Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 05

Sind mei­ne Fotos gut genug für die Stockfotografie? Da ich immer wie­der sol­che Anfragen bekom­men habe, gibt es seit einer Weile die Rubrik „Pimp My Stock!“. Dort besprech­eich Fotos mit dem Schwerpunkt dar­auf, ob sie sich gut ver­kau­fen wür­den.

In der fünf­ten Folge sehen wir die Fotos von „Bilderquelle“. Er war vor­her Bankkaufmann und ver­kauft seit einem hal­ben Jahr im Microstock‐Bereich. Die meis­ten sei­ner Fotos ent­ste­hen mit einer Canon 400D und einer 50mm‐Festbrennweite. Er bat mich, mich in ers­ter Linie auf die Bilder und weni­ger auf sei­ne Person zu kon­zen­trie­ren. Deswegen legen gleich mal los.

Bilderquelle 02

Das ers­te Foto ist von ener alten Frau im Garten mit einer Erdbeere in der Hand. Dieser klei­ne rote Punkt vor dem grü­nen Hintergrund sorgt für einen schö­nen Farbkontrast. Die blau/gelbe‐Schürze mit der eben­so blau/gelben‐Bluse tra­gen auch dazu bei und tau­chen das Bild in sat­te, strah­len­de Primärfarben. Der Anschnitt ist knapp, aber gut gesetzt und das Format unge­wöhn­lich. Das Aufhelllicht kommt weich und dezent von schräg vor­ne. Thematisch sind Senioren in länd­li­cher Umgebung und „gesun­de Ernährung“ gefrag­te Themen, wes­halb die­se Foto auf jeden Fall ein super Stockfoto ist!

Bilderquelle 03

Beim zwei­ten Bild gibt es einen klas­si­schen „Business‐Freisteller“. Manager mit Schutzhelm und jun­ger Mann im Anzug. Das Bild ist an sich gelun­gen, nur eini­ge Details stö­ren. Der jun­ge Mann wirkt im gesicht nicht über­zei­gend und etwas „glatt“. Außerdem tra­gen z.B. Architekten die wei­ßen Helme, wäh­rend die gel­ben Schutzhelme eher von den Arbeitern getra­gen wer­den. Das kann eini­ge Verkäufe in der Baubranche kos­ten. Ansonsten tech­nisch aber gut umge­setzt.

Bilderquelle 04

Ein schnör­kel­lo­ses Foto eines Baugeräts. Hier ist es wich­tig, den genau­en Namen der Maschine zu wis­sen, damit die Kunden zum Bild fin­den. Das Bild ist doku­men­ta­ri­scher Natur, wird also wahr­schein­lich eher für den Einsatz in Zeitungen und Zeitschriften in Frage kom­men statt für Werbung. Ein mög­li­ches Problem könn­te der Baggerfahrer sein. Entweder hilft ein Model Release oder eine Lizenzierung des Fotos als „rights mana­ged“. Je nach Strenge der Bildagentur ist viel­leicht auch für die kom­mer­zi­el­le Nutzung kein MR erfor­der­lich, aber dann ist es eige­nes Risiko des Fotografen.

Bilderquelle 05

Jetzt kom­men eini­ge Kinderbilder. Zuerst der spie­len­de Vater mit lachen­dem Sohn auf den Knien. Wirkt echt, trotz Zusatz von künst­li­chem Licht und schlicht, aber wir­kungs­voll in der Komposition. Einzig der Ohrstecker des Mannes stört viel­leicht kon­ser­va­ti­ve­re Kunden wie eini­ge Familienverbände, kann aber ggf. retu­schiert wer­den.

Bilderquelle 06

Ein traum­haf­tes Stockfoto! Nachdenklicher Junge mit Brötchen auf einer som­mer­li­chen Sitzbank. Klasse sat­te Farben und natür­lich wir­ken­de Haltung des Kindes. Die Bildaufteilung ist fast per­fekt, lei­der stört der feh­len­de Fuss unten. Die Schrift auf dem Hosenlatz kann unter Umständen eben­falls Markenrechtprobleme mit sich brin­gen. Da bie­tet sich eine Retusche eben­falls an.

Bilderquelle 07

Auch die­ses Foto ist sehr geeig­net für Bildagenturen. Gute Aufteilung mit Platz für Text, knal­li­ges Rot, Gelb, Grün und Blau und ent­spannt wir­ken­de Stimmung von Kind und Mutter bzw. Schwester. Der Anschnitt ist etwas zu eng, an allen Seiten außer links hät­ten paar Zentimeter mehr das Bild bes­ser atmen las­sen und den Designern mehr Freiheiten gege­ben. Trotzdem sicher ein Renner als Stockfoto.

Bilderquelle 08

Die Babyschuhe auf dem Babybauch sind tech­nisch gut umge­setzt. Das Motiv ist in den Bildagenturen jedoch zuhauf vor­han­den, es kon­kur­riert also mit vie­len eben­so­gu­ten Bildern. Etwas stö­rend wirkt hier, dass der Hintergrund nicht rein weiß ist, son­dern z.B: rechts am Bauch in leich­tes Gelb über­läuft.

Bilderquelle 09

Gleiches gilt für das Foto des lesen­den Mädchens. Die Freistellung an den Füßen des Mädchens kann in Photoshop ver­bes­sert wer­den. Auch der Buchtitel soll­te retu­schiert wer­den, damit es für mehr Käuferschichten rele­vant ist. Inhaltlich ist das Bild gut gelun­gen. Ich bin mir jedoch sicher, dass z.B. istock­pho­to das Bild allein wegen „zuviel frei­er Fläche“ ableh­nen wür­de. Die haben da einen extra Textbaustein für, wie hieß der noch?

Bilderquelle 10

Das letz­te Bild ist ein dunk­les Mädchenportrait. An sich schön, sowohl Gesicht als auch Foto, aber ich fin­de, es sieht stark nach „ein Mal durch ‚Portrait Professional‘ “ gejagt aus. Die Haut wirkt zu glatt­ge­bü­gelt und der Gesichtsausdruck des Mädchens lässt sich nicht so leicht deu­ten. Kann sich ver­kau­fen, aber garan­tiert nicht so gut wie die Oma oder die Familie oben.

Okay, was meint ihr zu den Fotos? Teilt ihr mei­ne Meinung oder seid ihr ande­rer Ansicht?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stock­taug­lich“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie‐Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business‐Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­lich, sub­jek­tiv.

8 Gedanken zu „Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 05“

  1. Bei dem klei­nen Jungen auf der Bank (mit und ohne Mama) find ich, dass der Himmel, bzw. eigent­lich der gan­ze Hintergrund extrem rein­re­tu­schiert wirkt.

    Irgendwas passt da nicht.

    Sonst ist die Omma mein kla­rer Favorit. Da passt auch die gan­ze Ausstrahlung, fin­de ich.

  2. Am Bild der alten Dame stört mich, dass das Gesicht im Gegensatz zur Erdbeere ein klein wenig unscharf erscheint. Immerhin schaut der Betrachter immer zuerst in die Augen bzw. auf das Gesicht.

    Das mit der Unschärfe gilt auch für „Vater mit lachen­dem Sohn“.

    Das letz­te Bild, Portrait des Mädchens, sieht ein­fach nur „eke­lig“ aus. Für eine Werbung in der Apothekenrundschau zum Thema Rerisekrankheit viel­leicht geei­get. Aber sonst zu viel ge‐photoshoppt.

  3. Der Baggerfahrer ist doch sicher ein Modellmännchen, das im Massstab 1:100 o.ä. vor einer rich­ti­gen Baustelle plat­ziert wur­de?
    Der Jüngling im Anzug ist nicht nur zu glatt, son­dern soll­te auch noch­mal Krawatte bin­den üben. Dann noch ein­mal bei H&M nach der rich­ti­gen Größe für das Sakko schau­en. Bitte!

    Ansonsten fin­de ich die älte­re Dame sehr gut gelun­gen. Fast zu schön für ein Stock‐Foto 😉

    skip

  4. ich fin­de das Baggerbild inter­es­sant 😉
    beim ers­ten Hingucken, hab ich nicht mal an ein Modell gedacht…, aber nach skips Hinweis hab ichs mir noch­mal ange­schaut und würd schon eher auf ein Modell tip­pen.
    Ansonsten ist die Oma echt top xD … der Junge auf der Bank ist auch nett gemacht, aber ich fin­de, links hät­te ruhig etwas mehr ‚lee­rer Raum‘ sein kön­nen.

    Vllt löst ‚Bilderquelle‘ das Rätsel ja auf mit dem Bagger. 😉

  5. Hallo Robert,

    und natür­lich auch Annette, Teatime und skip. Dir Robert vie­len Dank, dass du dir die Zeit genom­men dir mei­ne Bilder ein­mal etwas genau­er anzu­schau­en und sie hier in dei­nem Blog einer fach­män­ni­schen Analyse zu unter­zie­hen.
    Bei man­chen dei­ner Kritikpunkte fiel es mir wie Schuppen von den Augen bei ande­ren wäre ich im Leben nicht dar­auf gekom­men (wer hät­te gedacht das es bei dem „Business Freisteller“ bes­ser gewe­sen wäre einen Stylisten bzw. dich am Set zu haben :D). Natürlich möch­te ich mich neben den Anregungen auch für das aus­ge­spro­che­ne Lob bedan­ken.

    Auch bei Annete, Teatime und skip möch­te ich mich für die Anregungen bedan­ken.

    Zu der Frage die bezüg­lich dem …„Bagger(?)“ (ich dach­te mir damals beim ver­schlag­wor­ten schon, dass die genaue Bezeichnung des „Dings“ nütz­lich wäre) auf­kam.
    Robert hat recht es han­delt sich dabei um kein Model. Die Spuren dar­an sind nicht auf­ge­malt son­dern rüh­ren vom har­ten „Bagger(?)“-Alltag her. 😉
    Der leicht künst­li­che Look wirkt im Original nicht so stark wie in dem klein­ge­rech­ne­ten JPG hier und rührt daher, dass ich eine radi­al weich­ge­zeich­ne­te Kopie des Bildes auf eine zwei­te Ebene leg­te und auf die­ser den Bagger aus­mas­kiert habe.

    Vielen lie­ben Dank noch­mal für die vie­len Tipps und Anregungen die du mir auf die­sem Wege hast zukom­men las­sen.

    LG
    die
    bil­der­quel­le

  6. Ach, noch eine Ergänzung zu den Bauhelmen. Das hat­te ich auch schon­mal nach­re­tu­schiert und in Echt sind die Farben nicht so stur ver­teilt.

    Die meis­ten Firmen pas­sen die Helmfarbe inzwi­schen den Logo‐ bzw. CD‐farben an. Da kann es schon mal ziem­lich bunt aus­se­hen auf der Baustelle. Das mit weiß = Architekt und gelb = Bauarbeiter würd ich also nicht so eng sehen.

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