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Sind ihr Geld wert: Suchfunktion und Suchwörter

Was sind die Kriterien, die eine Bildagentur von ande­ren unter­schei­det? Die drei wich­tigs­ten sind sicher Preis, Service und das Angebot.

Am wich­tigs­ten ist mei­ner Meinung nach aber ein Unterpunkt von „Angebot“. Das bes­te Bildmaterial nützt nichts, wenn der Kunde nicht das Foto fin­det, was ihm vor­schwebt. Die Suchfunktion ist des­halb mei­ner Meinung nach aus­schlag­ge­bend für den Erfolg einer Bildagentur.

Das wis­sen die meis­ten Agenturen eben­falls und ver­su­chen mit vie­len krea­ti­ven Möglichkeiten, die­se zu opti­mie­ren. Mit Abstand am bes­ten gefällt mir die Suchfunktion des Marktführers Getty Images.

Trotz rela­tiv weni­ger Suchbegriffe pro Foto bin ich mit zwei bis drei Suchwörtern in der Lage, ziem­lich genau das Foto zu fin­den, was ich mir vor­ge­stellt habe. Grundlage die­ses Erfolgs ist ein „kon­trol­lier­tes Vokabular“ gepaart mit einem cle­ve­ren Thesaurus. Zusätzlich kann im Suchmenü nach­träg­lich nach Alter, Anzahl und Ethnien der dar­ge­stell­ten Personen, nach Konzepten, Blickwinkel, Bildtechnik und Komposition des Fotos gefil­tert wer­den.

Doch auch ande­re Agenturen haben hilf­rei­che Ideen zur Verbesserung der Suche. Die Getty‐Tochter istock­pho­to bie­tet eine Copyspace‐Suche, die nur Fotos anzeigt, die an der gewünsch­ten Stelle einen Textfreiraum haben.

Die Schweizer Agentur ImagePoint expe­ri­men­tiert mit einer „Emotionalen Suche“. Auch ande­re Agenturen wie PantherMedia oder Shotshop ver­su­chen, Emotionen abseits der ent­spre­chen­den Suchwörter in die Suche auf­zu­neh­men. Der Haken bei den bis­he­ri­gen System ist jedoch, dass die aus­zu­wäh­len­den Emotionen nur begrenzt sind. „Freude“ ist jedoch etwas ande­res als „Begeisterung“ und „Verlegenheit“ anders als „Angst“.

Ich bin jedoch zuver­sicht­lich, dass sol­che Anfangsschwierigkeiten beho­ben wer­den und viel­leicht gehört eine Emotionensuche bald zum Suchstandard. Die vor weni­gen Jahren noch inno­va­ti­ve Suche nach Farben im Foto ist mitt­ler­wei­le bei vie­len Agenturen zu fin­den.

Das Hauptproblem sind jedoch die Suchwörter, da die meis­ten Kunden ein­fach einen oder zwei Begriffe in die Suchmaske ein­tip­pen und auf pas­sen­de Ergebnisse hof­fen. Die Agenturen, wel­che die Fotografen ihre Bilder selbst ver­schlag­wor­ten las­sen, sind da natur­ge­mäß im Nachteil (Stichwort „Keyword‐Spamming“ und unter­schied­li­che Qualität der Verschlagwortung).

Mittlerweile gehen eini­ge Agenturen dazu über, die Suchwörter zu gewich­ten: Die ers­ten paar Suchwörter wer­den bei einer Suchanfrage bevor­zugt behan­delt. Die Entscheidung, wel­che Wörter stär­ker gewich­tet wer­den sol­len, trifft bei vie­len Agenturen jedoch wei­ter­hin der Fotograf und bleibt somit mit­ver­ant­wort­lich für den Erfolg oder Mißerfolg eines Fotos.

Ich bin gespannt, wel­che Überraschungen die jun­gen, fri­schen Agenturen bei dem Wettrennen um das bes­te System aus „Suchwörtern“ und „Suchalgorithmus“ bereit hal­ten. Dann das ist für mich der Schlüssel einer erfolg­rei­chen Bildagentur.

Unverhüllte Wegweiser – Was Fotografen von der Erotikbranche lernen können


Heute gab es in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 17 einen Artikel mit der Überschrift „Der letz­te Rest vom Schützenfest“. Darin ging es um den Niedergang der gedruck­ten Erotik, weil sie gegen die Konkurrenz aus dem Internet kaum eine Chance hät­te.

Die deut­sche Erotik‐Presse steu­ert auf ihr eige­nes Begräbnis zu. Seit fünf Jahren befin­den sich die Auflagen im frei­en Fall. […]
Im Internet gibt es nack­te Tatsachen kos­ten­los und anonym, dazu Online‐Communities, Kontaktbörsen und har­te Sexfilmchen. […]
Der Umsatzanteil am gesam­ten Zeitschriftenverkauf lag 2006 bei weni­ger als einem Prozent. Tendenz fal­lend. Männermagazine im Hochglanz‐Look zäh­len hier nicht dazu, tun sich aber eben­falls schwer. […]

Doch was hat das mit uns Stock‐Fotografen zu tun? Die Pornobranche war oft ein Vorreiter, wenn es um die Nutzung neu­er Technologien ging. Erst tru­gen sie zur Verbreitung der Videokassetten bei, dann gab es gestöhn­te 0190‐Nummern in nächt­li­chen Werbesendungen, spä­ter Dialer auf Sexseiten, danach Zugang zu Erotikwebseiten als Abonnement. Auch Pornos auf Blue‐Ray‐Discs sind seit lan­gem erhält­lich.

Parallelen zur Bildagenturen‐Welt las­sen sich durch­aus fest­stel­len. Die Beliebheit von neu­en Online‐Agenturen wuchs auch durch Communities, Agenturen wie Shutterstock, istock­pho­to oder Framepool bie­ten mitt­ler­wei­le auch (bzw. nur) Video‐Footage an, Webseiten ver­schen­ken Fotos und die Abonnement‐Vermarktung von Fotos hat auch vor kur­zem Einzug in die Branche gehal­ten.

Wer nun als Indikator für Zeitschriften‐Trends die Erotikmagazine nimmt, kann befürch­ten, dass erst Nackte‐Haut‐Postillen schnell ver­schwin­den wer­den und somit auch poten­ti­el­le Bildkäufer. Andere Zeitschriften könn­ten fol­gen. Was das für die Praxis bedeu­tet, wird sich zei­gen.

Kleiner Stil‐Tipp

Wer Stockfotos pro­du­ziert, braucht auch ein Auge für Kleidung, Mode und Stil, damit die Fotos nicht schon in weni­gen Monaten ver­al­tet aus­se­hen.

Neben dem Studium der ein­schlä­gi­gen Modemagazine hilft auch ein auf­merk­sa­mer Blick im Alltag. Beim Kölner Karneval ist mir bei­spiels­wei­se auf­ge­fal­len: Der Renner die­ses Jahr war die Verkleidung als Sträfling - das trifft sich gut mit den gera­de tren­di­gen Streifen.

In der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung vom 09.02.2008 auf Seite V war ein Portrait des berühm­ten Modefotografen F.C. Gundlach, in dem die­ser eine wei­te­re Beobachtung schil­der­te:

In eini­gen Jahren wird man ein Foto von heu­te dar­an erken­nen, dass kaum ein männ­li­ches Model eine Krawatte trägt. Das geht jetzt schon seit drei Jahren so. Aber sie wird wie­der­kom­men. Garantiert.“

Das gilt frei­lich eher für Modefotos als für die gut ver­käuf­li­chen Business‐Bilder, hilf­reich ist die­ser Kommentar trotz­dem bei der Entscheidung für oder gegen den Schlips.

Willkommen

Hallo,

das ist der ers­te Eintrag und vie­le wer­den fol­gen.
Ich bin selb­stän­di­ger Fotoproduzent für Stockfotografien und wer­de hier den Vorhang zur Seite zie­hen, um einen Blick hin­ter die Kulissen zu ermög­li­chen. Wie ent­ste­hen z.B. die Fotos, die in Zeitungen, Zeitschriften und Werbekampagnen zu sehen sind?

Viel Spaß beim Lesen…