Veer bietet jetzt Abo-Modell an – Einmalige Opt-Out-Chance für Fotografen

Die welt­weit größ­te Bildagentur Getty Images hat kürz­li­ch ihre Microstock-Fotografen bei istock­pho­to die Pistole auf die Brust gesetzt und gefor­dert: „Entweder wir dür­fen alle Deine Bilder auch als Abo-Download anbie­ten oder Du fliegst raus!“ So ver­sucht Getty, ihr Portal Thinkstock für Käufer attrak­ti­ver zu machen. Fotografen erhal­ten natür­li­ch ziem­li­ch wenig Geld für die­se Abo-Downloads.

Die zweit­größ­te Agentur Corbis muss sich gedacht haben: Was die kön­nen, schaf­fen wir auch. Deshalb bie­tet die Microstock-Tochter Veer der Bildagentur Corbis jetzt eben­falls ihre Bilder im Abonnement an. Immerhin sind sie im Gegensatz zu Getty so freund­li­ch und bie­ten den Fotografen eine ein­ma­li­ge Möglichkeit, ihre Bilder aus dem Abonnement zu ent­fer­nen. Doch dazu spä­ter mehr.


Was für Konditionen bie­tet das Veer-Abo für Fotografen?

Manchmal den­ke ich, Bildagenturen hal­ten ihre Lieferanten für blöd. Anders kann ich mir nicht erklä­ren, dass sie immer von den höchst­mög­li­ch zu erzie­len­den Honoraren reden, aber nie vom tiefst­mög­li­chen oder wenigs­tens vom Durchschnitt. Klar, es klingt bes­ser, wenn die Agentur sagt: „Der Fotograf kann pro Abo-Download bis zu 3,75 Dollar ver­die­nen“ statt „Der Fotograf wird nicht weni­ger als 10 US-Cent pro Abo-Download erhal­ten“.

Aber sei­en wir fair: Theoretisch ist das Modell von Veer fai­rer als bei den meis­ten ande­ren Bildagenturen. Der Fotograf erhält kei­ne fixe Summe pro Download, son­dern wird antei­lig an der Menge der Downloads betei­ligt. Übersetzt: Je weni­ger der Bildkunde am Tag run­ter­lädt, desto mehr ver­dient der Fotograf. Bei Abo-Modellen ande­rer Bildagenturen erhält der Fotograf immer die glei­che Summe und falls ein Bildkäufer sein Abo-Kontingent nicht aus­schöpft, streicht die Bildagentur den Gewinn ein.

Bei Veer erhält der Fotograf 3 Dollar, wenn der Abo-Kunde nur ein Bild am Tag run­ter­lädt. Wenn der Abo-Kunde jedoch 10 Bilder am Tag run­ter­lädt, bekommt der Fotograf nur noch 30 US-Cent. Bei 30 Bildern am Tag – der maxi­ma­len Downloadgrenze im Abonnement – erhält der Fotograf nur noch lächer­li­che 10 Cent. Die von Veer als höchs­ten Abo-Honorar in der Bilderbranche ange­prie­se­nen 3,75 Dollar sind nur eine Augenwischerei. Das ist näm­li­ch der Erlös für einen Abo-Download einer „Erweiterten Lizenz“, wel­che die Erlaubnis zur „unbe­grenz­te Vervielfältigung“ und einen Rechte-Schutz ent­hält. Wenn der Käufer jedoch 28 Abo-Bilder am Tag mit einer erwei­ter­ten Lizenz run­ter­lädt, erhält der Fotograf nur noch 13 US-Cent. Das wie­der­um ist für erwei­ter­te Lizenzen eher ein Rekordwert nach unten. Zum Vergleich: Normalerweise kos­tet ein Bild mit einer erwei­ter­ten Lizenz 100 Credits (ca. 100 Dollar) bei Veer. Die voll­stän­di­ge Übersicht der Preise und Honorare bei Veer gibt es hier als PDF.

Übrigens: Auch wenn Veer eine „Erweiterte Lizenz“ namens „Product For Resale“ anbie­tet, mit der ein Weiterverkauf, z.B: auf T-Shirts, in Webseiten-Templates oder auf Postern erlaubt ist, gibt es die­se Nutzung (noch) nicht im Abo.

Wichtiger Hinweis:
Diese fol­gen­de Information ist ganz neu und wird sicher hier im Blog noch aus­führ­li­cher bespro­chen, aber vor­weg:
Fotolia hat ange­kün­digt, sich die Möglichkeit offen zu hal­ten, Fotografen auf das Ausgangslevel „Weiß“ zurück­zu­set­zen, wenn sie ihre Bilder bei Agenturen anbie­ten, die unter den Preisen und Kommissionen für das Weiß-Ranking bei Fotolia lie­gen. Ich den­ke zwar, das betrifft eher Agenturen wie DepositPhotos, PhotoDune (Erweiterte Lizenzen für 15 Dollar) und ande­re, aber 10 Cent pro Abo-Download ist eben­falls deut­li­ch weni­ger als Fotolia mit 25 Cent min­des­tens pro Abo-Download zahlt.

In der Praxis gibt es ver­gleich­ba­re Abo-Modelle nur bei Panthermedia und Waldhäusl. Letztere will ihr Abo-Modell nicht wei­ter ver­fol­gen und in bei Panthermedia sahen mei­ne Durchschnittserlöse im Abo deut­li­ch mage­rer aus als die ver­spro­che­ne Beispielrechnung.  Deshalb habe ich dort das Abo schnell deak­ti­viert und auch bei Veer habe ich es aus­schal­ten las­sen.

Wie deak­ti­vie­re ich die Abos bei Veer?

Veer bie­tet Fotografen ein­ma­lig die Gelegenheit, das Abo für die eige­nen Fotos aus­zu­schal­ten. Hier die Anleitung:

  1. Dazu müs­sen Fotografen eine Email an „contributor@veer.com“ schrei­ben.
  2. Der Betreff muss lau­ten: „Subscription opt-out.“
  3. Im Text der Email muss ste­hen: „I do not wish to par­ti­ci­pa­te in the Veer Subscription pro­gram at this time. Please exclu­de my images from the sub­scrip­ti­on web site. Contributor Alias: _______“
  4. Im frei­en Feld zum Schluss muss euer Fotografenname bei Veer ste­hen, falls ihr dort z.B. ein Pseudonym nutzt.
  5. Falls ihr von einer ande­ren Email-Adresse schreibt als der, mit der ihr euch bei Veer ange­mel­det habt, müsst ihr die­se Anmelde-Mailadresse eben­falls im Text der Email ange­ben.

Wenn ihr auf die Adresse im Text bei 1. klickt, öff­net sich gleich eine Email mit den meis­ten not­wen­di­gen Angaben (bis auf euren Account-Namen), wenn ihr euren Browser mit einem Emailprogramm ver­knüpft habt.

Wer mit dem Gedanken lieb­äu­gelt, bei Veer Bilder zu ver­kau­fen, soll­te sich schnell anmel­den und  – mei­ne Empfehlung – gleich die Email schi­cken, um die Abos zu deak­ti­vie­ren.

Was sagt ihr zur Ankündigung von Veer? Wie ent­schei­det ihr euch und war­um?

Update 28.09.2011: Veer hat ange­kün­digt, das Abo-Modell noch mal zu über­ar­bei­ten zu wol­len, weil es zuviel Kritik dar­an gab.

Update 01.10.2011: Veer hat die Änderungen am Abo-Programm ver­öf­fent­licht. Demnach soll das Minimumhonorar pro Download jetzt 25 Cent betra­gen, außer­dem soll die Obergrenze auf 4,95 Dollar ange­ho­ben wer­den. Erweiterte Lizenzen sol­len vor­er­st nicht im Abo ange­bo­ten wer­den, Abo-Kunden erhal­ten nur die Möglichkeit, eine erwei­ter­te Lizenz etwas güns­ti­ger zu kau­fen, der Fotograf erhält dann 35 Dollar. Veer behält sich die Möglichkeit vor, spä­ter doch noch ein Abo für erwei­ter­te Lizenzen ein­zu­füh­ren, dann jedoch zu höhe­ren Preisen als bis­her ange­kün­digt. Wer als Fotograf sei­ne Bilder schon deak­ti­viert hat­te, kann sie bis zum 21. Oktober wie­der für das Abo-Programm akti­vie­ren, indem er eine Email an contributorhelp@veer.com schreibt mit dem Betreff „Opt in“.

10 Gedanken zu „Veer bietet jetzt Abo-Modell an – Einmalige Opt-Out-Chance für Fotografen“

  1. tja – es lohnt sich halt nicht.
    Irgendein McJob ist lukra­ti­ver als selb­stän­dig
    im Bereich Stock zu arbei­ten.

  2. Hallo Robert,

    ein Teil des Geschäfts geht über den Preis.Ich sel­ber kann kei­ne
    gro­ßen Umsätze bei Billigagenturen feststelllen.Ich ver­kau­fe auch ca. 1000 Bilder pro Monat und die Hauptumsätze sind bei Fotolia,SS,Dreamstime, Istock ist trotz der nied­ri­gen Abopreise weit hin­ter den ande­ren zurück.
    Ich den­ke für die Kunden ist der Service, Qualität und auch die Zuverlässigkeit der Seite sowie die Zeitersparnis beim Suchen oft weit mehr wert als ein paar Cent Ersparnis.

    Gruß Jochen

  3. Hallo ,
    also ich wer­de es auch aus­schal­ten bei Veer . Hatte schon net­te Verkäufe gehabt aber das ist mir zu wenig .
    Ich brin­ge fol­gen­de Überlegung ein : wol­len die bei­den gros­sen get­ty und cor­bis den Markt so unat­trak­tiv machen das vie­le Producer absprin­gen wer­den ? Auf der ande­ren Seite ihr Premiumsegment damit stei­gern ? Viele Leute wer­den ein­fach sich sagen das sich es sich nicht rech­nen wird ..ent­we­der lei­det die Qualität sehr extrem oder es rech­net sich ein­fach nicht hohe Kosten in sei­ne Produktionen zu ste­cken …damit aber wird das Hochsegment ange­trie­ben und da spre­che ich von Produktionskosten von bis zu 8000 Euro … und es gibt die Produktionsfirmen die die­sen Markt bedie­nen und Geld machen …aber rich­tig .…..

  4. Es gibt ein­fach zu vie­le Stockfotos und Bildagenturen. Zuerst hat der Premiumbereich durch Microstock hohe Einbußen gehabt. Nun hat Microstock Einbußen durch Abo. Das ist ein­fach eine Abwärtsspirale. Es geht in ers­ter Linie um Verdrängung der Konkurenz, auf Kosten der Fotografen. Ein ver­nünf­ti­ger Schritt für Fotografen wäre, um Getty, Corbis und das Abomodel gene­rell einen Bogen zu machen.

  5. @ Robert : dan­ke habe die mail an veer gesen­det und direkt Antwort bekom­men . Hat funk­tio­niert . In der mail wird auch erwähnt das veer ihr Abo Ding noch­mal über­ar­bei­tet da wohl sehr vie­le Leute dar­auf nega­tiv reagiert haben . Geht doch , nur gemein­sam sind die Fotografen stark genug .

  6. @max II:

    Dem stim­me ich zu – lei­der arbei­ten vie­le deut­sche Macroagenturen aber für Getty, des­halb wer­den auch exclu­si­ve Vertäge mit den Fotografen ange­strebt, ein­fach mal genau­er bei den Macroagenturen nach­ha­ken dies­be­züg­li­ch…

  7. @reka:

    Wenn ich das rich­tig in Erinnerung habe bist Du doch auch bei F1 online – bei der letz­ten Abrechnung von F1 waren bei mir vie­le Auslandsverkäufe im Microstock, so ab € 1,–, wie war das bei Dir ?

  8. @ alle : also get­ty und cor­bis kön­nen schon was , nur müs­sen die selbst mit einem zusam­men­ar­bei­ten wol­len . Ja ‚exclu­siv und rm wenn get­ty und cor­bis . Sage ich doch es geht um Verdrängung . Der eine kauft den ande­ren usw. berei­ni­gung des Marktes . 

    Wegen F1 , das Glück hat­te ich bis­her nicht gehabt . Da wür­de ich eher in Betracht zie­hen das eine Partneragentur shit gebaut hat …
    @ Fotoprofi : was bie­test du an was war dein höchs­ter Umsatz ? Wenn eine nega­ti­ve Zahl soll­te es auch posi­ti­ve Zahlen geben ?

  9. @reka:

    Der RPI liegt bei ca € 4,– je Bild, nicht beson­ders, ist nicht mei­ne stärks­te Agentur, liegt son­st deut­li­ch höher.

  10. Dein Hinweis oben ist recht inter­es­sant und wirft die Frage, wie Fotolia die Rücksetzung auf das unter­s­te Ranking ange­hen will. Da Du zB Photodune erwähn­st, Yuri ist dort der Topseller. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass Fotolia Yuri auf weiß zurück­setzt. Vielleicht soll es eher ein selek­ti­ve­res Mittel wer­den, um klei­ne­re Anbieter zu redu­zie­ren? Ich den­ke auf­grund Deiner Kontakte zu Fotolia hast Du noch am ehes­ten die Chance, hier eine Stellungnahme zu bekom­men. Ich bin auf jeden Fall mal auf den Beitrag und die Diskussion gespannt.… Wenn Du es gen­au nimmst, läge Shutterstuck mit 0,25 Dollar im unters­ten Level gegen 0,25 Euro bei Fotolia ja auch dar­un­ter…

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