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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 43

Nach einer tur­bu­len­ten Woche wie­der eine bekann­te Art von Artikel: Die nächs­te Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos auf ihre Verkäuflichkeit hin beur­tei­le. Wer eben­falls kos­ten­los mit­ma­chen will, fin­det hier alle Informationen.

Diesmal schrieb mir Olaf:

Hallo Robert, erst­mal einen schö­nen guten Abend.

Mein Name ist Olaf Barth, ich woh­ne in Mainz und bin 49 Jahre alt.

Tja, war­um ich dir schrei­be, dürf­te auf der Hand lie­gen. Ich inter­es­sie­re mich seit neus­tem für die Stockfotografie. Warum nicht sei­ne Bilder, die man macht, ver­su­chen zu ver­kau­fen … aber bis jetzt bin ich noch nicht sehr weit gekom­men, heißt ich habe noch gar nicht ange­fan­gen, da ich ein­fach nicht weiß, ob mei­ne Bilder dazu tau­gen, ver­kauft zu wer­den. Ich fin­de es toll, dass es Menschen gibt, die auch nur mal so ohne gleich etwas zu ver­lan­gen, Hilfe anbie­ten 🙂

Fotografieren tue ich seit ca. 15 Monaten, aber wenn man kei­nen kennt, der dir sagt, das und das könn­test du ver­bes­sern oder das hast du gut gemacht, weiß man eben nicht, wo man gen­au mit sei­nen Bildern steht. Spezialisiert (wenn man davon über­haupt spre­chen kann) hab ich mich auf Makrofotografie, es macht mir ein­fach Spaß, klei­ne Dinge groß raus­zu­brin­gen 😉

Fotografieren tue ich mit Nikon (3200) zwei Sigma Objektiven (ein Makro ein Tele) und dem Kit Objektiv von Nikon (18–105). Nichts Spektakuläres, aber der Geldbeutel muß es ja auch her­ge­ben kön­nen … nach oben geht immer (vor­aus­ge­setzt man kann es sich leis­ten)

Ich wür­de mich freu­en wenn du mei­ne Bilder beur­tei­len wür­dest, kann­st auch ruhig mei­nen Namen nen­nen … ich freu mich von dir zu lesen.

So, ich häng dann mal was an 😉

Liebe Grüße, Olaf“

Schauen wir uns sei­ne Bilder an:

K800__DSC2573aDas ers­te Bild zeigt ein Low-Key-Portrait einer roten Rose. Da glau­be ich nicht, dass es sich als Stockfoto gut ver­kau­fen wird, weil es ers­tens zu dun­kel ist, um genug für eine Aussage zu erken­nen und zwei­tens Rosen ein eher sehr gut abge­deck­ter Motivbereich sind. Als „Fine Art“-Print für Poster oder ande­re „In-Demand“-Produkte könn­te das Bild viel­leicht geeig­net sein, wobei mich auch da das grü­ne Blatt als dün­ner Streifen oben links stört.

K800__DSC3249aDas zwei­te Bild zeigt eine Orchidee. Hier wür­de ich das Bild spie­geln, weil es dann bes­ser an die Blickrichtung ange­passt ist. Mir gefällt, dass das Bild redu­ziert ist und die Blüte betont. Außerdem hat das Bild oben genug Textfreiraum. Kann man anbie­ten, zu den Blumenbildern spä­ter aber noch mehr.K800__DSC3429Das kaput­te Ei im Eierbecher ist eine wit­zi­ge Idee. Gab es zwar auch schon, ist aber egal. Auf den ers­ten Blick stört hier oben rechts die Tischdecke, die jedoch leicht retu­schiert wer­den kann. Die Beleuchtung ist etwas (zu) hart und ich wäre eher auf „Augenhöhe“ mit dem Ei gegan­gen. Ein dicker Filzstift hät­te sich für das Gesicht ange­bo­ten, weil dann die Mimik schnel­ler und leich­ter erkenn­bar wäre. Von der Aussage ein brauch­ba­res Stockfoto mit der rich­ti­gen Verschlagwortung, in der jet­zi­gen Ausführung jedoch ver­bes­se­rungs­wür­dig.

K800__DSC3745aDas drit­te Foto zeigt eben­falls eine Orchideenblüte, dies­mal sehr sym­me­tri­sch. Technisch okay, wobei ich das Weiß der Blüte mehr mit­tels einer Tonwertkorrektur her­aus­ge­ar­bei­tet hät­te. Kann als Stockfoto ange­bo­ten wer­den, die mög­li­chen Nutzungszwecke sind jedoch begrenzt.

K800__DSC3779Das nächs­te Bild zeigt ver­mut­li­ch die glei­che Orchideenblüte wie am Anfang. Hier ist oben rechts in Teil des Lichtaufbaus zu sehen, was ver­mie­den wer­den soll­te. Unten ist auch ein Teil der Orchidee abge­schnit­ten, was hier nega­tiv auf­fällt. Zusätzlich kommt hin­zu, dass dunkle Stockfotos nicht so ger­ne gekauft wer­den wie hel­le. Dem Bild rech­ne ich also nicht so vie­le Chancen aus.

K1024__DSC4232Das letz­te Bild zeigt ein Feld mit vie­len Blumen. Als Hintergrund zum Thema Frühling ist das Bild sicher geeig­net, die Unschärfe im oberen Teil kann als Textfreiraum die­nen und die Komposition ist aus­ge­wo­gen. Gefällt mir. Hier wird aber auch sicht­bar, wie win­zi­ge Änderungen in der Nachbearbeitung die Chancen des Bildes noch deut­li­ch stei­gern kön­nen.

K1024__DSC4232_retuschiertIm Original sieht das Bild etwas ver­wa­schen und kon­tras­t­arm aus. Ich habe inner­halb einer Minute die drei Standardwerkzeuge Tonwertkorrektur, Sättigung und Gradationskurve ange­wandt, um das Bild deut­li­ch „kna­cki­ger“ aus­se­hen zu las­sen. So ver­kauft es sich als Stockfoto deut­li­ch bes­ser.

Da fünf der sechs ein­ge­reich­ten Fotos Blumenbilder waren, möch­te ich kurz auf einen alten, aber immer noch aktu­el­len Artikel von mir hin­wei­sen. Unter dem Titel „4 typi­sche Anfänger-Fehler bei Blumenfotos“ gibt es eini­ge Tipps, um sei­ne Blumenfotos bes­ser zu gestal­ten.

Blumenfotos sind ins­ge­samt schwer als Stockfotos zu ver­kau­fen, weil sie zum einen von sehr vie­len Leuten foto­gra­fiert wer­den. Andererseits sind die Nutzungsmöglichkeiten sol­cher Bilder etwas beschränkt. Das abso­lu­te Minimum soll­te des­halb eine kor­rek­te Beschriftung der Pflanze – auch mit ihrem latei­ni­schen Namen – sein, um zumin­dest eini­ge Lehrbuch-Verkäufe mit­neh­men zu kön­nen. Am bes­ten ver­kau­fen sich Blumen, wenn sie eine zusätz­li­che Aussage haben, sei es als Industriepflanze (Raps), Symbol für Jahreszeiten (Tulpen, Sommerblumen) oder für bestimm­te Feiertage (Blumensträuße zum Geburtstag usw.).

In die­ser frü­he­ren Folge ging es auch schon dar­um, dass sich Bilder mit einem dunk­len, düs­te­ren Look nicht so gut ver­kau­fen las­sen. Das ist immer noch aktu­ell und trifft auch hier zu.

Was sagt ihr zu den Bildern?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 31

Oh, ich freue mich.

Zur 31. Folge von „Pimp My Stock!“ habe ich eini­ge beson­ders schö­ne Bilder für euch. Kurze Einführung für alle, die das Format noch nicht ken­nen: Bei „Pimp My Stock!“ kön­nen Leser mir kos­ten­los bis zu zehn Fotos ein­schi­cken (die genau­en Teilnahme-Details fin­det ihr hier) und ich bespre­che die­se Fotos öffent­li­ch auf ihre Stockfoto-Tauglichkeit. Es geht nicht dar­um, wie „schön“ ich ein Foto fin­de, son­dern wie hoch aus mei­ner Erfahrung die Chancen sind, dass sich die Motive ver­kau­fen wür­den.

Diesmal ist Andreas an der Reihe. Er schrieb mir:

Hallo Robert.

Ich ver­fol­ge dei­nen Blog schon etwas län­ger. Zum ers­ten mal hab ich von dir in der Happy Shooting Folge gehört, in der du über Stockfotografie ein Interview gege­ben hast. Nun hab ich mein Gefallen an der „Produktfotografie“ gefun­den und da ist mir „Pimp my Stock!“ ein­ge­fal­len.

Anbei schi­cke ich dir mal ein paar mei­ner der­zei­ti­gen Favoriten. Über dein „Urteil“ über die Lego Bilder sowie das Nadel Bild bin ich beson­ders gespannt.

Warum mache ich das?

Letztendlich macht es mir Spaß, die Produktfotografie, nur kann ich es nicht ein­schät­zen, wie sich mei­ne Arbeiten „ver­kau­fen“ las­sen könn­ten bzw. ob sie über­haupt einen Zielgruppe haben… und wie sie tech­ni­sch sind bzw. was dei­ne Augen noch so alles sehen.

Mein Zeugs:
Canon EOS 40D

Objektive:
Canon EF 50mm f/1.8 II
Canon EF-S 18-55mm f3.5–5.6 IS
Canon EF 28-135mm f/3.5–5.6 IS USM
Canon EF 70-300mm f/4–5.6 IS USM

Mit freund­li­chen Grüßen,
Andreas“

Schauen wir uns sei­ne Fotos an:

Die bei­den Fotos mit den Lego-Figuren fin­de ich herr­li­ch. Sie sind wit­zig, sau­ber aus­ge­führt und haben eine kla­re Aussage. Eine sehr gute Arbeit. Aus der Stockfotografie-Sicht hin­ge­gen stellt sich als größ­tes Problem das Markenrecht: Die Herstellerfirma ist ein­deu­tig erkenn­bar und vie­le Bildagenturen wür­den die Fotos allein des­halb ableh­nen. Eine redak­tio­nel­le Nutzung wäre sicher unter Umständen mög­li­ch, fin­de ich bei die­ser Serie aber nicht ganz pas­send. Mehr Bilder aus der Serie fin­det ihr übri­gens hier.

Logischer erschie­ne mir die Verwertung als „Kunst“, was auch das Markenrecht-Problem etwas ent­schär­fen wür­de, weil Kunst „mehr darf“ als kom­mer­zi­el­le Gebrauchsfotografie. Ich kann und darf hier aber sowie­so kei­ne ver­bind­li­che Rechtsberatung geben, des­halb emp­feh­le ich im Zweifel ein Gespräch mit einem Fachanwalt. Die Lego-Serie als Ausstellung, mit Vermarktung von Prints, Postkarten und so wei­ter kann ich mir bes­ser vor­stel­len als den Verkauf über Bildagenturen. Vielleicht wäre sogar eine Kooperation mit der Firma Lego selbst mög­li­ch, was auch das Problem mit dem Markenrecht lösen wür­de.

Der Rest der Fotos sind fast alles Freisteller, also Bilder vor wei­ßem Hintergrund auf­ge­nom­men. Diese Kategorie ver­kauft sich wei­ter­hin gut bei Bildagenturen, auch wenn die Konkurrenz da deut­li­ch grö­ßer gewor­den ist im Laufe der Jahre. Andreas scheint hier tech­ni­sch aber sehr fit zu sein, die Bilder sehen alle makel­los frei­ge­stellt aus und beleuch­tet aus. Technisch gese­hen wäre er also in der Lage, sehr gute Freisteller zu foto­gra­fie­ren. Aber was ist mit den Motiven?

Ein Ei: Simpel, aber wird sich gut ver­kau­fen. Bin ich mir sicher. Hier fal­len mir spon­tan auch vie­le Varianten ein, zum Beispiel ein hel­les und dunk­les Ei neben­ein­an­der, oder Eier ver­schie­de­ner Tiere (Wachtel, Huhn, Gans, Strauß) neben­ein­an­der, um die Größenverhältnisse bes­ser dar­zu­stel­len, gefärbt als Osterei und so wei­ter. Weitermachen.

Auch die Nadel mit Faden ist ein sehr gutes Stockfoto. Simpel aus­se­hend, aber mit kla­rer Botschaft (Nadelöhr) und doch nicht so ein­fach zu foto­gra­fie­ren, wie es den Anschein hat.

Bei den rest­li­chen Motiven bin ich nicht so über­zeugt: Der Reibekuchen wirkt unför­mig und hät­te auch einen deko­ra­ti­ven Klecks Apfelmus ver­tra­gen kön­nen. Außerdem ist der Schatten ziem­li­ch hart.

Die Birne ist von der Form her nicht so typi­sch, da hät­te eine „kli­schee­haf­te­re“ Birne her gemus­st. Auch hier wirkt der Schatten unten zu dun­kel.

Die bei­den Tassen sind okay, aber zu banal, um damit sehens­wer­te Verkäufe erzie­len zu kön­nen. Das liegt eben auch dar­an, dass jeder Fotograf schnell mal eine Tasse parat hat, um so ein Foto zu machen, falls es gewünscht sein soll­te.

Ähnliches gilt für das Glas Orangensaft, wobei ich die­sem etwas mehr Verkaufschancen geben wür­de, weil das Motiv gene­rell häu­fi­ger nach­ge­fragt wird. Die Lichtsetzung hät­te hier aber noch ver­bes­sert wer­den kön­nen, um auf bei­den Seiten des Glases ein stär­ke­res „Rim Light“ zu erzeu­gen. Kleine Details wie ein Orangenschnitz oder eine Orangenscheibe am Glasrand hät­ten die Bildaussage bes­ser abge­run­det.

Da Andreas die Freisteller-Technik anschei­nend gut beherrscht, wür­de ich raten, foto­ge­ne­re Objekte zu wäh­len, die nicht unbe­dingt in jedem Haushalt zu fin­den sind und für die trotz­dem Bedarf besteht. Eine Serie mit exo­ti­schen Früchten fällt mir da spon­tan ein, ger­ne kom­bi­niert mit dem dazu pas­sen­den Saftglas, aber auch ein Gang über einen Flohmarkt bringt bestimmt pas­sen­de Inspirationen.

Was sagt ihr zu den Fotos? Welche Vermarktungstipps wür­det ihr zu den Lego-Fotos geben?