Der Inhaber der Bildagentur Imagebroker mahnt Robert Kneschke ab

Gestern flat­ter­te mir ein Einwurf‐Einschreiben ins Haus. Eine Abmahnung wegen einer angeb­li­chen Urheberrechtsverletzung, geschickt von der Kanzlei K & E Rechtsanwälte aus München.

Der Rechtsanwalt Dr. Peter F. Reinke wur­de los­ge­schickt von Klaus‐Peter Wolf, dem Inhaber der Bildagentur Imagebroker, über die ich vor kur­zem in mei­nem Artikel „Imagebroker: Der unend­li­che Vertrag ohne Kündigung?“ lei­der kaum etwas Gutes zu berich­ten hat­te.

Brief Abmahnung
Hauptkritikpunkt mei­nes Artikels war, dass einem bestimm­ten Imagebroker‐Vertrag nach Bilder auch nach der Vertragskündigung bei Imagebroker nicht aus dem Partnernetzwerk gelöscht wer­den wür­den. Damit hät­te der Fotograf kei­ne Chance mehr, die­se „mehr als 100 Bildagenturen“ selbst direkt zu belie­fern, ohne dass Imagebroker die Hälfte des Honorars kas­siert.

Die Abmahnung hat­te ich erwar­tet.

Klaus‐Peter Wolf hat­te mir Samstagabend und Sonntag ins­ge­samt fünf Mal auf den Anrufbeantworter gespro­chen und mir eine lan­ge Email geschrie­ben. Sowohl tele­fo­nisch als auch per Email kün­dig­te er mir einen „publi­zis­ti­schen sowie juris­ti­schen Krieg“ an, wenn ich den für ihn unbe­que­men Artikel nicht umge­hend löschen wür­de.

Ich habe sicher­heits­hal­ber noch mal nach­ge­zählt: Insgesamt min­des­tens sie­ben Mal erwähnt der Imagebroker‐Inhaber das Wort „Krieg“ in den oben erwähn­ten Nachrichten, drei Mal droht er mit Folgen, wenn ich den Artikel nicht lösche.

Die vor­lie­gen­de Abmahnung scheint die ers­te Folge zu sein.

In der Abmahnung geht es dar­um, dass ich in mei­nem oben genann­ten Artikel einen Screenshot der Imagebroker‐Webseite gezeigt hat­te, auf der am Tag des Screenshots eine Fotografie des Fotografen Harry Laub zu sehen war. Diese Fotografie war logi­scher­wei­se auch auf dem Screenshot zu sehen. Ich bin der Meinung, dass die­se Verwendung ein zuläs­si­ges Bildzitat ist, unter ande­rem weil ich im Artikel über die Agentur Imagebroker berich­te, deren Webseite ich zei­ge.

Um einen Rechtsstreit zu ver­mei­den (aber ohne Anerkennung eines sach­li­chen oder recht­li­chen Grunds), habe ich daher das betref­fen­de Foto im Screenshot unkennt­lich gemacht. Das wei­te­re Vorgehen klä­re ich gera­de mit mei­nem Anwalt ab.

Meiner Meinung nach ist die mög­li­che Urheberrechtsverletzung nur ein Versuch, mich finan­zi­ell zu schä­di­gen – es geht in der Abmahnung um eine vier­stel­li­ge Summe -, weil ich mich wei­ge­re, die­sen Artikel zu löschen.

Ich fin­de es befremd­lich, dass sich Klaus‐Peter Wolf als Opfer einer „Hetzkampagne“ gegen ihn sieht, obwohl ich nur in einem Artikel nur über Teile sei­nes alten Vertrags berich­tet habe, die ich für befremd­lich hal­te. Wer hier per­sön­li­che Befindlichkeiten nicht von einer sach­li­chen Diskussion um recht­li­che Aspekte der Stockfotografie tren­nen kann, wel­che meh­re­re Fotografen betref­fen und daher von öffent­li­chem Interesse für die Berichterstattung sind, dem kann ich lei­der nicht hel­fen.

Im Blog von Imagebroker hat­te er mir zusätz­lich vor­ge­wor­fen, dass ich Kommentare zum Artikel löschen oder unter­drü­cken wür­de. Das ist mein gutes Recht, ent­ge­gen sei­ner Annahme betrifft das aber nicht nur „Pro‐Imagebroker“-Kommentare. Herr Wolf hat selbst mehr­mals Kommentare unter mei­nem Artikel hin­ter­las­sen kön­nen, um sei­ne Sicht der Dinge zu schil­dern, eben­so wie vie­le ande­re Fotografen. Als mich eine Person jedoch zu recht­li­chen Stellungnahmen zwin­gen woll­te, habe ich die­sen Kommentar erst gelöscht und danach die Kommentarfunktion für die­sen Artikel kom­plett deak­ti­viert.

Kleine Ironie am Rande: Im Imagebroker‐Blog wer­den erst gar kei­ne Kommentare zuge­las­sen.

Es wäre sehr scha­de, wenn es ein Agenturinhaber schaf­fen wür­de, durch juris­ti­sche Drohungen nega­ti­ve Berichterstattung über sei­ne Bildagentur zu ver­hin­dern. Mein Hauptberuf ist die Fotoproduktion und ich betrei­be den Blog nur neben­bei. Aber weil es im deutsch­spra­chi­gen Raum nur weni­ge Möglichkeiten gibt, sich zeit­nah und tie­fer­ge­hend regel­mä­ßig über die Stockfotografie zu infor­mie­ren, fin­de ich es wich­tig, die­sen Blog mit­samt sei­nen Informationen und Meinungen – sowohl den loben­den als den kri­ti­schen – zu erhal­ten.

Ich hal­te euch auf dem Laufenden.

113 Gedanken zu „Der Inhaber der Bildagentur Imagebroker mahnt Robert Kneschke ab“

  1. Vll soll­te die Comunity ver­su­chen eine eige­ne (ver­mut­li­che) IB Partner‐Liste in Gemeinschaftsarbeit anhand frei ver­füg­ba­rer Quellen aus dem Internet zusam­men­zu­stel­len?

    Eine Agentur‐Netzwerk‐Infografik wäre auch bei vie­len ande­ren Agenturen sehr inter­es­sant…

  2. Und image­bro­ker wird jetzt auch noch zur Microstockagentur, damit alle Fotos auch nach Belieben ver­scher­belt wer­den kön­nen. Da hat ja ein spon­ta­nes Umdenken statt­ge­fun­den. Ganz toll.

  3. So eine IB‐Partner‐Liste soll­te nicht all­zu schwer sein, ich hab selbst ca. 25 Agenturen auf mei­ner pri­va­ten Liste ste­hen. (Und die meis­ten, die man nicht fin­det, dürf­ten ohne prak­ti­sche Bedeutung sein.)
    Aber letzt­lich, wen inter­es­siert es wirk­lich? Und wer macht sich die Mühe…?

    Übrigens ist das ziem­lich üblich, mit der Partner‐Geheimnis‐Krämerei. Ich habe (aus bestimm­ten, jeweils kommun­zier­ten Gründen) bei drei mei­ner Makro‐Agenturen ange­fragt:
    1x sehr rüde, pap­pi­ge Ablehnung
    1x net­te und freund­li­che Ablehnung
    1x kei­ne Antwort.

  4. @givi: Die beschrie­be­nen Fälle sind jedoch anders gela­gert. Ich bin wei­ter­hin der Auffassung, dass ein Screenshot im Rahmen eines redak­tio­nel­len jour­na­lis­ti­schen Beitrags anders zu bewer­ten ist.

  5. Ich wür­de mal prü­fen ob der Herr über­haupt legi­ti­miert ist Urheberrechte für Dritte ein­zu­for­dern. Kann ich mir nicht so rich­tig vor­stel­len, wobei ich den Vertrag nicht ken­ne. Denke der tat­säch­li­che Urheber wird bei die­ser Sachlage kein Interesse an einer Verfolgung haben.
    Sieht ja so aus als ob sei­ne Arbeit hier instru­men­ta­li­siert wird, was für sich genom­men schon eine Unverschämtheit wäre. Viel Glück dabei.

  6. Ich fin­de es immer wie­der inter­es­sant dei­nen Blog zu lesen obwohl ich sel­ber kei­ne Stockfotografie betrei­be. Lass dich nicht ver­bie­gen und mach dein Ding! Wünsch Dir alles Gute für die Verhandlung Robert!

  7. Obwohl ich das gesam­te Stockbusiness inwi­schen als übels­te Mischung aus moder­ner Sklavenhalterei und Abzocke betrach­te und alle Betreiber einer (vor allem Micro)-Stockagentur unter einem Begriff sub­sum­mie­ren wür­de den ich hier bes­ser nicht ver­öf­fent­li­che, setzt das Verhalten von ImageBroker neue Maßstäbe.

    Natürlich wün­sche ich Dir, Robert, das Du mit hei­ler Haut davon kommst und ger­ne nut­ze ich mei­ne Kanäle um die­ses Vorgehen von ImageBroker wei­ter zu ver­brei­ten.
    Trotzdem kann ich eine grund­sätz­li­che Freude dar­über, das der Kannibalismus im Stockbusiness („Dog eat dog“) offen­bar nicht mehr das Tageslicht scheut, nicht leug­nen.

    Nach 2 Jahren im Stockbusiness und zwi­schen­zeit­lich ca 40.000 Aufnahmen bei Shutterstock hab ich mich ent­schie­den die­sem Bereich den Rücken zu keh­ren und bin froh mich mit so einem Mist nicht mehr rumär­gen zu müs­sen.

    Ich emp­feh­le Eigendistribution

    Gruss axel

  8. @Naturfotograf: Die Mühlen der Justiz mah­len bekannt­lich lang­sam. Nach dem ers­ten Gerichtstermin wur­de ein wei­te­rer ange­setzt. Wie gesagt, wenn das Urteil fest­steht, wer­de ich es hier im Blog ver­kün­den.

  9. Hallo,

    über­le­ge dir doch mal eine Widerklage. (Dein Anwalt soll­te mit dem Begriff etwas anfan­gen kön­nen). Entweder (eher unwahr­schein­lich) eine zivil­recht­li­che oder (wahr­schein­li­cher) eine straf­recht­li­che im Wege eines Strafantrags.

    Denn ers­tens könn­te dein Widersacher even­tu­ell dadurch, daß er bestimm­te Dinge über dich äußert sei­ner­seits eine „Hetzkampagne“ gegen dich betrei­ben, zwei­tens liegt in der Behauptung einer Urheberrechtsverletzung even­tu­ell ein Straftatbestand (Aus dem Kreis der Ehrdelikte) begrün­det.

    Ich bin zwar nicht gene­rell für so ein Vorgehen, aber wer sol­che Verträge macht und für nor­mal hält, und auf dies­be­züg­li­che Kritik in die­ser Art reagiert, der hat nichts ande­res ver­dient. (Sonst macht er das in Zukunft immer so.)

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