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Der Sinn von Kategorien in Bildagenturen

Fotos verkaufen macht Spaß. Bilder hochladen weniger. Vor allem, weil es lange dauert. Selbst wer die Suchbegriffe, Titel und Beschreibungen mit dem IPTC-Standard in seine Fotos einbettet, stockt spätestens dann, wenn die Bildagenturen verlangen, die Fotos ihren Kategorien hinzuzufügen.

Matt vom Microstock-Blog „Nil To Mil“ hat sich ausführlicher mit Bildkategorien beschäftigt und gibt in einem seiner Artikel Tipps zum schnelleren Zuordnen.

In einem anderen Artikel regt er sich darüber auf, keine Informationen zu haben, ob sich der Aufwand, Fotos Kategorien hinzuzufügen, überhaupt lohnt.

Das brachte mich auf die Idee, bei einigen Bildagenturen nachzufragen, welchen Nutzen sie in ihren Kategorien sehen und ob sich dieser Nutzen in Zahlen messen lässt. Hier die Antworten der Bildagenturen.

Martin Ruge, Director German Operations bei Fotolia:

„Unserer Erfahrung nach sind Kategorien für manche Käufer sehr nützlich. Profis suchen  gerne in Kategorien aus Gründen der Zeitersparnis und wegen der sehr  hohen Such- und Treffergenauigkeit.

Viele Einkäufer greifen aus Gründen der Einfachheit und Bequemlichkeit  auf Kategorien zu, weil sie in vorsortiertem Content stöbern möchten.  Aktuell gerne genutztes Beispiel: FINANZEN / GELD.

Es gibt aber auch ganz originäre Vorteile von Kategorien, von denen  vor allem Profis Gebrauch machen:
Die Kategorien sind sehr genau (vorab) in alle bei Fotolia verfügbaren  Sprachen übersetzt. Weiterhin ist die eingrenzende Suche per Keywords  innerhalb von Kategorien möglich und sehr wirkungsvoll. Einerseits  treten daher Übersetzungsfehler bei der Suche mit Keywords nicht auf.

Beispielsweise die übliche Suche in deutsch: „Rasen“ > racing  oder auch lawn. Innerhalb einer Kategorie, z.B. „Flora & Fauna“ würde das Suchergebnis „racing“ gar  nicht erst berücksichtigt werden.

Durch die Kombination lassen sich Suchen also stark eingrenzen und  fördern genaue Suchergebnisse.

Noch was. Fotografen können sich beim Upload entscheiden, ihre Bilder  auch direkt in Kategorien hochzuladen. Manche shooten sogar in  Hinblick auf naheliegende und gerne frequentierte Kategorien.“
(Anmerkung R.K.: Morgen gibt es an dieser Stelle im Blog die Anleitung, wie genau bei Fotolia den Fotos Kategorien als IPTC-Datenfeld zugeordnet werden können.)

Claus V. Schraml, Vertrieb bei PantherMedia:

„Generell ist zu beobachten, dass Kategorien an sich doch von einer bestimmten Klientel gerne genutzt wird, um sich inspirieren zu lassen oder auch um zu suchen. Je nach Präsenz der Kategorien auf der Startseite konnten wir nachvollziehen, dass bei eingeblendeten Kategorien auch die Suche über
Kategorien häufiger genutzt wurde als bei ausgeblendeten Kategorien.

Von allen Suchanfragen sind etwa 5% Kategorie-Suchanfragen. Bezüglich der Erfolgs- bzw. der Kaufrate wird es schwierig genaue Aussagen zu treffen. Wir gehen davon aus, dass auch im gleichen Maße Bilder gekauft werden, d.h. 5% werden über die Kategorie-Suche bestellt.

Dies statistisch nachzuweisen ist jedoch nicht möglich, da die meisten Kunden ein Bild über die Eingabe einer Bildnummer in den Warenkorb legen.

In der Praxis sieht ein typischer Such- und Bestellvorgang folgendermaßen aus: Kunden suchen erst nach Bildern per Suchbegriff, Kategorie, oder sonstige Filter. Einige legen Bilder in den Warenkorb, andere parken diese im Leuchtkasten oder notieren sich die Bildernummer. Beim späteren Kauf geben diese dann die Bildnummer in der Suchbox ein und bestellen daraufhin das Bild. Das macht es unmöglich herauszufinden, wie das Bild ursprünglich gesucht wurde.“

Karin Rothballer, Marketing & PR bei Mauritius Images:

„Wir haben auf unserer Website die Suche nach Kategorien herausgenommen, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass Kunden eher nach Themen und Themenbereichen und nicht nach einem vorgegebenen Kategorienbaum suchen.

Im Vorfeld, bei der Zuordnung der Bilder und beim Keywording ist die Kategorisierung natürlich wichtig um die Bilder einteilen zu können, aber direkt für den Verkauf sind die Kategorien erfahrungsgemäß nicht so wichtig, da sie, als wir sie noch auf der Seite hatten, kaum zur Bildsuche genutzt wurden.

Meist sind die Kategoriebäume auch zu unübersichtlich und zu lang. Eine Einteilung in Themengebiete und die Suche nach Themen gibt da wesentlich mehr her. Die beliebtesten Themengebiete sind People und Lifestyle und Reise/Geographie, aber auch Nischengebiete wie z.B. Medizin,  werden gerne gesucht.“

Max Wieberneit, Sales and Manager Director Deutschland und Österreich bei Corbis:

„Bei Corbis gibt es keine Kategorien, sondern eine „Schlagwörtersuche“. Bei der Breite unseres Angebotes ist eine perfekte Verschlagwortung extrem wichtig, da wir andernfalls unseren Kunden nicht das bestmögliche Material zuerst zeigen können. Hier ist also ein direkter Zusammenhang zum Verkauf zu sehen.

Es gibt auch Verkaufszahlen, diese sind jedoch nicht offiziell und können insoweit hier leider nicht dargestellt werden. Interessanterweise funktionieren Kategorien aber nur dann, wenn es wenige (aber relevante) Auswahlkriterien gibt, sonst gilt das Prinzip Google.

Die beliebtesten Kategorien der Bildkäufer sind People und Lifestyle.“

Alison Crombie, Senior Director, Public Relations, EMEA & Asia Pacific bei Getty Images:

„Unsere Kunden haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen, da sie in den unterschiedlichsten Branchen tätig sind. Wir betreuen Firmenkunden, Bildeditoren aus dem Medienbereich, Art Buyer in Agenturen und viele andere. Durch Bereitstellung verschiedener Suchwerkzeuge unterstützen wir sie dabei, in kürzester Zeit das perfekte Material aus unterschiedlichen Bereichen zu finden: Film, Musik, Editorial und Creative. Der Zugriff auf digitale Inhalte von Getty Images ist offen gestaltet und für Nutzer inspirierend, da sie die Suche kreativ durchführen und neue Ideen entwickeln können. Im Gegensatz dazu würde die Suche in Kategorien die Freiheit der Nutzer einschränken.

Catalyst ist nicht nur die branchenweit führende Suchmaschine für Bildmaterial aus dem Creative Bereich von Getty Images sondern auch eine Inspirationsquelle. Kunden haben die Möglichkeit, die Suche flexibel zu gestalten, indem sie Schlagwörter hinzufügen oder Vorschläge für Schlüsselwörter ignorieren. Die intuitive Suchmaschine wurde konzipiert, um den speziellen Anforderungen von Kreativen gerecht zu werden: Während der Suche kann der Nutzer neue Ideen generieren und spontanen Intuitionen folgen – die Ergebnisse sind zwar manchmal etwas unerwartet, aber stets zielgenau.

„Getty Images Live“ steht zum Download für MAC und PC zur Verfügung. Die Anwendung bringt alle unter www.gettyimages.de verfügbaren aktuellen Inhalte aus den Bereichen Editorial und Creative direkt und unkompliziert auf den Desktop.

Kunden, die auf der Suche nach der richtigen Musik sind können die Songs in den Kollektionen Pump Audio und Premium Playlist unterschiedlich filtern – beispielsweise nach Stimmung, Genre, Künstler oder Label. Damit finden sie das Stück, das ihrem jeweiligen Projekt am Besten entspricht.

Bei der Suche nach Filmmaterial nutzen Kunden entweder die Auswahl unserer Redakteure oder geben ihre eigenen Suchbegriffe ein, um von der Vielfalt der hochqualitativen Inhalte in den Bereichen Editorial und Creative zu profitieren.

Wir bieten unseren Kunden umfassende Unterstützung bei der Suche nach Inhalten hier auf der Webseite von Getty Images.“

Martin Baumann, Inhaber von Adpic:

„Wir haben uns für unsere Bildagentur für eine flache Kategoriestruktur entschieden und legen hohen Wert auf eine exakte Verschlagwortung. Die Suchworte erweitern wir dann zusätzlich mit unserer umfangreichen eigenen Synonymdatenbank (Keyword-Extender).

Die vorgegebenen Kategorien nutzen hauptsächlich Kunden, die bisher nur wenig Erfahrungen mit der wesentlich effizienteren Keyword-Suche haben. Nach unserer Kundenumfragen 10/2008 mit über 1.000 Teilnehmern nutzen 60,68 % der Benutzer hauptsächlich die Keyword-Suche, 26,5 % mal Kategorien / mal Suchworte, 6,84 % nutzen erst Kategorien und dann Suchworte und nur 5,13 % nutzen hauptsächlich die Kategorien.

Wir werten die Verkäufe in Kategorien aus. Dabei interessiert uns besonders die Verkaufsquote (Anzahl der Bilder in der Kategorie / Verkaufe). Besonders erfolgreiche Kategorien sind „Berufe und Branchen“, „Geld und Börse“, usw. Eher schlechte Zahlen habe die Kategorien „Jahreszeiten“, „Lebensmittel“ (mit der Ausnahme „Getränke“), „Natur“ usw.“

Michael Hubschneider, Geschäftsführer von Pitopia:

„Bei Pitopia haben Kategorien eher untergeordnete Bedeutung, da wir Kategorien nur im Food-Portal haben. Bei Pitopia gibt es nur Themenbereiche zur Filterung der Suche.

Aus unserer Sicht wird die Kategoriensuche eher dazu benutzt, um eine Agentur besser einschätzen zu können, z. B. welche Bildsprache die Agentur bevorzugt und welche Themen ihr wichtig sind. Die kaufrelevante Suche läuft über Keywords.

Wir bevorzugen als vergleichbare Technik „verwandte Suchbegriffe“. Diese ist bei unseren Kunden gut bekannt,  stark benutzt und wird im kaufrelevanten Prozess genutzt (ca. 25%). Auch beliebt und genutzt sind die „ähnlichen Bilder“ mit ca. 20%.

Die beliebtesten Kategorien der Bildkäufer sind „Gesundheit“, „Business, IT und Kommunikation“ sowie „Sport und Freizeit“.“

Nora Hauswirth, Geschäftsführung bei Sodapix:

„Unser System wertet aus, über welche Seitenzugriffe Bilder schlussendlich im Warenkorb landen. Die Kategoriensuche gibt dem Bildsuchenden Inspiration, doch gesucht wird hauptsächlich über Keywords.“

Thomas Sokolowski, Inhaber von Apply Pictures:

„Etwa 20% unserer Suchabfragen werden über unsere Kategorien- bzw. Themensuche durchgeführt.

Dabei werden aber nur wiederum 20% der angebotenen Themen gewählt, das sind die Bildthemen, die wir besonders auf unserer Website herausstellen oder für die wir auch bekannt sind bzw. auch eher exotische Kategorien/Themen, die eine gewisse Neugier wecken.. Wir sind deswegen bestrebt in Zukunft ungewöhnliche Kategorien/Themen zu schaffen, um auf diese Weise eine gewisse Neugier auf Kundenseite zu erzeugen, sich diese Themen anzuschauen. Diese Kategorien werden sogar nur temporär in der Suche auftauchen, also sich saisonal austauschen.

Wenn wir also mittels Werbeaktionen und/oder Newsletter exemplarisch Themen herausstellen (wie letztens unser Thema: sex&crime) wird diese Kategorie innerhalb der Suche temporär stark genutzt (etwa 80% der mit Newsletter versorgten Kunden wählten in der Folgewoche beim Besuch unserer Website das Thema, welches wir im Newsletter beworben haben).

Auch Kategorien/Themen, die wir auf unserer Startseite herausstellen werden gern ausgewählt.

Unsere am stärksten frequentierten Kategorien sind: 1. Abstrakte Bilder, 2. Generationen, 3. Partnerschaft/Liebe, 4. Bauen/Renovieren, 5. Junges Leben

Gefühlt neige ich dazu, dass die Verwendung von Kategorien und Themen allgemein rückläufig ist, da der Umgang mit detaillierten Bildsuchfunktionen in den letzten Jahren auf Kundenseite vertrauter geworden ist – das liegt u.a. an einer gewissen Professionalisierung und Standarisierung auf der Anbieterseite sowie an dem Lern- und Gewöhnungsprozess auf der Kundenseite. Verlässliche Zahlen kann ich keine nennen, da sich der Aufbau unserer Website in den letzten Jahren ein paar mal stark verändert hat und die Themen/Kategoriensuche jedes mal anders positioniert und gewichtet waren – ein langfristiger Vergleich ist daher leider nicht objektiv möglich.

Intern haben die Kategorien/Themen aber einen großen Stellenwert, wir können so auf Kundenseite den Bedarf themenspezifisch messen und unsere Rückschlüsse direkt auf unsere Foto-Produktionen anwenden. Es ist einfacher, Themen an unsere Fotografen weiterzugeben als genaue Bildideen, da diese zu stark eine kreative Umsetzung gefährden, von der wir gerade leben.

Ich denke, dass die Verwendung von Kategorien auch stark vom Anbieter abhängig ist – bei einem kleinen Anbieter wie uns mag es noch Sinn machen, Kategorien zu offerieren. Anbieter, die zu einem Thema mehrere hunderttausende Bilder zeigen können, können dieses eigentlich nur kombiniert mit Stichwörtern oder anderen Parametern tun.

Auch haben wir festgestellt: Das Suchverhalten bei einem großen Anbieter ist anders als bei einem kleineren Bildagentur, da sich die Kunden in der Regel schon sehr bewusst sind, was sie bei welchem Anbieter besser finden können – das ist wie im realen Leben. Man ist sich im Klarem, was man in einem Supermarkt und was man im Feinkostladen erwarten kann – in einem Feinkostengeschäft lässt man sich schon mal beraten, probiert etwas Neues aus oder schlendert an den Regalen vorbei und lässt sich fürs nächste Abendessen inspirieren.

So ist man bei einem Anbieter, der eher als inspirativ gilt und mehr über seine Bildsprache arbeitet, eher geneigt, sich angebotene Bildthemen anzuschauen, als in einem Supermarkt, wo man gezielt, gut und günstig einkaufen möchte. „

Sven Ole Schubert, PR & Marketing bei istockphoto:

„Die Suche mit Hilfe der Kategorien ist ein sehr praktischer Weg, relevante Ergebnisse thematisch einzugrenzen. iStockphoto bietet derzeit 18 Kategorien und 164 Unterkategorien, welche die wichtigsten Konzepte und Themenfelder abdecken. Nutzer, die nicht auf der Suche nach DEM Motiv sind (“Schwarze Katze, die am Freitag, dem 13. unter einer Leiter durchgeht”), bekommen durch die Kategoriensuche eine passende Auswahl an Bildern zu dem gewünschten Bereich.

Noch bessere Ergebnisse werden erreicht durch die Verbindung mit der “Erweiterten Suche”, z.B. Farbsuche oder CopySpace, die von iStockphoto entwickelte Suche nach freiem Raum in einem Bild, um dort Text oder ein Logo zu platzieren.  Insofern hat diese Suchmöglichkeit etwa die gleiche Bedeutung wie die direkte Suche mit Schlüsselwörtern, nach Anbietern, Farbe usw.

Zahlen darüber, wieviel Prozent aller Verkäufe über eine Kategoriensuche erzielt werden bzw. wie häufig die Kategorien genutzt werden, liegen nicht vor.

Gern genutzt werden die “Seasonal Searches”, die z.B. zu den Themen “Ostern” oder “Valentinstag” entsprechende Motive bereit stellen. Sehr bedeutend sind auch die Kategorien “Konzepte und Ideen” sowie alles zu den Bereichen “Unternehmen”, “Essen und Trinken”, “Wellness”, “Gesundheit” und “Lifestyle”.“

Zusammenfassung

Insgesamt lässt sich bei den Antworten ein Trend erkennen. Die Kategorien sind vor allem für neue Bildkäufer interessant, die erst mal „stöbern“ wollen, bevor sie die Kraft einer zielgerichteten Stichwortsuche entdecken. So ist es auch konsequent, dass die Bildagenturen, die eher professionelle Bildkäufer wie Verlage, Zeitschriften und Werbeagenturen als Kunden haben, viel seltener Kategorien anbieten als zum Beispiel Microstock-Agenturen, die auch Käufer ansprechen wollen, die bisher keine Erfahrungen beim Fotokauf haben.

Welche Erfahrungen habt ihr als Fotograf oder Bildkäufer mit Kategorien gemacht?

Bezahlung der Models

Wie läuft das? Oft bekomme ich Mails von anderen Fotografen, wie ich meine Models bezahle. Um einige der Fragen zu beanworten, stelle ich in diesem Beitrag einige Wege vor, wie Models bezahlt werden. Ich versuche, den Beitrag allgemeiner zu halten und auch die Honorierungen anderer Fotografen mit einfließen zu lassen.

Grundsätzlich lassen sich in der Stockfotografie drei Arten der Bezahlung unterscheiden:

1. Kommerzielles TfP (Bezahlung durch Fotos)
2. Gemeinsames Risiko (Prozentuale Beteiligung)
3. Cash auf die Kralle (Stundenlohn oder Pauschale)

1. Kommerzielles TfP (Bezahlung durch Fotos)
TfP bedeutet „Time for Prints“ oder frei erklärt: Der Fotograf und das Model bringen ihre Zeit für das Fotoshooting ein und beide bekommen danach als Bezahlung die fertigen Fotos. Mittlerweile gibt es auch „TfCD“ oder „TfDVD„, wo das Model die Fotos nicht mehr als Abzug, sondern nur noch als CD oder DVD bekommt.

In der Regel sind diese Vereinbarungen nichtkommerziell. Es gibt aber Stockfotografen, die sich im Modelvertrag alle kommerziellen Nutzungsrechte für die Fotos sichern. Das Model darf die Fotos nur unkommerziell nutzen. Wenige – ich behaupte mal, nur die unerfahrenen – Fotografen haben in ihren Verträgen stehen, dass sowohl Fotograf als auch Model die Fotos kommerziell nutzen können. Für die Nutzung in Bildagenturen sind solche Verträge jedoch schwierig, da der Fotograf dann nicht sicher sein kann, dass seine Fotos „frei von Rechten Dritter“ sind.

Ich selbst nutze diese Zahlungsvariante eher selten und auch nur, falls das Model auf mich zukommt und um Fotos bittet. Auch andere Kriterien spielen eine Rolle, die ich unten erläutere.

2. Gemeinsames Risiko (Prozentuale Beteiligung)
Bei dieser Zahlungsvariante werden die Models an den Verkaufserlösen der Fotos beteiligt.
Im Model-Vertrag wird hier festgehalten, wieviel Prozent das Model von dem Gewinn erhält. Das beginnt bei 10%, aber es gibt auch Models, die 80% fordern – meist aber nicht erhalten. Üblich sind 25% bis 50%. Der genaue Satz richtet sich unter anderem nach den schon erwähnten Kriterien.

Bei mehreren Models auf einem Foto ist empfehlenswert, den Prozentsatz zu reduzieren. Sonst kann es passieren, dass der Fotograf drei Models je 40% zahlen muß und im Grund mehr ausgibt als einnimmt.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Fotograf kein Risiko eingeht, wenn sich die Fotos nicht so gut verkaufen wie erhofft. Das ist besonders bei „verrückteren“ Shooting-Ideen sinnvoll, für die der Fotograf keine Erfahrungen im Verkauf hat. Für mich ist ein netter Nebenaspekt auch, dass ich öfter mit den Models in Kontakt stehe.

Das kann aber auch ein Nachteil sein. Der Verwaltungsaufwand ist viel größer, da jeder Verkauf gut nachgewiesen werden muss und die Models dann Rechnungen stellen müssen bzw. Gutschriften erhalten. Vor allem für die Microstock-Fotografie ist das sehr unhandlich, bei Mid- und Macrostock-Agenturen aber gut machbar. Viele Fotografen nutzen für die Verwaltung Datenbanken wie Access oder einfach eine gut sortierte Excel-Tabelle. Meine Excel-Tabelle listet z.B. die Dateinamen der Fotos, Verkaufsdatum, die Agentur, den Kunden (wenn bekannt), den Preis der Agentur, meinen Anteil und den Anteil der Models. Mit Visual Basic-Skripten lassen sich die Prozente automatisch per Knopfdruck ausrechnen. Damit nicht an zig Models monatlich einige Euro überwiesen werden müssen, bieten sich gesammelte Auszahlungen pro Quartal an.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Zahlungen theoretisch endlos laufen und so mit immer mehr Models der Verwaltungs- und Zeitaufwand exponential steigt. Einige Fotografen lösen das, indem sie die Zahlungen zeitlich begrenzen (z.B. auf ein oder zwei Jahre), andere Fotografen setzen eine Obergrenze, bis zu welchem Betrag sie die Beteiligung auszahlen.

Ein Vertrauen seitens des Models in den Fotografen und Geduld muss natürlich vorhanden sein. So kommt es in der Praxis vor, dass ein Foto in einer Zeitschrift gedruckt – und vom Model gesehen wird – und der Fotograf die Abrechnung der Agentur aber erst danach erhält und das Model informieren kann.

Diese Zahlungsweise habe ich am Anfang sehr häufig genutzt, da ich meine Investitionen damit gering halten konnte. Die Nachteile sind in der Praxis aber schnell bewußt geworden, sodaß ich nun öfter einen Stundenlohn vereinbare. Für „Testshootings“ mit neuen Models oder ungewöhnlichen Typen finde ich diese oder die erste Variante aber immer noch praktisch.

3. Cash auf die Kralle (Stundenlohn oder Pauschale)
Wie der Name schon sagt, gibt es hier Bargeld. Entweder wird mit dem Model ein Stundenlohn vereinbart oder eine Pauschale, z.B. für einen halben Tag (4 Stunden) oder eine Tagesgage (8 Stunden). Die Werte können hier stark schwanken und reichen von 10 bis 80 Euro die Stunde oder 100 bis 500 Euro Tagesgage. Was vereinbart wird, hängt wieder von verschiedenen Kriterien ab.
Wichtig ist, dass im Vertrag festgehalten wird, für was der Betrag gezahlt wird (in der Regel für „Fotos vom [DATUM]“) und eine Quittung geschrieben wird, um es in der Buchhaltung richtig abzurechnen.

Wie machen es die Profis?
Yuri Arcurs, ein Microstock-Fotograf, welcher sich rühmt, der Fotograf mit den meistverkauften Bildern der Welt zu sein, zahlt seinen Models 50 bis 100 US-Dollar pro Stunde. Vorher verlangt er jedoch von neuen Models, dass sie drei Fotoshootings kostenlos machen, da die Einarbeitung Zeit kostet.

Der ebenfalls sehr erfolgreiche Microstock-Fotograf Andres Rodriguez arbeit auf TfP-Basis und zahlt seine Models mit 10 ausgedruckten Fotos bzw. einem Fotobuch mit 20 Fotos aus und den bearbeiteten Fotos auf CD.

Der Fotograf und Inhaber der Bildagentur Adpic, Martin Baumann, zahlt seinen Models “ je nach Thema, Verwertbarkeit sowie Zeitaufwand der Aufnahmen“ 30 bis 100 Euro.

Der Stockfotograf Ron Chapple bezahlt seine Models aus buchhalterischen Gründen per Scheck. Die Höhe des Honorars hängt vom Alter und der Erfahrung der Models und dem Budget für das entsprechende Shooting ab.

Einige Werbefotografen lassen für Aufträge auch die Kunden das Model bezahlen, sichern sich aber das Recht zu, zusätzliche Aufnahmen (sogenannte „Outtakes„) für Bildagenturen nutzen zu dürfen.

Kriterien für die Bezahlung
Wieviel ein Model verlangen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt vor allem, wie viel Erfahrung das Model vor der Kamera hat. Auch nachweisbares Schauspieltalent kann honoriert werden. Je gefragter der Look des Models ist, sowohl vom Fotografen als auch von Bildagentur-Kunden, desto mehr ist der Fotograf bereit zu zahlen.

Je mehr Models bei einer Fotosession mitmachen, desto geringer ist oft die Gage pro Model. Zum einen sind die Models dann nicht ständig Hauptbestandteil der Fotos und zum anderen gibt es mehr Wartezeiten, wenn Einzelaufnahmen der anderen Models anstehen. Viele Fotografen handeln auch Halbtages- oder Tagesgagen aus, bei denen der Stundensatz in der Regel niedriger ist als bei einer Buchung von z.B. zwei Stunden.
Wenn das Model einige oder sogar alle bearbeiteten Fotos eines Shootings erhält, fällt die Bezahlung meist geringer aus (siehe 1.). Dazu kommen noch viele andere Faktoren wie beispielsweise Anfahrtsweg oder Übernachtungskosten.

Unterm Strich
Letztendlich ist alles Verhandlungssache zwischen dem Fotograf und dem Model. Wenn ein Fotograf unbedingt mit einem Model arbeiten will, wird er hohe Gagen akzeptieren, umgekehrt geben sich Newcomer-Models gerne mit Fotos zufrieden, wenn die Bilder des Fotografen die Sedcard oder das Portfolio des Models aufbessern. Dazwischen ist – mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen – alles möglich.

Wie handhabt ihr als Fotografen die Bezahlung Eurer Models? Worauf achtet ihr? Was sind Eure Erfahrungen als Model?

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