Schlagwort-Archive: Ray Flash

Ringblitz-Adapter Roundflash und Ray Flash im Vergleich

Seit einigen Jahren benutze ich bei Außenaufnahmen regelmäßig einen Ringblitz-Adapter als Fülllicht, um einen weicheren, gleichmäßigeren Look auf meinen Fotos zu erzeugen. Aus mehreren Gründen kamen „richtige „Ringblitze für mich nicht in Frage: Zu teuer, zu schwer, zu empfindlich, vor allem, wenn man oft ohne Assistenten arbeitet.

Deshalb war ich froh, als ich vor knapp drei Jahren einen Plastik-Aufsatz für den Systemblitz fand, der sich „Ray Flash“ nannte. Er war transportabel, günstig (im Verhältnis zu einem richtigen Ringlicht) und konnte alleine bequem bedient werden. Darüber habe ich eine ausführliche Rezension mit vielen Beispielbildern im Blog geschrieben.


Da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, habe ich mich gefreut, dass es seit einigen Monaten eine ähnliche Alternative gibt. Diese nennt sich „Roundflash“ und kommt aus Polen. Der Erfinder Bartek Szumilak hat mir freundlicherweise eins der ersten verkaufsfertigen Exemplare zum Testen zur Verfügung gestellt und ich muss sagen: Ich bin beeindruckt.

Im Grunde hat der Roundflash die gleichen Vorzüge wie der Ray Flash, wenn beide Adapter mit richtigen Ringblitzen wie dem Elinchrom Eco* oder dem Linkstar Ringblitz* verglichen werden. Unabhängig vom Stromanschluss, keine Hilfe oder Stative beim Benutzen nötig und deutlich günstiger. Außen vor lassen wir mal Makro-Ringblitze, dir nur für Nahaufnahmen ausgelegt sind und abenteuerliche Eigenkonstruktionen, die meist bei Sicherheit, Lichtqualität und Design Minuspunkte bekommen. Wenn aber der Roundflash und der Ray Flash miteinander verglichen werden, sind jedoch viele – auch wichtige – Unterschiede erkennbar.

Den Ray Flash hatte ich ja in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben, deswegen erst eine Beschreibung des Roundflash:


Der Aufbau des Roundflash gleicht in weiten Teilen einer transportablen Softbox wie der Lastolite Ezybox*. Auf dem ersten Bild ist er in zusammengeklappter Form zu sehen. Wenn er aufgeklappt ist, wird der Rand mit sechs kleinen Carbonfaser-Stangen fixiert. Der Durchmesser des Roundflash beträgt aufgeklappt ca. 44 cm.


Der Blitz wird oben mit einem Klettband befestigt und das Objektiv der Kamera in der Mitte durch das Loch geschoben. Gummischnüre sorgen für den Halt. Das Loch ist für Objektive bis ca. 10 Zentimeter Durchmesser ausgelegt, also auch die eher dicke 85mm Festbrennweite* von Canon passt. Im Bild ist unter dem Blitz eine graue Lasche zu erkennen, die nach unten geklappt werden kann, und auch oben ist eine klappbare Lasche (im Bild unten zu erkennen), wodurch der Ringblitz-Adapter verschiedene Kamera-Blitz-Kombinationen unterstützen kann. Meine Canon 5D Mark II mit dem 580 EX II Speedlite* passte wie angegossen. Der Zoomring kann gut von hinten gedreht werden, wer manuell fokussieren will, hat es etwas schwerer, aber unmöglich ist es nicht.


Da der Roundflash nur ca. 230 Gramm ohne Hülle wiegt (mit Hülle 270g), habe ich keine Angst, dass der Blitz, der die Last trägt, zusammenbrechen würde. Außerdem stützt je nach Aufbauhöhe das Objektiv einen Teil der Last. Der Ray Flash hingegen ist mit ca. 400 Gramm schwerer und hier liegt die Last komplett auf dem Blitz, was schon an der Grenze des Zumutbaren ist.

Sowohl Ray Flash als auch der Roundflash unterstützen die TTL-Blitzmessung, was ein weiterer Vorteil gegenüber vielen anderen Ringblitzen ist. Das AF-Hilfslicht sowie der externe Blitzsensor funktionieren vermutlich nicht, weil da der Aufbau vor den Sensoren sitzt. Ebenfalls beide Ringblitz-Adapter schlucken ca. 1,5 Blenden Licht, weshalb man beim Blitzgerät manuell diese Blendenwerte hinzugeben sollte.

Der Ray Flash kostet ca. 150 Euro*, der Roundflash kostet zur Zeit ca. 140 Dollar (ca. 115 Euro) und ist damit etwas günstiger. Im Internet sind immer wieder Kommentare über den zu hohen Preis zu lesen, was ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann, vergleiche ich die Leistung mit einem echten Ringblitz oder den selbstgebauten Varianten, wo ich viel Zeit investieren müsste. Mir ist dieses weiche Licht das Geld wert.

Doch genug von den technischen Daten. Wie sehen die Fotos aus? Ich habe mit dem Model Daniel einige Testfotos draußen gemacht:


Das Foto habe ich mit meinem Canon 24-70mm f2.8-Objektiv * gemacht bei 52mm, ISO 200 und 1/80 Sekunde und Blende 3,5.


Gleiches Objektiv, aber bei 62mm, ISO 100, Blende 3,5 und 1/160 Sekunde Belichtungszeit.

Durch die sehr gleichmäßige, schattenfreie Ausleuchtung ist der Roundflash wie geschaffen für Stockfotos. Was Fotografen immer wieder interessiert, ist der Lichtreflex in den Augen. Der sieht beim Ray Flash wegen der geringen Leuchtfläche meist etwas mickrig aus. Beim Roundflash hingegen ist er perfekt rund. Hier eine komplett unbearbeitete Aufnahme aus der Kamera in 100%-Ansicht:


Wer ganz genau hinschaut, erkennt, dass es links und rechts einen minimalen Helligkeitsabfall gibt, während die Lichtwirkung oben und erstaunlicherweise auch unten fast gleich stark ist. Das wird erreicht durch ein raffiniertes System mit reflektierendem Material im Inneren.

Roundflash und Ray Flash im Direktvergleich

Nachdem ich beide Blitzaufsätze getestet habe, sind mir einige Vor- und Nachteile der jeweiligen System aufgefallen.

Im Vergleich zum Ray Flash sind die Vorteile des Roundflash ganz klar die deutlich größere Leuchtfläche, die in einem noch weicheren Look als beim Ray Flash resultiert. Dadurch sieht auch der Lichtreflex in den Augen viel schöner aus.

Durch den etwas flexibleren Aufbau im Gegensatz zum starren Plastik des Ray Flash ist ein Blitz für mehr Kamera/Blitz-Kombinationen nutzbar. Ein weiterer Pluspunkt: Ganz knapp funktioniert bei mir sogar der Blitzaufbau mit einem MiniTT1*-Funkauslöser zwischen Kamera und Blitz, was vor allem die Strobisten unter Euch in helle Freude versetzen dürfte, denn so sind Blitzaufbauten mit dem Roundflash und weiteren entfesselten Blitzen möglich; kabellos und ohne Steckdose!

Allerdings gibt es auch einige Nachteile: Im Gegensatz zum Ray Flash, der nur aufgesteckt werden muss, fällt beim Roundflash eine kurze Aufbau- und Abbau-Zeit an. Vor allem draußen (Waldboden oder Sandstrand) können die kleinen Befestigungsstreben beim Umbau auch leicht verloren gehen, weshalb gleich eine zusätzliche Strebe mitgeliefert wird. Der Abbau ist etwas gewöhnungsbedürftig. Er funktioniert ähnlich wie bei vielen runden Reflektoren, die mehrfach in sich verdreht werden. Wer sich da nicht traut, mal beherzt zuzupacken, wird eine Weile rumfummeln. Wer vollkommen verzweifelt, findet hier Hilfe. Wenn er jedoch verstaut ist, ist er leichter und flexibler, während der Ray Flash durch das Plastik sperrig ist.

Durch den großen Durchmesser wird der Roundflash an windigen Tagen gut durchgeschüttelt und dann kostet es schon etwas Kraft, die Kamera zu halten. Aber allemal besser als darauf achten zu müssen, dass einem Blitzkopf und Stativ umfallen. Der aus meiner Sicht größte Nachteil besteht jedoch darin, dass die Kommunikation mit dem Model durch den Roundflash stark eingeschränkt ist. Wie ihr am Bild oben sehen könnt, muss das Model in eine große runde weiße Scheibe mit einem kleinen Objektiv in der Mitte schauen. Vor allem wenn sich Model und Fotograf noch nicht gut kennen, kann das blöd sein. Wer mit dem Roundflash hingegen Makroaufnahmen oder Stills fotografieren will, den sollte das nicht stören.

Sowohl Ray Flash als auch der Roundflash sind durch ihre ungewöhnliche Form bzw. Größe draußen ein echter Hingucker. Das kann man cool finden, weil einen die Leute als Fotograf ernst nehmen oder störend finden, wenn alle gaffen, wie man das Model fotografiert. Sucht es euch aus.

Von der Lichtqualität hat für mich der Roundflash auf jeden Fall die Nase vorn, beim Handling ist der Ray Flash hingegen schneller und bequemer.

Welche Lichtformer benutzt ihr am liebsten und welche Vor- und Nachteile haben sie für euch?

* Affiliate-Link

Ringblitz in der Gerichtsmedizin

Habt ihr gestern Abend „Tatort“ gesehen? Die Gerichtsmedizinerin Alberich nutzte darin den Ringblitz-Aufsatz von RayFlash, den ich hier im Blog schon mal besprochen hatte.

screenshot-tatort-tempelraeuber

Neugierig, wie ich bin, habe ich mal geschaut, ob das in der Pathologie wirklich üblich ist, Ringblitze zu benutzen oder ob die Filmtypen das Ding nur gezeigt haben, weil es so schön futuristisch aussieht. Und Tatsache, es gibt einige Einführungen in die Forensische Fotografie, in der für Nahaufnahmen Ringblitze empfohlen werden. In einer der Anleitungen kann man dann zum Beispiel so was lesen:

„5.1. Überflüssiges Gewebe – das heißt nicht interessierende Anteile oder Teile, die das Objekt unserer fotografischen Begierde verdecken oder verunzieren, wird brutal aber glattrandig abgeschnitten.“

Jetzt weiß ich wieder, warum ich nicht in der Gerichtsmedizin arbeite.

Wie es der Zufall so will, schreiben heute auch die Kollegen von Strobist über verschiedene Ringblitz-Adapter, auch wenn sie bestimmt keinen „Tatort“ gucken.

Rezension: Ray Flash Ringblitz-Adapter

Gerne probiere ich neue Möglichkeiten aus, um anderes Licht auf meine Motive werfen zu können. Schon lange wollte ich deshalb einen Ringblitz testen.

Ein Ringblitz ist – wie der Name erkennen lässt – ein ringförmiger Blitz, durch dessen Loch in der Mitte fotografiert werden kann. Das hat vor allem bei der Makrofotografie den Vorteil, dass das Objektiv keinen Schatten auf das Motiv werfen kann. Insgesamt besticht ein Ringblitz durch seine große Ausdehnung durch weiches, fast schattenfreies Licht. Bei Portraits erzeugt er zusätzlich diese coolen Kreise im Auge des Models.

rayflash_blumen_macros_8432
Erste Makro-Testfotos mit dem RayFlash

Auf der Photokina 2008 habe ich das erste Mal eine Möglichkeit gesehen, „relativ“ preiswert an einen Ringblitz zu kommen.Das System nennt sich RayFlash (manchmal auch RingFlash), wird in Deutschland von Kocktrade vertrieben und kostet ca. 240 Euro. Das klingt zwar viel, aber im Vergleich zu 470 Euro für den Ringblitz von Canon (Ringlite MR-14 EX) bis über 1100 Euro für einen Studio-Ringblitz von Bowens ist das wenig. Bei Amazon gibt es hier übrigens auch den RayFlash für unter 200 Euro. Aber Achtung: Da der Adapter genau vor das Objektiv passen muss, gibt es verschiedene Größen des RayFlashs für Canon, Nikon und die entsprechenden Blitzgeräte.

Der RayFlash wiegt knapp 400g und es gibt auch keine elektrischen Teile, die kaputt gehen könnten. Das Licht wird mittels Prismen und Reflektoren umgeleitet. Klingt einfach, die Herausforderung ist aber, dass der Blitz unten noch genauso hell wie oben leuchtet. Da der RayFlash ein komplett passives System ist, funktioniert auch weiterhin die ETTL-Steuerung am Blitz.

Ich habe jetzt den Ringflash Adapter Canon RAC170-2, der an meine 5D Mark II zusammen mit dem Canon Speedlite 580 EX II passt. So sieht das Teil aus. Oben ist eine Öffnung, die auf den Blitz geschoben wird. In der Mitte schaut dann das Objektiv durch. Es empfiehlt sich eine Nutzung ohne Sonnenblende am Objektiv, da es bei 72 oder 77mm-Linsen sonst sehr eng wird und die Blende Schatten werfen würde. Das kleine schwarze Ding vorne in der Packung ist ein keilförmiges Gummistück, mit dem bei Bedarf der RayFlash fester auf den Blitz geschoben kann, falls da noch Luft ist. Funktioniert also wie der Bierdeckel unter dem wackelnden Tisch.

rayflash_verpackung_8451

Bei mir passt der RayFlash perfekt auf den Blitz, ohne den Gummikeil. Ich kann den Adapter mit einer Hand aufschieben, zum Abnehmen brauche ich aber zwei Hände, da ich sonst fürchte, der Blitzfuss könne beschädigt werden.

Aber nun los, paar Testfotos machen. Der Blendenverlust liegt bei ca. 1 Blende, also habe ich bei den Testfotos immer, wenn der RayFlash vor dem Blitz war, den Blitz eine Blende höhergestellt.

rayflash_test_macro_blume_8411

Das Foto zeigt, dass die Lichtverteilung eine ganz andere ist. Vollkommen schattenfrei wird das Licht zwar nicht, aber vor allem bei den ganz dichten Makroaufnahmen oben im Artikel wird schnell ein sehr gleichmäßiges Licht erzielt.

rayflash_test_portrait_01_9440

Auch bei Portraits schmeichelt der Ringblitz der Haut viel mehr als der nackte Speedlite. Statt direkt von vorne zu blitzen, steht der Blitz diesmal leicht versetzt links von der Kamera. Vergleiche vor allem die Schatten unter dem Kinn, an der Nase und wie die Haare beleuchtet werden.

rayflash_test_detail_auge_9395
Ringblitzähnlicher Reflex im Auge mit dem RayFlash-Adapter

Der von vielen geliebte Lichtkreis im Auge wollte sich bei mir nicht so recht einstellen. Das mag aber daran liegen, dass ich meine Portraits meist bei 80-105mm fotografiere. Wer mit einem Weitwinkel dichter rangeht, wird auch die Lichtquelle größer im Auge haben. Das Foto oben ist eine 100%-Vergrößerung von der Serie darüber. Da das Foto vertikal ist, ist auch der Blitz samt RayFlash um 90° gekippt. Wer genau hinschaut, sieht auch, dass der Lichtkreis nicht an allen Seiten gleich breit ist. Der Grund ist bei mir, dass der Rayflash bei mir unten leicht nach hinten kippt.

Die beiden Portrait-Aufnahmen oben sind direkt nacheinander gemacht worden und mit den selben RAW-Einstellungen unbearbeitet abgespeichert. Auffällig ist, dass die Hauttöne mit RayFlash etwas wärmer wirken. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, woran das liegen könnte. Das Foto unten verdeutlicht den Unterschied.

rayflash_test_wb-vergleich_9862

Beim normalen Blitzen mit dem Speedlite erziele ich mit dem Weißabgleich-Werkzeug in Photoshop an meiner weißen Wand eine Farbtemperatur von 5000 K, üblich für Kompaktblitze. Mit dem RayFlash als Aufsatz sinkt die Farbtemperatur auf ca. 4200 K. Wird die RAW-Datei also wie ein „normales“ Blitzfoto entwickelt, ist es etwas zu warm. Ich weiß nicht, warum das so ist, vermute aber, dass es mit dem verbauten Material zusammenhängt, dass nicht komplett farbneutral ist.

Auch flackerte bei mir beim leichten Druck auf den Auslöser manchmal der Blitz. Ich denke, dass liegt an der TTL-Steuerung, die zwar weiterhin funktioniert, aber durch das Plastik davor behindert wird. Trotz dieser beiden Nachteile ist der RayFlash eine gute – und günstige – Möglichkeit, seiner Fototasche eine weitere Blitzvariante hinzuzufügen, ohne sich über zusätzliche Akkus, Kompatibilität, etc. Gedanken machen zu müssen.

Ich habe den RayFlash schnell lieben gelernt und bin jetzt öfter mit meinem Makro-Objektiv unterwegs. Zusammen mit Speedlite und Ray-Flash ergibt sich so auch ohne Studio fast totale Kontrolle des Lichts bei Makroaufnahmen. Als Beweis hier noch ein Foto von letzter Woche, was ich beim Spaziergang auf den Rheinwiesen aus der Hand geschossen habe. Versuch das mal ohne Ringblitz… 🙂

rayflash_test_makro_pusteblume_9799
Direkt aus der Kamera ohne Nachbearbeitung (nur Crop und Tonwertkorrektur): 1/250s, f14, 105mm Macro, manuell geblitzt mit RayFlash + HighSpeed-Synchro

Ebenfalls wacker geschlagen hat sich der RayFlash auf einer Hochzeit, bei der ich Anfang Juni fotografiert habe. Normalerweise sollte man nie bei einer Hochzeit mit Zubehör arbeiten, was man nicht ausgiebig getestet hat, aber ich dachte mir, notfalls kann ich den Adapter immer noch abnehmen. Auffällig war, dass ich viele beeindruckende Kommentare der Hochzeitsgesellschaft bekommen habe und ich konnte mir sicher sein, dass mir jeder Platz gemacht hat. Dieser riesige Aufbau kann einem aber auch Respekt einflössen. Eine Freundin der Braut hat ein Foto von mir bei der Arbeit gemacht und es mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Krass, gell?

rayflash_test_2009-06-06-robert

Was sind Eure Erfahrungen mit Ringblitzen? Wenn ihr Fotos habt, die mit Ringblitzen gemacht wurden, könnt ihr das gerne in den Kommentaren posten.