Sie sind Fotograf? Können sie davon leben? (Gastartikel)

Jeder, der selb­stän­dig oder Freiberufler ist und nicht gera­de Arzt oder Rechtsanwalt, wird die­se Frage schon mal gehört haben: „Kannst du von dei­ner Arbeit leben?“ Ich höre das stän­dig. Deshalb fand ich es gut, dass sich Gisela Enders die­ser Frage ange­nom­men hat und heu­te erklärt, was dahin­ter steckt.

Gisela ist nicht irgend­je­mand. Doch dafür muss ich kurz aus­ho­len. Vor mei­ner Selbständigkeit habe ich trotz­dem unzäh­li­ge Jobs gehabt, Zeitungsausträger, Nachhilfelehrer, Pressesprecher, in einer Wäscherei, im Baumarkt, in einer Drogerie und so wei­ter. Dabei hat­te ich eben­so vie­le Chefs. Gisela war für fast zwei Jahre mei­ne Chefin bei der BUNDjugend, wo ich zusam­men mit einem Haufen jun­ger, idea­lis­ti­scher und lern­fä­hi­ger Leute mei­nen Zivildienst geleis­tet habe.

Gisela war – bei allem Respekt vor den ande­ren Chefs – mei­ne beein­dru­ckends­te Chefin, weil sie es geschafft hat, uns jun­gen Leuten das Gefühl zu geben, dass wir etwas kön­nen. Sie leg­te viel Wert dar­auf, sich und uns wei­ter­zu­bil­den, auf selb­stän­di­ge Arbeit und konn­te einen so moti­vie­ren, dass selbst der Küchendienst eine Freude war.

Deshalb wun­dert es mich nicht, dass sie sich mitt­ler­wei­le als Beraterin für Existenzgründungen und Veränderungen in Berlin selb­stän­dig gemacht hat. Wer wis­sen will, was sie macht, fin­det hier ihre Webseite.

Los geht:

—–ab hier schreibt Gisela Enders —-

Foto: Frollein Schmitt

In mei­ner Arbeit mit Gründern wird mir immer wie­der berich­tet, dass sie mit der Frage „Und, kön­nen Sie denn davon leben?“ kon­fron­tiert wer­den, die sie als sehr abschät­zig bewer­ten.
Ich kann mich selbst noch an den Beginn mei­ner Selbständigkeit gut erin­nern und dar­an, wie die Frage mich zu Beginn getrof­fen hat. Damit dies mög­lichst weni­gen pas­siert, will ich mei­ne Gedanken zu die­ser Frage ger­ne ein wenig aus­füh­ren.

Wann wird die Frage über­haupt gestellt? Ja, meist nicht, wenn man nur sei­ne Berufsbezeichnung gesagt hat, son­dern wenn man auch etwas dar­über erzählt hat, dass man sich selb­stän­dig gemacht hat und sein eige­ner Chef ist. Dass man sei­ne Aufträge selbst akqui­riert und ein bestimm­tes Produkt oder eine Dienstleistung anbie­tet. Je frü­her man im Status der Selbständigkeit ist, umso mehr schwin­gen eher Pläne als Realitäten mit. Ein tol­les Einfallstor – um mit der Frage „Und davon kann­st Du leben?“ alle eige­nen Zweifel hoch­zu­brin­gen. Aber auch in spä­te­ren Phasen der eige­nen Unternehmung wird die Frage immer wie­der gestellt. In mei­ner Wahrnehmung pas­siert das häu­fi­ger denen, die eine Dienstleistung anbie­ten als jenen, die wenigs­tens ein hand­fes­tes Produkt vor­wei­sen kön­nen. Da hat­te ich neu­li­ch eine Fotografin, die mit ihren Fotos deut­li­ch mehr ver­dient, als sie dies als Angestellte je rea­li­siert hat. Und sie war empört über die Frage, weil sie es – nach einem anre­gen­den Gespräch über ihre ver­schie­de­ne Angebote – als eine Entwertung ihrer Arbeit, ja als Unverschämtheit, ver­stan­den hat.

Wir reden in Deutschland wenig über Gehälter und wenn jemand ange­stellt arbei­tet, wird sel­ten in Frage gestellt, dass die­se Person davon (irgend­wie) leben kann. Derweil sind es oft gera­de die Angestelltenverhältnisse, die mit nied­ri­gen Gehältern und einem hohen zeit­li­chen Einsatz daher­kom­men. Dennoch wür­den wir es als grenz­über­schrei­tend und indis­kret ver­ste­hen, wenn wir nicht nur nach der Gehaltshöhe fra­gen wür­den, son­dern auch gleich in Frage stel­len wür­den, dass man davon leben kön­ne.

Warum wird Selbständigen also die­se Frage so oft gestellt? Leider ist man als Betroffene/r in die­ser Situation oft so baff, dass man sich nicht traut zurück­zu­fra­gen, was die Motivation für die­se Frage ist. Und ich bin sicher, dass die­se Motivation viel­schich­tig und auf den ers­ten Blick selbst dem Fragenden nicht unbe­dingt zugäng­li­ch ist. Ich habe mir schon vie­le Gedanken auch mit Klienten dazu gemacht, ein­fach um zu sehen, wel­che Bedeutungsgebung man die­ser Frage jeweils geben mag.

Sachorientiert könn­te der Anlass der Frage ein Interesse am wirt­schaft­li­chen Konzept hin­ter der Unternehmung dar­stel­len. Also bei einem Fotografen mög­li­cher­wei­se die Frage, wie und an wel­cher Stelle man mit Fotos Geld ver­die­nen kann, was ja für Außenstehende eine mög­li­cher­wei­se berech­tig­te Frage ist. Bleibt aller­dings offen, war­um gleich in Frage gestellt wird, dass man davon leben kön­ne. Dennoch gibt es sicher­li­ch eini­ge Gründergeschichten, bei denen sich das wirt­schaft­li­che Konzept dahin­ter nicht erschließt – von daher kann die­se Neugierde durch­aus sei­ne Berechtigung haben. Diese Neugierde wird sicher­li­ch auch noch durch weni­ge Informationen zu Gründern und den Start in die Selbständigkeit gespei­st. Wir ken­nen uns rela­tiv gut aus, was Tarifgehälter angeht, wir haben gro­be Einschätzungen, wie viel man in wel­chem Berufszweig ange­stellt ver­dient. Entsprechend mei­nen wir, nicht nach­fra­gen zu müs­sen (zumal die Frage nach der Gehaltshöhe in Deutschland eher ver­pönt ist). Obwohl sich auch im Angestelltenbereich viel ver­än­dert und es mitt­ler­wei­le durch­aus zu pre­kä­ren Gehältern kommt, die jen­seits der mini­ma­len Lebenshaltungskosten so gut wie kei­ne Sprünge mehr erlau­ben. Bei Selbständigen wis­sen vie­le nicht, wie viel übli­cher­wei­se ver­dient wird und wie viel übrig bleibt, nach Abzug aller Kosten. Und zuge­ge­ben, nicht vie­le Selbständige las­sen sich hier in die Karten schau­en. Allerdings ist mög­li­cher­wei­se die Frage „Können Sie davon leben“ nicht die geeig­ne­te Form, um ver­trau­ens­voll Informationen zur wirt­schaft­li­chen Situation des Gesprächspartners zu erhal­ten.

In der Frage kann aber auch eine Ich-Botschaft ste­cken, beson­ders bei denen, die sich schon immer ger­ne ein­mal selb­stän­dig gemacht hät­ten, sich aber nicht trau­en, die­sen Schritt zu gehen. Da ist eine vage Antwort oder das Eingeständnis von wirt­schaft­li­chen Schwierigkeiten doch eine will­kom­me­ne Rückversicherung. Die eige­ne ängst­li­che Seite kann sich bestä­tigt zurück­leh­nen und wei­ter dar­auf behar­ren, schön brav ange­stellt wei­ter­zu­ar­bei­ten. Kein Anlass, die eige­ne Situation zu hin­ter­fra­gen oder nei­di­sch zu wer­den.
Neid kann sich auch aus dem bis­he­ri­gen Gespräch erge­ben. Da wur­de berich­tet von vie­len neu­en Herausforderungen und von der Leidenschaft, sich mit etwas selb­stän­dig zu machen, wofür man brennt. Von auf­re­gen­den neu­en Kontakten und der Freiheit eige­ne Entscheidungen zu tref­fen und die eige­ne Zeit frei ein­zu­tei­len. Und und und… Da ist doch aus der Sicht des Angestellten – davon sind immer­hin 85% mit ihrem Job unzu­frie­den – doch mal eine klei­ne Frage nach dem Haken an der Sache erlaubt.

Dann gibt es da auch die Du-Botschaft, die ten­den­zi­ell am ehes­ten gehört wird. Hier steckt Zweifel an der neu­en Unternehmung des Gesprächspartners drin. Es wird in Frage gestellt, dass der ande­re von sei­nem Geschäft leben kön­ne. Damit wird auch das gan­ze Konzept in Frage gestellt, denn kein Selbständiger macht sich selb­stän­dig ohne die Absicht, davon leben zu kön­nen. Alles ande­re ist ein Hobby.
Auf die­sem Fuß erwischt, ent­fal­tet die Frage ihre gan­ze ver­un­si­chern­de Kraft. Und es kann im schlimms­ten Fall so ver­un­si­chernd sein, dass man tat­säch­li­ch an sei­nem Plan zu zwei­feln beginnt und dar­über nach­denkt, sich doch mög­lichst bald wie­der eine Stelle zu suchen. Oder es kann einem wenigs­tens den Tag ver­sau­en. Aber es könn­te auch wütend machen. Über eine unver­schäm­te Frage.

Um demo­ti­vie­ren­de Wirkungen abzu­schwä­chen, hal­te ich es für die Befragten sehr sinn­voll, die mög­li­chen viel­fäl­ti­gen Motivationen der Frage in den Blick zu rücken, mög­li­cher­wei­se nach­zu­fra­gen oder sogar deut­li­ch zu machen, dass man sich auf die Bedeutung der Herabwürdigung nicht ein­las­sen will. Oder kurz und pau­schal zu ant­wor­ten und sich nur mit den eige­nen Gedanken zur eige­nen Bedeutungsgebung zu beschäf­ti­gen – denn das bestim­men immer noch wir sel­ber, wie wir dar­über nach­den­ken. Meine Lieblingsantwort habe ich von einer befreun­de­ten Fotografin gehört. Sie sagt, wenn die Frage kommt, schaue sie neu­gie­rig und kri­ti­sch an sich run­ter und stel­le fest: „Ich glaub, ich bin nicht tot!“

Ich wür­de mich freu­en, wenn mei­ne Gedanken auch dazu füh­ren, dass der eine oder die ande­re Fragende über sei­ne ganz eige­nen Motivationen bei die­ser Frage nach­denkt. Verbunden mit neu­en Möglichkeiten, die­se spe­zi­fi­sche Motivation in eine kla­re Frage zu packen oder viel­leicht auch ein­fach zu schwei­gen?

Gisela Enders

33 Gedanken zu „Sie sind Fotograf? Können sie davon leben? (Gastartikel)“

  1. Nach fast 30-jähriger Selbständikeit – frü­her Studio für Portraits und Reportagen, dann in der Stockfotografie (unter der sich ja nie­mand etwas vor­stel­len kann) – bekam ich die­se Frage xxx­mal gestellt. Am Anfang nervt es, dann habe ich begon­nen mit einem süf­fi­san­ten Lächeln „in mei­nem Alter sind die Ansprüche nicht mehr so hoch“ zu ant­wor­ten.

    Viel mehr hat mich aber gestres­st als ich, kurz nach­dem ich mein Studio eröff­net hat­te, an einem Nachmittag unter der Woche ins Schwimmbad ging und prombt gese­hen wur­de. „Natürlich jetzt als Selbständiger kann er unter der Woche baden gehen“! Das ich jedes Wochenende mit Hochzeiten, Erstkommuinonen, Weihnachtsbildern ver­bracht habe, hat ja nie­mand gese­hen. Aber auch dar­auf habe ich mei­ne Standardantwort gefun­den: „Selber schuld wenn Du das nicht kann­st. Hättest Du was bes­se­res gelernt!“. Dann ist schnell Ruhe.

  2. Die Frage ist der ulti­ma­ti­ve Test für die eige­ne Eignung zu einer Selbständigkeit. Reagiert der Befragte inner­li­ch zu emo­tio­nal, soll­te er an sich selbst arbei­ten und sei­ne Eignung über­den­ken. So eine Frage muss ein­fach igno­riert wer­den. Adiós, fremd­ge­nähr­te Selbstzweifel.

    Ansonsten den­ke ich, die Ich-Botschaft über­wiegt deut­li­ch. Viele Leute wären ger­ne Ihr eige­ner Chef, füh­len aber, dass ihnen das not­wen­di­ge fach­über­grei­fen­de Talent fehlt, wel­ches die Selbständigkeit erfor­dert. Zudem wird der Frager auch nicht gera­de mit Informationen über Einnahmen von Selbständigen über­häuft. Die greif­ba­ren Medien berich­ten all­zu ger­ne eher über das Scheitern als über die Erfolge; und natür­li­ch schei­tern auch vie­le Neugründungen in den ers­ten Jahren.

    Speziell im Bereich Fotografie – sowie in ande­ren krea­ti­ven Bereichen – fehlt aber auch die Wertschätzung an den Arbeiten. Wie der Strom aus der Steckdose kommt, ste­hen die Bilder ein­fach in der Zeitung. Berechtigt zu fra­gen: Wer zahlt für sowas?
    Die Häufigkeit die­ser Frage nimmt auch pro­por­tio­nal zur Verbreitung der Digicams zu. Heute ist jeder „ambi­tio­nier­ter Amateur“, wenn er auch nur eine Kompakte besitzt. Fotografieren ist schön ein­fach gewor­den: Nur aufs Knöpfchen drü­cken. 😉

  3. Bei mir wird oft gesagt: „Du hast es gut, Du arbei­test ja als Fotograf fest ange­stellt beim Bund! Da ver­dient man ja genug.“ Mitnichten kann ich da nur ant­wor­ten. Ich habe frü­her als Selbstständiger brut­to min­des­tens drei Mal so viel ver­dient.

    Und wäh­rend die Kollegen (Soldaten und Beamte) zumin­dest die Möglichkeit haben, mal eine Stufe höher zu stei­gen, muss man als zivi­ler Mitarbeiter nur nei­di­sch zuschau­en.

    Kann man davon leben?“ Diese Frage habe ich noch nie gehört, seit ich ange­stellt bin. Wohl aber als selbst­stän­di­ger. Ich wür­de dar­auf ant­wor­ten „Nein, kann man nicht. Darum arbei­tet mei­ne Frau ja auch noch mit.“

    Und dar­um habe ich mir jetzt mit zwei Kollegen zusam­men ein Gemeinschaftsstudio ein­ge­rich­tet. Wetten, dass jetzt die Frage „Kann man denn davon leben?“ wie­der häu­fi­ger gestellt wird? 😉

  4. Wenn jeman­dem so eine Frage gestellt wird, heisst das ja wohl, dass er wie ein Penner auf­tritt.
    Ich kann auch gar­nicht nach­voll­zie­hen wie­so die­se Frage ein Problem für den Befragten ist.

  5. Ergänzung:
    Mein Denken ist bestimmt dem frem­den Kulturkreis zu ver­dan­ken. Ich lebe in Spanien

  6. Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen…

    Mindestens ein Teil des Problems liegt ja immer auch beim „Empfangenden“, d.h. wie inter­pre­tie­re ich eine Frage? Wer eine posi­ti­ve Einstellung hat, wird stolz ant­wor­ten kön­nen „Ja sicher“ und nur wer sel­ber das Haar in der Suppe sucht, sieht in der Frage einen nega­ti­ven Aspekt.

  7. Wenn ich erzähle,dass ich schon wie­der Fotos ver­kauft habe,dann ern­te ich immer wie­der erstaun­te Gesichter 🙂 Wenn ich jetzt noch davon leben wür­de, wäre der Schock wohl groß. Wie so oft kommt es aber auf den Ton an,wie jemand fragt.

  8. Meine Standardantwort auf die­se immer wie­der­keh­ren­de Frage ist: „Nein, ich mach das nur als Hobby“. Schon die Frage an sich lässt auf dar­auf schlie­ßen, dass der Fragende eigent­li­ch gar nicht wirk­li­ch an einer sach­li­chen Antwort inter­es­siert ist, son­dern eher eine Abgrenzung voll­zieht. Ander wäre es, wenn jemand fragt: Und wie kann man davon leben, wie funk­tio­niert das, etc?“

  9. Über den Grund die­ser Frage habe ich mir bis­her noch nie so wirk­li­ch Gedanken gemacht. Ich fin­de sie immer nur ziem­li­ch dane­ben, weil ich dabei das Gefühl habe, mich für mei­ne Arbeit recht­fer­ti­gen zu müs­sen! Als ob es etwas Verwerfliches sei, sei­ne Leidenschaft zum Beruf zu machen. Nur, weil jemand ande­res sich das nicht traut.

    Interessant ist es aber schon, dass die­se Frage über­haupt gestellt wird. Kennt jemand den Spruch: „Wo ein Arzt ist, ist auch ein Kranker“? Wenn auf einer Party ein Arzt anwe­send ist – pri­vat, nicht im Dienst – kommt garan­tiert irgend­wann jemand in die „Sprechstunde“ und hät­te ger­ne einen fach­li­chen Rat. Obwohl heut­zu­ta­ge vor allem bei Hausärzten die Frage „kann­st du davon leben?“ durch­aus auch berech­tigt wäre… Zu mir ist jeden­falls noch nie jemand gekom­men und hat mich nach Tipps für bes­se­re Fotos gefragt! Und der Bedarf wäre enorm! Vielleicht soll­te man mit einer Gegenfrage ant­wor­ten?

    Ich weiß nicht, ob sich die Fragenden sel­ber immer dar­über im Klaren sind, wie abwer­tend die­se Frage eigent­li­ch ver­stan­den wer­den kann. Viele hal­ten das viel­leicht nur für ganz nor­ma­len Smalltalk. Am Ende den­ken eini­ge sogar noch, es sei höf­li­ch, zu fra­gen. Ich weiß es nicht.

    Da die­se Frage sicher immer wie­der auf­tau­chen wird, sind ein paar gute Antworten im Hinterkopf auf jeden Fall sehr viel Wert! Und davon habe ich jetzt noch ein paar mehr. Danke für die Anregung!

  10. Wie sag­te es tref­fend Bokelberg: Die Fotografie ist in der Hand von Amateuren, lei­der ist es unum­kehr­bar.

    Besser kann man es nicht sagen, man sieht es deut­li­ch!

  11. @ Max Wuterich
    Deine Aussage erschliesst sich mir genau­so­we­nig wie die blö­de Frage, ob man davon leben kann.

  12. Amateur“ heißt auf Deutsch nichts ande­res als „Liebhaber“. Das ist ja per se nichts schlech­tes, oder? Ich lie­be auch, was ich mache, ansons­ten wür­de ich das gan­ze Drum und Dran mit Buchführung und Steuererklärungen etc. kaum ertra­gen.

    Wenn man sich die Internetseiten man­cher Profifotografen anschaut, kann man auch gewal­tig die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen. Dagegen sind man­che Fotos ambi­tio­nier­ter Hobbyfotografen um Längen bes­ser!

    Klar sind Hobbyfotografen, die neben­bei mal ein paar ihrer Werke in Bildagenturen zum Verkauf anbie­ten, eine ech­te Bedrohung für die, die davon leben wol­len oder müs­sen. Jedes von einem „Hobbyisten“ ver­kauf­te Foto schmä­lert schließ­li­ch den Gewinn derer, die damit ihren Lebensunterhalt ver­die­nen. Andererseits, wenn die­se Hobbyfotos wirk­li­ch so schlecht wären, wür­de sie ja nie­mand kau­fen, oder?

  13. @Max Wuterich: Können sie das wirk­li­ch? Das steht auf den Seiten sel­ten drauf. Manch einer macht das ja viel­leicht auch nur neben­be­ruf­li­ch, weil er/sie eben nicht davon leben kann. Oder jemand, der gera­de erst anfängt, kann meist auch noch nicht gleich davon leben.

    Um bei den Übersetzungen zu blei­ben: „Profi“ kommt von „Profession“ und das bedeu­tet ja nichts ande­res als „Beruf“. Also jeder, der die Fotografie zu sei­nem Beruf gemacht hat, kann sich Profi nen­nen. Aber genauso, wie es gute und schle­che Bäcker gibt, gibt es auch gute und schlech­te Berufsfotografen. Über „Qualität“ sagt das ja gar nichts aus. Das woll­te ich damit zum Ausdruck brin­gen. Das Zitat, dass Du auf­ge­schrie­ben hast, impli­ziert irgend­wie, dass „Amateur“ gleich­be­deu­tend ist mit „schlecht“ und „Profi“ mit „gut“. Das kann man so pau­schal aber nicht sagen. Insofern fin­de ich das Zitat etwas merk­wür­dig und fra­ge mich, was Herr Bokelberg damit zum Ausdruck brin­gen will? Wenn man sel­ber gute Arbeiten ablie­fert – und das wür­de ich Herrn Bokelberg schon unter­stel­len – braucht man sich doch von „Amateuren“ nicht bedroht zu füh­len. Neid und Missgunst kom­men doch nur auf, wenn man an sich selbst und sei­ner eige­nen Arbeit zwei­felt, oder sehe ich das fal­sch? Das heißt nicht, dass man über jede Kritik erha­ben sein soll­te, aber ein gesun­des Maß an Selbstvertrauen soll­te man schon mit­brin­gen, wenn man in der Selbstständigkeit über­le­ben will. Sich über die böse Welt zu bekla­gen bringt einen jeden­falls nicht wei­ter und ändert an der Situation auch nichts.

  14. @Olaf Pokorny: Leider spielt der Preis eine ent­schie­de­ne­re Rolle als die Qualtität eines Bildes. Heute kann jeder, der in der Lange ist eine Kamera ein­gi­ger­ma­ßen gera­de zu hal­ten, ein brauch­ba­res Foto pro­du­zie­ren.

    Amateure machen soet­was in der Regel. Profis arbei­ten ziel­ge­rich­tet auf Kundenwunsch. Die gro­ßen Profiteure des neu­en Bildermarktes sind der­zeit die Programmierer – nicht die Fotografen.

    Um hier mal auf die Fragestellung „kann­st Du davon leben“ zu kom­men – die Frage kommt ja wohl nur auf wenn jemand davon lebt, kein Mensch kommt doch auf die Idee einen Bäcker zu fra­gen, daher kann das nur als eine rein rhe­to­ri­sche Frage sehen.

    Im all­ge­mei­nen ver­steht man unter Profi einen der davon lebt, so wur­den frü­her z.B. Profis bei Olympia aus­ge­schlos­sen.…

    Amateure sind die jeni­gen, die sind freu­en wenn die Kamera davon finan­ziert wird oder der nächs­te Urlaub. Profis zah­len Steuern, die Krankenversicherung, die Altersvorsoge, die Steuern und beschäf­ti­gen Angestellte.….…und so wei­ter.…

  15. @Max: Immer wie­der erstaun­li­ch, wie Du es bei jedem Beitrag egal zu wel­chem Thema schaffst, Deinen Frust über Amateure, die Fotos ver­kau­fen, aus­zu­las­sen. Ich neh­me an, Du wärst für eine Wiedereinführung einer ver­pflich­ten­den Handwerkskammerprüfung, bevor sich jemand Fotograf nen­nen darf?

  16. @R. Kneschke: Nein – es gab immer schlech­te Fotografen und gute Quereinsteiger. Aber etwas mehr gestal­te­ri­sches Know How wäre sicher gut, Technik ist bes­ten­falls die „hal­be Miete“. 

    Frust ist das fal­sche Wort – ist eher ein Feststellung.

  17. Klar bekommt man die­se Frage das ein oder ande­re mal gestellt. Zumeist aus unter­schied­li­cher Intension, aber gestört oder gar „getrof­fen“ hat es mich nie. Einige Meschen haben auh ein­fach einen sehr begrenz­ten Horizont und kön­nen sich in vie­les nicht hin­ein ver­set­zen. D. h. doch nicht zwangs­läu­fig das die­se böse oder abwer­tet­nd gemeint ist. Ist doch eine völ­lig nor­ma­le Frage wenn man sich etwa nicht vor­stel­len kann oder weiss, so habe ich gelernt, darf man auch nachfragen/nachschlagen. Verstehe nicht was an die­ser Frage so abwer­tend sein soll. Zumal, wenn mich eine sol­che, schon fast pole­mi­sche Frage irre­tiert, bzw mich in Selbstweifel stürzt, ist man wohl­mög­li­ch nicht für die Selbständigkeit gemacht. Also ganz ehr­li­ch gesagt kann ich das so nicht nach­emp­fin­de, aber so sind die Menschen unter­schied­li­ch und ich habe wie­der etws dazu gelernt.

  18. @ Robert : ja das ist doch eine tol­le Idee . Zumindestens einen Basislehrgang ein­zu­füh­ren .
    Wie arbei­tet eine Kamera , was ist Blende , Tiefenschärfe , Belichtungstechniken etc. was muss ich tuen wenn dies und das usw.
    70 Prozent wür­den durch­fal­len .
    Heutzutage ist Fotografie nur noch gebal­le­re , auf den Moni schau­en und den Rest am Rechner gemacht . Fette Ausrüstung kau­fen und den­ken yeah ich bin Fotograf .

  19. @Max: Marktwirtschaft funk­tio­niert nor­ma­ler­wei­se so, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestim­men. Der Begriff „Qualität“ taucht da gar nicht auf. Die Frage ist, bei wel­chem Preis tref­fen sich Anbieter und Käufer? Zu wel­chem Preis bie­te ich an und fin­de ich jeman­den, der bereit ist, das zu bezah­len? Wenn ich von der hohen Qualität mei­ner Fotos über­zeugt bin, muss ich sie ja nicht über Microstock „ver­schen­ken“. Niemand wird dazu gezwun­gen, also muss man sich auch nicht über die Preise beschwe­ren.

    Du sagst: „Profis arbei­ten ziel­ge­rich­tet auf Kundenwunsch.“ Frag mal Yuri Arcurs, oder ein­fa­cher Robert, wie oft sie auf Kundenwunsch arbei­ten? So ein­fach ist das, den­ke ich, nicht. Dieser Definition nach wären die­se bei­den Fotografen ja auch nur Amateure…

    Ein Fotograf, der nur auf Kundenwunsch arbei­tet, kann mit Sicherheit auch davon leben, denn schließ­li­ch wird die­ser nicht nur für das fer­ti­ge Produkt bezahlt, son­dern ver­langt und bekommt auch schon ein ange­mes­se­nes Honorar für die blo­ße Erstellung der Fotos, für die Arbeitszeit im Studio bzw. „on loca­ti­on“ und die anschlie­ßen­de Bearbeitung der Bilder. Streng genom­men soll­te er für sei­ne Ideen, sei­ne Kreativität und sei­ne tech­ni­schen Fähigkeiten bezahlt wer­den.

    Den Satz hier ver­ste­he ich über­haupt nicht: „Um hier mal auf die Fragestellung “kann­st Du davon leben” zu kom­men – die Frage kommt ja wohl nur auf wenn jemand davon lebt, kein Mensch kommt doch auf die Idee einen Bäcker zu fra­gen, daher kann das nur als eine rein rhe­to­ri­sche Frage sehen.“

    Die Fragestellung kommt vor allem auf, wenn jemand kei­ne Vorstellung davon hat, dass, und wie man mit Fotos Geld ver­die­nen kann. Wie im Beitrag von Frau Enders schon steht, schwingt gele­gent­li­ch auch ein wenig Neid mit, wenn jemand selbst einen unge­lieb­ten Job hat und ins­ge­heim davon träumt, sich auch mit so etwas selbst­stän­dig zu machen, es sich aber nicht traut. Derjenige hofft dann viel­leicht, dass Du sagst: „Née! Es ist zum Leben zu wenig, aber zum Sterben zu viel!“ oder etwas ähn­li­ches. Damit wird der Fragende in sei­nen Vorurteilen bestä­tigt und hat einen Grund, in sei­ner Unzufriedenheit zu ver­har­ren, sich wei­ter über sei­nen blö­den Job zu bekla­gen und bemit­lei­det zu wer­den. Bleiben wo man ist, ist eben ein­fa­cher, als sich zu bewe­gen.

    Und um noch ein­mal auf den Vergleich mit dem Bäcker zurück­zu­kom­men: Erstens ist nie­mand nei­di­sch auf einen Bäcker, weil nie­mand ger­ne jede Nacht um 3 Uhr auf­steht, und zwei­tens zahlt jeder ohne zu mur­ren und ohne den Prozess zu hin­ter­fra­gen den ver­lang­ten Preis für ein Brot. Jeder, der sel­ber schon mal geba­cken hat weiß näm­li­ch, wel­che Zutaten man braucht, wel­che Arbeitsschritte nötig sind und wie lan­ge es dau­ert, bis ein Brot fer­tig ist.

    Jeder hat aber auch schon mal ein Foto gemacht und weiß, wie ein­fach das dage­gen ist. Denken die meis­ten zumin­dest. Vor allem die, die nur mit Kompaktkameras oder Smartphones unter­wegs sind und damit auf Partys oder im Urlaub „knip­sen“ ohne sich dabei gro­ße Gedanken über Kamera- und Aufnahmetechnik, die Bildgestaltung, geschwei­ge denn über die Wahl, den „Aufbau“ und die Ausleuchtung der Motive zu machen.

    Käme so eine Frage von einem „abitio­nier­ten Hobbyfotografen“, wür­de ich ihm/ihr aller­dings eher ein ech­tes Interesse an der Antwort unter­stel­len. Meist kommt die Frage aber von ande­ren Leuten und da lohnt es sich viel­leicht doch, mit einer Gegenfrage nach dem Grund der Frage zu ant­wor­ten.

  20. @reka: Da gibt es auch so einen schö­nen Spruch: „Wer ein äuße­res Zeichen braucht, um Seinesgleichen zu erken­nen, gehört nicht wirk­li­ch dazu.“

    Es stimmt schon, dass vie­le glau­ben, eine teu­e­re Ausrüstung pro­du­zie­re auch auto­ma­ti­sch hohe (Bild-)Qualität. Trifft auch auf ande­re Bereiche zu, nicht nur auf die Fotografie. Leider steht in den Handbüchern der Kameras nie drin, dass letz­ten Endes der Mensch am Auslöser das Foto macht und nicht die Kamera oder das Objektiv! Bricht man die Technik auf den kleins­ten gemein­sa­men Nenner her­un­ter, sind es nur noch eine Handvoll Parameter, die das Foto aus­ma­chen: Blende, Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit, Brennweite und viel­leicht noch der Weißabgleich, wobei die­ser zumin­dest bei RAW-Fotos in der Bildbearbeitung noch ver­lust­frei ange­passt wer­den kann. Mehr ist nicht! Alles ande­re ent­springt der Kreativität und den Fähigkeiten des Fotografen, die­se Technik so ein­zu­set­zen, dass das her­aus­kommt, was er/sie sich vor­ge­stellt hat. Wenn es natür­li­ch schon an der Vorstellungskraft hapert… Daher ist es auch nicht wei­ter ver­wun­der­li­ch, dass ein „Könner“, um mal den begriff „Profi“ zu ver­mei­den, auch mit einer „ein­fa­chen“ und „bill­gen“ Kamera her­vor­ra­gen­de Fotos machen kann, wäh­rend ein „Nicht-Könner“ auch mit der teu­ers­ten Profiausrüstung nur nichts­sa­gen­de 08/15 Allerweltsfotos zustan­de bringt – die dann aber wenigs­tens „rich­tig“ belich­tet und scharf sind. Das kann ja auch ein Zeichen für Qualität sein.

  21. @Olaf Pokorny: Also mir hat die Frage noch nie­mand gestellt, aber manch­mal sieht man ja auch, ob jemand davon Lebt (an sei­nem Konsumverhalten?) – Du wür­dest natür­li­ch unter­stel­len das dann jemand im Lotto gewon­nen hat.….

    Schon mal was von Yuri gele­sen? von wegen Kundenorientiert? Solltest Du tun!!!!

  22. @ Olaf
    Deine Ansichten zur Markwirtschaft tei­le ich 100% tig
    Ich den­ke der wich­tigs­te Punkt, der einen Profi vom Amateur unter­schei­det ist das Werkzeug.
    Wenn zum Beispiel jemand in der Produktfotografie tätig ist soll­te vor­aus­ge­setzt wer­den, das er ein rich­ti­ges Studio mit ent­spre­chen­dem Licht hat und eine Kamera die hoch­auf­ge­lös­te Bilder lie­fert. Zudem soll­te er auch über eine Fachkamera ver­fü­gen.
    Einfache, klei­ne, frei­ge­stell­te Produktfotos für die Bucht oder den Internetauftritt kann heu­te jeder selbst in einem 15 Euro Lichtzelt foto­gra­fie­ren. Zudem muss der Fotograf in der Lage sein etwas neu­es zu erzäh­len.
    Klar ist der Konkurrenzkampf grös­ser gewor­den aber es wer­den auch mehr Bilder gebraucht. Ich habe ja schon oft die Ansicht ver­tre­ten und wie­der­ho­le es ger­ne noch­mal: Wer sei­ne Sache gut macht, braucht sich um Geld kei­ne Sorgen zu machen.

    Da ich in einer Druckerei in der Daten- und Qualitätskontrolle sowie Aufbereitung arbei­te und auch als frei­be­ruf­li­cher Grafiker kann ich hier aus Erfahrung sagen, das vie­le „Profis“ Grundansprüche nicht erfül­len. Sei es, dass Bilder 1 -2 Blenden unter­be­lich­tet dem Kunden zur Weitergabe über­las­sen wer­den oder dass die Gestaltung zu wün­schen übrig lässt. 

    Dann darf man sich natür­li­ch nicht wun­dern wenn ein ver­sier­ter und cle­ver­er „Amateur“ in die­sen Markt prischt und die sel­be Leistung bil­li­ger anbie­tet. Auf der ande­ren Seite gibt es aber wirk­li­ch gute Profis, die auf­grund ihrer Erfahrung, Kreativität und einem Top Equipment kei­ne Angst vor „Amateuren haben müs­sen, da die­se die­sel­be Leistung nicht erbrin­gen kön­nen.

    Ich sags mal ganz offen: Wenn jemand den gan­zen Tag mit Fotograie zu tun hat und nicht über die Runden kommt macht er etwas fal­sch.

  23. Viele Menschen, die beruf­li­ch nicht davon leben, sehen in der Fotografie kei­nen wirk­li­ch ernst­haf­ten Beruf. Die Vorstellung das Fotografieren sehr ein­fach ist, haben wir unter ande­rem der Kodak zu ver­dan­ken, die ein­st den Werbespruch kre­ierte: „You press the but­ton, we do the rest.“ Nicht weni­ger gering dürf­te der Einfluss des Films „Blow up“ sein, in dem sich ein erfolg­rei­cher Modefotograf aus Langeweile(!)der Straßenfotografie hin­gibt. Auch dass das Arbeitsamt jedem Vollpfosten, der nicht weiß, was er wer­den soll, immer noch rät, den total über­lau­fe­nen Berufsweg des Fotografen ein­zu­schla­gen, dürf­te der Berufsfotografie eher abträg­li­ch sein. Einen Teil zum mit­tel­präch­ti­gen Ansehen der Berufsfotografie haben Fotografen selbst bei­ge­tra­gen: Bilder, die weder tech­ni­sche noch gestal­te­ri­sche Qualität zei­gen, gehö­ren nicht in die Öffentlichkeit, son­dern gut ver­schlos­sen in die berühm­te Zigarrenkiste. In sofern fin­de ich die Frage „Kannst Du davon leben?“ zumin­dest ver­ständ­li­ch.

  24. @Gunnar: Die Frage kommt in der Regel von Leuten, die sel­ber nur „Knipsen“ und kei­nen Plan haben, wie man „mit sowas“ Geld ver­die­nen kann. Meist geht die­ser Frage noch eine ande­re vor­aus, näm­li­ch die, was man denn so foto­gra­fie­re? Auch des­halb, weil die Fragenden kei­ne Vorstellung von ver­käuf­li­chen Motiven haben. Sie gehen von sich aus und fra­gen sich eben, wie man mit Fotos, die sie für gewöhn­li­ch auf­neh­men, Geld ver­die­nen und davon leben kann. Abwertend wird das Ganze dann, wenn der Fragesteller davon aus­geht, du wür­dest genauso mie­se Fotos machen wie er. Mit denen wür­de man aller­dings nichts ver­die­nen, geschwei­ge dann davon leben kön­nen. Ein ehr­li­ches Interesse an der Antwort ist sel­ten.

    @Max: Wie kommst du dar­auf, ich wür­de unter­stel­len, jemand hät­te im Lotto gewon­nen, wenn er von der Fotografie leben kann? Dieser Schluss ist für mich nicht nach­voll­zieh­bar. Dass gute Fotografen gut von ihrer Arbeit leben kön­nen, ist ja wohl kein Geheimnis. So ist es über­all in sämt­li­chen krea­ti­ven Bereichen (Musik, Mode, Film…). Die mit den guten Ideen und einem Fünkchen Gespür für die Vermarktung der eige­nen Werke, kom­men immer gut über die Runden. Manch einer sogar so gut, dass er es eigent­li­ch gar nicht mehr nötig hät­te, wei­ter zu machen. Dass es die meis­ten den­no­ch tun, liegt wohl dar­an, dass sie ech­te Amateure sind. Eben Liebhaber!

    Am Konsumverhalten kann man übri­gens schon lan­ge nichts mehr able­sen. Nicht umson­st steigt die Zahl der Privatinsolvenzen jedes Jahr an. Von nichts kommt nichts…

    Kundenorientiert arbei­ten und auf Kundenwunsch arbei­ten sind für mich zwei Paar Schuhe. Wenn ich auf einen Kundenwunsch hin arbei­te, sagt mir eben die­ser Kunde gen­au, was er haben will und beauf­tragt mich, ein bestimm­tes Foto auf­zu­neh­men. Wenn ich kun­den­ori­en­tiert arbei­te – z.B. für Bildagenturen – mache ich mir vor­her sel­ber Gedanken und recher­chie­re, was poten­ti­el­le – also kei­ne kon­kre­ten – Kunden brau­chen könn­ten oder bes­ser noch brau­chen wer­den, und set­ze die­se Ideen kom­plett in Eigenregie um, ohne wei­te­re frem­de Vorgaben.
    Allerdings soll­te man natür­li­ch auch wenn man auf Kundenwunsch arbei­tet, kun­den­ori­en­tiert arbei­ten, also zuhö­ren, was der Kunde will und des­sen Vorgaben so gut wie mög­li­ch umset­zen. Das ist aller­dings nicht immer so ein­fach, wie es sich anhört. Vor allem dann nicht, wenn der Kunde sel­ber gar nicht so recht weiß, was er über­haupt will.

    Und ja, ich habe schon mal was von Yuri gele­sen.

  25. @Algecireño
    Ich wür­de dir ger­ne zustim­men, weil du die rich­ti­gen Unterscheidungen machst.
    Allerdings muss ich sagen, dass über­di­men­sio­na­le Technik in bestimm­ten Bereichen ein­fach nicht not­wen­dig ist. Sicherlich, wenn man Großformate mit Mode foto­gra­fiert oder sich einen Ruf mit einer Hasselblad erar­bei­ten muss, scha­det Technik nicht nur aus tech­ni­schen Gründen son­dern auch aus Marketinggründen nie. Über die Qualität eines Bildes sagt Technik aber erst ein­mal gar nichts aus, wie Olaf das schon sagt.

    Letztens durfe ich bspw eine net­te Hochzeitsfotografin beob­ach­ten und die hat durch­schnitt­li­ch gute bis sehr gute Fotos gelie­fert. Locations inter­es­sant, Kameraführung gut, Motive anspre­chend, hand­werk­li­ch ein­wand­frei und immer moti­viert und nett dabei. Von der Technik her konn­te sie aber mit den Kameras mei­ner foto­af­fi­nen Familienmitglieder kaum mit­hal­ten, da stan­den wohl ein eini­ge Tausender, aber auch eini­ge hun­dert Fotos in Differenz. Für mich das klass­si­sche Beispiel, dass Technik eben nicht alles ist. (Von den unsäg­li­chen Kompakt-, Bridge- und System-Kameras mal abge­se­hen).

    Zu dei­nem letz­ten Satz: Die o.g. Dame hät­te nur 3 Termine im Monat machen müs­sen, um ein adäqua­tes Einkommen zu erzeu­gen. Insofern stim­me ich voll zu.

  26. Na ja, die Antwort auf die­se Frage wird wahr­schein­li­ch lau­ten: „Ich kann davon bes­ser leben als du!“ Sei es in finan­zi­el­ler Hinsicht, oder viel­leicht in Bezug auf die Lebensqualität.
    Andererseits: Warum bekommt man die­se Frage oft in die fal­sche Kehle? Eine gewis­se Naivität in ver­schie­de­nen Dingen des Lebens mit den der „Normalangestellte“ nichts anfan­gen kann, muss man doch allen Menschen zuge­ste­hen. Ich wür­de mich da weni­ger krän­ken, son­dern mir mei­ner Stärken bewußt sein und über den din­gen ste­hen.

  27. Wem stellt man denn sol­che Frage:„Kannst du davon leben?“ Etwa dem Notar? Dem Zahnarzt? Dem Elektriker? Sicherlich nicht. Und war­um nicht? Klare Antwort: Weil die­se zum einen geschütz­te Berufe sind. Zum ande­ren, weil nie­mand von die­sen sei­ne Arbeitsleistung ver­schleu­dern wür­de. Weil die meis­ten Berufe in Verbänden zusam­men geschlos­sen sind, weil sie ihre Interessenvertreter und Lobbisten in Bonn sit­zen haben.
    Und was machen die Fotografen? Hier kämp­fen Hobbisten gegen Profis, selbst­er­nann­te Künstler gegen
    Knipser, sind vie­le stolz, wenn sie Bilder für 1.-€ ver­kau­fen, oder auch umson­st.
    Warum kapie­ren die Leute, nen­nen wir sie mal Fotografen, eigent­li­ch nicht, dass eine Arbeitsleistung einen Wert haben muss. Dass- wenn der Respekt vor mir sel­ber und dem, was ich tue,-gleich Null ist, man sich nicht wun­dern darf, dass die ande­ren sol­che Fragen stel­len.

    Und das Qualitätsbewußtsein der Kunden sinkt mit der Veröffentlichung immer schlech­te­rer Fotos. Man gewöhnt sich dar­an. Dies ist ein wei­te­res Problem.
    Millionen von Fotos, größ­ten­teils aus­tausch­bar, über­flu­ten den Markt. Da mußt du schon ver­dammt gut und sehr krea­tiv sein, um in die­sem Markt noch bestehen zu kön­nen. Viel har­te Arbeit steckt dahin­ter.
    Natürlich gibt es mit­tel­mä­ßi­ge Profifotografen, genauso wie her­vor­ra­gen­de enga­gier­te Hobbyfotografen. Doch der mit­tel­mä­ßi­ge Zahnarzt ver­dient immer noch gutes Geld, trotz schlech­ter Leistung.
    Warum kapie­ren nur die blö­den Fotografen nicht, dass sie über kurz oder lang ohne Zusammenhalt und einem Fair Play letzt­li­ch nur die Dummen sein wer­den. Die Verlierer, die aus­ge­nutzt wer­den und dadurch weni­ger respek­tiert wer­den.
    Wer sich sel­ber und sei­ne Arbeit nicht ach­tet, der kann nicht erwar­ten von ande­ren geach­tet und respek­tiert zu wer­den.
    Bevor ich mei­ne Arbeiten so ver­schleu­dern wür­de, wür­de ich lie­ber put­zen gehen.

    Wünsche allen Frohe Weihnacht und einen guten Rutsch ins Neue Jahr
    für uns alle,
    für mehr Fairness unter­ein­an­der und Respekt, statt Aufeinander Einzuklopfen.

    Hannes

  28. @Hannes: Da sprichst Du sicher wah­re Worte. Das Problem ist nur, dass mitt­ler­wei­le sogar eini­ge Stockagenturen extra Rubriken für Smartphone-Bilder ein­ge­rich­tet haben und eben auch immer mehr „Laien“ ihre Fotos auf die­se Art zum Kauf anbie­ten. Daran wird sich auf abseh­ba­ren Zeit nichts ändern. Die wenigs­ten die­ser Bildermacher (um hier mal bewusst den Begriff „Fotograf“ zu ver­mei­den) wol­len oder müs­sen davon leben. Für die ist es eben ein Spaß. Über einen etwai­gen Preisverfall macht sich da natür­li­ch nie­mand Gedanken, weil es nie­man­den inter­es­siert. Und für die Stockagenturen, die da mit­spie­len, ist es auch noch eine zusätz­li­che Einnahmequelle. Wer die­se Fotos dann wofür kauft, ist denen ja auch so ziem­li­ch egal. Hauptsache es klin­gelt in ihrer Kasse und das tut es auf jeden Fall (noch…).

    Ich den­ke für „ernst­haf­te“ Fotografen wird gera­de das Modell „Microstock“ über kurz oder lang kom­plett unat­trak­tiv wer­den. Die Agenturen wol­len im Prinzip zwar auch hoch­wer­ti­ge und teu­er pro­du­zier­te Fotos haben, aber wenn die dann trotz­dem hin­ter­her in der Masse unter­ge­hen, rech­net sich der Aufwand für die Fotografen eben irgend­wann ein­fach nicht mehr.

    Richtig gute und auf­wän­dig pro­du­zier­te Fotos wer­den mit Sicherheit auch wei­ter­hin gebraucht und auch gekauft wer­den, nur dann viel­leicht eher im Bereich der Auftragsarbeiten oder in kon­kre­ten Kooperation mit Werbeagenturen, Zeitschriftenredaktionen usw. Vielleicht auch noch etwas eher im Macrostock-Bereich, aber auch da nimmt die Zahl der Bilder ja ste­tig zu und die Konkurrenz wächst.

    Wie letzt­li­ch über­all im krea­ti­ven Umfeld wird man sicher nicht dar­um her­um­kom­men, sich auf einem beson­de­ren Gebiet eine gewis­se Expertise und Einzigartigkeit zu erar­bei­ten, wie immer die auch im Einzelfall aus­se­hen mag. Dass das nicht ein­fach ist, ist klar, aber ein­fach gibt es eben schon genug!

  29. Ich arbei­te seit über 30 Jahren selb­stän­dig (über­wie­gend als Freiberufler), aber eine Frage wie „Kann man denn davon leben?“ habe ich nur sel­ten und dann nur von Leuten gehört, die auf­grund irgend­wel­cher genaue­ren Kenntnisse oder Vorstellungen ernst­haf­tes Interesse dar­an hat­ten – weil sie z.B. über die schlech­te wirt­schaft­li­che Situation vie­ler Freiberufler im Medienbereich wis­sen.

    Viel häu­fi­ger wur­de und wer­de ich mit zwei seit jeher völ­lig welt­frem­den Vorstellungen kon­fron­tiert:

    1. „Du bist Freiberufler? TOLL! Da hat man doch ganz viel Zeit, und kann sich sei­ne Arbeit selbst ein­tei­len, wie man das gern möch­te!“

    Konfiguriere eine belie­bi­ge Gruppe aus 10 Berufstätigen, sagen wir: 3 Lehrer, 2 Angestellte/Beamte im Öffentlichen Dienst, 4 nor­ma­le Angestellte in der frei­en Wirtschaft (weder Führungskräfte noch Putzkräfte), plus 1 Freiberufler.

    In 99,5 Prozent aller Fälle kann man sagen: der Freiberufler hat von den 10 die bei wei­tem längs­te Wochen-Arbeitszeit. Wo die ande­ren irgend­wo zwi­schen ~35 und 40 Stunden ope­rie­ren, und mal viel­leicht mit 44 wg. Überstunden, da arbei­tet der Freiberufler 50, 55, 60 Stunden in der Woche. Egal ob er Arzt ist, oder Anwalt, Ingenieur, oder frei­be­ruf­li­cher Fotograf.

    Nun las­se die­se 10 Leute eine Party am Wochenende ver­an­stal­ten. Für die­se Party müs­sen Getränke, Biergarten-Bänke und ein Zelt abge­holt wer­den.

    9 von die­sen 10 Leuten gucken den Freiberufler an und sagen: „Machst Du das?!“ Weil: der Freiberufler hat ja SOOOO viel Zeit, und kann sie sich ja SOOOO frei ein­tei­len…

    2. Gelegentlich liest man, daß die Statistik sagt, daß Selbständige ein erheb­li­ch höhe­res Durchschnittseinkommen haben als Angestellte.

    Das ist ja auch nicht fal­sch. Von einer zah­len­mä­ßig klei­nen Gruppe hoch­be­zahl­ter Angestellter sind 80 oder 90 Prozent aller Leute, die mehr als ~200.000 Euro im Jahr ver­die­nen – Selbständige. Nicht unbe­dingt alles Freiberufler, aber eben Selbständige.

    Leider wird dabei vom ober­fläch­li­ch infor­mier­ten Betrachter über­se­hen, daß die Spreizung bei den Selbständigen viel höher ist als bei den Angestellten. Und daß eben auch sehr viel Selbständige viel weni­ger ver­die­nen als das Durchschnitts-Einkommen der Angestellten, und dafür oben­drein auch noch län­ger arbei­ten müs­sen.

    Das resul­tiert dann gern ein­mal in der irri­gen Vorstellung: „Ach, Du bis selb­stän­dig? Na, da ver­dienst Du ja bestimmt sehr gut!“

    Okay – die gan­zen „Ich-AGs“ und aus der Arbeitslosigkeit flüch­ten­den Existenzgründer sor­gen lang­sam, ganz lang­sam dafür, daß sich zumin­dest in die­sem Punkt die Vorstellungen in der brei­ten Öffentlichkei lang­sam etwas wan­deln.

  30. Mal ehr­li­ch: wer sich so über die­se Frage auf­regt ist sich a) ent­we­der sei­ner Sache nicht sicher oder b) will aber kann er davon aus irgend­wel­chen Gründen nicht leben.
    Die meis­ten die die­se Frage stel­len sind Außenstehende die es schlicht nicht ver­ste­hen das man mit krea­ti­ver Kunst Geld ver­die­nen kann. 

    Was die „Amateur“- und „Profifotografen“ angeht sehe ich das gan­ze weni­ger Wild wie eini­ge hier. Wenn mei­ne Bilder gut sind und den Geschmack der Kunden trifft muss ich auch kei­ne Angst vor irgend­wel­chen „Knipsern“ haben.
    Wenn sich mei­ne Bilder nicht ver­kau­fen muss ich den Grund in ers­ter Linie bei mir selbst suchen und nicht bei irgend­wel­chen Amateurfotografen die ja ach so „bil­lig“ sind.
    Dieses stän­di­ge rum­ge­jam­mer über die­se schlim­men Amateure kann ich echt lang­sam nicht mehr hören! Jeder der Angst vor der Konkurenz hat soll­te sich fra­gen ob er rich­tig in der Selbstständigkeit ist. Und ehr­li­ch gesagt ver­mark­ten sich vie­le Amateure wesent­li­ch bes­ser als man­cher Profi…

  31. Ich kann auch über­haupt nicht ver­ste­hen, wie einem so eine Frage über­haupt auf­wüh­len kann.
    Diese Frage gestellt zu bekom­men ist doch nur legi­tim, der Fragende ist schlicht und ein­fach neu­gie­rig, das soll schlimm sein?

    Wer sich so leicht in sei­ner Basis ver­un­si­chern lässt, soll­te das Ganze am bes­ten las­sen.

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