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Erfahrungsbericht: Der CrazyTrickler für die Highspeedfotografie (Gastartikel)

Hallo, mein Name ist Daniel Nimmervoll. Heute möch­te ich Euch einen neu­en Trigger für die Highspeedfotografie vor­stel­len. Vielen Dank an Ralf Höppner, der mir den CrazyTrickler zur Verfügung gestellt hat und an Robert Kneschke für den Gastbeitrag in sei­nem Blog.

Als Nichtelektroniker, der gera­de mal zwei Drähte ver­lö­ten kann, bin ich auf fer­ti­ge Produkte am Markt ange­wie­sen. Der CrazyTrickler ist mitt­ler­wei­le neben dem StopShot von Cognisys und dem GlimpseCatcher mein drit­tes Gerät, mit dem ich Highspeed- und Liquid Art Aufnahmen rea­li­sie­ren kann. Daher kann ich den CrazyTrickler auch nur mit die­sen bei­den Geräten ver­glei­chen.

Der Hersteller (Ralf Höppner Elektronik) hat mir einen CrazyTrickler, drei Magnetventile, Kabel sowie eine Lichtschranke zuge­schickt.

Wichtig war mir, dass ich die Testaufnahmen mit dem gelie­fer­ten Setup ohne Modifikation erstel­le. So kann jeder sehen, was mit die­sen Komponenten mög­li­ch ist. Mein aktu­el­les Setup ist durch ande­re Düsen opti­miert und somit könn­ten die Ergebnisse nicht mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. Mit dem CrazyTrickler kann man natür­li­ch auch jedes ande­re Magnetventil mit den glei­chen Anschlußwerten ver­wen­den. Damit kann das Setup eben­so hin­sicht­li­ch der Reproduzierbarkeit opti­miert wer­den, wie ich es aus­führ­li­ch in der neu­en 2. Auflage mei­nes Buches „Highspeed Fotografie“* beschrie­ben habe.

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So sieht der CrazyTrickler aus:

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Die drei Magnetventile haben eine Nennweite von 2,0 mm:

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Also dann, los geht’s! Das Setup ist auf­ge­baut und in den Wasserbehälter habe ich eine rot ein­ge­färb­te Wasser-Guarkernmehl-Mischung gege­ben. Begonnen habe ich dann mit den klas­si­schen TaT’s (Tropfen auf Tropfen) mit Spiegelung. Das sind qua­si die ein­fa­che­ren Wasserskulpturen mit nur einem Magnetventil im Einsatz. In dem Fall habe ich das mitt­le­re Ventil ver­wen­det.

Setup für die Klassischen TaT's
Setup für die Klassischen TaT’s

Von hin­ten habe ich mit 5 Yongnuo YN-560 II* Blitzen durch eine Acrylglasscheibe beleuch­tet:

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Gesteuert wird der CrazyTrickler über den USB-Anschluss an einem Laptop oder PC. Mit der bei­lie­gen­den Software kön­nen über­sicht­li­ch die Ventile, Blitze und die Kamera exakt auf die Millisekunde gen­au gesteu­ert wer­den. Die Software ist intui­tiv zu bedie­nen. Ich habe mich bin­nen Minuten zurecht­ge­fun­den und konn­te die ers­ten Tropfen fal­len las­sen.

Zuerst habe ich ver­sucht, einen Tropfen im frei­en Fall zu erwi­schen. Mit der Loop Funktion star­te­te ich dann 5 Aufnahmen voll­au­to­ma­ti­sch, um zu prü­fen wie gen­au der cra­zyTrick­ler und das Magnetventil arbei­ten. Zwischen den Aufnahmen beweg­te sich der Wassertropfen in der Höhe nur etwa 1–2 Millimeter. Das ist ein sehr guter Wert, mit dem StopShot bzw. dem GlimpseCatcher erhal­te ich etwa glei­che Werte.

Sehr ange­nehm emp­fand ich die Bedienung der Software. Während die Loop Funktion läuft, kön­nen jeder­zeit Werte ver­än­dert wer­den, ohne dass der Loop unter­bro­chen wer­den muss. Die geän­der­ten Zeiten wer­den dann sofort über­nom­men und man kann die Ergebnisse sehen. Gut fand ich auch, dass man schnell einen Tropfen fal­len las­sen kann, ohne dass die Kamera aus­ge­löst wird. Dies braucht man zum Beispiel, um den Fokuspunkt zu set­zen oder bei der 3-Ventil-Technik, wo jedes Ventil exakt jus­tiert wer­den muss, damit jeder Tropfen auf den­sel­ben Punkt auf­trifft. Durch einen Doppelklick auf die jewei­li­ge Ventilöffnungszeit fällt dann nur von die­sem einen Ventil ein Tropfen. Anders her­um kann auch die Kamera mit den Blitzen aus­ge­löst wer­den, ohne dass die Ventile schal­ten. Das ist hilf­reich, um zum Beispiel das Licht ein­zu­stel­len. Dies geht mit dem StopShot bzw. dem GlimpseCatcher nicht so kom­for­ta­bel.

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Screenshot mit den Zeiten in Millisekunden zum oberen Bild. Die Verzögerung der Kamera stellte ich beim „Hauptblitz 2“ ein. In diesem Fall betrug das Delay 450 Millisekunden.
Screenshot mit den Zeiten in Millisekunden zum Bild oben. Die Verzögerung der Kamera stell­te ich beim „Hauptblitz 2“ ein. Hier betrug das Delay 450 Millisekunden.

Nach weni­gen Minuten hat­te ich bereits das obere Bild geschafft. Mit leicht geän­der­ten Zeiten habe ich wie­der die Loop Funktion gestar­tet um auch hier zu beur­tei­len, wie gut das Magnetventil mit der Düse arbei­tet. Das Ergebnis ist sehr gut. Wie ihr sehen könnt sind alle 6 Bilder bei­na­he iden­ti­sch. Lediglich die letz­ten bei­den fal­len ein klein wenig aus der Reihe. Das liegt aber eher am fal­len­den hydro­sta­ti­schen Wasserdruck, weil natür­li­ch der Wasserstand im Behälter oben sinkt.

Eine Serie von 6 Bildern mit denselben Einstellungen
Eine Serie von 6 Bildern mit den­sel­ben Einstellungen
Ohne Beleuchtung von unten
Ohne Beleuchtung von unten
Bei diesem Bild hatte ich von unten zusätzlich einen Blitz mit blauer Farbfolie verwendet.
Bei die­sem Bild hat­te ich von unten zusätz­li­ch einen Blitz mit blau­er Farbfolie ver­wen­det.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Kamera und Objektiv. Bei all die­sen Aufnahmen habe ich mei­ne Canon 5D MK II* mit dem Canon 135 mm 2.0 L Objektiv* ver­wen­det. Bisher hat­te ich immer das Sigma 150 mm* Makro Objektiv genom­men. Vor ein paar Wochen habe ich mir das 135 mm von Canon gekauft und durch die 0,9 Meter Naheinstellungsgrenze ist die­ses für die­se Aufnahmen her­vor­ra­gend geeig­net. Der gro­ße Vorteil von die­ser Linse ist, dass das Bokeh extrem weich und schon fast wie gezeich­net aus­sieht. Gerade bei dem fol­gen­den Setup mit der Alufolie als Hintergrund kann das 135er sei­ne Stärken mit einer Blende von 2,0 bis 2,8 beson­ders gut aus­spie­len.

Das Setup mit lediglich zwei Aufsteckblitzen. Jeweils mit zwei Farbfolien bestückt.
Das Setup mit ledig­li­ch zwei Aufsteckblitzen. Jeweils mit zwei Farbfolien bestückt.
Mit den Fingern im Wasser habe ich hier leichte Wellen erzeugt.
Mit den Fingern im Wasser habe ich hier leich­te Wellen erzeugt.

Nachdem die klas­si­schen TaTs auf Anhieb so gut funk­tio­niert haben, woll­te ich die Komplexität erhö­hen.

Ein wei­te­rer Vorteil des CrazyTrickler gegen­über dem StopShot ist der eige­ne Ausgang für die Kamera. Somit hat man alle 3 Ausgänge für die Magnetventile zur Verfügung. Damit steht der 3-Ventil-Technik nichts im Weg. So befüll­te ich die bei­den ande­ren Wasserbehälter mit jeweils einer anders ein­ge­färb­ten Wasser-Guarkernmehl-Mischung.

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Die Zeiten, womit das obere Bild produziert worden ist. Praktisch ist auch, dass die Zeiten mit dem Dateinamen mit protokolliert werden. Rechts oben wird einmal die aktuelle Fotonummer aus der Kamera eingegeben und schon wird alles aufgezeichnet.
Die Zeiten, womit das obere Bild pro­du­ziert wor­den ist. Praktisch ist auch, dass die Zeiten mit dem Dateinamen mit pro­to­kol­liert wer­den. Rechts oben wird ein­mal die aktu­el­le Fotonummer aus der Kamera ein­ge­ge­ben und schon wird alles auf­ge­zeich­net.

Hier noch drei wei­te­re Beispiele mit der 3-Ventil-Technik:

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Zu guter Letzt habe ich dann noch die Double Pillar Aufnahmen getes­tet. Bei die­sen „Zweifüßlern“ lässt man zuer­st die bei­den äuße­ren Tropfen fal­len, die dann eine Säule bil­den. Am oberen Ende soll­ten sie sich dann tref­fen wor­auf im bes­ten Fall ein wei­te­rer Tropfen vom mitt­le­ren Ventil trifft. Auch dies hat gleich auf Anhieb funk­tio­niert.

 Die Double Pillars: Sehr interessant finde ich hier, wie sich die unterschiedlichen Farben vermischen.
Die Double Pillars: Sehr inter­es­sant fin­de ich hier, wie sich die unter­schied­li­chen Farben ver­mi­schen.

Die exak­te Vorgehensweise, wie ihr sel­ber sol­che Bilder erstel­len könnt, ist in mei­nem aktu­el­len Buch Schritt für Schritt beschrie­ben. Falls ihr sol­che Bilder in Form eines Workshops bzw. Einzelcoachings unter mei­ner Anleitung erstel­len wollt, bie­te ich auch dies hier ger­ne an.

Eines möch­te ich noch anmer­ken. All die­se Aufnahmen sind an einem ein­zi­gen Nachmittag inner­halb von 2–3 Stunden ent­stan­den. Ich habe also nicht lan­ge her­um­pro­biert, son­dern bin rela­tiv schnell zu brauch­ba­ren Ergebnissen gekom­men.

Am nächs­ten Tag habe ich die Lichtschranke getes­tet. Um es gleich vor­weg zu sagen, für Ballistikaufnahmen ist die güns­ti­ge Lichtschranke nicht zu gebrau­chen. Die Diabolos sind ein­fach zu klein und schnell, um von der Lichtschranke erkannt zu wer­den. Eine Trefferquote von 10% ist kein zufrie­den­stel­len­des Ergebnis. Dies wäre auch eine klei­ne Sensation gewe­sen, da die Lichtschranke um ein viel­fa­ches güns­ti­ger ist als die von Cognisys. Und selbst die von Cognisys hat schon ihre Probleme. Bei der funk­tio­nie­ren nur die Diabolos aus Kupfer und nicht die aus Blei. Zumindest ist dies bei mir mit mei­nem Luftdruckgewehr der Fall.

Andere Aufgaben wie fal­len­de Früchte und ähn­li­ches bewäl­tigt die Lichtschranke dage­gen her­vor­ra­gend.

Wie ist nun mein Fazit im direk­ten Vergleich zum GlimpseCatcher und zum StopShot von Cognisys?

Der CrazyTrickler ist das preis­wer­tes­te der drei Geräte. Er hat 3 Ausgänge für die Magnetventile. Der gro­ße Vorteil gegen­über dem StopShot ist, dass man hier kei­nen Ausgang durch die Kamera oder einen Blitz bele­gen muss. Der CrazyTrickler hat für Kamera und Blitze jeweils eige­ne Ausgänge. Dadurch kann man immer bis zu 3 Ventile ansteu­ern. Zudem kann der CrazyTrickler über­sicht­li­ch am Laptop bedient wer­den, was beim StopShot eben­falls nicht mög­li­ch ist. Anfangs hat­te ich das Problem, dass das Ventil für den ers­ten Tropfen manch­mal nicht geöff­net hat. Nach Rücksprache stell­te sich her­aus, dass die­ser Fehler dann auf­tritt, wenn die Startzeit auf 0 ms ein­ge­stellt ist. Dieser Bug ist in der aktu­el­len Programmversion bereits beho­ben. Ansonsten ist die Software gut durch­dacht und bedie­ner­freund­li­ch.

Der Vergleich mit dem GlimpseCatcher sieht fol­gen­der­ma­ßen aus: Der GlimpseCatcher wird eben­falls über­sicht­li­ch am Laptop gesteu­ert und kann im Grunde alles, was man sich als Highspeed-Fotograf wün­schen darf. Die Software vom CrazyTrickler hat mir an man­chen Stellen bes­ser gefal­len. Eine Änderung der Zeiten wäh­rend eines Loops, oder dass man schnell durch einen Doppelklick einen Tropfen vom jewei­li­gen Ventil fal­len las­sen kann ohne das die Kamera aus­ge­löst wird, ist mit dem GlimpseCatcher der­zeit nicht mög­li­ch. Der gro­ße Vorteil vom GlimpseCatcher sind natür­li­ch sei­ne 12 Ausgänge. Wenn jetzt jemand mit mehr als 3 Ventilen arbei­ten möch­te, so muss er etwas mehr Geld aus­ge­ben und zum GlimpseCatcher grei­fen. Wenn jedoch 3 Ventile aus­rei­chend sind, und damit kann man wirk­li­ch vie­le tol­le Sachen anstel­len, dann kann beden­ken­los zum güns­ti­ge­ren CrazyTrickler gegrif­fen wer­den.

Wenn jemand Ballistik Fotografie betrei­ben will, dann emp­feh­le ich nach wie vor den StopShot bzw. den StopShot Studio mit den X-Cross-Beam Sensoren.

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Tutorial: Fotos von rauchenden Glühbirnen machen

Der letz­te Gastbeitrag von Daniel über die Entstehung beein­dru­cken­der Tropfenfotos kam sehr gut an. Deswegen freue ich mich, dass Daniel bereit war, auch zu die­sen genia­len Fotos von rau­chen­den Glühbirnen ein Making-Of zu schrei­ben. Das Foto hier ihr auch bei Fotolia und es ist von der Redaktion auf 500px.com aus­ge­wählt wor­den und hat bereits über 12500 Klicks:

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, eini­ge ken­nen mich viel­leicht schon durch das Tutorial von den Wassertropfen-Fotos.

Meine Glühbirnen-Aufnahmen sind jedoch wesent­li­ch ein­fa­cher zu rea­li­sie­ren als die Wassertropfen-Aufnahmen. Alle die­se Fotos habe ich im Mai 2009 gemacht, damals woll­te ich mei­ne neue Studioausrüstung tes­ten. Meine Studioblitze kamen so zum ers­ten Mal zum Einsatz.

Der Aufbau:

Das Schwierigste ist, das im Glas kei­ne stö­ren­den Reflexionen sicht­bar sind. Deshalb habe ich hier ein Lichtzelt genom­men und links und rechts davon je einen Studioblitz mit einer klei­nen Softbox gestellt. Die Glühbirne habe ich in eine Baustellenfassung ein­ge­schraubt, die mit­tels Dimmer in der Helligkeit gere­gelt wer­den kann.


Die Vorbereitung:

Zuerst ein­mal: Ich möch­te aus­drück­li­ch dar­auf hin­wei­sen, das gewis­se Schutzmaßnahmen berück­sich­tigt wer­den müs­sen! Eine Schutzbrille sowie schnitt­fes­te Kleidung und Handschuhe sind Pflicht.

Wie bekommt man Risse in das Glas, sodass der Wolframdraht frei liegt?

Ich habe dazu die Glühbirne mit einer Zange an der Fassung genom­men, dann mit einem Lötbrenner* die Glühbirne so lan­ge ange­heizt, bis das Glas schmilzt und das Gas ent­weicht. (Vorsicht: Gibt eine Stichflamme!) Danach wird die Glühbirne schnell unter kal­tes flie­ßen­des Wasser gehal­ten, was man am bes­ten vor­her schon auf­ge­dreht hat. Dadurch zer­springt das Glas. Als nächs­tes habe ich mit einer klei­nen Zange vor­sich­tig die ein­zel­nen Glaselemente ent­fernt, um den Wolframdraht frei zu legen.


Auch das Foto ist über Fotolia erhält­li­ch.

Das Shooting:

Die prä­pa­rier­te Glühbirne vor­sich­tig in die Fassung schrau­ben. Kamera, Licht, alle Einstellungen noch­mal über­prü­fen. Den Dimmer auf ganz dun­kel dre­hen. Dadurch glüht der Draht 1–2 Sekunden län­ger und nicht ganz so hell, son­st wäre er über­be­lich­tet. Ohne das Gas, was nor­ma­ler­wei­se in den Glühbirnen drin­nen ist, glüht die Birne näm­li­ch weit­aus hel­ler.
Wenn alles kon­trol­liert wur­de, einen Fernauslöser in die eine Hand und in die ande­re den Einschalter für die Glühbirne neh­men.

Glühbirne ein­schal­ten. Der Wolframdraht beginnt jetzt sofort zu glü­hen und zu rau­chen. Nach ca. einer hal­ben Sekunde das ers­te Foto machen und je nach­dem, wie schnell die Blitze wie­der ein­satz­be­reit sind, kann man even­tu­ell noch ein zwei­tes Foto machen. Nach max. zwei Sekunden ist der Wolfgramdraht ver­glüht. Am längs­ten bren­nen die 100-Watt-Birnen.

Als Objektiv kam ein 50mm-Objektiv (wirkt bedingt durch Crop-Faktor der Kamera wie ein 75mm-Objektiv) zum Einsatz bei ISO 100 und Blende 9 und einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde.


Danach habe ich noch ein Foto von der Fassung gemacht. Wichtig ist, dass das Foto an glei­cher Stelle mit dem sel­ben Licht auf­ge­nom­men wird, damit es dana­ch bei der Fotomontage von der Perspektive und Beleuchtung her passt und echt wirkt.

Zusätzlich habe ich noch eini­ge Farbexperimenten pro­biert. Bisschen krea­tiv darf man da schon sein. So habe ich bei dem Foto mit dem roten Rauch vor die Blitze eine rote Farbfolie gehan­gen. Das Foto mit dem blau­en Rauch ist kom­plett in Photoshop ent­stan­den.


Mehr Bilder und Infos fin­det ihr auf mei­ner Webseite www.nimmervoll.org. Falls Ihr Fragen habt, dann immer her damit in den Kommentaren. Ich wer­de ver­su­chen, die­se zu beant­wor­ten. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie“* mit viel mehr Tipps zum Thema.

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Tutorial: Geniale Tropfenfotos selbst machen

Vor paar Monaten ent­deck­te ich im Newsstream mei­nes Facebook-Accounts paar wirk­li­ch coo­le Fotos. Im Grunde sehr sim­pel: Bunte Tröpfchen, die ins Wasser fal­len. An sich nichts Neues. Aber: Der Fotograf Daniel Nimmervoll per­fek­tio­nier­te die­se Art der Fotos immer wei­ter, bis aus den ein­fa­chen Tropfenfotos plötz­li­ch kom­ple­xe Wassergebilde wur­den. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er uns ver­ra­ten möch­te, wie er gelernt hat, sol­che genia­len Bilder zu machen:


Deshalb heu­te Vorhang auf für den Gastartikel von Daniel Nimmervoll:

______ab hier schreibt Daniel____ 

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, ich bin aus Österreich und foto­gra­fie­re nun seit drei Jahren. Ich wür­de mich als ambi­tio­nier­ter Hobbyfotograf bezeich­nen. Seit zwei Jahren ver­su­che ich mich auch in der Stockfotografie. Bisher begeis­ter­te mich die Makro-Fotografie, vor allem Insekten haben es mir ange­tan. Doch seit neu­es­tem bin ich einer neu­en „Sucht“ ver­fal­len.

Im Dezember 2010 stieß ich zufäl­lig auf die­sen Thread im DSLR-Forum und habe mir dabei prompt den Tropfenvirus ein­ge­fan­gen. Dieser Thread ist für mich beson­ders, weil sich hier alle gegen­sei­tig wei­ter­hel­fen. [Anmerkung R. Kneschke: Der Thread ist wirk­li­ch sehr lesen­wert und ein Paradebeispiel für das Lernen von Fototechniken im Internet] Fast alle geben ihre Erfahrungen preis und tei­len sie mit ande­ren. Das möch­te ich heu­te auch. Wie mache ich mei­ne Tropfenfotos?


Mein Aufbau

Angefangen habe ich mit einem nor­ma­len Infusionsset. Da ist aber das Timing recht schwie­rig. Deshalb habe ich mir den Stopshot von Cognisys zuge­legt. Damit lässt sich jeder Tropfen per­fekt auf Millisekunden gen­au ein­stel­len. Ein Magnetventil öff­net sich z. B. für 50 ms (Damit wird der 1. Tropfen erzeugt. Ist die Zeit kür­zer, wird er klei­ner), ist dann für z. B. 90 ms geschlos­sen und öff­net sich dann noch­mal für z. B. 44 ms für den 2. Tropfen. Das lässt sich mit dem Controller ein­stel­len. Wenn der 2. Tropfen nun die Lichtschranke pas­siert hat, löst z.B. nach 120 ms die Kamera aus.

Damit kann man sich wesent­li­ch bes­ser auf die Formen und das Licht inkl. der Farben kon­zen­trie­ren.

Für die Beleuchtung ist es wich­tig, dass man Blitze ver­wen­det, die eine sehr kur­ze Abbrenndauer haben, um die schnel­len Bewegungen ein­zu­frie­ren. Ich ver­wen­de dazu den Canon 580 EX II* und wei­ters hab ich mir zwei gebrauch­te Canon 540 EZ gekauft. Hier ist es wich­tig, die Leistung auf 1/32 oder 1/64 bzw. 1/128 zu dros­seln. Dadurch erreicht man die Abbrennzeiten von <1/10000 sek. Die Kamera stel­le ich dabei auf ISO 200 und ver­wen­de die Blende 16, um genü­gend Schärfentiefe zu bekom­men.

Die Wanne besteht aus Plexiglas und soll­te mög­lichst flach sein (z.B. so eine*). Optimaler Wasserstand ist 1,5 bis 2,5 cm. Meine Wanne ist 85 cm lang. Je län­ger die Wanne ist, umso fla­cher kann man die Tropfen foto­gra­fie­ren ohne den Rand hin­ten bzw. vor­ne zu sehen. Die Wanne könn­te also auch noch län­ger sein. Um das Licht wei­cher zu machen, steht vor den hin­te­ren Blitzen eine mat­te Plexiglasscheibe. Hier muss man etwas expe­ri­men­tie­ren, um ein schö­nes Licht zu bekom­men. Bereits klein­s­te Veränderungen kön­nen eine gro­ße Auswirkung haben. Zum Beispiel wie schräg die Plexiglasscheibe steht, wie weit die Blitze ent­fernt ste­hen oder wel­che Brennweite bei den Blitzen ein­ge­stellt ist.

Auf dem Bild ist mein Canon Speedlight 580 EX II* mit einem selbst­ge­bau­ten Snoot zu sehen. Die Blitze wer­den über Funk (RF-602 von YongNuo*) aus­ge­löst. Um Farbe ins Spiel zu bekom­men ver­wen­de ich das Lee Musterheft. Diese Filterfolien haben die per­fek­te Größe für die Blitze.

Damit die Tropfenfotos nicht flau, son­dern schön kna­ckig wer­den, ist es wich­tig, dass das meis­te Licht von hin­ten kommt. Der vor­de­re Blitz soll nur den „Fuß“ vom Tropfen etwas auf­hel­len und somit habe ich mir einen Snoot gebas­telt. Einfach schwar­ze Strohhalme abge­schnit­ten und in einem zurecht geform­ten Karton hin­ein geklebt.

Um die Oberflächenspannung des Wassers zu ver­rin­gern, gebe ich 1–2 Tropfen Klarspüler in die Wanne. Beim Tropfwasser kann man viel expe­ri­men­tie­ren. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Guarkernmehl* gemacht. Für einen Liter reicht hier schon ein Teelöffel. Dieses koche ich kurz auf und wird dann zwei Mal mit einem Kaffeefilter fil­triert. Das ers­te Mal, wenn’s noch heiß ist und das zwei­te Mal, wenn das Wasser dann Zimmertemperatur hat. Einige haben auch mit Zuckerwasser recht gute Erfahrungen gemacht. Probiert habe ich auch schon Glycerin, jedoch war ich mit den Ergebnissen nicht so zufrie­den. Was auch immer gut aus­sieht, ist Milch, vor allem, weil es die Farben des Blitzlichtes sehr gut absor­biert. Je nach Geschmack kann man auch Lebensmittelfarbe* rein geben. Mache ich öfters beim Guarkernmehl. Der Kreativität sind also kei­ne Grenzen gesetzt.

Mit die­sem Aufbau erhält man dann unter ande­rem sol­che Fotos:

Eines mei­ner ers­ten Foto mit dem Stopshot, hier mit nor­ma­lem kal­ten Leitungswasser.

Für sol­ch ein Foto braucht man 3 Tropfen. Der 3. ist qua­si vor weni­gen Millisekunden ein­ge­schla­gen. Hier habe ich Milch ver­wen­det, die grün ange­blitzt wor­den ist. Übrigens, das Foto schaff­te es im Fotowettbewerb 29 der ColorFoto auf Platz 2.

 

Im Tropfenwasser hat­te ich hier Guarkernmehl mit roter Lebensmittelfarbe.

Eine Handvoll Leute im DSLR Forum haben her­aus­ge­fun­den, das man unter bestimm­ten Umständen auch sehr hohe Tropfen erzeu­gen kann. Dadurch, dass wir sol­che Fotos vor­her noch nir­gend­wo anders in die­ser Form gese­hen haben, hal­ten sich bis­her alle zurück, das Geheimnis preis­zu­ge­ben. Nur soviel: Mit viel Geduld und Übung kann jeder dahin­ter kom­men. Die Tropfen stei­gen dabei auf über 20 cm Höhe und dadurch erge­ben sich wie­der­um ganz ande­re Möglichkeiten in der Form und der Bildgestaltung.

Ich hab das Foto „Dildo“ genannt 😉 Ich hat­te hier Glycerin ver­wen­det und den Blitz nur auf den oberen Bereich mit dem Snoot und einer roten Folie gerich­tet.


„Chaos-Tropfen“


Ob sich sowas auch ver­kau­fen lässt? Ich hät­te es bei der Bildagentur Stockfood ver­sucht. Die haben bis­her jedoch wenig Interesse gezeigt. Bei Fotolia bekom­me ist eine Ablehnung nach der ande­ren. Bisher haben es nur weni­ge Fotos geschafft, ange­nom­men zu wer­den. Ich den­ke, dass die­se Bildagenturen sol­che Fotos nicht gebrau­chen kön­nen. Sind wohl zu viel Kunst.

Deshalb habe ich es bei WhiteWall ver­sucht und sie­he da, hier wur­den sogar schon eini­ge in den Kunstmarkt auf­ge­nom­men. Auch bei Flickr fin­det ihr mei­ne Tropfen-Galerie mit den bes­ten Ergebnissen.

Vielleicht noch kurz für alle Stopshot-Interessenten. Ich habe mich vor allem auch des­halb dafür ent­schie­den, weil man damit auch Ballistik-Shootings machen kann. Habe mir dafür schon mal den Cross Beam Sensor mit­be­stellt. Für den Fall, dass ich mal plat­zen­de Luftballons oder der­glei­chen im span­nends­ten Moment foto­gra­fie­ren will, hab ich mir damals auch noch das Mikrofon mit­be­stellt, wel­ches die Kamera durch Geräusche aus­lö­sen kann.

Ich hof­fe das euch mei­ne Fotos gefal­len. Aktuelle wer­det ihr auch immer auf mei­ner Webseite www.nimmervoll.org fin­den. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie“* mit viel mehr Tipps zum Thema.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr die­se ger­ne in den Kommentaren stel­len, ich ver­su­che sie dann zu beant­wor­ten.

Update 23.7.2011: Auf Wunsch des Fotografen wur­den eini­ge Bilder aus­ge­tauscht oder ent­fernt.

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