Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 26

Heute gibt es wie­der eine Folge „Pimp My Stock!“, in der ich Bilder von Fotografen dar­auf­hin beur­tei­le, ob sie sich gut ver­kau­fen las­sen wür­den.

Dieses Mal schrieb mir David:

Hallo Robert,

ich hei­ße David, bin 17 Jahre alt und foto­gra­fie­re seit etwa 2 Jahren hob­by­mä­ßig. Zuerst mit einer Olympus E-520 und seit kur­zem mit einer EOS 600D (haupt­säch­li­ch mit dem EF 50mm 1.8). Hauptsächlich sind die Motive aller­dings aus mei­nem zwei­ten Hobbybereich, dem Modellbau. Diese eig­nen sich also kaum zum Verkaufen.

Anbei  sen­de ich dir eini­ge Bilder, bei denen ich ger­ne dei­ne Meinung hören wür­de. Die meis­ten sind ein­fach nur Schnappschüsse (mit Handy oder Kompaktkamera). Ich weiß des­halb, dass Sie qua­li­ta­tiv nicht unbe­dingt das Maß aller Dinge sind aber dar­um geht es mir erst­mal nicht.

Über eine Rückmeldung wür­de ich mich sehr freu­en.

Mit freund­li­chen Grüßen,
David“

Ohne lan­ge Vorreden schau­en wir uns direkt die Bilder an.

Wenn ich ehr­li­ch bin, mus­s­te ich bei die­sem Foto lan­ge grü­beln, was über­haupt zu sehen ist? Ein lee­res Glas Bowle? Vielleicht. Falls das der Fall ist: Erstens ist es immer blöd, wenn die Käufer nicht erken­nen kön­nen, was auf einem Bild zu sehen ist, denn dann kau­fen sie es nicht. Zweitens sind Stockfotos meist dazu da, Verkäufe anzu­kur­beln oder bei Foodfotos auch den Appetit anzu­re­gen. Das ist hier nicht der Fall. Das Bild ist zu dun­kel, trist und der Bildaufbau ver­wir­rend. Zum Vergleich: So sieht ein Foto von einer Bowle* aus, wel­che das Wasser im Mund zusam­men­lau­fen lässt.

Das Problem bei die­sem Foto ist offen­sicht­li­ch. Der Horizont ist – ver­mut­li­ch durch ein star­kes Weitwinkelobjektv – zu sehr gekrümmt. Selbst wenn das nach­träg­li­ch in Photoshop ent­zerrt wer­den wür­de, fehlt bei dem Bild trotz­dem ein „Vordergrund“ und es wirkt zu dun­kel.

Ähnliches gilt auch für die­ses Bild von eini­gen Schwimmern im Meer. Insgesamt ist es schon etwas bes­ser, weil mit den Menschen im Wasser mehr Aussage im Bild ist, aber dafür sind sie wie­der­um zu weit weg, um das Foto loh­nend zu machen.

Hier ein Foto der Tate Gallery in London. Allerdings ist es schwarz/weiß, was bei Stockfotos sel­ten gut ankommt, es ist zu dun­kel und unten rechts sind Plakate zu erken­nen, wel­che Problem mit Designschutz und Markenrecht brin­gen könn­te. Deswegen lei­der eben­falls unge­eig­net.

Bei die­sem Foto gibt es eben­falls meh­re­re Probleme, von denen das ers­te direkt ins Auge springt. Der Elizabeth Tower mit dem Big Ben in London ist hin­ter einer Statue ver­steckt. Diese wie­der­um ist wie­der zu dun­kel und selbst wenn es nur um die Statue gin­ge, ist die Rückenansicht bestimmt nicht der geeig­net­s­te Winkel dafür.

Das Foto von einem Yachthafen ist etwas bes­ser. Das Motiv als sol­ches könn­te eini­ge Käufer fin­den. Voraussetzung ist jedoch, dass Bootsnamen etc. retu­schiert wer­den. Aber auch hier wirkt das Bild für mich etwas zu dun­kel (sie­he der Schatten beim vor­de­ren rech­ten Boot) und die Farben sind etwas flau.

Von den ein­ge­sand­ten Bildern hat das Bild die­ser Achterbahn für mich die größ­ten Verkaufschancen. Die Farben sind kräf­tig, oben ist Platz für Textfreiraum und die Bahn selbst ist gen­au an der rich­ti­gen Stelle. Wieder gilt jedoch: Das Schwarz ist zu dun­kel und daher sind kaum Details der mit­fah­ren­den Menschen zu erken­nen. Keine Ahnung, ob das an der Kamera, der Einstellung oder der Nachbearbeitung liegt.

Eine Erklärung lie­fert viel­leicht der Text der Email. Wenn es nur Schnappschüsse vom Handy oder einer Kompaktkamera sind, die selbst der Fotograf nicht für qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig hält, liegt auf der Hand, war­um sich die Käufer nicht um die Bilder rei­ßen wer­den. Ein Minimum an Bildqualität und Gedanken über die Motive und Kompisition soll­te schon vor­han­den sein, um gute Verkäufe bei Bildagenturen erzie­len zu kön­nen. Wenn ich aber ehr­li­ch bin, sahen mei­ne Fotos mit 17 Jahren auch nicht bes­ser aus.

Wie seht ihr das?

Wer eben­falls eine ehr­li­che Meinung und Tipps zur Verbesserung sei­ner Stockfotos haben will, kann hier nach­le­sen, wie man bei der “Pimp My Stock!”-Serie mit­ma­chen kann.

* Affiliate

5 Gedanken zu „Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 26“

  1. Die Rubrik der Bildkritik fin­de ich grund­sätz­li­ch gut. Es erschei­nen aller­dings immer wie­der – bei allem Respekt – Anfängerbilder, bei denen man dem Fotografen nur den Rat geben kann, sich mit Grundsätzen von Bildgestaltung etc. aus­ein­an­der zu set­zen, bevor er sich einer gro­ßen „Jury“ stellt.

  2. @Ralf: Ja, ich weiß, was Du mein­st. Leider kann ich nur das neh­men, was ein­ge­sandt wird. Aber bei den nächs­ten Folgen wer­den auch eini­ge dabei sein, wo die Bilder ein höhe­res Niveau haben.

  3. Hm, ist auch schwie­rig was dazu zu schrei­ben, was war denn die eigent­li­che Frage von David? 🙂 Fakt ist, was David mit 17 ganz gut kann, ist Motive zu „sehen“, wo ande­re in dem Alter gewiss nicht hin­gu­cken. Oder Blickwinkel, die inter­es­sant sind. Leider nur ist die­se Art „Kunst“ eher in Foren gefragt, wo man sei­ne Bilder zei­gen kann und ande­re sie „hüb­sch“ fin­den. Stockfotografie ist ein eige­nes Genre mit eige­nen Gesetzen. Da geht es weder um Kunst, noch um „hüb­sch“, son­dern ein­zig um Verkäuflichkeit. Was also einen völ­lig ande­ren Blickwinkel auf Motive erfor­dert. Aus dem Blickwinkel der Verkäuflichkeit ist keins der Fotos geeig­net. Nicht mal unbe­dingt weil sie schlecht wären, son­dern weil es für jedes Motiv zig bes­se­re in den Agenturen gibt. Wenn du – David – also Stockfotos machen will­st, soll­test du in den Agenturen nach­schau­en wie dei­ne Art Motive dort dar­ge­stellt wer­den. Wie eine ver­käuf­li­che Achterbahn, Yachthafen oder Bowle aus­se­hen. Und die Beschäftigung mit Bildbearbeitung gehört auch dazu. Viel Spaß aber auch wei­ter­hin mit der Fotografie 🙂

  4. Hätte mir auch inter­es­san­te­re Bilder gewünscht und nicht nur Anfängerbilder. Aber Robert hat das ja schon beant­wor­tet. Hätte nur gedacht, dass du mehr Einsendungen/Auswahl hast.

    Die Bilder sind fürn Anfänger zum ler­nen ok und ich erken­ne auch mei­ne Anfänge dar­in. Aber für die meis­ten Leser dies­mal nicht so span­nend.

    Danke trotz­dem für die Mühe, ich mag die­se Kategorie! 🙂

  5. Die Bildbesprechung ist auch eine mei­ner Lieblingsrubriken. Ich sehe ger­ne was ande­re abge­ben und dann ver­su­che ich mich selbst als Anfänger irgend­wie ein­zu­ord­nen.

    Auch ver­su­che ich mir die Fotos anzu­schau­en bevor ich Roberts beur­tei­lung lese und mache mir selbst Gedanken was ich von den Bildern hal­te und was mei­ner Meinung nach Verbesserungswürdig wäre (und das erlau­be ich mir ohne es viel­leicht bes­ser zu kön­nen). Dadurch sehe ich dann ob ich ein Auge dafür habe oder nicht – manch­mal fällt mir das glei­che auf, oft aber auch nicht. Das hilft mir aber auch mich selbst pas­siv zu ver­bes­sern.

    Ob das nun im Ansatz gute Fotos sind oder nicht macht für mich kei­nen Unterschied. Den Lerneffekt habe ich in jedem Fall 🙂

    Bislang habe ich noch kei­ne Fotos ein­ge­reicht, aber viel­leicht soll­te ich das auch mal machen.

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