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Tutorial: Lichtaufbauten für Stockfotos (Leseprobe von „Light & Shoot“)

Viele Leser meines Blogs interessieren sich für konkrete Lichtaufbauten mit Skizzen und den fertigen Fotos, damit sie mehr über Beleuchtung lernen können. Einige Artikel habe ich dazu hier, hier oder hier im Blog, aber es gibt auch einige Bücher, die nur solche Setups vorstellen. Aus dem jüngst erschienenen Buch „Light & Shoot – Fashionfotografie in der Praxis„* von Chris Gatcum (mitp Verlag, 2012) möchte ich euch deswegen heute zwei der Kapitel als Leseprobe vorstellen:

Kapitel: Stock (Seite 30-31)

Vermutlich denkt man im Zusammenhang mit Modefotografie nicht automatisch an Stock-Fotografie – zumal nicht, wenn man sich wirklich kreative Modeaufnahmen vorstellt – aber genau damit bestreitet Fotograf und iStockphoto-Prüfer Alexey Ivanov seinen Lebensunterhalt.

Mit nahezu 20.000 Downloads aus seinem Portfolio in den letzten drei Jahren und einzelnen Bildern, die sich Hunderte Male verkauften, kann man leicht erkennen, wieso dieser russische Profi gern auf dem Stock-Fotografiemarkt mitmischt. Viele von Alexeys Modeaufnahmen zeigen einen ähnlichen Stil wie das hier abgebildete Foto mit einem dunklen Hintergrund und einer scheinbar harten Beleuchtung. Auch wenn die Anordnung des Lichts von Aufnahme zu Aufnahme wechselt, beruht sie doch oft auf der gleichen fundamentalen Technik: silberne Reflektoren und reflektiertes Licht.

»Diese Studioanordnung besteht aus zwei Lichtquellen und einem silbernen Reflektor. Das erste Licht ist ein silberner Beauty-Dish links neben der Kamera, der direkt auf das Motiv gerichtet ist. Obwohl der Beauty-Dish ein diffuses Licht liefert, maximiert der silberne Reflektor den Blitz. Die Nähe zum Model verhindert, dass das Licht zu weich wirkt, wie es bei einer Softbox der Fall wäre. Das zweite Licht ist ein Blitz mit Barndoors, der rechts vor dem Model positioniert wird. Mithilfe der Barndoors kann ich die Kamera und das Model vor dem Licht abschirmen und es in den silbernen Reflektor lenken, der dadurch zur Lichtquelle wird. Die Barndoors geben mir außerdem Kontrolle über das Licht im unteren Teil des Bildes, so dass ich weichere Schatten vor dem Hintergrund haben und eine weiche Vignette erzeugen kann.«

Draufsicht des Setups

Get The Look

Mit nur zwei mäßig leistungsstarken Monolights zum Ausleuchten seines Models scheint Alexeys Beleuchtung widersprüchlich zu sein: Sie zeigt harte Kanten, kommt aber von diffusen Lichtquellen. Der Grund dafür liegt in der Nähe der Lichter und des Reflektors zum Model. Wenn das Licht von seiner Quelle kommt, wird es durch die Atmosphäre, die es passiert, auf natürliche Weise gestreut. Je größer die zurückgelegte Strecke ist, umso weicher wird das Licht. Ist der Abstand zwischen Model und Beauty-Dish nur kurz und befindet sich der Reflektor auf der entgegengesetzten Seite, reist das Licht nicht besonders weit, so dass es kaum Möglichkeiten hat, sich zu zerstreuen und weicher zu werden. Beauty-Dish und Reflektor von Alexey erzeugen zwar ein natürlich diffuses Licht, ihre silberne Farbe und die dichte Positionierung verhindern aber, dass das Licht zu diffus wird, wodurch sich das faszinierende Paradoxon vom „harten, aber dennoch weichen Licht im Bild ergibt.

Perspektive des Setups

FOTOGRAF: Alexey Ivanov
KAMERA:
Canon EOS 5D Mk II
OBJEKTIV:
Canon EF 70 – 200 mm ƒ/2,8L USM @ 180 mm Brennweite
BLENDE:
ƒ/10
VERSCHLUSSZEIT:
1⁄125 s
ISO:
100
BELEUCHTUNG:

Bowens Gemini 500-Ws-Monolight mit silbernem Beauty-Dish
Bowens Gemini 500-Ws-Monolight mit Barndoors
Silberner Reflektor

Kapitel: Winterzauber (S. 106-107)

Für CT Pham – aka Phamster“ – hat der kreative Einsatz von Blitzgeräten Vorrang in der Mode- und Porträtfotografie. Dazu untersuchte er die Fotografen und Fotos, die ihn inspirierten, genauestens, analysierte den Lichtaufbau anderer Fotografen und überlegte, wie er dies selbst nachempfinden könnte.

„Diese Aufnahme war die erste für eine Serie basierend auf den vier Jahreszeiten – geplant hatte ich die schon lange. Inspiriert hatte mich der Fotograf Oleg Igorin, der etwas ähnliches geschaffen hatte, einfach kopieren wollte ich ihn jedoch nicht. Ich nahm das eher als Katalysator für meine eigenen Bilder.“

„Das Foto entstand in einer Tiefgarage. Eines Abends rückte ich dort mit einem Model, zwei Assistenten, drei Nikon Speedlights und einem einzigen AlienBees AB1600-Blitz mit Vagabond- Akkupack an. Ich verwendete den AB1600 als Hauptblitz mit einem 64-Zoll-Schirm und fügte zwei Speedlights hinzu – auf jeder Seite des Models eins – um den Glitter von beiden Seiten anzustrahlen. Beide Speedlights blitzten durch kleine Softboxen, eine mit Blau-, die andere mit Grünfi lter, um etwas Farbe ins Bild zu bringen. Ein drittes Speedlight stellte ich hinter dem Model auf und blitzte damit durch einen transparenten Schirm, um die Wand aufzuhellen und etwas Seitenlicht hinzuzufügen. Wegen des Unterschieds zwischen Zubehörschuh-Blitzen und Monolight musste ich den AB1600 auf 1/4 der Leistung reduzieren, während die Speedlights bei voller Leistung blitzten. Dann musste das Model nur noch den Glitter von seinen Händen pusten, während ich blitzte. Wir sind damals ganz schön viel Glitter losgeworden!“

Draufsicht des Setups

Get The Look

Vor Ort ist es sinnvoll, alle Blitzgeräte mit Batterien zu betreiben, wenn es keine Steckdose gibt –sofern Sie keinen Generator dabeihaben. Immer mehr Studio-Packs haben ein batteriebetriebenes Äquivalent, das Sie herumtragen können, es gibt sogar Akku-Packs für Monolights. Schreiben Sie jedoch den guten alten Zubehörschuh-Blitz nicht ab. Er bietet zwar weniger Leistung als Studioblitzgerate, aber in dunkler Umgebung ist das kein Problem – der Blitz wird auch dann noch das Umgebungslicht überstrahlen. Auch bieten immer mehr Unternehmen Zubehör für kleine Blitze an, so dass Sie mit Softboxen und Snoots arbeiten oder ein Stativ und einen Schirm als Reflektor verwenden können. Und Ersatzbatterien lassen sich auch leichter mitnehmen.

Perspektive des Setups

FOTOGRAF: CT Pham
KAMERA:
Canon EOS 5D Mk II
OBJEKTIV:
Canon 85 mm L
BLENDE:
ƒ/9
VERSCHLUSSZEIT:
1⁄160 s
ISO:
500
BELEUCHTUNG:

AlienBees AB1600 Monolight mit 64-Zoll-Schirm
Zwei Nikon Speedlights aus kleinen Softboxen (eine mit blauem, eine mit grünem Filter)
Nikon Speedlight in transparenten Schirm geblitzt

Haben euch die beiden Kapitel gefallen? Das ganze Buch kann zum Beispiel hier* für 24,95 Euro bestellt werden.

* Affiliate-Link

Tutorial: Drei einfache Licht-Setups mit 2-3 Blitzen im Studio

Wie schon erwähnt habe ich auf der ersten Microstock Expo 2011 in Berlin einige Artikel-Ideen bekommen.

Der Stockfotograf Luis Alvarez hatte bei der MEXPO auch ein Beauty-Shooting organisiert. Einige Blog-Leser kennen ihn vielleicht schon von seinem Gastbeitrag „Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits im Hip Hop Look“ oder von seinem Statistik-Service Stock Performer. Luis hat mir erlaubt, die drei Licht-Setups vom Shooting vorstellen zu dürfen.

Das erste Set mit der langhaarigen Aljona ist ziemlich einfach und der Aufbau wird so ähnlich gerne in den Hochglanz-Modemagazinen verwendet, weil er mit minimalen Mitteln einen coolen Look erzeugt. Hier seht ihr zuerst eins der fertigen Fotos. Mehr Fotos könnt ihr hier sehen und auch kaufen*.


Das Model steht auf einer dunkelgrauen Hintergrundrolle, die mit einem Normalreflektor angeblitzt wird. Dieser Blitz erzeugt den weißen Kreis im Hintergrund. Die Stärke des Blitzes regelt logischerweise die Helligkeit des weißen Kreises. Als Hauptlicht dient ein sehr hoch stehender Blitz mit Beauty Dish, der ganz leicht nach links versetzt ist. Die Höhe des Blitzes ist wichtig, damit die Haare oben auch etwas Licht abbekommen.

Den genauen Aufbau und die tatsächliche Höhe des Beauty Dish seht ihr auf dem Setup-Foto unten hinten.


Im Vordergrund seht ihr den Set-Aufbau für das zweite Model, die bezaubernde Yolanda. Hier wieder eins der fertigen Fotos, mehr davon sind hier erhältlich*.

Obwohl bei diesem Blitzaufbau drei Blitze benutzt werden, ist das Setup noch einfach als das erste, denn alle Blitze sind nur mit Normalreflektoren ausgestattet.  Der Hauptblitz steht direkt auf der Sichtachse des Models hinter und über dem Fotografen. Für die Lichtkanten (auch „rim light“ genannt) an den Armen und im Gesicht des Models sorgen zwei weitere Blitze, die ca. im 30°-Winkel hinter dem Model stehen, aber tiefer montiert sind als das Hauptlicht. Das Setup-Foto oben sollte da keine Fragen offen lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch der farblich auf das Model abgestimmte Hintergrundkarton, damit die Fotos stimmig wirken.

Das dritte und letzte Setup wurde für die blonde Valerie eingerichtet. Hier eins der fertigen Fotos, mehr davon gibt es wieder hier zu sehen*.


Der Aufbau ist fast identisch mit meinem normalen Lichtaufbau, den ich im Studio nutze. Im Unterschied zu meinem Aufbau setzt Luis jedoch auf einen grauen Hintergrund. Als Hauptlicht dient eine große Octobox von schräg rechts. Direkt auf der anderen Seite des Models sorgt ein Blitz mit einer vertikalen Softbox (ein sogenanntes „Strip-Light„) wieder für die Lichtkante am Arm und Haar des Models, wobei ich die Lichtstärke nachträglich gesehen etwas runtergeregelt hätte.

Unten im Bild seht ihr noch mal die genaue Aufstellung der Blitze und als Bonus den Profi-Microstocker Andres Rodriguez bei der Arbeit.


Wer noch mehr Material sehen will, findet im Blog von Gerhard Seybert weitere Fotos und ein „Behind The Scenes“-Video und auch bei den offiziellen Videos* ist etwas vom Shooting zu sehen.

Ich finde, dass diese drei Setup-Beispiele gut zeigen, wie mit relativ einfachen Mitteln und meist nur durch eine Änderung der Blitzposition und der Hintergrundfarbe ein ganz anderer Stil auf den Fotos erzeugt werden kann. Um alle Sets nachzubauen, braucht man nur drei Blitzköpfe, ein Hintergrundsystem mit drei Hintergrundkartons, ein Beauty Dish, eine Octobox und ein Strip-Light. Notfalls kann für den Anfang auch auf die Lichtformer und den dritten Blitz und die verschiedenen Hintergründe verzichtet werden.

Jetzt seid ihr dran: Welcher der drei Looks gefällt euch am besten? Warum?

* Affiliate

Rezension – DVD-Training-Serie mit Lichtsetups von Krolop & Gerst

Vor einer Weile hatte ich den beiden Fotografen Martin Krolop und Marc Gerst bei der Erstellung eines Video-Tutorials über die Schulter geschaut.

Heute will ich die dazugehörigen DVDs besprechen, was bei einer vorliegenden Gesamtlaufzeit von über 11 Stunden logischerweise etwas gedauert hat.


Ich habe mir diese drei Teile (mit insgesamt vier DVDs) angeschaut, insgesamt haben die beiden mittlerweile aber schon acht verschiedene DVD-Trainings im Angebot und sie arbeiten hart daran, dass es noch mehr werden. Es liegt auf der Hand, dass jedes DVD-Training ein anderes Thema abhandelt, aber einiges ist auch identisch.

Die meisten DVDs richten sich an Fotografie-Anfänger, Profis werden vielleicht wenig Neues lernen, dafür aber ihre Neugier befriedigen können, wie andere Fotografen arbeiten und was für Ergebnisse sie erzielen. Doch dazu gleich mehr. Die Aufnahmetechnik ist auf den ersten DVDs etwas – na ja – bescheiden, die Musik eher nur für Techno-Fans und Martins Kommentare können schnell mal langatmig werden oder er verhaspelt sich und muss dann die Models fragen, was er eigentlich sagen wollte. Da dachte ich mir des öfteren schon: „Ja, Martin, ich hab’s verstanden, bitte weiter im Text„.

Blöd ist auch, dass sich die DVDs von den meisten DVD-Spielern nicht abspielen lassen, da die Videos entweder im FLV-Format oder MP4/MOV-Format vorliegen. Dafür sind auf jeder DVD die Videos auch in kleiner Auflösung dabei, sodaß sie sehr bequem auf dem iPhone oder anderen Smartphones angeschaut werden können. Die Länge der einzelnen Videos ist mit ca. 5-15 Minuten auch sehr passend, um sie häppchenweise auf dem Weg zur Arbeit oder Uni zu sehen.

Was die DVDs auszeichnet, sind andere Dinge: Zum einen sind die meisten DVD-Trainings zu eingerichtet, dass nur wenig Material gebraucht wird und der Anfänger nicht fürchten muss, sich die benötigten Geräte nicht leisten zu können. Zum Beispiel gibt es die „One Light„-Serie, bei der eindrucksvoll gezeigt wird, wie mit einer einzigen Lichtquelle sehr unterschiedliche Setups umgesetzt werden können oder die „Let’s Bounce„-Serie, welche nur mit Reflektoren der Firma California Sunbounce arbeitet. Das „Special Light„-Training zeigt, wie mit Dauerlicht, Neonröhren, Ringlicht und anderen Lichtquellen gearbeitet werden kann.

Desweiteren gibt es noch die Trainings „ Wie man Menschen fotografiert oder es besser nicht tun sollte„, „Action & Sport“ oder „Mobiles Blitzen„, die ich jedoch noch nicht gesehen habe.

Das Gute an den Videos von Krolop & Gerst ist, dass sie trotz ihrer manchmal holprigen Art sehr gut das Wesentliche vermitteln: Die Arbeit mit Licht! Es geht darum, gute Fotos zu erhalten, mit so wenig Mitteln wie möglich. Die Erklärungen sind gut verständlich und nach dem Betrachten der Videos bleiben keine Fragen offen. Die Kameraeinstellungen und Blitzeinstellungen werden genau erläutert, der Set-Aufbau wird ausführlich gezeigt, die Kommunikation zwischen Model und Fotograf ist zu sehen und sogar nach dem Shooting hören die Trainings nicht auf. Auf den DVDs sind – und das ist sehr selten – die Rohdaten der Fotografen aus der Kamera dabei sowie deren bearbeitete Versionen und einige Videos, in welchen die Bildbearbeitungsschritte in Lightroom und Photoshop gemeinsam durchgegangen werden. Wer sich also ein Model schnappt und einen Blitz besitzt, sollte sehr einfach und schnell ähnliche Ergebnisse wie auf den DVDs erzielen.

Im Blog von Krolop & Gerst gibt es auch unzählige Videos zum kostenlosen Anschauen. Ihr wisst also vorher genau, welcher Stil euch erwartet, wenn ihr eine der DVDs kauft. Ich empfehle für den Anfang vor allem die Doppel-DVD „One Light Setups“ (Basics/Teil1).

Manchmal werde ich gefragt, ob man mir bei einem Fotoshooting zuschauen dürfte. Das ist möglich, aber zeitlich oder örtlich nicht immer machbar. Das Ansehen dieser DVDs hat jedoch fast den gleichen, wenn nicht sogar einen größeren Lerneffekt.

Wie lernt ihr am liebsten? Mit Büchern, DVDs, Workshops?

Tutorial: Küche für 99 Euro als Requisite selbst bauen

Heute gibt es was Leckeres: Der Fotograf Jörg Hempelmann vom Essener Fotostudio Picture-Factory zeigt, wie sich Fotografen aus dem Nichts eine komplette Küche als Location für ein Fotoshooting selbst bauen können. Alles, was ihr braucht, sind 3 x 2 Meter Platz und… ach, lest selbst:

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Viele Stockfotografen kennen das leidige Thema: Wie kann ich ohne großen Aufwand Bilder produzieren, die aus dem alltäglichen Leben gegriffen sind?

Gern werden in den Frauenmagazinen Bilder gezeigt, die aus dem Bereich Küche kommen. Jeder hat zuhause eine Küche. Aber ist sie auch zeitgemäß? Ist die Farbe aktuell, ist sie nicht zu dunkel und habe ich genug Platz, um vernünftig meine Licht zu positionieren? Vor dem gleichen Problem standen wir auch bei unserem ersten Küchenshooting.


Wir selbst haben eine offene Küche mit sehr viel Platz. Die Oberfläche ist aus Kirsche und die Arbeitsplatten und Rückwände sind aus Granit. Das erste Shooting, was wir dort realisiert haben, klappte ganz gut, aber gekauft werden nur die Nahaufnahmen, wo man die Küche nur erahnen kann. Fazit: Die Küche war vom Design nicht mehr zeitgemäß und die Farben passten nicht. Aber jetzt eine neue Küche nur für Shootings kaufen wäre doch ein bißchen zu viel des Guten.

Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Küche im Studio aufzubauen. Mehrfach bei Ebay geschaut, ob eine weiße Küche dort günstig zu ersteigern war. Aber unter 500€ war da nichts zu machen. Also mußten wir uns etwas anderes einfallen lassen, um eine Küche zu simulieren. Dabei entstand folgende Idee:

Alles, was bei der Küche im Hintergrund seinen sollte, wird unscharf dargestellt, aber man sollte noch erkennen, dass es sich um Küchenutensilien handelt. Also mußte ein Regal her, wo man Tassen und Teller offen reinstellen kann. Damit war das Thema Hintergrund bis auf die Töpfe und Pfannen an der Wand schon erledigt. Vom Platzbedarf brauchten wir nur eine weiße Wand von ca. 3m und eine Raumbreite von ca. 2m. Das reichte für das Küchenset vollkommen.


Moderne Küchentheken mit Kochfeld sieht man fast überall. Also mußte eine Thekennachbildung her. Hierfür haben wir zwei weiße Tische 1m x 0,6m genommen, sie länglich zusammengestellt und die Küchentheke war schon fast perfekt. Das Einzige, was noch nicht stimmte, war die Arbeitshöhe. Hierfür haben wir einfache Obstkästen genommen und die Tische damit um ca. 20cm erhöht. Jetzt noch ein Holzschneidebrett für die Gemüseschneidaktion platziert. Diese Holzbreit überdeckte gleichzeitig die Stoßnaht der beiden Tische und dann war die Theke schon fertig.


Es fehlten noch Utensilien wie Teller, Messer, Gemüse, Töpfe, und so weiter. Die Töpfe stehen doch nicht einfach so auf einer Arbeitsplatte rum? Ein Kochfeld mußte her. Aber jetzt extra ein Cerankochfeld kaufen, das würde unser Budget sprengen. Also entschlossen wir uns, eine große 60 x 60cm Granitfliese aus dem Baumarkt für 5 Euro zu nehmen, da das Kochfeld sowieso nur im Anschnitt und in der Unschärfe erscheinen sollte. Wie man es auf den Bildern sieht, kann man es nicht erkennen.


Als wir nach dem Shooting zusammengerechnet haben, was das Ganze gekostet hat, mußten wir schmunzeln. Genau 99 € hat dieses Set gekostet.

Hier die Aufstellung der Teile:

  • 2 x Lackregal weiß je 20€
  • 2 x Tisch mit Beinen 1m x 0,6m je 22€
  • 1 x Holzschneidebrett 7€
  • 1 x Granitfliese 5€
  • 4 x Styroporplatten für Rückwand Regal 3 €

Dies bekommt ihr alles beim gelben Möbelhaus und im Baumarkt. Viel Spaß beim Nachbauen.


Über Picture-Factory:
Die Picture-Factory ist ein Fotostudio in Essen. Wir sind ein Fotografenteam von 3 Fotografen und haben die Schwerpunkte People- und Hochzeitsfotografie. Seit November 2010 sind wir auch in dem Bereich der Stockfotografie tätig und haben innerhalb von 4 Monaten ein Stock von ca. 1700 Bildern aufgebaut.

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Wie findet ihr diesen Trick? Habt ihr auch schon Locations für ein Fotoshooting simuliert und was habt ihr dafür benutzt?

Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits (Hip Hop Look)

Vor paar Wochen saß ich mit dem Fotografen Luis Alvarez in einer schicken Bar in Berlin-Mitte, die ungelogen einen Laptop-Besucher-Ratio von fast 1:1 hatte.  Luis fotografiert exklusiv für istockphoto und Getty Images und schreibt den sehr empfehlenswerten Blog vela-photo.com, in dem er Bildaufbau-Tutorials, Analysen zur Stockfotografie und vieles mehr veröffentlicht.

Wir wollten was zusammen machen und haben uns überlegt, dass Luis einen Gastartikel schreiben könne. Da sein Blog in englisch gehalten ist, gibt es diesmal hier sein aktuelles Tutorial für den Blitzaufbau bei Portraits auch in deutsch.

Viel Spaß beim Lesen! (ab jetzt schreibt Luis)

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Neulich war ein Freund von mir in Berlin zu Besuch. Er kommt ursprünglich aus Los Angeles und es hat nicht lange gedauert, bis ich ihn überzeugen konnte, für mich zu modeln! Das Shooting war besonders interessant, weil wir wenig Zeit hatten und ich einige Lichtaufbauten ausprobieren wollte.

Das Ergebniss ist eine Serie von Portraits, jedes ein bisschen anders.

Ich möchte gern mit euch vier der Licht-Einstellungen teilen und zeigen, wie jede Variation auf ein Bild wirkt.

Ein Blitz

Das erste Portrait wurde mit nur einem Blitz gemacht. Der Hintergrund war grau. In meinem Studio arbeiten wir nur mit Profoto und ich hab dafür ein Profoto Beauty Dish mit Glas-Deflektor und Waabe genutzt (Ich hab keinen Affiliate-Kontakt zu Profoto, die Links dienen lediglich der Information, so dass ihr wisst, was ich genau genutzt habe). Das Beauty Dish habe ich über dem Model rechts (also links vom Fotografen) positioniert.

100mm, f8, 1/160s

Dank des höheren Winkels, aus dem das Licht kommt, sind viele Schatten zu sehen, was einen sehr dramatischen Look ergibt. Der Glas-Deflektor sorgt dafür, dass das Licht ungleich auf das Model fällt und mehr Drama erzeugt. Das funktioniert sehr gut für ernste Porträts.

Licht Setup: Ein Blitz

Zwei Blitze

Das erste Bild ist dunkel und ernst. In der nächsten Variante wollte ich den Hintergrund beleuchten.

Dafür habe ich einen normalen Profoto Zoom Reflektor mit Waabe auf den Hintergrund gerichtet.

100mm, f7.1, 1/160s
100mm, f7.1, 1/160s

Man sieht sofort den grauen Hintergrund, wo vorhin nur schwarz zu sehen war. Das gibt dem Bild mehr Tiefe, weil das Model vom Hintergrund getrennt wird.

Das nächste Bild wurde mit genau den gleichen Einstellungen gemacht. Ich habe nur leicht den Winkel des Beauty Dishes geändert. Ihr seht, dass das Licht hauptsächlich auf den Kopf und den Oberkörper fällt. Der Hintergrund-Blitz wirkt bei dem Bild sehr gut!

100mm, f9, 1/160s

Licht Setup: Zwei Blitze

Vier Blitze

Das Setup mit zwei Blitzen ist schön. Aber um den echten „Rapper Look“ zu bekommen, möchte ich das Model vom Hintergrund noch mehr trennen und dem Bild mehr Dimension geben. Die kriegt man mit Licht von hinten. Ich habe zwei Profoto Strip Lights hinzugefügt, einmal links und rechts hinter dem Model. Ich habe auch die Hintergrundfarbe geändert, Lila ist viel lebendiger. Das Beauty Dish habe ich diesmal direkt vor dem Model und über der Kamera platziert, so sind die Schatten viel symmetrischer, was besser zum Konzept passt.

100mm, f9, 1/160s

Die kleine Sternchen habe ich mit Photoshop gemacht, das ist einer der Pinsel, die ab CS2 standardmäßig dabei sind.

Licht Setup: 4 Blitze

Fünf Blitze (Vier Blitze und ein Ringblitz)

Meine letzte Variation gibt dem Bild viel mehr Bling und Glamour, in dem ich einen Profoto Ringblitz mit Reflektor nutze. Ringblitze wirken immer gut auf Bildern, die werden sofort lebendig und glamourös! Für diese Einstellung bleiben alle andere Blitze unverändert.

100mm, f9, 1/160s

Ihr merkt, dass das Ringblitz einheitlich das ganze Model beleuchtet, von der Hose bis zum Kopf. Die Qualität des Lichtes ist sehr unterschiedlich im Vergleich zu den anderen Blitzen. Ringblitze produzieren einzigartiges Licht, sehr beliebt in der HipHop-Szene.

Licht Setup: 5 Blitze


Ich hoffe, die verschiedenen Licht-Diagramme waren hilfreich und haben euch gezeigt, wie man mit mehr und mehr Licht das Bild beeinflussen kann! Ich empfehle jedem, erstmal klein anzufangen und mit der Zeit immer mehr Licht zu nutzen, um besondere Bilder zu produzieren.

Welches Licht nutzt ihr? Und wie sehen die Bilder aus?

Ich werde demnächst die Photoshop-Datei vom vorletzten Bild auf meinem Blog veröffentlichen. So könnt ihr sehen, wie viel man mit Photoshop noch ändern kann!

Luis Alvarez