Jung und blond

Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, mehr Männer zu foto­gra­fie­ren. Vor allem, weil ich schon vie­le Fotos von jun­gen, blon­den Mädchen im Portfolio habe. Wenn aber eine Fünfzehnjährige nett fragt und dazu noch ein sehr pup­pen­haf­tes Gesicht hat, soll­te sie auch eine Chance bekom­men.

Bei mir war ihr ers­tes rich­ti­ges Foto-​Shooting und sie hat gemerkt, dass es „doch anstren­gen­der als Schule“ ist. Aber dafür sind auch vie­le anspre­chen­de Fotos ent­stan­den.

Außerdem gab es eine hal­be Première. Zum ers­ten Mal kam bei einem mei­ner Outdoor-​Shootings der gro­ße 2x1m-​Reflektor von California Sunbounce zum Einsatz, den der Vater des Model net­ter­wei­se gehal­ten hat. Da es jedoch schon stark bewölkt war, ist der auf­hel­len­de Effekt nicht ganz so gut sicht­bar wie bei Sonnenschein.

Der Einsatz von die­sem Riesenteil erzeug­te am Parkrand gleich einen klei­nen Auflauf, aber da muss ein Model pro­fes­sio­nell sein und sich nichts anmer­ken las­sen.


Welche Themen suchen Bildkäufer?

Oft heißt es in Anleitungen für Stockfotografen: „Versetzen sie sich in die Lage des Kunden!

Noch bes­ser ist es jedoch, gleich die Kunden zu fra­gen, was für Fotos sie ger­ne kau­fen. Da das für jeden ein­zel­nen sehr auf­wän­dig wäre, bin ich froh, dass die Bildagentur Photoshelter das für alle gemacht hat.

Hier das kurz zusam­men­ge­fass­te Ergebnis der Umfrage:

Gesucht, aber nicht genug gefun­den wer­den vor allem und in die­ser Reihenfolge:

  • glaub­haf­te, ehr­lich, unge­küns­tel­te Motive
  • Bildungsmotive
  • nicht-​gestellte Handlungen
  • Frauen
  • Religion
  • Männer
  • Parties
  • Erwachsene über 50
  • Musiker
  • humor­vol­le Situationen
  • Übergewicht
  • locke­res Business-​Outfit (casu­al)

Mehr und genaue­re Analysen im Blog von Photoshelter.

(Danke an den StockPhotoTalk für den Link.)

Wie geht es Getty Images?

Als bör­sen­no­tier­te Firma muss die Bildagentur Getty Images ab und zu Einblick in ihre Zahlen gewäh­ren. Das kann ganz unter­halt­sam sein, auch wenn die klei­nen Zahlen und Fließtexte schwer zu lesen sind.

Demnach hat Getty zwei Trends aus­ge­macht, die auch ande­re längst erkannt haben dürf­ten:

  1. Die Verlagerung der Bildnutzung von den Printmedien zum Internet.
  2. Die Verbreitung von Microstock-Bildern, also Fotos für 1–20 Euro.

Es ist auch zu sehen, dass die Umsätze von istock­pho­to den Verlust hoch­prei­si­ger Fotoverkäufe über Getty Images halb­wegs auf­ge­fan­gen haben. Ob das im nächs­ten Jahr auch so sein wird?

Am inter­es­san­tes­ten ist jedoch, wie Getty ver­sucht, die Auswirkungen von istockpo­ho­to auf das Kerngeschäft klein­zu­re­den.

  • Fotos in Microstock-​Agenturen sei­en von gerin­ge­rer Qualität,
  • wür­den für allem von Kleinunternehmen benutzt wer­den und
  • gro­ße Firmen wür­den die­se Fotos nur für inter­ne Zwecke wie Präsentationen nut­zen.

Wie iro­nisch, dass aus­ge­rech­net das Times-Magazin in der Ausgabe vom 02. Juni 2008 ein istock-​Foto auf dem Titelblatt hat­te. Und Fotografen wie Yuri Arcurs foto­gra­fie­ren längst mit einer digi­ta­len Mittelformat-Hasselblad-Kamera für Microstock-​Webseiten.

In dem Bericht sind noch vie­le ande­re, wich­ti­ge, span­nen­de oder kurio­se Fakten zu lesen. Oder wuss­tet ihr, dass Getty Images in jedem Land Marktführer ist – außer in Japan?

(Danke an „Thoughts Of A Bohemian“ für den Link und wei­te­re inter­es­san­te Interpretationen.)

Von Bauarbeitern und Deutschland-​Fans

Passend zur Fußball-​EM gibt es paar Fan-​Fotos, für die dazu­ge­hö­ri­gen Umsätze lei­der etwas zu spät.

Dafür ist das Thema „Bauarbeiten“ län­ger­fris­tig nach­ge­fragt. Damit wir die gan­zen coo­len Absperrungen und Signalleuchten nut­zen konn­ten, bin ich mit dem Model ein­fach zur nächst­ge­le­ge­nen Baustelle gefah­ren und habe die Arbeiter nett gefragt. Schien kein Problem zu sein, dafür wur­de ich von einer Autofahrerin gefragt, ob ich ihr sagen kön­ne, wie sie die gesperr­te Straße umfah­ren kön­ne. Dass ich ihr nicht hel­fen konn­te, woll­te sie mir nicht glau­ben.

Bei der Outdoor-​Session hat­te ich mehr Glück mit dem Wetter, sprich: Es war bewölkt.

Ich ver­ra­te auch gleich einen Trick von Marathon-​Fotografen, um in Richtung Kamera lau­fen­de Personen scharf zu bekom­men. Auf dem Boden wird eine Stelle mar­kiert, mit Gaffertape oder in unse­rem Fall einem klei­nen Stöckchen. Darauf wird vor­her mit manu­el­lem Fokus scharf gestellt und wenn die Person genau über der Markierung ist, wird aus­ge­löst. Klingt ein­fach, erfor­dert aber etwas Übung. Ist aber trotz­dem leich­ter, als den AL Servo-​Autofokus bän­di­gen zu wol­len.

Wer genau hin­schaut, sieht, dass das Model auf den Bauarbeiter-​Fotos mehr Bart hat als auf den ande­ren Outdoor-​Bildern. Ganz pro­fes­sio­nell hat es sein Rasierzeug mit­ge­bracht und sich nach dem rau­en Look unter­wegs auf der Toilette eines Restaurants für die Business-​Fotos glatt geschminkt.

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