Schlagwort-Archive: Gründe

Die sechs Nachteile von Exklusivität für Fotografen in Bildagenturen

Was sind die Nachteile, wenn ein Fotograf Bilder exklu­siv nur über eine Bildagentur anbie­tet? Letztes Mal hat­te ich hier die sie­ben Vorteile auf­ge­lis­tet, wel­che für Exklusivität spre­chen. Heute wid­men wir uns den sechs Nachteilen.

  1. Abhängigkeit von Marktschwankungen
    Der Bildermarkt ändert sich schnell, der Microstock-Bereich noch schnel­ler. Ständig erschei­nen neue Agenturen auf der Bildfläche, ande­re ver­schwin­den wie­der (erin­nert sich noch jemand an „Lucky Oliver“?), die Honorare und Preise sind stän­di­gen Schwankungen unter­wor­fen. Wer da nur auf ein Pferd setzt – sprich: exklu­siv bei einer Bildagentur ver­kauft – ist die­sen Schwankungen hilf­los aus­ge­lie­fert. Denken wir nur an die Honorarkürzungen von istock­pho­to oder Fotolia. Während nicht-exklusive Fotografen eine Agentur nicht mehr belie­fern und sich lie­ber auf lukra­ti­ve­re kon­zen­trie­ren kön­nen, sind einem Exklusivfotografen wegen Kündigungsfristen, Upload-Limits und Arbeitsaufwand meist die Hände gebun­den. 

    Die Marktschwankungen betref­fen­a­ber nicht nur den Bildermarkt, son­dern auch die Währungen. Bei der Belieferung nur einer Agentur ist der Fotograf bei der Höhe sei­ner Einnahmen kom­plett abhän­gig von den wech­seln­den Wechselkursen. Da mich jedoch ca. die Hälfte der Agenturen in Euro und die ande­re Hälfte in Dollar aus­zahlt, glei­chen sich für mich die­se Schwankungen gut aus.

  2. Schlechtere Marktübersicht
    Ähnlich wie beim ers­ten Punkt haben exklu­si­ve Fotografen einen Nachteil, was die Marktübersicht angeht. Das betrifft zum einen kon­kret die Umsatzentwicklung, die Fotografen mit einem ähn­li­chen Portfolio bei ver­schie­de­nen Agenturen genau­er ver­glei­chen kön­nen. Dazu kom­men Informationen aus den Agentur-Foren, zu Bestsellern, belieb­ten Suchbegriffen und so wei­ter. 

    Wenn ich mit exklu­si­ven istock-Fotografen rede, mer­ke ich bei­spiels­wei­se oft, dass die­se den­ken, es sei unglaub­li­ch kom­pli­ziert, bei vie­len Agenturen par­al­lel Bilder hoch­zu­la­den, weil das bei istock­pho­to man­gels FTP-Zugang und wegen deren kon­trol­lier­ten Vokabulars viel zeit­auf­wän­di­ger ist. Das ver­zerrt die Entscheidung, ob es sich loh­nen wür­de, viel­leicht doch lie­ber sei­ne Bilder wei­ter zu streu­en. Viele Informationen kön­nen sich exklu­si­ve Fotografen auch im Internet selbst zusam­men­su­chen, aber spä­tes­tens bei genau­en Geschäftszahlen wie Umsatz, RPI oder RPD haben sie immer einen Nachteil.

    Bei mir kommt hin­zu, dass ich mitt­ler­wei­le vie­le Mitarbeiter und Inhaber von Bildagenturen per­sön­li­ch ken­ne und die­se mir manch­mal inter­ne Details erzäh­len, weil sie wis­sen, dass ich ver­trau­li­ch damit umge­hen kann. Wäre ich ein exklu­si­ver Fotograf, wür­de nur eine Agentur ihr Wissen mit mir tei­len.

  3. Keine Risikostreuung bei unter­schied­li­chen Bildmotiven
    Wenn ich ver­glei­che, wel­che Motive sich bei wel­chen Bildagenturen am bes­ten ver­kau­fen, fällt mir immer eins auf: Obwohl jede Agentur fast die glei­chen Bilder von mir anbie­tet, ver­kau­fen sich die­se je nach Agentur ganz unter­schied­li­ch. Ein Foto bei Shutterstock, was mir dort bis­her eine drei­stel­li­ge Summe ein­ge­bracht hat, wur­de von Fotolia noch gar nicht ver­kauft. Und anders­rum. 

    Das scha­det einem exklu­si­ven Fotografen zwei­er­lei: Erstens ver­passt er viel­leicht einen neu­en Bestseller, weil er das Foto bei der fal­schen Agentur hoch­lädt und zwei­tens wiegt er sich in trü­ge­ri­scher Sicherheit zu wis­sen, wel­che Motive ver­käuf­li­ch sind. Letzteres fin­de ich viel wich­ti­ger, weil sich die Schwankungen unter­schied­li­cher Motive unter dem Strich sicher aus­glei­chen. Zu wis­sen, wel­che Motive poten­ti­el­le Goldgruben sind ist jedoch unschätz­bar.

  4. Kein Direktverkauf mög­li­ch
    Exklusivverträge sehen im Detail unter­schied­li­ch aus. Oft ver­bie­ten sie jedoch einen Direktverkauf, manch­mal kom­plett, manch­mal nur die RF-Lizenzen. Istockphoto ver­bie­tet sei­nen Exklusivfotografen sogar den Verkauf der abge­lehn­ten Bilder, die dann unge­nutzt auf der Festplatte schlum­mern müs­sen, wäh­rend sie bei einer ande­ren Agentur viel­leicht zum Bestseller gewor­den wären (sie­he 3.). 

    Wenn mich ein Kunde anspricht, kann ich ihm über mei­nen Bildershop ein Motiv direkt ver­kau­fen und erhal­te 100% des Bildpreises. Wer das gesuch­te Motiv zum Beispiel bei istock­pho­to exklu­siv anbie­tet, muss den Kunden dort­hin schi­cken und erhält nur 20–45% der Einnahmen.

  5. Agenturen wer­den durch Exklusivität gestärkt
    Mitarbeiter von Bildagenturen wer­den in die­sem Punkt kei­nen Nachteil erken­nen kön­nen. Für Fotografen ist es aber sehr rele­vant. Je mehr exklu­si­ve Bilder eine Agentur hat, desto bes­ser und fes­ter kann sie Kunden, Partneragenturen und Fotografen an sich bin­den. Das bedeu­tet jedoch auch, dass die Bildagentur mehr Macht bekommt. Wenn sie dann Verträge oder Honorare zum Nachteil der Fotografen ein­sei­tig ändert, sind den Fotografen die Hände gebun­den.
  6. Nicht-Exklusivität kann lukra­ti­ver sein
    Kommen wir zu einem der gewich­tigs­ten Argumente gegen Exklusivität, auch wenn bei die­sem Punkt die Meinungen stark aus­ein­an­der gehen. Ich glau­be: Wenn Fotografen es gut anstel­len, ist Nicht-Exklusivität finan­zi­ell loh­nen­der. Diese Aussage wird immer unbe­wie­sen blei­ben, weil es nur eine ver­gleichs­ba­sier­te „was wäre, wenn“-Annahme ist. 

    Ich habe für mich jedoch genug Umsatzzahlen vie­ler Bildagenturen. Ich ver­die­ne eine gute vier­stel­li­ge Summe bei Fotolia, aber: Es sind weni­ger als 50% mei­ner gesam­ten Agentureinnahmen. Selbst wenn ich also durch eine Exklusivität bei Fotolia das Doppelte ver­die­nen wür­de, hät­te ich Umsatzeinbußen. Nicht ein­ge­rech­net sind noch die zweit­ran­gi­gen Einnahmen durch Buchverkäufe, den Blog und so wei­ter, die dann eben­falls gerin­ger aus­fal­len wür­den.

    Die Top-Stockfotografen schei­nen es ähn­li­ch zu sehen: Yuri Arcurs, Andres Rodriguez, Ron Chapple (iofo­to), James Steidl (jgroup), Cathy Yeulet (mon­key­busin­es­si­ma­ges), Iryna Kurhan, Dmitriy Shironosov (press­mas­ter), Jean-Marie Guyon (CandyBox Photography), alle blei­ben lie­ber nicht-exklusiv; und ich bin mir sicher, dass sie alle mehr als ein­mal Exklusivangebote bekom­men haben.

Der Wechsel ist schwer

Ein Punkt, der sowohl exklu­si­ve als auch nicht-exklusive Fotografen glei­cher­ma­ßen trifft, ist der schwe­re Wechsel zwi­schen bei­den Modellen: Viele Fotografen belie­fern anfangs meh­re­re Bildagenturen – auch des­halb, weil istock­pho­to eine Exklusivität erst ab 250 Verkäufen anbie­tet – und wenn sie sich spä­ter für einen Exklusivvertrag ent­schei­den, müs­sen sie ihre Bilder bei ande­ren Agenturen löschen. Es fällt schwer, ein Portfolio zu löschen, was einem Geld bringt. Auch die Zeit des Hochladens und Einpflegens in die Agenturen wäre dann ver­schenkt. Einige Bildagenturen wie Dreamstime ver­bie­ten es auch, mehr als 70% der Bilder zu löschen, die weni­ger als sechs Monate in der Agentur zum Verkauf ste­hen. Macrostock-Agenturen haben da in der Regel noch län­ge­re Vertragslaufzeiten von ein, zwei oder sogar drei Jahren.

Auch die Kündigung einer Exklusivität wird einem nicht leicht gemacht. Mit dem Verzicht auf die Exklusivität wür­de der Umsatz sofort um min­des­tens die Hälfte schrump­fen und dann dau­ert es je nach Portfolio-Größe unter­schied­li­ch lan­ge, die­se Bilder bei ande­ren Agenturen hoch­zu­la­den und dort Verkäufe zu erzie­len.

Exklusiv oder nicht? Wie soll ich mich ent­schei­den?

Für mich über­wie­gen vor allem die ers­ten bei­den und der letz­te Nachteil alle Vorteile der Exklusivität. Deswegen habe ich mich gegen Exklusivität ent­schie­den. Vor allem für Teilzeit-Stockfotografen kann jedoch der Zeit-Vorteil aus­schlag­ge­bend sein, sich dafür zu ent­schei­den. Das muss jeder für sich selbst abwä­gen.

Jetzt seid ihr dran: Warum habt ihr euch für oder gegen Exklusivität ent­schie­den? Habt ihr es bereut? Welche Änderungen habt ihr nach einem Wechsel fest­ge­stellt? Welche Vor- oder Nachteile sind für Euch am gewich­tigs­ten?

Die sieben Vorteile von Exklusivität für Fotografen in Bildagenturen

Warum bin ich nicht exklu­siv bei einer Bildagentur? Manchmal wer­de ich von Lesern mei­nes Buches „Stockfotografie“* gefragt, war­um ich mei­ne Fotos nicht exklu­siv über eine Agentur ver­kau­fen las­se. Im Buch lis­te ich einen Teil mei­ner Umsätze pro Agentur auf. Mit Abstand am meis­ten ver­die­ne ich zur Zeit bei Fotolia*. Deshalb bekom­me ich ab und zu Mails wie die­se von Lukas:

Ich bin neu bei der Stockfotografie seit November 2010 und habe mir jetzt ihr Buch Stockfotografie gekauft und bin fleis­sig am Lesen und ler­nen. Ich habe vor­hin gera­de die Verkaufszahlen der ein­zel­nen Fotografen, wie auch Ihnen kurz über­flo­gen und ich stel­le mir jetzt eine kur­ze Frage: Sie ver­die­nen bei Fotolia deut­li­ch mehr als bei allen ande­ren, war­um bie­ten Sie dort ihre Bilder nicht gleich voll-exklusiv an? Der Aufwand wäre doch viel gerin­ger und der Verdienst etwa gleich hoch?“

Meine Antwort in Kurzform ist immer: Es hat sei­ne Gründe. Heute will ich die­se Gründe aber aus­führ­li­ch beleuch­ten und erklä­ren, wann es auch sinn­voll sein kann, sich exklu­siv an eine Agentur zu bin­den.

Vorher jedoch eine Begriffsbestimmung: Es gibt ver­schie­de­ne Arten von Exklusivität, zum Beispiel Bildexklusivität, Preisexklusivität oder Fotografenexklusivität. Die Unterschiede erläu­te­re ich in mei­nen Buch genau­er, kurz nur: In die­sem Text geht es um die Fotografenexklusivität, bei der sich der Fotograf ver­pflich­tet, alle sei­ne Fotos nur über die eine Agentur anzu­bie­ten. Einige der Punkte las­sen sich aber auch auf eine Bildexklusivität bezie­hen, bei der der Fotograf sich bereit erklärt, nur bestimm­te Bilder exklu­siv über eine Agentur zu ver­trei­ben.


Konkret gibt es bei den ein­zel­nen Verträgen Ausnahmen und Unterschiede, des­we­gen vor der Entscheidung für oder gegen Exklusivität bei einer Agentur den Exklusivvertrag auf­merk­sam mit Hinblick auf die unten auf­ge­zähl­ten Punkte lesen.

Was sind die Vorteile von Exklusivität bei einer Bildagentur?

  1. Zeitersparnis
    Dieser Punkt liegt auf der Hand. Wer nur eine Agentur, statt – wie ich – mehr als 15 belie­fert, spart dadurch viel Zeit. Durch eine Optimierung des Workflows und Verwendung von IPTC und FTP lässt sich zwar viel Zeit spa­ren, aber es ist immer schnel­ler und ein­fa­cher, sei­ne Fotos nur an eine Agentur zu sen­den.
  2.  

  3. Optimierung von Verschlagwortung und Bildqualität
    Jede Agentur ach­tet auf ande­re Details bei der Bewertung von Bildern: Schärfe, Bildrauschen, chro­ma­ti­sche Aberration usw. Wer nur eine Agentur hat, kann sich bei der Retusche ganz dar­auf kon­zen­trie­ren, wo sei­ne Agentur am kri­tischs­ten ist und die­se Bildfehler bevor­zugt kor­ri­gie­ren. Auch das spart Zeit, führt manch­mal aber dazu, dass man mit der Zeit betriebs­blind wird und ande­re Bildfehler nicht mehr als so stö­rend wahr­ge­nom­men wer­den. 

    Auch die Verschlagwortung kann der exklu­siv belie­fer­ten Agentur ange­passt wer­den. Das betrifft sowohl die Menge der Suchbegriffe, die Sprache (deut­sch, eng­li­sch, fran­zö­si­sch, ande­re Sprachen?) und vie­le Details, die sich ansons­ten bei vie­len Agenturen unter­schei­den: Soll nur Einzahl oder auch Mehrzahl ver­wen­det wer­den? Werden Verben gebeugt oder nur im Infinitiv gebraucht? Sind Markennamen oder Redewendungen erlaubt?

    Viele exklu­si­ve Fotografen kön­nen die­sen Vorteil zu ihren Gunsten noch wei­ter aus­bau­en, wenn sie ihre Kenntnisse über die Funktionsweise der agen­tur­in­ter­nen Suchfunktion ver­tie­fen. Die meis­ten Bildagenturen schüt­zen ihren Suchalgorhythmus wie einen gehei­men Schatz, aber durch eige­ne Tests oder Erfahrungsberichte in Foren (agen­tur­in­tern oder exter­ne Foren wie micros­tock­group oder Foto-Talk) lässt sich viel raus­fin­den: Wie geht die Suche mit Bindestrichen, Umlauten oder Sonderzeichen um? Nach wel­chen Prinzipien über­setzt die Suche? Gibt es ein kon­trol­lier­tes Vokabular?

     

  4. Bessere Rechtekontrolle
    Ein Fotograf fin­det eins sei­ner Fotos auf einer dubio­sen Internetseite. Die Art der Nutzung gefällt ihm nicht. Womöglich wur­de das Foto sogar gestoh­len. Ein nicht-exklusiver Fotograf müss­te jetzt bei allen Bildgenturen, bei denen er das Foto anbie­tet, her­aus­fin­den, ob es ord­nungs­ge­mäß lizen­ziert wur­de. Wenn es nicht gekauft, son­dern gestoh­len wur­de, muss der Fotograf meist selbst tätig wer­den, weil jede Agentur sagen kann: „Ach, das Bild kam nicht von uns, das bie­ten sie doch auch bei der Konkurrenz an“.Ein exklu­si­ver Fotograf hat es deut­li­ch ein­fa­cher: Das Foto wird nur bei einer Agentur ange­bo­ten, dem­nach muss der poten­zi­el­le Dieb es dort gefun­den haben. Die Agentur kann dann die eige­ne Rechtsabteilung, wel­che Routine besitzt, auf den Fall anset­zen.
  5.  

  6. Keine Preiskonkurrenz und höhe­re Preise
    Wer sei­ne Fotos nur bei einer Agentur anbie­tet, kann klar sagen, wie viel die Bilder kos­ten. Bei einer Belieferung von vie­len Agenturen kön­nen Käufer über­le­gen: Das Bild in Web-Auflösung kos­tet bei Agentur X am wenigs­ten, bei Agentur Y habe ich sowie­so ein Abo, bei Agentur Z kos­tet die Merchandising-Lizenz weni­ger. Gefällt dem Kunden ein Bild so gut, dass er unbe­dingt gen­au die­ses, kein ähn­li­ches, will, ist er bei exklu­si­ven Fotos eher bereit, einen höhe­ren Preis zu zah­len, weil er die Bildagenturen nicht „gegen­ein­an­der aus­spie­len“ kann. 

    Das wis­sen auch die Bildagenturen und ver­kau­fen des­we­gen ihre exklu­si­ven Fotos oft auch teu­rer. Bei istock­pho­to kos­ten exklu­si­ve Fotos 50–100% mehr, bei Fotolia kön­nen exklu­si­ve Fotografen selbst ent­schei­den, ob sie ihre Preise höher set­zen wol­len, bis zu einer Verdreifachung der nor­ma­len Preise ist mög­li­ch.

     

  7. Bessere Positionierung in den Suchergebnissen
    Vor kur­zem hat die Firma Lookstat ein Experiment gemacht: Wie stark wer­den die Fotos von Exklusivfotografen bei den Suchergebnissen von istock­pho­to bevor­zugt? Das Ergebnis ist erhel­lend: Die Bilder von exklu­si­ven Fotografen wer­den ca. vier Mal häu­fi­ger als die von nicht-exklusiven Fotografen ange­zeigt. Das führt zu mehr Verkäufen und mehr Einnahmen der Exklusivfotografen.Dieser Vorteil ist umso stär­ker aus­ge­prägt, je mehr Motive die Bildagentur zur Suchanfrage im Archiv hat, zum Beispiel bei Exklusivfotografen, die vie­le Business-, Lifestyle- oder Wellness-Fotos anbie­ten. Logisch: Sind bei einem Thema nur weni­ge Fotos vor­han­den, muss häu­fi­ger auf das Material der nicht-exklusiven Fotografen zurück­ge­grif­fen wer­den. 

    Bei ande­ren Agenturen ist das Missverhältnis nicht so krass, aber den­no­ch bemerk­bar. So ver­die­nen zum Beispiel Fotografen, die sich exklu­siv bei Fotolia ver­pflich­ten, unge­fähr dop­pelt so viel pro Bild wie nicht-exklusive Fotografen. Bei Dreamstime kön­nen Fotografen sich sogar aus­rech­nen las­sen, wel­che Mehreinnahmen sie durch eine Exklusivität dort gene­rie­ren könn­ten. Bei mir wären das ca. 20% mehr pro Abo-Verkauf, 86% mehr pro Credit-Verkauf und unter dem Strich ca. dop­pelt so hohe Einnahmen wie bis­her. Auch hier wie­der die Formel „Exklusivität-Einnahmen = Nichtexklusivität-Einnahmen x 2“.

     

  8. Bessere Honorarbeteiligung
    Die erwähn­ten Mehreinnahmen sind nicht nur ein Ergebnis bes­se­rer Positionierung bei den Suchergebnissen, son­dern auch durch eine bes­se­rer Honorarbeteiligung. In der Regel zahlt jede Bildagentur, wel­che bei­de Modelle (exklusiv/nicht-exklusiv) anbie­tet, den exklu­si­ven Fotografen mehr Prozente des Umsatzes aus. Bei istock­pho­to erhal­ten Fotografen dann statt 15–20% sagen­haf­te 20–45% der Einnahmen. Bei Fotolia sind es 42–63% für Exklusivfotografen statt 25–46%. Dreamstime schüt­tet 60% statt 25–50% aus. Einige Macrostock-Agenturen akzep­tie­ren nur exklu­si­ve Fotografen oder Bilder und haben des­we­gen kei­ne unter­schied­li­chen Honorare.Die Honorarbeteiligung muss jedoch rela­tiv gese­hen wer­den. Es hilft wenig, wenn eine Agentur 90% dem Fotografen der Einnahmen ver­spricht, jedoch kaum Verkäufe gene­riert. Deswegen lohnt sich ein Exklusivvertrag nur mit gro­ßen Bildagenturen, die regel­mä­ßig vie­le Umsätze erzie­len.
  9.  

  10. Mehr Anreize
    Zusätzlich zu den genann­ten Vorteilen bie­tet jede Bildagenturen wei­te­re Anreize für die Exklusivität. Diese kön­nen ganz unter­schied­li­ch aus­fal­len. Dreamstime bie­tet für Exklusivfotografen 20 Cent pro hoch­ge­la­de­nem akzep­tier­ten Foto an – auch nach­träg­li­ch – und eine um 50% höhe­re Upload-Quote. Auch istock­pho­to erlaubt sei­nen „Exklusives“, mehr Bilder hoch­zu­la­den und schenkt den Fotografen Visitenkarten mit ihren Motiven. Auch die Teilnahme an den soge­nann­ten „istockalypse“-Workshops ist nur exklu­siv mög­li­ch. Fotolia bie­tet exklu­si­ven Fotografen die Möglichkeit, ihre Bilder von den bil­li­gen Abonnements aus­zu­schlie­ßen.

Wow, sie­ben Vorteile für Exklusivität bei Bildagenturen? Wo ist da der Haken? Geduld. Im nächs­ten Artikel am Montag zäh­le ich die sechs Nachteile der Exklusivität auf, die mei­nes Erachtens nach min­des­tens genauso schwer wie­gen wie die Vorteile.

Bis dahin berich­tet doch in den Kommentaren, wel­che Vorteile ihr für Euch seht? Bitte ver­mei­det die Nachteile, die kön­nen wir im nächs­ten Artikel dis­ku­tie­ren.

Warum Fotografen kostenlose Fotos anbieten: Acht Gründe (und eine Warnung)

Fotografen ver­schen­ken Bilder? Bieten sie kos­ten­los an? Warum?

In den Kommentaren zu eini­gen mei­ner letz­ten Artikel führ­te die Diskussion oft auf den Preisverfall, der damit ende, wenn Fotografen ihre Fotos gra­tis anbie­ten wür­den. Faktisch ist die­ser Punkt längst erreicht. Viele Bildagenturen bie­ten ihren „Ausschuss“ kos­ten­los an. Aber auch gan­ze Webseiten wie Pixelio, Aboutpixel oder Photocase bie­ten kos­ten­los lizenz­freie Fotos an. Die bei­den letzt­ge­nann­ten nur, wenn die Nutzer selbst aktiv kos­ten­lo­se Fotos bei­steu­ern, bei Pixelio hin­ge­gen ist alles gra­tis.

Anstatt jetzt aber zu spe­ku­lie­ren, was jeman­den moti­viert, sei­ne Fotos zu ver­schen­ken, habe ich nach­ge­fragt. Ich habe sechs Leute ange­schrie­ben, war­um sie ihre Fotos bei Pixelio ver­schen­ken, anstatt sie zum Beispiel zu ver­kau­fen. Alle haben geant­wor­tet, zwei wol­len aber anonym blei­ben. Bevor wir zu den Gründen kom­men, war­um Fotografen ihre Bilder gra­tis abge­ben, schau­en wir uns kurz die Eckdaten an.

Die Menge der Bilder

Von die­sen sechs Personen haben vier jeweils ca. 5000 (in Worten: fünf­tau­send) Bilder bei Pixelio online. Das ist weit mehr als vie­le – auch erfolg­rei­che – Microstock-Fotografen in ihrem Portfolio haben, mich ein­ge­schlos­sen. Ein beein­dru­cken­des Ergebnis, was unter ande­ren zustan­de kom­men kann, weil die Selektionskriterien bei Pixelio weni­ger streng sind als bei kom­mer­zi­el­len Agenturen. Aber eine Mindestgröße von 1000 x 1000 Pixeln (= 1 MP) wird trotz­dem ver­langt.

Insgesamt hat Pixelio über 470.000 Bilder in der Datenbank, Photocase hat über 200.000 im Angebot und Aboutpixel liegt bei über 50.000 Fotos.

Die Motive

Ein Argument gegen die­se kos­ten­lo­sen Bilddatenbanken ist oft, dass die Fotos von der tech­ni­schen Umsetzung und von den Motiven unter der Qualität der kom­mer­zi­el­len Bildagenturen lie­gen. Da ist was dran. Vor allem die Kostenlos-Sektion* der kom­mer­zi­el­len Bildagenturen spei­st sich fast immer aus den Fotos, wel­che aus tech­ni­schen oder ästhe­ti­schen Gründen von der Bildredaktion für den kom­mer­zi­el­len Bereich abge­lehnt wur­den.

Aber bei Pixelio & Co. ist das nicht immer so. Von den befrag­ten Personen haben vie­le die „übli­chen Amateurfotografen“-Themen abge­grast: Blumen, Tiere, Food und Reisefotos. Aber eini­ge Fotografen sind dicht am übli­chen „Stock-Niveau“.

 

RainerSturm / pixelio.de

Der User „RainerSturm“ bei­spiels­wei­se hat in sei­nem Pixelio-Account knapp 5000 Fotos, dar­un­ter vie­le Motive, die auch locker microstock-tauglich wären, wie die­se Solarzellen zum Beispiel. Zu den Fotos mit den meis­ten Downloads zäh­len bei ihm Konzept-Bilder mit Puzzle-Teilen, wie sie auch bei den kom­mer­zi­el­len Agenturen zu den Bestsellern gehö­ren:

 

RainerSturm / pixelio.de

Die Suche nach Personen, vor allem nach Geschäftsleuten gestal­tet sich aber schon deut­li­ch schwie­ri­ger. Hier ist der Unterschied zum Angebot kom­mer­zi­el­ler Bildagenturen deut­li­ch zu spü­ren. Selbst das wohl bes­te Foto eines Geschäftsmanns bei Pixelio liegt sicht­bar unter dem Microstock-Standard:

 

RainerSturm / Pixelio.de

Wer hin­ge­gen Fotos von Blumen oder Lebensmitteln sucht, wird die­se in Hülle und Fülle fin­den:

 

wrw / Pixelio.de

Die Einschränkungen

Wer sei­ne Fotos bei Pixelio anbie­tet, kann sich aus­su­chen, ob die Fotos nur für die redak­tio­nel­le Nutzung frei­ge­ge­ben sind oder auch für die kom­mer­zi­el­le Nutzung. Standardmäßig sind beim Upload jedoch bei­de Nutzungen mar­kiert, wer nicht auf­passt, gibt dem­nach sei­ne Bilder für bei­des frei. Eine Merchandising-Lizenz wird nicht ange­bo­ten. Außerdem müs­sen nicht nur bei redak­tio­nel­ler, son­dern auch bei kom­mer­zi­el­ler Nutzung der Urheber und Pixelio als Quelle genannt und bei einer Nutzung im Internet ein Link zu Pixelio gesetzt wer­den. Wer hier ver­schlei­ern will, wo er sei­ne Fotos kos­ten­los her hat, ris­kiert schnell eine Abmahnung, doch dazu unten mehr.

Die Gründe – Warum verschenken Fotografen ihre Bilder?

1. Bestätigung

Was ich bei vie­len Antworten her­aus­le­sen konn­te, ist der Drang nach Bestätigung. Der Wunsch, sei­ne Bilder nicht unge­se­hen ver­stau­ben zu las­sen, son­dern sie der Öffentlichkeit zugäng­li­ch zu machen und sich dar­an zu erfreu­en, dass die­se tat­säch­li­ch Verwendung fin­den. Der oben erwähn­te RainerSturm beschreibt das in die­sem Interview so:

Damals wäre mir auch nie in den Sinn gekom­men, kos­ten­los für ande­re zu foto­gra­fie­ren. Dazu hat­te ich ers­tens kei­ne Zeit und mus­s­te zwei­tens sehen, wie ich mit mei­ner 5-Mann-Agentur Monat für Monat die Agentur-Ziele erreich­te. Heute ist das anders. Die Agentur wur­de 2005 ver­kauft und jetzt kann ich ganz anders han­deln. Vor allen Dingen, weil ich es scha­de fand, dass mein digi­ta­les Archiv immer pral­ler wur­de (fing mit den Golffotos an) und doch nur sel­ten „zum Vorschein/Anschauen“ kam. So mach­te es mir dann zuse­hends Spaß, die Bilder ande­ren zur Nutzung kos­ten­los zu über­las­sen.“

Auch Willibald Wagner ant­wor­te­te auf mei­ne Frage in die­se Richtung, strebt jedoch zuneh­mend den Verkauf der Bilder an:

Als ich mich 2007 wie­der mehr der (digi­ta­len) Fotografie wid­me­te und anfing, neben den obli­ga­to­ri­schen Urlaubsfotos, auch in ande­re Bereiche ein­zu­stei­gen, boten sich Internetplattformen ein­fach als Ausstellungsfläche an. Dort traf ich Gleichgesinnte die Kommentare zu mei­nen Fotos abga­ben, ich fand inter­es­san­te Fotos und Anregungen. Hin und wie­der ver­kauf­te ich sogar ein Foto. Inzwischen ist „pixelio.de“, obwohl dort 5594 Fotos, dar­un­ter auch viel Schrott, von mir ein­ge­stellt sind, nicht mehr mei­ne Hauptplattform. Mir ging es wie wahr­schein­li­ch wie vie­len ande­ren. De Kommentare und Punkte Punkte „irgend­wel­cher Hobbyfotografen“ haben mich immer weni­ger inter­es­siert. Ich gebe bei pixelio.de des­halb heu­te gar kei­ne Kommentare mehr ab, stel­le aller­dings noch, in der Qualität redu­zier­te, Fotos ein.

Vor ca. 2 Jahren habe ich mich bei „fotocommunity.de“ ange­mel­det. M.E. wer­den dort anspruch­vol­le­re Fotos gezeigt und stel­le dort Fotos unter dem Usernamen „der Flaneur“ ein, im Prinzip läuft es dort aber auch nicht anders als bei pixelio.de.

Seit November 2010 bin ich bei „Shotshop“ ver­tre­ten, einer rei­nen Verkaufsplattform mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch. Mal sehen was hier pas­siert.

So viel zu mei­ner Entwicklung seit 2007. Heute sehe ich eher im Verkauf eines Fotos die Anerkennung mei­ner foto­gra­fi­schen Leistung als in irgend­ei­nem Kommentar. Daneben macht’s natür­li­ch auch Spaß, für ein Foto ein paar Euro zu bekom­men.“

2. Weniger Zwänge

Seien wir rea­lis­ti­sch: Wer mit Fotos Geld ver­die­nen will, muss arbei­ten. Dazu gehö­ren neben dem tech­ni­schen Qualitätsanspruch der Bildagenturen auch die recht­li­chen Hürden und eine gute Verschlagwortung, die oft zeit­auf­wän­dig und lang­wei­lig ist. Keyword-Spamming wird des­halb bei Pixelio z.B. kaum geahn­det und ver­wäs­sert die Suchergebnisse.

Viele Amateurfotografen, die ihre Fotos zei­gen wol­len, kön­nen oder wol­len sich die­se Hürden nicht zumu­ten. Schön for­mu­liert hat das die Userin JOUJOU auf mei­ne Frage:

Anfragen von Kartenverlagen habe ich immer abge­lehnt, denn ich will nicht MÜSSEN – ich will mei­nen Spass an der Arbeit haben und ande­ren mit mei­nen Bildern eine Freude machen. Im Pixelio geht es pro­blem­los – ohne gros­se Diskussionen über die Bilder.

Ich begrei­fe die Sorgen der Profifotografen sehr gut. Mit der Digitalfotografie hat sich für euch ja viel geän­dert. Fotofachgeschäfte sind auch in der Schweiz mas­sen­haft ver­schwun­den, doch man kann das Rad nicht zurück­dre­hen.“
RainerSturm begrün­det das ähn­li­ch:
„Ich foto­gra­fie­re ger­ne, immer und über­all. Aber ich will nicht – als Privatier Jahrgang 42 – den Aufwand über­trei­ben.
Da aber istockphoto.com und foto­lia die qua­li­ta­ti­ve Hürde recht hoch anset­zen, hat man dort viel Leerlauf. Also Arbeit zum Hochladen und dann doch öfter Ablehnungen. Besonders bei istock­pho­to ging mir dann auf den Geist, wenn immer wie­der von Abberation, Lichtsäume etc. geschrie­ben wur­de. Also wenn ich ein Motiv auf vol­le Bildschirmgröße (22 Zoll) ver­grö­ße­re, dann kom­men halt immer nur die bes­ten durch. Dazu müss­te ich aber immer mit gro­ßer Ausrüstung, mög­lichst mit Stativ, durch die Lande zie­hen. Das ist mir zuviel.
Auch auf­wän­di­ge Ausleuchtarbeiten mag ich nicht. Das Equipment ist zu dürf­tig, der Aufwand – auch zeit­li­ch – ist zu groß.“

3. Dankbarkeit

Ebenso wie bei Microstock-Bildagenturen sind die Kunden oft auch Fotografen und umge­kehrt. Bei Pixelio ist das ähn­li­ch. Einige der Leute, die dort Bilder run­ter­la­den, geben als Dank eben­falls wel­che kos­ten­los ab. So funk­tio­niert Wikipedia und anschei­nend auch Pixelio. So schrieb mir ein Pixelio-User:
„Auf pixelio bin ich gesto­ßen als Gemeindebriefredaktuer auf der Suche nach kos­ten­lo­sem Bildmaterial. […] Ich sehe mei­ne Bereitstellung von Bildern auch als klei­nen gesell­schaft­li­chen Beitrag, ohne gleich Geld dafür zu ver­lan­gen. An vie­len Stellen im Internet wer­den Bilder benö­tigt, und nicht jeder User kann oder möch­te Geld dafür aus­ge­ben (z.B. in Blogs). Festzustellen an wie vie­len Stellen mei­ne Bilder ein­ge­setzt wer­den, ist für mich „Lohn“ und Ermutigung genug.

Interessant fin­de ich auch den Werdegang eines ande­ren Pixelio-Mitglieds, der anonym blei­ben will:

Im Prinzip habe ich durch Agenturen wie pixelio.de, aber vor allem aboutpixel.de zu mei­ner Berufung und Selbstständigkeit gefun­den.

Gerade die Community damals vor 4–5 Jahren bei aboutpixel.de hat einen ange­regt und ange­trie­ben sich wei­ter zu ent­wi­ckeln, neue Sachen aus­zu­pro­bie­ren etc. – natür­li­ch sind auch neue Freundschaften ent­stan­den.
Irgendwann dach­te ich mir dann auch, war­um die eige­nen Bilder ver­schen­ken und nicht ver­kau­fen, also habe ich ange­fan­gen Fotos in Mid-Stock Agenturen (pan­ther­me­dia, digi­tal­sto­ck, adpic, pito­pia) zu ver­kau­fen (Fotos, die nicht bei pixelio oder ap zu fin­den sind).

In der Blütezeit hat­te ich da unge­fähr einen Gewinnanteil von 500€ im Monat (bei 50:50 – Aufteilung) – irgend­wann habe ich dann kaum noch Fotos für Bildagenturen pro­du­zie­ren kön­nen, weil das eige­ne Kerngeschäft, die Fotografie durch mei­nen wach­sen­den Kundenstamm (vor allem gewerb­li­che Kunden) ste­tig wuchs – so dass kei­ne Zeit mehr für Stockfotos blieb. Dadurch gin­gen natür­li­ch auch die Umsätze wie­der run­ter – wor­über ich jetzt nicht sau­er bin, denn wenn mich ein Kunde den gan­zen Tag bucht, habe ich auch mei­ne 500 € und noch 29 Tage im Monat übrig.

Tatsache ist, dass ich z.B. mit mei­nen aktu­el­len Business-Fotos [bei Pixelio; Anm. R.K.] in Bezahl-Agenturen nur einer von ganz vie­len bin, damit also kaum Umsatz zu erzie­len ist. Also gebe ich den Wurzeln, wodurch ich mei­ne Profession erkannt habe, ein­fach was zurück, in dem ich die Bilder kos­ten­los zur Verfügung stel­le. Und man ern­tet dafür auch viel Dankbarkeit und das ist in Ordnung so – da ich manch­mal auch das ein oder ande­re Screendesign für Kunden mache, bin ich selbst glück­li­ch dar­über, Quellen wie aboutpixel.de, pixelio.de oder photocase.de nut­zen zu kön­nen.“

4. Externe Festplatte

Auf den ers­ten Blick kuri­os erscheint die Antwort eines Pixelio-Mitglieds, dass er die Webseite auch als „exter­ne Festplatte“ für sei­ne bes­ten Fotos nut­ze. Dabei ist es nicht mehr so abwe­gig, wenn man etwas dar­über nach­denkt: Die meis­ten Online-Dienste, wel­che eine Datensicherung anbie­ten, ver­lan­gen je nach Menge oder Speicherplatz eine bestimm­te Gebühr pro Monat. Wer sich ent­schei­det, sei­ne Fotos statt­des­sen lie­ber kos­ten­los ande­ren anzu­bie­ten, spart sich die­se Gebühr.

5. Unwissenheit

Manchmal ist es aber schlich­te Unwissenheit, die Leute dazu bringt, ihre Fotos zu ver­schen­ken. Wer liest sich schon immer das gan­ze Kleingedruckte durch, bevor er sei­ne Fotos bei einer Fotocommunity hoch­lädt? So schrieb mir die Pixelio-Nutzerin Lillyfee1976, die erst seit paar Wochen ange­mel­det ist:

Ich hat­te kei­ne Ahnung, wie das hier geht. Ich wuss­te nicht, dass man sich die kos­ten­los run­ter­la­den kann. […] Vielen Dank, dass du mich noch­mal dar­auf hin­ge­wie­sen hast, man soll­te sich doch immer erst alles gen­au durch­le­sen, auch das Kleingeschriebene.“

Kommen wir jetzt zu den span­nends­ten Gründen: Mit kos­ten­lo­sen Fotos Geld ver­die­nen.

6. Einnahmequelle

Paradox, aber wahr: Es ist mög­li­ch, mit kos­ten­lo­sen Inhalten Geld zu ver­die­nen. Leicht ist es jedoch nicht. Ein Gewinngeschäft sind die kos­ten­lo­sen Fotos immer für die Seitenbetreiber, die damit Traffic gene­rie­ren, den sie ent­we­der dazu nut­zen, Werbung zu schal­ten (die Zielgruppe ist immer­hin klar defi­niert: kos­ten­be­wuß­te Grafiker und Webdesigner) oder Nutzer auf ihre kos­ten­pflich­ti­gen Angebote wei­ter­zu­lei­ten. Pixelio macht bei­des. Microstock-Agenturen und ande­re Firmen machen dort Werbung und Pixelio selbst gehört der Bildagentur Clipdealer, die auf jeder Seite meh­re­re Aufforderungen pos­tet, bei Clipdealer eben­falls nach Bildmaterial zu suchen.

Ein emp­feh­lens­wer­tes – und kos­ten­lo­ses – Buch über die Marketingidee hin­ter „kos­ten­lo­sen Produkten“ ist „Free“ von Chris Anderson.

Aber nicht immer pro­fi­tie­ren nur die Betreiber die­ser Plattformen. Manchmal schaf­fen es auch die Anbieter kos­ten­lo­ser Fotos, damit Geld zu ver­die­nen. Pixelio-Nutzer haben vor allem zwei Möglichkeiten. Zum einen kön­nen sie ihre Fotos nur für die redak­tio­nel­le Nutzung frei­ge­ben. Wenn jemand das Foto auf die­sem Weg fin­det, es aber kom­mer­zi­ell nut­zen will, kann er vom Fotografen eine kom­mer­zi­el­le Lizenz erwer­ben. Ein Pixelio-Nutzer erklärt:

Ab und an gibt es auch finan­zi­el­le Angebote, oder ich fra­ge bei kom­mer­zi­el­ler Nutzung nach. Da war eini­ge Male schon 30€ oder mehr drin für ein Bild.“

Die zwei­te Möglichkeit zum Geld ver­die­nen ist der Verzicht auf eine Namensnennung. Die kos­ten­lo­sen Bilder dür­fen immer nur mit einer Angabe des Fotografennamens, der Pixelio-Webseite und – bei Webnutzung – einem Link zu Pixelio genutzt wer­den. Manche Bildsucher wol­len das aber nicht und bie­ten dem Fotografen Geld, wenn er auf eine Namensnennung ver­zich­tet. Der oben erwähn­te RainerSturm nutzt das bei­spiels­wei­se:

Die ein­zi­ge sich erge­ben­de Geldquelle ist manch­mal dann gege­ben, wenn jemand ein Motiv ohne Bildquelle nut­zen will. Das kos­tet dann zwi­schen 45 und 60 Euro und er bekommt dann auch eine ordent­li­che Rechnung mit Mehrwertsteuer etc.“

Die Umwandlung von kos­ten­lo­sen Medien in Umsätze funk­tio­niert nicht nur bei Fotos, son­dern manch­mal auch bei geklau­ten Songs, wie das Stefan Niggemeier anhand die­ses Beispiels illus­triert.

7. Werbeffekt

Eine Variante des sechs­ten Grundes für kos­ten­lo­se Fotos ist der Werbeffekt. Hier wird vom Bildanbieter wie­der die Tatsache genutzt, dass die Bildnutzer kos­ten­lo­ser Fotos die Bildquelle ange­ben müs­sen. Da die Fotografen bestim­men dür­fen, wel­cher Name als Urheberhinweis benutzt wer­den soll, eröff­net sich die Möglichkeit, sei­nen Firmennamen oder sei­ne Webadresse häu­fig gedruckt oder ver­linkt zu sehen. Das kann zu mehr Kunden füh­ren, zu mehr Traffic oder zu einem bes­se­ren Ranking in Suchmaschinen, was eben­falls Geld Wert ist.

Beispiele gibt es bei Pixelio eini­ge. Der Fotograf Alexander Hauk lässt als Quelle „Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de / pixelio.de“ ange­ben und ver­linkt damit auf sein Medienarchiv. Eine Firma ver­langt als Bildnachweis die Angabe ihrer Domain „www.foto-fine-art.de / pixelio.de“ und sorgt so für die Verbreitung ihrer Internetseite für Leinwanddrucke. Der User Christoph Aron möch­te als Namen „Christoph Aron (www.pixelmaster-x.de) / pixelio.de“ ange­ge­ben wis­sen und ver­linkt so auf sei­ne pri­va­te Fotoseite.

8. Abmahnungen

Es gibt vor allem bei den kos­ten­lo­sen Fotodatenbanken auch eine dunkle Seite. Wenn die Fotos schon nix kos­ten, legen die Fotografen gestei­ger­ten Wert dar­auf, dass die oben mehr­fach erwähn­te Namensnennung auch wirk­li­ch erfolgt. Ignorieren Nutzer die­se Bedingung, gibt es schnell eine – kos­ten­pflich­ti­ge – Abmahnung.

Ein Pixelio-Nutzer schrieb mir:

Es gibt lei­der auch immer wie­der Unternehmen, die selbst bei kos­ten­lo­sen Fotos das Mindestmaß an Anstand nicht ein­hal­ten und die Fotos ohne die vor­ge­schrie­be­ne Nennung von Quelle und Fotografen nut­zen. Sowas macht mich dann natür­li­ch wütend und die bekom­men von mir auf die Finger.“

Es ist klar, dass eini­ge Fotografen die Geduld ver­lie­ren, wenn sie regel­mä­ßig ihre Fotos ohne Urhebernennung fin­den. Nun aber eini­ge Worte der Warnung: Es scheint jedoch auch Leute zu geben, die es gen­au dar­auf anle­gen und dann schnell durch eine drei- bis vier­stel­li­ge Abmahnsumme in Zusammenarbeit mit einem Anwalt Geld ver­die­nen wol­len. Zwei Fälle sind hier und hier im Pixelio-Forum beschrie­ben. Eine wei­te­re – schon betrü­ge­ri­sche – Masche ist hier beschrie­ben, bei der Fotos anonym zu kos­ten­lo­sen Bilddatenbanken hoch­ge­la­den wer­den, die­se dann nach einer Weile gelöscht wer­den und den Nutzern auf ein­mal Abmahnungen ins Haus flat­tern, weil die Bilder urhe­ber­recht­li­ch geschützt sei­en. Da die Anmeldedaten bei der kos­ten­lo­sen Datenbank nicht über­prüf­bar sind, kann der Nutzer nicht nach­wei­sen, dass das Bild zum Zeitpunkt des Downloads wirk­li­ch frei von Rechten Dritter war.

Eine ähn­li­che Betrugsmasche – nur mit der Creative Commons-Lizenz – für kos­ten­lo­se Bilder beschreibt aus­führ­li­ch der Fotograf Dan Heller in sei­nem Blog.

Nur zur Klarstellung: Den meis­ten Pixelio-Nutzern liegt es fern, die­se letz­te Methode zu nut­zen, aber es ist schon vor­ge­kom­men und eini­ge weni­ge Fotografen schei­nen – for­mu­lie­ren wir es vor­sich­tig – dem Gedanken nicht abge­neigt zu sein.

Nun zu Euch: Bietet ihr manch­mal kos­ten­lo­se Fotos an? Wenn ja, war­um? Und habt ihr damit auch schon direkt oder indi­rekt Geld ver­die­nen kön­nen? Wie?

* Affiliate-Link