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Mögliche Fehler in der Modelfreigabe (Model Release)

Schon lan­ge bie­te ich hier im Blog mei­nen Model Release zum Download an. In mei­nem Buch „Stockfotografie“* ist zusätz­li­ch auch mein Property Release sowie ein Modelvertrag für Minderjährige abge­druckt.

shs-model-release-16-11-_2016_11-59-39Diesen Release nut­ze ich seit Jahren und bis­her wur­de er von jeder Agentur als gül­tig akzep­tiert.

Nun errei­chen mich immer wie­der Mails von Fotografen, denen die­ser aus­ge­füll­te Vertrag trotz­dem von einer Bildagentur abge­lehnt wur­de.

Auch bei mir wird manch­mal ein Modelvertrag abge­lehnt, aber das liegt eigent­li­ch nie am Vertrag selbst, son­dern immer nur dar­an, wie er aus­ge­füllt wur­de. Oder anders for­mu­liert: Wenn der Modelvertrag abge­lehnt wird, ist er nicht kor­rekt aus­ge­füllt. Das sind meist nur Kleinigkeiten, die in der Eile vom Fotografen oder vom Model über­se­hen wur­den.

Die Agenturen schrei­ben als Begründung lei­der meist nur „Probleme mit dem Model Release“ oder „ein voll­stän­di­ger Modelvertrag wird benö­tigt“, was im Detail wenig hilft.

Hier des­halb eine Auflistung der häu­figs­ten Ablehnungsgründe, war­um ein Model Release zurück­ge­wie­sen wird von einer Bildagentur zurück­ge­wie­sen wer­den kann.

Probleme mit den Zahlen:
Das häu­figs­te Problem ist, wenn Jahreszahlen zwei­stel­lig statt vier­stel­lig geschrie­ben wer­den, zum Beispiel 07.11.16 (statt 07.11.2016).
Auch unle­ser­li­ch geschrie­be­ne Zahlen kön­nen zu Problemen füh­ren, zum Beispiel weil eine 7 wie eine 9 aus­sieht oder eine 1 wie eine 7. Das ist rele­vant, weil die Unterschrift des Zeugen am glei­chen Tag wie die des Models erfol­gen soll­te. Generell ist es auch sehr emp­feh­lens­wert, dass alle Datumsangaben iden­ti­sch sind, also die Unterschrift von Fotograf, Model, Zeuge iden­ti­sch mit dem Shootingdatum sind.

Fehlende Daten:
Auf mei­nem Modelvertrag über­se­hen vie­le Models oft, dass beim Feld für ihre Unterschrift auch noch­mal das aktu­el­le Datum ste­hen muss. Manche tra­gen aber das Datum ein und ver­ges­sen dann ihre Unterschrift.

Auch alle Namen müs­sen voll­stän­dig im Vertrag ste­hen. Nur der Nachname (ohne Vorname) reicht nicht und auch Abkürzungen, vor allem vom Vornamen füh­ren regel­mä­ßig zu Ablehnungen (zum Beispiel H.-J. Schmidt oder V. Meier).

Langsam soll­te es sich her­um­ge­spro­chen haben, aber ich erwäh­ne es trotz­dem noch mal: Ein Zeuge soll­te eben­falls immer im Modelvertrag ste­hen, selbst wenn nach deut­schem Recht ein Vertrag ohne Zeuge gül­tig wäre.

Falscher Vertrag:
Es kann manch­mal vor­kom­men, dass ein fal­scher Vertrag ver­wen­det wird. Zum Beispiel, weil das Model „bald“ 18 Jahre alt wird, aber trotz­dem schon ein Model Release für Erwachsene ver­wen­det wird. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Für Haustiere o.ä. hin­ge­gen wird eine Eigentumsfreigabe (Property Release) ver­langt, kein Model Release.

Unzureichende Daten:
Das Feld „Shootingbeschreibung“ ist eben­falls ein heik­les Feld. Wird dort das Thema des Shooting zu all­ge­mein gehal­ten (z.B. ein­fach „Shooting“ ein­ge­tra­gen oder „Photos“) kann der Vertrag abge­lehnt wer­den. Wird das Feld jedoch zu spe­zi­ell aus­ge­füllt („body­buil­ding images in gym“) und man macht noch am Rande eini­ge ande­re Fotos, kann es eben­falls Probleme geben. Bewährt hat sich bei mir „Lifestyle por­traits w/ props“, ggf. etwas spe­zi­el­ler „Business shoot“ oder „Fitness shoot“ o.ä. Ich ver­mei­de dort das Wort „images“, falls ggf. auch Videos beim Shooting gemacht wer­den.

Meist meckert eine Agentur auch, wenn die Models aus Bequemlichkeit das Land (sei es „Country“ oder „Shooting Country“) abkürzt, also z.B. „D“ statt Deutschland schreibt, wobei die offi­zi­el­len Country-Codes (also z.B. „GER“ für Deutschland) meist durch­ge­hen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt natür­li­ch „Germany“.

Daten schlecht les­bar:
Manchmal sind alle Daten kor­rekt aus­ge­füllt, aber Model, Zeuge oder Fotograf haben eine so unle­ser­li­che Handschrift, dass der Bildredakteur etwas ande­res liest als dort steht, was dann als einer der obi­gen Fehler inter­pre­tiert wird.

Falscher Zeuge:
Im Feld „Zeuge“ dür­fen weder der Fotograf selbst, das Model selbst oder die Eltern des Models unter­schrei­ben. Mögliche Zeugen wären bei­spiels­wei­se eine Visagistin, ein Assistent oder ande­re Models.

Andere Fotografen:
Generell akzep­tie­ren Agenturen nur Modelverträge, bei denen der Fotograf den glei­chen Namen trägt wie der hin­ter­leg­te Accountname bei der Agentur. Wer jedoch auch ande­re Fotografen für sich arbei­ten lässt und deren Modelverträge hoch­la­den will, muss bei eini­gen Agenturen zusätz­li­ch nach­wei­sen, dass er im Besitz aller erfor­der­li­chen Rechte ist (z.B. mit­tels eines Buy-Out-Vertrags), um eine Ausnahmegenehmigung zu erhal­ten.

Spezialfälle:
Bei Selbstportraits muss der Fotograf sowohl als Fotograf als auch als Model unter­schrei­ben. Zeuge muss jemand ande­res sein, sie­he oben.
Wenn das Model auf den Bildern schon ver­stor­ben ist, muss der Modelvertrag von einem der Erben aus­ge­füllt wer­den.
Bei Models für Aktaufnahmen muss in der Regel nach­ge­wie­sen wer­den, dass das Model zum Zeitpunkt der Aufnahmen über 21 Jahre alt war, zum Beispiel durch ein Ausweisdokument mit Foto und Geburtsdatum im Bild-Feld des Model-Vertrags.

Korrekte Modelverträge erhal­ten
Ihr seht, dass eini­ge Hürden zu umschif­fen sind, um kor­rekt aus­ge­füll­te Verträge zu erhal­ten. Deswegen lege ich gro­ßen Wert auf Gründlichkeit beim Ausfüllen der Modelverträge. Meine Assistentin füllt meist vor­her schon in aller Ruhe alle Felder aus, die fest­ste­hen (Shooting Country, Datum, ihre Daten als Zeugin usw.). Wenn die Models ihren Vertrag unter­schrei­ben sol­len, beto­ne ich als ers­tes, dass sie wirk­li­ch deut­li­ch schrei­ben, die Jahreszahlen aus­schrei­ben und nichts abkür­zen sol­len.

Wenn der Vertrag aus­ge­füllt ist, kon­trol­liert mei­ne Assistentin jeden Vertrag noch mal auf die oben genann­ten häu­fi­gen Fehlerquellen, damit wir not­falls noch etwas kor­ri­gie­ren kön­nen, bevor das Model nach Hause geht.

Digitale Verträge über Apps wie zum Beispiel „Easy Release“ eli­mi­nie­ren auch eini­ge Fehlerquellen wie Unleserlichkeit oder ver­ges­se­ne Daten.

Aus wel­chen Gründen wur­den euch schon Modelverträge abge­lehnt?

Steuerformulare bei Bildagenturen neu ausfüllen

Bei vie­len wird ver­mut­li­ch das Steuerformular bei den Bildagenturen abge­lau­fen sein, weil es nur jeweils vier Jahre gül­tig ist und nach der gro­ßen Einführungswelle 2009 meist 2013 erneu­ert wur­de.

2017 ist also das Jahr, in dem ihr spä­tes­tens bei euren wich­tigs­ten Bildagenturen kon­trol­lie­ren soll­tet, ob euer Steuerformular noch aktu­ell ist und es ggf. neu aus­fül­len.

Hier eine gro­be Anleitung, wo das Formular bei den Agenturen zu fin­den ist und was ihr aus­fül­len müsst.

Wichtiger Hinweis:
Die Ausfüllhilfe gilt nur für Leute, die als „Individual“ bei den Bildagenturen hoch­la­den und ihren Sitz in Deutschland haben. Wer zum Beispiel eine GmbH oder GbR hat, in deren Namen er Bilder hoch­lädt, muss ggf. ein ande­res Formular aus­fül­len. Rechtlich ver­bind­li­ch kann euch da nur euer Steuerberater wei­ter­hel­fen. Deshalb alle Hinweise hier ohne Gewähr.

Fotolia / Adobe Stock

Die Steuerbibliothek von Fotolia fin­det ihr unter dem die­sem Link bzw. in eurem Anbieter-Dashboard unten rechts unter Tools. Dort dann oben rechts auf „Meine Steuerformulare“ kli­cken und ihr seht, wie lan­ge euer Formular noch gül­tig ist.

Sollte es abge­lau­fen sein, müs­sen Einzelpersonen aus Deutschland das W8BEN-Formular aus der Steuerbibliothek online aus­fül­len. Das Formular kann und soll­te online mit­tels Adobe Sign aus­ge­füllt wer­den und sieht unge­fähr so aus wie der Screenshot. Die Felder mit roten Sternchen sind die Pflichtfelder:

Was muss in die Felder?

  1. Euer Vor- und Nachname
  2. Euer Land (Deutschland)
  3. Eure Meldeadresse (Erste Zeile Straße und Hausnummer, ggf. Adresszusatz, zwei­te Zeile links der Ort und rechts noch mal das Land)
  4. Postanschrift, falls die von der Meldeadresse abweicht
  5. Wer eine US-Steuernummer (ITIN) oder US-Sozialversicherungsnummer (SSN) hat, kann die­se hier ein­tra­gen, ist aber frei­wil­lig
  6. Wer eine deut­sche „Steuer-ID-Nummer“ hat, kann die­se hier ein­tra­gen. Ist eben­falls frei­wil­lig. Ich tra­ge hier immer mei­ne Umsatzsteuer-ID ein.
  7. frei­las­sen
  8. Geburtsdatum (ach­tet auf das Format Monat-Tag-Jahr)
  9. Deutschland ein­tra­gen als deut­scher Einwohner
  10. 0“ bei % rate ein­tra­gen und bei Type of inco­me „Royalty Income – Images/Other“. Wer zusätz­li­ch Videos anbie­tet, noch „Royalty Income – Motion Picture/Television“. Bei Reason noch mal „Royalty Income – Images/Other at 0% (und ggf. „Royalty Income – Motion Picture/Television at 0%“) ein­tra­gen
  11. Dann unten noch mal „bei Sign here“ euren Namen ein­tip­pen, dar­un­ter noch mal euren Namen (muss gen­au iden­ti­sch sein mit Feld 1.
  12. Dann auf „Abschicke“ bzw. „Submit“ kli­cken.

Shutterstock

Bei Shutterstock ist das Ausfüllen deut­li­ch ein­fa­cher, weil das meis­te schon vor­ge­druckt ist. Ihr müsst nur dar­auf ach­ten, dass eure Adresse kor­rekt ist bzw. die­se ggf. in eurem Profil aktua­li­sie­ren.

Das „Tax Center“ fin­det ihr hier bzw. unten rechts bei „Legal“ in der Linkleiste.

Das meis­te ist schon vor­aus­ge­füllt, die roten Sternchen zei­gen wie­der Pflichtfelder an, die nicht vor­han­de­nen Daten sind wie oben bei Fotolia aus­zu­fül­len.

Dreamstime

Bei Dreamstime fin­det ihr das „Tax Center“ hier oder wenn ihr oben rechts auf „My Account“ klickt und dann unten auf „Tax Center“.

Auch hier ist das meis­te vor­aus­ge­füllt, die rest­li­chen Daten wie­der wie oben über­neh­men. Einen wich­ti­gen Unterschied gibt es bei Dreamstime: Sie wol­len eine ID, also einen Identitätsnachweis als JPG-Datei, der nicht grö­ßer als 500 KB sein darf. Ich habe z.B. die Vorderseite mei­nes aktu­el­len Personalausweises geschickt. Es gin­ge auch der Reisepass oder Führerschein zum Beispiel.

123rf

Das „Tax Center“ von 123rf fin­det ihr hier. Auch hier ist das meis­te vor­aus­ge­füllt, der Rest sie­he oben. Hilfreich ist das Baumdiagramm, durch das man sich han­geln kann, falls man nicht weiß, wel­ches Formular das Richtige ist:

Habt ihr eure Steuerformulare über­prüft? Sind sie auf dem neus­ten Stand?

Ausfüllen der Steuerformulare für die Bildagentur 123rf

Ich weiß nicht, war­um die Bildagentur 123rf erst jetzt anfängt, bestimm­te Steuerinformationen von ihren Anbietern abzu­fra­gen, wäh­rend ande­re Agenturen wie Shutterstock oder Fotolia das schon seit über fünf Jahren ver­lan­gen.

Der Grund ist jedoch jedes Mal der Gleiche: Vorgaben der US-Finanzbehörde IRS, um steu­er­li­che Vorgaben kor­rekt umset­zen zu kön­nen.

Für Fotografen ist es sinn­voll und wich­tig, die Steuer-Informationen voll­stän­dig aus­zu­fül­len, weil so in den meis­ten Fällen eine deut­li­ch höhe­re Besteuerung der Agentureinnahmen ver­mie­den wer­den kann.

Während bei den ande­ren Agenturen bei der Umsetzung die­ser Behördenanforderungen teil­wei­se ein völ­li­ges Chaos herrsch­te, hat 123rf von den Fehlern der ande­ren Agenturen gelernt und das Ausfüllen des „W8-BEN-Antrags“ deut­li­ch erleich­tert.

Wie fülle ich das Formular richtig aus?

  1. Logge Dich bei 123rf ein und gehe dann ins „Tax Center“, der Link ist auf der Startseite ganz unten rechts zu fin­den.
  2. Dort star­tet ihr dann den „123 Tax Wizard“, also eine Art Ausfüllhilfe.
  3. Klickt auf „No“, bei „Do you know your Tax Group?“ (Kennst Du Deine Steuergruppe?)
  4. In mei­nem Fall kli­cke ich dann auf „I sub­mit as an indi­vi­dual at 123rf“ (Ich lie­fe­re Bilder als Einzelperson an 123rf). Achtung: Wer Bilder als Unternehmen, Handelsgesellschaft, GmbH, LLC oder ähn­li­ches lie­fert, muss unter Umständen eine der ande­ren Möglichkeiten ankli­cken.
  5. Danach wird das Land des per­ma­nen­ten Wohnsitzes abge­fragt, in mei­nem Fall „Germany“.

    123rf tax-01
    Screenshot des „Tax Wizard“
  6. Klicke dana­ch auf „Fill in E-form“ (Fülle das „W-8BEN“-Formular elek­tro­ni­sch aus) im roten Kästchen.
  7. Dann öff­net sich das „Form W-8BEN“, aber glück­li­cher­wei­se sind die meis­ten Daten schon aus dem Profil von 123rf über­nom­men wor­den.
  8. Kontrolliert bit­te euren Namen bei 1. sowie ihre Anschrift bei 4. Sollten da Fehler ent­hal­ten sein, müsst ihr die­se Daten bei 123rf unter „Mein Konto/Anschrift ändern“ kor­ri­gie­ren.
  9. Bei 6. habe ich mei­ne US-Steuernummer ein­ge­tra­gen, wer kei­ne hat, klickt rechts ein­fach auf „I have no SSN, ITIN or EIN“ (Ich habe kei­ne US-Steuernummer)
  10. Bei 7. habe ich mei­ne deut­sche Umsatzsteuer-ID ein­ge­tra­gen, bin aber ehr­li­ch gesagt unsi­cher, ob nicht auch die Steueridentifikationsnummer oder die „nor­ma­le“ Steuernummer aus­reicht. Da das Feld aber als „optio­nal“ (frei­wil­lig) gekenn­zeich­net ist, müss­tet ihr auch nichts ein­tra­gen, wenn ihr nicht wollt. 

    Screenshot des W8-BEN-Formulars
    Screenshot des W-8BEN-Formulars
  11. Die Häkchen und ande­ren Details sind von 123rf schon kor­rekt vor­aus­ge­füllt, ganz unten müsst ihr dann nur noch unter­schrei­ben, indem ihr euren Vor- und Nachnamen ein­tippt. Dieser muss iden­ti­sch sein mit dem Namen bei 1.
  12. Fertig! Danach wer­det ihr wie­der zum „Tax Center“ gelei­tet, wo jetzt in grün „Tax Form W-8BEN Submitted“ (Steuerformular abge­schickt) ste­hen soll­te.
  13. Nach eini­gen Wochen soll­te sich der Status in „Tax Form W-8BEN Approved“ (Steuerformular bestä­tigt) ändern.

Habt ihr das Steuerformular auch schon aus­ge­füllt?

Frag den Fotograf: Die Angst vor dem Modelvertrag

Kurz nach­dem ich mich ent­schie­den hat­te, mehr Leserfragen öffent­li­ch im Blog zu beant­wor­ten, tru­del­ten fast zeit­gleich zwei Mails ein, die eine sehr ähn­li­che Frage ent­hiel­ten. Deshalb möch­te ich bei­de Emails heu­te zusam­men beant­wor­ten.

Dagmar schrieb in ihrer Mail:

…bevor ich los­le­ge, grü­ße ich dich aus dem sehr som­mer­li­chen Hilden bei Düsseldorf.

Dieses Jahr bin ich in die Stockfotografie ein­ge­stie­gen, ver­fol­ge regel­mä­ßig dei­nen Blog, lese gera­de dein Buch und zie­he abso­lut den Hut davor, was du für dich auf die Beine gestellt hast. Du bist ein abso­lu­tes Vorbild für mich. Gratuliere von Herzen!

Jetzt hab ich als Anfängerin aber mal zwei Fragen an dich:

Buchst du immer dei­ne Models und machst dann dei­ne Fotos? Oder siehst du auch spon­tan eine Situation/ Motiv und sprichst die Personen an ob sie mit der Veröffentlichung und dem Verkauf von dem eben gemach­ten Foto ein­ver­stan­den sind?

Letztens habe ich auf einem Damm meh­re­re Rentner neben­ein­an­der auf einer Bank sit­zen sehen. Vorne eine gepfleg­te grü­ne Wiese, dahin­ter Himmel. Das Bild wäre geni­al gewe­sen! Habe mich nicht getraut sie anzu­spre­chen…

Wie um Himmels Willen machst du das dann? Hältst du denen den Vertrag unter die Nase und sagst so was wie

Sind Sie ein­ver­stan­den, dass ihr Bild ver­öf­fent­licht und ver­kauft wird? Ich kann Ihnen zwar nicht sagen mit wel­chen Überschriften und für was Sie dann Werbung machen – da hab ich kei­nen Einfluss drauf?“

Wenn ich mich in deren Lage ver­set­ze – ganz ehr­li­ch – „mehr wie son­der­bar“ – wür­de ich den­ken…!

Wenn sie spon­tan dann doch damit ein­ver­stan­den wären, wür­den Sie von mir Geld bekom­men? Wenn ja wie­viel? Man weiß ja vor­her gar nicht ob das Foto sich dann über­haupt ver­kauft.“

Lars schrieb mir fol­gen­des aus einer ande­ren Ecke Deutschlands:

Hallo Herr Kneschke,

ich habe ihren Blog schon sehr oft gele­sen und mir auch ihr Buch (3.Auflage) gekauft. Leider konn­te ich in den Informationsquellen kei­ne Infos dazu fin­den, wie sie den „Models“ oder sagen wir ein­fach mal Bekannten oder Freunden sagen, dass sie die Bilder im Internet ver­kau­fen wol­len.

Ich den­ke wenn ich das mei­ne Leute fra­gen wer­de, wird die Antwort sofort ein Nein sein, da es sich komi­sch anhört und man ja sel­ber gar kei­ne Kontrolle mehr über den wei­te­ren Verlauf der Bilder hat.

Mich wür­de es rie­sig inter­es­sie­ren wie sie das anspre­chen. Gibt es irgend­wel­che Tipps damit sich das gan­ze nicht so abschre­ckend anhört? Vor allem wirkt auch das Ausfüllen eines Vertrages eben­falls abschre­ckend.

Ich wäre ihnen zu rie­si­gem Dank ver­pflich­tet und wür­de mich sehr über eine Antwort zu dem Thema freu­en 🙂

Zu mei­ner Person: Ich hei­ße Lars, bin 24 Jahre alt und seit 2 Monaten alles am foto­gra­fie­ren was geht. Mir berei­tet die Fotografie Unmengen Spaß und ich bin sehr inter­es­siert an dem Thema. Damit jetzt auch noch Geld ver­die­nen zu kön­nen, wäre ein rie­sen Traum von mir. Selbst wenn es nur 10€ im Monat sind, wür­de mir das eine gro­ße Freude machen. Leider traue ich mich nicht wirk­li­ch mei­ne Freunde/Bekannten zu fra­gen ob ich sie foto­gra­fie­ren darf, um die Fotos im Internet zu ver­kau­fen und das bremst mich erheb­li­ch aus.“

Die Hauptfrage bei­der Mails ist: Wie erklä­re ich mei­nen Models, dass ich sie foto­gra­fie­ren will und was mit den Fotos geschieht? Auf die Nebenfragen will ich zwi­schen­durch ein­ge­hen.

Zunächst ein­mal: Ich foto­gra­fie­re so gut wie nicht spon­tan für Bildagenturen. Ich habe in mei­nen Anfängen die Erfahrung gemacht, dass eine sorg­fäl­ti­ge Planung deut­li­ch lukra­ti­ve­re Ergebnisse bringt als ein zufäl­li­ges „Drauflos“-Fotografieren. Außerdem lege ich eben Wert dar­auf, dass mei­ne Models wis­sen, was sie zu erwar­ten haben und das ist etwas, was sich nicht zwi­schen Tür und Angel erklä­ren lässt.

Deshalb lade ich die Leute, die von mir foto­gra­fiert wer­den wol­len, meist zu einem Vorgespräch ein. Dort zei­ge ich ihnen Beispielbilder von mir, damit sie mer­ken, wel­chen Bildstil ich haben will. Helle, bun­te, opti­mis­ti­sch wir­ken­de Fotos.

Außerdem habe ich eine dicke Mappe mit bis­he­ri­gen Veröffentlichen von mir, wo Bilder für Zeitungsartikel, Flyer, Broschüren, Poster, Bücher oder Produkte benutzt wur­den. Ich mache den Models klar, dass ich kaum Einfluss dar­auf habe, wo gen­au die Bilder ein­ge­setzt wer­den und auch nur sel­ten von einer kon­kre­ten Verwendung erfah­re. Nur weni­ge, bestimm­te Verwendungszwecke wer­den in den Nutzungsbedingungen aus­ge­schlos­sen.

Die poten­ti­el­len Models bekom­men mei­nen Vertrag in deut­sch und eng­li­sch aus­ge­hän­digt und haben genug Zeit, sich die­sen in Ruhe durch­zu­le­sen. Außerdem sind bei­de Versionen jeder­zeit auf mei­ner Webseite nach­les­bar.

Dazu mache ich paar Testfotos, um zu sehen, wie selbst­si­cher das Model vor der Kamera ist und ob es auf Kommando foto­gen lachen kann.

Spätestens dann ist für bei­de Seiten klar, ob eine Zusammenarbeit in Frage kommt oder nicht. Wieviel die Models übli­cher­wei­se als Bezahlung erhal­ten, habe ich in einer Umfrage unter Stockfotografen ermit­telt und die Ergebnisse in die­sem kos­ten­lo­sen Ebook bereit­ge­stellt. Den Einwand, dass man nicht wis­se, ob sich die Fotos auch ver­kau­fen wür­den, las­se ich nicht gel­ten. Das Honorar ist – wie hier beschrie­ben – als Investition zu sehen. Das ist auch ein wei­te­rer Grund gegen Spontan-Shootings: Je bes­ser der Fotograf vor­be­rei­tet ist, desto leich­ter amor­ti­sie­ren sich die Ausgaben für das Model.

In bei­den Mails schim­mert aber etwas ande­res durch: Angst. Die Angst, Menschen anzu­spre­chen. Das is für einen People-Fotografen eine ernst­zu­neh­men­de Hürde. Ein People-Fotograf muss ja nicht nur foto­gra­fie­ren, er ist auch Entertainer, Motivator, Seelentröster, Stilberater, Pausenfüller, Moderator, Regisseur und so wei­ter. Wer nur stumm foto­gra­fie­ren will, soll­te sich lie­ber auf Food oder Landschaften spe­zia­li­sie­ren.

Ich muss geste­hen, dass ich auch eher schüch­tern bin und es mir schwer fällt, unge­zwun­gen mit frem­den Menschen umzu­ge­hen. Aber mit etwas Übung klappt das schon. Anfangs habe ich ja kei­ne Fremden gefragt, ob sie für mich modeln wol­len, son­dern Freunde. Da sagt man ein­fach: „Hey, du siehst doch gut aus, wol­len wir nicht mal paar Fotos zusam­men machen?“ Menschen füh­len sich ja in der Regel geschmei­chelt, wenn sie für ihr Äußeres gelobt wer­den.

Der Vertrag und die Bezahlung zeugt dann von Professionalität. In Model-Foren lese ich immer wie­der von win­di­gen Fotografen, die Bilder nicht raus­rü­cken oder die Fotos auf nicht abge­spro­che­ne Weise nut­zen. Die Standard-Antwort ist dann immer: „Habt ihr denn kei­nen Vertrag abge­schlos­sen?“ Bei mir wür­den des­halb eher die Alarmglocken läu­ten, wenn ein Fotograf par­tout ohne Vertrag arbei­ten will.

Wer sich nicht sicher ist, ob Leute auf den Modelvertrag ein­ge­hen wür­den, füllt den Vertrag ein­fach selbst aus und macht eini­ge Selbstportraits, die dann den Bildagenturen ange­bo­ten wer­den. Wenn der Fotograf kei­ne Probleme damit hat, sei­ne Bilder ein­zu­stel­len, war­um soll­te das Model wel­che haben?

Stockfotografie ist ja weder anrü­chig noch ille­gal, son­dern höchs­tens unbe­kannt. Deshalb hel­fen Offenheit und Geduld mein Erklären des Geschäftsmodells. Wer als Fotograf jedoch rum­druck­st und selbst kein Vertrauen in sein Geschäftsmodell hat, kann das nicht von sei­nen Models erwar­ten. Über die hilf­rei­chen Tugenden wie Vertrauen und Zuverlässigkeit habe ich aber in die­sem Gastartikel für die foto­com­mu­ni­ty mehr geschrie­ben.

Beantwortet das eure Fragen? Wie meis­tert ihr die Hürde, Menschen als Models zu gewin­nen?

Fotolia verlangt jetzt auch Steuer-Informationen

Nachdem die Microstock-Bildagentur Shutterstock vor einem hal­ben Jahr mit der Einführung von Steuerformularen für viel Wirbel gesorgt hat, zieht die Bildagentur Fotolia jetzt nach.

fotolia-steuer-bibliothek

Von vie­len unbe­merkt fin­det sich seit kur­zem im Mitgliedsbereich ganz rechts der Menü-Eintrag „Steuer-Bibliothek“ (sie­he Screenshot). Wer da raufklickt, kommt zu dem W-8 BEN-Formular, was die US-Regierung ver­langt, um Steuern von us-amerikanischen Käufern kor­rekt abzu­rech­nen. Da die USA mit Deutschland ein Steuerabkommen haben, emp­fiehlt es sich für deut­sche Fotografen bei Fotolia, das Fomular kor­rekt aus­zu­fül­len, um in den Genuss von Steuererleichterungen zu kom­men, bzw. genau­er for­mu­liert: Keine zusätz­li­chen Steuern zah­len zu müs­sen.

Einzelpersonen fül­len das Formular am bes­ten so aus:

  1. In der Steuer-Bibliothek im Abschnitt „Personen mit Wohnsitz in Ländern mit Besteuerungsabkommen“ (dar­un­ter fällt auch Deutschland) den Link „Online W-8 BEN Formular“ ankli­cken.
  2. Bei 1. (Name der natür­li­chen Person) den Namen des ange­mel­de­ten Fotografen ein­ge­ben.
  3. Bei 2. (Gründungsland der Gesellschaft) nur „N/A“ ein­tra­gen. Das steht für „not app­lica­ble“ und bedeu­tet „nicht zutref­fend“, da Einzelpersonen ja kei­ne Gesellschaften grün­den.
  4. Bei 3. (Typ der Nutzungsberechtigten) „Einzelperson“ ankli­cken.
  5. Bei 4. die beim Meldeamt hin­ter­leg­te Wohnadresse ange­ben. Nummer steht für Hausnummer, die Felder „Wohnung“ und „Landkreis“ kön­nen ggf. frei gelas­sen wer­den.
  6. Bei 9.a (haupt­an­säs­sig in) aus der Liste „Deutschland“ wäh­len
  7. Den Rest alles frei las­sen.
  8. Auf „Vorschau“ kli­cken
  9. Im neu­en Fenster bei „Unterschrift“ den Namen ein­ge­ben (muss iden­ti­sch mit dem bei Schritt 2 sein.
  10. Auf „Absenden“ kli­cken.

Ich wei­se aus­drück­li­ch dar­auf hin, dass alle mei­ne Angaben ohne Gewähr sind und jeder im Einzelfall selbst für sei­ne Angaben ver­ant­wort­li­ch ist.

Hilfe gibt es zum Beispiel im Steuer-Thread des Fotolia-Forums oder – kom­pli­zier­ter – auf der offi­zi­el­len Hilfe-Seite der us-amerikanischen Steuerbehörde IRS.

Update 06.01.2010: Hier gibt es neue Infos zur Besteuerung bei Fotolia.