Stockfotografie-News 2012-09-14

Bevor uns die größ­te Fotomesse der Welt, die Photokina, am Dienstag wie­der mit Neuigkeiten über­schüt­tet, will ich kurz die Nachrichten der letz­ten Wochen abar­bei­ten, damit ihr mit einem kla­ren Kopf neue Produkte, Dienstleistungen und Anbieter bewer­ten könnt.

Fangen wir an:

  • Der Trend scheint bei Fotos immer mehr Richtung Handy zu gehen. Mit Plusgram gibt es jetzt eine wei­te­re Seite, die Instagram-Fotos ver­kau­fen will. Ich habe mal gezählt: Bisher gibt es gen­au 15 Verkäufe, davon vier Käufe inner­halb der letz­ten fünf Wochen.
  • Auch iStock­pho­to bie­tet jetzt die Möglichkeit, Fotos zu ver­kau­fen, die mit einem Smartphone auf­ge­nom­men wur­den. Was dabei alles zu beach­ten ist, zeigt iSto­ck in einem lesens­wer­ten PDF mit visu­el­len als auch tech­ni­schen Tipps.
  • Ich habe es mehr­mals betont: Wenn Google sich ent­schei­det, in den Bildermarkt ein­zu­stei­gen, könn­ten die Zeiten für uns alle noch viel tur­bu­len­ter als jetzt schon wer­den. Ist es soweit? Google koope­riert mit dem Abo-Portal Thinkstock von Getty Images, um Bilder für sei­nen Cloud-Dienst Google Drive anbie­ten zu kön­nen.
  • Mit Bildagenturen ist immer noch rich­tig Geld zu ver­die­nen. Deshalb kauft der InvestorCarlyle auch die welt­weit größ­te Bildagentur Getty Images für mehr als 3 Millarden US-Dollar von der Investorfirma Hellman & Friedman, wel­che die Agentur vor vier Jahren für 2,4 Milllarden US-Dollar gekauft hat­ten. Für die Fotografen bei Getty und iSto­ck wird es damit wohl nicht leich­ter, denn auch der nächs­te Investor wird eine saf­ti­ge Rendite erwar­ten…
  • Und noch mal iStock­pho­to: Nachdem eini­ge neue, klei­ne Bildagenturen die direk­te Bezahlung von Bildern pro­pa­giert haben, ohne vor­her die Kunstwährung „Credits“ kau­fen zu müs­sen, hat iStock­pho­to nach­ge­zo­gen und bie­tet jetzt eben­falls an, Bilder direkt bezah­len zu kön­nen.
  • Photoshopper auf­ge­passt: Die Bildagentur Fotolia star­tet den „TEN Contest“. Nachdem die Agentur die Photoshop-Dateien zehn berühm­te Grafikkünstler ver­öf­fent­licht hat, könnt ihr euch jetzt selbst an die­sen Themen pro­bie­ren und Preise im Gesamtwert von 200.000 Euro gewin­nen.
  • Die deut­sche Bildagentur Panthermedia legt es wohl dar­auf an, istock­Pho­to als Agentur mit dem kom­ple­xes­ten Preismodell abzu­lö­sen und führt des­halb drei neue Preisstufen ein, die das alte Modell ablö­sen sol­len. Inhaltlich ori­en­tiert sich das System am Modell von Dreamstime, bei dem ein Foto teu­rer wird, je öfter es ver­kauft wur­de. Prinzipiell eine gute Sache, fin­de ich, wenn es die Kunden nicht zu sehr ver­wirrt.
  • Die Food-Agentur Stockfood erklärt, bei Lebensmittelfotos den neu­en Trend „Mystic Light“ ent­deckt zu haben, der auf dunkle Hintergründe, dif­fu­ses Licht und gra­fi­sche Strukturen setzt. Erinnert mich ein biß­chen an den 80er Jahre-Food-Look, nur in kühl.
  • Die Keyword-Agentur DokFünf hat ihren Fotowettbewerb um zwei Monate bis zum 31.10.2012 ver­län­gert. Thema ist „Schlagwort Copy Space: Wer hat das Blaue vom Himmel ver­kauft?“ Bei dem Wettbewerb kön­nen (nicht nur Stock-)Fotografen Fotos ein­rei­chen, auf denen auf eine beson­ders gute oder ori­gi­nel­le Weise Textfreiraum vor­han­den ist. Strengt euch an, denn ich sit­ze auch in der Jury… 🙂
  • Die Fotografenagentur vor-ort-foto.de hat eine klei­ne Studie über die Verbreitung von Microstock-Agenturen in Deutschland ver­öf­fent­licht. Für mich stand nichts wirk­li­ch Neues drin, aber da aktu­el­le Marktübersichten mit kon­kre­ten Zahlen immer schwer zu bekom­men sind, hilft die Studie viel­leicht dem ein oder ande­ren. (Danke an Karl-Heinz Hänel für den Hinweis.)
  • Kämpft da wirk­li­ch jemand gegen zu nied­ri­ge Microstock-Abo-Preise? Oder ver­sucht die neue Agentur Pocketstock nur, Fotografen gegen die bestehen­den gro­ßen Agenturen aus­zu­spie­len, um selbst als lachen­der Dritter Profit zu machen? Ich ver­mu­te letz­te­res, vor allem, weil sie auf der Webseite Stimmung gegen Shutterstock machen, aber was meint ihr?

Wenn ich etwas über­se­hen haben soll­te, ergänzt es in den Kommentaren.

13 Gedanken zu „Stockfotografie-News 2012-09-14“

  1. zu Stockfood : sie haben recht damit , immer nur hell und freund­li­ch wirkt lang­wei­lig . Spannung im Licht ‚mit Licht malen ( Fotografie) …was vie­len Fotografen ver­lo­ren gegan­gen ist .…sehe auch plain­pic­tu­re die es auch erkannt haben . 

    Thema get­ty : ver­kau­fe mitt­ler­wei­le sehr gut über get­ty ( über Verteiler ) ; aber zu wel­chen Preisen und Konditionen ? Von bis alles drin …Prozentsatz nach split­tings ist ein Witz !

    @ Robert : Frage : wie kommt es eigent­li­ch das mitt­ler­wei­le jeder füh­ren­de Bildproduzent über foto­lia in der infi­ni­te collec­tion ver­kauft ( meist alter Bildbestand ). Hat foto­lia erkannt das Qualität doch gebraucht wird bzw. es immer noch Kunden gibt die zumin­des­tens in den webauf­lö­sun­gen auch mal das 10 -20 fache aus­ge­ben kön­nen ?

  2. @reka: Na klar gibt es wei­ter­hin die Kunden, die frü­her mehr Geld aus­ge­ge­ben haben und jetzt dazu immer noch in der Lage sind. Und Diversifikation nach Preispunkten macht doch nahe­zu jede grö­ße­re Firma…

  3. Also die­se mys­tic Light Foodfotografie ist eigent­li­ch schon seit eini­gen Jahren in den Zeitschriften zu fin­den. Da ist nichts neu. Die Foodfotografie in den 80er Jahren hat damit gar nichts zu tun. Damals haben sie die größ­ten Lichtwannen von Broncolor auf die Decke geschraubt. Diese „mys­tic Light“ Bilder sind eher in Richtung avail­able Light mit Aufhellern.

  4. Wobei der Still der Bilder schon an die 80er erin­nert. So auf die Art Retro mit Requisiten vom Flohmarkt.
    Wobei das natür­li­che Licht den Retro Look unter­streicht und stim­mungs­voll ist.

  5. @Karl-Heinz: Würde mich wun­dern – wenn vie­le an einem Kuchen knab­bern bleibt für den ein­zel­nen weni­ger über.….ist doch in allen Bereichen so.

  6. @Max Wuterich:
    ist das Spiel schon aus?
    Ich hof­fe, es ist noch nicht so weit, dass Google auch hier über Nacht zum Monopol wird,
    kauf­te Google nicht ger­de Corbis auf?

  7. ich hat­te das die Tage im Kress-Report über­flo­gen, bin da aber kein zah­len­der Kunde, sodass ich da im Archiv nun nicht mehr ran kom­me

  8. @ Karl-Heinz: Eine gute Orientierung für Fotografen ist sicher eine Umsatzstatitik – lei­der gibt es kei­ne ver­läß­li­chen Informationen wie­viel Umsatz die Fotografen mit den Agenturen machen, damit mei­ne ich jetzt nicht den ein­zel­nen Fotografen, son­dern eine all­ge­mei­ne Verkaufsstatistik die ver­schie­de­ne Agenturen aus den unter­schied­lichs­ten Bereichen erfasst, so wie eine Mindestanzahl an Fotografen berück­sich­tigt.

  9. @Max: ich bin eher ein nai­ver Romantiker, der glaubt, noch ein paar Jahre als Stockfotograf über die Runden zu kom­men, kein Betriebswirt, der das ana­ly­ti­sch angeht. Selbst wenn alle ähn­li­chen Meinungen von ande­ren Fotografen sub­jek­tiv sein soll­ten, habe ich das ungu­te Bauchgefühl, dass die rasan­te Entwicklung zwangs­läu­fig dazu führt, das immer weni­ger Fotografen bei immer höhe­rem Arbeitsaufwand gera­de so ihr Auskommen haben wer­den, solan­ge sie mit dem Tempo der Innovationen und neu­en Vertriebsstrategien mit­hal­ten kön­nen oder wol­len.

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