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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 40

Ich kann es kaum glau­ben: Schon vier­zig Folgen hat mei­ne „Pimp My Stock!“-Serie jetzt erreicht. Hier gebe ich Feedback über Stockfotos, wel­ches über „schön“ und „gefällt mir“ hin­aus gehen soll und berück­sich­ti­ge beson­ders stark, ob sich eins der Fotos gut ver­kau­fen könn­te und war­um.

Das Interesse scheint groß zu sein, die Warteschlange ist ent­spre­chend lang und ich ver­su­che mein Bestes, die­se zügig abzu­ar­bei­ten. Deswegen geht es gleich wei­ter, dies­mal mit Stephan, der mir schrieb:

Hi Robert!

Mein Name ist Stephan, ich bin 32 und foto­gra­fie­re seit eini­gen Jahren. Seit ca. 3 Jahren foto­gra­fie­re ich „ernst­haf­ter“, zunächst habe ich mir mit der Lumix G2 die Grundlagen der Digitalfotografie bei­ge­bracht und nun foto­gra­fie­re ich seit einem Jahr mit der Nikon D7000. Ich den­ke, ich habe mei­ne eige­ne Bildsprache gefun­den, auch wenn ich noch an vie­len Stellen eini­ges zu ler­nen habe.

Mittlerweile habe ich mich neben­ge­werb­li­ch als Fotograf selbst­stän­dig gemacht und möch­te ein­fach mal pro­bie­ren, ob ich mit mei­nem Hobby auch ein paar Taler ver­die­nen kann.

Auf der Suche nach Fachwissen durch­forste ich nebst diver­sen Büchern auch regel­mäs­sig das Netz und bin so auf Deinen Blog gesto­ßen, den ich begeis­tert ver­fol­ge. Dein Buch über die Stockfotografie hat mich eben­falls sehr begeis­tert, so dass ich es mir umge­hend bestellt habe. Ich betrei­be seit 3 Jahren einen Stockaccount bei DeviantArt, zuge­ge­be­ner­ma­ßen sind dort aber vie­le Fotos, die ich aus heu­ti­ger Sicht nie irgend­wo ein­rei­chen wür­de… trotz­dem läuft die­ser Account recht erfolg­reich, so dass mir die Idee kam, beson­ders nach­dem ich Deinen Blog und Dein Buch ent­deck­te, es doch auch mal auf pro­fes­sio­nel­le­rer Ebene mit der Stockfotografie zu ver­su­chen. Tja. Da beginnt das Problem. ich habe etli­che Stunden inves­tiert, um mitt­ler­wei­le 111 Absagen und eine(!) Annahme vor­wei­sen zu kön­nen. Das ange­nom­me­ne Bild emp­fin­de ich selbst als stink­lang­wei­lig, diver­se ande­re hin­ge­gen als ganz gut.

Gerne wür­de ich die Bilder im Anhang mal vom Fachmann ana­ly­sie­ren las­sen. Es ist völ­lig ok, wenn die­se eben qua­li­ta­tiv oder hin­sicht­li­ch der Verkäuflichkeit nicht genü­gen, nur brin­gen mir vor­ge­fer­tig­te Ablehnungsmail nichts – wo gen­au sind die Fehlerquellen, was muss ich bes­ser machen?

Zu mei­nen Erwartungen:
Ich bin in Vollzeit an ande­rer Stelle tätig und wer­de das auch nicht ändern. Wenn ich im Monat ein paar Euro dazu ver­die­nen könn­te, um mir alle paar Monate mal ein neu­es Objektiv bzw. Ausrüstung zuzu­le­gen, wäre ich völ­lig zufrie­den.

Ein paar Beispiele mei­ner sons­ti­gen Bilder fin­dest Du hier.

Ich wür­de mich über eine Rückmeldung sehr freu­en und dan­ke Dir für dei­nen Blog und dass Du Dein Wissen so viel­fäl­tig an ande­re wei­ter­gib­st – Hut ab!

Viele Grüße,
Stephan“

Dann schau­en wir uns mal an, wor­an es lie­gen könn­te:

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Fangen wir mit die­sem Foto einer Tasse Cappuccino an. Ich hof­fe, ihr seht selbst, dass das Muster auf dem Schaum mitt­ler­wei­le alles ande­re als appe­tit­li­ch aus­sieht. Wer ein Foto von einer Tasse Kaffee kauft, will damit ver­mut­li­ch sei­nen eige­nen Kaffee bes­ser ver­kau­fen, was mit die­sem Foto hier lei­der nicht klap­pen wür­de. Wenn Food-Fotografen sich Mühe geben, sieht der Schaum so aus*. Deutlich anders, gell? Außerdem ist mir der Hintergrund zu dun­kel, unten rechts ver­mut­li­ch sogar abge­sof­fen.

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Ich bin mir nicht sicher, was auf dem Foto zu sehen ist: Verschiedene Drinks oder Saucen auf dem Büffet? Dem Käufer wird es ähn­li­ch gehen und er wird sich im Zweifel für ein Bild mit einer kla­re­ren Aussage ent­schei­den. Auf den ers­ten Blick sieht der Colorkey-Effekt auch hüb­sch aus, aber beim zwei­ten Blick wird sicht­bar, dass vor allem an den hin­te­ren Rändern der Gläser unsau­ber gear­bei­tet wur­de. Zusätzlich ist auch hier wie­der die Ecke rechts unten sehr dun­kel und fast ohne Zeichnung. Warum soll­te der Käufer ein Viertel „schwar­zes Bild“ kau­fen (vor allem, wenn sich der Preis nach Bildgröße berech­net), wenn der Fotograf das Motiv auch bes­ser hät­te kom­po­nie­ren kön­nen?

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Ein Büffet mit indi­schen Gerichten? Schon etwas bes­ser als die ers­ten bei­den Bilder, aber lei­der immer noch zu doku­men­ta­ri­sch. Zuerst stört mich, dass der Tisch links ange­schnit­ten ist. Die Alu-Behälter rechts im Bild hät­te ich für das Foto kurz ent­fernt und der Dampf oben lässt erah­nen, dass der Hintergrund nach­träg­li­ch schwarz gefärbt wur­de. Das passt hier halb­wegs, damit der Käufer oben Textfreiraum hat, aber ich habe die Bearbeitung eben erkannt, weil sie unsau­ber aus­ge­führt wur­de.

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Stellt euch vor, ihr wollt Urlaub am Meer ver­kau­fen: Würdet ihr dafür ein Foto ver­wen­den, wo der Tag bald zu Ende ist (und damit eine küh­le­re Stimmung auf­kommt), die Strandkörbe alle abge­schlos­sen und vom Betrachter weg­ge­wandt sind? Oder wür­det ihr lie­ber so ein son­ni­ges Foto* mit einem offe­nen, hel­len Strandkorb und Schäfchenwolken wäh­len oder die­ses mit vie­len Strandkörben*? Nuff said!

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Dieses Foto vom wel­ken Herbstlaub fin­de per­sön­li­ch ganz anspre­chend, aber ich bezweif­le, das vie­le Kunden das ähn­li­ch sehen. Zum einen gibt es viel bun­te­re, opti­mis­ti­sche­re Bilder, um das Thema „Herbst“ zu illus­trie­ren und gera­de weil die­se Jahreszeit so regel­mä­ßig wie­der­kommt und uns foto­ge­ne Motive beschert, ist die Konkurrenz auf die­sem Gebiet zu groß, um mit so einem Bild viel Geld ver­die­nen zu kön­nen. Auch wie­der dabei: Die dunkle, unnö­ti­ge Ecke, dies­mal rechts oben.

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Bei die­ser trau­ern­den Dame als Statue sehe ich meh­re­re Probleme. Zum einen ist da das Problem, dass die Agenturen even­tu­ell einen Property Release ver­lan­gen wür­den, um auf der siche­ren Seite zu sein. Ganz rechts und unten hät­te ich das Bild dich­ter beschnit­ten, um die unnö­ti­gen schwar­zen Linien zu ver­mei­den. Und auch hier ist das Bild wie­der zu dun­kel, vor allem über dem Kopf und im Bereich des Gesichts. Das mag künst­le­ri­sch okay und gewollt sein, Bildagenturen sehen sowas jedoch nicht ger­ne.

Nach den sechs Fotos zeich­nen sich zwei Grundprobleme von Stephan ab: Zum einen sind die Bilder ins­ge­samt zu dun­kel, auch an Stellen und bei Motiven, wo es unnö­tig ist. Die Bildkäufer hin­ge­gen ste­hen auf hel­le, fröh­li­che Bilder. Auch die Motive oder die Bildwirkung selbst sind mir zu düs­ter, zu depres­siv, zu trau­rig und melan­cho­li­sch. Das kann in der Emo- und Grunge-Ecke funk­tio­nie­ren, aber die Microstock-Welt ist das genaue Gegenteil davon.

Wie wir­ken die Bilder auf euch?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 38

In – nicht ganz so – rasan­ter Folge kommt die nächs­te Folge mei­ner „Pimp My Stock!“-Serie.

Natalia schreibt:

Hallo,

Danke erst­mal für die Mühe dei­ner Webseite. Sie ent­hält vie­le Interessante Informationen und gehört zu dem pro­fes­sio­nel­len Standard eines jeden Fotographen den ich ken­ne. Daher möch­te ich mich an dich bzw. an dein Forum wen­den.

Ich habe gele­sen, dass es mög­li­ch ist, dass du kon­struk­ti­ve Kommentare zu Bildern geben kann­st.

Seit ca. 10 Jahren beschäf­ti­ge ich mit Fotographie und Videokunst sowie Film. Da ich schon oft in die­sem Bereich als Visualartist oder Dokumentarfilmer gear­bei­tet habe ken­ne ich mich gut aus. Seit ca. einem Jahr habe ich ange­fan­gen Fotos zu sam­meln bzw. zu machen um die­se zukünf­tig bei Shutterstock hoch­zu­la­den. Ziel ist es unab­hän­gig von Ort und Land zu wer­den.

Jetzt habe ich eine klei­ne Sammlung von Bild und Videomaterial und wür­de die­se ger­ne von dir bewer­ten las­sen. Ich benut­ze eine Canon 7D, eine Sony A7S und diver­se manu­el­le Objektive (von 15–300mm).

Bis jetzt habe ich kei­ne Fotos ver­kauft, da ich mich in der Vergangenheit mehr mit Videomaterial beschäf­ti­ge habe.

Ich freue mich auf Kritik. Du kann­st die Bilder ger­ne auf dei­nem Forum hoch­la­den.

Viele Grüße,
Natalia C.“

Sehen wir uns ihre Bilder mal an:

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Glas zu foto­gra­fie­ren, ist kei­ne leich­te Aufgabe und des­we­gen immer eine gern gestell­te Aufgabe in der Fotografenausbildung. Natalia meis­tert die Aufgabe ele­gant und fügt noch zwei für Stock wich­ti­gen Konzepte hin­zu: Urlaub und „gesel­li­ges Treffen“. Ersteres wird durch den über­be­lich­te­ten Hintergrund mit Palmen erreicht, zwei­tes durch die Anordnung der Gläser, wie sie an einem für eine Gruppe gedeck­ten Tisch übli­ch sind. Oben rechts ist auch viel Textfreiraum. Für mich ein gutes, ver­käuf­li­ches Stockfoto.

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Beim zwei­ten Bild mit dem Kreuz ist es nicht mehr so ein­fach. Mir gefällt der Sonnenstrahl von oben, lei­der trifft er das Kreuz nicht ganz. Außerdem len­ken Kreide- und ande­re Zeichen auf dem Kreuz ab und auch die Steintafel am Sockel füllt unnö­tig das Bild. Das alles lie­ße sich aber ein­fach retu­schie­ren. Technisch ist das Bild okay und eini­ge Verkäufe zum Thema „Religion“ sind viel­leicht drin.

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Das nächs­te Bild zeigt Kürbisse auf einem Feld. Kann man machen, die Perspektive gefällt mir, der Himmel ist schön blau, lei­der ist der Rest vom Vordergrund schon ver­trock­net. Deutlich bes­ser ver­kau­fen wür­de sich das Bild, wenn links eine Person ste­hen wür­de, wel­che den Kürbis ern­tet.

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Bei die­sem Bild ist gut zu sehen, was ein gestell­tes Foodfoto von einem „neben­bei“ auf­ge­nom­me­nen unter­schei­det. Ich ver­mu­te stark, dass das Foto beim Buffet einer Veranstaltung ent­stand, wo der Fotograf logi­scher­wei­se kei­nen Einfluss auf die Herrichtung der Speisen hat. Hier hat der Koch gespart, indem nur jeweils eine hal­be Frucht auf das Dessert gesetzt wur­de. Deutlich foto­ge­ner wäre die gan­ze Brombeere gewe­sen. Die rote Sauce wirkt links von der Frucht etwas über­strahlt. Wenn das Foto mit dem kor­rek­ten Namen des Desserts und mit „Catering“ etc. ver­schlag­wor­tet wird, kann ich mir trotz­dem eini­ge Verkäufe vor­stel­len.

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Okay, als Berliner bin ich natür­li­ch vor­ein­ge­nom­men. Aber auch nüch­tern betrach­tet gefällt mir das Bild sehr. Der über­stra­pa­zier­te Sonnenuntergang wird hier durch die Großstadt-Silhouette mit einer bekann­ten Sehenswürdigkeit auf­ge­wer­tet. Die Komposition ist sehr gelun­gen mit der Sonne hin­ter dem Turm. Irritierend ist nur der „Schatten“ auf der Kugel vom Fernsehturm, auch wenn es phy­si­ka­li­sch viel­leicht kor­rekt ist. Das wür­de ich in Photohop retu­schie­ren. Ein tol­les Stockfoto! Die Artefakte kom­men nur die die Verkleinerung und Komprimierung des Bildes für den Blog.

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Zum Thema Catering habe ich oben ja schon etwas gesagt, was auch hier gilt. Wer Essen in ein Glas drückt, bekommt viel­leicht Bonuspunkte für Kreativität, aber Abzüge bei der Stockfoto-Tauglichkeit, denn das Gericht wirkt dadurch etwas gezwängt. Auch die Metallschraube vor­ne zieht zuviel Aufmerksamkeit auf sich. Paar Verkäufe könn­ten sich den­no­ch erge­ben.

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Ein wei­te­res Catering-Foto? Ich bekom­me lang­sam Hunger. Hier fin­de ich die Bildaufteilung bes­ser gelun­gen und ich mag das bun­te, quir­li­ge Ambiente im Hintergrund. Das Thema „Catering“ und „Buffet“ kommt hier bes­ser zur Geltung als bei den ande­ren Bildern und des­we­gen hal­te ich es für ein gutes Stockfoto. Die Spitze unten links wür­de ich jedoch noch retu­schie­ren.

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Die Hände in Herzform auf dem Bauch einer Schwangeren gehö­ren zum Standardrepertoire von Portrait- und auch Stockfotografen. Das bedeu­tet aber auch, dass die Konkurrenz hier sehr groß ist und das Bild aus meh­re­ren Gründen nicht zu den Top-Motiven in die­sem Bereich gehört. Die Unterhose ist nicht schön genug und lenkt mit dem Druck etwas ab und all­ge­mein ist mir der Hintergrund zu düs­ter, um eine ver­käuf­li­che Stimmung zu erzie­len.

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Ich ver­mu­te, auf dem Bild ist ein Fotograf beim Berliner „Festival of Light“ zu sehen. Generell ist das gewerb­li­che Fotografieren bei die­sem Festival kri­ti­sch, weil die Lichtinstallationen als „tem­po­rä­re Kunstwerke“ gel­ten und damit eine schrift­li­che Erlaubnis erfor­der­li­ch ist, um die Bilder ver­kau­fen zu dür­fen. Auf dem Basecap des Mannes ist noch ein Logo zu sehen und die Neigung des Bildes ist mir zu extrem. Ich wür­de es nicht anbie­ten.

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Alte Schilder auf einem Bahnhof. Das Bild gefällt mir, weil es durch die his­to­ri­schen Schilder das Alte mit dem Neuen in Form der neo­nil­lu­mi­nier­ten Stadt ver­bin­det. Die Sprache auf den Schildern schränkt die Verwendung etwas ein und es kann auch sein, dass Property Release not­wen­dig ist, je nach­dem, wo das Foto gen­au auf­ge­nom­men wur­de. Mir gefällt es aber und ich den­ke, eini­gen Bildkäufern eben­falls.

Wer eben­falls eine ehr­li­che Meinung und Tipps zur Verbesserung sei­ner Stockfotos haben will, kann hier nach­le­sen, wie ihr kos­ten­los bei der “Pimp My Stock!”-Serie mit­ma­chen könnt.

Was meint ihr? Wie beur­teilt ihr die Bilder?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 29

Langsam stau­en sich die Einsendungen für neue „Pimp My Stock“-Folgen von meh­re­ren Monaten in mei­nem Posteingang, des­halb gibt es wie­der eine. Benni hat ganz tap­fer über ein Jahr war­ten müs­sen, aber ich hof­fe, dass ich bald wie­der weni­ger im Verzug bin. Hier sei­ne Mail:

Hi Robert,

ich wür­de ger­ne dei­ne „Pimp My Stock Beratung“ in Anspruch neh­men :). Meine Name ist Benni (best­gra­fix) und ich kom­me aus dem schö­nen Berlin. Ich foto­gra­fie­re jetzt seit ca. 2002, hat­te damals aller­dings nur mit einer Kompaktkamera foto­gra­fiert. Aber irgend­wann war mir die Qualität zu schlecht und es mus­s­te eine DSLR her.

Ich bin dann vor drei bis vier Jahren in die DSLR-Klasse gewech­selt. Mit der K100D hat alles ange­fan­gen. Ich hat­te fast alles, was Pentax so anzu­bie­ten hat­te. Bis vor einem Jahr hat­te ich mei­ne Fotos noch mit einer Pentax K5 gemacht, aller­dings war ich auch von den Kinderkrankheiten mit dem AF betrof­fen und ich bin dann schließ­li­ch bei Sony gelan­det und erfreue ich mich an der klei­nen NEX 5N und Sony Alpha A65.

Nun aber zu mei­nem eigent­li­chen Thema:)
Vor ca. zwei Wochen kam ich zufäl­lig auf das Thema Stockfotografie, da mich eine Freundin dar­auf auf­merk­sam gemacht hat­te. Ihr Bekannter ver­kauft flei­ßig Fotos bei Fotolia und ver­dient sich damit etwas neben­bei, durch die Recherche zur Stockfotografie bin ich dann auch auf dei­nen Blog gesto­ßen und fand die­sen sehr infor­ma­tiv.

Jetzt woll­te ich auch mal mein Glück ver­su­chen. Ich bin mein Archiv von die­sem Jahr durch­ge­gan­gen und habe auch ca. 150 Fotos gefun­den, die sich bestimmt ver­kau­fen lie­ßen. Diese habe ich noch etwas in Lightroom nach­be­ar­bei­tet (Kontraste, Schärfen, Entrauschen) und hoch­ge­la­den. Das mit dem tag­gen hab ich aber total unter­schätzt und das hat mich letzt­end­li­ch drei Abende gekos­tet. (Ich habe mei­ne Fotos bis­her nur nach Jahr und Titel in Ordner sor­tiert.)

Nun nach knapp einer Woche sind die Genehmigungen durch und es wur­den ca 98% der Fotos auf­grund von tech­ni­schen Mängeln abge­lehnt, das war natür­li­ch ernüch­ternd und ganz schön demo­ti­vie­rend, aber ich will ja noch nicht auf­ge­ben.

Ich möch­te damit natür­li­ch nicht mein Lebensunterhalt ver­die­nen, da ich ja noch Vollzeit arbei­te, aber ein klei­ner Zuverdienst wäre schon toll.

Ich habe frü­her mal in der Spielebranche gear­bei­tet und da benö­tigt man ja immer Texturen, von daher könn­te ich mir auch sowas vor­stel­len, die Frage ist nur, ob sich sowas bei Fotolia ver­kauft und wie die­se am bes­ten auf­be­rei­tet wer­den sol­len. Schon geka­chelt und frei­ge­stellt? Als PNG mit Alphamaske? Teuer wird man die­se sicher auch nicht ver­kau­fen kön­nen.

Für ein paar Tipps wäre ich dir äußer­st dank­bar. Sollte ich die Fotos viel­leicht doch noch woan­ders ver­kau­fen ?

Grüße,
Benni“

Bevor ich mich sei­nen Fragen am Ende der Mail wid­me, ein Satz vor­weg und dann schau­en wir uns sei­ne Bilder an:

Es ist typi­sch, dass sich Anfänger, wenn sie auf das Phänomen Stockfotografie sto­ßen, zuer­st ihren Berg alter Aufnahmen durch­fors­ten, ob sich davon etwas ver­kau­fen lie­ße. Das führt jedoch oft zu Frustrationen, weil die­se Bilder eben nicht mit dem Käufer im Hinterkopf gemacht wur­den und des­halb meist weni­ger geeig­net sind als Aufnahmen, die spe­zi­ell für Bildagenturen erstellt wur­den. Deshalb: Wer fri­sch in die Agenturfotografie ein­stei­gen will, soll­te auch mit neu­en Bildern begin­nen und nicht alte Kamellen auf­wär­men.

Nun aber zu Bennis Bildern:

Das ers­te Foto zeigt den Lenker mit Korb von einem Hollandrad. Das Bild gefällt mir gut, aber allein wegen des Logos am Rahmen des Fahrrads mus­s­te es abge­lehnt wer­den. Ich wür­de auch im Hintergrund links die­sen dunk­len „Fleck“ ent­fer­nen, weil der unnö­ti­ge Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Anbieten wür­de sich das Gegenlicht auch, um eine mensch­li­che Silhouette ein­zu­bau­en, die zum Beispiel jubelnd in die Luft springt oder ein­fach ent­spannt die Arme aus­streckt.

Das nächs­te Bild zeigt eine Tasse Tee mit Teebeutel oben drauf. Hier stört haupt­säch­li­ch, dass das Foto schwarz/weiß ist, denn es passt nicht zur war­men Stimmung, die ein Teefoto meist erzeu­gen soll. Durch die mit der Untertasse geschlos­se­ne Tasse wirkt das Bild auch nicht ein­la­dend, um das Gefühl zu erzeu­gen, gleich selbst den Teebeutel in das hei­ße Wasser tau­chen zu kön­nen.

Das Foto zeigt Wasser in einem Springbrunnen. Hier wirkt das Bild zu unru­hig, die Wassersäulen links sind zu domi­nant und ins­ge­samt zeigt das Bild ein­fach kei­nen „Klischee-Brunnen“, mit dem man das Thema „Brunnen“ illus­trie­ren wol­len wür­de.

Hmm, lecker! Das war mein ers­ter Gedanke beim Anblick der vie­len Desserts auf einem Buffet oder einem Catering und gen­au die­sen Eindruck müs­sen gute, ver­käuf­li­che Food-Fotos erzeu­gen. Insofern ein gelun­ge­nes Foto für Bildagenturen. Leider ist unten am Tischrand deut­li­che chro­ma­ti­sche Aberration erkenn­bar, die retu­schiert wer­den müss­te. Auch der klei­ne Blätterzipfel der Physalis unten rechts könn­te retu­schiert wer­den. Bei dem Motiv wür­de sich der Aufwand aber loh­nen.

Das nächs­te Food-Foto vom Rührei mit Speck ist lei­der nicht mehr so gelun­gen. Deutlich ist zu sehen, dass das ein­fach eine Mahlzeit im Restaurant oder Hotel ist, die vor dem Verzehr foto­gra­fiert wur­de und wo nicht auf das „Drumherum“ geach­tet wur­de. Es stö­ren die rote Tasse mit ihrer domi­nan­ten Farbe im Hintergrund, die ein­zel­ne Traube lenkt ab, der aus­ge­drück­te Teebeutel sieht nicht foto­gen aus und der Zuckerstreuer passt nicht bei die­sem herz­haf­ten Gericht. Wenn wir uns das alles weg­den­ken und gedank­li­ch etwas grü­nen Schnittlauch oder Petersilie auf dem Rührei dra­pie­ren, wäre es ein gutes Stockfoto. Kein sehr gutes, aber akzep­ta­bel. So könn­te das Ergebnis* dann aus­se­hen…

Auf die­sem Bild sind geroll­te Servietten zu sehen, wie sie bei Veranstaltungen genutzt wer­den. Das Foto wür­de sich gut als Symbolfoto für Catering-Firmen, Restaurants oder Hotels eig­nen. Ich hät­te jedoch etwas mehr Schärfentiefe ver­wen­det und eine Perspektive gewählt, bei der rechts oben nicht so viel grün erkenn­bar ist. Außerdem gilt es auch hier wie­der, auf even­tu­el­le chro­ma­ti­sche Aberrationen beim Glas zu ach­ten. Ansonsten aber ein ganz brauch­ba­res Stockfoto.

Dieses Foto zeigt auf den ers­ten Blick einen idyl­li­schen Bootssteg und vom Motiv her ist es ein gutes Stockfoto. Ich wür­de jedoch die Sättigung etwas rauf­dre­hen, die Schatten mehr auf­hel­len , mehr Zeichnung in den Himmel brin­gen (Fake-HDR). Die chro­ma­ti­schen Aberrationen oben an den Baumgipfeln müs­sen eben­falls ent­fernt wer­den.

Das Strandfoto mit Palmen ist wie­der zu unru­hig. Außerdem ist die Form der Palmen nicht typi­sch genug und die wei­ßen Kästen unter den Palmen irri­tie­ren. Eventuell könn­te das Foto mit einem qua­dra­ti­schen Beschnitt geret­tet wer­den, bei dem das Meer in der Bildmitte lie­gen wür­de.

Bilder in einer Disko oder ande­ren dunk­len Umgebung sind immer eine Herausforderung. Hier ist lei­der nichts rich­tig scharf (die Diskokugel hät­te sich ange­bo­ten) und somit wird das Foto kaum durch eine Bildredaktion kom­men. Das Motiv ist zwar nicht auf­re­gend, aber ich könn­te mir den­no­ch eini­ge Verkäufe zum Thema Veranstaltungstechnik  etc. vor­stel­len.

Insgesamt ist die Bildqualität (bis auf die chro­ma­ti­sche Aberration) schon sehr gut, der foto­gra­fi­sche Blick ist da, jetzt muss er nur noch mit den „Gestaltungsregeln für Stockfotos“ (sie­he das Kapitel 4 in mei­nem Buch „Stockfotografie“*) trai­niert wer­den.

Zu den Fragen der Mail: Ja, Texturen sind sehr gefragt und ver­kau­fen sich auch gut, jedoch ist die Konkurrenz in die­sem Bereich sehr hoch. Wer kachel­ba­re (seam­less) Texturen anbie­ten kann, hat einen klei­nen Vorteil. Zu Exklusivität bei einer Bildagentur wür­de ich auch nicht mehr raten, wie ich erst kürz­li­ch hier dar­ge­legt habe.

Wer selbst Fotos für eine „Pimp My Stock!“-Folge ein­rei­chen will, fin­det hier alle Teilnahmebedingungen.

Was sagt ihr zu den Fotos? Stimmt ihr mit mei­ner Einschätzung über­ein?

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