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Probleme und Chancen der Selbstkannibalisierung in der Stockfotografie

Apple muss verrückt sein: Da bauen die ein Mobiltelefon, das iPhone, welches die Verkaufszahlen ihres bestverkaufendsten Musikspielers, dem iPod, nach unten drückt. Ähnlich ist es beim Macbook Air gewesen, welcher das Macbook Pro kannibalisiert. Auch der Medienkonzern Time Warner nutzt die Selbstkannibalisierung zur Umsatzsteigerung. Im Grunde ist es eine gute Entscheidung: Lieber sich selbst kannibalisieren als das Mitbewerbern überlassen.

Das gilt für viele Branchen, besonders auch für die Stockfotografie. Denn wenn wir ehrlich sind, verkaufen sich originelle Konzepte vor allem im Microstock-Bereich nicht so gut wie die Klischees. Und Klischees haben es nun mal in sich, dass sie überansprucht, abgedroschen und  althergebracht sind. Je universeller und je weniger einprägsam ein Stockfoto ist, desto höher sind dessen Verkaufschancen (siehe dazu auch Kapitel 2.3 dieser Seminararbeit).

Es ist deshalb einfach, im Internet Spott über klischeehafte Stockfotos zu finden, wie Seiten wie diese, diese, diese, diese, diese oder diese beweisen. Okay, ich höre schon auf, nachdem ich noch den Klassiker „Frau lacht allein mit Salat“ erwähnt habe.

Anhand eines Beispiels lassen sich gut die Probleme und Chancen der Selbstkannibalisierung in der Stockfotografie aufzeigen.

Im November 2010 hatte ich eine Fotosession in einem Fitnesscenter gemacht. Die monatlichen Einnahmen des relativ teuren Shootings waren sehr lange stabil. Bis ich im April 2012 einen deutlichen Umsatzeinbruch hatte. Daran war ich selbst schuld, denn ich hatte im März 2011 eine andere Fotosession aus einem anderen Fitnesscenter hochgeladen, bei dem sich die Motive stark an den erprobten Bestsellern des ersten Shootings orientierten.

Die Balken zeigen die Umsätze pro Monat an, die rote Linie die Verkaufszahlen. Solche übersichtlichen Statistiken erstellt übrigens Stockperformer.

Im Dezember 2012 ist für die Serie ein erneuter Einbruch zu erkennen, der nicht nur den Weihnachtsfeiertagen geschuldet ist, sondern auch der Tatsache, dass ich ein weiteres Shooting im gleichen Fitnesscenter wie beim ersten Bestseller-Shooting gemacht habe. Ich habe zwar andere Models genommen, damit etwas Unterschiede zum ersten Shooting vorhanden sind, mich aber wieder bewusst an den gut laufenden Motiven der vorigen Fitness-Serien orientiert habe.

Und es hat sich gelohnt: Das aktuelle Shooting hat innerhalb von sechs Wochen eine Sell-Through-Rate von 70% bei Fotolia und 92% bei Shutterstock, das heißt, soviel Prozent der Fotos des gesamten Shootings wurden mindestens ein Mal verkauft. Sonst brauche ich dafür bei anderen Shootings ca. drei bis vier Monate.

Trotz der Umsatzeinbrüche lohnt sich die Kannibalisierung auch finanziell: Wenn ich auf die gesunkenen Einnahmen des ersten Shootings die monatlichen Umsätze das zweiten und dritten Fitness-Shootings addiere, zeigt die Umsatzkurve wieder nach oben, auch in Berücksichtung der  zusätzlichen Kosten für die neuen Shootings.

Ein weiterer Punkt, den ich bald noch genauer erläutern werde, ist die durchschnittliche Lebensdauer eines Microstock-Fotos. Egal, ob ich jetzt neue Motive nachschiebe oder nicht, sinken die Umsätze eines Fotoshootings irgendwann. Das hängt damit zusammen, dass Alter und bisherige Verkäufe ein Faktor im Suchalgorithmus der Bildagenturen sind und mit der zunehmenden Konkurrenz durch andere Bilder. Da bietet es sich an, erfolgreiche Shootings nach zwei Jahren noch mal nachzustellen.

Klar, es wäre lohnender für mich, immer komplett andere Themen-Shootings zu organisieren. Aber erstens profitiere ich bei der Wiederholung von Bestseller-Shootings von meinen bisherigen Erfahrungen, sei es durch vorhandene Kontakte, Models oder die passende Verschlagwortung. Außerdem werden häufig verkaufte Motive – wie auch bei meinen Fitness-Fotos geschehen – schnell von anderen Microstock-Fotografen kopiert. Da kopiere ich mich lieber selbst und verdiene an den Kopien mit als dass ich die Einnahmen den anderen Fotografen überlasse.

Wie seht ihr das? Wiederholt ihr eure Bestseller-Bilder und warum?

Shutterstock – Geballte Umsatz-Statistiken

Wenn es Änderungen gibt, dann aber Schlag auf Schlag. So auch bei der Bildagentur Shutterstock *.

Vor wenigen Wochen habe ich dort die höchste Verdienststufe erreicht und bekomme nun 38 Cent pro Abo-Verkauf. Insgesamt habe ich dafür 26 Monate gebraucht, also gut zwei Jahre.

Hier das Ganze mal als Grafik. Die Säulen stehen für Einnahmen pro Monat, angefangen im August 2008 bis Oktober 2010.

Was heißt eigentlich Verdienststufe? Viele Bildagenturen haben Anreizsysteme für Fotografen, besser zu werden und mehr zu verkaufen. Bei Shutterstock sieht dieses System so aus: Pro Abo-Verkauf bekommt der Fotograf eine feste Summe. Je mehr Gesamteinnahmen der Fotograf mit seinen Verkäufen erzielt hat, desto mehr Geld bekommt er pro Verkauf.

Die Zeit, die ich für die einzelnen Verdienststufen gebraucht habe, sehen tabellarisch so aus:

1. Stufe ($0,25 pro Abo-Download, bis $500): 10 Monate
2. Stufe ($0,33 pro Abo-Download, bis $3000): 8 Monate
3. Stufe ($0,36 pro Abo-Download, bis $10.000): 9 Monate
4. Stufe ($0,38 pro Abo-Download, über 10.000): da bin ich jetzt und warte, dass Shutterstock eine neue Verdienststufe einführt, vielleicht bei $25.000 mit $0,40 pro Abo-Download?

Während ich für die ersten 500 Dollar noch zehn Monate gebraucht habe, schaffe ich das jetzt fast in einem halben Monat.

Fairerweise muss ich erwähnen, dass Shutterstock nicht nur Abos verkauft, sondern auch Bildpakete anbietet, der Kunde also die Option erwirbt, statt eines langfristigen Abos eine bestimmte Menge Bilder im Voraus zu bezahlen und innerhalb eines Jahres runterzuladen. Shutterstock nennt das Model „On Demand Downloads“ und zahlt den Fotografen einen höheren Anteil pro Verkauf, der je nach Verdienststufe und Bildgröße zwischen $0,81 und $2,85 liegt. Mittlerweile machen diese Verkäufe ca. 21% meines Umsatzes bei Shutterstock aus, Abo-Verkäufe stellen 71% und die restlichen 8% kommen durch Verkäufe von erweiterten Lizenzen. Insgesamt hat Shutterstock über 23.000 Fotos von mir verkauft. Ja, eine 23 mit drei Nullen hinten dran!

Dieser Erfolg und diese Menge an Verkäufen führt leider zur Unübersichtlichkeit . Wer hat diese Fotos verkauft? Wie viel genau habe ich pro Foto verdient? Wie viel habe ich pro Fotosession verdient?

Shutterstock machte es einem nicht leicht, Antworten auf diese wichtigen Fragen zu finden. Aber innerhalb kurzer Zeit gab es aus drei verschiedenen Richtungen Hilfe.

Zum einen hat Shutterstock letzte Woche den Fotografen-Bereich neu überarbeitet. Diese sieht jetzt so aus (Klick auf den Screenshot vergrößert die Seite):


Oben links ist jetzt eine Weltkarte zu sehen, auf der in Echtzeit gezeigt wird, wo die letzten Fotos gekauft wurden. Darunter ist eine Grafik der Gesamtumsätze zu sehen, der nach verschiedenen Zeiträumen sortiert werden kann. Die dritte Grafik zeigt nur die Umsätze der Fotos, die auch innerhalb des eingestellten Zeitraums verkauft wurden. So sehe ich zum Beispiel, dass die Fotos, welche ich in den letzten drei Monaten hochgeladen habe, für 25% meines Umsatzes verantwortlich waren. In diesem Zeitraum hatte ich ca. 300 Fotos hochgeladen, ungefähr 12% meines gesamten Portfolios dort. Das heißt übersetzt: Bei Shutterstock verdiene ich mit neuen Fotos doppelt so viel wie mit alten. Die lange gehegte Vermutung vieler Fotografen, dass „das Biest gefüttert werden müsse“, kann nun mit Zahlen untermauert werden.

Wer sich den obigen Screenshot genauer anschaut, sieht, dass rechts oben ein Kästchen namens „SS SiteBoost“ ist. Hinter dieser unglücklichen Abkürzung verbirgt sich ein sehr hilfreiches Tool, welches extra installiert werden muss. Es wurde von einem polnischen Designer/Programmierer geschrieben und funktioniert als Firefox-Addon, Safari Extension, Greasemonkey-Skript und so weiter. Mit diesem Tool wird die Shutterstock-Webseite um viele nützliche Funktionen erweitert. Zum Beispiel kann ich von jeder Stelle der Webseite auf eins meiner Bilder klicken und Suchbegriffe, Beschreibung, Kategorien etc. ändern. Wenn ich im Statistik-Bereich bin und mit der Maus über ein Bild fahre, wird ein Pop-Up eingeblendet (siehe unten), welches mir die Gesamteinnahmen eines Bildes zeigt, also Abo-Download, On-Demand-Downloads und Erweiterte Lizenzen zusammen.

Außerdem zeigt es, wann das Foto hochgeladen wurde, wie viele Tage es online ist, wie viel ich mit dem Bild pro Tag verdient habe und wie der RPD (Revenue per Download) des Bildes ist. Zusätzlich berechnet das Tool auch den Gesamt- und Monats-RPI (Return per Image), den Gesamt- und Monats-RPD, die Sell-Through-Rate und vieles mehr. Wer viel bei Shutterstock verkauft, wird dieses Tool lieben!

Trotzdem fehlen mir noch Zahlen. Zum Beispiel weiß ich immer noch nicht, wie viel ich mit einer bestimmten Fotosession bei Shutterstock verdient habe. Ich fange gerade an, dafür einen Weg zu finden, der ohne Programmierkenntnisse jedoch etwas steinig ist. Am Anfang steht Excel . Vor kurzem habe ich dort eine Funktion gefunden, die sich „Neue Webabfrage“ nennt und unter „Daten/Externe Daten importieren“ versteckt ist.


Damit kann ich jede Shutterstock-Tabelle mehr oder weniger bequem in Excel importieren. Sind alle Daten drin, kann ich diese Liste nach den Bildnummern sortieren. Es liegt auf der Hand, dass die Bilder der gleichen Fotosession fortlaufende Nummernbereiche haben. Fotosession A hat beispielsweise die ID-Nummern 1402 bis 1703, Fotosession B die Nummern 2521 bis 2832 und so weiter. Mittels der Summenfunktion kann ich jetzt gut sehen, welche Fotosession mir wie viel Umsatz gebracht hat, ohne jedes einzelne Foto per Hand addieren zu müssen. Trotzdem ist das noch etwas umständlich und ich überlege gerade, ob ich die Funktion „Teilergebnis“ instrumentalisieren kann oder lieber einen Programmierer frage, mir ein kleines VisualBasic-Skript zu schreiben. Falls jemand von Euch eine Lösung hat oder sich an so ein Skript wagen möchte, bitte Kontakt mit mir aufnehmen.

Wie wertet ihr Eure Umsätze und Zahlen bei Shutterstock aus?


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