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Probleme mit Sonderzeichen in IPTC-Feldern beim Bildagentur-Import

Mit jeder neu­en Version von Adobe Photoshop gibt es nicht nur neue Funktionen, son­dern auch neue Bugs und neu­en Ärger. Manchmal ent­steht der Ärger nicht mal durch die Bugs, son­dern die kor­rekt arbei­ten­den Funktionen.

Was ist das Problem?

Mit Photoshop CS5 hat Adobe die Behandlung von IPTC-Daten geän­dert. Das betrifft auch Adobe Bridge CS5 und viel­leicht Adobe Lightroom 3)

Diese IPTC-Informationen (IPTC CORE, IPTC-IIM, Legacy) wer­den bei CS5 jetzt im UTF-8 Zeichensatz statt als 8Bit-ISO–Zeichensatz gespei­chert. Im Grunde kein Problem. Schwierig wird es nur, wenn Sonderzeichen wie im Deutschen vor allem Umlaute wie ä,ö, ü oder das ß hin­zu­kom­men. Das Problem ist, dass Sonderzeichen in jedem Zeichensatz an einer ande­ren Stelle abge­spei­chert wer­den.

Wenn ein Programm oder eine Datenbank die Titel, Bildbeschreibungen oder Suchbegriffe aus den IPTC-Feldern aus­liest, aber den benutz­ten Zeichensatz nicht abfragt, erkennt oder nut­zen kann, führt das zu krpy­ti­schen Zeichen. In der Praxis sieht das dann zum Beispiel so aus:

Häßlich, nicht wahr? Außerdem führt das dazu, dass Bildkäufer die eige­nen Fotos nicht fin­den, weil die­se nie die kryp­ti­schen Zeichen ein­ge­ben wer­den.

Wer hat Schuld?

Wer hat Schuld am Problem? Adobe, weil es frü­her funk­tio­niert hat­te? Oder die Bildagenturen, weil sie die Daten nicht rich­tig impor­tie­ren?

Technisch gese­hen hat Adobe kei­ne Schuld. Laut IPTC-Standard dürf­ten für den alten Legacy IPTC-IIM-Standard nur ASCII-Zeichen ver­wen­det wer­den, da sind nun mal kei­ne Sonderzeichen dabei. Laut dem neu­en XMP-Standard, in dem Adobe die Metadaten spei­chert, dür­fen Sonderzeichen aus­drück­li­ch benutzt wer­den und bei den meis­ten Bildagenturen klappt der Import auch.

Probleme machen vor allem eini­ge deut­sche Bildagenturen. Bei mir tritt das Problem bei die­sen Agenturen auf:

  • Bildmaschine
  • Bildunion
  • ImagePoint
  • Digitalstock

Das bedeu­tet oft, dass deren Agentursoftware nicht die neu­en XMP-Metadaten aus­liest, son­dern die eben­falls immer auto­ma­ti­sch mit­ge­lie­fer­ten alten IPTC-Core-Metadaten.

Ich habe bei jeder Agentur nach­ge­fragt und fol­gen­de Antworten bekom­men:

  • Bildmaschine kennt das Problem und ver­sucht, mit der Einführung des neu­en Fotografen-Backends auch den Metadaten-Import zu aktua­li­sie­ren. Die Umstellung auf den neu­en Fotografen-Bereich ist aktu­ell für Mai 2011 geplant.
  • Bildunion ant­wor­te­te kurz: „Wir ken­nen das Problem und wer­den das schnellst­mög­li­ch kor­ri­gie­ren.“
  • Bei ImagePoint scheint zwar der Import die fal­schen Sonderzeichen anzu­zei­gen (sie­he Screenshot oben), aber beim Durchlaufen des inter­nen Prüfsystems wer­den die Daten neu berech­net und die Umlaute dana­ch wie­der kor­rekt ange­zeigt. Wir haben das mit eini­gen mei­ner Fotos getes­tet und es funk­tio­niert.
  • Digitalstock hat das Problem zur Kenntnis genom­men, ist aber mehr damit beschäf­tigt rei­hen­wei­se Bilder abzu­leh­nen als sich um das Problem zu küm­mern. Scherz bei­sei­te: Digitalstock ist infor­miert und will sich dar­um küm­mern. Viel Hoffnung habe ich jedoch nicht, dass es schnell gesche­hen wird.

Was ist die Lösung?

Naheliegend wäre, die Verschlagwortung ein­fach mit einem ande­ren Programm zu machen. Das ist aber kei­ne Lösung, weil Photoshop bei einer nach­träg­li­chen Bearbeitung einer Datei wie­der alle Metadaten im UTF8-Zeichenformat spei­chern wür­de. Im Idealfall wür­den alle betrof­fe­nen Bildagenturen den neu­en XMP-Standard benut­zen. Der kann übri­gens theo­re­ti­sch sogar die Model- und Property-Releases auto­ma­ti­sch zuord­nen. Den obi­gen Antworten nach soll­te das bald gesche­hen sein. Bis dahin hilft nur ein Umweg.

Was ist die Notlösung?

Das klei­ne kos­ten­lo­se Freeware-Programm ExifTool erlaubt zahl­rei­che Eingriffe in IPTC-Daten. Zum Beispiel kann damit vor­ge­gau­kelt wer­den, ein Foto wäre mit einer Hasselblad gemacht wor­den, obwohl es nur eine Canon war und ähn­li­ches. In unse­rem Fall brau­chen wir aber das Feature, was uns erlaubt, Zeichensätze umzu­wan­deln, genau­er beschrie­ben in FAQ 10.

Bei mir sieht das kon­kret so aus: Ich habe mir das Programm exiftool.exe run­ter­ge­la­den. Da es ein Kommandozeilen-Programm ist, kann ich eine Batch-Datei anlegen.Wie das geht? Ihr erstellt eine .txt-Datei, die genauso wie das Hauptprogramm heißt (also exiftool.txt) und schreibt dar­in:

exif­tool -tags­from­file @ -iptc:all -coded­cha­rac­ter­set= %*
pau­se

Danach spei­chert ihr die Textdatei und benennt sie in „exiftool.bat“ um. Die bat-Datei und exe-Datei müs­sen im glei­chen Ordner lie­gen. Wenn ihr jetzt eure JPG-Dateien im glei­chen Ordner habt, müsst ihr sie nur auf die bat-Datei zie­hen und das Programm wan­delt den Zeichensatz zurück in das alte ISO-Format, mit dem alle Agenturen klar­kom­men. Wer etwas fit­ter mit Kommandozeilen ist, kann sich das Ganze auch anders oder beque­mer pro­gram­mie­ren. Den obi­gen „Pause“-Befahl habe ich nur ein­ge­fügt, damit ihr eine Bestätigung seht, dass alles kor­rekt kon­ver­tiert wur­de. Wer Ahnung hat, kann das weg­las­sen. Exiftool erstellt übri­gens eine Sicherheitskopie von jeder umge­wan­del­ten Datei, ihr braucht also kei­ne Angst zu haben, etwas unwi­der­ruf­li­ch fal­sch zu machen.

Wie sieht es bei euch aus? Welche Erfahrungen habt ihr mit Umlauten gemacht? Welche Agenturen berei­ten Probleme? Welche Lösungen habt ihr für euch gefun­den?

(Danke an ManfredG für sei­ne Hinweis in die­sem Thread)