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Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 05

Sind mei­ne Fotos gut genug für die Stockfotografie? Da ich immer wie­der sol­che Anfragen bekom­men habe, gibt es seit einer Weile die Rubrik „Pimp My Stock!“. Dort besprech­eich Fotos mit dem Schwerpunkt dar­auf, ob sie sich gut ver­kau­fen wür­den.

In der fünf­ten Folge sehen wir die Fotos von „Bilderquelle“. Er war vor­her Bankkaufmann und ver­kauft seit einem hal­ben Jahr im Microstock-​Bereich. Die meis­ten sei­ner Fotos ent­ste­hen mit einer Canon 400D und einer 50mm-​Festbrennweite. Er bat mich, mich in ers­ter Linie auf die Bilder und weni­ger auf sei­ne Person zu kon­zen­trie­ren. Deswegen legen gleich mal los.

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Das ers­te Foto ist von ener alten Frau im Garten mit einer Erdbeere in der Hand. Dieser klei­ne rote Punkt vor dem grü­nen Hintergrund sorgt für einen schö­nen Farbkontrast. Die blau/​gelbe-​Schürze mit der eben­so blau/​gelben-​Bluse tra­gen auch dazu bei und tau­chen das Bild in sat­te, strah­len­de Primärfarben. Der Anschnitt ist knapp, aber gut gesetzt und das Format unge­wöhn­lich. Das Aufhelllicht kommt weich und dezent von schräg vor­ne. Thematisch sind Senioren in länd­li­cher Umgebung und „gesun­de Ernährung“ gefrag­te Themen, wes­halb die­se Foto auf jeden Fall ein super Stockfoto ist!

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Beim zwei­ten Bild gibt es einen klas­si­schen „Business-​Freisteller“. Manager mit Schutzhelm und jun­ger Mann im Anzug. Das Bild ist an sich gelun­gen, nur eini­ge Details stö­ren. Der jun­ge Mann wirkt im gesicht nicht über­zei­gend und etwas „glatt“. Außerdem tra­gen z.B. Architekten die wei­ßen Helme, wäh­rend die gel­ben Schutzhelme eher von den Arbeitern getra­gen wer­den. Das kann eini­ge Verkäufe in der Baubranche kos­ten. Ansonsten tech­nisch aber gut umge­setzt.

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Ein schnör­kel­lo­ses Foto eines Baugeräts. Hier ist es wich­tig, den genau­en Namen der Maschine zu wis­sen, damit die Kunden zum Bild fin­den. Das Bild ist doku­men­ta­ri­scher Natur, wird also wahr­schein­lich eher für den Einsatz in Zeitungen und Zeitschriften in Frage kom­men statt für Werbung. Ein mög­li­ches Problem könn­te der Baggerfahrer sein. Entweder hilft ein Model Release oder eine Lizenzierung des Fotos als „rights mana­ged“. Je nach Strenge der Bildagentur ist viel­leicht auch für die kom­mer­zi­el­le Nutzung kein MR erfor­der­lich, aber dann ist es eige­nes Risiko des Fotografen.

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Jetzt kom­men eini­ge Kinderbilder. Zuerst der spie­len­de Vater mit lachen­dem Sohn auf den Knien. Wirkt echt, trotz Zusatz von künst­li­chem Licht und schlicht, aber wir­kungs­voll in der Komposition. Einzig der Ohrstecker des Mannes stört viel­leicht kon­ser­va­ti­ve­re Kunden wie eini­ge Familienverbände, kann aber ggf. retu­schiert wer­den.

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Ein traum­haf­tes Stockfoto! Nachdenklicher Junge mit Brötchen auf einer som­mer­li­chen Sitzbank. Klasse sat­te Farben und natür­lich wir­ken­de Haltung des Kindes. Die Bildaufteilung ist fast per­fekt, lei­der stört der feh­len­de Fuss unten. Die Schrift auf dem Hosenlatz kann unter Umständen eben­falls Markenrechtprobleme mit sich brin­gen. Da bie­tet sich eine Retusche eben­falls an.

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Auch die­ses Foto ist sehr geeig­net für Bildagenturen. Gute Aufteilung mit Platz für Text, knal­li­ges Rot, Gelb, Grün und Blau und ent­spannt wir­ken­de Stimmung von Kind und Mutter bzw. Schwester. Der Anschnitt ist etwas zu eng, an allen Seiten außer links hät­ten paar Zentimeter mehr das Bild bes­ser atmen las­sen und den Designern mehr Freiheiten gege­ben. Trotzdem sicher ein Renner als Stockfoto.

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Die Babyschuhe auf dem Babybauch sind tech­nisch gut umge­setzt. Das Motiv ist in den Bildagenturen jedoch zuhauf vor­han­den, es kon­kur­riert also mit vie­len eben­so­gu­ten Bildern. Etwas stö­rend wirkt hier, dass der Hintergrund nicht rein weiß ist, son­dern z.B: rechts am Bauch in leich­tes Gelb über­läuft.

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Gleiches gilt für das Foto des lesen­den Mädchens. Die Freistellung an den Füßen des Mädchens kann in Photoshop ver­bes­sert wer­den. Auch der Buchtitel soll­te retu­schiert wer­den, damit es für mehr Käuferschichten rele­vant ist. Inhaltlich ist das Bild gut gelun­gen. Ich bin mir jedoch sicher, dass z.B. istock­pho­to das Bild allein wegen „zuviel frei­er Fläche“ ableh­nen wür­de. Die haben da einen extra Textbaustein für, wie hieß der noch?

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Das letz­te Bild ist ein dunk­les Mädchenportrait. An sich schön, sowohl Gesicht als auch Foto, aber ich fin­de, es sieht stark nach „ein Mal durch ‚Portrait Professional‘ “ gejagt aus. Die Haut wirkt zu glatt­ge­bü­gelt und der Gesichtsausdruck des Mädchens lässt sich nicht so leicht deu­ten. Kann sich ver­kau­fen, aber garan­tiert nicht so gut wie die Oma oder die Familie oben.

Okay, was meint ihr zu den Fotos? Teilt ihr mei­ne Meinung oder seid ihr ande­rer Ansicht?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stock­taug­lich“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-​Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-​Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­lich, sub­jek­tiv.

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 04

Weiter geht’s. Pimp My Stock! Durch den Deal von Getty Images mit Flickr haben wie­der eini­ge Hobby-​Fotografen gemerkt, dass ihre Fotos Geld wert sind.

Auch der Fotograf Joachim S. Müller ist von Getty Images ein­ge­la­den wor­den, wahr­schein­lich, weil er gute Tier- und Reisefotos macht. Hauptberuflich ist er Netzwerkmanager und foto­gra­fiert seit 1999 – aus­schließ­lich digi­tal. Angefangen hat er mit einer Kodak DC240 und ab 2006 ging es mit der Sony Cybershot DSC-​F828 wei­ter. Zur Zeit steht der Wechsel in die nächst­hö­he­re Kameraliga an (Canon 50D oder Nikon D300). Bisher sind die meis­ten sei­ner Fotos unter einer nicht­kom­mer­zi­el­len Creative Commons-Lizenz ver­öf­fent­licht, aber ab und zu bekommt er auch kom­mer­zi­el­le Anfragen. Er wür­de ger­ne wis­sen, ob sei­ne Fotos für Bildagenturen taug­lich sind und in wel­che Richtung er sich wei­ter ent­wick­len soll.

Schauen wir uns mal sei­ne Fotos an:

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Eine schlei­chen­de Raubkatze (ein Leopard?) mit gelun­ge­ner Weitwinkel-​Perspektive. Die Umgebung sieht nach einem Zoo aus und könn­te der Grund sein, war­um der Fotograf die Nähe der Katze über­lebt hat. Das Motiv ist tech­nisch gelun­gen und hat gute Verkaufschancen. Rechtlich pro­ble­ma­tisch könn­te es nur wer­den, wenn der Zoo sein Gehege erkennt und es auch nach­wei­sen kann. Eine (recht­lich nicht bin­den­de) Übersicht über Fotografie in Zoos gibt es bei der Zooliste. Hilfreiche Diskussionen zum Thema auch bei Foto-​Talk.

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Ein wei­te­res Tierfoto, dies­mal von einem, äh… Krokodil? Alligator? Ihr merkt, dass Tiere nicht mei­ne Stärke sind. Das Foto ist eben­falls sehr aus­drucks­stark und sym­bo­lisch. Die Betonung auf die Zähne lässt Konzepte wie „Gefahr, Hunger, Angst“ zu. Wenn dann die Krokodilart noch genau bestimmt wer­den kann, steht Verkäufen nichts mehr im Weg.

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Au weia, heu­te bla­mie­re ich mich total. Sind das Kapuzineräffchen? Gremlins? Helft mir! Die Komposition ist gut gelun­gen und die Schärfe sitzt. Die Schatten sind etwas zu dun­kel gera­ten, viel­leicht kann da der „Tiefen/Lichter“-Filter von Photoshop hel­fen. Den Hintergrund wür­de ich noch mal vor­sich­tig weich­zeich­nen, damit die Gitternetzstruktur des Zoos nicht so auf­fäl­lig ist.

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Wow, Nachtlook. Dieses Foto wur­de mit dem Infrarot-Modus der Sony DSC-​F828 auf­ge­nom­men und wirkt so wie eine Nachtaufnahme von pro­fes­sio­nel­len Tierfilmern. Allein die­ser Look (den ande­re sicher auch in Photoshop simu­lie­ren kön­nen), sorgt für Exotik im Bild. Die rie­si­gen Kulleraugen des Roten Schlankloris (ich habe geschum­melt und beim Fotografen nach­ge­schaut) für die Niedlichkeit. Bei Allround-​Bildagenturen sicher schwie­rig, aber für Spezialagenturen ein ver­käuf­li­ches Motiv.

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Orange-​Blau ist immer ein belieb­ter Farbkontrast, der auch hier sei­ne Wirkung nicht ver­fehlt. Trotzdem wirkt das Bild etwas unru­hig, da das Gebäude nicht gera­de auf dem Foto ist und die Wolken rechts im Bild die Monotonie des Himmels stö­ren. Auch die abge­schnit­te­ne Kuppel ist dis­kus­si­ons­wür­dig. Viele Bildagenturen wür­den die gan­ze Kuppel bevor­zu­gen mit dem Argument, dass sich Kunden bei Bedarf das Bild selbst zurecht­schnei­den wür­den.

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Naturaufnahmen kon­kur­rie­ren in Bildagenturen mit vie­len Klassikern. Während Fotos von Menschen allein durch Mode und Styling von selbst ver­al­ten, bleibt Natur rela­tiv bestän­dig und auch Jahrzehnte alte Dia-​Aufnahmen kön­nen sich heu­te noch gut ver­kau­fen, wenn sie pro­fes­sio­nell ein­ge­scannt wer­den. Dieses Foto hat jedoch trotz­dem gute Verkaufschancen, da durch die bei­den Menschen im Bild zum einen die Proportionen der Umgebung bes­ser sicht­bar wer­den und zum ande­ren Fotos von Menschen im Regen bzw. Nebel rela­tiv sel­ten sind. Zusammen mit einem kla­ren Bildaufbau ergibt es ein gutes, kon­kur­renz­fä­hi­ges Stockfoto. Nur die Furchen links unten könn­ten even­tu­ell mit Photoshop ent­fernt wer­den.

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Für die­ses Foto einer Taucherin gilt ähn­li­ches wie beim letz­ten Bild. Die Kombination „schö­ne Naturaufnahme + Mensch = Verkäuflichkeit“ trifft auch hier zu. Der Anschnitt links ist viel­leicht etwas knapp und um auf der siche­ren Seite zu sein, soll­te ein Model Release der Taucherin vor­han­den sein. Ich hat­te letz­te Woche erst eine Mail von einer Bildagentur erhal­ten, dass sich die Leserin einer Zeitschrift gemel­det hat­te, in der ein Foto von mir abge­druckt war. Sie behaup­te­te, ich hät­te ihre Mutter foto­gra­fiert. Dabei war die alte Dame auf dem Foto mei­ne Oma. Mit dem Model Relase konn­te ich das nach­wei­sen.

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Hier haben wir so einen Fall: Eine schö­ne Landschaftsaufnahme ohne Menschen. Technisch ist sie gelun­gen, die Komposition ist anspre­chend, der Himmel ansehn­lich und die Linien um unte­ren Drittel erzeu­gen einen wie­gen­den, beschwing­ten Einduck. Vom Motiv gut ver­käuf­lich, doch kon­kur­riert die­se Aufnahme der Sony mit ca. 8MP mit ähn­li­chen Fotos mit deut­lich höhe­rer Auflösung. Ein gutes Stockfoto, jedoch mit viel Konkurrenz.

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Bei die­sem Foto hät­te ich zuerst auf ein Fernrohr getippt, aber bei genau­em Hinsehen erkennt man eine Querflöte. Die Perspektive mit der gerin­gen Tiefenschärfe ist gelun­gen und das Foto ist gut frei­ge­stellt. Für Bildagenturen des­halb gut geeig­net. Es kann jedoch sein, dass die wei­ßen Bereiche auf der Flöte kei­ne Zeichnung mehr besit­zen, das kann ich bei die­sem klei­nen Format nicht erken­nen und das kann für eini­ge Bildagenturen ein Ablehnungsgrund sein.

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Das letz­te Foto ist eben­falls ein Stillleben: Altes Buch mit Brille. Die Freistellung ist sau­ber (bis auf die klei­ne Schattenstelle unten links, die etwas ver­bes­sert wer­den könn­te) und mit den pas­sen­den Suchbegriffen wie „Bildung, Wissen, alt, …“ gut ver­käuf­lich. Hier bie­ten sich auch Variationen an: Mit zusam­men­ge­klapp­ten Brillenbügeln, Brille vor dem Buch, alte statt neu­er Brille etc.

Insgesamt ein über­zeu­gen­des Portfolio, was von Bildagenturen sicher ger­ne genom­men wird. Ein klei­ner Hinweis jedoch: Die Creative Common-​Lizenz, unter der vie­le die­ser Fotos erhält­lich sind, schränkt die Vermarktung etwas ein. Zum Beispiel müss­te eine Zeitung, die einen Bericht mit einem Foto illus­trie­ren möch­te, dafür nichts zah­len. Der Verkäuflichkeit scha­det das natür­lich.

Was sagt ihr zu den Fotos? Teilt ihr mei­ne Einschätzung?

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos “stock­taug­lich” sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-​Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-​Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­lich, sub­jek­tiv.

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Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 03

Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fra­gen mich ande­re Fotografen, ob ich Ihnen nicht eini­ge Tipps zur Stockfotografie geben kön­ne.

Klar, mache ich ger­ne. Aber damit auch ande­re Fotografen etwas ler­nen kön­nen, möch­te ich kon­kre­te Tipps zu kon­kre­ten Stockfotos in der Artikelserie “Pimp My Stock” geben. Im Teil drei mei­ner Serie bit­tet Martha Spörck um Hinweise, wie sie ihre Stockfotos ver­bes­sern kann. Martha ist eine Angestellte aus Wien, die seit 2000 Amateurfotografin ist und seit 2008 mit der Stockfotografie begon­nen hat. Sie foto­gra­fiert mit einer Canon EOS 40D und einer Walimax-​Blitzanlage.

Wer von mir auch kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos “stock­taug­lich” sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-​Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-​Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­lich, sub­jek­tiv.

Nun, aber die Fotos:

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Die Farbauswahl mit dem rosa und rot und der Komplementärfarbe Grün an der Tasse fin­de ich gelun­gen, auch die Komposition passt. Trotzdem gibt es vie­le Dinge zu ver­bes­sern, die allein viel­leicht nicht rele­vant sind, aber zusam­men doch zu einer „Abwertung“ des Fotos füh­ren. Zum ist der Saum des Pulloverärmels sicht­bar aus­ge­franst, der Faden mit dem Etikett des Teebeutels stört und kann in der 100%-Ansicht even­tu­ell zu Urheberrechtsproblemen füh­ren (Logo, Markenrecht). Außerdem fin­de ich den Blick des Models unpas­send. Der wirkt auf mich eher nach „Ihh, was schwimmt da Ekliges in mei­nem Tee“ als „Hm, ich lie­be hei­ßen Tee“. Und genau die­ser Ausdruck wür­de ein Bild ver­kau­fen.

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Hier domi­niert der Anschnitt: Finger, Augen, Haaransatz sind abge­schnit­ten. Vor allem das Abschneiden der Augen ist ein Tabu und soll­te ver­mie­den wer­den. Das Lächeln des Models über­zeugt mich lei­der wie­der nicht. Auch die gesam­te Szene ist dies­mal selt­sam. Eine hal­be Walnuss auf der Handfläche? Als Stockfoto zum Thema „Kochen/​Ernährung“ wür­de eine Küchen- oder Essumgebung bes­ser pas­sen und zum Thema „Härte“ hät­te die Nuss mit den Zähnen auf­ge­bis­sen wer­den kön­nen.

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Das Konzept wirkt klar, der Bildaufbau hät­te jedoch sym­me­tri­scher sein kön­nen. Vor allem, dass der Körper nicht in der Bildmitte ist und links vom Arm weni­ger als rechts zu sehen ist, stört den Bildeindruck.

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Geldscheine sind ein her­vor­ra­gen­des Requisit für Konzeptfotos. Da hier jedoch sofort zu erken­nen ist, dass Spielgeld ver­wen­det wird, schwächt das die Symbolkraft der Bilder stark ab. Diese Art der Fingernägel ist eine Modeerscheinung, wel­che das Bild schnel­ler ver­al­ten las­sen kann als not­wen­dig. Was das für ein metal­li­scher Gegenstand ist, den die Hände da hal­ten, habe ich nicht erra­ten kön­nen. Hat jemand eine Idee?

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Auch wie­der ein gutes Motiv. Kopfkissen sym­bo­li­sie­ren Ruhe und Entspannung. Für ein „müdes“ Model wirkt die Frau jedoch zu auf­ge­stylt und zu stark geschminkt. Der Gesichtsausdruck ist eben­falls wie­der nicht opti­mal. Er scheint eher Trauer als Gelassenhaut aus­zu­drü­cken. Mit einem zer­knüll­ten Taschentuch in der Hand unter dem Auge wäre es wie­der pas­send zum Thema „Liebeskummer“.

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Leider gilt auch bei die­sem Bild viel von den vori­gen Anmerkungen. Das Motiv ist an sich ver­kaufs­träch­tig. Immerhin ist 2010 die nächs­te Fußball-​Weltmeisterschaft. Aber Schmuck und Schminke des Models wir­ken nicht sport­lich und als Foto zum Thema „Fan“ oder „Zuschauer“ wirkt der Blick der Frau nicht moti­viert und lei­den­schaft­lich genug.

Es schmerzt mir, so viel Negatives zu den Fotos schrei­ben zu müs­sen. Aber es wird gut deut­lich, dass es für gelun­ge­ne Stockfotografie auf Kleinigkeiten ankommt. Vor allem die Wahl des Models wirkt für die­se Motive nicht ganz glück­lich und auch die Accessoires hät­ten behut­sa­mer genutzt wer­den kön­nen.  Wie seht ihr das? War ich zu kri­tisch? Oder zu nett?

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Ob ich denn nicht mal…? Ab und zu fra­gen mich ande­re Fotografen, ob ich Ihnen nicht eini­ge Tipps zur Stockfotografie geben kön­ne.

Klar, mache ich ger­ne. Aber damit auch ande­re Fotografen etwas ler­nen kön­nen, möch­te ich kon­kre­te Tipps zu kon­kre­ten Stockfotos in der Artikelserie „Pimp My Stock“ geben. In der zwei­ten Folge fragt mich der Wiener Fotograf Elia, wie sich eini­ge sei­ner Fotos in Bildagenturen machen wür­den. Bisher macht er vor allem Reportagefotos und Auftragsarbeiten, möch­te aber stär­ker in die Stockfotografie ein­stei­gen. Er foto­gra­fiert meist mit der Canon EOS 30D.

Wer eben­falls von mir kos­ten­los Tipps haben will, ob sei­ne Fotos „stock­taug­lich“ sind, kann ger­ne eben­falls mit­ma­chen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kur­ze Mail, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-​Branche vor­habt.
– Wenn ich aus­rei­chend Zeit habe für Bildbesprechungen, bit­te ich Euch, mir 5–10 Bilder in klei­ner Auflösung zu schi­cken.
– Diese wer­de ich dann in einem Blogbeitrag wie die­sem ver­öf­fent­li­chen (auf Wunsch auch anonym) und mei­ne Kommentare abge­ben aus Business-​Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, son­dern wie ver­käuf­lich das Foto sein könn­te oder wie es ver­käuf­li­cher gemacht wer­den könn­te.
Kritisch, ehr­lich, sub­jek­tiv.

Nun, aber die Fotos:

Makeup (© Elia Zilberberg)

Das ers­te Foto ist ein pas­tell­far­be­nes Stilleben von Make-​Up-​Zubehör. Das Motiv ist bei Bildagenturen gern gese­hen und die leich­te Schräge ist auch Teil der moder­nen Bildsprache.
Das Weiß läuft viel­leicht etwas zu stark aus und könn­te bei eini­gen Bildagenturen zur Ablehnung wegen „tech­ni­scher Mängel“ füh­ren, auch wenn ich fin­de, dass es das Helle und Schöne, was dem Beauty- und Wellness-​Bereich ger­ne zuge­schrie­ben wird, betont.
Die Farbtöpfchen im Vordergrund könn­ten in der Stockfotografie etwas sau­be­rer sein, vor allem im Bereich der Werbung. Bei einer redak­tio­nel­len Verwendung ist das weni­ger ein Problem.

Fuss (© Elia Zilberberg)

Eine unge­wöhn­li­che Perspektive zeich­net die­ses Foto aus. Die Betonung auf den vor­de­ren Fuß lässt einen gleich dar­an den­ken, wie es sich anfüh­len wür­de, im Wasser zu plan­schen und zu schwe­ben. Der Ring am Zeh wirkt mei­nes Erachtens etwas stö­rend, weil er die Aufmerksamkeit zu stark bean­sprucht.
Auch unter dem Fuß hät­te mehr Platz sein kön­nen. Die dunk­len Stellen oben links bre­chen die hel­le Wellness-​Atmosphäre auch etwas unpas­send, kön­nen aber mit Photoshop schnell ent­fernt wer­den. Insgesamt aber ein Foto, was sich gut ver­kau­fen könn­te.

Blasen (© Elia Zilberberg)

Ich kann nicht genau erken­nen, was das Foto abbil­det, ver­mu­te aber, es sind Wassertropfen. Ein Foto, was nicht jeder Fotograf nach­ma­chen könn­te und des­halb auch weni­ger Konkurrenz bei den Bildagenturen haben wird. Zusammen mit den pas­sen­den kon­zep­tio­nel­len Suchbegriffen soll­te das Foto gut ver­käuf­lich sein. Höchstens ein blau­er Hintergrund könn­te die Assoziation mit Wasser ver­stär­ken und für noch mehr Verkäufe sor­gen. Warum also nicht in Photoshop die Farbe ändern und den Agenturen bei­de Versionen anbie­ten?

Gericht (© Elia Zilberberg)

Dieses Foto eines reich­hal­tig gedeck­ten Tisches lebt von der unge­wöhn­li­chen und nur auf­wän­dig zu errei­chen­den Perspektive. Zusammen mit dem wei­chen, aber den­noch mode­lie­ren­den Licht von links ergibt das ein Foto, um das sich Bildagenturen prü­geln wür­den. Bevorzugen wäre eine Bildagentur, die sich auf Food-​Fotos spe­zia­li­siert hat, wie z.B. Stockfood oder Delipix.
Verbesserungeswürdig wäre noch die Ausrichtung des Fotos: Alle Tischkanten soll­ten par­al­lel zum Bildrand lau­fen. Mit etwas Photoshop-​Arbeit lässt sich das aber noch rich­ten.

Enten (© Elia Zilberberg)

Ein herr­li­ches Motiv: Eine Entenfamilie mit nied­li­chen klei­nen Kücken. Einsam, aber dicht gedrängt, geht sie auf der Straße und die Eltern schei­nen sich etwas zu erzäh­len oder Zuneigung zu signa­li­sie­ren. Das Foto ist her­vor­ra­gend geeig­net, um Konzepte wie „Familie, Vertrauen, Sicherheit, Geborgenheit oder Kindheit“ zu ver­kör­pern. Zwei klei­ne Nachteile nur: Die meis­ten Bildagenturen bevor­zu­gen Farbfotos mit der Begründung, dass der Kunde schnel­ler aus einem Farbbild ein S/​W‑Foto erzeu­gen kann als anders­rum. Auch wirkt es auf mich, als läge die Schärfe nicht genau auf den Köpfen der erwach­se­nen Enten, aber das kann ich bei der Bildgröße nicht rich­tig beur­tei­len.

Weg (© Elia Zilberberg)

Eine gene­ri­sche Landschaft. Ein Weg. Viel Himmel. Von die­sen Motiven gibt es unzäh­li­ge und des­halb wird es so ein Foto schwer haben, von Bildagenturen genom­men zu wer­den. Da sol­che Motive von Kunden trotz­dem häu­fig gefragt wer­den, wür­de sich der Aufwand loh­nen, es etwas zu ver­bes­sern. Das Blau des Himmels soll­te abge­dun­kelt und gesät­tigt wer­den, auch das Grün der Wiese kann her­vor­ge­ho­ben wer­den. Die ein­zel­nen Zweige und dazu­ge­hö­ri­gen Schatten unten rechts las­sen sich noch ent­fer­nen. Dazu noch die pas­sen­den Suchbegriffe wie „Weg, Himmel, blau, Natur, Landschaft, Ziel, Reise, Urlaub, etc.“ und die Verkäufe kön­nen kom­men.

Feld (© Elia Zilberberg)

Bei der Bewerbung für die Bildbesprechungen hat mit Elia ca. 50 Fotos geschickt, von denen vie­le Fotomotive mit Menschen waren, beim Sport oder beim Feiern und die sich sehr gut ver­kauft hät­ten. Es ist mir recht­lich jedoch zu unsi­cher, die­se hier zu zei­gen, weil für die Fotos kein schrift­li­cher Modelvertrag vor­liegt. Genau das ist auch der Grund, war­um die­se Fotos es bei Bildagenturen schwer haben wür­den.

Als Kompromiss hier ein Foto, bei der eine Frau nur unscharf im Hintergrund zu sehen ist. Mir gefällt das Foto, weil die Haltung der Frau eine nach­denk­li­che, betrüb­te Stimmung sym­bo­li­siert. Die scharf­ge­stell­ten fili­gra­nen, fei­nen Blüten im Vordergrund unter­strei­chen die Sensibilität des Augenblicks noch. Insgesamt ein gelun­ge­nes Stockfoto.

Futter (© Elia Zilberberg)

Katzenfotos gibt es zuhauf in der Stockfotografie. Dieses Foto hebt sich davon durch die stren­ge Linienführung ab und hat neben nied­li­chen Katzen auch meh­re­re Themen zu bie­ten: „Ernährung, Futterneid, Teilen, …“
So ist es in der Stockfotografie gut auf­ge­ho­ben. Entfernt wer­den könn­te noch das Graffito unten links, auch wenn die Buchstaben „ATE“ das eng­li­sche Wort für „geges­sen“ (bzw. aß) bil­den und somit the­ma­tisch sogar pas­sen wür­den.

Operation (© Elia Zilberberg)

Das ist nichts für schwa­che Nerven. Blut domi­niert das Foto, zusam­men mit einer offe­nen Wunde und drei Händen, die mit spit­zen Werkzeugen dar­an wer­keln. Die Magenverträglichkeit des Fotos ist dis­ku­ta­bel, nicht aber die gelun­ge­ne Komposition, bei der alle Werkzeuge die Blicke auf die Wunde len­ken und die Reduzierung auf di bei­den Grundfarben Blau und vor allem das Rot.
Die Konkurrenz bei die­sem Motiv ist in Bildagenturen gering und somit dem Verkauf sehr zuträg­lich.
Nur das Auge oben rechts irri­tiert und soll­te am Computer eben­falls weg­ope­riert wer­den.

Katzen (© Elia Zilberberg)

Nach dem Blutschock etwas Niedliches zur Versöhnung. Katzenbabies! Wie beim vori­gen Katzenfoto schon geschrie­ben, gibt es die­se Tiere bei Bildagenturen zuhauf und des­halb steht die Hauskatze bei vie­len Bildagenturen mitt­ler­wei­le auf der Liste der „uner­wünsch­ten Motive“. Diesem Foto rech­ne ich trotz­dem gute Verkaufschancen aus, weil Katzenbabies, vor allem als Gruppe, so süß sind, dass sich immer genug Käufer fin­den wer­den. Voraussetzung: Die obe­re Katze muss scharf sein, was beim klei­nen Vorschaubild nicht genau erkenn­bar ist.

So, nun seid ihr dran. Decken sich mei­ne Einschätzungen mit Euren Erfahrungen oder wür­det ihr eini­gen Motiven mehr oder weni­ger Verkaufschancen ein­räu­men als ich?