Geld verdienen mit Pinterest am Beispiel von Spotify

Beim Thema Urheberrecht schlagen die Wellen derzeit hoch.

So wundert es nicht, dass die Kommentare zu meinem Artikel über die systematischen Urheberrechtsverletzungen bei Pinterest sehr heftig ausfallen. In beide Richtungen.


Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen, da ich als Digital Native einerseits mit digitalen Nutzungsrechten andererseits mein Geld verdiene.

Einer der Argumentationsstränge zum Thema Pinterest ist ja, dass die Daten nur digital vorliegen und man sie deshalb nicht „stehlen“, „rauben“ oder „klauen“ könne, sondern nur „kopieren“. Da würde keinem ein Schaden entstehen und deshalb sei das alles halb so wild. Exemplarisch dafür steht zum Beispiel dieser Kommentar:

„Es gibt nur Kopien. Der Computer kann nicht mal “öffnen” ohne Kopien. Die Kopie ist der natürliche Zustand digitaler Daten.

Es ist also ziemlich zwecklos, sich über digitale Kopien aufzuregen. Sie sind unvermeidlich und jedes Geschäftsmodell, dass auf der Einschränkung von Kopien aufbaut, muss notwendigerweise scheitern.

Das ist sicher nicht schön zu hören, aber irgendwer muss euch doch mal dezent darauf hinweisen.

Gesetze im Staat werden nicht dauerhaft gegen Produktivitätssteigerung erlassen. Und wer gegen Kopien ist, muss Rechner wegschmeißen. Das kann sich aber keiner leisten. So wichtig sind Fotograf_innen nicht.“

Dabei zieht die Analogie nicht.

Denken wir mal an ein Buch. Niemand fordert ernsthaft, dass gedruckte Bücher nichts mehr kosten dürften, weil da nur Informationen drin stünden. Bücher werden verkauft und gekauft und alle finden das normal. Nun nimmt aber die Verbreitung von Ebooks zu. Diese Bücher sind komplett digital und durch eine Kopie verliert die Ausgangsdatei nichts von ihrem Nutzwert. Nach der Logik der Pinterest-Fans und Urheberrecht-Piraten würden digitale Bücher nun für jeden kostenlos sein müssen, weil… siehe oben. Liegt der Unterschied zwischen dem Ebook und dem gedruckten Buch demnach nur in dem Papier, auf dem es gedruckt ist? Ist nur das Papier Geld wert? Der Autor, ohne den es weder Buch noch Ebook geben würde, kommt da überhaupt nicht vor, was – zumindest mir – zeigt, dass dieser Denkweise irgendetwas fehlt.

Aber lassen wir das.

Nehmen wir an, Pinterest wird nicht so ohne weiteres verschwinden. Wenn den Fotografen vorgeworfen wird, sie sollten sich gefälligst der neuen Zeit anpassen, möchte ich ein weiteres Denkmodell vorschlagen.

Vor paar Wochen startete der Musikstreaming-Dienst Spotify in Deutschland. Es gibt vergleichbare Anbieter, aber bleiben wir der Einfachheit halber bei Spotify.

Spotify basiert auf einem Freemium-Geschäftsmodell, wie auch Skype, Flickr oder XING. Das bedeutet, die Basis-Funktionen des Dienstes können kostenlos genutzt werden, wer Zusatzfunktionen oder Werbefreiheit haben will, zahlt eine monatliche Gebühr, bei Spotify 4,99 Euro oder 9,99 Euro im Monat.

Was hat das hier im Artikel zu suchen? Ganz einfach. Von digitaler Musik hieß es schon lange, dass sie sich nicht verkaufen lasse. Sie könne auch nicht geklaut werden, weil es alles nur Kopien seien. Erst kam Napster, dann Emule, Soulseek, Piratebay und wie die Filesharing-Netzwerke alle hießen. Trotzdem verdient sich Apple mit iTunes eine goldene Nase und auch bei Spotify scheint es möglich zu sein.

Die t3n hat vor einer Weile eine Beispiel-Rechnung über die Lukrativität von Spotify aufgestellt, die eher negativ ausfiel, aber in den Kommentaren zum Artikel wird das deutlich relativiert. Ich selbst habe mir nach drei Wochen Spotify-Gratishören einen Premium-Account gekauft, weil ich die Musik beim Arbeiten ohne Werbung und in besserer Soundqualität (320 kbs statt nur 160 kbs) hören will. Die Künstler, die bei Spotify gehört werden können, bekommen vom Kuchen auch etwas ab. Auf den ersten Blick wirken ca. 4 Cent pro gestreamten Album (für Musiker mit eigenem Label), aber das wären ca. 78 Album-Plays, bis das gleiche wie für einen CD-Verkauf verdient worden wäre. Das klingt nicht mehr ganz so unrealistisch, zumal berücksichtigt werden muss, das die Spotify-Hörer für ihr Geld die Songs nur so lange besitzen, wie sie ihr Abonnement haben. Beim CD-Kauf könnten sie die CD weiterverkaufen, verschenken oder deutlich häufiger hören als 78 Mal, ohne den Künstler extra bezahlen zu müssen. Insgesamt ist das Abrechnungsmodell vielleicht noch nicht perfekt oder 100% fair, aber die Urheber bekommen Geld. Immerhin.

Anders sieht es bei Pinterest aus. Dabei gäbe es keinen Grund, das Spotify-Freemium-Modell nicht auf den Bildertausch-Service zu übertragen.

Stellen wir uns das vor:
Pinterest bietet einen kostenlosen Gratis-Dienst, der mit Werbeinblendungen und -anzeigen ist und außerdem die Anzahl der Pin-Boards und der gesamten eigenen Pins limitiert und nur eine begrenzte Zahl an „Re-Pins“ pro Monat erlaubt. Gegen Zahlung von 9,99 Euro im Monat fällt die Werbung weg und die Einschränkungen ebenso. Im Gegenzug würde jeder Urheber eines gepinnten Bildes pro „Pin“ 2 Cent erhalten. Das ist jetzt noch nicht komplett ausgereift, aber warum sollte es nicht möglich sein? Spotify, Flickr und viele andere Dienste etc. zeigen doch, dass Kunden durchaus bereit sind, Geld für urheberrechtlich geschützte Werke auszugeben, wenn das Angebot stimmt.

Interessanterweise gibt es Abo-Modelle für Bilder bei Bildagenturen auch schon lange, aber kein Privatnutzer kommt auf die Idee, ein solches Abo abzuschließen, um diese Bilder bei Pinterest einstellen zu können. Vielleicht sollten Bildagenturen Web-Auflösungen von Bildern mit dezenten Wasserzeichen für die Privatnutzung im Internet als günstiges Jahresabo anbieten?

Hier schließt sich übrigens der Kreis: Für gedruckte Bücher gibt es seit langem ein sehr ähnliches System: Benutzer können beliebig viele Bücher gratis ausleihen, wenn sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Das nennt sich dann Bibliothek.


Wenn es mit Büchern und Musik funktioniert, warum dann nicht auch für Bilder? Was meint ihr?

10 Gedanken zu „Geld verdienen mit Pinterest am Beispiel von Spotify“

  1. Bei Pinterest werden die Bilder „ausgestellt“ für die Pinterest nichts bezahlt hat. Ich weiß es nicht wie Pinterest-Betreiber ihr Geld verdienen, aber ich schätze mal mit Werbeeinnahmen. Das würde aber heißen, sie verdienen Geld mit Werken anderer, ganz einfach. Die logische Konsequenz ist hier, dass Pinterest ein Teil ihres Umsatzes an die jeweiligen Künstler und die Produzenten weiterleiten müssen – ist das nicht der Fall, handelt es sich um Diebstahl. Im Prinzip nichts anderes was der Kim Schmitz all die Jahr getrieben hat.

  2. Die Idee finde ich prinzipiell gut. Nur: Ein Song dauert 3-5 Minuten, ein Buch beschäftigt mich tagelang. Leider sind Bilder für viele nur eine KURZE visuelle Aufwertung eines Produktes. Den Wert als solchen erkennt der typische Pinterest-Nutzer (privat) wohl kaum. Wie schon mal irgendwo (ich glaube hier als Kommentar) gelesen, ist im Stockmarkt schon lange ein Umdenken fällig. Neue Bildformate (temporäre Nutzbarkeit der Daten), neue internationale Urheber-Kennzeichnungsgesetze (wer, wenn nicht die Bildagenturen könnte dies durchsetzen, sind doch diese international tätig – einzelne Länderregelungen bringen nichts. Ich ginge sogar soweit Bilder unter gewissen Bedingungen für facebook, google+, pinterest für private Nutzung freizustellen, aber Strafen bei Nichteinhaltung (kommerzielle Verwendung) dieser zu fordern.
    Eine Urheberkennzeichnungspflicht ALLER Bilder ab einem gewissen Datum (Filme, Flash, Illustrationen, Zeichnungen) – überall – auf jedem Medium – würde Klarheit bringen. Klingt radikal und revolutionär, aber wenns halt so ist, gewohnt man sich schon dran.

  3. Ich denke hier geht einiges durcheinander. Die Vergleichbarkeit von Musik und Fotos ist nicht schlüssig.

    Ohne jetzt Zahlen parat zu haben, gehe ich davon aus, dass die Haupteinnahmequelle der Musik der private Sektor ist. Lizenzierungen (Radio / Fernsehen / Schützenfeste) spielen sicher eine untergeordnete Rolle.

    Bei der Fotografie ist es umgekehrt. Die private Nutzung spielt eine untergeordnete Rolle, die werbliche / redaktionelle Nutzung ist die Haupteinnahmequelle der Fotografen, die ihre Bilder im Netzt einstellen. Während der Privatsektor für die Erstellung von Fotos bezahlt (Hochzeiten / Portraits) und in der Regel damit nur einen rein privaten Gebrauch verbindet, ist es in dem geschäftlichen Bereich völlig anders. Hier wird zunehmend auf ein extrem günstiges bis kostenloses Material zurückgegriffen. Um es nochmal zu verdeutlichen – wir sprechen hier von dem digitalen Angebot.

    Um so schwerer verständlich die Forderung nach einer Reformation des Urheberrechtes. Die überwiegend illegale Nutzung von Bildern geschieht im geschäftlichen Sektor, nicht im privaten. Natürlich gehören auch Blogs, die eine Gewinnabsicht haben, zu dem geschäftlichen Sektor, unabhängig von ihrem wirtschaftlichem Erfolg.

  4. So spannend das Geschäftsmodell aus Deiner Sicht klingt…so gibt es doch noch einiges zu Bedenken:

    – Spotifiy verdient Geld indem sie es den Nutzern sehr einfach machen, das zu bekommen was sie wollen: Musik. Viele Menschen sind heute nicht mehr bereit, die „Mühen“ eines CD-Kaufs (inkl. anschließendem Rippen für den iPod) oder das „stehlen/kopieren“ von MP3s auf sich zu nehmen. Spotify ist schlicht „convenient“. Du zahlst, weil es für dich das bequemste its. Nicht, weil Du willst, dass die Künstler ihren gerechten Anteil bekommen. Das Angebot an Fotografie ist aber derzeit meiner Meinung nach zu groß, zu convenient und zu wenig reguliert, als dass ein entsprechendes Marktmodel („Ich stelle bequem Bilder anderer Leute aus und zahle dafür Geld“) Erfolg haben könnte.

    – Spotify hat Lizenzverträge mit großen Labels abgeschlossen – etwas vergleichbares gibt es im Fotografieumfeld meines Wissens nicht (es sei denn, man würde Microstocksites oder Agenturen wie Getty als Äquivalent sehen). Das überwältigende Gros der Fotografen hat seine Bilder aber nicht Verwertern übergeben. Du bist die Ausnahme 🙂 Die überwältigende Mehrheit aller Bilder stammen von Privatpersonen oder kommerziellen Websites (deren Eigner die Bilder möglicherweise bei einer Agentur gekauft haben). Diese extreme Zersplitterung der Angebotsseite verkompliziert alles erheblich.

    – Da mit Pinterest Geld an Fotografen auszahlen könnte, müssten diese ja bekannt sein. Sie müssten also jedes ihre Bilder mit Kontaktinformationen versehen haben, die es Pinterest ermöglicht Geld an die Urheber auszuschütten. Nutzer, die Bilder pinnen müssten diese Informationen unverändert lassen (und nicht etwa die IPTC-Felder leeren…oder gar durch ihre eigenen Kontaktinformationen ersetzen).

  5. Bilder sind was anderes als Musik. Nicht nur von der Art, wie wir sie verwenden, sondern auch vom Wert, denen wir ihnen gefühlt beimessen.

    Wenn es für Bilder sowas geben soll, dann muss es etwas sein, was wirklich auf Bilder ausgerichtet ist. Methoden von Musik oder Video werden sich nicht übertragen lassen.

  6. @Sam und Martin: Na ja, auch Flickr „handelt“ mit Bildern und hat neben der kostenlosen Basis-Version eine Bezahl-Premium-Variante.

  7. und was kommt als Nächstes? Ob flickr, youtube, pinterest oder Apple mit seinen MP-3-Dateien – die ganzen Online-Plattformen, die mit Bildern, Videos, Musikdateien Geld verdienen bzw. Werbeeinahmen generieren, überschwemmen allmählich den Markt.

    Ich bin gespannt, ob sich pinterest für den Künstler lohnt. Es ist eben auch ein Überangebot an Informationen im Netz vorhanden. Falls sich Fotografen, Texter oder Journalisten um das Thema Existenzsicherung irgendwann keine Gedanken mehr machen müssten, dann wäre ich gerne bereit, über das Thema Kopie und digitales Urheberrecht eine andere Denkweise zu entwickeln.

    Falls das Geld keine Rolle mehr spielen würde, dann wäre es ja auch möglich, seine Bilder „just for fun“ oder rein aus künstlerischen Ambitionen auf der eigenen Website zu posten oder der Öffentlichkeit auf anderen Plattformen zugänglich zu machen.

    Aber momentan sieht die Sache eben anders aus. Und bei pinterest glaube ich eher nicht daran, dass sich das für den Fotografen irgendwie lohnt.

  8. Pinterest verdient sein Geld mit Links zu Online-Shops/Anbietern aus denen die gepinten Bilder stammen. Fotografen müssten zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon ihr Geld verdient haben.

    Wenn Pinterest später noch ein anderes Geschäftsmodell entwickelt Freemium z.B. bezweifel ich stark, dass die Einnahmen bis zu den Erschaffern der Bilder durchschlagen werden.

    Noch einen Hinweis zur Musikbranche. Es hat nie jemand ernst zunehmend behauptet, mit digitaler Musik im Internet lasse sich kein Geld verdienen – ausser der Musikbranche. Deshalb war das Feld unbearbeitet und Apple kann jetzt 30% des Geschäftes für sich einfahren. Das Funktionieren von iTunes ist der Beweis, das man „nur“ ein markt- und dem technischen Möglichkeiten angepasstes benötigt schon verdient man Kohle.

  9. Zu den Fragen bezüglich der Bücher: Druck, Material, Logistik, Vertrieb und Handel von Büchern ist natürlich ein großer Teil der bisherigen Wertschöpfung. Ich würde mal vermuten, der liegt bei 40-70%.

    Mit E-Books fällt dieser Teil der Wertschöpfung fast komplett weg. Entsprechend niedrig müsste der Preis eines E-Books sein. Es se denn, neue Geschäftsmodelle bieten einen Mehrwert und Komfort für den E-Leser. Ich hoffe für die Buchbranche, dass sie selbst das Modell findet.

    Übrigens finde ich die Idee für eine persönliche Buchflatrate eine guten Ansatz.

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