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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 43

Nach einer tur­bu­len­ten Woche wie­der eine bekann­te Art von Artikel: Die nächs­te Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beur­tei­le. Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen will, fin­det hier alle Informationen.

Diesmal schrieb mir Olaf:

Hallo Robert, erst­mal einen schö­nen guten Abend.

Mein Name ist Olaf Barth, ich woh­ne in Mainz und bin 49 Jahre alt.

Tja, war­um ich dir schrei­be, dürf­te auf der Hand lie­gen. Ich inter­es­sie­re mich seit neus­tem für die Stockfotografie. Warum nicht sei­ne Bilder, die man macht, ver­su­chen zu ver­kau­fen … aber bis jetzt bin ich noch nicht sehr weit gekom­men, heißt ich habe noch gar nicht ange­fan­gen, da ich ein­fach nicht weiß, ob mei­ne Bilder dazu tau­gen, ver­kauft zu wer­den. Ich fin­de es toll, dass es Menschen gibt, die auch nur mal so ohne gleich etwas zu ver­lan­gen, Hilfe anbie­ten 🙂

Fotografieren tue ich seit ca. 15 Monaten, aber wenn man kei­nen kennt, der dir sagt, das und das könn­test du ver­bes­sern oder das hast du gut gemacht, weiß man eben nicht, wo man gen­au mit sei­nen Bildern steht. Spezialisiert (wenn man davon über­haupt spre­chen kann) hab ich mich auf Makrofotografie, es macht mir ein­fach Spaß, klei­ne Dinge groß raus­zu­brin­gen 😉

Fotografieren tue ich mit Nikon (3200) zwei Sigma Objektiven (ein Makro ein Tele) und dem Kit Objektiv von Nikon (18–105). Nichts Spektakuläres, aber der Geldbeutel muß es ja auch her­ge­ben kön­nen … nach oben geht immer (vor­aus­ge­setzt man kann es sich leis­ten)

Ich wür­de mich freu­en wenn du mei­ne Bilder beur­tei­len wür­dest, kann­st auch ruhig mei­nen Namen nen­nen … ich freu mich von dir zu lesen.

So, ich häng dann mal was an 😉

Liebe Grüße, Olaf“

Schauen wir uns sei­ne Bilder an:

K800__DSC2573aDas ers­te Bild zeigt ein Low-Key-Portrait einer roten Rose. Da glau­be ich nicht, dass es sich als Stockfoto gut ver­kau­fen wird, weil es ers­tens zu dun­kel ist, um genug für eine Aussage zu erken­nen und zwei­tens Rosen ein eher sehr gut abge­deck­ter Motivbereich sind. Als „Fine Art“-Print für Poster oder ande­re „In-Demand“-Produkte könn­te das Bild viel­leicht geeig­net sein, wobei mich auch da das grü­ne Blatt als dün­ner Streifen oben links stört.

K800__DSC3249aDas zwei­te Bild zeigt eine Orchidee. Hier wür­de ich das Bild spie­geln, weil es dann bes­ser an die Blickrichtung ange­passt ist. Mir gefällt, dass das Bild redu­ziert ist und die Blüte betont. Außerdem hat das Bild oben genug Textfreiraum. Kann man anbie­ten, zu den Blumenbildern spä­ter aber noch mehr.K800__DSC3429Das kaput­te Ei im Eierbecher ist eine wit­zi­ge Idee. Gab es zwar auch schon, ist aber egal. Auf den ers­ten Blick stört hier oben rechts die Tischdecke, die jedoch leicht retu­schiert wer­den kann. Die Beleuchtung ist etwas (zu) hart und ich wäre eher auf „Augenhöhe“ mit dem Ei gegan­gen. Ein dicker Filzstift hät­te sich für das Gesicht ange­bo­ten, weil dann die Mimik schnel­ler und leich­ter erkenn­bar wäre. Von der Aussage ein brauch­ba­res Stockfoto mit der rich­ti­gen Verschlagwortung, in der jet­zi­gen Ausführung jedoch ver­bes­se­rungs­wür­dig.

K800__DSC3745aDas drit­te Foto zeigt eben­falls eine Orchideenblüte, dies­mal sehr sym­me­tri­sch. Technisch okay, wobei ich das Weiß der Blüte mehr mit­tels einer Tonwertkorrektur her­aus­ge­ar­bei­tet hät­te. Kann als Stockfoto ange­bo­ten wer­den, die mög­li­chen Nutzungszwecke sind jedoch begrenzt.

K800__DSC3779Das nächs­te Bild zeigt ver­mut­li­ch die glei­che Orchideenblüte wie am Anfang. Hier ist oben rechts in Teil des Lichtaufbaus zu sehen, was ver­mie­den wer­den soll­te. Unten ist auch ein Teil der Orchidee abge­schnit­ten, was hier nega­tiv auf­fällt. Zusätzlich kommt hin­zu, dass dunkle Stockfotos nicht so ger­ne gekauft wer­den wie hel­le. Dem Bild rech­ne ich also nicht so vie­le Chancen aus.

K1024__DSC4232Das letz­te Bild zeigt ein Feld mit vie­len Blumen. Als Hintergrund zum Thema Frühling ist das Bild sicher geeig­net, die Unschärfe im oberen Teil kann als Textfreiraum die­nen und die Komposition ist aus­ge­wo­gen. Gefällt mir. Hier wird aber auch sicht­bar, wie win­zi­ge Änderungen in der Nachbearbeitung die Chancen des Bildes noch deut­li­ch stei­gern kön­nen.

K1024__DSC4232_retuschiertIm Original sieht das Bild etwas ver­wa­schen und kon­tras­t­arm aus. Ich habe inner­halb einer Minute die drei Standardwerkzeuge Tonwertkorrektur, Sättigung und Gradationskurve ange­wandt, um das Bild deut­li­ch „kna­cki­ger“ aus­se­hen zu las­sen. So ver­kauft es sich als Stockfoto deut­li­ch bes­ser.

Da fünf der sechs ein­ge­reich­ten Fotos Blumenbilder waren, möch­te ich kurz auf einen alten, aber immer noch aktu­el­len Artikel von mir hin­wei­sen. Unter dem Titel „4 typi­sche Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ gibt es eini­ge Tipps, um sei­ne Blumenfotos bes­ser zu gestal­ten.

Blumenfotos sind ins­ge­samt schwer als Stockfotos zu ver­kau­fen, weil sie zum einen von sehr vie­len Leuten foto­gra­fiert wer­den. Andererseits sind die Nutzungsmöglichkeiten sol­cher Bilder etwas beschränkt. Das abso­lu­te Minimum soll­te des­halb eine kor­rek­te Beschriftung der Pflanze – auch mit ihrem latei­ni­schen Namen – sein, um zumin­dest eini­ge Lehrbuch-Verkäufe mit­neh­men zu kön­nen. Am bes­ten ver­kau­fen sich Blumen, wenn sie eine zusätz­li­che Aussage haben, sei es als Industriepflanze (Raps), Symbol für Jahreszeiten (Tulpen, Sommerblumen) oder für bestimm­te Feiertage (Blumensträuße zum Geburtstag usw.).

In die­ser frü­he­ren Folge ging es auch schon dar­um, dass sich Bilder mit einem dunk­len, düs­te­ren Look nicht so gut ver­kau­fen las­sen. Das ist immer noch aktu­ell und trifft auch hier zu.

Was sagt ihr zu den Bildern?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 24

Es ist wie­der soweit: Eine wei­te­re Folge mei­ner Serie „Pimp My Stock!“

Hallo Robert,

mein Nick-Name ist Carmen. Ich foto­gra­fie­re zwar schon vie­le Jahre mit der Canon EOS 600D, aber bin erst seit einem hal­ben Jahr bei ver­schie­de­nen Agenturen. Pitopia, Digitalstock, Clipdealer und Bildunion.

Meine bevor­zug­ten Motive sind Tiere, Food und Blumen. Daneben gibt es auch schon mal Landschaftsfotos. Die Aufnahme- bzw. Ablehnungsquote ist sehr unter­schied­li­ch.

Nachdem ich auch Dein Buch gele­sen habe bin ich sicher, dass Du der Richtige bist, mei­ne Fotos zu beur­tei­len. Also sen­de ich eine Auswahl mei­ner Bilder an „Pimp my sto­ck“ .

Ich bedan­ke mich für Deine Mühe.

Viele Grüße aus dem son­ni­gen Werdenfelser Land.
Carmen“

Carmen hat eine etwas unkon­ven­tio­nel­le Methode der Bildeinsendung gewählt, des­halb heu­te in die­sem Format. Für ein etwas grö­ße­res Bild ein­fach auf das Foto kli­cken.

Würden sich die­se Fotos ver­kau­fen? Bei den meis­ten Fotos sehe ich wenig Chancen, aus ver­schie­de­nen Gründen.

Die indi­schen Laufenten ver­schwim­men wegen ihres Gefieders so sehr mit dem Hintergrund, dass sie kaum zu erken­nen sind. Außerdem gibt es Enten in jedem Stadtpark, wo die Hobby-Fotografen ger­ne ihre neue Ausrüstung tes­ten, sprich: Es ist genug Bildmaterial vor­han­den.

Das Foto vom Estergebirge ist tech­ni­sch soli­de, aber es fehlt das gewis­se Etwas. Dieses Foto kann höchs­tens für eine regio­na­le Verwendung genutzt wer­den, die gen­au das Gebirge zei­gen will, wäh­rend gute Landschaftsfotos ein­dring­li­cher wir­ken und auch als Hintergrund für alles mög­li­che ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Das Bild mit der Rose und den Callas gefällt mir noch am bes­ten. Der Hintergrund ist etwas zu unru­hig und eini­ge Symbole, zum Beispiel zwei Eheringe oder eini­ge rote Deko-Herzen wür­den die Verkaufschancen eben­falls deut­li­ch erhö­hen.

Beim Buchsbaum und der Glockenblume fällt das Sonnen-Streiflicht nega­tiv auf, weil es die hel­len Bereiche aus­fres­sen lässt. Mit einer ande­ren Komposition, bei der die lila Blüten eher den Rand des Bildes bil­den und die ver­put­ze Mauer den Mittelpunkt, könn­te das Bild bes­ser als Hintergrund genutzt wer­den.

Beim Foto mit der Weihnachtsdeko ist die Konkurrenz groß, nein, sogar sehr groß. Bei die­sen Motiven haben nur peni­bel im Studio erstell­te Szenen eine Chance. Hier zum Beispiel fällt der har­te Schatten nega­tiv ins Auge und auch das Grün der Amaryllis wirkt matt und ver­braucht.

Mein Tipp ist: Mehr in Symbolen den­ken und dann Stillleben, ger­ne auch mit Blumen, foto­gra­fie­ren, wel­che das gewähl­te Thema sehr tref­fend abbil­den.

Was sagt ihr? Welche Tipps wür­det ihr Carmen geben?

Wer eben­falls eine ehr­li­che Meinung und Tipps zur Verbesserung sei­ner Stockfotos haben will, kann hier nach­le­sen, wie man bei der „Pimp My Stock!“-Serie mit­ma­chen kann.

Frag den Fotograf: Lieber ein großes oder mehrere kleine Portfolios bei Bildagenturen?

Letzte Woche hat­te ich eine Email im Postfach von Ulrich aus Finnland. Er stell­te mir eine Frage, die ich selbst regel­mä­ßig mit Kollegen dis­ku­tie­re und auf die ich noch kei­ne Antwort gefun­den habe. Heute wer­de ich ver­su­chen, eine zu fin­den. Ulrich schreibt:

Hallo Robert,
ich ver­fol­ge seid eini­ger Zeit dei­nen Blog und fin­de es sehr hilf­reich und kom­pe­tent. Danke dafür. Auch des­halb möch­te ich gera­de Dich fra­gen, was mir Du in mei­ner Situation emp­feh­len wür­dest.

Ich habe bis jetzt in Microstock vor allem Florals ange­bo­ten. Habe ver­sucht dort ein Portfolio auf­zu­bau­en, wo fast nur ver­schie­de­ne iso­lier­te Blüten ver­tre­ten wür­den. Meine Konto ist sehr klein, weil ich nicht viel Zeit inves­tie­re. Aber da ich mein Geld als Freelance-Fotograf zum gros­sen Teil mit Florals ver­die­ne, sind die Ausgaben für Blumen etc. gedeckt und ein lang­sa­mes Aufbauen von einem sol­chen Konto ziem­li­ch sinn­voll.

Nebenbei: So einem auf Blumenbilder spe­zia­li­sier­ten Konto ste­hen am meis­ten die Typen aus dem Selektionsteam im Wege. Ziemlich unver­ständ­li­ch neh­men sie mei­ner Erfahrung nach unin­ter­es­san­te Bilder an und leh­nen gut ver­kauf­ba­re ab. Als ein Beispiel für alle: eine Kollektion von Aster-Blumen (Foto sie­he unten) wur­de abge­lehnt (auf mei­ne Proteste mit auto­ma­ti­schen Antworten reagiert), spä­ter habe ich sie noch­mals ganz unver­än­dert hoch­ge­la­den und jetzt hat sie inner­halb von einer rela­tiv kur­zer Zeit (der ers­ter Klick hat fast 1 Monat gebraucht) 60 Downloads (jeder 3. Klick ist 1 Download). Durchschnittpreis per Download is dabei etwas über 1 €.

Nun aber möch­te ich noch Portraits mit Model Release hoch­la­den: Habe dazu Fotolia gefragt, ob es ok wäre, ein zwei­tes Konto zu haben, und die Antwort war „no pro­blem“. Meine Frage ist: was wird dem Gesamtumsatz mei­ner Bilder bes­ser die­nen: Ein Konto mit ganz ver­schie­de­nen Themen oder zwei Konten, die jeweils kla­rer the­ma­ti­sch abge­grenzt sind? Wie wür­dest Du die Sache ange­hen?

Für Deine Zeit – dan­ke im Voraus,
Ulrich“


Die Frage in Kurzfassung: Lieber ein Portfolio für alle Bilder oder meh­re­re Portfolios für ver­schie­de­ne Motive? Was spricht dafür und was dage­gen?

Die meis­ten Microstock-Bildagenturen haben ver­schie­de­ne Anreiz-Mechanismen, um Fotografen zu beloh­nen. Shutterstock bei­spiels­wei­se zahlt Fotografen umso mehr, je mehr Gesamtumsatz zu erzielt haben. Fotolia erhöht eben­falls das Fotografenhonorar, je mehr Bilder ein Fotograf ver­kauft hat, bei istock­pho­to ist es ähn­li­ch, mit der Einschränkung, dass die Honorarerhöhung nur auf dem Umsatz des letz­ten Jahres basiert. Etwas aus der Reihe tanzt Dreamstime, bei der ein­zel­ne Bilder umso teu­rer wer­den, je öfter sie ver­kauft wur­den. Die klei­ne­ren Microstock-Agenturen haben nur manch­mal sol­che Belohnungssysteme. Darüber hin­aus beloh­nen die Suchalgorithmen der Bildagenturen meist auch grö­ße­re Portfolios und regel­mä­ßi­ges Hochladen.

Mathematisch ist die Sache daher ein­fach: Für Fotografen lohnt es sich mehr, alle Bilder zusam­men in ein Portfolio zu schmei­ßen, weil dann die höhe­ren Honorare schnel­ler erreich­bar sind und unter dem Strich so schnel­ler mehr Geld ver­dient wer­den kann.

Finanziell sinn­voll wäre ein getrenn­tes Portfolio nur dann, wenn die Agentur die­se Ranking-Systeme nicht hat. Bei Dreamstime wäre es eben­falls kein Problem, da es nicht um Gesamtumsätze geht, son­dern um nur um das ein­zel­ne Bild.

Wir müs­sen jedoch den psy­cho­lo­gi­schen Aspekt berück­sich­ti­gen: Für getrenn­te Portfolios spricht die Bequemlichkeit der Bildkäufer. Das Ziel eines Stockfotografen soll­te immer auch sein, dass mög­lichst vie­le Bildkäufer das eige­ne Portfolio als Lesezeichen im Browser spei­chern oder den Fotografen zu den Favoriten hin­zu­fü­gen, damit der Bildkäufer bei den nächs­ten Suchen direkt beim Fotografen nach­schaut. Das ist für den Bildkäufer gut, weil er weiß, was ihn the­ma­ti­sch und qua­li­ta­tiv erwar­ten wird und für den Fotografen ist es gut, weil sei­ne neu­en Bilder betrach­tet wer­den, ohne der Konkurrenz von zehn- oder hun­dert­tau­sen­den ande­ren neu­en Bildern aus­ge­setzt zu sein.

Die erkenn­ba­re Thematik eine Portfolios ist ein wich­ti­ger Grund, war­um Bildkäufer ein Portfolio spei­chern. Wer nur iso­lier­te Blumenblüten anbie­tet, kann sich sehr sicher sein, dass Bildkäufer sofort erken­nen, wo der Schwerpunkt des Fotografen liegt und ihn schnel­ler ins Herz schlie­ßen. Bei einem gemisch­ten Portfolio denkt der Bildkäufer eher, dass die gefun­de­nen Blumen „Zufallstreffer“ waren.

Trotzdem wür­de ich aus meh­re­ren Gründen zu einem gebün­del­ten Portfolio ten­die­ren:

  1. ist die finan­zi­el­le Komponente nicht zu unter­schät­zen. Sprich: Ein grö­ße­res Portfolio bringt mehr Gewinn.
  2. gibt es wie oben erwähnt vie­le Kleinigkeiten, die grö­ße­re Portfolios bevor­zu­gen, vor allem die Reihenfolge in den Suchergebnissen ist da für den Fotografen wich­tig.
  3. sind mei­ner Meinung nach zwei klar defi­nier­te Themen (Blumen, People) noch über­sicht­li­ch und für Bildkäufer erkenn­bar. Wenn noch Natur, Sport und Technik hin­zu­kä­me, sähe das viel­leicht anders aus. Wenn der Fotograf dar­auf ach­tet, dass die bei­den Themen ab und zu ver­schmel­zen, zum Beispiel, indem öfters Menschen mit Blumensträußen oder Frauen mit Blüten im Haar abge­bil­det wer­den, bekom­men die Themen auch eine über­ge­ord­ne­te Klammer, wel­che sie stär­ker zusam­men­hält.
  4. ist es mehr Aufwand, zwei Portfolios zu pfle­gen statt nur eins.

Ein Punkt, der bei der erwähn­ten hohen Ablehnungsquote jedoch wei­ter­hin für getrenn­te Portfolios spricht, ist, dass die Ablehnungsquoten bei People-Portfolios gerin­ger sind und das wie­der­um bei neu­en Uploads die Bildredakteure gnä­di­ger stimmt. Im Vergleich zu den vier genann­ten Vorteilen kann das jedoch ver­nach­läs­sigt wer­den.

Die genann­ten Punkte sind jedoch nur für Microstock-Agenturen zutref­fend. Bei Macrostock-Agenturen kann es öfter sinn­voll sein, sei­ne Portfolios zu tren­nen, da hier die Agentur die Portfolios dann bes­ser gezielt ver­mark­ten kann und die Vorteile eines gebün­del­ten Portfolios nicht grei­fen.

Oder was meint ihr? Welche Vor- und Nachteile haben the­ma­ti­sch getrenn­te Portfolios?

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 08

Sind mei­ne Fotos für Bildagenturen geeig­net? Wer sich die­se Frage stellt, ist in der Serie „Pimp My Stock!“ gen­au rich­tig. Hier bespre­che ich Fotos aus kom­mer­zi­el­ler Sicht. Lassen sie sich ver­mark­ten? Auf was muss ich ach­ten?

In der ach­ten Folge ist Harald Biebel an der Reihe. Er stellt sich so vor:

Beschäftige mich seit 2 Jahren mit Digitalfotografie (EOS 400D mit ein paar Objektiven). Am liebs­ten mache ich Makros von Pflanzen mit knap­pem Schärfentiefenverlauf und Landschaftsbilder. Das gan­ze möch­te ich neben­bei betrei­ben, so als zwei­tes Standbein. Die Idee der Stockfotografie gefällt mir. Möchte mir somit eine schö­ne Ausrüstung finan­zie­ren und das Thema auf jeden Fall ernst­haft ange­hen. Bis jetzt hab ich noch kei­ne Fotos ver­kauft. Drum bin ich um jeden Tipp dank­bar. Hauptberuflich mache ich Pressearbeit für klei­ne­re Industriekunden.“

Fangen wir an:

Ich muss hier lei­der har­sch sein, aber – selbst gelun­ge­ne – Blumenfotos haben es in Bildagenturen schwer. Zwar ist „Blume“ bzw. „flower“ auch einer der meist­ge­such­tes­ten Begriffe von Bildkäufern, aber die schie­re Fülle per­fek­ter Blumenfotos erschlägt die­se gera­de­zu. Das Foto hier ist inter­es­sant und gut kom­po­niert. Der wei­ße Fleck ganz rechts könn­te noch retu­schiert wer­den. Damit sich so ein Foto gut ver­kauft, müss­te das Weiß noch hel­ler und das eher dunkle Grün eben­falls hel­ler und viel sat­ter sein.

Ähnliches gilt für das Foto. Es ist schon bes­ser als Stockfoto geeig­net, da der Platz rechts als Textfreiraum genutzt wer­den kann, aber auch das Foto könn­te hel­ler sein. Geringe Tiefenschärfe wird vor allem bei Microstock-Agenturen nicht ger­ne gese­hen.

Dieses Blumenfoto ist zwar hel­ler, dafür nicht mehr so „frei“ in der Komposition wie das vori­ge.  Ohne den Stengel links wäre das Foto geeig­ne­ter (ja, wie­der Textfreiraum) und rechts hät­te der Anschnitt sym­me­tri­scher sein kön­nen, zum Beispiel, indem der dunkle Fleck (die Staubblätter) in der unte­ren rech­ten Ecke gevier­telt wor­den wäre.

Das Foto ist als Stockfoto bes­ser. Die Menschen im Bild sind nicht erkenn­bar, also uni­ver­sell nutz­bar und durch das Anschieben der Personen in der Mitte auch sym­bol­träch­tig genug. Der Himmel ist für Bildagenturen per­fekt, lei­der ist der Baum rechts abge­schnit­ten. Die Wiese ist eben­falls nicht grün und saf­tig genug und ins­ge­samt wirkt das Bild leicht über­schärft. Wer sich mal die Landschafts-Bestseller anschaut, erkennt schnell, dass die Fotos sehr male­ri­sch und frei von jeg­li­chen Makeln sind.

Hey, hier ist es gen­au anders­rum. Die Wiese und Bäume sind per­fekt, aber der Himmel ist etwas zu düs­ter. Wenn für die Personen ein Model Release vor­han­den ist und der Himmel mit Photoshop „auf­ge­blaut“ bzw. gleich ganz aus­ge­tauscht wird, hat das Bild sehr gute Chancen auf Verkäufe.

Ganz kurz: Sorry, das ver­kauft sich nicht. Wer die­ses Foto mit dem oder dem hier ver­gleicht, sieht den Grund. Zu dun­kel, zu unspek­tak­tu­lär, Komposition nicht aus­ge­reift. Bei gebo­re­nen Berlinern beschrän­ken sich die Geographie-Kenntnisse im deut­schen Raum ja auf: Berlin, Brandenburg, jwd. Wobei jwd für „janz weit drau­ßen“ steht und den Rest der Republik umfasst. Deshalb gebe ich zu, dass ich nicht erken­ne, wo das Foto gemacht wur­de. Das ist auch einer der Gründe, war­um die Verkäuflichkeit weni­ger gege­ben ist. Es wäre nur lokal für Reiseführer oder Webseiten der Region inter­es­sant und das auch nur, wenn der Turm, wel­cher sicher ein Wahrzeichen ist, oben voll­stän­dig wäre. Außerdem ist das Bild an allen Rändern zu unru­hig.Das Mädchen macht ihre Sache gut. Aber was schaut sie sich da an? Ein Buch aus Stein? Eine Hafenbefestigung für Taue? Antiquitäten? Hier fehlt das Konzept bzw. die pas­sen­de Requisite. Auch der Hintergrund ist zu düs­ter. Etwas weni­ger Tiefenschärfe hät­te das viel­leicht aus­glei­chen kön­nen.

Der Fotograf kom­men­tier­te das Foto bei sei­ner Einsendung: „Die drei ande­ren Mädels auf einem der Fotos könn­te man frei­stel­len, wäre das Foto dann brauch­bar als Stockfoto?“ Leider wie­der mei­ne kla­re Antwort: Nein. Zum einen wür­de ein Freisteller nicht gut genug gelin­gen, vor allem im Bereich der Haare, zum ande­ren sagen die weg­ge­dreh­ten Rücken: „Der Fotograf hat sich nicht getraut, die Personen anzu­spre­chen und einen Model-Vertrag unter­schrei­ben zu las­sen und des­we­gen mehr oder weni­ger heim­li­ch von hin­ten foto­gra­fiert“. Egal, ob es in der Realität so war oder nicht, so wir­ken sol­che Bilder. Um das Freistellen zu erleich­tern oder gar unnö­tig zu machen, hät­te viel­leicht mehr aus der Hocke foto­gra­fiert wer­den kön­nen, damit statt der ande­ren Passanten der Himmel als Hintergrund zu sehen wäre.

Leider nicht ganz so ermu­ti­gend. Insgesamt gese­hen schei­nen die Blumenfotos das größ­te Potential zu haben, auch wenn die Konkurrenz in die­sem Bereich hoch ist. Aber da wür­de ich beim Fotografen am meis­ten Leidenschaft ver­mu­ten. Hier liegt übri­gens der Maßstab bei ver­käuf­li­chen Blumenfotos.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie gefal­len sie Euch, stimmt ihr mei­ner Bewertung zu?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stockt­aug­li­ch“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­li­ch das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.

Kritisch, ehr­li­ch, sub­jek­tiv.