Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 29

Langsam stau­en sich die Einsendungen für neue „Pimp My Stock“-Folgen von meh­re­ren Monaten in mei­nem Posteingang, des­halb gibt es wie­der eine. Benni hat ganz tap­fer über ein Jahr war­ten müs­sen, aber ich hof­fe, dass ich bald wie­der weni­ger im Verzug bin. Hier sei­ne Mail:

Hi Robert,

ich wür­de ger­ne dei­ne „Pimp My Stock Beratung“ in Anspruch neh­men :). Meine Name ist Benni (best­gra­fix) und ich kom­me aus dem schö­nen Berlin. Ich foto­gra­fie­re jetzt seit ca. 2002, hat­te damals aller­dings nur mit einer Kompaktkamera foto­gra­fiert. Aber irgend­wann war mir die Qualität zu schlecht und es mus­s­te eine DSLR her.

Ich bin dann vor drei bis vier Jahren in die DSLR-Klasse gewech­selt. Mit der K100D hat alles ange­fan­gen. Ich hat­te fast alles, was Pentax so anzu­bie­ten hat­te. Bis vor einem Jahr hat­te ich mei­ne Fotos noch mit einer Pentax K5 gemacht, aller­dings war ich auch von den Kinderkrankheiten mit dem AF betrof­fen und ich bin dann schließ­li­ch bei Sony gelan­det und erfreue ich mich an der klei­nen NEX 5N und Sony Alpha A65.

Nun aber zu mei­nem eigent­li­chen Thema:)
Vor ca. zwei Wochen kam ich zufäl­lig auf das Thema Stockfotografie, da mich eine Freundin dar­auf auf­merk­sam gemacht hat­te. Ihr Bekannter ver­kauft flei­ßig Fotos bei Fotolia und ver­dient sich damit etwas neben­bei, durch die Recherche zur Stockfotografie bin ich dann auch auf dei­nen Blog gesto­ßen und fand die­sen sehr infor­ma­tiv.

Jetzt woll­te ich auch mal mein Glück ver­su­chen. Ich bin mein Archiv von die­sem Jahr durch­ge­gan­gen und habe auch ca. 150 Fotos gefun­den, die sich bestimmt ver­kau­fen lie­ßen. Diese habe ich noch etwas in Lightroom nach­be­ar­bei­tet (Kontraste, Schärfen, Entrauschen) und hoch­ge­la­den. Das mit dem tag­gen hab ich aber total unter­schätzt und das hat mich letzt­end­li­ch drei Abende gekos­tet. (Ich habe mei­ne Fotos bis­her nur nach Jahr und Titel in Ordner sor­tiert.)

Nun nach knapp einer Woche sind die Genehmigungen durch und es wur­den ca 98% der Fotos auf­grund von tech­ni­schen Mängeln abge­lehnt, das war natür­li­ch ernüch­ternd und ganz schön demo­ti­vie­rend, aber ich will ja noch nicht auf­ge­ben.

Ich möch­te damit natür­li­ch nicht mein Lebensunterhalt ver­die­nen, da ich ja noch Vollzeit arbei­te, aber ein klei­ner Zuverdienst wäre schon toll.

Ich habe frü­her mal in der Spielebranche gear­bei­tet und da benö­tigt man ja immer Texturen, von daher könn­te ich mir auch sowas vor­stel­len, die Frage ist nur, ob sich sowas bei Fotolia ver­kauft und wie die­se am bes­ten auf­be­rei­tet wer­den sol­len. Schon geka­chelt und frei­ge­stellt? Als PNG mit Alphamaske? Teuer wird man die­se sicher auch nicht ver­kau­fen kön­nen.

Für ein paar Tipps wäre ich dir äußer­st dank­bar. Sollte ich die Fotos viel­leicht doch noch woan­ders ver­kau­fen ?

Grüße,
Benni“

Bevor ich mich sei­nen Fragen am Ende der Mail wid­me, ein Satz vor­weg und dann schau­en wir uns sei­ne Bilder an:

Es ist typi­sch, dass sich Anfänger, wenn sie auf das Phänomen Stockfotografie sto­ßen, zuer­st ihren Berg alter Aufnahmen durch­fors­ten, ob sich davon etwas ver­kau­fen lie­ße. Das führt jedoch oft zu Frustrationen, weil die­se Bilder eben nicht mit dem Käufer im Hinterkopf gemacht wur­den und des­halb meist weni­ger geeig­net sind als Aufnahmen, die spe­zi­ell für Bildagenturen erstellt wur­den. Deshalb: Wer fri­sch in die Agenturfotografie ein­stei­gen will, soll­te auch mit neu­en Bildern begin­nen und nicht alte Kamellen auf­wär­men.

Nun aber zu Bennis Bildern:

Das ers­te Foto zeigt den Lenker mit Korb von einem Hollandrad. Das Bild gefällt mir gut, aber allein wegen des Logos am Rahmen des Fahrrads mus­s­te es abge­lehnt wer­den. Ich wür­de auch im Hintergrund links die­sen dunk­len „Fleck“ ent­fer­nen, weil der unnö­ti­ge Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Anbieten wür­de sich das Gegenlicht auch, um eine mensch­li­che Silhouette ein­zu­bau­en, die zum Beispiel jubelnd in die Luft springt oder ein­fach ent­spannt die Arme aus­streckt.

Das nächs­te Bild zeigt eine Tasse Tee mit Teebeutel oben drauf. Hier stört haupt­säch­li­ch, dass das Foto schwarz/weiß ist, denn es passt nicht zur war­men Stimmung, die ein Teefoto meist erzeu­gen soll. Durch die mit der Untertasse geschlos­se­ne Tasse wirkt das Bild auch nicht ein­la­dend, um das Gefühl zu erzeu­gen, gleich selbst den Teebeutel in das hei­ße Wasser tau­chen zu kön­nen.

Das Foto zeigt Wasser in einem Springbrunnen. Hier wirkt das Bild zu unru­hig, die Wassersäulen links sind zu domi­nant und ins­ge­samt zeigt das Bild ein­fach kei­nen „Klischee-Brunnen“, mit dem man das Thema „Brunnen“ illus­trie­ren wol­len wür­de.

Hmm, lecker! Das war mein ers­ter Gedanke beim Anblick der vie­len Desserts auf einem Buffet oder einem Catering und gen­au die­sen Eindruck müs­sen gute, ver­käuf­li­che Food-Fotos erzeu­gen. Insofern ein gelun­ge­nes Foto für Bildagenturen. Leider ist unten am Tischrand deut­li­che chro­ma­ti­sche Aberration erkenn­bar, die retu­schiert wer­den müss­te. Auch der klei­ne Blätterzipfel der Physalis unten rechts könn­te retu­schiert wer­den. Bei dem Motiv wür­de sich der Aufwand aber loh­nen.

Das nächs­te Food-Foto vom Rührei mit Speck ist lei­der nicht mehr so gelun­gen. Deutlich ist zu sehen, dass das ein­fach eine Mahlzeit im Restaurant oder Hotel ist, die vor dem Verzehr foto­gra­fiert wur­de und wo nicht auf das „Drumherum“ geach­tet wur­de. Es stö­ren die rote Tasse mit ihrer domi­nan­ten Farbe im Hintergrund, die ein­zel­ne Traube lenkt ab, der aus­ge­drück­te Teebeutel sieht nicht foto­gen aus und der Zuckerstreuer passt nicht bei die­sem herz­haf­ten Gericht. Wenn wir uns das alles weg­den­ken und gedank­li­ch etwas grü­nen Schnittlauch oder Petersilie auf dem Rührei dra­pie­ren, wäre es ein gutes Stockfoto. Kein sehr gutes, aber akzep­ta­bel. So könn­te das Ergebnis* dann aus­se­hen…

Auf die­sem Bild sind geroll­te Servietten zu sehen, wie sie bei Veranstaltungen genutzt wer­den. Das Foto wür­de sich gut als Symbolfoto für Catering-Firmen, Restaurants oder Hotels eig­nen. Ich hät­te jedoch etwas mehr Schärfentiefe ver­wen­det und eine Perspektive gewählt, bei der rechts oben nicht so viel grün erkenn­bar ist. Außerdem gilt es auch hier wie­der, auf even­tu­el­le chro­ma­ti­sche Aberrationen beim Glas zu ach­ten. Ansonsten aber ein ganz brauch­ba­res Stockfoto.

Dieses Foto zeigt auf den ers­ten Blick einen idyl­li­schen Bootssteg und vom Motiv her ist es ein gutes Stockfoto. Ich wür­de jedoch die Sättigung etwas rauf­dre­hen, die Schatten mehr auf­hel­len , mehr Zeichnung in den Himmel brin­gen (Fake-HDR). Die chro­ma­ti­schen Aberrationen oben an den Baumgipfeln müs­sen eben­falls ent­fernt wer­den.

Das Strandfoto mit Palmen ist wie­der zu unru­hig. Außerdem ist die Form der Palmen nicht typi­sch genug und die wei­ßen Kästen unter den Palmen irri­tie­ren. Eventuell könn­te das Foto mit einem qua­dra­ti­schen Beschnitt geret­tet wer­den, bei dem das Meer in der Bildmitte lie­gen wür­de.

Bilder in einer Disko oder ande­ren dunk­len Umgebung sind immer eine Herausforderung. Hier ist lei­der nichts rich­tig scharf (die Diskokugel hät­te sich ange­bo­ten) und somit wird das Foto kaum durch eine Bildredaktion kom­men. Das Motiv ist zwar nicht auf­re­gend, aber ich könn­te mir den­no­ch eini­ge Verkäufe zum Thema Veranstaltungstechnik  etc. vor­stel­len.

Insgesamt ist die Bildqualität (bis auf die chro­ma­ti­sche Aberration) schon sehr gut, der foto­gra­fi­sche Blick ist da, jetzt muss er nur noch mit den „Gestaltungsregeln für Stockfotos“ (sie­he das Kapitel 4 in mei­nem Buch „Stockfotografie“*) trai­niert wer­den.

Zu den Fragen der Mail: Ja, Texturen sind sehr gefragt und ver­kau­fen sich auch gut, jedoch ist die Konkurrenz in die­sem Bereich sehr hoch. Wer kachel­ba­re (seam­less) Texturen anbie­ten kann, hat einen klei­nen Vorteil. Zu Exklusivität bei einer Bildagentur wür­de ich auch nicht mehr raten, wie ich erst kürz­li­ch hier dar­ge­legt habe.

Wer selbst Fotos für eine „Pimp My Stock!“-Folge ein­rei­chen will, fin­det hier alle Teilnahmebedingungen.

Was sagt ihr zu den Fotos? Stimmt ihr mit mei­ner Einschätzung über­ein?

* Affiliate

5 Gedanken zu „Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 29“

  1. Ja, es ist schwie­rig, im Urlaubsarchiv brauch­ba­re Fotos zu fin­den 🙂 Aber ich habe auch so ange­fan­gen. Als klei­nen Tipp kann man sich mer­ken: solan­ge man sich sagt „ach, irgend­je­mand wird das schon brau­chen kön­nen“, ist das Foto fast unver­käuf­li­ch 🙂 Denn wenn man sel­ber kei­ne spon­ta­ne Idee hat, wofür man es brau­chen könn­te, wis­sen die ande­ren es auch nicht. Schritt zwei ist also, die Welt mit den Augen der Käufer zu betrach­ten. Und sich bei jedem Motiv zu fra­gen „wofür braucht man das?“ Dann wird es auch was auf Dauer. Viel Glück 🙂

  2. …wobei ich schon Bilder hat­te, die ich gar nicht hoch­la­den woll­te, weil ich dach­te, für was soll man das brau­chen kön­nen. Und die haben sich dann erstaun­li­ch gut ver­kauft. Aber ich bin sehr kri­ti­sch gewor­den, bevor ich die gan­ze Arbeit (bear­bei­ten, ver­schlag­wor­ten) über­haupt bei einem Bild begin­ne…

  3. Ich habe bei ein paar der Bilder, bei denen du chro­ma­ti­schen Aberrationen fest­ge­stellt hast, echt lan­ge suchen müs­sen, sie aber selbst nicht gese­hen. Hast du die Bilder für dein Review in höhe­rer Auflösung begut­ach­tet, oder siehst du die chro­ma­ti­schen Aberrationen alle auch noch in der Version und mit der JPEG-Kompression, wie sie hier im Blog zu sehen sind?

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