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Immer noch betrügerische Scam-Mails an Models im Umlauf

Ich hat­te schon vor vier Jahren an die­ser und die­ser Stelle vor Scam-Mails gewarnt, wel­che Models und Fotografen betrü­gen wol­len.

Da gera­de wie­der die nächs­te Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ anläuft und Models immer noch berich­ten, dass sie sehr frag­wür­di­ge Jobangebote bekom­men, die ein­fach zu gut klin­gen, um wahr zu sein, möch­te ich wie­der kurz ein Beispiel vor­stel­len, was ich hier im Forum der Model-Kartei gefun­den habe.

Die Masche des Tricks funk­tio­niert im Prinzip immer gleich, nur die Details ändern sich. Der Ablauf sieht meist so aus:

  1. Ein angeb­li­cher Fotograf, fast immer aus dem Ausland, fragt ein Hobby-Model, wel­ches sich bei der Model-Kartei, Stylished, Facebook oder einer ande­ren Plattform ange­mel­det hat, kurz per Privatnachricht o.ä., ob es Interesse an einem Shooting habe.
  2. Wenn das Model Interesse bekun­det und nach Details fragt, kommt eine sehr aus­führ­li­che Mail, in denen vie­le tol­le Sachen und ein hohes Honorar ver­spro­chen wer­den. Diese lau­tet z.B.

Hello [Name des Models],
Thank for your inte­rest and Nice rea­ding from you,here is more infor­ma­ti­on about the assi­gn­ment is a £1600 pay Fashion job (Assignment) for you, My cli­ent wants to update her Catalog with her new year release Fashion out­fits and to host one of the 2013 model event with her new fashion from Italy this assi­gn­ment is to encou­ra­ge the upco­m­ing models in the indus­try she is affi­lia­ted with the Academy Art, you don’t have to be worried about your expe­ri­en­ce or pre­sent look becau­se we have spe­cia­list sty­list and make artist who will bring the real beau­ty out of you, I’m a pro­fes­sio­nal photographer/Manager with 7years expe­ri­en­ced :). Find all details for the job below..

Job Location
The shoo­ting will hold at a ren­ted pho­to­graph­ers stu­dio in your loca­ti­on, so you don’t have to worry about tra­ve­ling ‚the name and address of the stu­dio will be for­war­ded to you befo­re the date of the shoo­ting, all make up will be taken care of in the stu­dio. You can come along with any body of your choice on the day of the shoo­ting, your mum, dad, fri­end, body-guard any­bo­dy you wish to come with just for you to feel more com­for­ta­ble.

Job details
You have 12 dif­fe­rent Fashion out­fits to cover,which would be pro­vi­ded by our cli­ent on the day of the shoo­ting.

Types of cloths
Jeans and Jackets

Name of cli­ent
[Name einer seriö­sen US-Designerin inklu­si­ve deren Webseite]

Company Name/Designer
[Name einer seriö­sen Designerin inklu­si­ve deren Webseite]

Job per­cen­ta­ge
The total pay for the jobs is £1600 as your part pay­ment befo­re the shoot to assu­re you that the job is yours and for you to get the necessa­ry thing you nee­ded for the shoot . Shooting Date the date for the shoo­ting is not fix,i will have to make arran­ge­ment for that ahead from now,I will email you the exact date for the shoo­ting a week befo­re as soon as the arran­ge­ment is com­ple­ted with our cli­ent.

Requirements
Very Attractive, Classy, In Great Shape, Extremely Outgoing & Personable, out spo­ken, Must be Reliable.

Payment Policy
As part of my working poli­cy and ethics,i recei­ve part pay­ment from any cli­ent befo­re I pro­ceed with any job and balan­ce imme­dia­te­ly after the shooting,this is to iden­ti­fy a serious cli­ent and ascer­tain the job,I hope you com­pre­hend this fact.

I will keep you updated as to when our cli­ent wants to make upfront pay­ments

Expectation
you need to have good and attrac­tive poses .(start prac­ticing) Basically this is all requi­red of you,for your make up my cli­ent will be taken care of it,you don’t have to be bother for any make up,please get in touch with me if you will take the job and we can go from there,just let me know if you will take the job to com­men­ce with next arran­ge­ment.

Do send your recent pic­tu­re to me .

My home­page
[erwäh­ne ich mal nicht, sieht aber schick aus]

Please I’d like you to check your email on a regu­lar bases, I might have updates for you..

Thank And God Bless You …“

3. Es ist jetzt egal, was das Model ant­wor­tet. WENN es ant­wor­tet, bekommt es auf jeden Fall die Zusage für den „Job“, wel­che unge­fähr so aus­sieht:

Hello [Name des Models],

I’m glad to inform you have read back from my cli­ent and she was plea­sed by working to work with you for the cata­log shoot and assu­red me that part pay­ment will be mai­led to you, until you recei­ve
and con­firm pay­ment we will not shoot, your total pay for the job is £1,600 and part pay­ment will be mai­led to you first and the balan­ce after the shoo­ting, i hope you under­stand ? Send me your pay­ment
details as to which our cli­ent is to mail out your part pay­ment to you in the form below

Your Full Name ( As it will be writ­ten on Cheque) :.….….….….…
Full Address :.….…..
Home Phone #.….….….….….…
Cell Phone.….….….….….…..
Age :.….….….
Height:.….……
Weight.….….…
Waist.….….….
Shoe Size.….….
Waist size.….…
Clothing Size:
Burst size.….….
Outseam.….….…
Inseam:.….….…
Suit/Jacket:.….…
Shirt/Nec.….……
Shoe Size.….…..
Any Exscort (If Yes Who?)

All Your infor­ma­ti­on will be well kept,Also she said after we con­firm the part pay­ment, we will all have a fixed date and loca­ti­on for the shoo­ting that best fits. Make-up, hair etc would be taken cared of at
the Studio as we are pre­sent­ly deli­be­ra­ting with some stu­dio agents over loca­ti­on, remem­ber you can come along with anyo­ne of your choice.You have 12 dif­fe­rent fashion out­fits to cover as i alre­a­dy
men­tio­ned which would be pro­vi­ded by our cli­ent on the day of the shooting.most type of clot­hing will be Jeans and Jackets Regards your poses just be prac­tice the one you know for now as time goes on befo­re
the shoo­ting date the­re will be someo­ne to prac­tice with you and teach you more pose and sty­les that will suit the shoot as i know you are pro­fes­sio­nal too.,as you know this cata­log will publish world wide this may be your open way oppor­tu­ni­ty. I hope all is well sta­ted, make sure you get back with requi­red pay­ment details at once thank you.

Regards,
Peter“

Wie funk­tio­niert der Betrug?

Ganz ein­fach: Der Täter schickt wirk­li­ch vor­ab einen Scheck, sogar mit einer höhe­ren Summe als in der Email ver­ein­bart. Kurz dar­auf kommt eine Nachricht, dass man ver­se­hent­li­ch zuviel Geld geschickt habe und das Model die Differenz auf ein Konto (oder via Moneybookers oder Western Union o.ä.) über­wei­sen sol­le. Das Model macht das brav, weil es ja den gut­be­zahl­ten Modeljob haben will. Kurz dar­auf teilt die Bank dem Model mit, dass der ers­te Schick nicht gedeckt sei und das Model des­halb kein Geld bekom­me. Das über­wie­se­ne Geld ist aber weg!

Was soll­te das Model stut­zig machen?

Ein angeb­li­ch Fotograf will für ein Shooting in den USA ein deut­sches Model buchen und in bri­ti­schen Pfund? Das klingt schon mal komi­sch. Und selt­sam, dass der angeb­li­ch eng­li­sche Muttersprachler so vie­le Schreibfehler in sei­nen Nachrichten hat. Außerdem sind £1.600 ca. 1.850 Euro, das ist eine Tagesgage, wel­che selbst Topmodels nei­di­sch wer­den lie­ße. Bei sol­chen Summen wer­den Models auch nicht mehr nur „nach Fotos“ gebucht, son­dern es fin­den immer Castings statt. Generell kann der Betrüger in sei­ner Mail so vie­le, tol­le, schö­ne Sachen (Flug, Unterkunft, Verpflegung umson­st, Modeltraining etc.) ver­spre­chen wie er will, weil es sowie­so nur um den fal­schen Scheck geht und dana­ch kein Shooting statt­fin­den wird.

Die im Text erwähn­ten rea­len Firmen und Designer habe ich übri­gens kon­tak­tiert und die­se bestä­tig­ten mir, dass sie mit die­sen Mails nichts zu tun haben.

Welche Varianten des Betrugs gibt es?

Da die Art des Auftrags voll­kom­men egal ist und das Ziel des Betrügers nur ist, dem Empfänger einen glaub­haf­ten Grund zu geben, ihm einen unge­deck­ten Scheck zu schi­cken und um eine Rücküberweisung des zuviel gezahl­ten Geldes zu bit­ten, kann er viel erzäh­len. Fotografen wer­den mit fürst­li­chen bezahl­ten Bikini-Shootings auf einer Karibik-Insel gelockt, Visagisten wird eine Zusammenarbeit mit Top-Models ver­spro­chen, Tänzern wird erzählt, dass sie einen gro­ßen Auftritt in einem renom­mier­ten Haus bekä­men und so wei­ter.

Wie soll mit sol­chen Mails umge­gan­gen wer­den?

Löschen und ver­ges­sen. Ganz ein­fach.

Habt ihr auch schon sol­che Mails bekom­men? Wie habt ihr reagiert?

Mein drittes Apotheken-Shooting für Bildagenturen

Langsam bekom­me ich Routine. Vor drei Jahren hat­te ich ein einer oran­ge­nen Apotheke ein Model foto­gra­fiert und ein ein Jahr spä­ter in einer ande­ren Apotheke mit vier Models. Weil bei­de Shootings gut lie­fen und medi­zi­ni­sche Themen wei­ter­hin gefragt sind, woll­te ich das wie­der­ho­len. Die Apthekerin der ers­ten Apotheke erklär­te sich bereit und sprach wie­der mit ihrer Chefin, um uns die Erlaubnis für die Nutzung der Apotheke zu geben.

Wie beim letz­ten Mal galt: Das ist eine der größ­ten Apotheken, in denen ich je war, was den Vorteil hat, sich räum­li­ch sehr gut bewe­gen zu kön­nen und ich viel Platz hat­te, um Blitz, Reflektor etc. auf­zu­stel­len. Einer der bei­den Kritikpunkte beim letz­ten Shooting in der Apotheke war, dass mit einem Model nur eine begrenz­te Anzahl von Motiven mög­li­ch ist. Deswegen frag­te ich ein ande­res Model, wel­ches ich schon foto­gra­fiert hat­te. Er schlug auch sei­ne neue Freundin als drit­tes Model vor und da die­se sich vom Typ von der Apothekerin unter­schied, pass­te das sehr gut.

Der zwei­te schwie­ri­ge Punkt war die Farbtemperatur wegen der gan­zen oran­ge­nen Regale. Deshalb nahm ich sowohl eine grö­ße­re Softbox und nutz­te mehr Aufhellicht von vor­ne, um den Farbstich bes­ser aus den Gesichtern der Models zu bekom­men. Die Kittel hat­te ich von vom letz­ten Apotheker-Shooting. Merke: Sinnvoll ein­ge­kauf­te Requisiten kön­nen gut wie­der­ver­wen­det wer­den.

Meine Bestseller der letz­ten bei­den Shootings zeig­ten mir deut­li­ch, was für Motive gut lau­fen und so kon­zen­trier­te ich mich dar­auf.

Selbst wenn der Fokus bei einem Bild auf einem Model lag, konn­te ich die ande­ren bei­den zum „Füllen“ des Hintergrunds ein­set­zen. Wie schon bei bei­den Apotheken-Shootings zuvor war es wie­der eine Qual, die Logos und Markennamen von den Medikamenten im Hintergrund zu ent­fer­nen. Einige Bilder wur­den des­we­gen auch trotz inten­si­ver Retusche abge­lehnt. Das unte­re Bild habe ich mit Blende 2,8 foto­gra­fiert. Zwar hat­te ich auch das 85mm-Objektiv mit Blende 1.2 in der Tasche, aber das nütz­te sel­ten was, denn bei meh­re­ren Personen im Bild hät­te die Blende 1,2 schnell dafür gesorgt, dass min­des­tens eins der Models zu unscharf gewe­sen wäre. Der Tresen ließ sich auch nicht nach vor­ne ver­schie­ben und so mus­s­te ich einen Kompromiss schlie­ßen.

Damit ich trotz glei­cher Location und Models etwas Neues hin­zu­fü­ge, habe ich dies­mal am Ende der Fotosession kur­zer­hand die Kamera aufs Stativ gestellt, eine sehr offe­ne Blende gewählt und die Models gebe­ten, kur­ze Beratungssituationen zu mimen:

So bekam ich ca. 15 nutz­ba­re kur­ze Videoclips. Da nur ein Reflektor und das vor­han­de­ne Licht genutzt wur­de, sind die Videoaufnahmen garan­tiert ver­bes­se­rungs­fä­hig, aber für die zusätz­li­che hal­be Stunde hat sich der Aufwand finan­zi­ell gelohnt.

Was sagt ihr zu den Fotos? Wie hät­tet ihr die Videos ver­bes­sert?

Das Alter der Models in der Stockfotografie

Jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sit­ze und mich die Zahnärztin lächelnd begrüßt, bin ich kurz irri­tiert. Wenn ich sie beschrei­ben müss­te, wür­de ich sagen, dass sie eine attrak­ti­ve, jun­ge Frau mit lan­gen, schwar­zen Haaren ist, schät­zungs­wei­se Mitte 20, in einem engen wei­ßen Top und mit einem Pferdeschwanz.

Erkennt ihr den Fehler?  Die Wahrscheinlichkeit, dass eine jun­ge Frau Mitte 20 noch in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung steckt, ist sehr hoch. Normalerweise fan­gen die jüngs­ten Zahnärzte mit ca. 25–27 Jahren ihre Arbeit an.

Es kann natür­li­ch sein, dass mei­ne Zahnärztin schon älter ist, aber immer noch jung aus­sieht, doch in der Stockfotografie geht es eben um den „Schein“ nicht das „Sein“. Niemand inter­es­siert sich dafür, was mei­ne Models außer­halb eines Fotoshootings machen (wenn sie nicht gera­de Erotikstars sind), wenn sie die Rolle, die sie auf den Stockfotos ver­kör­pern sol­len, glaub­wür­dig dar­stel­len kön­nen.

Diese Glaubwürdigkeit eines Models ent­steht haupt­säch­li­ch durch drei Faktoren: Geschlecht, Alter und Requisiten. Die Requisiten sind ein eige­nes Thema und wer Interesse dar­an hat, dem emp­feh­le ich das Kapitel 10 in mei­nem „Stockfotografie“-Buch*. Auch beim Geschlecht gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Beim Alter gibt es deut­li­ch mehr Variationen.

Es ist aber nicht schwer, das rich­ti­ge Alter eines Models für ein bestimm­tes Fotomotiv fest­zu­le­gen, wenn ihr in Wahrscheinlichkeiten denkt. Wie häu­fig kommt die geplan­te Konstellation von Alter/Geschlecht vor und wel­che ande­ren Konstellationen sind wahr­schein­li­cher? In die­sem Blogartikel hat­te ich beschrie­ben, wie mich die Chefin eines Fitnesscenters dar­auf hin­wies, was die typi­sche Zielgruppe ihres Sportstudios sei. Daran habe ich mich bei der Modellauswahl gehal­ten.

Jemanden zu fra­gen, der Ahnung von der zu foto­gra­fie­ren­den Branche hat, ist eine ein­fa­che und unfehl­ba­re Methode, die rich­ti­ge Altersspanne der Models her­aus­zu­fin­den.

Trotzdem sehe ich stän­dig Stockfotos, die unfrei­wil­lig komi­sch wir­ken, weil das Model nicht passt.  Ein typi­sches Beispiel ist die jun­ge, ger­ten­schlan­ke Blondine im Blaumann und Schutzhelm, die Anfang 20 ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine attrak­ti­ve jun­ge Frau, die aus­sieht, als kön­ne sie kei­ne fünf­zehn Kilo stem­men, einen Beruf ergreift, der es erfor­dert, einen Blaumann anzu­zie­hen? Sehr gering. Viel rea­lis­ti­scher ist ein unra­sier­ter, mus­ku­lö­ser, braun­ge­brann­ter Mann ab Ende 20.

Ebenfalls berüch­tigt in den Microstock-Portfolios sind die halb­nack­ten jun­gen Frauen mit gro­ßer Oberweite im Nikolauskostüm, die mehr Haut als Stoff zei­gen. Das mag oft die Fantasien der älte­ren, männ­li­chen Fotografen bedie­nen. Aber wenn ihr Kinder – immer­hin die größ­te Zielgruppe für Fotos mit Weihnachtsmännern – bit­tet, ein Bild vom Nikolaus oder Weihnachtsmann zu malen, wer­den die Bilder kaum wie die der beschrie­be­nen Weihnachtsbunnies aus­se­hen. Und ver­ges­st Klebebart und Kopfkissen: Nehmt gleich einen dicke­ren älte­ren Herren mit ergrau­tem Vollbart.

Ich gebe zu, dass ich in mei­ner Anfangszeit auch oft den Fehler gemacht habe, das Alter der Modelle zu igno­rie­ren. Jetzt im Nachhinein fra­ge ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, eine Siebzehnjährige im Anzug zu foto­gra­fie­ren? Das wür­de höchs­tens zu einer Konfirmation pas­sen und auch nur, wenn die Requisiten und das Umfeld stim­men. Ein Mann Anfang 40 im Anzug hin­ge­gen kann alles sein: Rechtsanwalt, Manager, Lehrer, Berater, Chef, Politiker, Beamter und so wei­ter. Das heißt für den Fotografen: Deutlich höhe­re Chancen, mit die­sen Fotos Geld zu ver­die­nen.

Für das Motiv nicht ganz geeig­net vom Alter.

Meine Erfahrung zeigt, dass es im Zweifel sinn­vol­ler ist, eher Models zu wäh­len, die etwas älter als etwas zu jung sind. In die­sem Blogartikel hat­te ich über ein Shooting von mir in einer Universität geschrie­ben. Als Models hat­te ich Leute Anfang bis Mitte 20 gewählt. Es kam der Kommentar, dass im Zuge der Bologna-Reform und der Bachelor-Studiengänge die Studierenden heu­te immer jün­ger wür­den und ich jün­ge­re Models hät­te wäh­len sol­len. Dem kann ich zustim­men. Kürzlich habe ich aber fest­ge­stellt, dass die Motive mei­nes Uni-Shootings auch ger­ne  in der Werbung für Erwachsenenbildung oder für Weiterbildungsmaßnahmen benutzt wer­den.  Wären die Models alle eini­ge Jahre jün­ger gewe­sen, hät­te es bes­ser zum Thema Studium gepasst, aber die zusätz­li­che Zielgruppe der Erwachsenenbildung hät­te ich dann mit mei­nen Bildern viel­leicht nicht erreicht.

Übrigens: Ich habe ges­tern mei­ne Zahnärztin nach ihrem Alter gefragt. Sie mein­te, sie sei 32, füh­le sich aber geschmei­chelt, dass ich sie auf Mitte 20 schät­ze.

Nach wel­chen Kriterien ent­schei­det ihr euch beim Alter eurer Models?

* Affiliate-Link

Darf man Stockfotos für Erotikseiten oder Sexshops benutzen?

Vor paar Tagen habe ich wie­der eine inter­es­san­te Frage per Email bekom­men, die ich ger­ne öffent­li­ch beant­wor­ten will, weil ich manch­mal ähn­li­che Probleme in der Praxis hat­te.

Hallo Herr Kneschke,

ab und zu sehe ich auf Ihrem Blog mal vor­bei. Fand es bis­her immer sehr lehr­reich.

Jetzt habe ich eine Frage. Für einen Erotikshop, Kleidung bis Sexspielzeug, wer­den neue Bilder benö­tigt. Ist es erlaubt, dafür z. B. ein Microstock-Bild zu kau­fen? Es geht ein­fach um eine lächeln­de, attrak­ti­ve Frau, weder in ero­ti­scher Pose noch ähn­li­chem. Ist eine sol­che Verwendung pro­ble­ma­ti­sch?

Viele Grüße,
[Name ent­fernt]“

Die kur­ze Antwort: Ja, eine sol­che Verwendung ist pro­ble­ma­ti­sch, denn es ist meist nicht erlaubt.

Ich habe hier in mei­nem Blog einen Überblick über die erlaub­ten und ver­bo­te­nen Verwendungen ver­öf­fent­licht. Vor allem die ame­ri­ka­ni­schen Agenturen sind da sehr streng.

Fotos für einen Erotikshop zu nut­zen, ist von den Agenturen meist unter­sagt, weil die Nutzung ent­we­der als „por­no­gra­fi­sch“, „dif­fa­mie­rend“ oder als „unmo­ra­li­sch“ aus­ge­legt wer­den könn­te. Ob die Fotos in neu­tra­ler Pose oder eher sexy und las­ziv sind, spielt da eine unter­ge­ord­ne­te Rolle. Die „Compliance and Enforcement“-Abteilung von iStock­pho­to argu­men­tier­te in der Vergangenheit zwar manch­mal bei ero­ti­schen Fotos, dass den Models klar sein müs­se, in wel­chem Umfeld sol­che Fotos benutzt wer­den, aber eins der betrof­fe­nen Models hat­te die Sache selbst juris­ti­sch ver­folgt und sowohl eine Entfernung als auch Entschädigung erwirkt.

Ein wei­te­rer Punkt, an den sel­ten gedacht wird, ist, dass Geschäftsbetreiber zur Einhaltung gel­ten­der Gesetze ver­pflich­tet sind und da der Bildkäufer bei­spiels­wei­se nicht weiß, ob ein abge­bil­de­tes Model mög­li­cher­wei­se min­der­jäh­rig ist, könn­te es neben den oben genann­ten Punkten auch zu Problemen wegen des Alters (Stichwort Jugendschutzgesetz) kom­men.

Ich hat­te bei­spiels­wei­se ein Foto von einer fei­ern­den Mädchengruppe gemacht, von denen min­des­tens eins der Models unter 18 Jahren war. Das lizen­zier­te Foto wur­de von einem der abge­bil­de­ten Models auf einer Webseite gefun­den,  die für „Dildo-Partys“ gewor­ben hat­te. Das Model war nicht erfreut und der Shop-Betreiber hat das Foto auch schleu­nigst ent­fernt.

Ich ken­ne auch wei­te­re Fälle, in denen Models und/oder Fotografen all­er­gi­sch auf sol­che Nutzungen reagie­ren und die­se meist erfolg­reich kos­ten­pflich­tig abge­mahnt haben.

Ich emp­feh­le daher, ent­we­der vor einer Nutzung über die Bildagentur den Fotografen und die Models mit einer Skizze oder einem Webseiten-Layout zu fra­gen, ob alle mit einer Nutzung ein­ver­stan­den sind oder direkt einen Fotografen zu beauf­tra­gen, der das gewünsch­te Foto umsetzt. Auch da soll­ten sowohl Fotograf als auch die Models im Vorfeld auf die geplan­te Verwendung hin­ge­wie­sen wer­den. Eine wei­te­re Möglichkeit wäre, Material von Bildagenturen zu nut­zen, wel­che sich auf den „Adult-Bereich“ spe­zia­li­siert haben.

Welche Erfahrung habt ihr mit der Nutzung von Stockfotos im ero­ti­schen Kontext gemacht?

Making-Of: Supermarkt-Stockfoto-Shooting aus der Sicht eines Fotoassistenten

Meine Erfahrungsberichte von Shootings schei­nen recht beliebt zu sein. Heute gibt es aber mal einen Erfahrungsbericht der ande­ren Art, da ich den Fotoassistent mei­nes letz­ten Shootings gefragt habe, ob er nicht mal ein Shooting aus sei­ner Schild schil­dern will. Los geht’s:

Mein Name ist Markus Mainka und ich woh­ne in der Nähe von Stuttgart. Ich bin gelern­ter Verkehrsplaner und eines mei­ner Hobbys ist schon seit vie­len Jahren Planespotting bzw. die Flugzeugfotografie. Meine Bilder kann man unter ande­rem hier betrach­ten. In den letz­ten Monaten habe ich auch ver­mehrt Fotos bei Microstock-Agenturen (vor allem Reise- und Food-Bilder) hoch­ge­la­den. Da die Anforderungen dort sich jedoch erheb­li­ch von der Flugzeugfotografie unter­schei­den und ich mich auch an die People-Fotografie wagen will, habe ich Robert gefragt, ob ich ihm bei einem sei­ner Shootings assis­tie­ren darf, um einen Einblick in sei­ne Arbeitsweise zu erhal­ten. Vor eini­gen Wochen war sei­ne Assistentin ver­hin­dert und so sprang ich kurz­fris­tig ein.

Die Location

Thema des Shootings war „Supermarkt“ und der Treffpunkt war um 6:30 Uhr vor einer bekann­ten Kölner Supermarktkette und zwar an einem Wochentag, so dass nor­ma­ler Kundenverkehr herr­schen wür­de und wir den Supermarkt somit nicht für uns allei­ne hat­ten, was aber erstaun­li­cher­wei­se nur weni­ge Probleme mit sich brach­te. Der frü­he Beginn war wich­tig, da unter der Woche mor­gens noch kein gro­ßer Andrang herrsch­te. Vor allem am spä­ten Vormittag wur­de es jedoch spür­bar leb­haf­ter.

Obwohl der Supermarkt sehr zen­tral liegt, ist er recht groß­zü­gig ange­legt, mit Treppen, die ins unte­re Geschoss füh­ren, so dass sich die Kunden eini­ger­ma­ßen ver­teilt haben. Vor allem der Eingangsbereich mit der Obst- und Gemüseabteilung bot sehr viel Platz zwi­schen den Regalen. So konn­te man die Ausrüstung auf­stel­len und die Kunden konn­ten den­no­ch pro­blem­los an uns vor­bei­kom­men. Zudem gab es eine Drogerieabteilung, die auch in ande­ren Märkten nor­ma­ler­wei­se eher weni­ger fre­quen­tiert wird. Hier konn­te man Bilder vor hohen Regalen schie­ßen.

Die Teilnehmer

Am Shooting nah­men ins­ge­samt vier Models teil, wobei Robert mit zwei von ihnen bereits zusam­men­ge­ar­bei­tet hat und ich sie von sei­nen frü­he­ren Bildern kann­te. Mehr waren nicht nötig und bei den meis­ten Einstellungen kamen ohne­hin nur jeweils zwei Models zum Einsatz. Lediglich bei den Bildern an der Kasse (Warteschlange) sind alle vier gleich­zei­tig zu sehen. Zudem war ein Art Director anwe­send. Die Filialleitung erlaub­te uns, den Mitarbeiterraum mit­zu­be­nut­zen, so dass wir das nicht benö­tig­te Equipment dort las­sen konn­ten. Außerdem konn­ten sich die Models dort umzie­hen. Bevor es los­ging, wur­de die von den Models mit­ge­brach­te Kleidung für das Shooting aus­ge­wählt und der Körperschmuck abge­legt.

Was mir sofort auf­fiel, war die Professionalität der Models, obwohl für alle das Modeln nur ein Hobby ist und sie haupt­be­ruf­li­ch einer ande­ren Beschäftigung nach­ge­hen bzw. stu­die­ren. So war es für sie kein Problem, auf Ansage zu lächeln oder eine ande­re Anweisung von Robert zu befol­gen. Dadurch ver­lief das Shooting recht zügig und der Spaß kam den­no­ch nicht zu kurz.

Der Ablauf

Nach dem Aufbau der Ausrüstung und dem Umziehen der Models ging es direkt in den Verkaufsraum, wo wir nach dem Einstellen des Lichts und des Weißabgleichs sofort los­leg­ten. Da – wie erwähnt – die Räumlichkeiten recht groß­zü­gig waren, gab es kaum Probleme mit dem nor­ma­len Kundenbetrieb. Und wenn ein Kunde doch mal gen­au dahin mus­s­te, wo wir gera­de stan­den, war es auch kein Problem, das Shooting für ein paar Sekunden zu unter­bre­chen: der Supermarktkunde hat natür­li­ch immer Vorrang vor unse­rem Shooting!

Ich hät­te erwar­tet, dass uns mehr Einkäufer anspre­chen wür­den, was wir da tun wür­den oder uns von wei­tem beob­ach­ten wür­den. Doch die meis­ten haben uns kaum beach­tet, was sicher­li­ch dar­an lag, dass sie ledig­li­ch schnell ihre Einkäufe erle­di­gen woll­ten oder weil in der Medienstadt Köln Film- und Fotoaufnahmen kei­ne Seltenheit sind. Ich bin mir sicher, dass dies in Stuttgart anders sein wür­de.

Als der Kundenstrom es zuließ, haben wir eini­ge Szenen an der Kasse geschos­sen. Auch wenn es bei Stockbildern immer sehr schwie­rig ist, es vor­her ein­zu­schät­zen, so mei­ne ich, dass die­se Fotos sich am bes­ten vom gan­zen Shooting ver­kau­fen wer­den (zusam­men mit dem Foto, das einen Marktleiter sym­bo­li­sie­ren soll). Lustigerweise dach­ten eini­ge Kunden, dass die­se Kasse tat­säch­li­ch geöff­net war und stell­ten sich hin­ten an, obwohl eigent­li­ch offen­sicht­li­ch war, dass wir dort unse­re Fotos schie­ßen. Manche lie­ßen sich selbst nach einem Hinweis nicht davon abbrin­gen, wei­ter in der künst­li­chen Schlange zu ste­hen.

Ohne Pause haben wir eine Szene nach der ande­ren bis kurz vor 13 Uhr umge­setzt. Anschließend wur­de der Papierkram (Model- und Property-Releases) erle­digt und die Models beka­men ihr Honorar.

Die Requisiten

Es gab nur weni­ge Requisiten, die spe­zi­ell für die­ses Shooting besorgt wur­den. Im Prinzip waren es ledig­li­ch die roten Kittel, die zum Einsatz kamen und eine Schiefertafel. Alle ande­ren hat­ten wir sowie­so zur Hand, wie zum Beispiel Smartphones oder Geldscheine und EC-Karten.

Die Ausrüstung

Es kam wie­der die bewähr­te mobi­le Ausrüstung von Robert zum Einsatz, die er zum Beispiel im Beitrag zum Universität-Shooting beschrieb. Abweichend davon wur­den die Fotos jedoch mit der neu­en Canon 5D Mark III* geschos­sen. Zudem wur­de für man­che Bilder das 50mm f1.8 Festbrennweiten-Objektiv* benutzt.

Der Einsatz des Canon Speedlite 580 EX II-Blitzes* an der gro­ßen Lastolite Ezybox* sorg­te für einen mini­ma­len Platzbedarf und erspar­te uns die Suche nach einer Steckdose bei einem Locationwechsel. Hätten wir Studioblitze mit Netzanschluss benutzt, so bestün­de zudem die Gefahr, dass Kunden über die Kabel stol­pern. Von der ande­ren Seite wur­den die Models mit dem Mini-Reflektor* von California Sunbounce auf­ge­hellt. Zudem war selbst­ver­ständ­li­ch die Deckenbeleuchtung des Supermarktes ein­ge­schal­tet.

Die gera­de geschos­se­nen Bilder wur­den an ein iPad* gesen­det. So konn­te man in Sekundenschnelle das Foto in gro­ßer Auflösung betrach­ten, die Schärfe kon­trol­lie­ren und mög­li­che Fehler erken­nen bzw. Verbesserungspotentiale sofort umset­zen.

Die Nachbereitung

Den größ­ten Zeitaufwand wird wohl die Retusche der Markennamen und geschütz­ten Logos in Anspruch neh­men – weni­ger in der Gemüseabteilung, dafür mehr bei den Drogeriefotos, auch wenn sich Robert durch die stark geöff­ne­te Blende viel Retuschearbeit erspart hat. Im Bereich der Kasse gab es viel groß­for­ma­ti­ge Werbung mit dem Logo des Marktes.

Das Fazit

Insgesamt hat Robert 800 bis 900 Fotos geschos­sen, von denen wohl so um die 100 in die ver­schie­de­nen Agenturen hoch­ge­la­den wer­den. Ich war erstaunt, wie man mit letzt­end­li­ch ein­fa­chen Mitteln erstaun­li­che Ergebnisse ablie­fern kann. Doch in mei­nen Augen ist eigent­li­ch nicht nur das Technische oder das Shooting-Thema haupt­säch­li­ch für den Erfolg ver­ant­wort­li­ch, son­dern es sind auch die Models. Wenn man Roberts Fotos von vor ein paar Jahren mit den heu­ti­gen ver­gleicht, so kann man – mei­ne ich – auch eine deut­li­che Entwicklung bei der Auswahl der Models fest­stel­len und die­ser Eindruck hat sich vor Ort bestä­tigt. Bei der gro­ßen Auswahl an ähn­li­chen Motiven in den Datenbanken der Agenturen ent­schei­det wohl oft die Ausstrahlung eines Models dar­über, war­um sich ein Kunde für ein bestimm­tes Foto ent­schei­det.

[Kleine Ergänzung von Robert: Die fer­ti­gen Bilder gibt es ent­we­der ein­zeln über Westend61 zu kau­fen oder gebün­delt auf der VCD „At The Supermarket“.]

* Affiliate

Wie berei­tet ihr euch auf gro­ße Shooting vor?