Die Angst von Foto-Amateuren vor Berufsfotografen (und andersrum)

Vor ca. einem hal­ben Jahr hat­te Martin Gommel in sei­nem Blog eine kur­ze Umfrage, ob sei­ne Leser Berufsfotografen sind. Ca. 88% ant­wor­te­ten mit nein. In einer anschlie­ßen­den Diskussion frag­te Martin, war­um die­se 88% nicht vom Fotografieren leben wol­len.

Die Antworten haben mich etwas über­rascht. Es über­wo­gen Sätze wie „Dann hät­te ich kei­ne Zeit mehr zum Fotografieren“, „Ich will mich die­sem Druck nicht aus­set­zen“, „Die foto­gra­fi­sche Freiheit wäre dann weg“ oder „Ich will nicht auf Kommando krea­tiv sein“.

Da ich selbst beruf­li­ch foto­gra­fie­re, kann ich die­se Aussagen nicht nach­voll­zie­hen. Das Zeit-Argument ist am leich­tes­ten zu wider­le­gen. Auch Berufsfotografen haben irgend­wann Freizeit und in die­ser kön­nen sie gen­au so „pri­vat“ foto­gra­fie­ren wie es ein Hobbyfotograf nach sei­ner Arbeit tun kann. Ich zücke dann unter­wegs mei­ne Handykamera und freue mich, dass ich mir um Megapixel, Rauschverhalten oder Bildfehlern kei­ne Sorgen machen muss, weil das Ergebnis nur mir allein gefal­len muss.


Die ande­ren Argumente wie Druck oder Kreativität auf Befehl sind meist nur Ausreden. Ja, der gro­ße Aufschrei wird kom­men, denn meist glau­ben die Hobbyfotografen das wirk­li­ch. Dabei klingt es nur ange­neh­mer und schmei­chelt sogar dem künst­le­ri­schen Ego ein wenig, wenn man sagt: „Ich will mir mei­ne foto­gra­fi­sche Freiheit nicht neh­men las­sen“ statt „Ich habe ver­damm­te Angst, nicht gut genug zu sein, um damit genug Geld zum Leben zu ver­die­nen“.

Darauf läuft es doch hin­aus. Wer als Berufsfotograf rich­tig gut ist, kann es sich auch leis­ten, Aufträge abzu­leh­nen oder er wünscht sich sogar die Herausforderung, schwie­ri­ge Fotos umset­zen zu müs­sen. Ein gutes Foto machen kann jeder Hobbyfotograf. Ein Berufsfotograf hin­ge­gen muss gute Fotos machen. Immer und immer wie­der, wenn er erfolg­reich sein will.

Ich glau­be, vie­le Hobbyfotografen über­se­hen, dass der Druck und der Zwang, auch frem­de Ideen zufrie­den­stel­lend umset­zen zu müs­sen, die eige­ne Lernkurve stark nach oben schnel­len lässt. Zwar habe ich als Stockfotograf kei­ne Auftraggeber, denen mei­ne Fotos gefal­len müs­sen, aber die Bildredakteure, an denen mei­ne Fotos vor­bei müs­sen, bevor ich sie ver­kau­fen kann, schau­en viel stär­ker auf tech­ni­sche Perfektion als es vie­le Artdirektoren oder Auftraggeber je tun wür­den.

Im ers­ten Jahr mei­ner beruf­li­chen Fotografiekarriere habe ich mehr gelernt als in den zehn Jahren davor, in denen ich nur aus Spaß foto­gra­fiert habe. Plötzlich haben sich Leute erdreis­tet, mei­ne Fotos abzu­leh­nen, weil sie feh­ler­haft sei­en statt wie Freunde und Verwandte sie nur stän­dig zu loben. Kunden kauf­ten auf ein­mal Bilder, die mir fast pein­li­ch waren, wäh­rend mei­ne Lieblingsfotos unbe­ach­tet in den Bildagenturen Staub ansetz­ten.

Das zwang mich zu einem neu­tra­le­ren, kri­ti­schen Blick auf mei­ne eige­nen Werke. Blumenfotos mögen schön sein, aber sie ver­kau­fen sich sel­ten. Anschnitte sehen viel­leicht ästhe­ti­sch aus, wer­den aber von Bildkäufern gemie­den. Ich weiß jetzt, dass der Satz „Ich foto­gra­fie­re nur mit avail­able light, weil das authen­ti­scher aus­sieht“ über­setzt oft nur bedeu­tet: „Ich habe Angst, rich­tig blit­zen zu ler­nen“.

Fotografie ist einer der Bereiche, in denen sich die Profis durch Wegfall des Meisterzwangs und rasan­ter Verbreitung der Digitalkameras auf ein­mal gegen unzäh­li­ge Amateure behaup­ten müs­sen. Zum einen freut mich die­se Entwicklung, weil sie mir als Quereinsteiger über­haupt erst ermög­licht hat, mich mit der Fotografie selb­stän­dig zu machen. Andererseits führt das auch zu einer Entwertung von Fotografie, weil vie­le Amateure sehr gute Fotos machen, die sie dann gedan­ken­los bei Flickr oder ande­ren Fotodatenbanken kos­ten­los zum Download anbie­ten. Überspitzt gesagt ver­hal­ten sich eini­ge Hobbyfotografen damit „unpro­fes­sio­nell“ im nega­ti­ven Sinne des Wortes. Zwar hat er jedes Recht dazu, denn er ist ja kein Profi, gleich­zei­tig macht er aber dem Profi Konkurrenz. Es ist ja eine Sache, ob eine Firma bei­spiels­wei­se beschließt, dass sie ihre Fotos jetzt selbst macht oder die Fotos eines Hobbyfotografen nutzt, den sie im Gegensatz zum Profi nicht bezah­len muss.

Einige Fotoprofis fan­gen dann an zu jam­mern (manch­mal auch in den Kommentaren hier im Blog), ande­re krem­peln die Ärmel hoch und suchen nach Alleinstellungsmerkmalen. Einige Fotografen inves­tie­ren Zeit und Geld in Videoproduktionen, ande­re bie­ten 3D-Panoramafotografie an und die nächs­ten lösen das Problem über erhöh­te Masse. Hier zeigt sich wie­der, was den Berufsfotografen von Hobbyfotografen unter­schei­det: Der Berufsfotograf muss stän­dig gelun­ge­ne Bilder machen, dem Hobbyfotograf rei­chen eini­ge „Zufallstreffer“. Der beruf­li­che Zwang, gen­au zu ana­ly­sie­ren, wie man sich mit sei­nen Bildern von der Masse an Amateurfotos absetzt, trägt viel dazu bei, bes­ser foto­gra­fie­ren zu ler­nen.

Vor zwei, drei Jahren hät­te ich schlot­tern­de Knie bekom­men, wenn ich ein Shooting mit meh­re­ren Personen hät­te machen müs­sen. Heute kann ich ziem­li­ch gen­au kal­ku­lie­ren, wie auf­wän­dig das ist, wie lan­ge ich brau­che und – ganz wich­tig – ich habe genug Übung, auch brauch­ba­re Fotos dabei zu machen.

Die Angst, nicht genug zu ver­die­nen, der Druck, immer gute Ergebnisse erzie­len zu müs­sen und der Zwang, stän­dig krea­tiv zu sein, kann läh­mend sein. Wer sich jedoch streckt und die Herausforderung annimmt, wird ein bes­se­rer Fotograf wer­den als es ein Amateur je wer­den kann.

Was sagt ihr dazu? Bereut ihr als Berufsfotograf eure Berufswahl? Oder war­um wollt ihr nur als Hobby foto­gra­fie­ren?

39 Gedanken zu „Die Angst von Foto-Amateuren vor Berufsfotografen (und andersrum)“

  1. Robert, du hast es wie­der super auf den Punkt gebracht!

    ANGST ist das Motiv, das vie­le Fotografen antreibt bzw. viel eher lähmt. Die ambi­tio­nier­ten Hobbyfotografen haben Angst sich wirk­li­ch mit den Profis zu mes­sen und die Profis haben Angst vor der Realität – näm­li­ch vor einem, durch die digi­ta­le Fotografie kom­plett ver­än­der­tem Umfeld.

    Wer offen und aktiv ist, sich auf neue Gegebenheit ein­stel­len kann wird über­le­ben.

    Und … Mut kann man nicht kau­fen 😉

  2. Ich bin kein Berufsfotograf, weil ich mei­nen „Hauptjob“ (in Selbstständigkeit) sehr gern mag.
    Gerade des­we­gen kann ich Deine Aussagen voll unter­schrei­ben. Am meis­ten habe ich gelernt durch Aufträge, dadurch erga­ben sich Problemstellungen, deren Lösungen mich weit nach vor­ne gebracht haben. Hätte ich Fotografie nicht als Nebengewerbe wäre ich jetzt sicher nicht so weit in mei­ner Entwicklung.

  3. Ich sehe das so ähn­li­ch wie du, Robert. Profis machen nicht zwangs­läu­fig bes­se­re Bilder als Amateure. Der mei­ner Meinung nach ent­schei­den­de Unterschied ist, dass ein Amateur kei­nem wie auch immer ent­stan­de­nen Druck aus­ge­setzt ist, d.h. er kann ein Bild nach sei­nen Vorstellungen gestal­ten und es ist egal, wenn er dafür drei Wochen Zeit braucht, weil er z.B. fünf Mal neu ansetzt und am Ende noch eine Woche Photoshop dran­hängt. Am Ende hat er im bes­ten Fall ein per­fek­tes Bild. Ein Profi hät­te für das glei­che Bild viel­leicht nur einen hal­ben Tag Zeit und ein begrenz­tes Budget. Und so pro­du­ziert er täg­li­ch, stän­dig unter dem Druck der Zeit- und Kostenbeschränkung. Unter die­sen Voraussetzungen ist mög­li­cher­wei­se das Bild des Amateurs viel­leicht sogar bes­ser gelun­gen, aber unter wirt­schaft­li­chen Kriterien betrach­tet schlicht unbe­zahl­bar.

  4. hal­lo robert. ist es fal­sch mit flickr und co neben eige­ner home­page auf sich auf­merk­sam zu machen ? was ist dar­an gedan­ken­los und unpro­fes­sio­nell? ich nut­ze flickr hin und wie­der aber auch mit gemisch­ten gefüh­len. ich arbei­te seit zwei jah­ren mehr und mehr beruflich.die stock­fo­to­gra­fie habe ich sein lassen.ich habe gemerkt das ist nicht mein weg.ich lebe in ber­lin und es ist schwer hier sich durchzusetzten.aber ich habe kei­ne angst vor her­aus­vor­de­run­gen im foto­gra­fi­schen sinne.doch gibt es sehr vie­le foto­gra­fen. so schaf­fe ich es nicht, trotz arbei­ten für die ard,setfotos mit hei­ke makatsch,hochzeitsfotografie und por­traitar­bei­ten ‚davon zu leben.das lähmt,weil ich noch ande­re jobs machen muss wo ich kei­ne kame­ra in der hand habe. men­sch braucht auch geduld und mut auf die­sem wege.beste grü­ße micha mein­hardt

  5. @sam, tho­mas: Gute Amateure gab es immer, ist nichts neu­es, da haben die Berufsfotografen auch kei­ne Angst vor – oder kennt ihr etwa Gabo und Ellen von Unwerth nicht?

  6. Hallo Robert,
    das ist natür­li­ch die Sicht eines Berufsfotografen, der natür­li­ch die Absicht hat Geld zu ver­die­nen. Ich wür­de für mich behaup­ten, ich bin ein­fach zu bequem oder um es zu über­spit­zen zu faul dazu Berufsfotograf (ich sage absicht­li­ch nicht Profi) zu wer­den. Ich ver­die­ne in mei­nem eigent­li­chen Job genug und habe ein­fach nur Spass dar­an „halb­wegs pas­sa­ble“ Bilder zu machen. Und ich glaub der Großzahl derer die mit nein gestimmt haben, geht es ähn­li­ch.
    Vielleicht erfor­dert es auch erst ein­mal die Definition des Wortes „Profi“ im Bezug auf die Fotografie.

  7. Der Profi hat es gelernt, unter (Zeit-)Druck zu arbei­ten und lie­fert auch dann noch sehr gute Ergebnisse ab. Nicht, weil er viel­leicht bes­ser ist, als man­cher Amateur, son­dern weil er durch sei­ne Erfahrung weiss, wie es geht. Ein Amateur freut sich dar­über, dass er im Monat viel­leicht ein her­aus­ra­gen­des Bild gemacht hat – aber er arbei­tet auch für sich. Er kann sich Zeit las­sen und muss nicht davon leben. Ein Profi macht in der glei­chen Zeit dut­zen­de her­aus­ra­gen­de Bilder. Damit mei­ne ich: Bilder, die der Kunde ihm abkauft, mit denen er sei­nen Lebensunterhalt ver­dient.

    Mir per­sön­li­ch ist die Digitalisierung in mei­nem Beruf als Pressefotograf zunächst als eine tol­le Entwicklung vor­ge­kom­men. Nicht mehr im Labor mit gif­ti­gen Chemikalien arbei­ten, frü­her Feierabend – aber manch­mal auch weni­ger Zeit, weil die Aufnahme von einem Parteitag noch schnell am nächs­ten Tag ins Blatt soll. Aber der Druck hat auch was. Und noch heu­te arbei­te ich bes­ser, wenn ich schnell arbei­te.

    Wie gesagt: zunächst waren die Digitalkameras ein Segen für mich. Bis mei­ne Arbeit plötz­li­ch nicht mehr gefragt war, weil jeder Redakteur eine Digiknipse in die Hand bekam und alles sel­ber machen soll­te (mus­s­te). Plötzlich bekam ich Konkurrenz aus dem eige­nen Haus, da konn­ten mei­ne Ergebnisse 100x bes­ser sein: der Fotograf war über, weil zu teu­er.
    Dass ich mich auch heu­te noch, acht Jahre nach mei­nem Abgang, über die mie­sen Bilder in „mei­ner“ Zeitung mehr freue als ärge­re, wird man sicher ver­ste­hen. Amateure, die sich nie mit der Fotografie beschäf­tigt haben, soll­ten plötz­li­ch das Leisten, was ein gelern­ter Fotograf fast 20 Jahre im Verlag gemacht hat – das konn­te nicht gut gehen. Zumal die Redakteure sich auch sicher­li­ch nicht so auf das Bild kon­zen­trie­ren, wenn sie neben­bei auch noch einen Tet schrei­ben müs­sen.

    Den Amateuren die allei­ni­ge Schuld am Preisverfall zu geben, hal­te ich aber nicht für rich­tig. Richtig ist auch, dass Amateure teil­wei­se den Profis mit ihren Preisen den Markt kaputt gemacht haben, das habe ich selbst erlebt. Aber eben­so gibt es auch Profis, die zu Dumpingpreisen Aufträge anneh­men, die nicht Kosten deckend sein kön­nen, nur um „einen Fuß in die Tür zu bekom­men.“ Alles in der Hoffnung, der Kunde kommt wie­der und wird dann die höhe­ren Preise schon bezah­len. Falsch! Wird er nicht! Er wird sich den nächs­ten suchen, der einen „Fuß in die Tür bekom­men will“.

    Wenn ein Amateur heu­te in den Profibereich wech­seln möch­te, dann muss er ers­tens schon ver­dammt gut sein und ein mäch­tig dickes Fell haben. Und Ausdauer. So neben­bei wird man als Fotograf heu­te nichts mehr.

  8. Das ist irgend­wie wit­zig. Ich den­ke mir auch manch­mal – boa gegen so nen „Profifotograf“ kann­st net anstin­ken. Wenn ich mir dann aber mache Bilder von „soge­nann­ten Profis“ anschaue, beson­ders in der Hochzeitsfotografie, dann den­ke ich mir – na das hät­test aber bes­ser hin­be­kom­men. Ein Teufelskreis!

    Ein schö­ner Artikel. Motiviert mich in mei­nem Vorhaben, doch neben­be­ruf­li­ch in die Fotografie ein­zu­stei­gen!

  9. Hallo Robert,

    ich foto­gra­fie­re nun auch nicht haupt­be­ruf­li­ch, aller­dings neben­be­ruf­li­ch und bin froh, es nicht haupt­be­ruf­li­ch machen zu müs­sen.
    Es kommt sicher­li­ch auf die Art der Fotografie an, doch bspw. Hochzeiten sind durch­aus auch neben dem Spaß ein Knochenjob. Bücken, Knien, Laufen, Heben, Tragen, Animieren und das auch ger­ne mal 12 Stunden lang. Da weiß man, was man getan hat. Das mit 50 Jahren oder mehr noch zu machen? Ich möch­te es nicht müs­sen!
    Darüber hin­aus, wenn ich auf einer Hochzeit mit 50–60 Jahren rum­tan­ze und der Vater von Braut und Bräutigam sein könn­te, wirkt es sicher­li­ch komi­scher, als wenn ich wie jetzt häu­fig als „ein Freund des Brautpaares“ erschei­ne, der nett und unauf­dring­li­ch Fotos macht.

    Sicherlich müss­te man, sofern man Fotografie haupt­be­ruf­li­ch betreibt, sich auch über das Jahr dau­er­haft umsetz­ba­re Aufnahmearten suchen, um sich finan­zi­ell abzu­de­cken, doch gera­de da kommt der Zwang. Wenn die Hochzeitssaison vor­bei ist, möch­te ich vllt. auch ein­fach mal zwei Monate nicht groß­ar­tig die Kamera in die Hand neh­men und/oder vorm Computer mit Retusche beschäf­tigt sein. Vielleicht! Denn Fotografie par­al­lel zum Hauptberuf ist sicher noch­mal eine Anstrengung, die anders ist, als nur zu foto­gra­fie­ren.
    Schön ist es aus mei­ner Sicht trotz­dem ein­fach auch mal nicht zu foto­gra­fie­ren, wenn man kei­ne Lust hat.
    Die Gefahr, doch mal Jobs anneh­men zu müs­sen, die man nicht mag, weil man (noch) nicht gut genug (bezahlt) ist, ist min­des­tens am Anfang vor­han­den.

    Wo wir grad beim Finanziellen sind. Sicherheiten, Versicherungen und alles, was an regel­mä­ßi­gen Ausgaben bis hin zur Rente anfällt über etwas abzu­de­cken, was ggf. nicht regel­mä­ßig gefragt ist? Man muss das Risiko ein­ge­hen wol­len.

    Auch ein Schwenk im foto­gra­fi­schen Stil ist dann ggf. nicht mehr so leicht mög­li­ch. Plötzlich kei­ne Lust mehr sich stän­dig mit Modellen oder Modellfotografie aus­ein­an­der­zu­set­zen? Pech gehabt, denn vllt. hat man nur dar­in sei­ne Expertise und nicht in der Tierfotografie, wo man dann wie­der bei 0 anfan­gen wür­de.

    Qualität kann man sicher­li­ch durch exter­nen Anspruch stei­gern. Wer will, kann das aller­dings auch von innen her­aus. Mein größ­ter Kritiker bin bspw. immer­no­ch ich sel­ber, denn ich bin nie lan­ge zufrie­den.

    Btw. ich wuss­te nicht, dass ich bei flickr unter­schrie­ben habe, dass jeder mei­ne Fotos zu allen Zwecken nut­zen darf.

    Ein Schritt in die Selbstständigkeit als Fotograf will zur heu­ti­gen Zeit mit, wie du schon sag­test, so vie­len star­ken Hobbyfotografen gut über­legt sein.
    Ich habe Respekt vor jedem, der es schafft, sich dar­in durch­zu­set­zen und bedau­e­re jeden, der blau­äu­i­gig mit der Aussage star­tet „ich wer­de jetzt Fotograf“.

    Gruß
    mar­cel

  10. @Micha: Wegen Flickr habe ich mich viel­leicht unge­nau aus­ge­drückt: Ich mei­ne damit die Möglichkeit, bei Flickr Fotos kos­ten­los unter einer „Creative Commons“-Lizenz anzu­bie­ten. Ich selbst habe ja auch Fotos auf Flickr, aber als „urhe­ber­recht­li­ch geschützt“ mar­kiert.

  11. ich den­ke man muss zwi­schen den Berufsfotografen dif­fe­ren­zie­ren, denn Stockfotografen sind doch eher (ich zumin­dest) gehemmt krea­tiv zu Arbeiten, da die krea­ti­ven Fotos bei den Stockagenturen doch eher abge­lehnt wer­den, wie zB ein­fa­che Fotos mit einer klei­nen Aussage auf weis­sem Hintergund. Dazu kommt, daß krea­ti­ve Fotos dann auch noch mehr Zeit in Anspruch neh­men, da Lichtsetzung, Nachbearbeitung usw doch oft sehr Aufwändig sind. Ein Hobbyfotograf hat ein­fach die Freiheit sich meh­re­re Stunden an ein Foto zu set­zen und sich nicht um Annahmequoten usw zu sche­ren. Dazu kom­men ja auch immer wei­te­re Kürzungen den Fotografenhonorare, wel­che ja zusätz­li­ch dazu Beitragen, daß Fotografen die davon leben wol­len Quantität statt Kreativität ablie­fern müs­sen.
    Dann sind noch die Fotostudios, bei denen die Models für ihre Sedcards meh­re­re hun­dert Euros lie­gen las­sen sol­len. Heute gibt es por­ta­le wie die ModelKartei bei der jedes auf­stei­gen­de Sternchen inner­halb einer Woche auf TFP Basis von einem Hobbyfotografen ihre ers­te ein­fa­che Sedcard zusam­men­ge­stellt bekommt.
    Und dann noch die Auftragsfotografen. Hier ist sicher­li­ch Fotolia und Co eine Geschichte die Kopfschmerzen berei­tet, denn Fotos die ein­fach per Knopfdruck für ein paar Cents gekauft wer­den kön­nen wer­den sicher­li­ch nicht mehr in Auftrag gege­ben. Und da auch die Firmen auf Ihr Geld schau­en, wird die Luft für die exklu­si­ven Aufträge sicher­li­ch immer Dünner.
    Aber ob an allem Amateure schuld sind bezweif­le ich.

  12. ich per­sön­li­ch foto­gra­fie­re noch nicht lan­ge und nur als hob­by. ein argu­ment, was oben bereits fiel: ich mag mei­nen haupt­job sehr ger­ne und möch­te ihn nicht gegen die foto­gra­fie tau­schen. ich habe bei mir selbst bemerkt, dass es für mich ein­fach din­ge gibt, die ich ger­ne tue, aber in dem moment, wo ich sie tun MUSS, die lust dar­an ver­lie­re.

    was ich mag ist jedoch der ten­or des arti­kels, der eben nahe­legt, dass man sich immer wei­ter ent­wi­ckeln kann und soll­te und dabei die her­aus­for­de­run­gen des berufs­fo­to­gra­fen einen stark nach vor­ne brin­gen.

    aller­dings ver­ste­he ich das pro­blem bil­der unter cc-lizenz bei flickr nicht. also was gen­au dage­gen spricht, bil­der unter die­ser anzu­bie­ten. abge­se­hen davon, dass man­ch einer die­se bil­der nutzt statt wel­che zu kau­fen.

    der vor­teil ist bei den cc-lizenzen, dass sie sehr klar sind. ich kann ein bild wei­ter­ver­wen­den, so wie es ist oder eben bear­bei­ten, ich darf es kom­mer­zi­ell nut­zen oder eben nicht und ich muss u.u. die sel­be lizenz auf mei­ne adap­ti­on des bil­des anwen­den.

    wenn ich dar­an den­ke, dass ich u.u. pass­fo­tos nicht in social-networks ein­stel­len darf, da dies nicht in der lizenz ent­hal­ten ist, die der foto­graf, der sie anfer­tig­te mir gewährt hat, dann freue ich mich über ein­fa­che lizen­zen.

    viel­leicht noch als hin­weis: es gibt din­ge, bei denen ich es für sinn­voll hal­te auf pro­fes­sio­nel­le leis­tun­gen zurück­zu­grei­fen. aber für einen pri­va­ten blog, eine illus­tra­ti­on in einer prä­sen­ta­ti­on o.ä., also eben auch eine nut­zung die nicht kom­mer­zi­ell ist, da grei­fe ich ger­ne auf cc-lizensierte bil­der zurück.

  13. @Marc: Aus Nutzersicht sind CC-Lizenzen sicher eine sehr prak­ti­sche Sache, aber logi­scher­wei­se aus der Sicht eine Berufsfotografen eher nicht… 🙂

  14. Ich will auch mal was zum Thema bei­tra­gen.
    Ich kann­te mal einen Hobbyschrauber. Der hat lei­den­schaft­li­ch die schöns­ten Harleys in sei­ner Werkstatt zusam­men­ge­schraubt. Er lieb­te das Schrauben und die Möglichkeit in die­ser Arbeit frei und krea­tiv ent­fal­ten zu kön­nen. Also dach­te er sich „Mach ich mich doch Selbstständig und lebe davon.“ Gesagt getan. Fortan schraub­te mein Bekannter nun beruf­li­ch in sei­ner Werkstatt. An Aufträgen man­gel­te es nicht, denn gute HArleyschrauber sind rar. Leider schraub­te er aber nun kei­ne HArleys mehr nach sei­nen Vorstellungen zusam­men, son­dern müss­te sich um die Bikes sei­ner Kunden küm­mern. Da kam der Zahnarzt, der sich beschwer­te, dass sei­ne Harley BJ 1950 hin und wie­der mal etwas Öl tropf­te. Der Anwalt kam nur mal eben zum LAmpe wech­seln vor­bei. Und einer woll­te unbe­dingt nen Windschild an sei­ne HArley geschraubt haben … mit Fransen, weil die so schon flat­tern im Wind. Mit jeder Woche sehn­te sich der Schrauber nun nach den guten alten Zeiten, wo er mit Jungs aus der Szene in der Werkstatt die Abende ver­brach­te und die ver­rück­tes­ten Sachen aus sei­nen Bikes mach­te. Doch die­se ZEiten waren vor­bei. Der Kunde ist König. Am Ende resi­gnier­te er, gab sei­ne Selbstständigkeit auf und schrau­br wie­der mit viel Freude in der Freizeit.
    Ich glau­be, dass gen­au das auch die Angst vie­ler Fotografen ist. Lebt man davon, muss man auch unge­lieb­te Jobs machen, Jobs, die einen doof und pri­mi­tiv vor­kom­men, Jobs, die man selbst so nicht machen wür­de .… Aber der Kunde ist König.
    Wenn mich all Freizeitfotograf jemand fragt, ob ich in (sie) im Kornfeld foto­gra­fie­re, leh­ne ich ab – genauso wie bei Kinderfotos. Als Berufsfotograf wür­de ich den Auftrag ver­mut­li­ch anneh­men. Die Gefahr den Spaß zu ver­lie­ren ist dabei groß. Klar, es gibt Ausnahmen. Die kön­nen sich ihre Jobs aus­su­chen und nur das machen, was und wie sie es wol­len. Aber das sind nicht die MEhrheit der Fotografen.

  15. Hallo Robert,
    dei­ne Headline ist mir zu Schwarzweiß. Aber das ist sicher­li­ch bewußt so gewählt, um zur Diskussion anzu­re­gen.

    Zwischen Hobby- und Berufsfotograf gibt es eine gro­ße Bandbreite an fei­nen Abstufungen. Ich hat­te meh­re­re Jahre im Fotogroßhandel mit über 500 Kunden die sich alle irgend­wie als Berufsfotograf, Grafiker oder Designer fühl­ten. Die meis­ten hat­ten auch eine ent­spre­chen­de Ausbildung. Richtig gut und erfolg­reich waren aber höchs­tens 20 – 25% davon. Den Rest wür­de ich als Lebenskünstler und Nebenerwerbler bezeich­nen.

    Umso erstaun­ter fand ich es, daß unter den Erfolgeichen auch eini­ge der soge­nann­ten Hobbyfotografen waren! Die haben sich spe­zia­li­siert und machen auch heu­te noch in ihrem Genre meist bes­se­re Fotografien als die meis­ten Hauptberuflichen! Einige davon sind inzwi­schen auch Hauptberufliche 😉

    Ach ja, war­um soll­te einer mit gut bezahl­tem und rela­tiv siche­ren Job, den Wechsel in die unge­wis­se Selbstständigkeit eines Fotografen wagen? Diese Priorität muß jeder für sich sel­ber ent­schei­den.

    Zudem dürf­ten die meis­ten Hobbyfotografen nicht die Wissensgrundlage haben, um am hart umkämpf­ten Fotomarkt bestehen zu kön­nen. Wie du sel­ber erwähnt hast, muß man als Profi immer bes­tes Bildmaterial ablie­fern. Den Sprung schaf­fen sicher­li­ch nur weni­ge Autodidakten.

    Schönen Gruß
    Bernd

  16. Hallo Robert und all die ande­ren, die hier lesen,

    ich den­ke was uns alle ver­bin­det ist die Liebe zur Fotografie. Der Unterschied zwi­schen Hobby- und Berufsfotografen liegt allein in der Harangehensweise an das Thema (oder es soll­te zimen­dest so sein). Der Hobbyfotograf macht was Ihm gera­de ein­fällt und hat Spass dabei. Der Berufsfotograf hat eine Aufgabe zu lösen (egal ob als Stock- , Auftrags- oder Pressefotograf) und hat Spass dabei, wenn es Ihm gelun­gen ist, die Aufgabe kun­den­ge­recht erle­digt zu haben.

    Das man sich dabei auch mal in die Quere kommt, ist nun mal lei­der nicht zu ver­hin­dern. Zum einen wer­den gern die Werke berühm­ter bzw. bekann­ter Fotografen von Hobbyfotografen nach­ge­stellt bzw. wird sich an Ihrem Style ori­en­tiert. Zum ande­ren kom­men die Vorstellungen der Kunden und die Bilder der Hobbyfotografen oft aus dem sel­ben Zeitgeist/Style. Das Ergebniss ist klar, wer will fin­det für Lau fast alles, wofür ein Berufsfotograf rich­tig Geld sehen will. 

    Nun denn so ist es nun mal, aber ich fra­ge dann mei­ne Kunden auch öfter: Wie erfolg­reich kann Ihre Werbung wer­den, wenn Sie mit Bildern wer­ben, die schon bei jedem ande­ren im Flyer oder auf dem Plakat sind? Die Person wird zwar wahr­ge­nom­men und ist auch der Eyecatcher, aber in der nächs­ten Minute schon wie­der ver­ges­sen, weil nicht mit der Aussage der Werbung ver­knüpf­bar, also nur Randerscheinung, Beiwerk und belie­big…

    Darauf soll­ten wir als Berufsfotografen wo immer es mög­li­ch ist hin­wei­sen, wenn es nur um bil­lig, bil­lig geht. Vielleicht kommt es ja bei dem einen oder ande­ren mal an…

    Schönes Wochenende
    John

  17. Der Fotografenberuf ist ein Job, mit dem man nicht unbe­dingt viel Kohle machen kann. Welchen Umsatz macht Galionsfigur Yuri ? Ein paar Millionen mög­li­cher­wei­se, dabei ist er die abso­lu­te Nummer eins. Ein unbe­kann­ter Wald und Wiesen Dachdecker mit eige­nem Betrieb bringt es leich­ter auf 10 Mitarbeiter, einem Audi Q5 und einem respek­ta­blen Einkommen.
    Wer den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, hat oft hoch schrau­ben­de Ziele. Neben den Umsatz sind das auch die Zahl der Mitarbeiter. Zuerst der ers­te Mitarbeiter, dann 10 Mitarbeiter, viel­leicht mal 50. Ab 100 Mitarbeitern denkt man evtl. an 500 als nächs­tes Ziel nach, das schaf­fen zuge­ge­ben aber nur weni­ge. Diese Zahlen sind im Fotografengewerbe nicht mög­li­ch. Da geht es in ers­ter Linie ums Überleben. Fotografie als Beruf wür­de mich vor allem inter­es­sie­ren um mei­ne Lebensqualität zu ver­bes­sern. Das heißt auch unab­hän­gig zu sein und die Arbeitszeit selbst zu bestim­men. Die Lebensqualität in finan­zi­el­ler Hinsicht ist durch die Fotografie schwer zu ver­bes­sern. Selbst ein unbe­kann­ter, aber guter Baumaschinenverkäufer (die gro­ßen Dinger wie Bagger) ist finan­zi­ell bes­ser dran, als ein selb­stän­di­ger und guter Fotograf. Selbst wenn er für einen Baumaschinenverkäufer nur einen gerin­gen Jahresumsatz von 5.000.000 hat, und eine gerin­ge Provision von 1,5% . So kommt er doch auf 90.000 € Provision pro Jahr, dazu noch Gehalt und Spesen. Mit dem Umsatz wäre man im Stockbusiness schon eine bekann­te Größe. In ande­ren Gewerben, aber eine völ­lig unbe­kann­te Person. Mit dem Hintergrund des mög­li­chen finan­zi­el­len Plafonds im Fotografengewerbe, ver­ste­he ich das es nicht für alle erstre­bens­wert ist. Der Druck und das Risiko ist gleich groß, wenn nicht grö­ßer, als in ande­ren Gewerben. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind aber im Fotografengewerbe, trozt glei­chen Einsatzes eher gerin­ger.

  18. Hallo Robert,

    da „muss“ mich hier auch mal zu Wort mel­den.. 🙂

    Ich mus­s­te sehr über den Artikel schmun­zeln, Du hast es sehr gut (und pro­vo­ka­tiv) auf den Punkt gebracht, vie­le Leute schei­tern im Stock Bereich an dem eige­nen inne­ren Schweinehund, ein­fach mal „zu machen“, anstatt stän­dig nur zu ana­ly­sie­ren und „reload“ bei den Verkaufsstatistiken zu drü­cken.. ich weiss wovon ich rede .. 🙂

    Wo ich aber wider­spre­chen muss, ist bei die­sem Satz von Dir: „.. aber die Bildredakteure, an denen mei­ne Fotos vor­bei müs­sen .. schau­en viel stär­ker auf tech­ni­sche Perfektion als es vie­le Artdirektoren oder Auftraggeber je tun wür­den.“

    Ich bin in bei­den Bereichen unter­wegs und muss mich sowohl mit den Bildredakteuren als auch mit den ADs diver­ser Agenturen „rum­schla­gen“ und mei­ne Erfahrung ist, dass in den Bereichen, in denen ich so tätig bin, einen AD zufrie­den zu stel­len, ein ganz ande­re Schnack ist als die Redakteure von den diver­sen Agenturen. 

    Bei den Agenturen habe ich inzwi­schen so 90% Annahmeqoute, da letzt­end­li­ch haupt­säch­li­ch die tech­ni­sche Qualität und die Verkaufbarkeit betrach­tet wer­den.

    Ein AD hat eine „Vision“, wie das Bild (aktu­ell ja meist ein Composing aus diver­sen Bildern 2D+3D) aus­zu­se­hen hat und meint zu wis­sen, was der Kunde wünscht .. da läuft unter 10 Korrekturen meist nix .. weil sich Meinungen im Prozess ändern und vie­le poli­ti­sche Dinge mit rein­spie­len .. ( so kommt meist kurz vor Schluss der Ober-AD und möch­te noch sei­nen „Stempel“ rein­drü­cken und aus Prinzip noch ein paar Änderungen haben )

    .. wenn jemand Visionen hat, soll er ja bekannt­li­ch zum Arzt gehen .. 

    Und die tech­ni­sche Ansprüche an die Qualität ist meist sehr viel höher ange­setzt, ohne per­fek­te Auflösung im Mittelformatbereich und wirk­li­ch gut Post, braucht man da gar nicht erst was hin­schi­cken, das wird einem dann gleich rich­tig um die Ohren gehau­en (und das hat Auswirkungen auf das Kundenverhältnis, im Gegensatz zu ein paar abge­lehn­ten Bildern).

    Also bit­te die Anforderungen von den „nicht Stock“ Kunden nicht unter­schät­zen .. aber viel­leicht kom­men die auch zu mir, weil die sich eben nicht im Stock-Bereich wie­der fin­den und eben höhe­re Maßstäbe an die Kreativität und Umsetzung ihrer Bilder anle­gen.

    Gut, dafür hat man natür­li­ch eine sen­sa­tio­nel­le RPI .. 🙂

    Gruss,

    Principal.

  19. Ich den­ke es ist hilf­reich, wenn man von außen unter Druck gesetzt wird. Wenn man so bequem ist, aus­schließ­li­ch aus eige­nem Antrieb her­aus Dinge zu tun und neu­es zu ler­nen, dann wird man sehr lang­sam vor­an schrei­ten. Wenn man jedoch gewun­gen ist, für ein bestimm­tes Problem eine Lösung zu fin­den, dann trai­niert das die Kreativität in einem deut­li­ch stär­ke­ren Maßen.
    Ich stim­me daher zu, dass Auftragsarbeiten (so angst­ein­flö­ßend sie auch sein mögen) die eige­ne Entwicklung wesent­li­ch beschleu­ni­gen kön­nen.

    Leo Babauta von http://www.zenhabits.net hat­te mal geschrie­ben, dass man die Angst durch­aus als einen brauch­ba­ren Kompass ver­wen­den kann. Denn meist haben wir nur von den Dingen angst, die tat­säch­li­ch wich­tig und bedeu­tend für uns sind. Wenn etwas unwich­tig für uns ist, dann jagt uns die Vorstellung es tun zu müs­sen auch sel­ten Angst ein. Einfach weil ein mög­li­ches Scheitern uns dann auch recht gleich­gül­tig ist. Babauta emp­fahl daher sich gera­de den­je­ni­gen Aufgaben zuzu­wen­den, vor denen wir Angst haben.

  20. Ein Beispiel eines Kollegen:
    Einem Kunden gefiel ein Foto so gut, dass er es für eine Fototapete (nicht pri­vat, er woll­te sie dru­cken und ver­kau­fen) nut­zen woll­te. Der Fotograf mach­te ein Angebot, bei dem Nutzungsrechte, –dau­er usw. kor­rekt berec­net wur­den. Er kam etwa auf einen Preis von 2.000 EUR (plus MwSt.). Antwort des Kunden: „Wenn ich mich an den Lizenzgebühren von Fotolia ori­en­tie­re, zah­le ich dort nur zwi­schen 100 – 150 €.“

    Der Kunde will tol­le Leistung, ist aber nicht bereit, dafür auch den ange­mes­se­nen Preis zu zah­len. Wenn ich dann so etwas höre, sor­ry, dann könn­te ich k0!23n.

  21. Hallo Robert

    Ich muss mich mal wie­der als Marketing-Mensch zu Wort mel­den. Ich den­ke, dass man zunächst ein­mal fra­gen soll­te, wo das Berufsbild des Fotografen her­kommt und wohin es sich mög­li­cher­wei­se ent­wi­ckeln wird.

    Früher war der Fotograf fast immer nur ein Dienstleister. Er hat für den Kunden indi­vi­du­ell gear­bei­tet, hat sei­ne Fotos abge­lie­fert und damit sei­nen Job erle­digt.
    Die Fotoagenturen alter Prägung hat­ten Keller vol­ler Abzüge her­um­lie­gen, die sie mit Karteikarten-Systemen ver­wal­te­ten. Datenbankgestützte Stockfotografie, so wie wir sie heu­te ken­nen, gab es nicht. 

    Heute ist zum Fotografen als Dienstleister der „Foto-Produzent“ hin­zu­ge­kom­men. Er erstellt Produkte her, die auf einem Massenmarkt – viel­fach dupli­ziert – ver­trie­ben wer­den. Möglich wur­de dies durch die Digitalfotografie, das Internet und die Such-Algorithmen, die welt­wei­tes Suchen aus Milliarden von Bildern in Sekundenschnelle gestat­tet. Als Foto-Produzent hält sich der Berufsfotograf inzwi­schen auf den­sel­ben Ebenen auf wie der Amateur (Fotolia, Flickr usw.). Diese neu­en Vermarktungswege waren frü­her den Amateuren weit­ge­hend ver­schlos­sen.

    Neu ist auch, dass es heu­te weit weni­ger Grundwissen erfor­dert, tech­ni­sch gute Bilder zu machen als frü­her. Mit einer geho­be­nen Semiprokamera kann man heu­te durch­aus mit ISO 1600 im P-Modus eine Hochzeit foto­gra­fie­ren. Man braucht nicht zu blit­zen, hat kei­ne rote Augen und die gewon­ne­nen Raw-Bilder las­sen sich sehr gut in Lightroom ent­rau­schen. Es kommt nur auf die Anforderungen an die Ausgabe-Qualität an.

    Warum ich das sage: Ich mei­ne, man soll­te eine Diskussion um das Berufsbild eines Fotografen nicht mehr vom Standpunkt der 70ger Jahre aus füh­ren – nach dem Motto „Gutes Bild geschos­sen, abge­lie­fert, Geld erhal­ten“. Diese Zeiten sind wirk­li­ch vor­bei.

    Ich bin mir sicher, dass der Berufs-Fotograf sich sehr wohl vom Amateur unter­schei­den kann, näm­li­ch durch das Gesamt-Paket, das er anbie­tet.
    Ein Beispiel für den Dienstleistung Sektor: Ein Hochzeitpaar sucht einen Fotografen.
    Da gibt es einen, der vor­bei­kommt, sei­ne Bilder macht und dann als Aufsichtsvorlage ablie­fert.
    Es hat sich auch ein ande­rer Fotograf bewor­ben der fol­gen­des anbie­tet: Fotografie, klei­ne Videosequenzen, Aufsichtsvorlagen, gestal­te­tes Fotobuch, gestal­te­te und beti­tel­te DVD-Show mit Cover in belie­big vie­le Kopien, Slideshow fürs Internet, Youtube, face­book u.s.w. Wen wür­de das Hochzeitspaar wahr­schein­li­ch enga­gie­ren?

    Der Foto-Produzent unter­schei­det sich vom Amateur durch die Effizienz sei­nes Workflows, durch die gute Model-Kartei, durch pro­fes­sio­nel­le Marktanalyse und Verschlagwortung. Er kennt sich mit den Portalen aus und ver­fügt über exzel­len­te SEO-Kenntnisse.

    Zusammenfassung: Wer heu­te beklagt, dass der Beruf des Fotografen von den Amateuren beschä­digt und aus­ge­höhlt wur­de über­sieht die Möglichkeiten, die die neu­en Medien bie­ten. Kurz, ich bin davon über­zeugt, dass ein wirt­schaft­li­ch erfolg­rei­cher Fotograf der Zukunft ein Multimedia-Dienstleister sein wird, der ein breit auf­ge­stell­tes mul­ti­me­dia­les Angebot anbie­ten kann, das gen­au auf sei­ne Zielgruppe zuge­schnit­ten ist. Die Zeiten des rei­nen Bilderschießens sind mei­ner Meinung nach weit­ge­hend vor­bei – bzw. es wer­den nur noch ein paar weni­ge „der letz­ten ihre Art“ auf Dauer über­le­ben.
    Warum soll­te sich das Berufsbild des Fotografen nicht auch ver­än­dern? In den meis­ten ande­ren Berufen ist das schon längst gesche­hen.

  22. –>Hier zeigt sich wie­der, was den Berufsfotografen von Hobbyfotografen unter­schei­det: Der Berufsfotograf muss stän­dig gelun­ge­ne Bilder machen, dem Hobbyfotograf rei­chen eini­ge „Zufallstreffer“. Der beruf­li­che Zwang, gen­au zu ana­ly­sie­ren, wie man sich mit sei­nen Bildern von der Masse an Amateurfotos absetzt, trägt viel dazu bei, bes­ser foto­gra­fie­ren zu ler­nen. Die Angst, nicht genug zu ver­die­nen, der Druck, immer gute Ergebnisse erzie­len zu müs­sen und der Zwang, stän­dig krea­tiv zu sein, kann läh­mend sein. Wer sich jedoch streckt und die Herausforderung annimmt, wird ein bes­se­rer Fotograf wer­den als es ein Amateur je wer­den kann.<–
    Stimmt schon, lei­der wird der Unterschied immer klei­ner.
    In Sachen Beleuchtungstechnik gibt es Amateure die sich einen Workshop nach dem ande­ren rein­zie­he und min­des­tens auf dem Level eines Stockfotografen sind.

  23. @ john Seyfert

    Zitat: „Wie erfolg­reich kann Ihre Werbung wer­den, wenn Sie mit Bildern wer­ben, die schon bei jedem ande­ren im Flyer oder auf dem Plakat sind?“

    Vor drei Wochen war in einem grö­ße­ren Neubaugebiet. Gleich am Anfang stand ein gro­ßes Bauschild mit dem Fotolia-Foto ‚Couple giving two young child­ren pig­gy­back rides smi­ling‘ #8653783. Ich ging wei­ter, bis ich ein zwei­tes Mal auf das­sel­be Foto bei einem ande­ren, kon­kur­ri­en­den Bauträger stieß. – Zumindest für den Fotografen ist das Foto erfolg­reich. Ob die bei­den Unternehmen jetzt ihre Projekte nicht mehr ver­kau­fen, weiß ich nicht. 

    Gruß

    Petra Müller

  24. Hallo Robert,

    ich kann dir aus mei­ner Perspektive als Hochzeits- und Porträtfotograf nur zustim­men.

    Auch mei­ne Lernkurve zeigt in den letz­ten Jahren steil nach oben.
    Wie bei vie­len ande­ren auch, war die Fotografie lan­ge mein Hobby, dann lan­ge Nebenberuf.

    Aber der Schritt dahin, von der Fotografie tat­säch­li­ch haupt­säch­li­ch zu leben, war noch­mal ein rie­sen gro­ßer. Das kön­nen sich, glau­be ich, auch die Nebenberufsfotografen nicht vor­stel­len.
    Das ist, wie wenn ein Paar vor der Hochzeit sagt: „Wir sind schon so lan­ge zusam­men. Da ändert sich durchs Heiraten auch nichts mehr.“ Und nach­her ist es eben doch noch­mal anders. (Aber eben nur anders, nicht schlech­ter, und auch nicht unbe­dingt bes­ser. Es ist ein­fach eine neue Erfahrung!)

    Manchmal muss man ein­fach einen Schritt machen, um vor­wärts zu kom­men. Und das kann man nicht, wenn das eine Bein dabei immer noch fest hängt.

    Wichtig fin­de ich aber auch, dass man sich klar macht, dass selbst­stän­dig sein auch heisst, Aufträge ableh­nen zu kön­nen, die nicht zu einem pas­sen. Man muss nicht alles für Geld machen. Und wenn man es ver­sucht, geht es auch garan­tiert schief.

  25. Große Worte von einem Stockfotografen !
    Das ist das ers­te was mir zu dem Artikel ein­ge­fal­len ist. Mal ehr­li­ch, die Kreativität in die­sem Bereich der Fotografie, hält sich ja wohl stark in Grenzen und wenn man sich mal Deine Einkünfte ansieht, fällt man ja auch nicht gera­de vom Hocker. Es gibt immer noch vie­le Leute mit einem Fotostudio „um die Ecke“, die seit 40 Jahren den sel­ben häss­li­chen Mist foto­gra­fie­ren, davon aber wun­der­bar leben kön­nen.
    „Davon leben kön­nen“ bedeu­tet für mich, dass ich nach Abzug von allem min. 2000€ über­bleibt und man dann trotz­dem nicht 16 Std. am Tag arbei­ten muß und das foto­gra­fie­ren bzw. die Arbeiten anneh­men kann, was mir passt. Ansonsten gibt es über­haupt kei­nen Grund aus einem „Standard-Job“ zu wech­seln, da die meis­ten Leute in ihrem Job genauso genervt sind, dafür aber an jedem 1. ihr Geld bekom­men.

  26. @Jensnrw: Du hast Recht, Kreativität wird zumin­dest im Microstock-Bereich eher sel­ten finan­zi­ell hono­riert, des­we­gen las­se ich das meist. Nach dei­ner Definition kann ich aber ganz gut „davon leben“.

  27. Hallo Robert,
    rich­tig ist zwar der Wegfall des Meisterzwangs, trotz­dem müs­sen Fotografen sich bei der Handwerkskammer anmel­den. Denn der Beitragszwang besteht trotz­dem. Alles ande­re wird juris­ti­sch als Scharzarbeit geandet!Ob Amateure oder Profis krea­ti­ve­re Fotografen sind liegt sicher­li­ch sehr stark im Auge des Betrachters. Man soll­te hier immer das Foto wir­ken las­sen, egal wer es gemacht hat. Wie Du ja auch schon fest­ge­stellt hast, gefal­len dem Kunden manch­mal Bilder die Du eigent­li­ch weg­schmeis­sen woll­test. Die Geschmäcker sind halt sehr unter­schied­li­ch. Richtig ist aber das der Preisdruck im pro­fes­sio­nel­len Bereich in den letz­ten 10 Jahren deut­li­ch zuge­nom­men hat. Hier haben auch die von Dir so geschätz­ten Microstockagenturen ihren Beitrag (im nega­ti­ven Sinne) geleis­tet. Nach über 17 Jahren Selbstständigkeit als Fotograf bleibt als Fazit, jeden Tag aufs neue in die „Schlacht“ um Aufträge zu zie­hen. Mal ver­liert man und mal gewinnt man. Willkommen in der nüch­ter­nen Realität. Grüsse nach Köln.

  28. Ich lese und lese und den­ke mir eini­ges … habe einen sehr gut bezahl­ten Job als Kfm. Leiterin, tol­le Kollegen, einen Wahnsinnschef, ABER … es erfüllt mich per­sön­li­ch nicht mehr, denn die Leidenschaft zur Fotografie hat sich längst ans Bein geket­tet. Außerdem war ich schon immer krea­tiv und das ist nun mit mei­nem Hauptjob ein­fach nicht mehr ver­ein­bar.
    Nebenher habe ich mir in har­ter Arbeit ein Portfolio auf­ge­baut, von dem ich jetzt schon leben könn­te. Daher ste­he ich vor dem Schritt in die Selbstständigkeit als Fotoproduzentin. Visionen und Ziele muss man haben. Logisch sitzt mir die Angst im Nacken, aber ich weiß, es ist gen­au das, was ich machen möch­te. Wichtig ist, dass man Ideen hat, auch ent­spre­chen­des Durchhaltevermögen und immer wie­der bereit ist, sich wei­ter zu ent­wi­ckeln. Blauäugig zu sein und zu den­ken, dass man dann ein läs­si­ge­res Leben hat, sind sicher­li­ch ein Trugschluss.
    Ich hat­te vor kur­zem ein lan­ges Gespräch mit einem abso­lu­ten Top-Fotografen (auch, um mir ein bischen Mut für mei­nen neu­en Lebensweg zu holen) … jeder kocht nur mit Wasser und gute Fotos macht man dann, wenn man den Blick für ein gutes Motiv hat. Fotografen sind Künstler – ent­we­der, man hat es im Blut oder nicht.

    @jensnrw … sor­ry, aber Robert macht einen ver­dammt guten Job und er kann sicher sei­ne klei­ne Familie sehr gut ernäh­ren.

  29. Hey Robert

    Ich bin lie­bend ger­ne Hobby-Fotograf.Dein Artikel hat bei mir den Eindruck erweckt, dass jeder Hobby-Fotograf ein­mal vor der Wahl steht das Hobby zum Beruf zu machen.Ich ste­he nicht vor der Wahl und das obwohl ich lei­den­schaft­li­ch ger­ne foto­gra­fie­re. Angst vor der Technik habe ich nicht und auch nicht davor, unter Druck arbei­ten zu müs­sen. Ich will ein­fach das Ganze als Hobby betrei­ben, denn ich will ja auch nicht Bibliothekarin wer­den weil ich ger­ne Bücher lese oder ger­ne sel­ber schrei­be. Das foto­gra­fie­ren ist für mich eine Ausdrucksweise mei­ner Sicht auf die Dinge oder manch­mal ein­fach eine schö­ne Ablenkung. Nicht mehr, aber auch nicht weni­ger. Im übri­gen habe ich Respekt vor Fotografen, die tech­ni­sch bereits viel wei­ter sind, egal ob im Profi- oder Hobbybereich. Die Beherrschung der Technik ist für mich ein wich­ti­ger Aspekt, denn nur so kann ich auch Bilder machen, die so aus­se­hen wie ich es will (und nicht ein Zufallsprodukt sind).

  30. @Jeanette
    Dann zeig doch mal ein super tol­les Portfolio !
    Das hört sich näm­li­ch alles recht infan­til an.

  31. jensn­rw, dei­ne Aussage hört sich genauso infan­til an …
    all­ge­mein fal­len mir hier im Blog rela­tiv vie­le Rechtschreibfehler auf.
    Klar, man kann mal nen Dreher drin haben oder einen Buchstaben ver­ges­sen.
    Aber hier wer­den oft gan­ze Wörter weg­ge­las­sen oder statt­des­sen fal­sche benutzt.

    Damit kei­ne Missverständnisse auf­kom­men: Ich mei­ne in ers­ter Linie die Kommentare.

  32. ich habe jetz die gan­ze Zeit mit­ge­le­sen und kom­me zu dem Entschluss:

    solan­ge sich die Diskussionen im Bereich der foto­gra­fi­schen Fähigkeiten dre­hen und es die Ansichten der Schreibenden sind, zu 90% in Sachen Qualität gewer­tet wer­den, mache ich mir um mei­nen Beruf als Fotograf kei­ne Sorgen.

    Professionalität ist näm­li­ch nicht nur eine Lampe rich­tig set­zen zu kön­nen und die rich­ti­ge Brennweite zu wäh­len (mal über­spitzt). Da gehört wesent­li­ch mehr dazu als die hand­werk­li­che Fähigkeit wäh­rend der Fotoerstellung.

  33. @Jeanette
    Ob Robert einen guten Job macht – das möch­te ich so nicht beur­tei­len. Für mich sind es (sor­ry, Robert, für die­sen Vergleich) ein­fa­che, im Yuri-Stil foto­gra­fier­te Allerweltsfotos für den Stockbereich.

    AAAABER – und hier kommt der Unterschied: Dem Käufer gefällt es. Und nur das ist es, was zählt. Wer mit sei­nen Bildern Geld ver­dient, dem kann es letzt­end­li­ch egal sein, ob sei­ne Bilder allen Menschen gefal­len. Hauptsache, es gibt über­haupt wel­che, die dafür Geld bezah­len.

    Natürlich steckt dahin­ter auch eine Menge Arbeit, aber trotz der nied­ri­gen Preise wer­den die Bilder gekauft. Auch wenn der Kunde sich im Klaren dar­über sein muss, dass der Mitbewerber um die Ecke zufäl­lig auch gera­de das eine Bild für sei­ne neue Werbekampagne aus­ge­sucht haben könn­te. Das Risiko schei­nen aber lei­der immer mehr Käufer ein­ge­hen zu wol­len. Oder aber sie wis­sen es gar nicht (was ich eher ver­mu­te).

  34. Guter Artikel Robert!
    Da mir der Spaß an der Sache das Wichtigste ist, wür­de ich erst in das Fotografenfach wech­seln, wenn mich die Firmen wegen mei­nes Stils buchen wür­den. Da bin ich gera­de dabei, einen zu ent­wi­ckeln, indem ich mir Gedanken gemacht habe, was und wie ich am liebs­ten foto­gra­fie­re und das Ergebnis davon dann kon­se­quent umset­ze. Es soll­te eine Nische sein, die nicht jeder ein­fach so beset­zen kann, weil zu auf­wän­dig und dabei so wenig wie mög­li­ch dem Zufall über­las­sen ist. Mal sehen – in Österreich herr­schen wegen der Innung eh noch ande­re Gesetze.

  35. Auch Berufsfotografen haben irgend­wann Freizeit und in die­ser kön­nen sie gen­au so „pri­vat“ foto­gra­fie­ren wie es ein Hobbyfotograf nach sei­ner Arbeit tun kann.“

    Sicher könn­te er das. So wie der Elektriker auch in sei­ner Freizeit noch Kabel ver­le­gen könn­te…

    Allerdings ist es ver­ständ­li­ch, daß Elektriker in ihrer Freizeit eben *nicht* das­sel­be machen wol­len wie wäh­rend der Arbeit.

    „Dann hät­te ich kei­ne Zeit mehr zum Fotografieren“, „Ich will mich die­sem Druck nicht aus­set­zen“, „Die foto­gra­fi­sche Freiheit wäre dann weg“ oder „Ich will nicht auf Kommando krea­tiv sein“.“

    Auch das ist nicht völ­lig fal­sch. Die beruf­li­che Ausübung der Fotografie ver­än­dert das Verhältnis des Fotografen zur Fotografie – als jemand, der seit nun­mehr 34 Jahren pro­fes­sio­nell foto­gra­fiert kann ich das, den­ke ich, beur­tei­len. Und nur die aller­we­nigs­ten Berufsfotografen kön­nen sich in ihrem Beruf krea­tiv wirk­li­ch frei und nach eige­nem Gusto aus­le­ben – die aller­meis­ten unter­lie­gen Zwängen, die die Kreativität zumin­dest beein­flus­sen.

    Das gilt ganz beson­ders für Agenturfotografen – die unter­lie­gen näm­li­ch leicht der Neigung, alles das sie vor die Linse bekom­men auf sei­ne Vermarktbarkeit abzu­klop­fen und nach die­sem Kriterium dann zu foto­gra­fie­ren, oder auch nicht.

    Ich selbst hat­te vor eini­gen Jahren mal zwei ein­schnei­den­de, erhel­len­de Erlebnisse in die­ser Hinsicht.

    Eines Tages, so um 2002 oder 2003, ging ich irgend­wo durch die Gegend, und sah ein Bild. (Fotografen soll­ten ver­ste­hen, was ich mit „Ich sah ein Bild“ mei­ne.)

    Fotoausrüstung hat­te ich dabei, dar­an wär’s also nicht geschei­tert, aber als ich die Kamera schon in der Hand hat­te, dach­te ich: „Wirklich schö­nes Bild. Aber wer soll das denn kau­fen?“ Und ließ die Kamera wie­der sin­ken.

    Um mich kurz dar­auf zu fra­gen: „Was machst Du hier eigent­li­ch? Wieso kann­st Du, als Fotograf, der die Fotografie wirk­li­ch liebt, nicht ein­fach ein gutes Bild machen, ein­fach weil’s ein gutes Bild ist? Hat Picasso den Pinsel weg­ge­legt, weil er dach­te ‚Gute Idee, aber wel­cher Galerist soll mir das abneh­men?‚…“

    2006 war ich Gast bei einem klei­nen „Seminar“ in den Räumen der Agentur „Schapowalow“ zum Thema „Reise- und Touristikfotografie“. Am Rande die­ses Seminars sag­te die dama­li­ge „Schapowalow“-Geschäftsführerin Annette Cordes einen Satz, der auf mich unge­fähr die­sel­be Wirkung hat­te wie es auf einen Betrunkenen wirkt, nachts gegen einen Laternenpfahl zu lau­fen – man wird schlag­ar­tig sehr nüch­tern und sehr wach…

    Sie sag­te sinn­ge­mäß: „Denken Sie beim foto­gra­fie­ren nicht dar­an, ob die Fotos ver­markt­bar sind. Das Vermarkten ist unser Job als Agentur. Sie sind Fotografen. Machen *Sie* ein­fach mög­lichst gute Fotos. Um den Rest küm­mern *wir* uns – und wenn es ein wirk­li­ch gutes Foto ist, fin­den wir auch einen Abnehmer dafür.“

    Ich fand das sehr befrei­end, und es brach­te mich dazu, mei­ne gan­ze Herangehensweise ein­mal gründ­li­ch zu über­den­ken.

    Im ers­ten Jahr mei­ner beruf­li­chen Fotografiekarriere habe ich mehr gelernt als in den zehn Jahren davor, in denen ich nur aus Spaß foto­gra­fiert habe.“

    Das liegt vor allem dar­an, daß man zwangs­läu­fig viel mehr Zeit hat, sich damit zu beschäf­ti­gen, und sich damit beschäf­ti­gen muß. Und zum Teil auch dar­an, wie Du ja auch schreib­st, daß die Anforderungen höher und die Kritik här­ter ist. Wobei… mein här­tes­ter Kritiker bin ich immer noch sel­ber, da kommt kein Redakteur mit, und ich habe in 34 Jahren eben auch gelernt, ganz unge­niert zu sagen „Mag sein, daß drei Redakteure das Foto nicht haben woll­ten – ändert nix dar­an, daß es trotz­dem geni­al ist.“

    Das zwang mich zu einem neu­tra­le­ren, kri­ti­schen Blick auf mei­ne eige­nen Werke. Blumenfotos mögen schön sein, aber sie ver­kau­fen sich sel­ten. Anschnitte sehen viel­leicht ästhe­ti­sch aus, wer­den aber von Bildkäufern gemie­den.“

    Das heißt dann aber im Klartext: ich ver­zich­te zuguns­ten der Verkäuflichkeit auf die bes­se­re Ästhetik.

    Genau das ist der sprin­gen­de Punkt: der Agenturfotograf muß das tun – der Amateur kann sich den Luxus leis­ten, dies nicht zu tun. Was mag der Fotografie wohl eher gut tun?

    Als Medienprofi weiß ich, daß Qualität nicht nur teu­er ist, son­dern oben­drein auch durch­aus ein Verkaufshindernis sein kann. Nicht „technisch-handwerkliche Qualität“, die ist immer gefragt, aber inhalt­li­che Qualität. Auch und gera­de Medienleute schie­len stän­dig nach dem Mainstream – sie wol­len ihren Lesern/Zuschauern bie­ten, was sie den­ken was die­se erwar­ten.

    Was dabei her­aus­kommt, kön­nen wir täg­li­ch auf dem Fernsehschirm und am Kiosk bewun­dern.

  36. Hi,

    ich bin Hobbyfotograf & neben­her in einem anderm Bereich selbst­stän­dig tätig – ich habe über die Jahre viel Geld in mein Hobby gesteckt und ver­kau­fe auch eini­ge Bilder über Microstockagenturen, lade bil­der bei Flickr/500px/Fotocommunity mit CC Lizenz hoch und ver­tei­le auch über diver­se Netzwerke. Ich über­le­ge stän­dig mehr im Bereich Fotografie selbs­stän­dig tätig zu wer­den – es gibt aber einen klei­nen aber wich­ti­gen Knackpunkt an der Sache -> der Verdienst. Wenn ich in mei­nem jet­zi­gen Beruf 10 Tage a 8 Stunden arbei­te ist mein Monat finan­ziert, das gan­ze ist als selbs­stän­di­ger (mit­tel­mäs­si­ger) Fotograf nicht zu schaf­fen. In der Regel hängt ja auch mehr dran als nur die Miete zuzah­len (Kinder usw.) 😉

    Das der böse Hobbyfotograf jetzt Konkurenz zum Profi sein soll sehe ich nicht so, es liegt ja auch viel dar­an wie die „Profis“ ihr eige­nes Umfeld gestal­ten und wie sie ihre Kundschaft bedie­nen – es sind vie­le Fotografen durch­aus mit dar­an betei­ligt das Preise der­mas­sen sin­ken und der Hobbyfotograf kann ja nun nichts für die kri­mi­nel­len Neigungen eini­ger poten­ti­el­len Kunden (Stichwort kom­mer­zi­el­ler Nutzung von CC Bildern) … es scheint wohl eher so das heu­te viel mehr Profis sein wol­len, die Einstiegshürden gerin­ger sind und sich dadurch der Markt über­sä­tigt. Es ist immer leicht den schwar­zen Peter auf ande­re zu schie­ben, in DE ja schon fast eine Religion (genauso wie das immer bil­li­ger haben wol­len) – für Leute die gut sind gibt es immer einen Markt – die die im Durchschnitt unter­wegs sind haben es halt schwe­rer, aber das is nun mal Marktwirtschaft und frag mal Maurer, Glaser, Schuhverkäufer, Tischler usw. wies bei denen aus­schaut 😉

    Ciao Kai

  37. Ich glau­be, die bei­den von Dir ange­spro­che­nen Gruppen (Amateure und Profis) unter­schei­den sich in den sehr vie­len Fällen gen­au in einer Sache – und das ist nicht etwa das Können oder die Ausrüstung. Es ist die schlich­te Tatsache, dass der eine dafür Geld ver­langt und der ande­re nicht. 😉

    Warum machen die meis­ten ihr Hobby nicht zum Beruf? Weil sie kei­ne Lust auf Kundenakquise haben, weil sie sich nicht mit Buchhaltung rum­schla­gen wol­len, Schiss vor Selbstständigkeit haben… und, weil es ein sehr hart umkämpf­ter Markt ist. Es ist sehr schwer ein (im Vergleich zu einem nor­ma­len Angestellendasein) gutes oder sehr gutes Gehalt zu ver­die­nen. Die meis­ten ambi­tio­nier­ten Hobbyfotografen ver­die­nen in ihrem Job wohl mehr Geld als die meis­ten Fotografen in ihrem.

  38. @Uwe fal­sch!

    Es ist die schlich­te Tatsache, dass der eine dafür Geld ver­langt und der ande­re nicht. ;-“

    Ich ken­ne genug Hobbyfotografen die für ihre Fotos Geld ver­lan­gen! der Hochzeitsmarkt sei nur ein Beispiel hier­für

    Warum machen die meis­ten ihr Hobby nicht zum Beruf? Weil sie kei­ne Lust auf Kundenakquise haben, weil sie sich nicht mit Buchhaltung rum­schla­gen wol­len, Schiss vor Selbstständigkeit haben… und, weil es ein sehr hart umkämpf­ter Markt ist.“

    Wie ich oben schon mal schrieb gehört mehr dazu als eine Lampe rich­tig zu set­zen um ein pro­fes­sio­nel­ler Fotograf zu wer­den!

    Die meis­ten ambi­tio­nier­ten Hobbyfotografen ver­die­nen in ihrem Job wohl mehr Geld als die meis­ten Fotografen in ihrem.“

    Nö- gen­au anders­rum!
    Wenn ich mehr kann, als eine Lampe rich­tig set­zen, mei­ne Zeit nicht mit dem x-ten unnö­ti­gen Workshop vegeu­den muss und die von Dir, vor­her erwähn­ten Punkte beherr­sche!

  39. Ich sehe es ähn­li­ch, wie du. Aber als Hobbyfotograf möch­te man auch etwas mit sei­nen Fotos machen oder sie ver­kau­fen. Ich per­sön­li­ch wür­de mich nicht bei einem prof­fes­sio­nel­len Fotografen ablich­ten las­sen für viel Geld, wenn ich es zuhau­se mit fer­aus­lö­ser selbst kann.
    Doch kann ich mich auch in die ande­re Seite gut hin­ein­ver­set­zen. Als berufs­tä­ti­ger Fotograf möch­te man sich sei­nen Lebensunterhalt ver­die­nen. Und dazu braucht man genü­gend Kundschaft.

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