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Durchschnittliche Verkaufserlöse (RPD) bei Bildagenturen 2012

Oft lese ich in Foren oder Blog-Kommentaren, dass Leute gerne ihre Fotos verkaufen wollen, aber nicht für – sagen wir – einen Euro pro Verkauf. Deshalb habe ich heute wieder in meiner Datenbank gestöbert und errechnet, wie viel pro Verkauf ich im letzten Jahr mit 20 Bildagenturen erzielt habe.

Der Wert, den wir betrachten, nennt sich RPD und ist die Abkürzung für “Revenue per Download“, oder zu deutsch: Einnahmen pro Verkauf.

Was sagt der RPD aus und was nicht?

Mit dem RPD kann man gut erkennen, wie sich die Bildpreise bei einer Agentur und/oder die Honoraranteile eines Fotografen entwickeln. Das geht vor allem gut, wenn man sich den Verlauf anschaut, doch dazu später mehr. Außerdem ist der RPD hilfreich für die Leute, die wissen wollen, wie viel sie durchschnittlich pro Verkauf bekommen.

Der RPD sagt hingegen nichts über den wirtschaftlichen Erfolg einer Bildagentur aus, weil es nur um den Durchschnittserlös pro Verkauf geht, nicht um die Gesamteinnahmen oder die Bildmengen. Zum Beispiel erziele ich bei einigen Agenturen, die in der Liste hier weit unten stehen, deutlich höhere monatliche Umsätze als mit den oben genannten Agenturen, weil ich dort einerseits mehr Bilder habe und diese Agenturen zu niedrigeren Preisen andererseits absolut viel mehr verkaufen.

Aber erst mal meine Top-20-RPD-Liste für 2012:

  1. Coverpicture/Bildmaschine 40,27 €
  2. Zoonar 27,77 €
  3. Bildunion 23,35 €
  4. Stockfood: 20,12 €
  5. Imagepoint (Budget Line): 15,08 €
  6. Imagebroker 9,66 €
  7. Digitalstock: 7,00 €
  8. Panthermedia: 6,16 €
  9. Adpic 5,86 €
  10. Pitopia: 5,85 €
  11. Shotshop: 5,63 €
  12. Fotocent: 3,48 €
  13. Clipdealer: 3,37 €
  14. Veer: 1,99 $ (ca. 1,53 €)
  15. Fotolia 1,35 €
  16. Dreamstime 1,43 $ (ca. 1,10 €)
  17. Bigstock: 1,01 $ (ca. 0,78 €)
  18. iStockphoto: 0,78 $ (ca. 0,60 €)
  19. Shutterstock 0,68 $ (ca. 0,52 €)
  20. 123rf: 0,65 $ (ca. 0,50 €)

Einige Anmerkungen zur Liste: Bei den Agenturen, welche in US-Dollar auszahlen, habe ich den durchschnittlichen Umrechnungskurs für 2012 als Wechselkurs genommen, um die Währungen vergleichen zu können. Die Agentur Bildmaschine hatte sich im Laufe des Jahres 2012 in Coverpicture umbenannt. Sowohl Bigstock als auch 123rf haben für 2013 eine Änderung der Honorarstruktur angekündigt, die sehr wahrscheinlich zu einem weiteren Absinken des RPD führen wird.

Bei vielen Agenturen wie Bildunion, Shotshop, Fotolia, Shutterstock, iStockphoto oder Dreamstime hängt der Fotografenanteil von verschiedenen Faktoren wie erzielte Umsätze, angebotene Bildgröße, Ranking etc. ab. Bei Digitalstock, Zoonar und Fotocent können die Fotografen die Verkaufspreise (ggf. in vorgegebenen Rahmen) selbst festsetzen, was logischerweise den RPD beeinflusst.

Interessant ist es auch, die Entwicklung einiger RPDs zu verfolgen:

Die Microstock-Agenturen steigern sich sehr langsam und minimal, die Macrostock-Agenturen (nicht im Bild) schwanken auf einem hohen Level, während die ehemals dem “Midstock-Segment” zugeordneten Agenturen wie Panthermedia oder Shotshop rapide abgestürzt sind. Das ist größtenteils selbst verursacht. Zum Beispiel hat Shotshop im März 2010 günstigere Bildlizenzen eingeführt und  im Februar 2012 die Fotografenanteile gekürzt, was sich beides direkt in der Grafik niederschlägt. Auch Panthermedia senkte Ende 2009 stark die Bildpreise und führte Abonnements ein, was innerhalb von drei Jahren zu einer Halbierung des RPD führte.

Welche Bildagenturen haben bei euch den höchsten und niedrigsten RPD?

25 comments to Durchschnittliche Verkaufserlöse (RPD) bei Bildagenturen 2012

  • Interessant! Leider sagt das ja nicht viel über den Verdienst bei einer bestimmten Agentur aus.

    Wie bist du vorgegangen? Hast du die Eingenommene Menge durch die Anzahl an downloads dividiert?

  • @Daniel: So ähnlich, der RPD errechnet sich aus dem erzielten Summe durch die Anzahl der Verkäufe im beobachteten Zeitraum.

  • Eine Sortierung einiger deutscher Bildagenturen nach Gesamtumsätzen findet ihr übrigens in meinem Buch “Stockfotografie” auf Seite 459 (3. Auflage):
    http://www.amazon.de/gp/product/3826692012/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=3826692012&linkCode=as2&tag=riolyrics-21

  • Ich hab eben ein paar ausgerechnet
    bei mir liegen die meisten Agenturen sehr ähnlich
    Shutterstock 0,71$
    Zoonar 5,6€ (eine ganz andere Hausnummer)
    Shotshop 6,09€
    Alamy 121,51$
    Fotolia 0,88€
    Bisgstock 1,19$
    Dreamstime 1,09$
    123RF 0,75$

    bei Istock habe ich seit 2 Jahren keine Fotos mehr.

  • @Rob: Der Unterschied bei Zoonar kommt vermutlich die andere aktivierte Partner. Welche hast Du denn aktiviert? Bei mir wird da viel über Fotofinder/APIS und DDP verkauft.

  • Ich denke es liegt daran, daß ich keine Macrostock über Zoonar anbiete, DDP, AGE und Picturemaxx ist alles was ich über Partner bei Zoonar zulasse.
    Höchster Erlös war 25€ niedrigster 0,47€ über DDP. Allein der höchste Erlös erreicht nicht Deinen Durchschnitt ;)

  • @Rob: Stimmt, das hatte ich vergessen, ich habe da auch paar tausend Macrostock-Bilder…

  • Bei Imagebroker sieht es bei mir deutlich anders aus. Hier waren es bei mir im Jahr 2012 23,37€ im Schnitt. Allerdings habe dort das ABO deaktiviert.

  • NoName

    Genau genommen ist der Wert eher eine kalkulatorische Spielerei sofern
    ich nicht die Anzahl mit berücksichtige und zu einem absoluten Gesamtverdienst
    komme.

    Wirklich interessant wird es doch erst wenn ich meinen Stundensatz
    ermittle und ich – möglicherweise – feststelle dass ich unter dem
    diskutierten Mindeststundenlohn liege oder, immer weniger wahrscheinlich,
    weit darüber.

  • @Michael: Abos habe ich bei Imagebroker ebenfalls deaktiviert.

  • @Michael: Ich wollte eben kontrollieren, ob die Abos bei mir wirklich deaktiviert sind, aber ich finde nirgends was. Wo steht das denn?

  • @NoName
    2012 lag mein Stundensatz bei ca.8-10€.
    Ist natürlich nicht viel und schwierig zu ermitteln, da ich keine Bilder speziell für den Verkauf produziere.
    In den Stundensatz für die Bilder die ich zum Verkauf anbiete sind enthalten:
    -Erstellung der Aufnahme
    -Berabeitung der Verkaufsbilder
    -Verschlagwortung
    -Hochladen mit Beschreibung
    -Rechnungen erstellen und Aufbereitung der Bilder bei Privatverkauf

  • @Robert: Habe jetzt auch nachgeschaut. Auf der neuen IB-Seite sind keine Einstellungen für das ABO zu finden. Auf der “alten” hatte ich diese deaktiviert. Ich hoffe, das ist immer noch so.

  • @Michael: Okay, dann bin ich doch nicht blind geworden. :-)

  • NoName

    @Michael

    Wenn man Kosten für Altervorsorge, Krankenversicherung, Equipment etc. mitrechnet
    bleibt nicht viel, ich gehe immer von einer selbständigen Tätigkeit aus.

    Als Nebenberuf oder just for fun mag es aber gehen.

  • max II

    Interessant an de Statistik find ich vor allem die Anpassung nach unten. Ich dachte immer Microstock wird sich mit Midstock langsam in der Mitte treffen. Scheinbar sieht es aber anders aus.
    Selbst Makrostock wie Imagebroker, oder Stockfood sind auf einem so niedrigem Level, wo ich die nicht erwartet hätte.

  • professioneller fotograf

    Ganz ehrlich: da kann ich nur lachen über solche Erlöse. Klar, für Geknipse gibt es nicht viel Kohle. Aber wer verkauft Bilder für Mini-Euro-Beträge und kann auch noch davon leben? Ich sehe eher, das der billig-Stockberreich Preise und mitunter Existenzen kaputt macht. Zum Glück betrifft es mich nicht, aber diese Entwicklung finde ich persönlich sehr erschreckend. Ich kann no Name nur beipflichten… Zieht KV, steuern und equipment ab. Was bleibt? Wenn ihr ehrlich seid, und brav obiges zahlt: sicher nichts

  • Walter

    @professioneller Fotograf:
    Neid oder nur Frust? ;-)

    Es gibt genug Leute, die davon leben können. Das kannst Du jetzt glauben oder auch nicht. Warum liest Du überhaupt einen Blog der fast ausnahmeslos über Microstock berichtet? Wenns Dich in Deinem Bereich ohnehin nicht stört – tschüß war nett! ;-)

  • Walter

    @professioneller Fotograf:
    Hab ich vergessen: Wenn Microstock Existenzen kaputt gemacht haben sollte – dann war man nicht gut genug oder nicht flexibel genug. ;-)

  • Susan

    Spannende Diskussion hier im Forum. Ich finde es wirklich spannend, wenn hier einmal eine gute Diskussion entstehen kann. Ich muss mich aber auch auf die seite von professioneller Fotograf un noname schlagen. ihr verkauft hier bilder für 50 ct??? darf man fragen, wie oft sich ein solches bild verkauft? angenommen, ihr stellt ein bild bei verschiedenen portalen rein: Ihr macht Euch doch die Preise selber kaputt?! warum sollte ein bildnutzer in Zukunft bei shutterstock für “teuer” Geld Bilder kaufen, wenn er es bei 123xy für 50 ct hinterhergeworfen bekommt? Ich fände es super, wenn einmal eine ehrliche, offene Diskussion geführt werden kann – wo auch einwürfe wie von noname oder professionellerFotograf angebracht sind und respektiert gehören – nicht wahr, Walter?. Das ist ja fast wie bei den friseuren. Einer fängt an, für 10 € zu schneiden und macht dann die guten Friseure (und die sind wirklich besser) kaput, indem unter Tarif bezahlt wird, der Meister nur zum SChein im Laden arbeitet und eigentlich nur für den Titel bezahlt wird. Und so weiter und so fort…. Oder wenn Amazon alle anderen Händler zerstört…

  • Walter

    @susan:
    Es gab hier schon etliche Diskussionen darüber, wie auch im Forum von Robert, im alten oder im englischen Forum. Das kann man nachlesen oder googlen. Auch darüber, was man wirklich verdienen kann. Und das ein Bild nicht einmal bei Shutterstock 50 Cent sondern mehr bringt. Und warum man sich die Preise durch verschiedene Agenturen trotzdem nicht selber kanibalisiert. Um den Markt zu erforschen, muss man sich ein wenig Zeit nehmen.

    Selbstverständlich akzeptiere ich andere Meinungen. Wenn mir aber der “professionelle Fotograf” gleich mit: “für Geknipse gibt es nicht viel Kohle” kommt, nehme ich mich auch nicht allzu sehr zurück. Und auch den dezenten Hinweis, das hier nur Steuerhinterzieher oder Leute die nicht rechnen können am Werk sind, nehme ich persönlich. Bei dieser Gelegenheit: Ich habe die Fotografen-Meisterprüfung und bin seit 30 Jahren selbständig und mache seit 21 Jahren Stockfotografie.

    Zu deiner Frage: Mein bestes Microstockbild hat bisher mehr als 3500 Downloads. Viele sind über der 1000er Grenze. ABER: Das ist KEIN üblicher Durchschnittswert. Ich mache sonst nichts anderes, und habe weit mehr als 10.000 Bilder online. Bin also sicher nicht der “durchschnittliche Microstocker”.

    Deine Meinungen zum Thema Frisör, Amazon etc. sind richtig. Das nennt man Marktwirtschaft. Warum Leute zum schlechten, billigen Frisör gehen und damit den guten ruinieren? Ich weiß es nicht! Dort solltest Du ansetzen. Erkläre den Kunden der Micros, der billigen Frisöre oder der online-Handler dass sie keine billigen Bilder/Frisuren/Bücher kaufen sollen. Es bringt nichts, die Anbieter in die Pflicht zu nehmen. Die bieten nur etwas an, was andere wollen. Und wenn sie es selber nicht machen, machen es andere. Die Technik hat sich in den letzten 10 Jahren im Fotosektor und im Internet rasant entwickelt. Wir alle werden sie nicht aufhalten können. Der Gedanke daran ist Sozialromantik. Ich bin Geschäftsmann. Ich habe nichts dagegen, wenn die Bilder wieder teurer werden. Wenn Du ein wenig hier im Forum blätterst, wirst Du auch herausfinden, dass ich von Makroagenturen komme. Ich habe mich nur dem Markt angepasst.

    Such mal den Artikel “Try Makrostock” hier. Da wird Dir dann geholfen.

  • Zunächst einmal gratuliere ich zu diesem interessanten Blog.

    Zu der These der großen Schwankungen bei Macrostock-Agenturen und zur Beantwortung der Frage nach den eigenen Erfahrungen will ich mitteilen, dass ich bei zwei der hier genannten Macrostock-Agenturen mit einem extrem kleinen Portfolio (Fotografie ist nur noch Hobby), daher im Ergebnis ohne nennenswerte Erlöse, über einen Zeitraum von einigen Jahren einen doppelten bis vierfachen RDP erziele bzw. erzielt habe.

  • Thorsten

    Da ich fast nur Grafiken einstelle bin ich hier sicherlich eine kleine Ausnahme. Dennoch beobachte ich, dass der sogenannte preisbewusste Kunde in mehreren, auch höherpreisigen Bildportalen sucht und dann das gefundene Motiv/ Bild in preiswerten Agenturen recherchiert. Sollte er es dort finden, dann erfolgt der Zuschlag. Nun meine Frage an euch, ist es sinnvoll seine Bilder in mehreren Agenturen aus besagten Gründen aber auch wegen der Googlesuche einzustellen?

    Gruss Thorsten

  • Gibt es für das Jahr 2013 auch die gleiche Übersicht oder ist diese noch geplant?

  • @Martin: Habe ich aktuell nicht geplant…

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