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Vermutungen über die neue Fotolia‐Suche

Vorgestern war es soweit: Der Tag, den vor allem exklu­si­ve Fotografen fürch­ten. Fotolia hat am Mittwoch kräf­tig an der Suchfunktion geschraubt und dabei die Ergebnisse kom­plett durch­ein­an­der gewir­belt.

Weil die Algorithmen, die hin­ter der Bildersuche ste­hen, bei jeder Bildagentur ein gro­ßes Geheimnis sind, kön­nen wir nur spe­ku­lie­ren. Nein, müs­sen wir sogar, denn die neue stan­dard­mä­ßig ein­ge­stell­te Relevanz‐Suche führ­te allein in den ers­ten bei­den Tagen zu gro­ßen Umsatzeinbrüchen, beson­ders stark bei exklu­si­ven Fotografen, die stär­ker als nicht­ex­klu­si­ve Fotografen auf das Einkommen ange­wie­sen sind. Fotografen berich­ten von Umsatzverlusten von -25 bis zu -60% in den letz­ten bei­den Tagen.

Mein Umsatzeinbruch der letz­ten Tage bei Fotolia

Das heißt in Euro umge­rech­net, wir reden hier von hohen drei­stel­li­gen bis nied­ri­gen vier­stel­li­gen Summen, die am Ende des Monats auf dem Konto feh­len.

Deshalb will ich ver­su­chen, die Suche etwas zu ana­ly­sie­ren, damit wir als Fotografen uns auf die neu­en Änderungen ein­stel­len kön­nen. Geholfen haben mir dabei die Diskussionsteilnehmer die­ses Threads im Stockfotografie‐Forum sowie eini­ge Fotografen per Mail, Chat und Telefon. Alles, was ich hier schrei­be, sind nur Vermutungen, die wir auf­grund unse­rer Erfahrung und eige­ner Testsuchen äußern.

Wer selbst eine Testsuche machen will, kann die Suchergebnisse der „Relevanz‐Suche“ mit den Ergebnissen der „Popularität‐Suche“ ver­glei­chen, weil die „Popularität‐Suche“ aktu­ell unge­fähr das zu sein scheint, was vor­her die Relevanz‐Suche war.

Warum ist die Relevanz‐Suche so wich­tig?

Die meis­ten Bildeinkäufer sind bequem und wol­len schnell Ergebnisse sehen. Deshalb tip­pen sie ein­fach paar Wörter und das Suchfeld einer Bildagentur ein und schau­en sich die Ergebnisse an. Als Standard für die­se Suche ist die „Relevanz‐Suche“ vor­ein­ge­stellt. Nur wer sich bes­ser aus­kennt oder genau weiß, wie die Suchen sich von­ein­an­der unter­schei­den, kann die Sortierung nach „Datum, Downloads, Preis oder Popularität“ manu­ell umge­stellt wer­den. Das nut­zen aber nur weni­ge Bildsucher, wes­halb es für die Fotografen wich­tig ist, mit ihren Bildern auf der ers­ten Seite der Suchergebnisse der Relevanz‐Suche ange­zeigt zu wer­den. Das ist ver­gleich­bar mit Firmen, die unbe­dingt auf die ers­te Seite der Google‐Suche kom­men wol­len, weil nur weni­ge Leute auf die fol­gen­den Seiten kli­cken.

Zuerst gilt es, zwei Dinge von­ein­an­der zu tren­nen: Die Sortierung der Suchergebnisse bei der Relevanz‐Suche und die Suchbegriffe selbst. Das hängt zwar mit­ein­an­der zusam­men, ist aber nicht das Gleiche.

Die Wichtigkeit der Suchbegriffe

Fast noch wich­ti­ger als die Qualität eines Fotos ist die Qualität der Suchbegriffe, weil die vom Suchalgorithmus benutzt wer­den, um brauch­ba­re Ergebnisse zu lie­fern. Die Übersetzung bei Fotolia war lan­ge Zeit, gelin­de gesagt, sehr schlecht, was dazu führ­te, dass die Suchergebnisse auf der deut­schen Seite mit deut­schen Begriffen kom­plett anders aus­sa­hen als auf der eng­li­schen Seite mit den glei­chen eng­li­schen Begriffen. Für deut­sche Fotografen, die – wie ich – in deutsch ver­schlag­wor­ten, war das eine Art Heimvorteil, weil der deut­sche Markt nach USA und England einer der größ­ten Bildermärkte ist und wir als Muttersprachler die bes­se­ren Schlagworte hat­ten.

Das ist nun anders. Sowohl bei deut­schen oder eng­li­schen Begriffen auf der deut­schen Fotolia‐Seite als auch bei deut­schen oder eng­li­schen Begriffen auf der eng­li­schen Fotolia‐Seite wer­den fast die glei­chen Bilder ange­zeigt. Das weist auf eine Veränderung der Übersetzungsfunktion hin. Ein wei­te­res Indiz: Während frü­her bei der Suche nach „Geld“ auf der deut­schen Seite so gut wie nur Euro‐Scheine ange­zeigt wur­den, wer­den jetzt ca. 20% Dollar‐Scheine oder ande­re Währungen ange­zeigt. Außerdem bekla­gen Fotografen, wel­che seit jeher in eng­lisch ver­schlag­wor­ten, kei­nen merk­li­chen Rückgang

Gestern gab es auch – sicher nicht zufäl­lig – einen aus­führ­li­chen Newsletter von Fotolia, der wich­ti­ge Tipps für die Verschlagwortung gibt. An ers­ter Stelle wird betont, dass weni­ge Suchbegriffe (ca. 10–15) meist zur Beschreibung eines Bildes aus­rei­chen. Das lässt ver­mu­ten, dass auch des­halb ande­re Bilder ange­zeigt wer­den, eben jene, die weni­ger als mehr Wörter benut­zen. Das kann jedoch mit­tel­fris­tig dazu füh­ren, dass „exo­ti­sche­re“ Keywords, die Fotografen eher an das Ende ihrer Liste set­zen, nicht mehr berück­sich­tigt und eben auch von Käufern nicht mehr gefun­den wer­den (Stichwort „Long Tail“).

Im Newsletter wird eben­falls betont, dass die Suchbegriffe nach Relevanz sor­tiert wer­den, also die vor­de­ren Suchbegriffe in einem Foto ein stär­ke­res Gewicht haben als die hin­te­ren. Das ist ein Problem für alle, die ihre Keywords in den Fotos alpha­be­tisch haben. Zum Beispiel sor­tiert Adobe Lightroom die Suchbegriffe auto­ma­tisch nach dem Alphabet, wäh­rend Adobe Bridge die Reihenfolge beim Eintragen intakt lässt. Das war für mich schon immer ein wich­ti­ger Grund, Bridge statt Lightroom zu nut­zen. Immerhin erklärt der Newsletter auch gleich, wie die Reihenfolge bei Fotolia nach­träg­lich geän­dert wer­den kann.

Die Änderung der Relevanz

In Stockfotografie‐Forum hat ein User nach­ge­zählt: Bei der neu­en Sortierung ergibt sich ein durch­schnitt­li­cher Startpreis von 1,37 Credits pro Bild, bei der alten Sortierung waren es 1,62 Credits. Es wur­de für den Käufer also ca. 15% bil­li­ger. Das muss aber nicht hei­ßen, dass das Absicht ist. Es könn­te zum Beispiel auch ein Nebeneffekt der oben erwähn­ten Keyword‐Kürze sein, denn die pro­fes­sio­nel­len Fotografen rei­zen das 50‐Wörter‐Limit eher aus als die Hobby‐Fotografen in den „unte­ren Rängen“, die wie­der­um sel­te­ner die Startpreise hoch­set­zen kön­nen. Auch für Fotolia könn­te das lukra­tiv sein: Immerhin ver­die­nen sie an den unte­ren Rängen mehr Prozente als bei Verkäufen der Top‐Fotografen. Trotzdem glau­be ich, dass die geän­der­te Relevanz‐Sortierung vor allem auf den geän­der­ten Umgang mit den Keywords zurück­zu­füh­ren ist. Ein Sprecher von Fotolia Deutschland wies dar­auf hin, dass Fotolia der­zeit an der genau­en Einstellung der Suche arbei­tet und sich die Ergebnisse in den nächs­ten Tagen noch ändern kön­nen.

Was tun als Fotograf?

Wer als Fotograf von merk­li­chen Umsatzeinbußen betrof­fen ist, kann aktu­ell ver­schie­de­ne Dinge unter­neh­men: Ihr könnt eure Keywords nach Wichtigkeit sor­tie­ren, falls ihr es nicht sowie­so schon gemacht habt. Ihr könnt schau­en, ob ihr die Suchbegriffe etwas redu­zie­ren könnt und über­le­gen, in eng­lisch zu ver­schlag­wor­ten. Wer beson­ders komi­sche Ergebnisse bei Bildsuchen oder bestimm­ten Suchbegriffen fest­stellt, soll­te sich auch per Kontaktformular an Fotolia wen­den.

Was tun als Bildkäufer?

Wer mit den Suchergebnissen bei der neu­en Relevanz‐Sortierung nicht zufrie­den ist, kann ver­su­chen, auf die „Popularität“-Sortierung umzu­schal­ten. Außerdem soll­ten ver­stärkt die Suchfilter auf der lin­ken Seite benutzt wer­den, mit denen z.B. nur nach Personenfotos, nur in bestimm­ten Kategorien, nach Farben und so wei­ter gesucht wer­den kann.

Was meint ihr? Welche Erfahrungen habt ihr mit der neu­en Fotolia‐Suche gemacht?
(Und auch falls ihr gera­de frus­triert seid: Bleibt bit­te sach­lich in euren Kommentaren.)

UPDATE 26.4.2013, 12:43 Uhr: Die Fotolia‐Suche wird anschei­nend gera­de aktua­li­siert.

Wie nutze ich Verschlagwortungs‐Tools am besten?

Im letz­ten Artikel habe ich 15 kos­ten­lo­se Tools zur Verschlagwortung für Stockfotografen vor­ge­stellt.

Diese Fülle an Tools kann einen erschlagen.Viele sind ähn­lich und des­halb ist nicht immer klar, wo deren Vorteile lie­gen. Ich selbst nut­ze am häu­figs­ten die Tools PicNiche, Findphotokeywords und das Keyword‐Tool von Google Adwords, mit etwas Abstand gefolgt von den eige­nen Verkauf‐Keywords der Bildagenturen, wie in Punkt 15 des oben ver­link­ten Artikels beschrie­ben. Diese Kombination deckt das brei­tes­te Spektrum an unter­schied­li­chen Methoden und Datenquellen ab.


Doch wor­in unter­schei­den sich die Tools?

Datenbasis

Grundsätzlich las­sen sich die Tools unter­schei­den, auf wel­che Daten sie zurück­grei­fen. Da gibt es die Anbieter‐Daten, das heißt, die Tools unter­su­chen, wel­che Begriffe ande­re Fotografen für ihre Fotos genutzt haben. Diese Methode nut­zen bei­spiels­wei­se PicNiche oder FindPhotoKeywords. Das ist inso­fern hilf­reich, weil die­se Fotografen sich schon Gedanken gemacht haben über Verkäuflichkeit, Synonyme und so wei­ter. Außerdem berück­sich­ti­gen die Tools häu­fig nur die meist­ver­kauf­tes­ten Fotos, was bedeu­tet, dass die Suchbegriffe schon gut zum Bild pas­sen müs­sen, sonst wären sie nicht so oft ver­kauft wor­den.

Der gro­ße Nachteil bei die­sen Daten ist der soge­nann­te „Keyword‐Inzest“. Es wer­den immer die Begriffe der glei­chen, weil belieb­tes­ten, Fotos kopiert, was zu einer sehr star­ken Häufung eini­ger Suchwörter führt, wäh­rend ande­re kaum erwähnt wer­den. Außerdem senkt es etwas die Verkaufschancen der eige­nen Bilder, weil die­se mit Keywords kon­kur­rie­ren, für die ande­re Fotos längst deut­lich höher im Suchranking der Bildagenturen lie­gen.

Die zwei­te wich­tigs­te Datenquelle sind Sucher‐Daten. Das bedeu­tet, dass Suchbegriffe ana­ly­siert wer­den, die tat­säch­lich von Leuten in Suchmaschinen ein­ge­tippt wur­den. So arbei­ten die Tools von Semanger oder dem Keyword Tool von Google Adwords. Der Vorteil die­ser Daten ist, dass Leute die ange­zeig­ten Wörter tat­säch­lich ver­wen­den. So lässt sich zum Beispiel her­aus­fin­den, ob die Leute bei einem Brötchen‐Foto eher nach „Semmel“, „Schrippe“, „Wecke“ oder „Rundstück“ suchen wür­den. Da aber nicht jeder, der etwas in eine Suchmaschine ein­tippt, auch Fotos kau­fen will, sind die Daten noch bes­ser, wel­che tat­säch­lich von Bildsuchern erzeugt wur­den. Diese Datenbasis nutzt bei­spiels­wei­se das „Keywords Trends“-Tool von Shutterstock.

Sehr ähn­lich sind die Daten, wel­che durch die Suche in oder Verkäufe von eige­nen Bildern gene­riert wer­den. Dreamstime, Shutterstock und Bildmaschine zei­gen den Fotografen zu ihren eige­nen Verkäufen oder Bildern an, wel­che Begriffe dafür ver­wen­det wur­den. Das ist beson­ders nütz­lich, um die Reihenfolge der Wichtigkeit für die eige­nen Keywords zu bestim­men, da eini­ge Bildagenturen wie Fotolia oder Panthermedia den ers­ten Suchbegriffen eine grö­ße­re Relevanz ver­lei­hen. Der Nachteil hier ist, dass meist nur Begriffe berück­sich­tigt wer­den, die ohne­hin von einem selbst ver­wen­det wur­den. Das wie­der­um hat aber den Vorteil, dass man auch erken­nen kann, wel­che Begriffe über­flüs­sig sind. So kann Platz für bes­se­re Suchbegriffe geschaf­fen wer­den.

Sprache

Die meis­ten Tools funk­tio­nie­ren nur auf eng­lisch, was für deut­sche Stockfotografen ein klei­ner Nachteil sein kann. Einige Tools gibt es immer­hin auch auf deutsch und ganz weni­ge unter­stüt­zen sogar sehr vie­le Sprachen. Knifflig wird es jedoch bei der Übersetzung, denn auch die deut­schen Suchbegriffe sind bei vie­len Agenturen nur schlech­te Übersetzungen aus dem Englischen (sucht mal bei der deut­schen Fotolia‐Seite nach „ent­le­buch“). Deshalb gilt: Genau auf­pas­sen, ob der Begriff wirk­lich so passt und Übersetzungen mit­tels Google Translate oder LEO über­prü­fen.

Bedienbarkeit

Die aus­drück­lich für Stockfotografen ent­wi­ckel­ten Tools las­sen meist zu, dass der Nutzer von den vor­ge­schla­ge­nen Keywords nur bestimm­te Wörter mar­kie­ren, eige­ne hin­zu­fü­gen und die fer­ti­ge Liste expor­tie­ren kann – meist in die Zwischenablage. Andere Tools, die eher für die Recherche gedacht sind, erlau­ben das nicht. Hier muss der Nutzer selbst tip­pen oder „Copy & Paste“ bemü­hen. Ich nut­ze sehr ger­ne das Firefox‐Plugin „Extended Copy Menu“, was mir die erlaubt, Text direkt ohne Formatierung in die Zwischenablage zu kopie­ren. Entgegen der Meldung auf der Firefox‐Addon‐Seite funk­tio­niert das Plugin tadel­los mit Firefox 7.

Zwei der genann­ten Tools sind Programme zum Runterladen, die natür­lich nur auf bestimm­ten Betriebssystemen funk­tio­nie­ren, meist Windows, manch­mal Mac, fast nie auf Linux. Die rest­li­chen Tools sind über Webseiten abruf­bar, sodaß sie fast unab­hän­gig vom benutz­ten Betriebssystem funk­tio­nie­ren. JavaScript muss im Browser bei den meis­ten Tools jedoch akti­viert sein, damit sie bedien­bar sind, das schränkt die Nutzung auf mobi­len Geräten oft etwas ein.

Wie ver­schlag­wor­te ich?

Im Grunde bin ich da sehr alt­mo­disch und bedie­ne mich einer Textdatei, in die ich die Suchbegriffe alter Fotos von mir kopie­re und nach Bedarf in neue Fotos ein­fü­ge. Wenn ich jedoch Motive ver­schlag­wor­ten soll, die ich noch nicht im Portfolio haben oder die eine Auffrischung brau­chen, nut­ze ich meist zuerst PicNiche und Findphotokeywords. Beide kom­men ganz gut mit deut­schen Begriffen klar und zusam­men die Treffer nach einer manu­el­len Auslese einen soli­den Grundbestand an Suchbegriffen.

Da die Übersetzung oft etwas holp­rig ist und der deut­sche Datenbestand immer klei­ner als der eng­li­sche ist, suche ich dann noch nach paar eng­li­schen Begriffen auf eng­lisch und schaue, ob ich die deut­schen Entsprechungen schon in mei­ner Liste habe.

Mit dem Keyword Tool von Google Adwords run­de ich das Set mit eini­gen Begriffen ab, wel­che hoch bei Google im Kurs ste­hen, weil sehr vie­le Bildkäufer erst über Google Images zu den Bildern in Agenturen gelan­gen.

Basierend auf den Daten der eige­nen Fotos sor­tie­re ich die ers­ten Begriffe nach Relevanz, damit die wich­tigs­ten Suchwörter auch am bes­ten bei den Bildagenturen abschnei­den. Zuletzt schaue ich, ob wie vie­le Keywords ich gesam­melt habe. Mein Ziel ist es, 30–50 Wörter zu fin­den. Bei weni­ger gehe ich die Schritte noch mal durch und nut­ze ver­stärkt Synonymdatenbanken, bei mehr strei­che ich solan­ge Wörter von der Liste, bis ich auf 50 Begriffe kom­me.

Dieses auf­wän­di­ge Verfahren durch­lau­fe ich natür­lich nicht für jedes ein­zel­ne Foto, meist aber schon min­des­tens 1–2 Mal pro Fotoserie zu einem Thema. Um inner­halb einer Serie bei Varianten gut ver­schlag­wor­ten zu kön­nen, ist dann das „Compare Keyword Lists“-Tool sehr hilf­reich, um schnell sehen zu kön­nen, wel­che Begriffe zwar in dem einen, aber nicht im ande­ren Foto vor­han­den sind.

Generelle Tipps zur Nutzung der Tools

Fotografen und Bildkäufer den­ken nicht iden­tisch. Das muss sich jeder immer wie­der ins Gedächtnis rufen, der sei­ne Fotos ver­schlag­wor­tet. Nur weil Fotografen bestimm­te Begriffe ger­ne ver­wen­den, heißt das nicht auto­ma­tisch, dass Kunden auch oft danach suchen. Sehr deut­lich wur­de mir das bei­spiels­wei­se bei Personenfotos, die Macrostockagenturen ger­ne nach die­sem Muster ver­schlag­wor­ten: „Frau, weib­lich, Europäer, 20–25 Jahre, 20–30 Jahre, jung, Twen, blond, lan­ge Haare, lang­haa­rig, ein­zel­ne Person“. Bis auf das Wort Frau wer­den die ande­ren Begriffe bei Microstock‐Agenturen jedoch viel sel­te­ner genutzt, teil­wei­se so sel­ten, dass ich nur noch einen Bruchteil der genann­ten Begriffe ver­wen­de. Wichtig ist des­we­gen, dass immer sol­che Quellen und Tools zu Rate gezo­gen wer­den, dass bei­de Seiten abge­deckt wer­den.

Auch wer nur die deut­schen Tools nutzt, darf nicht ver­ges­sen, dass die­se Begriffe meist eben­falls nur über­setzt aus dem Englischen sind, und des­we­gen geprüft wer­den muss, ob die­se gut pas­sen oder ob deut­sche Muttersprachler nicht ande­re Begriffe häu­fi­ger ver­wen­den. Auch anders­rum gilt das, denn deut­sche Fotos kön­nen – wenn man es rich­tig macht – auch von eng­lisch­spra­chi­gen Bildkäufern gefun­den wer­den.

Ein gutes Beispiel ist das Wort „Handy“. Im Englischen wird das Gerät meist „cell pho­ne“ oder im Britischen „mobi­le pho­ne“ oder nur „mobi­le“ genannt. Das bedeu­tet, dass der Fotograf auch das im Deutschen unüb­li­che­re „Mobiltelefon“ und „mobil“ und „Telefon“ in die Verschlagwortungsliste auf­neh­men soll­te, damit die teil­wei­se schlech­ten Übersetzungsprogramm garan­tiert die Bedeutung ver­ste­hen.

Die im Deutschen übli­che Zusammensetzung von Substantiven berei­tet Übersetzungsprogrammen eben­falls Probleme, weil die Datenbank sehr groß sein muss und es – je län­ger das deut­sche Wort wird – meh­re­re Bedeutungen ent­hal­ten kann. Ein kon­stru­ier­tes Beispiel: Ist ein „Hausmeisterfotograf“ ein „Fotograf der Hausmeister“ oder der „Meisterfotograf des Hauses“? Für die Praxis heißt das: Bei zusam­men­ge­setz­ten Wörtern dar­auf ach­ten, dass auch die Einzelteile sepa­rat in der Liste genannt wer­den.

Die Kontrolle der Länge ist auch eine gute Methode, um über­flüs­si­ge Suchbegriffe zu strei­chen: Je län­ger das Wort, des­to gerin­ger die Wahrscheinlichkeit, dass Bildkäufer es benut­zen wer­den.

Was für Tipps habt ihr noch zur Verschlagwortung?

Model‐Vertrag: Hinweise, Aktualisierung und Übersetzung

Ich arbei­te grund­sätz­lich mit einem Model‐Vertrag, der so for­mu­liert ist, dass ihn alle Bildagenturen, die ich belie­fe­re, auch akzep­tie­ren.

Leider bedeu­tet das, dass er eng­lisch­spra­chig ist, damit er welt­weit ver­ständ­lich ist. Deswegen habe ich jetzt mal einen Übersetzer beauf­tragt, damit er mir mei­nen Vertrag ver­bind­lich ins Deutsche über­setzt. Ich wer­de mir wei­ter­hin die eng­li­sche Version unter­schrei­ben las­sen, aber ich habe nun die Gewissheit, dass jedes Model min­des­tens die deut­sche Variante ver­steht. Wer will, kann die Übersetzung ja auf die Rückseite des eng­li­schen Vertrags dru­cken.

Vertrag mit Lupe lesen

Kenner der Materie wer­den mer­ken, dass mein Vertrag auf dem gene­ri­schen Model‐Vertrag von Yuri Arcurs basiert, den die­ser freund­li­cher­wei­se zur Verfügung gestellt hat. In letz­ter Zeit gab es jedoch Berichte, dass die­ser Vertrag nicht mehr aus­reicht.

Zum einen ver­langt istock­pho­to zum Beispiel seit einer Weile eine „Shoot Description“ (Beschreibung des Shootings), bei der es nicht aus­reicht „Stockfotos“ zu schrei­ben. Besser ist zum Beispiel „Portraitfotos im Studio mit diver­sen Requisiten“. Der Grund ist ein­fach: Die Beschreibung soll ver­hin­dern, dass ein Fotograf z.B. heim­lich Fotos vom Model beim Umziehen macht und die­se dann eben­falls anbie­tet.

Aus dem glei­chen Grund wer­den kei­ne Verträge akzep­tiert, die für einen län­ge­ren Zeitraum (Woche, Monat, Jahr oder das gan­ze Leben) gel­ten sol­len. Der Grund ist wie­der ähn­lich: Sonst könn­te es vor­kom­men, dass ein Fotograf vom betrun­ke­nen Model auf einer Party ein pein­li­ches Foto macht, von dem das Model nichts mit­be­kommt. Beide Fälle sind in der Praxis seriö­ser Fotografen zwar sehr unwahr­schein­lich, aber da es bei hun­dert­tau­sen­den Fotografen trotz­dem eini­ge schwar­ze Schafe gibt, sichern sich die Bildagenturen so ab und auch für das Model ist es siche­rer.

Zum ande­ren hat Getty Images vor ca. einem Jahr ihre Model‐Verträge so umfor­mu­liert, dass sie nicht nur für Fotos, son­dern auch für Videos gel­ten. Angesichts immer mehr DSLR‐Kameras mit HD‐Videofunktion ein sinn­vol­ler Schritt.

Deswegen habe ich in mei­ner Version des Modelvertrags auch ein Feld mit der Shooting‐Beschreibung und schlie­ße expli­zit Videos mit ein. Wer mei­ne Version nut­zen will, kann das ger­ne tun. Ich über­neh­me jedoch weder für die eng­li­sche noch deut­sche Variante die Verantwortung oder Haftung und gebe kei­ne Garantie. Wer aber Bilder von einer Bildagentur wegen die­ses Model‐Vertrags abge­lehnt bekommt, kann sich ger­ne bei mir mel­den.

Übrigens: Zwar ste­hen in dem Model‐Vertrag kei­ne Einschränkungen der Bildnutzung, aber dafür ste­hen die­se gan­zen Einschränkungen in den Nutzungsbedingungen der Bildagenturen selbst, aus­führ­lich in mei­nem Artikel „Stockfotos kau­fen: Verbotene Nutzungen“ beschrie­ben.

Was sind Eure Erfahrungen mit Modelverträgen bei ver­schie­de­nen Bildagenturen?

Frag den Fotograf: Englisches Wort für Textfreiraum

Ich erhal­te vie­le Mails, in denen ich die glei­chen Fragen gestellt bekom­me. Deswegen beant­wor­te ich eini­ge davon hier im Blog, um ande­re Leser dar­an teil­ha­ben zu las­sen.

Auf dem Weg
Kerstin aus Sachsen schrieb mir vor einer Weile:

Hallo Robert,
ich hät­te mal eine Frage an Dich, da Du ja auch ein Meister der Verschlagwortung bist:

Gibt es einen eng­li­schen Begriff für Textfreiraum?
All mei­ne Wörterbücher hel­fen mir dabei lei­der nicht wei­ter und auch im Internet habe ich nicht wirk­lich eine Lösung gefun­den…“

Wörterbücher hel­fen in die­sem Fall wirk­lich nicht wei­ter, es sei denn, jemand setzt sich mal hin und erstellt ein Branchenwörterbuch für die Stockfotografie.

Das erst mal die Antwort: Das eng­li­sche Wort für „Textfreiraum“ lau­tet „copy­space“, also wört­lich „Platz zum Kopieren“ von Text oder ande­ren Bildern. Einige schrei­ben das Wort zusam­men, ande­re aus­ein­an­der (copy space), aber übli­cher und bes­ser ver­käuf­lich ist die zusam­men­ge­schrie­be­ne Variante.

Einige Bildagenturen wie istock­pho­to las­sen sogar direkt nach die­sem frei­en Platz im Foto suchen. Soll er links oben oder unten in der Mitte sein? Genauer erklärt wird das von istockphoto‐Fotograf Sean Locke in einem Blogpost.

Warum ist das Wort Textfreiraum bzw. deren eng­li­sches Pendant so wich­tig in der Stockfotografie? Stockfotos wer­den häu­fig zur Illustration von Text benö­tigt. Wenn im Bild freie Flächen sind, hat der Designer mehr Spielraum, wo er die­sen Text plat­zie­ren soll oder wo er bei einer Werbeanzeige das Produkt, das Logo und den Werbeslogan unter­brin­gen kann. In einem Artikel zu Freistellern ist das an einem Praxisbeispiel gut zu sehen.