Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 03

Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fra­gen mich ande­re Fotografen, ob ich Ihnen nicht eini­ge Tipps zur Stockfotografie geben kön­ne.

Klar, mache ich ger­ne. Aber damit auch ande­re Fotografen etwas ler­nen kön­nen, möch­te ich kon­kre­te Tipps zu kon­kre­ten Stockfotos in der Artikelserie “Pimp My Stock” geben. Im Teil drei mei­ner Serie bit­tet Martha Spörck um Hinweise, wie sie ihre Stockfotos ver­bes­sern kann. Martha ist eine Angestellte aus Wien, die seit 2000 Amateurfotografin ist und seit 2008 mit der Stockfotografie begon­nen hat. Sie foto­gra­fiert mit einer Canon EOS 40D und einer Walimax-Blitzanlage.

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos “stockt­aug­li­ch” sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­li­ch das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­li­ch, sub­jek­tiv.

Nun, aber die Fotos:

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Die Farbauswahl mit dem rosa und rot und der Komplementärfarbe Grün an der Tasse fin­de ich gelun­gen, auch die Komposition passt. Trotzdem gibt es vie­le Dinge zu ver­bes­sern, die allein viel­leicht nicht rele­vant sind, aber zusam­men doch zu einer „Abwertung“ des Fotos füh­ren. Zum ist der Saum des Pulloverärmels sicht­bar aus­ge­fran­st, der Faden mit dem Etikett des Teebeutels stört und kann in der 100%-Ansicht even­tu­ell zu Urheberrechtsproblemen füh­ren (Logo, Markenrecht). Außerdem fin­de ich den Blick des Models unpas­send. Der wirkt auf mich eher nach „Ihh, was schwimmt da Ekliges in mei­nem Tee“ als „Hm, ich lie­be hei­ßen Tee“. Und gen­au die­ser Ausdruck wür­de ein Bild ver­kau­fen.

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Hier domi­niert der Anschnitt: Finger, Augen, Haaransatz sind abge­schnit­ten. Vor allem das Abschneiden der Augen ist ein Tabu und soll­te ver­mie­den wer­den. Das Lächeln des Models über­zeugt mich lei­der wie­der nicht. Auch die gesam­te Szene ist dies­mal selt­sam. Eine hal­be Walnuss auf der Handfläche? Als Stockfoto zum Thema „Kochen/Ernährung“ wür­de eine Küchen- oder Essumgebung bes­ser pas­sen und zum Thema „Härte“ hät­te die Nuss mit den Zähnen auf­ge­bis­sen wer­den kön­nen.

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Das Konzept wirkt klar, der Bildaufbau hät­te jedoch sym­me­tri­scher sein kön­nen. Vor allem, dass der Körper nicht in der Bildmitte ist und links vom Arm weni­ger als rechts zu sehen ist, stört den Bildeindruck.

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Geldscheine sind ein her­vor­ra­gen­des Requisit für Konzeptfotos. Da hier jedoch sofort zu erken­nen ist, dass Spielgeld ver­wen­det wird, schwächt das die Symbolkraft der Bilder stark ab. Diese Art der Fingernägel ist eine Modeerscheinung, wel­che das Bild schnel­ler ver­al­ten las­sen kann als not­wen­dig. Was das für ein metal­li­scher Gegenstand ist, den die Hände da hal­ten, habe ich nicht erra­ten kön­nen. Hat jemand eine Idee?

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Auch wie­der ein gutes Motiv. Kopfkissen sym­bo­li­sie­ren Ruhe und Entspannung. Für ein „müdes“ Model wirkt die Frau jedoch zu auf­ge­stylt und zu stark geschminkt. Der Gesichtsausdruck ist eben­falls wie­der nicht opti­mal. Er scheint eher Trauer als Gelassenhaut aus­zu­drü­cken. Mit einem zer­knüll­ten Taschentuch in der Hand unter dem Auge wäre es wie­der pas­send zum Thema „Liebeskummer“.

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Leider gilt auch bei die­sem Bild viel von den vori­gen Anmerkungen. Das Motiv ist an sich ver­kaufs­träch­tig. Immerhin ist 2010 die nächs­te Fußball-Weltmeisterschaft. Aber Schmuck und Schminke des Models wir­ken nicht sport­li­ch und als Foto zum Thema „Fan“ oder „Zuschauer“ wirkt der Blick der Frau nicht moti­viert und lei­den­schaft­li­ch genug.

Es schmerzt mir, so viel Negatives zu den Fotos schrei­ben zu müs­sen. Aber es wird gut deut­li­ch, dass es für gelun­ge­ne Stockfotografie auf Kleinigkeiten ankommt. Vor allem die Wahl des Models wirkt für die­se Motive nicht ganz glück­li­ch und auch die Accessoires hät­ten behut­sa­mer genutzt wer­den kön­nen.  Wie seht ihr das? War ich zu kri­ti­sch? Oder zu nett?

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8 Gedanken zu „Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 03“

  1. Hallo Robert,

    nein Du bist nicht zu kri­ti­sch. Das sind Alles Punkte die ich nach­voll­zie­hen kann. Vor Allem der Anschnitt beim Walnussportrait geht mei­ner Meinung nach gar nicht. Erstens die Augen und zwei­tens die Hand. So schnei­det man defi­ni­tiv nicht.

    Eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Beurteilung der Qualität der Bilder ist mir lei­der durch die gerin­ge Auflösung nicht mög­li­ch, jedoch bin ich bei man­chen Bildern nicht mit den Hauttönen zufrie­den. Sie sind auf ein und dem sel­ben Bild zu unter­schied­li­ch, was zwar natür­li­ch ist aber mir per­sön­li­ch nicht zusagt. Z.B. Oberkörper und Beine, Gesicht und Hand,… Ich wür­de da ver­su­chen das anzu­pas­sen damit es har­mo­ni­scher wirkt.

    LG Alexander

  2. Ich glau­be das Problem bei die­sen Bildern sind weni­ger die Details, als dass das Modell aus­drucks­los und unent­spannt wirkt. Da wür­den auch kor­rek­te Schnitte nicht hel­fen.

    Viele Grüße von Zippo!

  3. wow. auf was man alles ach­ten soll­te als stock­fo­to­graf. ich als hob­by­knip­ser kann hier so eini­ges ler­nen. des­halb vie­len dank!

  4. Also nicht per­sön­li­ch neh­men.. aber das Model ist wirk­li­ch nicht beson­ders gut geeig­net. Sie guckt eigent­li­ch immer gleich. Irgendwie scheu und unsi­cher.

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