Schlagwort-Archive: Bildrechte

Frag den Anwalt: Die neue Serie zum Medienrecht, Urheberrecht und Bildrechten

Auf der Photokina habe ich mit unzäh­li­gen Leuten Gedanken aus­ge­tauscht. Darunter auch mit dem Rechtsanwalt Sebastian Deubelli, der sich auf die Themen Medienrecht und Urheberrecht spe­zia­li­siert hat.

deubelli-alexeytestov-008-frag-den-anwalt
Foto: © Alexey Testov

Hier im Blog habe ich die Serie „Frag den Fotograf“ habe, wo ich Leserfragen beant­wor­te, die mir geschickt wer­den. Leider kann ich nicht alle Fragen beant­wor­ten, vor allem wenn es um recht­li­che Themen geht, weil mir da das Fachwissen fehlt.

An die­ser Stelle kommt Sebastian Deubelli ins Spiel.
Wir haben uns zusam­men über­legt, die Serie „Frag den Anwalt“ ins Leben zu rufen.

Da könnt ihr uns eure Fragen rund um die Themen Urheberrecht, Medienrecht, Bildrechte, Markenrecht, Designschutz und so wei­ter schi­cken und er wird ver­su­chen, die­se hier im Blog zu beant­wor­ten.

Damit wir bald mit der ers­ten Folge begin­nen kön­nen, freu­en wir uns auf eure Zuschriften:

Eure Fragen könnt ihr ein­fach hier als Kommentar hin­ter­las­sen oder mir eine Nachricht auf Facebook oder per Email schrei­ben.

Selbstverständlich könnt ihr dabei auch anonym blei­ben bzw. die Fragen kön­nen auf Wunsch im Blog anony­mi­siert ver­öf­fent­licht wer­den.

Ist die neue Foto-App Prisma sicher und stocktauglich?

In letz­ter Zeit hat eine neue Foto-App den vor­ders­ten Platz in den App-Stores belegt (zumin­dest in der Kategorie „Foto und Video“).

Die Rede ist von der App Prisma, wel­che über 30 künst­le­ri­sche Effekte bzw. Filter im Stil klas­si­scher Kunstwerke zur Verfügung stellt, die über ein Foto gelegt wer­den kön­nen. Sie gibt es für iOs und für Android.

Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.
Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, dane­ben 5 Kunst-Filter der App.

In den letz­ten Tagen häuf­ten sich die Meldungen über pro­ble­ma­ti­sche Nutzungsbedingungen der App, des­halb habe ich sie mir im Detail durch­ge­le­sen.

Besonders bit­ter ist mir fol­gen­der Satz auf­ge­sto­ßen:

[„,] you her­e­by grant to Prisma a non-exclusive, ful­ly paid and
royalty-free, trans­fe­ra­ble, sub-licensable, world­wi­de licen­se to use the Content that you sty­li­ze on or through the Service […]“

Das heißt sinn­ge­mäß über­setzt:
Jedes Bild, was ein Nutzer in die Prisma-App rein­lädt, darf Prisma ohne jeg­li­che Einschränkung ver­kau­fen! Punkt.

1452_prisma
Prisma auf Platz eins der iOS-Download-Charts im Bereich kos­ten­lo­se „Foto und Video“-Apps

Das ist umso gefähr­li­cher, weil die App nur mit akti­ver Internetverbindung funk­tio­niert und alle Bilder, wel­che von der App bear­bei­tet wer­den soll, auf die Server der rus­si­schen App gespei­chert wer­den. Probiert es aus: Im Flugmodus ver­wei­gert die App ihren Dienst.

In der Vergangenheit war es aber oft so, dass neue Apps oder Unternehmen sich die­se Art von sehr weit­rei­chen­den Nutzungsbedingungen gege­ben haben und erst nach Protesten zurück­ge­ru­dert sind.

Deshalb habe ich dem Prisa-Gründer und Chef Alexey Moiseenkov eine Email auf eng­li­sch geschickt mit zwei Fragen:

1. Ist es erlaubt, die fer­ti­gen Ergebnisse aus der Prisma-App für kom­mer­zi­el­le Zwecke zu nut­zen?

2. Wie ist der [oben zitier­te] Satz zu ver­ste­hen: Darf Prisma die Ergebnisse selbst ver­kau­fen?“

Auf den ers­ten Satz habe ich am 11. Juli 2016 fol­gen­de Antwort erhal­ten:

You can use it how you deci­de but men­ti­on our app.“

Das heißt sinn­ge­mäß: Mach, was Du will­st, aber nen­ne dabei die App. Was wie­der­um so von mir nicht in den ursprüng­li­chen Nutzungsbedingungen zu fin­den war. Das hat sich aber eh erle­digt, weil seit dem Update 2.2 der App jetzt unten rechts der Name der App ein­ge­blen­det ist (sie­he Beispiele oben) und die­ser auch nicht ent­fernt wer­den darf, wenn ich die „Terms of Use“ (Stand 22.072016) rich­tig lese:

You will not remo­ve, alter or con­ce­al any copy­right, trade­mark, ser­vice mark or other pro­prieta­ry rights noti­ces incor­po­ra­ted in or accom­pany­ing the Prisma Content and you will not repro­du­ce, modi­fy, adapt, pre­pa­re deri­va­ti­ve works based on, per­form, dis­play, publish, dis­tri­bu­te, trans­mit, broad­cast, sell, licen­se or other­wi­se exploit the Prisma Content.“

Die Antwort auf die zwei­te Frage blieb mir der Entwickler jedoch lei­der schul­dig. Auch auf eine Nachfrage mei­ner­seits habe ich seit zehn Tagen kei­ne wei­te­re Antwort erhal­ten.

Das macht mich vor­sich­tig und ich rate jedem, der die App für mehr als Schnappschüsse von Blumen oder Sonnenuntergängen nut­zen will, sehr vor­sich­tig zu sein.

Seid euch bewußt: Alle Bilder, die ihr mit der App bear­bei­tet lan­den auf einem Server und laut den Nutzungsbedingungen über­tragt ihr Prisma alle Rechte an den Bildern, die Prisma braucht, um sie ver­kau­fen, wei­ter­zu­li­zen­zie­ren oder ander­wei­tig nut­zen zu kön­nen.

Wie sieht ihr die Nutzungsbedingungen und die Effekte der Prisma-App?

Was wäre wenn: Flickr Fotos verkaufen würde?

Wahrscheinlich ist zur Zeit das Bildportal Alamy die Quelle mit den meis­ten käuf­li­chen Bildern welt­weit: 14,59 Millionen Fotos! Korrigiert mich, wenn ich mich irre.

Aber was wäre, wenn die Online-Fotoplattform Flickr mit ihren mehr als 3,1 Milliarden Fotos (das sind über 3.100.000.000 Fotos!) sei­nen Nutzern anbie­ten wür­de, ihre Fotos eben­falls ver­kau­fen zu kön­nen? Sozusagen ein Flickr Stock? Dass das kein Hirngespinst ist, son­dern Anfang 2008 fast gen­au so pas­siert wäre, beweist die­se Meldung hier im Techcrunch-Blog.

Keine Ahnung
Wahrscheinlich wäre fol­gen­des pas­siert:

  • Alamy wäre inner­halb weni­ger Wochen oder höchs­tens Monate nicht mehr die Quelle mit den meis­ten Fotos
  • Die welt­weit größ­te Bildagentur Getty Images hät­te bei ihrer Microstock-Tochter istock­pho­to schlag­ar­tig gro­ße Umsatzeinbußen
  • Urheberrechtsanwälte auf der gan­zen Welt hät­ten sich die Hände gerie­ben (Warum? Dazu gleich mehr…)

Vor allem der zwei­te Punk miss­fiel Getty Images so sehr, dass sie in die Offensive gin­gen: Sie boten Mitte 2008 Flickr einen Deal an, durch den aus­ge­wähl­te Fotos von Flickr-Fotografen über Getty Images ver­kauft wer­den könn­ten.

Das hat eini­ge gro­ße Vorteile für Getty Images:

  • der Marktführer der Bildbranche behält wei­ter­hin die Kontrolle, wel­che Fotos von Flickr zum Verkauf ste­hen
  • Getty kas­siert gleich einen Anteil der Verkaufserlöse, den sich son­st nur Flickr und die Fotografen tei­len wür­den
  • der gesam­te Bildermarkt wird nicht in der Flickr-Fotos-Flut ertränkt

Gleichzeitig sind aber auch Nachteile für Stockfotografen zu ver­mu­ten:

  • Das Oligopol auf dem Bildermarkt mit Getty Images an der Spitze wäre durch Flickr Stock ins Wanken gera­ten und bleibt nun zum Nachteil von Bildkäufern und Fotografen sta­bil
  • Getty kas­siert gleich einen Anteil der Verkaufserlöse, den sich son­st nur Flickr und die Fotografen tei­len wür­den
  • Flickr Stock wäre eine groß­ar­ti­ge Gelegenheit gewe­sen, vie­len Millionen Hobbyfotografen welt­welt klar zu machen, dass auch Digitalfotos einen Wert haben

Vor allem der letz­te Punk ist span­nend:
Es gibt mitt­ler­wei­le genug Designer, Werbeagenturen, Zeitungen und ande­re Bildnutzer, die ver­su­chen, kei­ne Fotos von teu­ren Bildagenturen oder bil­li­gen Microstock-Agenturen kau­fen zu müs­sen, son­dern sie umson­st bei Flickr zu bekom­men. Das ist auch gut mög­li­ch, da vie­le Fotos mit einer „Creative Commons“-Lizenz aus­ge­stat­tet sind, auch wenn das recht­li­ch sehr unsi­cher ist. Auch wenn die­se Lizenz fehlt, fra­gen die Nutzer ger­ne die Flickr-Fotografen, ob sie Fotos nicht kos­ten­los bekom­men kön­nen. Der Hobbyfotograf, der noch nie ein Foto auf dem Titelbild einer Zeitschrift gese­hen hat, freut sich und sagt oft ja.

Wenn es „Flickr Stock“ gege­ben hät­te, wür­den die glei­chen Fotografen das Foto eher zum Verkauf anbie­ten, wenn es tech­ni­sch mit nur weni­gen Klicks umsetz­bar ist und sie mer­ken, dass die Nachfrage da ist. Nun kom­men wir zu dem Punkt, an dem sich die Anwälte die Hände rei­ben. Beim Verkauf von Fotos gibt es so vie­le Rechte und Gesetze zu beach­ten, dass Anfänger damit oft über­for­dert sind. Model Releases, Property Releases, rights mana­ged, lizenz­frei, fair use, Copyright, Nutzungsrecht, Urheberrecht, Panoramafreiheit, Designschutz, Markenrecht, Privatsphäre, Geschmacksmusterschutz etc. Klingt kom­pli­ziert? Ist es auch. Die Chancen sind groß, dass bei „Flickr Stock“ dann Unmengen an Fotos trotz vie­ler Hilfestellungen sei­tens Flickr ange­bo­ten wür­den, die recht­li­ch eben nicht ein­wand­frei sind.

Eine ande­re Überlegung ist, dass die Hobbyfotografen mer­ken wür­den, dass ein Foto zum Verkauf nur so viel wert ist wie die Beschreibung und Suchwörter, die mit­ge­lie­fert wer­den. Wer sich an die Suchergebnisse von Getty Images gewöhnt hat, wird beim Versuch, mit den glei­chen Begriffen ein pas­sen­des Foto bei Flickr zu fin­den, Kopfschmerzen bekom­men. Hier mal als Beispiel die Foto-Ergebnisse mit den Suchbegriffen „Familie“ und „Frühstück“ bei Getty Images und bei Flickr. Seht ihr, was ich mei­ne? (Tipp: Bei der Getty-Webseite muss als Sprache oben rechts „deut­sch“ ein­ge­stellt wer­den).

Das Experiment „Flickr Stock“ wäre sehr span­nend gewe­sen, aber die Ergebnisse hät­ten den Bildermarkt so stark ver­än­dern kön­nen, dass der Branchenprimus recht­zei­tig ein­griff.

Nun seid ihr dran. Was hät­te noch pas­sie­ren kön­nen, wenn Flicks die Möglichkeit gebo­ten hät­te, Fotos zu ver­kau­fen?

Fotos verschenken leicht gemacht – Model-Webseite will Bildrechte

Mann gewinnt Pokerchips
Achtung: Wer sich bei der Model-Webseite modeltxt.com anmel­det und Fotos hoch­lädt, schenkt sie prak­ti­sch der Webseite. Im Kleingedruckten der AGBs steht in Punkt 6:

By pos­ting Content to any area of the Services, you auto­ma­ti­cal­ly grant, and you repre­sent and war­rant that you have the right to grant, to Model txt an irre­vo­ca­ble, per­pe­tual, non-exclusive, royalty-free and ful­ly paid, world­wi­de licen­se to repro­du­ce, dis­tri­bu­te, publi­cly dis­play and per­form (inclu­ding by means of a digi­tal audio trans­mis­si­on), and other­wi­se use Content and to pre­pa­re deri­va­ti­ve works of, or incor­po­ra­te into other works, such Content, and to grant and aut­ho­ri­ze sub­li­cen­ses of the fore­go­ing. [Hervorhebung von mir]

Frei über­setzt heißt das soviel: Hochgeladene Fotos dür­fen unwi­der­ruf­li­ch, unbe­fris­tet, ohne Bezahlung welt­weit von der Firma benutzt wer­den und auch wei­ter an ande­re lizen­siert wer­den. Da soll­te sich jeder zwei Mal über­le­gen, ob einem das die Mitgliedschaft wert ist.

Das ist nicht die ein­zi­ge Webseite, die so weit­rei­chen­de Rechte for­dert. Adobe und ande­re haben es auch schon ver­sucht. Wir irgend­wo Fotos hoch­lädt soll­te also wirk­li­ch die­se ellen­lan­gen win­zig gedruck­ten Texte lesen. Bei Online-Texten kann ja zumin­dest mit „Strg+F“ nach Wörtern wie „rights“ gesucht wer­den, das erleich­tert die Sache.

Gefunden beim Photo Attorney.

Unfaire vs. faire Fotowettbewerbe

Die Tücke steckt im Kleingedruckten: So man­cher tol­le Preis beim Fotowettbewerb muss in Relation zu den Bedingungen gesetzt wer­den, zu denen ein Foto ein­ge­sandt wird. Wer von der Fotografie lebt, kann es sich nicht leis­ten, Bildrechte will­kür­li­ch zu ver­schen­ken.

Umso lobens­wer­ter ist die Sammlung unfai­rer Wettbewerbsbedingungen hier auf fotowettbewerbe.de. Nach der Lektüre ver­geht einem oft die Lust am Teilnehmen. Zu Recht.

Immerhin wer­den auch posi­ti­ve Gegenbeispiele genannt. Eine Pflichtlektüre für Teilnehmer von Fotowettbewerben.