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Tutorial: Lichtaufbauten für Stockfotos (Leseprobe von „Light & Shoot“)

Viele Leser meines Blogs interessieren sich für konkrete Lichtaufbauten mit Skizzen und den fertigen Fotos, damit sie mehr über Beleuchtung lernen können. Einige Artikel habe ich dazu hier, hier oder hier im Blog, aber es gibt auch einige Bücher, die nur solche Setups vorstellen. Aus dem jüngst erschienenen Buch „Light & Shoot – Fashionfotografie in der Praxis„* von Chris Gatcum (mitp Verlag, 2012) möchte ich euch deswegen heute zwei der Kapitel als Leseprobe vorstellen:

Kapitel: Stock (Seite 30-31)

Vermutlich denkt man im Zusammenhang mit Modefotografie nicht automatisch an Stock-Fotografie – zumal nicht, wenn man sich wirklich kreative Modeaufnahmen vorstellt – aber genau damit bestreitet Fotograf und iStockphoto-Prüfer Alexey Ivanov seinen Lebensunterhalt.

Mit nahezu 20.000 Downloads aus seinem Portfolio in den letzten drei Jahren und einzelnen Bildern, die sich Hunderte Male verkauften, kann man leicht erkennen, wieso dieser russische Profi gern auf dem Stock-Fotografiemarkt mitmischt. Viele von Alexeys Modeaufnahmen zeigen einen ähnlichen Stil wie das hier abgebildete Foto mit einem dunklen Hintergrund und einer scheinbar harten Beleuchtung. Auch wenn die Anordnung des Lichts von Aufnahme zu Aufnahme wechselt, beruht sie doch oft auf der gleichen fundamentalen Technik: silberne Reflektoren und reflektiertes Licht.

»Diese Studioanordnung besteht aus zwei Lichtquellen und einem silbernen Reflektor. Das erste Licht ist ein silberner Beauty-Dish links neben der Kamera, der direkt auf das Motiv gerichtet ist. Obwohl der Beauty-Dish ein diffuses Licht liefert, maximiert der silberne Reflektor den Blitz. Die Nähe zum Model verhindert, dass das Licht zu weich wirkt, wie es bei einer Softbox der Fall wäre. Das zweite Licht ist ein Blitz mit Barndoors, der rechts vor dem Model positioniert wird. Mithilfe der Barndoors kann ich die Kamera und das Model vor dem Licht abschirmen und es in den silbernen Reflektor lenken, der dadurch zur Lichtquelle wird. Die Barndoors geben mir außerdem Kontrolle über das Licht im unteren Teil des Bildes, so dass ich weichere Schatten vor dem Hintergrund haben und eine weiche Vignette erzeugen kann.«

Draufsicht des Setups

Get The Look

Mit nur zwei mäßig leistungsstarken Monolights zum Ausleuchten seines Models scheint Alexeys Beleuchtung widersprüchlich zu sein: Sie zeigt harte Kanten, kommt aber von diffusen Lichtquellen. Der Grund dafür liegt in der Nähe der Lichter und des Reflektors zum Model. Wenn das Licht von seiner Quelle kommt, wird es durch die Atmosphäre, die es passiert, auf natürliche Weise gestreut. Je größer die zurückgelegte Strecke ist, umso weicher wird das Licht. Ist der Abstand zwischen Model und Beauty-Dish nur kurz und befindet sich der Reflektor auf der entgegengesetzten Seite, reist das Licht nicht besonders weit, so dass es kaum Möglichkeiten hat, sich zu zerstreuen und weicher zu werden. Beauty-Dish und Reflektor von Alexey erzeugen zwar ein natürlich diffuses Licht, ihre silberne Farbe und die dichte Positionierung verhindern aber, dass das Licht zu diffus wird, wodurch sich das faszinierende Paradoxon vom „harten, aber dennoch weichen Licht im Bild ergibt.

Perspektive des Setups

FOTOGRAF: Alexey Ivanov
KAMERA:
Canon EOS 5D Mk II
OBJEKTIV:
Canon EF 70 – 200 mm ƒ/2,8L USM @ 180 mm Brennweite
BLENDE:
ƒ/10
VERSCHLUSSZEIT:
1⁄125 s
ISO:
100
BELEUCHTUNG:

Bowens Gemini 500-Ws-Monolight mit silbernem Beauty-Dish
Bowens Gemini 500-Ws-Monolight mit Barndoors
Silberner Reflektor

Kapitel: Winterzauber (S. 106-107)

Für CT Pham – aka Phamster“ – hat der kreative Einsatz von Blitzgeräten Vorrang in der Mode- und Porträtfotografie. Dazu untersuchte er die Fotografen und Fotos, die ihn inspirierten, genauestens, analysierte den Lichtaufbau anderer Fotografen und überlegte, wie er dies selbst nachempfinden könnte.

„Diese Aufnahme war die erste für eine Serie basierend auf den vier Jahreszeiten – geplant hatte ich die schon lange. Inspiriert hatte mich der Fotograf Oleg Igorin, der etwas ähnliches geschaffen hatte, einfach kopieren wollte ich ihn jedoch nicht. Ich nahm das eher als Katalysator für meine eigenen Bilder.“

„Das Foto entstand in einer Tiefgarage. Eines Abends rückte ich dort mit einem Model, zwei Assistenten, drei Nikon Speedlights und einem einzigen AlienBees AB1600-Blitz mit Vagabond- Akkupack an. Ich verwendete den AB1600 als Hauptblitz mit einem 64-Zoll-Schirm und fügte zwei Speedlights hinzu – auf jeder Seite des Models eins – um den Glitter von beiden Seiten anzustrahlen. Beide Speedlights blitzten durch kleine Softboxen, eine mit Blau-, die andere mit Grünfi lter, um etwas Farbe ins Bild zu bringen. Ein drittes Speedlight stellte ich hinter dem Model auf und blitzte damit durch einen transparenten Schirm, um die Wand aufzuhellen und etwas Seitenlicht hinzuzufügen. Wegen des Unterschieds zwischen Zubehörschuh-Blitzen und Monolight musste ich den AB1600 auf 1/4 der Leistung reduzieren, während die Speedlights bei voller Leistung blitzten. Dann musste das Model nur noch den Glitter von seinen Händen pusten, während ich blitzte. Wir sind damals ganz schön viel Glitter losgeworden!“

Draufsicht des Setups

Get The Look

Vor Ort ist es sinnvoll, alle Blitzgeräte mit Batterien zu betreiben, wenn es keine Steckdose gibt –sofern Sie keinen Generator dabeihaben. Immer mehr Studio-Packs haben ein batteriebetriebenes Äquivalent, das Sie herumtragen können, es gibt sogar Akku-Packs für Monolights. Schreiben Sie jedoch den guten alten Zubehörschuh-Blitz nicht ab. Er bietet zwar weniger Leistung als Studioblitzgerate, aber in dunkler Umgebung ist das kein Problem – der Blitz wird auch dann noch das Umgebungslicht überstrahlen. Auch bieten immer mehr Unternehmen Zubehör für kleine Blitze an, so dass Sie mit Softboxen und Snoots arbeiten oder ein Stativ und einen Schirm als Reflektor verwenden können. Und Ersatzbatterien lassen sich auch leichter mitnehmen.

Perspektive des Setups

FOTOGRAF: CT Pham
KAMERA:
Canon EOS 5D Mk II
OBJEKTIV:
Canon 85 mm L
BLENDE:
ƒ/9
VERSCHLUSSZEIT:
1⁄160 s
ISO:
500
BELEUCHTUNG:

AlienBees AB1600 Monolight mit 64-Zoll-Schirm
Zwei Nikon Speedlights aus kleinen Softboxen (eine mit blauem, eine mit grünem Filter)
Nikon Speedlight in transparenten Schirm geblitzt

Haben euch die beiden Kapitel gefallen? Das ganze Buch kann zum Beispiel hier* für 24,95 Euro bestellt werden.

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Schnee und Fotos in Hamburg

Die letzten Tagen war ich mit meiner Freundin in Hamburg.

Hamburg 2009

Es ist eine schöne Stadt mit sehr freundlichen Menschen – in den vier Tagen wurden wir mindestens sechs Mal von Einwohnern gefragt, wo wir denn hin wollen und ob wir Hilfe benötigten. Wir haben uns nach einer Weile kaum noch getraut, auf den Stadtplan zu schauen. Ebenfalls typisch für Hamburg war das „Schietwetter„.

Hamburg 2009

Pünktlich nach unserer Ankunft im Hotel fing es zu schneien an. Das ermöglichte es mit immerhin, einige Winterfotos in der Hansestadt zu machen.

Hamburg 2009

Ein Profi denkt natürlich auch an seine Weiterbildung und so besuchten wir die Ausstellung „Gute Aussichten 2008/2009“ im Haus der Photographie in den Deichtorhallen. Dort wurden die neun Preisträger gezeigt, welche eine Jury aus über 100 Einsendungen von Hochschulen und Universitäten ausgewählt hatte.

Hamburg 2009
Für mich ist immer spannend, ob bei diesen Ausstellungen neue Trends zu beobachten sind, die ich kennen sollte. Basierend auf den gezeigten Arbeiten sah ich folgendes:

  • Das quadratische Bildformat gewinnt an Beliebtheit. Durch die Handy- und Digitalkamera-Bilderflut ermüden die bisherigen Formate und schon ein kleiner Formatwechsel kann wieder spannend wirken.
  • Das (Pseudo)-Dokumentarische dominiert. Von den neun gezeigten Künstlern hatte nur das Konzept von Markus Georg einen strengen Inszenierungscharakter. Alle anderen Arbeiten waren entweder komplett dokumentierend oder wurden mit Hinblick auf eine zu erzählende Geschichte teils dokumentiert. So zum Beispiel die beeindruckenden Fotos von Maziar Moradi, welche ihre iranische Großfamilie portraitiert hat. Die Szenen wirken wie zufällige Alltagsbegebenheiten, bei genauer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die Fotos allein wegen des Blitzaufbaus keine Schnappschüsse sein können.
  • Matte, sanfte Farben beherrschen die Bilder. Datzu passt, dass parallel zu „Gute Aussichten“ die Ausstellung „New Color Photography der 1970er Jahre“ gezeigt wurde, in der sich zwar von der S/W-Ästhetik abgegrenzt, die Poppigkeit der 1980er und 90er Jahre jedoch noch nicht erreicht wurde.

Hamburg 2009

Was sagt ihr zu den Fotos und den – vermuteten – Trends?

Hamburg 2009

Kalt und weiss – Fotos im Schnee

Nach meinem Urlaub und vor allem zum Jahrweswechsel fällt viel Papierkram an: Abrechnungen schreiben, Gutschriften verschicken, Überweisungen tätigen, Buchhaltung machen, Steuern klären. Klingt spannend? Genau… 😉
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Umso mehr habe ich mich gefreut, dass am Montagmorgen, als ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster geschaut habe, eine dicke Schneeschicht die Landschaft vor meinem Fenster bedeckte. So hatte ich einen guten Grund, die öde Büroarbeit noch etwas vor mich herzuschieben und stattdessen die Gelegenheit zu nutzen, draußen Fotos vom frisch gefallenen Schnee zu machen.

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Damit ich diese „Verschwendung“ meiner Arbeitszeit auch vor mir rechtfertigen konnte, musste ich darauf achten, dass ich nicht nur „schöne“ Schneefotos mache, mit netten Details und skurilen Anhäufungen, sondern sich die Fotos neben dem Thema „Winter“ auch anderen Konzepten zuordnen lassen.

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Wer Fotos im Schnee macht, merkt schnell, dass die automatische Belichtungsmessung der Kamera dazu neigt, unterzubelichten, da der Schnee so viel Licht abstrahlt, dass es den Belichtungsmesser irritiert. Ich habe konstant ca. eine 2/3-Blende überbelichtet, um das auszugleichen. Aber Achtung: Ab und zu sollte das Histogramm überprüft werden, um zu sehen, ob auf in den hellsten Bereichen noch Zeichnung vorhanden ist.

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Nach einer Weile fangen die Hände an zu frieren. Aber mit welchen Handschuhen lässt es sich am besten fotografieren? Einige schwören auf dünne Lederhandschuhe und andere auf fingerlose Handschuhe bzw. deren Pendant mit zuklappbarem Fingerteil. Ich bevorzuge Handschuhe mit Thinsulate-Isolation, auch wenn diese etwas dicker sind. Dafür halten sie die Finger lange warm und ich nehme etwas Grobmotorik bei der Handhabung meiner Kamera in Kauf.

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Nach den Händen machen erfahrungsgemäß die Batterien schlapp. Hier hilft nur: Wärme und viel Ersatz: Wer die Batterien oder Akkus bis zur Nutzung direkt am warmen Körper trägt (z.B. Hosentasche oder Jackeninnentasche), der kann mehr Bilder machen.
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Die beiden Fotos oben und unten sind ein gutes Beispiel, wie das Thema Winter mit dem Konzept „Verkehr“ verknüpft werden kann. Das Foto unten eignet sich bestimmt nicht als Poster für die Wohnzimmerwand, aber gut zur Illustration in Zeitschriften zum Thema „Verkehrssicherheit im Winter“.

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Habt ihr noch mehr Tipps für Winterfotos? Wie sehen Eure Winterbilder aus? Linkt zu Euren Flickr-Fotoalben oder Bildergalerien.