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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 23

Meine „Pimp My Stock“-Serie ist sehr beliebt und des­halb gibt es dies­mal eine neue Folge mit sehens­wer­ten Fotos.

Carsten schrieb mir (zu mei­ner Schande schon vor vier Monaten) fol­gen­des:

Hallo Herr Kneschke,

mit gro­ßem Interesse habe ich ihr Buch gele­sen, und obwohl es sehr gut und umfang­reich das Thema Stockfotografie behan­delt, habe ich noch ein paar offe­ne Fragen zu einem „spe­zi­el­len“ Bereich der Fotografie.
Im Jahr 2007 habe ich mit einer Canon 40D begon­nen, 2009 habe ich zu einer 7D gewech­selt und set­ze die­se seit 2010 u.a. zur Unterwasserfotografie ein.
Natürlich habe auch ich den Traum, mit den eige­nen Bildern evtl. mal etwas Geld zu ver­die­nen, aller­dings kann ich bei mei­nen Unterwasserbildern nicht ein­schät­zen, wo und ob die­se ver­käuf­li­ch sind.
Erstmal zum „Wo“. Wie in ihrem Buch emp­foh­len habe ich mich zunächst nach spe­zia­li­sier­ten Bildagenturen wie „sea­tops“ oder „deep-blue-media“ umge­schaut. Dann gibt es noch sog. Kunstgalerien, wie zum Beispiel bei „Whitewall“ oder „Fineartprint“. Auf der ande­ren Seite gibt es aber auch bei Agenturen wie „Getty“ oder „Shutterstock“ unzäh­li­ge Unterwasserfotos von unter­schied­lichs­ter Qualität. Wo macht das Anbieten am meis­ten Sinn und bringt im bes­ten Fall auch noch ein paar Verkäufe?
Bei der Frage noch dem „ob“ möch­te ich mich an Sie wen­den. Bei den Bildern habe ich ver­sucht, einen Querschnitt ver­schie­dens­ter „Arten“ mei­ner Unterwasserfotos aus­zu­wäh­len. Bei eini­gen Bildern ist es für Unwissende nicht zu erken­nen, dass die­se unter­was­ser auf­ge­nom­men wur­den, da sie nur Strukturen oder Formen und Farben dar­stel­len. Sind gera­de die­se Bilder über­haupt für Werbeagenturen oder Designer inter­es­sant und soll­ten daher auf einer „nor­ma­len“ Bildagenturseite ste­hen, oder gehö­ren die Fotos auf­grund des Unterwasserbezuges alle in eine „Spezialagentur“?
Ich habe bereits ver­sucht bei Shutterstock eini­ge Bilder zu ver­kau­fen, das lief aber insb. wegen schlech­ter Verschlagwortung sehr schlep­pend bis gar nicht.
Ich bin sehr gespannt auf ihre Rückmeldung und bedan­ke mich im Voraus für ihre Mühe und die­sen tol­len Service.
Beste Grüße aus der Nachbarstadt 😉
Carsten“

Bevor ich ver­su­che, das „Wo bie­te ich die­se Bilder am bes­ten an?“ zu beant­wor­ten, schau­en wir uns mal die Bilder an.

Sehr schön: Eine Hohlkreuzgarnele in einer Seeanemone. Das Bild ist far­ben­präch­tig, zeigt das Motiv klar und tech­ni­sche Fehler sind – zumin­dest in der mir vor­lie­gen­den Größe – nicht zu erken­nen. Eindeutig ein gelun­ge­nes Stockfoto.

Boah, der Soldatenfisch guckt aber grim­mig. Kein Wunder, bei dem Namen. Mir per­sön­li­ch ist die­ses Foto etwas zu dun­kel, aber es gibt sicher Verwendungsmöglichkeiten, wo das nicht schlimm ist, da schwar­ze Fläche auch eine Variante von Textfreiraum ist. Dafür wäre es aber gut, wenn der Fisch nicht oben und unten ange­schnit­ten wäre, damit die Designer sich den Platz bes­ser erwei­tern könn­ten, wo der Text hin soll. Aber allein wegen des sofort deut­ba­ren Gesichtsausdrucks des Fischs trotz­dem ein gutes Stockfoto.

Ähnliches wie für den Soldatenfisch gilt für die­sen Sepia-Tintenfisch. Der – in Ermangelung eines bes­se­ren Wortes – Schnabel hät­te schon auf dem Bild sein sol­len.

Auch der Drachenkopf macht sei­nem Namen mit die­sem bösen Blick alle Ehre. Außerdem ist das Foto ein gutes Beispiel für gelun­ge­ne Krypsis (Tarnung) im Tierreich. Um das Foto als Illustration für eine Krypsis zu nut­zen, wäre es bes­ser gewe­sen, den ungleich­mä­ßi­gen Hintergrund bis an die obere Bildkante zu haben statt des dunk­len Bereichs. Sollte das Foto jedoch als Beispiel für den Drachenkopf als Fisch die­nen, hät­te die Tiefenschärfe etwas mehr redu­ziert wer­den müs­sen, damit sich das Tier bes­ser vom Hintergrund abhebt. Für wis­sen­schaft­li­che Zwecke ist das Foto jedoch trotz­dem gut geeig­net.


Die drei Korallenfotos behand­le ich mal gebün­delt. Wenn die Fotos in eine Unterwasser-Agentur gehen sol­len, sind sie gut wie sie sind. Das setzt aber vor­aus, dass die kor­rek­ten bota­ni­schen Namen der Pflanzen für die Verschlagwortung bekannt sind. Ich glau­be aber, dass die­se Fotos als exo­ti­sche Hintergründe auch in Microstock-Bildagenturen wie Shutterstock oder Fotolia eine Chance hät­ten. Dafür muss jedoch wie­der dar­auf geach­tet wer­den, dass nicht zuviel Schwarz im Bild ist, wie das hier bei allen drei Korallen vor allem rechts der Fall ist. Außerdem wür­de ich in Photoshop die Sättigung und Helligkeit gene­rell etwas höher dre­hen, unge­fähr so pop­pig* aus­se­hen.

Außerdem hat Carsten noch eini­ge Personenfotos unter Wasser gemacht:

Super: Wenn ein Model-Release des Tauchers vor­liegt, ver­kauft sich das Bild bestimmt super. Technisch ein­wand­frei und guter Bildaufbau. Neben der kon­kre­ten Verwendung zum Thema Meer, Tauchen und Fische hat es durch den Fischschwarm auch eine sym­bo­li­sche Komponente in Richtung Team, Organisation und Größenverhältnisse.

So begeis­tert ich vom vori­gen Bild war, so ernüch­ternd sehe ich die­ses. Spaß am Tauchen kann mit die­sem Foto einer Frau unter Wasser nicht ver­mit­telt wer­den und Schwarz-Weiß geht auch wirk­li­ch nur dann, wenn es sich the­ma­ti­sch anbie­tet. Das ist hier nicht der Fall. Würde die Frau in die Kamera lächeln und das Bild far­big sein, hät­te es deut­li­ch mehr Chancen auf Verkäufe.

Wo wir beim Thema wären: Frau im Schwimmbad lacht in die Kamera und als Bonus gibt es ein nied­li­ches Baby dazu. Ein idea­les Foto, um für Mutter-Kind-Kuren, Babyschwimmen und so wei­ter zu wer­ben. Ergo: Ein gutes Stockfoto.

Offen bleibt jetzt noch die Frage nach dem Wo: Bei den illus­tra­ti­ven Fotos, zum Beispiel der Korallen oder der Hohlkreuzgarnele bie­tet sich ein Verkauf über Fine-Art-Anbieter an. Die genann­ten Spezialagenturen neh­men die­se Bilder zwar auch ger­ne, aber ich glau­be, dass gro­ße General-Bildagenturen wie Getty Images oder Corbis unter dem Strich viel­leicht sogar mehr Verkäufe erzie­len wür­den. Für die­se Agenturen, für Microstock-Agenturen jedoch noch mehr ist es essen­ti­ell, dass neben der Abbildung der Natur noch ein star­kes sym­bo­li­sches Element im Foto ent­hal­ten ist wie bei dem Fischschwarm. In jedem Fall ist es ver­kaufs­för­dernd, wenn die gezeig­ten Tiere und Pflanzen so kon­kret und kor­rekt wie mög­li­ch bezeich­net wer­den kön­nen, auch mit ihren latei­ni­schen Namen.

Was meint ihr? Wo wür­det ihr sol­che Bilder anbie­ten? Habt ihr Tipps für Carsten?

Wer eben­falls eine kos­ten­lo­se Bildbesprechung sei­ner Fotos haben will, um die­se auf Verkäuflichkeit zu tes­ten, fin­det hier die Details zur Teilnahme an der „Pimp My Stock!“-Serie.

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