Fortsetzung meines Preiserhöhung-Tests bei Fotolia

Am ers­ten März hat­te ich ein Experiment gewagt.

Ich hat­te zwei mei­ner Bestseller-Fotos bei Fotolia vom Startpreis mit 1 Credits auf 2 Credits gesetzt. Damit woll­te ich sehen, wel­chen Effekt der damit dop­pel­te Preis für das Kaufverhalten der Bildsucher hat.

Über die ers­ten Ergebnisse habe ich hier im Blog berich­tet.

Am Test gab es in den fol­gen­den Kommentaren vor allem zwei berech­tig­te Kritikpunkte. Erstens war die getes­te­te Bildmenge nicht groß genug (mein Portfolio ist ja zum Verkaufen, nicht zum Experimentieren da) und zwei­tens hat­te ich als ers­ten Monat der Preiserhöhung den März gewählt, der jedoch bei fast allen Fotografen immer mit Abstand der bes­te Monat ist, was die Ergebnisse hät­te ver­zer­ren kön­nen. Außerdem wur­de ver­mu­tet, dass vie­le Bildkäufer das Bild schon in ihrer Lightbox gehabt haben könn­ten und dann trotz des höhe­ren Preises gekauft haben und das ansons­ten viel­leicht nicht getan hät­ten.

Deshalb habe ich mir die Zahlen jetzt, nach drei wei­te­ren Monaten mit dem höhe­ren Startpreis noch mal ange­schaut, die Auswertung erfolg­te wie­der mit Stock Performer:

Hier das ers­te Bild. Die blau­en Balken bezeich­nen die Umsätze mit dem Foto, die rote Linie zeigt die Verkäufe an. Jeder Balken weist einen Monat aus, dem­nach ist der drit­te dun­kel­blaue Balken der Monat März. Im März, dem Monat der Preiserhöhung, sind sowohl Umsätze als auch Verkäufe deut­li­ch gestie­gen. Die nächs­ten drei Monate sahen jedoch – wie mei­ne Leser rich­tig ver­mu­tet haben – ganz anders aus. Die Verkäufe gin­gen merk­li­ch zurück, sta­bi­li­sie­ren sich gera­de aber wie­der. Das wich­tigs­te jedoch ist: Die Umsätze sind trotz der Preiserhöhung wei­ter­hin über den Umsätzen mit dem 1-Credit-Startpreis geblie­ben.

Ähnlich sieht es bei dem zwei­ten Testbild aus:

Die Verkäufe sind nach der Preiserhöhung gefal­len, sta­bi­li­sie­ren sich aber wie­der. Die Umsätze lagen aber eben­falls höher als vor der Preiserhöhung.

Das Resultat? Wer die Preise sei­ner Bilder erhöht, wird unter dem Strich weni­ger Verkäufe haben, aber trotz­dem etwas mehr Einnahmen. Den Einfluss der Verkäufe auf das Ranking und den Suchalgorithmus, den ich im ers­ten Test-Artikel beschrie­ben habe, soll­te man bei sei­ner Entscheidung für oder gegen eine Preiserhöhung jedoch berück­sich­ti­gen.

Soweit alles klar? Leider nicht ganz. Hier ist die Ansicht eines ähn­li­chen Fotos aus der Serie, wel­ches sich eben­falls ganz gut ver­kauft und wo ich den Startpreis auf 1 Credit gelas­sen habe:

Wie ihr seht, fla­chen auch hier ab März ganz leicht die Verkäufe ab, wenn auch nicht in dem Maße wie bei den bei­den teu­re­ren Fotos. Der Umsatz jedoch ist seit März (eigent­li­ch ab Januar schon) stark gestie­gen und hat sich mehr als ver­dop­pelt. Woran liegt das? Ich kann nur raten. Im Juni hat Fotolia die Preise unter ande­rem bei mir wegen mei­nes Smaragdt-Status für grö­ße­re Bildgrößen um ca. 20% ange­ho­ben, was den star­ken Ausschlag im Juni erklä­ren könn­te. Vielleicht haben auch die Bildkäufer auf güns­ti­ge­re Bilder der glei­chen Fotoserie umge­schwenkt? Es blei­ben noch eini­ge Fragen offen.

Für mich bleibt immer­hin die Feststellung, dass höhe­re Bildpreise im Schnitt mehr Einnahmen, aber weni­ger Verkäufe brin­gen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Preisänderungen gemacht?

10 Gedanken zu „Fortsetzung meines Preiserhöhung-Tests bei Fotolia“

  1. Als es den gan­zen Microstockwahnsinn noch nicht gab, haben wir Macrostockagenturen jedes Jahr die Preise erhöht. Mit dem immer glei­chen Ergebnis. Ein paar Verkäufe weni­ger, aber deut­li­ch mehr Umsatz. Warum? Weil sehr vie­le Kunden gen­au das eine Bild haben wol­len und da kommt es meis­tens nicht dar­auf an, ob es 329 oder 369 Euro kos­tet. Kunden, denen es dar­auf ankam, hat­ten schon immer Abos oder Rahmenvereinbarungen mit gro­ßen Bildagenturen.
    Deshalb wür­de ich Dir raten, mit den Preisen so weit nach oben zu gehen, wie es Dir erlaubt ist. Du wirst die glei­che Erfahrung machen wie bis­her. Und sei­en wir uns ehr­li­ch: Ob es einen, zwei oder drei Euro kos­tet, das Bild wird dem Kunden bei die­sen Preisen in allen drei Fällen so gut wie geschenkt.

  2. Ich habe ähn­li­che Erfahrungen bei Istock gemacht. Ich bin dort exclu­siv. Istock hat die­ses Jahr 2x hin­ter­ein­an­der die Preise erhöht. Vor allem für die klein­s­te Größe, die sich am meis­ten ver­kauft hat. Ich habe dana­ch einen kom­plet­ten Einbruch der kleins­ten Größe beob­ach­tet. Einige Zeit dar­auf wur­de mehr klei­ne und mitt­le­re Größen gekauft und auch eini­ge klein­s­te Größen kamen wie­der. Vergleichsweise stie­gen auch die Verkäufe in den gro­ßen Größen. Insgesamt habe ich weni­ger DLs aber mehr Einnahmen.

  3. Hallo Robert,

    inter­es­sant wäre auch noch ein Versuch wo du ein paar Fotos von 1 Credit auf 3 Credits hoch­setzt.
    Würde mich mal inter­es­sie­ren ob die Umsätze dann auch noch stei­gen. Ich den­ke jeden­falls schon.

    Schöne Grüße
    Daniel

  4. Ich kann da Gerald Staufer zustim­men. Dieses Phänomen wird sich nicht auf euf eine Agentur begren­zen, son­dern durch alle gehen, unab­hän­gig von Micro und Macro.
    Ich habe alle drei Preismodelle lau­fen 1,2 und 3 Credits und mache exakt die­se Erfahrung. Downloads gehen zurück, Revenue steigt. Ich habe pro Monat das drei bis vier­fa­che an Revenue gegen­über den Dl’s.
    Meine Preise gestal­te ich in anleh­nung an das Angebot der Mitbewerber. Habe ich Fotos bei denen das Angebot durch Mitbewerber begrenzt, oder qua­si gar­nicht vor­han­den ist, kos­ten die Fotos 3 Credits. Standard sind bei mir 2 Credits und in Themenbereichen, in denen sich zahl­rei­che Mitbewerber tum­meln, ist der Preis auf 1 Credit gesetzt.

    Damit fah­re ich ganz gut! Somit ist Deine Asuwertung für mich eher nicht überr­schend, son­dern bestä­tigt mich in mei­ner Entscheidung die­sen Weg gewählt zu haben!

  5. Hier mal eine Stock Performer Auswertung eines mei­ner Fotos auf 3-Credits:

    [img]http://www.derpressefotograf.de/fotos/AuswertungenMicrostock/StockPerformer3credits.jpg[/img]

  6. Habe mich da vor­hin etwas ver­zwickt aus­ge­drückt. Es soll­te bei „Ich habe pro Monat das drei bis vier­fa­che an Revenue gegen­über den Dl’s“ noch hei­ßen der 1 Credits-Bildern.

  7. Wenn man bereits einen hohen Bildbestand bei einer Microstock-Agentur online hat, mache selek­ti­ve Preiserhöhung durch­aus Sinn um den Verdienst zu erhö­hen.

    Wenn man aber noch in den unte­re Provisionsregionen her­um­kämpft, braucht man für die nächs­te Honorarstufe meist höhe­re Verkaufszahlen. Da macht eine Preiserhöhung vor­er­st weni­ger Sinn.

    Ist also alles rela­tiv und vom Einzelfall abhän­gig.

    Schönen Gruß
    Bernd

  8. Hmm, also ich hab schon seid ich kann alle Bilder auf 2 Credits…alle aus­ser die, die Fotolia auto­ma­ti­sch auf 1 Credit run­ter­setzt, nach­dem sie sich nicht ver­kauft haben…

    Ich weiss ja nicht, ob ich mehr ver­kau­fen wür­de, wenn ich alle Bilder auf 1 Credit las­se – aber zumin­dest kann ich auch nicht behaup­ten, dass sich Bilder plötz­li­ch ver­kau­fen, nur weil Sie 1 Credit statt 2 kos­ten…

  9. In dem Zusammenhang mit Preiserhöhungen emp­feh­le ich einen Artikel aus der aktu­el­len Wirtschaftswoche. Dort wird in einem sehr inter­es­san­ten Artikel beleuch­tet, wie durch Preiserhöhungen der Gewinn gestei­gert wer­den kann. Als Beispiel wird genannt, dass eine 5%ige Erhöhung im Preis eines Produktes oder Dienstleistung einen sehr viel höhe­ren Einfluss auf den Gewinn hat, als eine Steigerung der ver­kauf­ten Güter um den sel­ben Prozentsatz. Oder kurz: höhe­re Preise = effi­zi­en­ter als mehr Verkäufe…

  10. Ich habe auch alle Preise so hoch wie mög­li­ch.

    Roberts Argument mit meh­re­ren Verkäufen bei güns­ti­ge­ren Bildern wegen des Weiterkommens im Ranking ist rich­tig und über­le­gens­wert.

    Ich fürch­te aber dass irgend­wann ohne­hin alle auf einen Durchrechenzeitraum von z.B. ein Jahr so wie es bereits I-Stock oder etwas anders aus­ge­legt von Bildmaschine prak­ti­ziert wird. Oder die Honorare wer­den pau­schal wie­der abge­senkt. Alles ande­re ist mit­tel­fris­tig für die Agenturen nicht finan­zier­bar.

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