Das Märchen von Zusatzeinnahmen durch Abo-Downloads

In der letz­ten Zeit war ja hier oder hier im Blog öfters von Abonnements die Rede. Deshalb will ich das heu­te genau­er beleuch­ten.

Alle Bildagenturen, die Abo-Modelle ein­füh­ren, ver­su­chen das den Fotografen schmack­haft zu machen, indem sie von „zusätz­li­chen Einnahmequellen“, „höhe­ren Verdienstmöglichkeiten“, „Umsatzsteigerung“ oder „Ansprache neu­er Kundengruppen“ reden. Übrigens alles ech­te Zitate von Bildagenturen.

Dabei sind die­se Versprechen meist Quatsch.

Warum?

Es liegt auf der Hand, dass Abo-Systeme nur für Kunden inter­es­sant sind, die regel­mä­ßig vie­le Bilder kau­fen. Wer nur ein­ma­lig ein Bild braucht, scheut ja schon die Registrierung bei einer Agentur und für die­se Kundengruppe bie­ten mitt­ler­wei­le eini­ge Agenturen „On Demand“-Downloads ohne Anmeldung zu einem höhe­ren Preis an.

Aber wir waren bei den Abo-Kunden. Das sind in der Regel Verlage, wel­che Motive für Zeitungen und Zeitschriften brau­chen, also immer Kunden, die auch vor­her bei Bildagenturen ein­ge­kauft und dort viel Geld gelas­sen haben. Panthermedia hat­te bei der Einführung ihres Abo-Modells sogar behaup­tet: „Es wird damit eine neue Kundengruppe ange­spro­chen, die bis­her nicht bei PantherMedia ein­ge­kauft hat.“ Die Kunden haben viel­leicht nicht bei Panthermedia gekauft, aber garan­tiert bei ande­ren, vor allem Microstock-Agenturen. Damit fin­det nur eine Verschiebung im Bildermarkt von oben nach unten statt – preis­mä­ßig gese­hen – statt eine Erweiterung.

Wer genau­er dar­über nach­denkt, wird den Fehler schnell fin­den: Warum soll­te jemand auf ein­mal regel­mä­ßig Bedarf an vie­len Bildern haben, nur weil eine Bildagentur ein Abo-System ein­führt? Der Bedarf war schon vor­her da und wur­de wur­de auch gedeckt, nur anders, durch Einzelkäufe, aus­ge­han­del­te Mengenrabatte und Auftragsarbeiten.

Genau die­se umsatz­stärks­te Käufergruppe von Verlagen und gro­ßen Firmen bekommt mit Abo-Modellen die Bilder förm­li­ch hin­ter­her­ge­schmis­sen. Mittlerweile gibt es hau­fen­wei­se Zeitschriften (vor allem Frauen- und Lifestyle-Zeitschriften), die bei Verkaufspreisen im Cent-Bereich ohne Abo bei einer Microstock-Bildagentur wirt­schaft­li­ch kaum ren­ta­bel wären.

Für die­se Top-Käufer mit einem Abo gibt es kaum einen Grund mehr, zusätz­li­ch zum Abo Einzelbilder zu kau­fen. Durch mei­ne Recherchen weiß ich, dass meist nur eini­ge Promi-Bilder zusätz­li­ch zu den Abo-Bildern gekauft wer­den, weil Shutterstock oder Fotolia die­se nicht anbie­ten. Istockphoto und auch Shutterstock arbei­ten jedoch dar­an, selbst die­se gerin­gen Fremdkäufe zu mini­mie­ren, indem sie das Angebot im redak­tio­nel­len Bereich deut­li­ch aus­bau­en. Im Grunde ver­die­nen Fotografen des­halb unter dem Strich meist weni­ger, je mehr Abo-Kunden eine Agentur gewinnt.

Doch schau­en wir uns die Vor- und Nachteile von Abo-Modellen im Vergleich zum Einzelbildverkauf an:

Vorteile von Bilder-Abonnements

  • Wer als Agentur einem Bildkäufer ein Abo ver­kauft, bin­det die­sen Kunden für einen lan­gen Zeitraum fest an die Agentur. Das kann für den Fotografen von Vorteil sein, wenn er nur bei die­ser Agentur anbie­tet. Wer sei­ne Bilder über vie­le Agenturen ver­treibt, hat in der Regel immer ein Nachsehen.

  • Die fixen Download-Mengen erlau­ben das leich­te­re Runterladen von Bildern, weil es ja nicht mehr kos­tet, was dazu füh­ren kann, dass Kunden mehr Bilder neh­men als sie tat­säch­li­ch brau­chen. Der Fotograf ver­dient dem­nach mehr.

Das war es schon mit den Vorteilen. Die Nachteile über­wie­gen deut­li­ch.

Nachteile von Bilder-Abonnements

  • Der Fotograf erhält für einen Download deut­li­ch weni­ger als für einen Einzelbild-Verkauf.

  • Bildkäufer inter­es­sie­ren sich nur für Abos bei Bildagenturen mit einem gro­ßen und viel­fäl­ti­gen Angebot, was die Marktkonzentration ver­stärkt und gefähr­li­che Oligopole begüns­tigt. Damit wird lang­fris­tig die Macht der Fotografen geschwächt. Die stän­di­gen Honorarkürzungen sind ein Zeichen davon.

  • Durch die fixen Download-Mengen sind die Kunden in der Lage, im Laufe eine Abos schnell rie­si­ge Bildermengen anzu­häu­fen, die sie nach Ablauf des Abos meist wei­ter nut­zen kön­nen.

  • Die Kontrolle und Überprüfung, ob ein Bild kor­rekt lizen­ziert wur­de, wird durch die Umsatzmengen bei Bilderabos für Fotografen und auch Agenturen stark erschwert.

  • Da bei einem Bilderabo kei­ne Kostenkontrolle not­wen­dig ist, sind Mitarbeiter in Firmen mit Abos manch­mal in der Lage, unbe­rech­tigt pri­vat Bilder run­ter­zu­la­den. Auch im Netz kos­ten­los und ille­gal erhält­li­che Bildersammlungen mit Stockfotos und -Illustrationen sind in der Regel von einem Bildkäufer ein­ge­stellt wor­den, der sie über ein Abo-System run­ter­ge­la­den hat.

  • Die Konstruktion der meis­ten Abo-Modelle ist zum Nachteil der Fotografen, da die­se oft nur bezahlt wer­den, wenn ein Kunde sein Abo in Anspruch nimmt. Bei einer gerin­gen Nutzung des Abos streicht sich die Bildagentur jedoch die Bildhonorare für unge­nutz­te Fotos selbst ein. Das schwächt eben­falls die Position der Fotografen.

Dieses Missverhältnis führt zur Frage: Ist es als Fotograf sinn­voll, sei­ne Bilder im Abo anzu­bie­ten? Meist nein. Leider wer­den Fotografen von vie­len Agenturen gezwun­gen, ihre Fotos auch im Abonnement anzu­bie­ten, wenn sie über die Agentur auch lukra­ti­ve Einzelverkäufe erzie­len wol­len. Wo es mög­li­ch ist, habe ich jedoch die Abo-Funktion deak­ti­viert.

Wie steht ihr zu den Abonnements? Habe ich Vor- oder Nachteile über­se­hen?

18 Gedanken zu „Das Märchen von Zusatzeinnahmen durch Abo-Downloads“

  1. Hi!
    Das Problem ist ja auch, dass man, wenn die Abo-Funktion aus ist, bei eini­ge Seiten nach hin­ten in der Ansicht ver­scho­ben wird. Somit wird man gezwun­gen, das Abo ein­zu­schal­ten…

    Gruß

  2. Hi Robert,

    viel­leicht könn­test du mal einen Zusatzartikel ver­fas­sen und schrei­ben bei wel­chen Agenturen es sich noch lohnt und bei wel­chen nicht. Bzw. bei wel­che Koppelungen bestehen.
    Wenn dadurch wie­der vie­le User gemein­sam agie­ren wird die ein oder ande­re Agentur sicher „auf­wa­chen“ und umden­ken müs­sen.
    Gruß
    Alex

  3. Eine gute Entwicklung – schon der Microstock an sich hat­te einen enor­men Preisverfall zur Folge, gut das jetzt auch die Microstockfotografen an der aktu­el­len Entwicklung sehen, wie Preisdruck Arbeit unren­ta­bel macht!

    Es gibt einen deut­li­chen Wandel, die zuneh­men­de Konkurenz im Microstockmarkt ver­langt immer bil­li­ge­re Preise – hier zeigt sich nicht nur der Konkurenzdruck, hier zeigt sich auch eine Selektion – nicht alle wer­den über­le­ben.

    Anderseits wird das gute Bild im Macromarkt nach­ge­fragt.

  4. @masterphoto
    „Das Problem ist ja auch, dass man, wenn die Abo-Funktion aus ist, bei eini­ge Seiten nach hin­ten in der Ansicht ver­scho­ben wird. Somit wird man gezwun­gen, das Abo ein­zu­schal­ten…“

    Das ist m.E. nicht so. Gezwungen wird nur wer sich zwin­gen lässt. Bei ein­ge­schal­te­ter Abofunktion tum­melt man sich in einem Fotografenfeld, wel­ches ihre Portfolios zu einem gro­ßen Prozentsatz auch bei ande­ren Agenturen hat. Dieses Verhalten ist der Tatsache geschul­det, dass man gerin­ger Einnahmen durch die Freigeba des Abomodelles hat. Diese Einnahmen ver­sucht man mit der Streuuung sei­nes Portfolios anzu­he­ben, was m.E. nach nur für sehr gro­ße Portfolios ab 3–4K etwas bringt.

    Die Einsortierung eines Exklusivfotos, wel­ches sich durch sei­ne Qualität gut ver­kauft, ist m.E. nicht unbe­dingt schlech­ter!

  5. ich sehe das mit dem Abo-Modell auch kri­ti­sch. Meiner Meinung nach füt­tert das alles die „Geiz ist geil“-Mentalität. Ein Kumpel von mir, der wirk­li­ch pro­fes­sio­nell foto­gra­fiert – haupt­säch­li­ch für Industriekunden – meint, dass es heut­zu­ta­ge für Berufsfotografen eher ren­ta­bel ist, kon­kre­te Anfragen bzw. Aufträge zu erhal­ten als Bilder in Agenturen rein­zu­stel­len – in der Hoffnung, dass die­se gekauft wer­den.

    Ich sehe es so: ich freue mich lie­ber mal über einen gele­gent­li­chen Verkauf bei einer Bildagentur, die mir als Anbieter auch eine akzep­ta­ble Summe geben als über eine wöchent­li­che Benachrichtigung bei einer Agentur wie foto­lia, dass ich drei Bilder über ein Abo ver­kauft habe (und das bei einem Erlös von knapp 1 Euro pro Bild). Was mich z.B. an foto­lia stört – das Abo-Modell lässt sich nur als Exklusivanbieter löschen. 

    ich kann auch bei zwei Kumpels nicht fest­stel­len, dass deren Erlöse durch das Abomodell nach oben geschos­sen sind – mei­ner Meinung nach ver­kom­men durch die­se sich dau­ernd ändern­den Preismodelle vie­le schö­ne Bilder in den Agenturen zu bil­li­ger Ware.

    Aber das ist wohl auch eine Folge der immen­sen Bilderflut – die Digitalfotografie macht´s (jedem) mög­li­ch 😉

  6. Guter Artikel und inter­es­san­te Diskussion – die Preisspirale dreht sich eben nach unten, es gibt wohl schon zu vie­le Agenturen und Fotografen und die Anmerkung von Fotoprofi hat schon was an sich – die Jäger wer­den nun offen­sicht­li­ch zu den gejag­ten.

    Eine Frage aller­dings noch: Ist es nicht so, daß die Relevanz der Bilder (und somit das Ranking) durch die Anzahl der Downloads beein­flußt wird? Und wenn dem so ist – wür­den mir dann nicht die Abo Downloads evtl. zu mehr „nor­ma­len“ Verkäufen ver­hel­fen?

  7. Die Ursache der Probleme mit Abos, ist mei­ner Meinung nach, dass sich Agenturen die­se antun, die es bes­ser las­sen soll­ten. Shutterstock ist wohl der Platzhirsch bei den Abos, und die Jungs und Mädels sind echt gut. Wenn du Abos anbie­test bedienst du eine ganz betimm­te Klientel, die ganz bestimm­te Bilder braucht.
    Es wäre blöd­sin­nig, ein Foto aus einem Nischenbereich als Abo anzu­bie­ten zumin­dest aus Fotografensicht. Es gibt aber Bilder die sind all­ge­mein ein­setz­bar. Mit sol­chen Bildern kann man im Abo ech­tes Geld ver­die­nen. Ich sage immer die Kombination, wenig Verkäufe und die noch bil­ligst, ist töd­li­ch für Fotografen und Illustratoren. Hört sich zwar bescheu­ert an, wird aber oft von Fotografen und Illustratoren nicht berück­sich­tigt. Abo funk­tio­niert nur und aus­schliess­li­ch in der Masse. Jetzt ent­steht aber fol­gen­der Effekt: Die Leute gucken auf die Bestseller in den Micros und knip­sen die­se nach. Als Kunde sehe ich jezt Kopien von Kopien der Kopien. Das bringt kei­nen wei­ter. Weder Agentur, noch Kunden, noch Fotografen.

    Jetzt mal was posi­ti­ves. Für einen Gelegenheitsfotografen wie mich, bie­ten mir Microstockagenturen die Möglichkeit Kunden zu errei­chen, die ich ohne Micros nie erei­chen wür­de, sie ver­schaf­fen mir Zugang zum Bildermarkt und erlau­ben mir mit mei­ner Fotografie Geld zu ver­die­nen. Ich belie­fe­re zu 90% Shutterstock exklu­siv und es lohnt sich. Agenturen wie Fotolia und Istock wer­den von mir gemie­den, wie der Teufel das Weihwasser mei­det.
    Ich den­ke auch nicht, das sich die Preisspirale viel wei­ter nach unten dre­hen kann. Irgendwann lohnt es sich ja nicht mehr Bilder zu machen und hoch­zu­la­den. Dann gibt es kei­ne Gründe mehr für Käufer zu den Micros zu gehen. Die Leute, die nur foto­gra­fie­ren um ver­öf­fent­licht zu wer­den, brin­gen die Agenturen nicht wei­ter. Eine Agentur die es nicht schafft, für ihre Lieferanten Gewinne zu gene­rie­ren, wird unter­ge­hen.

    Zu mir: Ich arbei­te als Leiter der Druckvorstufe in einer Druckerei und als frei­er Designer für Print- und Webprojekte.
    Agenturen

  8. @Robert:

    Doch natür­li­ch, aber was den Preisdruck betrifft, ist der Boden gefun­den – sicher kenn­st Du den Brandbrief des BVPA an die gro­ßen Verlage? Im Macro geht es ein­fach nicht mehr kos­ten­güns­ti­ger, vie­le Agenturen sind bereits ernorm geschrumpft, eini­ge haben das Stockgeschäftsmodell auf­ge­ge­ben und kon­zen­trie­ren sich auf VIPs. Agenturen die Wert auf gute Fotografie und Fotografen legen, müs­sen eine Beteiligung von 40,50,60% aus­schüt­ten.

    Im Micro wird es ähn­li­ch sein, ich kann mir nur schwer vor­stel­len das FL z.B einen Arcus oder Rodriguez ver­är­gen wer­den – die hal­ten den Laden schließ­li­ch am Laufen.

  9. @Fotoprofi

    ich kann mir nur schwer vor­stel­len das FL z.B einen Arcus oder Rodriguez ver­är­gen wer­den – die hal­ten den Laden schließ­li­ch am Laufen“

    Exakt des­halb rudert Fotolia, ent­ge­gen deeren Vorhaben, wohl nun doch bei der Herabsetzung auf das Level Weiss zurück, wenn Fotografen ander­wo güns­ti­ger anbie­ten. Ein Yuri oder ein Mark Butler/Dan Burch(Monkey Business) wer­den hier wohl auf den Putz gehau­en haben.

  10. Am 1.1.2013 habe ich bei Fotolia die Abos abge­stellt. Die Anzahl der Verkäufe ging zurück – der Umsatz in Euro zog an. Gut – nach rund 20 Tagen kann man es nicht abschlie­ßen­de beur­tei­len, aber ein deut­li­ches Signal ist das schon.

  11. Kann ich bestä­ti­gen. Vor 4 Wochen Abos bei Fotolia abge­stellt, dana­ch weni­ger Downloads, aber Umsatz kon­stant.

  12. @Essay: Unter „Mein Konto/Profil/Anbieterparameter“ kann­st du bei „Meine exklu­si­ven Bilder für das Abonnement-Programm frei­schal­ten“ ein Häkchen set­zen oder eben nicht.

  13. Cool, dan­ke! Dein Artikel ist ja schon zwei Jahre her, was hast du bis dato für Beobachtungen machen kön­nen?

  14. Ich bin auch voll exklu­si­ver Anbieter bei Fotolia und hat­te schon vor lan­gem die Abo Funktion deak­ti­viert. Aber seit 2 Wochen bekom­me ich jetzt plötz­li­ch häu­fi­ger Aboverkäufe!? Dachte es wären noch irgend­wel­che Dateien die ein­mal frü­her als Abo frei­ge­schal­tet waren und nun noch irgend­wie im Restumlauf sei­en. Aber nein. Es kamen jetzt auch Abo Verkäufe aktu­el­ler Bilder dazu. Habe über Konto/Anbieterparameter alles noch­mal kon­trol­liert und die Option für “Meine exklu­si­ven Bilder für das Abonnement-Programm frei­schal­ten” ist ver­schwun­den!

    Habe dort nur noch :
    -Benachrichtigungsoption bei Verkauf,
    -Bild Angenommen,
    -Videoclips fürs Abonnement frei­schal­ten,
    -Voll Exklusiver Anbieter sein

    Hat Fotolia unbe­merkt die Abo-Wahlmöglichkeit ent­fernt?

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