Kategorie-Archiv: Pimp My Stock!

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 46

Heute gibt es wieder eine Folge von „Pimp My Stock„. Hier können mir Leser ihre Fotos schicken, welche ich dann auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Diesmal schrieb mir Constantin folgende Mail:

„Hallo Robert,

schon vor längerer Zeit bin ich auf der Recherche über Stockfotografie auf deine Seite und das interessante Format „Pimp my stock“ gestoßen. Da ich mich kürzlich auch entschlossen habe, meine Fotos bei Stock Agenturen einzureichen um die Gesamtkosten des Hobbys Fotografie ein wenig zu senken möchte ich nun auch 10 Bilder einreichen, mit der Bitte um ehrliche Kritik.

Ich fotografiere seit knapp einem Jahr mit mehr Einsatz und Leidenschaft. Seit diesem Zeitpunkt habe ich auch ein zumindest semiprofessionelles Equipment. Es besteht aus einer Sony a6000, zwei Autofokus Objektiven und ein paar finanziell begründeten Altglasexperimenten mit Adapter.

Fotografisch bin ich momentan „Allrounder“ oder etwas nüchterner betrachtet am Ausprobieren, wo sich mein Schwerpunkt finden wird. Die Fotos sind demnach auch im Urlaub entstanden, wobei ich nicht speziell Motive für die Stock-Fotografie gesucht habe.

Interessieren würde mich vor allem, ob Bilder in dieser Art, die quasi „ganz nebenbei“ entstehen, überhaupt für die Stock-Fotografie geeignet sind, oder ob der Markt derart übersättigt ist, dass man sich schon ein wenig mehr auf den späteren Verwendungszweck als Stock-Foto konzentrieren muss.

Die Bilder sind zu 90% in Lightroom/Capture One und vereinzelt in Photoshop nachbearbeitet.

Herzlichen Dank,
Constantin“

Werfen wir einen Blick auf seine Bilder:

20150825-0096Das erste Bild zeigt eine Katze. Schwieriges Thema. Katzen als eine der beliebtesten Haustiere sind ein sehr gern und häufig fotografiertes Sujet. Das Angebot übersteigt hier deutlich die Nachfrage. Die Katze wirkt auf mich jedoch etwas „struppig“ und vom Umfeld wirkt es mehr wie die Aufnahme einer „Straßenkatze“. Mit den passenden Keywords ist hier vielleicht noch etwas zu holen. Die beiden Getreidehülsen am unteren Ende der Katze würde ich noch retuschieren.

20150826-0010Das zweite Bild zeigt eine Tafel mit einer Inschrift. Das Foto selbst ist von der Perspektive und Komposition nicht umwerfend und es bedarf schon einer genauen Erklärung des Fotos im Titel und bei der Verschlagwortung, um einen Verwendungszweck für das Bild finden zu können.

20150826-0192Eine rote Rose vor einem alten Gebäude. Ebenfalls schwierig. Falls der Käufer das Bild wegen der Rose finden sollte, gäbe es genug weitaus bessere rote Rosen mit neutraleren Hintergründen, die sich besser zum Thema Liebe oder Valentinstag eignen. Sollte sich der Käufer jedoch für das Gebäude dahinter interessieren, gibt es sicher andere Motive, wo das Haus scharf abgebildet und vollständig zu sehen ist.

20150826-0229Das nächste Bild zeigt eine bemalte Decke mit einer Art Lampe, vermute ich mal. Gefällt mir generell, gute Bildaufteilung sowie grafisch interessant. Hier muss nur beachtet werden, wie alt das Design ist, damit es nicht eventuell geschützt ist und ob vielleicht ein Property Release benötigt wird, weil die Location durch das Muster leicht erkennbar ist.

20150826-0241Das gleiche gilt für das Foto der Couch: Inhaltlich und von der Komposition her ist es ein anständiges Stockfoto mit einigen möglichen Verwendungszwecken, jedoch stellt sich hier ebenfalls die Frage nach der Notwendigkeit einer Eigentumsfreigabe.

20150827-0453Dieses Foto der alten Säulen hat auf den ersten Blick einen deutlichen Farbstich durch den inkorrekten Weißabgleich, außerdem fressen unten die Lichter an den Säulen aus. Ich weiß, dass sich solche Szenen nur schwer anders fotografieren lassen, aber das interessiert leider die meisten Bildredakteure nicht. Außerdem hier ebenfalls wieder die Frage, ob nicht sogar ein Property Release benötigt wird.

20150827-0511Das Bild zeigt an altes Fahrrad an einer Hauswand. Hier sollte zuerst die Schrift auf dem Fahrrad (am Kettenschutz) retuschiert werden sowie das Schild rechts oben im Fenster. Einige Bildredakteure könnten sich je nach Tagesform vielleicht auch am Graffito stören. Ansonsten aber eine nette Detailaufnahme, die einige Käufer finden könnte. Da beide Reifen aber platt sind, eignet es sich nicht für Konzepte wie „Sport“ oder „Fitness“ sondern es muss bei der Verschlagwortung eher in Richtung „Reparatur“, „Alter“ oder „Pech“ gedacht werden.

20150829-0580Eine schöne Aufnahme, die für die Tourismusbranche sicher interessant sein kann. Dafür würde ich jedoch noch etwas mehr Arbeit in den Himmel stecken, damit dieser nicht so blass aussieht. Außerdem muss zumindest der große „Bersaadet“-Schriftzug rechts retuschiert werden, weil es sonst garantiert abgelehnt wird.

20150831-0725Das Foto zeigt eine Stadtaufnahme von oben. Mit der korrekten Verschlagwortung der Stadt und Region ist es ein sehr gutes Stockfoto, was zugleich schlicht und grafisch interessant ist sowie die architektonische Struktur der Stadt gut visuell darstellen.

20150831-0832Das letzte Foto zeigt eine Landschaft. Technisch habe ich an dem Foto nichts zu beanstanden, wobei hier mit etwas Geschick aus einem RAW sicher noch mehr „Pepp“ hinsichtlich Sättigung, Kontrast und Dynamikumfang herausgeholt werden könnte, um einen besseren Microstock-Look zu erhalten. Absolut notwendig ist wieder die passende Verschlagwortung mit dem korrekten Aufnahmeort.

Insgesamt zeigt die heutige Serie wieder, dass es schwierig ist, existierende „Archivaufnahmen“ aus dem Urlaub als Stockfotos zu verkaufen, weil viele Aspekte wie Textfreiraum, Verwendungsmöglichkeiten oder rechtliche Besonderheiten nicht genügend berücksichtigt wurden. Da das fotografische Können und der Blick eine gute Bildkomposition jedoch vorhanden zu sein scheint, sehe ich bei Constantin Potential, mit etwas Übung und Training auch verkäufliche Bilder sehen zu können.

Wie schätzt ihr die Bilder ein?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 45

Willkommen zu einer weiteren Folge von „Pimp My Stock!„. Wer diese Serie in meinem Blog noch nicht kennt: Hier schicken mir Leserinnen oder Leser Fotos von sich, welche ich im Hinblick auf ihre Verkäuflichkeit bespreche.

Es geht also nicht wie in vielen Fotocommunitys darum, ob die Fotos „schön“ oder „hübsch“ sind, sondern wie geeignet sie wären, um sie über Bildagenturen verkaufen zu können.

Diesmal schrieb mir Sandro:

„Hey Robert!

Als erstes muss ich gleich sagen geniale Idee: „Pimp my Stock“ wird bestimmt vielen Menschen damit weiterhelfen und es macht echt Spaß selbst zu schauen was man bei den eingesendeten Fotos verbessern könnte.

Da dachte ich mir einfach, sendest auch welche hin um professionell begutachten zu lassen und eine Diskussion zu starten.

Kurz zu mir:
Nenn mich einfach Sandro / Ich bin aus der Schweiz
Ich hab mir eine Systemkamera zugelegt Sony a6000 und machte mich auf den Weg um die Welt zu reisen.
Ich wusste noch nichts über Fotografieren und hab einfach wild drauf los geknipst. Es sind dann etwa 3 Monate vergangen als ich merkte die Bilder werden immer besser.

Per Zufall habe ich dann erfahren, dass man mit seinen Fotos Geld verdienen kann, wenn sie auch das Zeug dazu haben.

5 Fotos im Anhang
Kleine Auflösung ca 80kb pro Foto.
Fotografiere in Raw – Bildqualität, Rauschen ist alles in Ordnung –
Bearbeitet wurden sie nur mit Lightroom.

Werden solche Bilder gesucht und haben sie überhaupt eine Chance verkauft zu werden?

Liebe Grüsse aus Malaysia
Sandro“

Schauen wir uns seine Fotos an:

Blumenwiese_weiss_pink
Das erste Foto ist eine Blumenwiese von oben. Zum Thema Blumen habe ich schon öfter etwas gesagt und grundsätzlich gilt hier, dass das Thema sehr schwer ist, weil es viele, sehr gute Konkurrenz gibt und viele Hobbyfotografen sehr gerne Blumen fotografieren.

Gelungen finde ich auf jeden Fall die satte, farblich knackige Bearbeitung der Bilder. Deutlich störend finde ich jedoch dieses trockene Grasbüschel links, was der Fotograf vor dem Abdrücken ruhig aus dem Bild hätte entfernen können. Pflicht ist auf jeden Fall auch immer die korrekte Verschlagwortung mit den richtigen Namen der abgebildeten Blüten. Aber trotzdem: Reich wird mit solchen Motiven niemand.

Pferdekutsche_am_See_LiebeDas zweite Bild zeigt eine Pferdekutsche an einem See. Es ist eine sehr schöne Kutsche und ich kann mir für die Bereiche Tourismus, Hochzeit und so weiter einige Verkäufe vorstellen. Hinderlich ist jedoch leider der graue Himmel, der das Bild in ein fahles Licht taucht. Hier muss auf jeden Fall in Photoshop der Himmel ausgetauscht werden, um mehr Verkäufe zu erzielen. Kleiner Tipp: Ich biete hier kostenlos einige Wolkenbilder zur kommerziellen Verwendung an, die sich für die Montage eignen würden.

Statue_von_Mo_nch_im_Gras_gelb_Myanmar_BurmaAuf dem dritten Foto sehen wir zwei Statuen von Mönchen in Burma. Ich bin mir nicht sicher, wie es hier mit eventuellen Designrechten aussieht, aber abgesehen davon, denke ich, dass sich das Bild zum Thema Religion gut verkaufen kann. Es ist schlicht, reduziert auf das Wesentliche mit einer harmonisch passenden Farbpalette.

strasse_durch_reisfelder_blauer_himmel_Eine schnurgerade Straße durch Reisfelder mit einem blauen Himmel und weißen Wolken: Das vierte Bild hat auf jeden Fall Potential, ein Bestseller zu werden. Es gibt sogar einige Anbieter wie hier oder hier, welche aus einem solchem Motiv zig unterschiedliche Konzepte rausholen würden, um die Verkaufschancen zu erhöhen. Einziger Mangel ist jedoch die stark sichtbare und auch ungleichmäßige Vignettierung, die vor allem oben rechts sichtbar wird. Das lässt sich in Photoshop jedoch schnell beheben. Im gleichen Atemzug würde ich auch unten rechts den ausgetretenen Bereich an der Straße etwas digital verschönern.

wasserbu_ffel_beim_baden_abku_hlungDas letzte Foto hat einen Wasserbüffel beim Baden als Motiv. Mir gefällt sowohl die Bildaufteilung als auch der neugierige Blick in die Kamera. Durch das Wasser, welches bis auf den Kopf fast alles im Bild gnädig verdeckt, ist das Foto auch reduziert auf das Wesentliche. Auf jeden Fall ein gutes Stockfoto!

Was meint ihr?

Wer ebenfalls wissen will, wie er die Verkäuflichkeit seiner Fotos steigern könnte oder wissen will, ob seine Bilder überhaupt zum Verkauf geeignet sind, findet hier alle Informationen, um kostenlos mitzumachen.

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 44

Heute gibt es die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos kommentiere, ob sich diese gut verkaufen lassen würden. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen. Diesmal gibt es einen besondern Dreh, denn es geht um eingescannte Dias.

Walter schrieb mir:

„Guten Tag Robert,
in der Anlage sende ich Dir div. Fotos für Deine Rubrik „Pimp my stock“.

Ich habe diese Fotos ausgesucht, da ich Sie bei Fotolia einreichen möchte. Ich bin zwar ein Neuling was Fotoagenturen betrifft, fotografiere aber schon länger. Für diese Art von Fotos die ich Dir zum Besprechen schicke, benutze ich Mittelformat. Bei Reportagen ist Kleinbild angesagt. Wie Du erkennen kannst ist ein Grossteil der Fotos im Herbst enstanden,wenn die Natur sich in ihrer Farbenpracht zeigt.

Ich muss noch erwähnen, dass ich noch auf Nagativ-bzw. Diamaterial arbeite. Zum Scannen gebe ich diese dann zu einem Dienstleister. Die Originaldateien sind ca. 17MB gross.
Mich würde nun interessieren wie Du meine Chancen sieht solche Art von Fotos bei Agenturen anzubieten?
Ob ich da auf dem richtigen Weg bin bzw. was ich noch beachten sollte beim Anbieten?

Vielen Dank!
Walter“

36920004Es gab eine Zeit, da lieferten Digitalkameras lange nicht die Qualität einer Kleinbild- oder sogar Mittelformatkamera. Diese sind jedoch zumindest beim Kleinbildformat lange vorbei und auch das Mittelformat gerät mit der neusten Generation von Megaformat-Kameras in Bedrängnis.

36920002Deshalb ist die Frage: „Lohnt es sich, Dias einzuscannen und anzubieten?“ sehr interessant.36920003

Ich würde jedoch sagen, dass es nur wenige Gründe gibt, Dias zu verkaufen. Bei den gezeigten Fotos von Walter sind hauptsächlich Herbstthemen zu sehen, die jedes Jahr regelmäßig wieder – mit der neusten Kameratechnik – fotografiert werden können. Selbst der leichte Vintage-Look durch die Dia-Farben kann heutzutage kinderleicht durch einen Filter oder ein Plugin simuliert werden.36920005

Das Scannen von Fotos kostet immer Geld, was den Druck erhöht, diese Investition wieder reinzubekommen und führt auch zu Qualitätseinbußen, die sich ebenfalls negativ auf die Verkäuflichkeit auswirken können.36920006

Dia-Scans lohnen sich aus meiner Sicht wirklich nur, wenn extrem seltene Motive fotografiert wurden, die auch heue nicht mehr neu fotografiert werden können. Dazu zählen zum Beispiel längst verstorbene Personen der Zeitgeschichte oder im Krieg zerstörte Wahrzeichen. Und selbst hier würde ich solche Motive auch eher bei einer Bildagentur anbieten, welche sich darauf spezialisiert hat und hohe Preise verlangt statt bei einer Universalagentur.36920007

Unabhängig vom verwendeten Material halte ich die Motive leider auch für zu „banal“, um damit bei einer Bildagentur viel Verkäufe zu erzielen. Da das Thema „Herbst“ lautet, sind mir zu viele störende städtische Elemente wie Masten, Geländer oder Stadtmöbel zu sehen. Bei einigen Bildern sind die Bäume noch zu grün (vor allem ohne rote Blätter), bei anderen Bildern sind die Blätter schon zu sehr abgefallen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Verkauf von eingescannten Dias gemacht? Lohnt sich das?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 43

Nach einer turbulenten Woche wieder eine bekannte Art von Artikel: Die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen.

Diesmal schrieb mir Olaf:

„Hallo Robert, erstmal einen schönen guten Abend.

Mein Name ist Olaf Barth, ich wohne in Mainz und bin 49 Jahre alt.

Tja, warum ich dir schreibe, dürfte auf der Hand liegen. Ich interessiere mich seit neustem für die Stockfotografie. Warum nicht seine Bilder, die man macht, versuchen zu verkaufen … aber bis jetzt bin ich noch nicht sehr weit gekommen, heißt ich habe noch gar nicht angefangen, da ich einfach nicht weiß, ob meine Bilder dazu taugen, verkauft zu werden. Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die auch nur mal so ohne gleich etwas zu verlangen, Hilfe anbieten 🙂

Fotografieren tue ich seit ca. 15 Monaten, aber wenn man keinen kennt, der dir sagt, das und das könntest du verbessern oder das hast du gut gemacht, weiß man eben nicht, wo man genau mit seinen Bildern steht. Spezialisiert (wenn man davon überhaupt sprechen kann) hab ich mich auf Makrofotografie, es macht mir einfach Spaß, kleine Dinge groß rauszubringen 😉

Fotografieren tue ich mit Nikon (3200) zwei Sigma Objektiven (ein Makro ein Tele) und dem Kit Objektiv von Nikon (18-105). Nichts Spektakuläres, aber der Geldbeutel muß es ja auch hergeben können … nach oben geht immer (vorausgesetzt man kann es sich leisten)

Ich würde mich freuen wenn du meine Bilder beurteilen würdest, kannst auch ruhig meinen Namen nennen … ich freu mich von dir zu lesen.

So, ich häng dann mal was an 😉

Liebe Grüße, Olaf“

Schauen wir uns seine Bilder an:

K800__DSC2573aDas erste Bild zeigt ein Low-Key-Portrait einer roten Rose. Da glaube ich nicht, dass es sich als Stockfoto gut verkaufen wird, weil es erstens zu dunkel ist, um genug für eine Aussage zu erkennen und zweitens Rosen ein eher sehr gut abgedeckter Motivbereich sind. Als „Fine Art“-Print für Poster oder andere „In-Demand“-Produkte könnte das Bild vielleicht geeignet sein, wobei mich auch da das grüne Blatt als dünner Streifen oben links stört.

K800__DSC3249aDas zweite Bild zeigt eine Orchidee. Hier würde ich das Bild spiegeln, weil es dann besser an die Blickrichtung angepasst ist. Mir gefällt, dass das Bild reduziert ist und die Blüte betont. Außerdem hat das Bild oben genug Textfreiraum. Kann man anbieten, zu den Blumenbildern später aber noch mehr.K800__DSC3429Das kaputte Ei im Eierbecher ist eine witzige Idee. Gab es zwar auch schon, ist aber egal. Auf den ersten Blick stört hier oben rechts die Tischdecke, die jedoch leicht retuschiert werden kann. Die Beleuchtung ist etwas (zu) hart und ich wäre eher auf „Augenhöhe“ mit dem Ei gegangen. Ein dicker Filzstift hätte sich für das Gesicht angeboten, weil dann die Mimik schneller und leichter erkennbar wäre. Von der Aussage ein brauchbares Stockfoto mit der richtigen Verschlagwortung, in der jetzigen Ausführung jedoch verbesserungswürdig.

K800__DSC3745aDas dritte Foto zeigt ebenfalls eine Orchideenblüte, diesmal sehr symmetrisch. Technisch okay, wobei ich das Weiß der Blüte mehr mittels einer Tonwertkorrektur herausgearbeitet hätte. Kann als Stockfoto angeboten werden, die möglichen Nutzungszwecke sind jedoch begrenzt.

K800__DSC3779Das nächste Bild zeigt vermutlich die gleiche Orchideenblüte wie am Anfang. Hier ist oben rechts in Teil des Lichtaufbaus zu sehen, was vermieden werden sollte. Unten ist auch ein Teil der Orchidee abgeschnitten, was hier negativ auffällt. Zusätzlich kommt hinzu, dass dunkle Stockfotos nicht so gerne gekauft werden wie helle. Dem Bild rechne ich also nicht so viele Chancen aus.

K1024__DSC4232Das letzte Bild zeigt ein Feld mit vielen Blumen. Als Hintergrund zum Thema Frühling ist das Bild sicher geeignet, die Unschärfe im oberen Teil kann als Textfreiraum dienen und die Komposition ist ausgewogen. Gefällt mir. Hier wird aber auch sichtbar, wie winzige Änderungen in der Nachbearbeitung die Chancen des Bildes noch deutlich steigern können.

K1024__DSC4232_retuschiertIm Original sieht das Bild etwas verwaschen und kontrastarm aus. Ich habe innerhalb einer Minute die drei Standardwerkzeuge Tonwertkorrektur, Sättigung und Gradationskurve angewandt, um das Bild deutlich „knackiger“ aussehen zu lassen. So verkauft es sich als Stockfoto deutlich besser.

Da fünf der sechs eingereichten Fotos Blumenbilder waren, möchte ich kurz auf einen alten, aber immer noch aktuellen Artikel von mir hinweisen. Unter dem Titel „4 typische Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ gibt es einige Tipps, um seine Blumenfotos besser zu gestalten.

Blumenfotos sind insgesamt schwer als Stockfotos zu verkaufen, weil sie zum einen von sehr vielen Leuten fotografiert werden. Andererseits sind die Nutzungsmöglichkeiten solcher Bilder etwas beschränkt. Das absolute Minimum sollte deshalb eine korrekte Beschriftung der Pflanze – auch mit ihrem lateinischen Namen – sein, um zumindest einige Lehrbuch-Verkäufe mitnehmen zu können. Am besten verkaufen sich Blumen, wenn sie eine zusätzliche Aussage haben, sei es als Industriepflanze (Raps), Symbol für Jahreszeiten (Tulpen, Sommerblumen) oder für bestimmte Feiertage (Blumensträuße zum Geburtstag usw.).

In dieser früheren Folge ging es auch schon darum, dass sich Bilder mit einem dunklen, düsteren Look nicht so gut verkaufen lassen. Das ist immer noch aktuell und trifft auch hier zu.

Was sagt ihr zu den Bildern?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 42

Heute gibt es wieder eine „Pimp My Stock!„-Folge mit Fotos, die erkennen lassen, dass es der Fotograf zu was bringen wird, wenn er mit Ehrgeiz und Disziplin bei der Sache bleibt.

Für alle, die erst kürzlich reingeschaltet haben: Was ist „Pimp My Stock!“ überhaupt? In dieser Serien können mehr Leserinnen und Leser ihre Fotos schicken, welche sie als Stockfotos anbieten wollen. Ich beurteile diese dann mit Blick auf die mögliche Verkäuflichkeit und gebe Verbesserungsvorschläge. Es geht also nicht darum, ob ein Foto „schön“ ist, sondern wie gut es sich verkaufen könnte.

Wer ebenfalls mitmachen kostenlos will, findet hier alle notwendigen Informationen.

Diesmal bekam ich eine Mail von Stephan:

„Hallo Herr Kneschke,

ich beschäftige mich mittlerweile seit ca. 5 Jahren mit der Fotografie. Die ersten Jahre habe ich mich mit der Technik der Kamera auseinandergesetzt, zuletzt mit den Grundlagen der Studiofotografie. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich dazu entschieden, den Schritt in die Stockfotografie zu wagen und habe mich bei Fotolia angemeldet.

Ich habe mir vorgenommen, monatlich etwa 20 Fotos speziell für die Stockfotografie zu produzieren plus die ein oder anderen Fotos, die ich sonst so knipse.

Meine Annahmequote liegt etwa bei 50%, was ja gar nicht schlecht ist.

Leider sind meine ersten Erfahrungen sonst eher ernüchternd. Die Fotos werden kaum angeklickt.

Es wäre schön eine Feedback zu meinen Bilder zu erhalten. Vielleicht hast du auch den ein oder anderen Tipp, was ich besser machen könnte

Vielen Dank und liebe Grüße,
Stephan

PS: Hier mein Profil bei Fotolia.“

Stephan hat mir insgesamt 13 Fotos geschickt, von denen ich mir diese zehn rausgesucht habe:

IMGP0576 (Klein)Erstes Foto: Ein Wasserglas mit Zitrone. Was relativ simpel aussieht, ist in der Praxis gar nicht so einfach: Glas ist mit seinen Spiegelungen eins der herausfordernden Motive. Stephan hat es aber gemeistert. Ich finde das Bild gut und halte es verkäuflich: Die Verwirbelungen im Wasser und das schräge Glas sorgen für Dynamik im Bild. Ich würde es eventuell noch mit einem bläulichen Hintergrund verkaufen, weil das die Farbe ist, die automatisch mit Wasser assoziiert wird. Da ich ja das Portfolio bei Fotolia sehen kann: Im Titel des Bildes sind gleich zwei Tippfehler, auch da sollte sauberer gearbeitet werden.

IMGP0700 (Klein)Ein Stillleben mit Lebensmitteln von oben. Das Licht passt, vielleicht einen Tick zu hart, die Komposition aus ausgewogen, gefällt mir und kann auch Käufer finden. Aber: Solche Bilder verkaufen sich besser, wenn sie eine konkretere Aussage haben. Das heißt zum Beispiel, nur Zutaten der italienischen Küche zu verwenden, nur Kräuter, nur vegane Lebensmittel, nur Obst und Gemüse, nur Milchprodukte und so weiter. Im Detail könnte auch etwas sorgfältiger ausgewählt oder retuschiert werden. Die rote Paprika sieht nicht mehr ganz frisch aus, an einer Cashewnuss ist ein dunkler Fleck, die eine Tomate liegt auf den anderen und so weiter.

IMGP0725 (Klein)Drei Flaschen Bier: Wieder gut ausgeleuchtet, minimalistisch, aber wirkungsvoll komponiert, da kann ich mir viele Verwendungsmöglichkeiten vorstellen. Um die Verkäufe zu steigern, hätte ich hier gleich eine Serie mit verschiedenen Farben im Hintergrund erstellt (klappt vielleicht sogar noch in der Bildbearbeitung).

IMGP0774 (Klein)Was ich bei den bunten Lebensmitteln vorgeschlagen habe, hat Stephan hier schon teilweise umgesetzt. Hier dreht sich alles um Soja: Tofu, Sojabohnen und Sojamilch. Ich finde das Bild insgesamt gelungen, nur die Bohnen direkt vor dem dicken Tofustück hätte ich anders platziert, weil sie so im Schatten verschwinden. Möglich wäre noch eine weitere Bildvariante mit mehr Sojaprodukten wie Sojaöl, Sojasauce oder echten Sojasprossen.

IMGP0967Hier gibt es eine schwäbische Suppe mit Maultaschen: Bei solchen Freistellern neige ich fast reflexartig dazu, zu reinweiß zu raten. So auch in diesem Fall, weil es die Designer dann besser in ihre Layouts einpassen können. Professionelle Food-Fotografen hätten die Möhrenstücke sicher mit einer Pinzette besser im Teller verteilt und einige der Kräuter am Rand retuschiert, aber insgesamt ist das Foto gelungen. Die Variante mit einem hellen und dunklen Holztisch als Untergrund findet sich ebenfalls im Portfolio.

IMGP1006Auf diesem Bild sind Rigatoni mit Basilikum zu sehen. Mein Urteil ist wieder: gut, aber. Das Aber bezieht sich in diesem Fall vor allem auf die Verteilung der Sauce, die etwas lieblos auf die Nudeln gekippt wurde. Wie sorgfältig Sauce angeordnet werden kann, ist hier zu sehen*. Außerdem stört mich die dunkle runde Stelle ganz rechts auf dem Basilikum.

IMGP1131Auch hier zeigt sich wieder, dass das oben erwähnte Konzept, Zutaten nach bestimmten Themen zu ordnen, erfolgversprechend sein kann. Hier sehen wir die Zutaten für „Pesto Genovese“ mit Olivenöl, Basilikum, Knoblauch und Pinienkernen. Insgesamt finde ich das Foto gelungen, im Detail habe ich die Pinienkerne zu bemängeln, die sorgfältiger ausgesucht hätten werden können. Zum geschälten Knoblauch hätte ich noch eine Knolle Knoblauch mit Schale gelegt, damit dieser leichter erkennbar ist.

IMGP8529 (Klein)Äh, nee: Diese bunten Nudeln sehen wie hingeworfen aus. Sorgfalt ist auch hier das Zauberwort. Insgesamt sinnvoller wären andere Anordnungen gewesen, zum Beispiel vollständig formatfüllend von oben, aber die Nudeln nur am Rand mit Textfreiraum, damit das Bild als Hintergrund genutzt werden könnte. Aber so? Nein.

IMGP8098_bearbeitet-1 (Klein)

Ein märchenhafter, nebliger Wald. Technisch und kompositorisch habe ich nichts zu beanstanden. Ein schönes Waldfoto, was durch einige Filter (Sepia, o.ä.) auch noch zusätzliche Varianten hervorbringen könnte.

IMGP11562Ein vegetarischer Burger mit Bratling. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und genau das sollte ein gutes Foodfoto erreichen. Mission erfüllt. Im Detail stört mich etwas das Glas hinten rechts sowie wieder die mangelnde Sorgfalt. Die Brötchenhälften weisen einige Dellen auf (nicht umsonst schreibt eine Fotostylistin in diesem Buch, dass sie für so ein Foto viele Brötchen kauft). Auch die Salatblätter hatte ich, vor allem links mehr aus dem Brötchen gezogen, damit der Burger „gesünder“ wirkt. Zusätzlich hätte ich eine Variante ohne die Kidneybohnen gemacht, weil diese die Verwendungsmöglichkeiten doch etwas einschränken.

Insgesamt sehe ich in den eingereichten Fotos und seinem gesamten Portfolio viel Potential, erfolgreich zu sein. Seine anscheinend bevorzugte Nische „Foodfotografie“ erfordert jedoch noch etwas mehr Sorgfalt als sie aktuell an den Tag gelegt wird. Zu dem Thema gibt es auch einige Bücher wie dieses*, dieses* oder dieses* hier mit vielen hilfreichen Tipps für den Set-Aufbau und mehr.

Was sagt ihr?
Wie würdet ihr die Fotos von Stephan einschätzen?

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