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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 21

Die neus­te Folge von „Pimp My Stock!“ war­tet wie­der mit einer Besonderheit auf. Diesmal ist Jürgen an der Reihe und er schick­te mir nicht nur fünf Fotos, son­dern auch sei­ne Verschlagwortung dazu und kri­ti­sier­te sei­ne Bilder gleich selbst.

Aber las­sen wir Jürgen sich erst mal vor­stel­len. Er schrieb:

Ich bin 59 Jahre alt und gehe zum bald in die Altersteilzeit. Dadurch muss ich als ange­stell­ter Heilpädagoge – in einer Werkstatt für behin­der­te Menschen – natür­li­ch „immen­se“ finan­zi­el­le Verluste in Kauf neh­men. Weil ich auch ande­re Menschen noch finan­zi­ell unter­stüt­zen möch­te, habe ich mir gedacht, mit der Stockfotografie even­tu­ell ein monat­li­ches „Zubrot“ von etwa ca. 400,00 € ver­die­nen zu wollen/müssen.

Ich foto­gra­fie­re seit etwa 30 Jahren – Spiegelreflex, ana­log, vor eini­gen Monaten alles ver­kauft. Meine Schwerpunkte lagen in der Natur- und Macrofotografie – M1:1.

Digitale Umstellung:

Vor eini­gen Monaten habe ich mir eine EOS 60 D von Canon zuge­legt.

· Ein Weitwinkelzoom von Tamron SP AF 17-50mm F/2,8 XR Di II VC LD Aspherical[IF] folg­ten.
· Und ein in Ringblitz von Metz – 15 MS – 1.
· Ein Telezoom von Tamron AF 70-300mm 4–5.6 Di SP VC USD kam dazu.
· Und kürz­li­ch ein Canon Speedlite 580EX II.

Hinzukommen wer­den spä­ter noch:
· Das Objektiv Canon EF 100mm 2,8 L IS USM Macro.
· Ein licht­star­kes, fest­ste­hen­des „Superweitwinkel“wäre auch noch eine Option wert.
· Und wenn es gut läuft, spä­ter eine zwei­te Kamera – Canon EOS 5D Mark

Ihr anre­gen­des Buch über die Stockfotografie habe ich schon gele­sen! Ich habe gemerkt, dass ich das Meiste an „alter Fotokunst über Bord schmei­ßen muss“, wenn ich pro­fes­sio­nell arbei­ten möch­te. Ich hat­te bis­lang noch kei­nen „Schimmer“ über die Photoshop – Bildbearbeitung von Adobe. Aber ich ler­ne dazu! Ich hat­te vor­her kaum einen Austausch mit ande­ren, und von daher auch noch kei­ne eige­ne Webseite. Die käme erst hin­zu, wenn ich mich ent­schei­den soll­te, in Richtung Stockfotografie zu gehen. Ich bit­te um eine ehr­li­che und har­te Beurteilung mei­ner Bilder, bezüg­li­ch der Stocktauglichkeit. Bitte ver­wen­den Sie bei der öffent­li­chen Beurteilung mei­nem Vornamen – Jürgen!

Muss natür­li­ch sagen, dass ich die Fotos, die ich Ihnen heu­te sen­de, schon eini­ge Monate alt sind. Hatte von der Stockfotografie gele­sen, die „Bilder geschos­sen“, dann ihr letz­tes Buch gekauft – nun weiß ich erst, was ich fal­sch gemacht habe – und hin­ter­her die Bilder über­ar­bei­tet. Dank ihrer Tipps habe ich mir auch ein Konvertierungsprogramm geholt, und kann RAW Dateien in TIF und in JEPG umwan­deln. Das habe ich auch bei den Fotos gemacht, die ich Ihnen zusen­de – RAW in JEPG und die Auflösung stark run­ter­ge­fah­ren, habe in der Dokumentengröße die Auflösung auf ca.118 Pixel/cm gestellt, ist das rich­tig?

Könnte mir vor­stel­len, mich in Zukunft auf „Texturen und Hintergründe“ zu spe­zia­li­sie­ren, oder auch abs­trak­te Fotografie – dann mus­s­te ich mir natür­li­ch ein licht­star­kes Weitwinkel und das oben beschrie­be­ne Macro zule­gen.

Vorweg mei­ne „dazu gewon­ne­ne Eigenkritik“:
Ich sen­de Ihnen 5 Bilder zu, sogar mit einer kur­zen Verschlagwortung, die Sie bit­te auch kri­ti­sch betrach­ten dür­fen. Ich wäre Ihnen sehr dank­bar!
Bild A6630 „Rote Klinkerwand…“: Kletterhilfe in weiß, Rost noch ent­fer­nen, für Text schlech­te Aufteilung des Bildes.
Bild A6176 „Ein gefüll­tes Glas…“: Hintergrund zu dun­kel, Bildaufteilung ungüns­tig, Glasinhalt müss­te spru­deln­der sein.
Bild A6140 „Ein gefüll­tes Glas…“: Hintergrund zu dun­kel, Glasinhalt müss­te spru­deln­der sein.
Bild A6164 „Fantasiereise .…“: Finde das Bild gut gelun­gen, auch in der Aufteilung.
Bild A6312 „Gurke…“: Aufteilung und Bildausschnitt ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig.

Bin gespannt auf Ihre Beurteilung, Anregungen und Tipps!

Danke im Voraus!
Mit freund­li­chen Grüßen
Jürgen“

Schauen wir uns sei­ne Bilder an:

Das ers­te Foto zeigt eine Hauswand mit Kletterhilfe und einem Briefkasten. Jürgens eige­ne Kritik ist schon rich­tig, aber auch nich­tig. Denn auch wenn die ange­spro­che­nen Punkte wie der Rost oder der Textfreiraum kor­ri­giert wür­den, wür­de dem Foto etwas Elementares feh­len: Die Bildaussage. War soll­te so ein Foto aus wel­chem Grund kau­fen? Wegen des Briefkastens? Dafür ist er zu ver­deckt? Wegen der Kletterhilfe? Dazu illus­triert sie ihe Funktion zu wenig, weil nichts dar­an hoch­rankt. Wegen des Busches? „Busch“ steht nicht mal in den Suchbegriffen, geschwei­ge denn der kor­rek­te bio­lo­gi­sche Name.

Das nächs­te Foto zeigt ein Glas Wasser. Grundsätzlich ein Motiv, was ger­ne gekauft wird. Weil jeder Fotograf die not­wen­di­gen Requisiten (Glas und Wasser) fast immer zur Verfügung hat, ist die Konkurrenz bei die­sem Motiv jedoch sehr groß und hier gibt es eini­ge gro­be Schnitzer, wes­halb sich das Foto nicht ver­kau­fen wird. Die drei Bereiche sind Technik, Farbe und Verschlagwortung.

Zur Technik: Zwar ist die lin­ke Seite des Glases par­al­lel zum Bildrand aus­ge­rich­tet, dadurch kippt aber das Wasser und der rech­te Glasrand stark nach rechts. Das erzeugt eine unna­tür­li­che Anmutung und damit meist gen­au das Gegenteil des­sen, was Käufer von Wasserbildern wol­len: Natürlichkeit und Frische.

Die Unnatürlichkeit wird duch die Farbe unter­stützt. Fragen sie mal eini­ge Leute, wel­che Farbe ihrer Meinung nach Wasser habe und die Antwort wird in den meis­ten Fällen „blau“ oder „durch­sich­tig“ lau­ten. Hier ist das Wasser jedoch unge­sund gelblich/bräunlich und die psy­che­de­li­schen Orange-Lila-Töne im Glas tra­gen eben­falls zur Entfremdung bei.

Die 30 Suchbegriffe zum Bild lau­ten: „Glas, glän­zend, durch­sich­tig, über­schau­bar, ein­ge­schenkt, unwi­der­steh­li­ch, erfri­schend, per­lend, fri­sch, kühl, pri­ckelnd, aro­ma­ti­sch, Genuss, Gaumen, Aroma, köst­li­ch, ver­lo­ckend, Augenweide, kühl, Geschmack, geschmack­voll, ein­ge­schenkt, Quellfrisch, erl­a­bend, ein­la­dend, Tisch, rund, Rand, bunt, Glastisch“.

Zum einen wird deut­li­ch, dass die Sprache zu „alt­mo­di­sch“ und lite­ra­ri­sch ist. Kaum ein Käufer sucht nach Begriffen wie „Augenweide“, „erl­a­bend“ oder „quell­fri­sch“. Und wer nach „Gaumen“ sucht, erwar­tet kein Wasserglas.

Auch beim nächs­ten Foto eines Wasserglases tref­fen alle die­se kri­ti­sier­ten Punkte zu. Zwar ist die Bildaufteilung etwas bes­ser und das Glas ist etwas gera­der aus­ge­rich­tet (auch wenn das Wasser noch leicht nach rechts kippt), aber die Negativpunkte über­wie­gen wei­ter­hin. Außerdem wirkt das Foto nicht scharf genug.

Das nächs­te Bild soll ver­mut­li­ch ein Glas von oben oder unten sein. Das kann ich aber auch nur erah­nen, weil ich vor­her die ande­ren Glasfotos gese­hen hat­te, was bei den Bildkäufern nicht vor­aus­ge­setzt wer­den kann.

Positiv immer­hin, dass Wasser und Glas gar nicht erst in den Suchbegriffen auf­tau­chen: „Zentrum, peri­pher, zen­trie­rend, Mitte, mit­tig, Rand, Fantasie, Märchenhaft,anregend, erre­gend, anspre­chend, anzie­hend, schön, Universum, Planeten, Milchstraße, Ewigkeit, ewig, ver­schwom­men, berau­schend, Drehung, dre­hend, unwi­der­steh­li­ch, Wirbel, ver­wo­ben, Miteinander, wir­belnd, Farben, Farbenspiel, Gold, Goldrausch, blau, lila, grün“. Dafür ist die Sprache wie­der alt und die Begriffe wie­der unpas­send. Wer nach „Planeten“ oder „Milchstraße“ sucht, möch­te sicher eher ande­re Motive ange­zeigt bekom­men.

Mich erin­nert das Foto jedoch sehr stark an Aufnahmen von Eizellen im Labor und so wür­de ich hier viel­leicht ver­su­chen, an den Rändern die Sättigung zu ver­rin­gern und das Foto mit pas­sen­den „Eizellen“-Suchbegriffen zu ver­se­hen. Zwar wird jede Fachpublikation den Unterschied sehen, aber für eini­ge Verwendungen könn­te es rei­chen.

Auf dem letz­ten Foto sehen wir eine Gurke, eine Zucchini und vier Tomaten. Leider fin­de ich hier­für kaum loben­de Worte. Das Licht kommt unan­ge­nehm direkt von oben, die Tischdecke oder das Muster auf dem Tisch ist scheuß­li­ch, die Gurke ange­schnit­ten und die Tomaten – nein eigent­li­ch alles – lieb­los arran­giert. Foodfotos soll­ten immer Appetit wecken auf die gezeig­ten Lebensmittel. Das ist hier nicht der Fall. Wie es rich­tig geht, zeigt zum Beispiel die­se* oder die­se* Zusammenstellung.

Okay, das war heu­te lei­der eine sehr bru­ta­le Kritik, aber ich den­ke, dass ich sie bes­ser jetzt äuße­re als wenn sie Bildredakteure die Fotos spä­ter sowie­so ableh­nen wer­den. Oder was meint ihr?

Wer sich jetzt noch traut, eben­falls Bilder für die „Pimp My Stock!“-Serie ein­zu­sen­den, fin­det hier die Regeln für die kos­ten­lo­se Teilnahme.

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