohensyburg_IMG_6937
Diese Pferde-Statue überzeugt mich nicht, auch wenn die Perspektive interessant ist. Aber fragt euch ml selbst: Für welche Nutzungen würde sich dieses Motiv eignen? Mir fallen nur sehr wenige ein.

Nr7-IMG_5724
Diese Seile am Hafen finde ich gut gut. Das leuchtende Gelb sorgt für Aufmerksamkeit und die Seile stehen für Halt, Sicherheit und Betriebsamkeit. Der Hintergrund ist etwas unruhig und hätte mit einer offeneren Blende etwas unschärfer gemacht werden können.

Paragleiter_12-09-17_0044
Die Agenturen stehen ja auf Gegenlicht und Sillhouetten, aber leider sind solche Bilder schwer zu meistern, wenn die Agenturen gleichzeitig auf technische Perfektion bestehen. Klar ist die Sonne ausgefressen, das ist physikalisch nur logisch. Ich halte es trotzdem für ein verkäufliches Foto, weil es Freizeit und Freiheit symbolisiert. Ich würde es wieder spiegeln, damit die Blickrichtung der Person wie beim Lesen nach rechts zeigt.

Was meint ihr? Welche Tipps könnt ihr Michael geben?

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