Photokina 2014 – Meine Eindrücke und Entdeckungen

Nach zwei Tagen auf der Fotomesse Photokina, nach Hunderten geschüt­tel­ten Händen und zig aus­ge­tausch­ten Visitenkarten wird es Zeit, ein ers­tes Fazit zu zie­hen.

Erster Eindruck: Es ist ins­ge­samt etwas klei­ner und über­sicht­li­cher gewor­den. Gefühlt haben auch nicht mehr Canon und Nikon die größ­ten Stände, son­dern Samsung. Von Canon hat­te ich mir ja eine bes­se­re Profi‐Kamera als die 5D Mark III erhofft, wel­che der Nikon D800 – auch im Megapixel‐Bereich – das Wasser rei­chen kann, von nütz­li­chen Features wie WLAN, HDMI, Klappdisplay, etc. mal ganz abge­se­hen. Dafür wird die Canon 7D Mark II prä­sen­tiert, wel­che schnell ist (10 Bilder/Sekunde) und bes­se­re Video‐Funktionen bie­ten soll. Beeindruckend ist anders.

Auch wenn ich mein Arbeitstier, die 5D Mark III nicht wech­seln wer­de, hat mich hin­ge­gen die „SmartCam“ Samsung NX‐1 beein­druckt: Eine spie­gel­lo­se Systemkamera mit 28,2 Megapixeln, 4K‐Video, 15 Bildern/Sekunde, RAW, Bluetooth, USB 3.0 und so wei­ter. Dagegen sieht die 7D Mark II schon bei der Präsentation alt aus.

Dass auch Sony es ernst meint mit der Alpha 7‐Reihe und dem Angriff auch die bei­den Foto‐Schwergewichte Canon und Nikon, zeigt die Einführung des „Pro Support“. Ähnlich wie der CPS oder NPS bie­tet Sony ab April 2015 welt­weit Profi‐Fotografen, wel­che Sony‐Kameras nut­zen, einen beson­de­ren Service. Neben den neu­en Objektiven von Sony gibt es jetzt auch die 50mm‐Festbrennweite Mitakon Speedmaster von Zyoptics (Halle 5.1, Stand K49) für den Sony‐E‐Mount mit einer Lichtstärke von – hal­tet euch fest – f/0,95!

Der neue Polaroid Cube
Der neue Polaroid Cube

Auffällig vie­le „Action‐Kameras“ gab es auch zu sehen, beson­ders gefal­len hat mir der klei­ne „Polaroid Cube“, ein Würfel mit je ca. 35mm Kantenlänge. Dagegen wirkt die GoPro Hero wie ein rie­si­ger Klotz und trotz­dem lie­fert das Mini‐Ding Full‐HD‐Videos mit 30 Bildern pro Sekunde. Wo wir von der GoPro reden: Der Hersteller Knog (Halle 6, Stand C18) bie­tet sehr schi­ckes Videolicht für die GoPro und das iPhone, lei­der mit einer schwa­chen Leuchtdauer.

Passend zu den gan­zen Action‐Cams gab es auch viel Zubehör für die 360°-Fotografie und für Videos. Nennenswert fand ich hier vor allem den Smartphone Gimbal Gyro‐Pod SP1 von Jobo (Halle 9.1, Stand C13), weil die­ser sehr leicht und kom­pakt ist. Damit kann eine Zwei‐Achsen‐Bildstabilisierung bei einer Akku‐Laufzeit von über 3 Stunden erreicht wer­den.

Wer sich bis zu 10 Fotos aus­dru­cken will, kann das wäh­rend der Photokina ent­we­der an eini­gen Kodak-Druckern in Halle 9 machen oder bei CEWE (Halle 4.2, Gang B). Sehr schick ist, dass CEWE jetzt das qua­dra­ti­sche Format und ein Panorama‐Format (5x15 cm) unter­stützt, also ide­al für Smartphone‐Fotos. Die Handys wer­den wäh­rend der Zeit am Fotodrucker sogar auf­ge­la­den. Da hat mal jemand mit­ge­dacht! Eine ande­re Idee für die Verwendung von Panoramafotos ist die MyClock von Brisa (Halle 9.1, Stand D30).

Wer sich für schö­nes Design (Braun) inter­es­siert, fin­det viel­leicht die „Relonch Camera“ (Halle 2.2, Stand C20) span­nend. Hier wird das iPhone mit einer Kamerahülle ver­bun­den, wel­che eine 40mm‐Festbrennweite (umge­rech­net ca. 70mm) mit Blende f2 und einen APS‐C Sensor nutzt. Leider bleibt es bei der Optik, weil als Auflösung aktu­ell nur 0,4 MP geplant sind, die Lieferung frü­hes­tens im Herbst 2015 erfol­gen soll und der Preis mit 499 USD recht statt­lich ist.

Computergeschnittenes Passepartout
Computergeschnittenes Passepartout

Für die Hochzeits‐ und Portraitfotografen noch zwei Präsentationstipps: Bei der Firma Wizard of Europe (Halle 9, Stand F45) gibt es auto­ma­ti­sche Passepartoutschneider, den Wizard 8000 und 9000, mit denen sich sehr coo­le Sachen als Passepartout umset­zen las­sen. Sehr ele­gan­te USB‐Sticks und edle Verpackungen dazu gibt es von Photoflashdrive (Halle 9, B25), damit Hochzeitsfotografen die digi­tal fäl­li­gen Bilder ange­mes­sen ver­schi­cken kön­nen.

Was fan­det ihr auf der Photokina die­ses Mal beson­ders span­nend?

10 Gedanken zu „Photokina 2014 – Meine Eindrücke und Entdeckungen“

  1. Moin Robert. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Canon und Nikon am Verbraucher, vor allem aber am Profi, vor­bei pro­du­zie­ren. Noch bin ich nicht in Köln, habe mich aber im Vorfeld schon ein wenig schlau gemacht. Und mei­ne Entscheidung steht nun fest: Ich wer­de mich von mei­nem Canon‐Equipment tren­nen und kom­plett auf das Fuji X‐System umstei­gen. Ursprünglich habe ich mir ja die X‐E1 für pri­va­te Zwecke gekauft – seit­dem liegt mei­ne Canon‐Ausrüstung aller­dings nur noch im Schrank. Wir sehen uns in Köln 😉

  2. Eine Zeit lang habe ich die Photokina immer her­bei gesehnt. Da sind die Kameras dann prä­sen­tiert wor­den, auf die man so lan­ge gewar­tet hat. Mehr Megapixel von Photokina zu Photokina. Ähnlich bei Vollformat, lan­ge hat man dar­auf gewar­tet. Sobald eine neue Kamera vor­ge­stellt wur­de, die mei­nen Bedürfnissen ent­sprach, war ich schon beim Händler und habe das Ding vor­be­stellt.
    Derzeit ver­su­che ich es zu ver­mei­den, eine neue Kamera zu kau­fen. Ich bin mit dem was ich habe zufrie­den. Daher ist mein Interesse für die Photokina gering, wie schon lan­ge nicht.

  3. 4K‐Technik wird eines der gro­ßen Themen auf der Photokina sein. Die von dir vor­ge­stell­te Samsung NX -1 punk­tet zwar mi 4K‐Video, aller­dings nur mit schlap­pen 15 Bildern /Sekunde.
    Ich befürch­te das wird schon in weni­gen Monaten deut­lich zu wenig sein, wenn ande­re Anbieter nach­zie­hen.
    Mehr Innovationen und Zukunftsfähigkeit bie­tet in die­sem Segment der­zeit Panasonic mit der Lumix DMC‐GH4 und 4K‐Videos in bis zu 30 fps.

  4. moin
    nun, der rann auf immer mehr pixel muß­te ja mal zu ende sein.
    irgend­wann ist eben auch die phy­si­ka­li­sche gren­ze erreicht.
    mal hat der eine die nase vor­ne, im kom­men­den jahr der ande­re.
    aber kon­ku­renz belebt ja den markt ‚)
    aber die aus­wahl an qua­li­täts­an­ge­bo­ten ist nir­gends so umfrang­reich
    wie auf der pho­to­ki­na -und das ist pri­ma..
    selbst angeb­li­che pro­fier­ents sind da nur im ver­gleich man­gel­haft aus­ge­rüs­tet
    spiel­kram ist das eine
    und das was man wirk­lich braucht ist das ande­re ‚))

  5. @Tomi: Die NX‐1 hat laut dem ver­link­ten Heise‐Artikel 4k/24fps, 15fps wär ja ein schlech­ter Witz für Video.
    Ansonsten scheint der Run auf immer mehr Pixel (lei­der) kei­nes­wegs zu Ende zu sein. 28 MP auf APSC Format, was soll das? Die rest­li­chen Daten lesen sich zwar ganz nett, wie taug­lich und gut das Ganze in der Praxis ist, muss sich zei­gen. Ich bin da sehr skep­tisch. (Sony war/ist da ja auch so ein Kandidat: Tolle Daten im Prospekt, aber in der Praxis dann doch vie­le Einschränkungen bzw. es funk­tio­niert halt doch längst nicht so per­fekt, wie es die Werbung sug­ge­riert.)
    Nikon und Canon sind zwar in vie­len Punkt kon­ser­va­ti­ver als die „Elektronik‐Riesen“, aber letzt­lich soli­der und zuver­läs­si­ger, und das ist für Profis wich­ti­ger.

  6. 28MP auf APSC Format sind ja kein Upgrade mehr, son­dern eher ein Downgrade, in Bezug auf die Qualität.
    Seit es leist­ba­re 20 MP auf Vollformat gibt, ist für die pro­fes­sio­nel­le Fotografie auf Kleinbild ein Plateau erreicht. Mehr MP brin­gen mir per­sön­lich kei­nen Vorteil mehr. Was für mich noch ein Upgrade wäre, ist digi­ta­les Mittelformat. Selbst da wür­den mir 20 MP rei­chen. Der Vorteil wäre halt die selek­ti­ve Schärfe, bei Food Aufnahmen. Aber das lohnt sich für mei­ne Stockfotografie nicht.

  7. @ Manfred: Zur Samsung‐NX‐1: Danke für dei­ne Korrektur, natür­lich hat die Kamera 24 fps im 4K‐Videomodus. Werde sie mir mal auf der Photokina näher anschau­en.

  8. Habe gele­sen, dass du eben­falls etwas ent­täuscht bist, dass Canon so wenig (für den Profi taug­li­che) Neuigkeiten im DSLR‐Bereich vor­ge­stellt hat. Da wür­de ich ger­ne etwas zu erzäh­len.

    Besonders zum Thema Schwenkdisplay für Vollformat mache ich mir schon seit län­ge­rem Gedanken, auch in eige­ner Sache. Daher habe ich ges­tern 3 Mitarbeiter von Canon befragt, außer­dem vor einem Jahr schon mal schrift­li­chen Kontakt mit den Entwicklern von Canon auf­ge­nom­men. Naja, der Vorschlag wur­de zumin­dest wei­ter gege­ben – sei­ne Aufmerksamkeit wid­me­te man aber in der Zwischenzeit lie­ber den Consumermärkten mit Einsteigermodellen wie der 1100D, der 1200D und Einstiegs‐Einsteigermodellen wie der 100D.

    Zu mei­nem Anliegen gibt es kei­ne Neuigkeiten, wie die Gespräche auf der Photokina zeig­ten: Interessant hier­bei, wie arro­gant Canons Einstellung gegen­über den Schwenkdisplays zu sein scheint. In ers­ter Linie argu­men­tier­te man müde lächelnd nach dem Motto „Profis brau­chen sowas nicht“. Im Hinblick auf Peoplefotografie mag das viel­leicht stim­men aber mir wür­de kein Landschafts‐ oder Architekturfotograf, wie ich es bin, ein­fal­len, dem ein Schwenkdisplay nicht behilf­lich sein wür­de. Und wer es nicht braucht, ist nicht gezwun­gen, es aus­zu­klap­pen. Spätestens da, wo Stativarbeit gefragt ist oder beson­de­re Kamerawinkel ein­ge­nom­men wer­den müs­sen, ist vom Schwenkdisplay zwei­fels­oh­ne zu pro­fi­tie­ren. Parallel stel­len die Dreistelligen stän­dig wie­der aufs Neue unter Beweis, wie gut die Technik bis­her schon funk­tio­niert. Die Notwendigkeit der neu­en Touchfunktion sei dahin gestellt.

    Das gan­ze scheint ein sehr pola­ri­sie­ren­des Thema zu sein, da auch Nicht‐Schwenkdisplay‐Fotografen rela­tiv aggres­siv auf die­se Formulierungen zu spre­chen sind. Dies fiel mir vor allem in den ein­schlä­gi­gen Foto‐Foren auf. Vermutlich weil sie noch nie damit gear­bei­tet haben? Meine Erfahrung ist, dass jeder, der es mal hat­te, es nicht mehr mis­sen möch­te. Auch die tech­ni­sche Empfindlichkeit der Schwenkvorrichtung wird kri­ti­siert, was ich nicht bestä­ti­gen kann. Ich arbei­te seit 2,5 Jahren mit mit der EOS 60D – ledig­lich der Verschluss muss­te schon mal erneu­ert wer­den. Mein Arbeitsgerät dürf­te locker 200.000 Aufnahmen auf dem Buckel haben. Leider kom­me ich nicht von ihr weg. Einfacher Grund: Das Schwenkdisplay. Insbesondere für die Nachtfotografie wäre eigent­lich schon längst eine Vollformat‐Kamera von Nöten. Um dem Qualitätsverlust durch Bildrauschen zu ent­ge­hen, wer­de ich mir jetzt also eine 5D Mark III zule­gen und künf­tig statt für das LiveDisplay oder die Bildansicht mit Zusatzgeräten arbei­ten müs­sen. Bisher habe ich damit noch kei­ne Erfahrung, wes­we­gen ich deren Funktionalität an die­ser Stelle nicht wirk­lich beur­tei­len kann. Sicher bin ich mir jedoch, dass mit ihr ein Extrateil mehr bezahlt, ein­ge­packt und letzt­end­lich auch bedient wer­den muss. Bei nächt­li­chen -25 Grad in den Schweizer Alpen macht das wenig Spaß.

    Übrigens: was der Canon Mitarbeiter dazu ent­geg­nen konn­te, dass Sony (m.W.) bis­her das ein­zi­ge Vollformat‐Schwenkdisplay anbie­te: „Profis foto­gra­fie­ren doch nicht mit Sony.“

    Beste Grüße,
    Tim

  9. Ich muss zuge­ben, als Nikon‐Fotograf hät­te ich auch gele­gent­lich ger­ne mal ein Schwenk‐Display. (Die D750 hat ja jetzt wenigs­tens ein ein­ge­schränk­tes, aber nur des­halb kau­fe ich sie auch nicht…)

    Trotzdem den­ke ich, dass der größ­te Teil der Profifotografen (und das sind eben vor allem Sport‐, Presse‐ und Peoplefotografen) kein Schwenkdisplay braucht und sowie­so in aller Regel den Sucher (ggf. Winkelsucher) ver­wen­det (ich auch). Da lie­gen wohl die Prioritäten auch bei den Herstellern woan­ders.

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