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Geld verdienen auf Warez‐Seiten? Interview über ein Experiment

Nach die­sem Artikel vor eini­gen Tagen gab es sehr vie­le, teils kon­tro­ver­se Kommentare. Die Leserin Anchan wies mich hier dar­auf hin, dass ich doch ein­fach mal eine der Beteiligten beim Projekt „Stockalliance.org“ fra­gen könn­te, die aus pro­biert hat, ob sie mit ihren Bildern auch auf Warez‐Seiten Geld ver­die­nen kön­ne.

Das habe ich ger­ne gemacht und des­we­gen gibt es jetzt ein Interview mit der Illustratorin Elena, die ihre Bilder bei Shutterstock, Dreamstime, 123rf, iStock, Depositphotos und eini­gen ande­ren Bildagenturen ver­kauft über Warez‐Seiten und den Ursprung der stockalliance‐Webseite.

Robert Kneschke: Kannst Du dich bit­te kurz vor­stel­len?

Elena (art_of_sun): Ich hei­ße Elena (auch bekannt als art_of_sun) und woh­ne in Russland.Ich habe ca. zehn Jahre als Grafikdesignerin gear­bei­tet (Polygraph, Illustrationen, Kinderspiele für das iPad und so wei­ter) und seit den letz­ten andert­halb Jahren bin ich Vollzeit‐Stocker.

Portrait von Elena
Portrait von Elena

Wie hast Du mit Microstock begon­nen?

Zuerst lern­te ich dar­über 2007–2008 vom Blog eines Freundes ken­nen. Viele Leute schlu­gen damals vor, deren Referral‐Links zur Anmeldung zu benut­zen. Also regis­trier­te ich mich bei eini­gen Bildagenturen und ver­such­te, etwas Geld zu ver­die­nen, aber ohne rich­ti­gen Erfolg. Ich bekam ca. 20–30$ im Monat. Aber vor andert­halb Jahren ver­an­stal­te­te einer der Leute in mei­ner Freundesliste (Oleg SkillUp) einen „Mega‐Workshop“ und woll­te allen bei­brin­gen, wie man 1000$ im Monat bei Shutterstock ver­dient, wenn man sich mit sei­nem Referral‐Link anmel­det. Ich war unzu­frie­den mit mei­nem Job zu der Zeit, also hör­te ich damit auf und woll­te es ver­su­chen. Und es hat geklappt 🙂

Wie vie­le Bilder hast Du online bei den Microstock‐Seiten und wie viel ver­dienst Du damit im Monat?

Bei Shutterstock habe ich aktu­ell 4170 Bilder (ca. 2500 Vektoren plus Rasterkopien davon und eini­ge Fotos), bei den ande­ren Agenturen weni­ger. Bei allen Bildagenturen zusam­men mache ich zwi­schen 2000$ und 3000$ Umsatz im Monat.

Wie kam die Idee, dei­ne Bilder auf Warez‐Seiten zu ver­tei­len?

Das war eine gemein­sa­me Idee. Wir waren in einem Chat mit den Leuten, die am Mega‐Workshop teil­ge­nom­men haben und vie­le von uns hat­ten Probleme mit den Piraten‐Seiten. Also dach­ten wir über einen Weg nach, wie wir das stop­pen könn­ten. Zu der Zeit schrieb ich vie­le DMCA‐Meldungen. Nach einer davon mel­de­te sich fotoram­ka [sie­he die­ser Artikel; Anmerkung R.K.] bei einer von uns im Chat, weil sie so nied­li­che DMCA‐Meldungen ver­schick­te mit Bildern, aber ver­ges­sen hat­te, die Links zu erwäh­nen und er half uns, die DMCA‐Meldungen kor­rekt aus­zu­fül­len und schlug vor, die Dateien direkt von Letitbit zu löschen ohne DMCA‐Meldungen, indem wir ihn ein­fach über Skype anschrei­ben.

Er erzähl­te uns, wie Warez‐Seiten funk­tio­nie­ren. Tatsächlich kön­nen die Piraten mit ihren Aktivitäten das glei­che Geld ver­die­nen wie wir im Microstock, des­halb mach­te jemand den Witz, dass wir unse­re Bilder viel­leicht auf den fal­schen Seiten anbie­ten. Dann kam die Idee auf, dass wir ver­such­ten könn­ten, unver­kauf­te Bilder (und eini­ge Bilder, die bei den Warez‐Seiten beliebt waren) dort mit unse­rer eige­nen Lizenz anzu­bie­ten (ähn­lich wie das Leute machen, die Fonts ver­kau­fen) und mit einem Text und Link in der Art „Dieses Bild ist nur für die nicht‐kommerzielle Nutzung. Die kom­mer­zi­el­le Lizenz ist hier erhält­lich…“ Ich ent­schied, das zu pro­bie­ren, weil ich ein gro­ßes Portfolio habe und sich vie­le mei­ner Bilder nicht bei Shutterstock ver­kauf­ten.

Warst Du die ein­zi­ge, die das aus­pro­biert hat?

Ja.

Wie vie­le Bilder waren beim Test dabei?

Ich hat­te fünf Posts wie die­sen hier, es waren also ca. 40 Bilder (7–10 in einem Archiv).

Verkleiner Ausschnitt, für eine vollständige Ansicht bitte klicken.
Verkleinerter Ausschnitt, für eine voll­stän­di­ge Ansicht bit­te kli­cken.

Wie genau funk­tio­nier­te der Upload‐Prozess?

Wir haben mir einen Account bei eini­ge Filehosting‐Seiten ange­legt, nicht nur da, wo Fotoramka arbei­tet, son­dern auch bei ande­ren, wo man Geld für Download bekom­men konn­te. Außerdem habe ich mich bei drei Warez‐Seiten regis­triert: Gfxtra, Allday and Heroturko, wenn ich mich rich­tig erin­ne­re. Dann habe ich das rote Titelbanner gemacht (sie­he oben) und zusam­men mit fotoram­ka haben wir eine Lizenz geschrie­ben.

Danach such­te ich die Bilder aus, mach­te Vorschau‐Bilder, ein gepack­tes Archive mit den Bildern und der Lizenz und lud die­se zu den Filehostern hoch. Dann haben wir von mei­nem Computer aus die Posts für die Warez‐Seiten gemacht (fotoram­ka schrieb die Posts mit den HTML‐Tags, Links und Beschreibungen).

Bei wel­chen Filehostern hast Du Dich regis­triert?

Letitbit, Keep2Share und Rapidgator.

Wie wür­dest Du den Upload‐Aufwand gegen­über dem Hochladen bei den Microstock‐Agenturen ver­glei­chen?

Es braucht fast die glei­che Zeit wie das Vorbereiten von Bildern für CreativeMarket zum Beispiel. Und etwas mehr Zeit beim Hochladen. Deshalb war die zwei­te Idee (wenn das Experiment funk­tio­niert), eine unab­hän­gi­ge Seite zu machen mit den Vorschau‐Bildern, Archiven und Postings.

Stockalliance.org?

Ja.

Die Lizenz, die Du ange­bo­ten hast, erlaub­te nur pri­va­te Nutzung, kei­ne kom­mer­zi­el­le Nutzung?

Ja, die Lizenz sieht so aus.

Glaubst Du, die Leute, wel­che Warez‐Seiten besu­chen, sche­ren sich um die­sen Unterschied?

Fotoramka arbei­tet ja beim Support eines Filehosters und erzähl­te mir, dass er manch­mal Anfragen von Leuten hat, die etwas „kos­ten­los“ run­ter­ge­la­den hat­ten und dann wis­sen woll­ten, wo sie es legal kau­fen kön­nen. Ich hat­te in der Zeit des Experiments auch eini­ge Verkäufe von Bildern, die ich bei Warez‐Seiten ver­öf­fent­licht hat­te und von Bildern aus der glei­chen Serie, die vor­her kei­ne Verkäufe hat­ten.

Meiner Meinung nach dem Experiment ist es nur ein sehr klei­ner Teil der Leute, die Bilder von Warez‐Seiten neh­men und sich um Rechte küm­mern. Vielleicht jemand, der wirk­lich nicht weiß, dass es nicht kos­ten­los und legal ist und viel­leicht eini­ge, die es wegen der the­ma­ti­schen Zusammenstellung popu­lä­rer Bilder nut­zen, aber die meis­ten inter­es­sie­ren sich wirk­lich nicht.

Wie viel Geld kann man mit die­sen kos­ten­lo­sen Downloads ver­die­nen?

Ich habe nichts ernst­haft ver­dient, nur eini­ge Dollar, aber soweit ich weiß, wenn Leute Bilder von Dir run­ter­la­den und dafür den „schnel­len Download“ kau­fen [Premium‐Zugang beim Filehoster; Anmerkung R.K.], kannst Du dafür bis zu 60$ erhal­ten.

Kannst Du sehen, wie vie­le Leute dei­ne Dateien run­ter­ge­la­den haben?

Ja, das kann ich in den Statistiken in mei­nem Account bei den Filehostern sehen.

Wie lan­ge waren Deine Bilder online und wie vie­le Downloads hat­ten sie zusam­men?

Ungefähr einen Monat. Hier ist die Statistik für November 2013, wo wir das Experiment ange­fan­gen haben:

Klicken zum Vergrößern
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Die Spalten sind von links nach rechts: Datum, Downloads, Verkäufe, Rating.

Lese ich das rich­tig, dass das 0,80$ Einnahmen für November 2013 sind?

Ja, das ist rich­tig. Ich habe her­aus­ge­fun­den, dass Du, wenn Du Geld auf Warez‐Seiten ver­die­nen willst, viel Material jeden Tag ver­öf­fent­li­chen müsst. Und es muss unter­schied­li­ches Material sein. Das ist ein­fach, wenn Du vie­le gestoh­le­ne Bilder hast, aber sehr schwer mit dei­nen eige­nen Bildern.

Aber wir haben auch ein ande­res Ergebnis: Die Piraten sahen unser Projekt und in der Zeit, in der ich mei­ne Bilder hoch­ge­la­den habe, haben sie ihre Posts mit mei­nen Bildern gelöscht. So hör­ten sie fast voll­stän­dig auf, mei­ne Bilder zu neh­men.

Das ist ja gut für dich.

Ja, nicht schlecht… 🙂

Warum hast Du auf­ge­hört, bei den Warez‐Seiten hoch­zu­la­den?

Es kos­tet eine Menge Zeit, die Bilder, Archive und Posts vor­zu­be­rei­ten und ich has­se es, mei­nen Tag damit zu begin­nen, Warez‐Seiten nach gestoh­le­nen Bildern von mir zu durch­su­chen. Und es demo­ti­viert auch irgend­wie. Ich bevor­zu­ge es, neue Bilder zu zeich­nen und sie zu Bildagenturen hoch­zu­la­den, um Geld zu ver­die­nen statt nur für die PR bei sol­chen dubio­sen Seiten zu arbei­ten. Ich mei­ne, das ver­brauch­te fast die gan­ze Zeit, in der ich neue Bilder hät­te machen kön­nen.

Hast Du die Möglichkeit, dei­ne Bilder auf den Warez‐Seiten zu löschen?

Klar, ich habe fast alle mei­ne Archive gelöscht nach dem Ende des Experiments im Dezember 2013.

Was waren dei­ne gesam­ten Einnahmen von dem Experiment?

2$, eini­ge Verkäufe der ver­öf­fent­lich­ten Bilder bei Bildagenturen (wobei ich nicht bewei­sen kann, dass das durch das Experiment kam) und 90% weni­ger gestoh­le­ne Bilder aus mei­nem Portfolio auf den Warez‐Seiten.

Gab es Verträge, um Deine Bilder auf den Warez‐Seiten zu ver­trei­ben?

Nein, nur Veröffentlichungs‐Regeln.

Was für Regeln?

Lass sie mich raus­su­chen:

- Benutze das Admin‐Panel, um dei­ne News am bes­ten zu desi­gnen.
– Alle Informationen wie Informationen und Bilder müs­sen im Hauptfenster zen­triert sein.
– Benutze nicht radikal.ru, photobucket.com, rapidshare.com als Bild‐Hoster.
– Maximale Bildweite ist 500 Pixel. Bitte benut­ze nicht unse­ren Skript‐Resizer. Bearbeite dei­ne Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm, um die Bildweite zu redu­zie­ren.
– Du soll­test unse­re Wasserzeichen bei der Vorbereitung der Vorschaubilder nut­zen, die du hier run­ter­la­den kannst.

Kennst Du die Leute, mit denen Du gear­bei­tet hast?

Du meinst die Leute bei Stockalliance? Ja, klar.

Gibt es noch irgend­was, was wich­tig wäre?

Ich den­ke, es ist wich­tig, dass nach­dem Dein Artikel und ein ähn­li­cher Artikel in rus­si­scher Sprache erschie­nen ist, vie­le Leute begon­nen haben, zu den­ken, der Boykott sei von „Warez‐Leuten“. Aber das ist falsch, nicht nur wegen unse­rem Ruf, son­dern auch weil sie die wirk­li­che Situation nicht sehen und was Fotolia gera­de mit dem Dollar Photo Club macht und war­um das schlecht für die Industrie ist.

Danke für das Interview!

Stockfotografie‐Interview mit der vietnamesischen Produktionsfirma DragonImages

Kürzlich bin ich bei mei­ner Bildrecherche über ein Portfolio bei Fotolia* gestol­pert, wel­ches in gut einem Jahr ca. 5.000 neue Bilder hoch­ge­la­den hat­te. Und damit mei­ne ich nicht hun­der­te Freisteller ver­schie­de­ner Obstsorten, son­dern wirk­lich hoch­wer­tig pro­du­zier­te People‐Aufnahmen. Mich inter­es­sier­te, wie man es schafft, in so kur­zer Zeit sich ein so gutes Portfolio auf­zu­bau­en und kon­tak­tier­te des­we­gen die Leute hin­ter dem Account.

Meine Anfrage wur­de an Ekatarina Kholyavskaya wei­ter­ge­lei­tet, wel­che die Leiterin des gro­ßen Studios ist. Aber lest selbst. Das Interview habe ich mit ihr auf eng­lisch geführt und ins Deutsche über­setzt. Einige Formulierungen sind des­halb viel­leicht etwas holp­rig.

Los geht’s mit dem Interview:

Robert Kneschke: Hallo Ekatarina! Würdest Du Dich bit­te kurz vor­stel­len?

Ekaterina Kholyavskaya: Ich hei­ße Ekatarina, bin 27 Jahre alt und Produktionsleiterin bei DragonImages Production Studio. Das DragonImages Production Studio (von der PressFoto Group) besteht aus einem pro­fes­sio­nel­len und krea­ti­ven Team. Unser Sitz ist in Ho Chi Minh City, Vietnam. Seit Frühjahr 2012 pro­du­zie­ren wir Stockfotos. Unser Stil geht in die Richtung Lifestyle‐Portraits.

Ekaterina Kholyavskaya

Ich bin zufäl­li­ger­wei­se über eure Homepage gestol­pert und war beein­druckt. Es scheint, als hät­tet Ihr fast 5000 Fotos inner­halb des letz­ten Jahres hoch­ge­la­den. Die Meinung vie­ler Leute ist, dass es zu spät wäre, in den Microstockmarkt ein­zu­stei­gen. Weshalb ver­tre­tet Ihr die gegen­tei­li­ge Meinung?

Ich dan­ke Dir ! Wir den­ken nicht anders. Eigentlich ist es zu spät in der jet­zi­gen Situation, um in den Microstock‐Markt ein­zu­stei­gen. Aber wir wis­sen auch, dass sich der Konsumentenmarkt in Asien auf dem Höhepunkt befin­det. Zur sel­ben Zeit aber haben wir auch mit­be­kom­men, dass der Stockfotografiemarkt‐Wettbewerb hier ziem­lich gering ist. Deshalb haben wir uns 2007, zusam­men mit PressMaster Production Studio, zum Ziel gesetzt, mit unse­rer Erfahrung im asia­ti­schen Stockfotografie‐Markt an ers­ter Stelle zu ste­hen. Wir zei­gen dem asia­ti­schen Markt, dass es vie­le hoch­qua­li­fi­zier­te und authen­ti­sche Bilder gibt. Und auch jetzt kön­nen wir schon sagen, dass wir vom asia­ti­schen Markt posi­ti­ve Rückmeldungen erhal­ten haben.

Welche Art von Rückmeldungen?

Das finan­zi­el­les Feedback. Die Leute unse­res Teams fin­den unse­re Bilder in ver­schie­de­nen Magazinen, in der Werbung, loka­len TV‐Shows etc. Und das jeden Tag.

Kannst Du die Beziehung zwi­schen PressFoto und DragonImages genau­er erläu­tern? Gibt es da per­so­nel­le oder finan­zi­el­le Überschneidungen?

Dmitry Shironosov ist der Co‐Inhaber von Press Production Studio, und der PressFoto Group und DragonImages ist ein Projekt von Pressfoto.

Wie groß ist das Team von DragonImages und wer macht was?

Unser Team besteht aus 20 Leuten. 13 von Ihnen leben in Ho Chi Minh City und zwei sind von außer­halb. Unser Art‐Direktor kommt aus Moskau. Er ist mit sei­ner Familie nach Vietnam gezo­gen.
Unser Casting‐Direktor ist ein spa­ni­scher Auswanderer. Sieben wei­te­re Leute sind Russen und leben in Chelyabinsk in Russland. Einge von uns machen von Zeit zu Zeit Geschäftsreisen nach Vietnam.

Unser Team in Ho Chi Minh City besteht aus einem Artdirektor, einem Administrator, zwei Fotografen, Assistenten, Stylisten, zwei Bildbearbeitern, einem Shooting‐Leiter, einem Castingmanager, und einem PR‐Zuständigen. Und wir haben einen ört­li­chen Rechtsanwalt und einen Buchhalter, die für uns arbei­ten. Unser rus­si­sches Team besteht aus zwei Uploadern, zwei IT‐Spezialisten und drei Leuten, die zeit­gleich für zwei Projekte zustän­dig sind – Pressmaster und die DragonImages Production Studios. Das ist Dmitry Shironosov, der Co‐Inhaber der Firma, Pavel Orekhov ist der Geschäftsführer und ich, Kate Kholyavskaya, die Studio‐Produktionsleitung.

Keiner hät­te gedacht, dass wir so eine wun­der­schö­ne Location im Stadt‐Zoo fin­den wür­den. Die Zoo‐Mitarbeiter haben uns freund­li­cher­wei­se erlaubt, den Gartenschlauch zu benut­zen für das Foto.

Warum habt Ihr Vietnam einem ande­ren asia­ti­schen Land vor­ge­zo­gen?

Unsere Firma hat schon seit über sie­ben Jahren ver­schie­de­ne Geschäfte in Vietnam getä­tigt. Deshalb ken­nen wir den viet­na­me­si­schen Markt sehr gut. Das ist der Grund, war­um wir uns Vietnam als Ausgangspunkt gewählt haben.

Gibt es Eurer Meinung nach einen Unterschied zwi­schen dem asia­ti­schen und dem euro­päi­schen Markt ? Sowohl von der Käufer als auch der Verkäuferseite?

Aus der Perspektives des Käufers kön­nen wir sagen, dass die­se sehr gezielt asia­ti­sche Konzepte benö­ti­gen wie das Lunar‐Neujahr und Bilder, wel­che die orga­ni­sche Mischung der Kulturen zei­gen. Wir ver­su­chen bei­des zu gestal­ten. Von der Verkäuferseite aus kön­nen wir sagen, dass der Markt sehr groß ist und gute Perspektiven hat.

Bei einem 20‐köpfigen Team wird das alles allein von Euch gemacht oder habt Ihr trotz­dem eini­ge Arbeitsbereiche aus­ge­la­gert?

Wir erle­di­gen alles intern. Aber bit­te ver­giss auch nicht, dass wir ein gro­ßes, gemein­sa­mes Haus besitzen.Wir machen fast alles in Ho Chi Minh City, außer das Verschlagworten, das Hochladen und die gene­rel­le Recherche. Diese Sachen machen wir im Pressmaster Production Studio.

Dazu kom­men wir spä­ter. Welche Kamera/Objektiv‐Kombination nutzt Ihr haupt­säch­lich für Eure Fotos?

Das DragonImage‐Team benutzt die Nikon D800E*, das AF‐S Nikkor 85mm f1.8*, das AF‐S Nikkor 50 mm 1.4* und Profoto‐Blitze.

Zurück zu der Recherche: Wie geht Ihr bei einem neu­en Shooting vor?

Wir arbei­ten mit einer Strategie zur Erstellung von Inhalten, die an unse­re Pressmaster‐Erfahrung ange­lehnt ist. Zusätzlich haben wir ein gutes Trendgespür, ana­ly­sie­ren und aktua­li­sie­ren unse­re Strategie zwei­mal jähr­lich. Die Tools der Shutterstock‐Trend‐Keywords und Stockperformer hel­fen uns her­vor­ra­gend in dem Analyseprozess für ein neu­es Shooting.

Während die­ses Paar‐Shootings fiel plötz­lich unser Blitzlicht aus und so beka­men wir die­se roman­ti­schen Bilder, die sehr beliebt in unse­rem Portfolio sind.

Ich nut­ze gern das Keyword Werkzeug von Google Adwords, um her­aus­zu­fin­den, wel­che Keywords am meis­ten von den Nutzern bevor­zugt wer­den. Welche ande­ren Wege kennst Du, außer Shutterstock und Stockperformer?

Vielen Dank für den Tipp mit Google Adwords. Eigentlich rei­chen uns Shutterstock und Stockperformer. Aber wir gucken uns auch gern um, um neue Trends und täg­li­che Details zu che­cken, wir schau­en uns gern die neus­ten Filme, Musikclips und die neus­ten Mode online an, zwecks Inspiration. Alle Leute aus unse­rem Team ver­brin­gen eini­ge Zeit, um täg­lich die Bildagenturen zu ana­ly­sie­ren. So trai­nie­ren wir auch unse­re Augen für die Stocktrends auf ver­schie­de­nen Wegen.

Lass uns mal über die Models unter­hal­ten. Mit wie­viel Models hast Du inner­halb der letz­ten 1,5 Jahre gear­bei­tet, seit­dem ihr ange­fan­gen habt?

Wir haben sie gar nicht gezählt. Es wer­den so um die 100 Personen gewe­sen sein, die für unse­re Shootings aus­ge­wählt wur­den. Aber wir haben noch mehr Leute in unse­rer Datenbank von Test‐Shootings, wel­che wir nicht hoch­la­den.

Ziehst Du es vor, mit neu­en Gesichtern zu arbei­ten oder wählst Du lie­ber Gesichter, wel­che sich am bes­ten ver­kau­fen las­sen?

Wir zie­hen es vor, mit unse­ren Models regel­mä­ßig zu arbei­ten. Wir arbei­ten oft mit den Gesichtern, die sich am bes­ten ver­kau­fen las­sen. Aber zeit­gleich laden wir auch wöchent­lich ein neu­es Model ein, ein­fach um unse­re Kollektion auf­zu­fri­schen.

Wie fin­dest Du die meis­ten Models?

Wir zie­hen es vor, unse­re eige­ne Model‐Datenbank zu erstel­len. Dafür haben wir einen Casting‐Manager, Carlos Martin Bregon, im DragonImages Production Studio. Carlos sucht nach neu­en Gesichtern für unse­re Datenbank, auf der Straße, auf öffent­li­chen Plätzen, bei ver­schie­de­nen Events etc… jeden Tag. Er bemüht sich sehr, um die Leute für ein Testshooting zu gewin­nen. Er pos­tet Werbung online, arbei­tet mit Firmen wie Sportclubs, Schulen, Familiencenter etc. zusam­men, um unse­re Werbebroschüre zu ver­tei­len. Und wir alle kön­nen die Bekannschaft mit einer geeig­ne­ten Person machen und sie oder ihn zu einem Testshooting ein­zu­la­den. Einige Leute fin­den auch von sel­ber zu uns und schi­cken uns Ihre Bilder.

Es sieht aus als wür­den die bei­den Geschäftsmänner etwas leb­haft dis­ku­tie­ren. Dabei spricht der eine nur rus­sisch und eng­lisch, der ande­re nur viet­na­me­sisch.

Was suchst Du bei einem Model?

Wir suchen nach char­man­ten, cha­ris­ma­ti­schen, ent­spann­ten und offe­nen Leute mit einem leben­di­gen Lächeln und guten schau­spie­le­ri­schen Fähigkeiten. Wir suchen ver­schie­dens­te asia­ti­sche Nationalitäten und Europäer, Leuten aus den USA und Australien, um mul­ti­kul­tu­rel­le Shootings zu orga­ni­sie­ren. Wir haben Glück, dass Ho Chi Mingh City eine so gro­ße Stadt ist mit allen mög­li­chen Leuten aus aller Welt.

Was sind Deiner Meinung nach die leich­tes­ten und schwie­rigs­ten Themen zu foto­gra­fie­ren?

Die leich­tes­te Aufgabe ist es, einen ein­zel­nen, iso­lier­ten Gegenstand vor wei­ßem Hintergrund zu foto­gra­fie­ren. Und eine der schwie­rigs­ten Aufgabe ist es, Kinder zu foto­gra­fie­ren, inbe­son­de­re eine gro­ße Gruppe. Sie wer­den schnell müde und es ist sehr schwie­rig, sie zu kon­trol­lie­ren. Gerade wenn Du denkst, dass Du ein per­fek­tes Foto geschos­sen hast, kannst Du Dir sicher sein, dass eins der Kinder ent­we­der die Augen zu oder einen Finger an sei­nem Mund hat.

Und in Anbetracht des Konzepts? Ist z.B. ein Business‐Shooting leich­ter als ein Wellness‐Shooting?

Es ist schwer, dass genau beant­wor­ten zu kön­nen. Es hängt von den jewei­li­gen Aufgaben ab, der Anzahl der Models, den Räumlichkeiten und so wei­ter. Ich kann nur sagen (der Art‐Director ist Denis), es gibt z.B. viel mehr ver­schie­de­ne Ideen für „Business‐Konzepte“ als für „Wellness‐Shootings“. Ein Konzept ist umso leich­ter zu foto­gra­fie­ren, je mehr unter­schied­li­che Ideen man jedes Mal haben kann.

Auf die­sem schö­nen Bild ist die ech­te Malerin mit ihrem Gemälde zu sehen. Darum konn­ten wir posi­ti­ve Emotionen ein­fan­gen. Sie hat­te gera­de ihr Bild been­det.

Eins mei­ner Lieblings‐Requisiten ist ein Sparschwein, es ist ein Klischee und die Models lie­ben es, weil es so süß ist und reagie­ren gut dar­auf. Was ist Deine Liblings‐Requisite, die Du gern in der Stockfotografie ein­setzt?

Das Smartphone. Das ist für alle das nütz­lichs­te Gerät im all­täg­li­chen Leben. Viele Leute sind mit­ein­an­der in Verbindung, rufen sich an, schi­cken sich SMS, machen Fotos, sur­fen im Internet, nut­zen die GPS‐Standortsuche, spie­len Spiele, hören sich Musik an und so wei­ter. Du wirst damit mit vie­len Ideen für Dein Shooting ver­sorgt.

Kannst Du Deinen Arbeitsablauf – von der Idee bis zum Verkauf – zusam­men­fas­sen?

Der Art‐Direktor teilt die Ideen an die Fotografen auf und hält das in der Terminplanung fest. Dann trifft er sich mit jedem Fotografen und auch dem Stylisten zu einem Meeting. Diese Informationen wer­den alle im Terminplan fest­ge­hal­ten. Gemäß des Terminplans fängt der Aufnahmeleiter an, die Shootings zu orga­ni­sie­ren. Der Stylist fängt zur sel­ben Zeit an, die Kleidung, die Requisiten und die Dekoration vor­zu­be­rei­ten. Dann foto­gra­fiert das Team neue Bilder für unse­re Kollektion. Danach wäh­len der Fotograf und der Artdirektor Bilder zum Bearbeiten aus und dann wer­den die Bilder hoch­ge­la­den.

Es hört beim Hochladen auf? Wie sieht es bei Euch mit Social Media Werbung oder ähn­li­chem aus?

Nein, da hört es nicht auf. Der Art‐Direktor und das Shooting‐Team ana­ly­sie­ren nach eini­ger Zeit die Ergebnisse des Shootings. Auch unser lei­ten­der PR‐Direktor nutzt die hoch­ge­la­de­nen Bilder, um unse­re Social Media Marke zu stär­ken wie bei Instagram, Facebook oder Twitter.

Welche Agenturen belie­fert Ihr?

Wir belie­fern zehn Agenturen, nicht‐exklusiv, mit unse­rer DragonImages Kollektion. Das sind hoch‐ und mit­tel­ran­gi­ge Agenturen und auch Agenturen, die sich spe­zi­ell auf den asia­ti­schen Markt kon­zen­trie­ren. Hier kannst Du Dir unse­re Vertriebsschiene anschau­en. Aber wir wür­den uns ger­ne auf eine ande­re Sache fokus­sie­ren, wel­che unser Stockfotografie‐Geschäft in Asien ist. Jetzt machen wir den ers­ten Schritt, indem wir den Markt mit einer star­ken Kollektion bedie­nen, um die Aufmerksamkeit der Käufer mit unse­ren hoch­qua­li­ta­ti­ven und preis­güns­ti­gen Bildern zu gewin­nen. Der zwei­te Schritt ist, ande­re Stockfotografen zu über­zeu­gen, eben­falls den asia­ti­schen Markt zu bedie­nen.

Dafür haben wir ein spe­zi­el­les Instrument für das Stockfotografie‐Geschäft in Asien ent­wi­ckelt. Wenn ich Glück haben und recht­zei­tig fer­tig sind, wer­den wir es auf der MicroStockExpo im November vor­stel­len. Was heißt das? Neben der Tatsache, dass Pressfoto.com in Asien ein eige­nes Verkaufsbüro auf­ma­chen wird und die Webseiten‐Suche, das Interface und so wei­ter für asia­ti­sche Käufer anpas­sen wird, pla­nen wir auch auf der Anbieterseite eini­ge Werkzeuge, die es Fotografen erleich­tern sol­len, Fotos für den asia­ti­schen Markt zu machen und zu ver­kau­fen, zum Beispiel eine Wissensdatenbank mit wich­ti­gen Ergebnissen und Beschreibungen von aktu­el­len Nischen in der Microstock‐Fotografie.

Einige Agenturen erlau­ben Exklusiv‐Bilder, nutzt ihr das?

Nein, wir pro­du­zie­ren nicht‐exklusive Bilder. Aber wir den­ken auch dar­über nach, mit DragonImages exklu­si­ve Bilder für www.pressfoto.com zu pro­du­zie­ren.

Manchmal müs­sen wir hoch klet­tern, um atem­be­rau­ben­de Stadt‐Panoramen zu erhal­ten.

Beliefert Ihr auch Macrostock‐Agenturen wie Getty Images oder Corbis?

Nein, wir belie­fern nicht den Macrostock‐Markt.

Gibt es da einen spe­zi­el­len Grund dafür?

Momentan sind wir ganz zufrie­den im Microstock‐Segment. Im Macrostock‐Bereich dau­ert alles viel län­ger. Und alles hängt viel mehr von einer Person ab – dem Bildredakteur, nicht wirk­lich dem Markt.

In abstei­gen­der Reihenfolge: Bei wel­chen Agenturen ver­dient Ihr am meis­ten?

Zur Zeit sind unse­re bes­ten Verkäufer Shutterstock, Fotolia und iStockfoto.

Es sieht so aus, als ob Ihr kei­ne Videos pro­du­ziert. Warum nicht?

Wir haben mit der Video‐Produktion bei Pressmaster ange­fan­gen. Professionelles Bildmaterial her­zu­stel­len, ist eine grö­ße­re Herausforderung als Fotos zu kre­ieren. Man braucht vie­le ver­schie­de­ne Leute und Fachkompetenz, man braucht auch unter­schied­li­che und viel kost­spie­li­ge­re Ausrüstung dafür. Wir wol­len zunächst ler­nen, wie wir qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Videomaterial her­stel­len kön­nen, bevor wir es hoch­ska­lie­ren und bei DragonImages ein­set­zen.

Ich weiß, dass ihr auch den „Pressmaster“ Account mit über 35.000 Bildern besitzt. Was ist der Vorteil, ver­schie­de­ne Accounts zu haben?

Eigentlich sind es jetzt schon über 40k+ Bilder :-). Die Markenbildung und das Positionieren ist mit ver­schie­de­nen Accounts viel bes­ser. Fotos im asia­ti­schen Stil unter dem Namen DragonImages posi­tio­niert wirkt für die Käufer viel näher and natür­li­cher als unter dem Namen Pressmaster. Und wir haben ver­schie­de­ne Teams für ver­schie­de­ne Accounts orga­ni­siert. Das ist ein­fa­cher, um zu ver­schie­de­nen Ergebnissen zu kom­men.

Können wir Kampfsport und wun­der­schö­ne Models kom­bi­nie­ren. Natürlich!

Hier gera­de eine Frage von mei­ner Facebookseite: Wie behaup­ten sich asia­ti­sche Fotografen auf dem euro­päi­schen Markt ? Gemeint ist: Wieviel von Euren Verkäufen kom­men aus Asien und wie­viel aus Europa?

Das ist eine gute Frage. Ich wür­de 50%/50% sagen. Es gibt sehr vie­le asia­ti­sche Models in unse­rem Portfolio.Wir wis­sen, dass vie­le gro­ße Firmen auf Stockfotos mit dem asia­ti­schen Look war­ten. Und wir fin­den auch jetzt unse­re Bilder in vie­len Verlagen und in der Werbung. Aber wir wis­sen auch, dass z.B. vie­le unse­rer Käufer in Europa ansäs­sig sind. Das kommt auch daher, dass wir vie­le Bilder mit Expatriates pro­du­zie­ren, wir machen also mul­ti­kul­tu­rel­le Shootings.

Expatriates?

Ja, Ausländer, die in Vietnam leben und arbei­ten, arbei­ten mit uns als Models.

Ah, okay. Was ist für Dich der schwie­rigs­te Teil in der Stockfotografie?

Etwas Neues zu foto­gra­fie­ren. Es sind vie­le krea­ti­ve Leute hier auf dem Markt, um Bilder zu pro­du­zie­ren. Eine neue, fri­sche Idee zu kre­ieren, ist wirk­lich schwie­rig und braucht sei­ne Zeit.

Was denkst Du, in wel­che Richtung wird sich der Stock‐Fotografie Markt ent­wi­ckeln?

Das ist schwie­rig, die Zukunft vor­aus­zu­sa­gen. Aber wir sind uns sicher, dass unse­re Strategie rich­tig ist. Und natür­lich glau­ben wir, dass der Markt Lifestyle‐Fotografie braucht. Kein Handschlag vor wei­ßem Hintergrund oder ein Geschäftsmann mit einem „Cheese“-Smile. Diese Kategorien sind schon zu gesät­tigt. Aus unse­rer Sicht geht der all­ge­mei­ne Trend in Richtung natür­li­che und authen­ti­sche Bilder, die eine Atmosphäre aus­strah­len, in die man am liebs­ten sofort ein­tau­chen möch­te.

Für Shootings, bei denen eine Beziehung dar­ge­stellt wer­den soll, laden wir Models ein, die sich sehr gut ken­nen. Das ist der Schlüssel, um glaub­wür­di­ge Emptionen bei sol­chen sen­si­blen Fotos zu erzie­len.

Was ist Dein Ratschlag an alle ande­ren Existenzgründer?

Richtet Eure Aufmerksamkeit nach Asien! Das ist ein rie­si­ger Markt mit viel poten­zi­el­ler Entwicklung. Aber der Markt ist schwie­ri­ger als Ihr zunächst denkt. Lernt, wel­che Art der Stockfotografie am meis­ten gesucht wird. Deine Stärke soll­test Du ken­nen. Aus der Reihe der gesuch­ten Konzepte, wäh­le jenes, wel­ches Du bes­ser foto­gra­fierst als der aktu­el­le Markt. Achte und behal­te Deinen ein­zig­ar­ti­gen Stil und expe­ri­men­tie­re. Und vor allem, ver­giß nicht, Spaß zu haben. Auf jeden Fall kannst Du eigent­lich alles foto­gra­fie­ren, was Du magst.

Vielen Dank für das Interview.

Danke Dir, Robert! Ich woll­te mich auch bei den Leute bedan­ken, die mich unter­stützt haben, um die­ses Interview vor­zu­be­rei­ten: Pavel Orekhov, Fotoproduktion‐Strategie, Vertrieb und Marketing sind sei­ne Bereiche in der Firma, Denis Sorokin ist der Art Director und Dmitry Shironosov, der Inhaber von PressFoto Group.

* Affiliate

Interview über reportagen.de mit Michael Krabs

Ständig gibt es neue Bildagenturen, die meis­ten wol­len ein­fach nur unse­re Bilder, ohne ein Alleinstellungsmerkmal bie­ten zu kön­nen. Deswegen habe ich auf­ge­horcht, als der Gründer der bekann­ten deut­schen Bildagentur Zoonar ein neu­es Projekt auf die Beine gestellt hat, bei dem es nicht nur um Fotos, son­dern auch um Texte geht. Herr Krabs erklärt in einem Interview mit mir die Details.

Screenshot der Seite reportagen.de

Hallo Herr Krabs, stel­len sie sich bit­te mal kurz vor.

Ich bin Jahrgang 1970, habe zwei Kinder und nach dem Studium zuerst zwei Jahre als Dozent, dann ca. 12 Jahre lang als frei­er Journalist gear­bei­tet. In die­sem Zeitraum hat­te ich bereits eine „Reportageagentur“ mit dem Namen TBKmedia. Das TBK stand für „Text‐Bild‐Konzept“. Das gan­ze lief eine lan­ge Weile sehr gut. Dann kam der gro­ße Medienumbruch: Rückgang der Honorare, Digitalisierungswelle, Printkrise, Microstock usw. Gleichzeitig waren Natur‐ und Umweltthemen in den Medien deut­lich weni­ger gefragt. Ich wur­de mit Foto‐DVDs gera­de­zu über­schüt­tet und wuss­te nicht mehr, wie ich das Ganze ohne Datenbank hand­ha­ben soll­te. Zuvor muss­ten sich Fotografen ja ent­schei­den, an wem Sie ein Originaldia schick­ten und gute Scans waren sehr kost­spie­lig. Jetzt reich­te ein Mausklick, um alle Fotos an zig ver­schie­de­ne Agenturen zu ver­tei­len. Bei mir häuf­ten sich die Foto‐DVDs und ich hat­te kei­ne Idee, wie ich damit ohne eine neue tech­ni­sche Lösung umge­hen soll­te.

Ich habe daher im Jahre 2006 vier Büronachbarn (dar­un­ter drei Entwickler) ange­spro­chen und wir haben zusam­men die Bildagentur Zoonar GmbH als Antwort auf die neue Marktentwicklung gegrün­det. Dieses Projekt hat sehr viel Zeit und Kraft gekos­tet, ent­wi­ckelt sich jetzt aber ganz ordent­lich. Für mei­ne eigent­li­che Arbeit hat­te ich aber seit­dem kaum noch Zeit. Zudem erschien sie wenig attrak­tiv, auf­grund der neu­en Marktentwicklungen.

Seit 1–2 Jahre habe ich die Idee gehabt, auch für Reportagen ein Portal auf­zu­bau­en. Dieses Vorhaben habe ich jetzt mit pri­va­ten Mitteln in die Tat umge­setzt. Ein hohes Risiko, aber ich habe ein­fach wie­der Lust als Journalist zu arbei­ten. Außerdem sehe ich enor­me Chancen an der Schnittstelle zwi­schen Fotografie und Text einer­seits und neu­en Vertriebsmöglichkeiten ande­rer­seits. Die ers­te Version von Reportagen.de ist jetzt online. Ich freue mich sehr dar­über. Aber wir haben gera­de erst begon­nen.

Michael Krabs, Gründer von reportagen.de

Bei reportagen.de wer­den nicht nur Bilder ver­kauft, son­dern kom­plet­te Reportagen, also Bildserien mit dazu pas­sen­dem Text. Was genau soll ange­bo­ten wer­den?

Die Idee ist fol­gen­de: Fotografen haben oft Bildstrecken, die sich jour­na­lis­tisch gut ver­wer­ten las­sen. Aber nur die wenigs­ten schrei­ben ger­ne. Das über­neh­men wir dann. Journalisten wie­der­um haben oft Texte, aber es feh­len Fotos. Auch die­se Arbeit über­neh­men dann wir, d.h. wir suchen pas­sen­de Fotos zu den Texten. Dafür grei­fen wir u.a. auf die Fotos der Bildagentur Zoonar zurück, die für den Partner Reportagen.de frei­ge­ge­ben wur­den. Wir spre­chen bei Bedarf aber auch regis­trier­te Fotografen an. Es ent­steht eine Win‐Win‐Situation.

Ein wei­te­rer Punkt: Die Redaktionen haben wenig Zeit und sind per­so­nell oft schwach besetzt. Daher ist es ein Vorteil, wenn man kom­plet­te Themen aus Foto, Text, Grafik usw. aus­lie­fern kann. Reportagen.de ist die Schnittstelle, die alle Arbeiten über­nimmt damit aus ein­zel­nen Bestandteilen (Fotoserien, Texten usw.) kom­plet­te Artikel wer­den.

Weitere Einsatzfelder sind: Content Marketing, Corporate Publishing, Online Marketing usw. Hier neh­men wir Aufträge und ver­tei­len die ein­zel­nen Tätigkeiten dann an unse­re regis­trier­ten Mitgliedern. Reportagen.de fun­giert dabei wie eine Zentralredaktion und/oder Projektmanagement. Aufgrund mei­ner gro­ßen Erfahrungen in die­sen Bereichen, macht das auch Sinn.

Und noch eine Neuigkeit: Ich glau­be, dass Journalisten und Fotografen in Zukunft mehr Content direkt an Kunden/Leser ver­kau­fen wer­den. Über APPs, EBooks, PDFs, mobi­le Verwendungen usw. In die­sem Bereich sehe ich gute Zukuntschancen, die­ser Markt ent­wi­ckelt sich gera­de erst. Hier suchen wir gera­de einen Investor.

Wie sieht der Bestand aktu­ell aus?

Derzeit sind rund 700 Features und Reportagen online. Tendenz stark stei­gend.

Können Fotografen auch nur Texte oder Bildstrecken lie­fern?

Nur Texte zu lie­fern ist immer mög­lich. Das kommt aber eher bei Journalisten vor. Nur Fotostrecken geht auch. Wir brau­chen aber oft eini­ge Infos dazu. Also Angaben über Zeit, Aufnahmeort, beson­de­re Ereignisse usw. Diese Infos kön­nen auch in eine Mail getippt wer­den. Den Text schrei­ben wir dann.

Wie sieht die Honorarverteilung aus?

Wir zah­len 70% des Honorares bei Fotostrecken. Bei Texten eben­falls 70%, wenn die­se unver­än­dert über­nom­men wer­den. Wenn wir einen Text umschrei­ben, weil bei­spiels­wei­se die Redaktionen einen ande­ren Stil sucht, dann zah­len wir 50%.

Es kann also so lau­fen: Ein Fotograf lie­fert eine Bildstrecke, ein Journalist schreibt einen Text dazu. Der Fotograf erhält 70% vom Bildhonorar, der Journalist 70% vom Texthonorar, Reportagen.de 30% vom Gesamthonorar. Liefert ein Fotograf einen Text, den wir bear­bei­ten müs­sen, säe es so aus: Fotos 70%, Text 50%.

An was ori­en­tiert sich der Verkaufspreis der Reportagen und in wel­cher Höhe liegt der unge­fähr?

Wir haben fes­te Preise, die wir online abbil­den. Jedoch wird in der Regel mit den Redaktionen ver­han­delt. Es geht dann um Auflagen, Textlänge, Anzahl der abge­bil­de­ten Fotos, E‐Paper‐Zweitverwertungen usw. Viele gro­ße Verlage haben auch fes­te Pauschalsätze für Texte und Fotos. Diese wer­den dann in der Regel akzep­tiert. Für exklu­si­ve Stories kann man aber auch mehr raus­han­deln. Die Preise auf unse­rer Homepage zei­gen einen guten Mittelwert des Gesamthonorars. Spiegel und Stern zah­len natür­lich mehr, das Pinneberger Tageblatt eher weni­ger.

Was gibt es zu beach­ten? Müssen die Einlieferungen z.B. exklu­siv sein?

Nein. Aber wir haben eine Löschfrist von 12 Monaten. Bei exklu­si­ven Verkäufen durch die User kön­nen wir Themen natür­lich schnell sper­ren. Was ich aber ver­mei­den will, sind kurz­fris­ti­ge Löschungen aller Themen. Viele Redaktionen haben lan­ge Vorproduktionszeiten und es wäre töd­lich für ein jun­ges Portal, wenn bestell­te Themen dann nicht gelie­fert wer­den kön­nen. Außerdem haben wir gera­de jetzt in der Anfangszeit enor­me Kosten, weil wir sehr Vieles bear­bei­ten, aber es natür­lich noch nicht vie­le Bestellungen gibt. Ich star­te mit dem Marketing auch erst im September.

Dürfen oder müs­sen die Bilder bear­bei­tet oder retu­schiert sein?

Sie dür­fen, müs­sen aber nicht.

Auf was soll­ten Fotografen bei der Zusammenstellung der Bildstrecke ach­ten? Wie vie­le Bilder, was für Motive, etc.?

Vier bis 30 Fotos rei­chen erst ein­mal aus. Bei Bedarf rufen wir an und stel­len ein grö­ße­res Paket zusam­men. Für vie­le Printmedien reicht eine Bildstrecke von 20–30 Themen völ­lig aus. Nur sehr gro­ße Magazine wol­len mehr Auswahl haben.

Müssen die Texte vor­her fer­tig geschrie­ben wer­den?

Nein, es ist üblich, dass wir Themen „anfea­turen“. Das heißt, wir bil­den im Internet zwei bis drei Absätze ab. Gibt es ein Interesse, muss es aber schnell gehen. Toll wäre es daher, wenn wir alle Informationen vor­lie­gen haben. Wir kön­nen dann bei Bedarf schnell reagie­ren und den Text voll­enden. Möglich ist es auch, einen kom­plet­ten Text nicht voll­stän­dig im Internet abzu­bil­den, dies erschwert das Abschreiben.

Wenn die Text nach­träg­lich geschrie­ben wer­den, in wel­chem Zeitraum muss man den ablie­fern?

Wir brau­chen Fotos und Infos immer zeit­gleich, d.h. wir kön­nen kei­ne Fotos ohne Infos ein­spie­len. Einen Text zu voll­enden ist mög­lich, sobald es einen kon­kre­ten Auftrag gibt. Dann soll­te es aber inner­halb von 2–3 Tagen gesche­hen.

Im Journalismus gibt es ja die Sorgfaltspflicht. Wie wird sicher­ge­stellt, dass die Informationen der Autoren kor­rekt sind?

Derzeit lese ich alle Texte gegen. Was ich über­prü­fen kann, über­prü­fe ich. Es gibt natür­lich Grenzen. Ich kann bei­spiels­wei­se kei­ne Aussagen aus Interviews über­prü­fen. Hier muss ich den Autoren ver­trau­en, sie haf­ten ja auch für Ihre Texte.

Wie wird das Angebot ange­nom­men? Gibt es schon Verlage, die regel­mä­ßig ein­kau­fen?

Ja, Ich habe eini­ge Stammkunden. Aber in ers­ter Linie wer­den wir über einen gro­ßen, kost­spie­li­gen Medienverteiler regel­mä­ßig Angebote ver­schi­cken. Auch per Post. Das ist teu­er, bringt aber in der Regel immer auch Bestellungen.

Der Medienmarkt ist der­zeit schwach, aber gera­de des­halb könn­te es ein Interesse an kom­plet­ten Artikeln oder gar exter­nen Redaktionsauslagerungen geben. Dies spart Zeit und redu­ziert die Kosten. Reportagen.de rech­net sich also auch für die Verlage.

Welche Art von Reportagen ist am gefrag­tes­ten?

Wir kön­nen kei­ne kurz­fris­ti­gen Themen ver­wen­den. Also eher alles Zeitlose: Gesundheit, Tiere, Natur, Reisen, Food, Ausbildung, Bauanleitungen, Hobby, Sport usw. Aber auch Interviews sind bei­spiels­wei­se lang­fris­tig ver­wend­bar, da sie inter­es­san­te Zeitdokument sind.

Vielen Dank für das Interview.

Gerne.

Stockfotografie‐Interview mit Kirstin P. (Teilzeit‐Model)

Ab und zu inter­viewe ich Personen aus der Stockfotografie‐Branche. Nach Bildredakteuren, Agenturmitarbeitern und Stockfotografen soll jetzt auch mal ein Model an die Reihe kom­men. Kirstin habe ich über die Model‐Kartei ken­nen­ge­lernt, als ich nach pas­sen­den Leuten für mein Fitness‐Shooting gesucht habe. Fangen wir an.

Hallo Kirstin, stell dich bit­te mal kurz vor.
Hallo, mein Name ist Kirstin, ich bin 41 Jahre alt, kom­me aus dem Rhein‐Main‐Gebiet und als Beruf kann ich irgend­wie meh­re­re ange­ben: als Hauptberuf Mama, dann Betriebswirtin, dann Hausfrau… und seit 3 Jahren Model. Meine Hobbys: mei­ne Familie, Latein‐ und Standard‐Turniertanz, Tauchen, Urlaub in fer­nen Ländern, Kochen und Lesen.

Die Mimiken von Kirstin (Foto: http://www.reinhard-berg.de )
Die Mimiken von Kirstin (Foto: www.reinhard-berg.de )

Wie bist Du dar­auf gekom­men, Model wer­den zu wol­len? Wie alt warst Du da?
Total unty­pisch habe ich erst im „zar­ten Alter“ von 38 Jahren ange­fan­gen zu modeln. Eine sehr gute Freundin von mir arbei­tet als Visagistin und such­te im Auftrag eines Brautstudios Models für eine Modenschau auf einer Brautmesse. Sie kam auf mich, da wir zusam­men Turnier tan­zen und sie weiß, dass ich gera­de­aus im Takt lau­fen kann. So kam ich zu mei­nem ers­ten Job! Und das Feedback nach der Modenschau war so posi­tiv, dass ich mich mal neu­gie­rig in die Richtung infor­miert habe… dass das draus wer­den kann, was heu­te ist, hät­te ich damals nie gedacht!

Wie war Dein Anfang? Was hast Du getan, um bekann­ter zu wer­den und Aufträge zu bekom­men?
Ich habe mich auf einer kos­ten­frei­en Modelplattform im Internet ange­mel­det (damals Model.de – die gibt’s heu­te in der Form lei­der nicht mehr!) und im Umkreis Fotografen gesucht, über die ich an Bildmaterial kam. Über die­se Plattform kam ich auch an mei­ne ers­ten rich­ti­gen Aufträge, da dort z.B. eine Agentur Best‐Ager‐Modelle für Promotions für einen Damenausstatter gesucht hat. Dann habe ich mich bei der „Model‐Kartei“ ange­mel­det, im Laufe der letz­ten Jahre pas­sen­des Bildmaterial zu mei­nem Portfolio erar­bei­tet – und seit­dem geht es lang­sam, aber doch ste­tig, berg­auf.
Apropos pas­sen­des Bildmaterial gleich ein Tipp für alle Newcomer: da viel­leicht doch mal einen rich­ti­gen Profi fra­gen, ob das Bildmaterial zum Typ passt. Ich habe am Anfang z.B. alle mög­li­chen Katalog‐Szenen nach­ge­stellt und künst­le­ri­sche Beauty‐Bilder mit  „Bling Bling“ im Gesicht – wun­der­schön anzu­schau­en, für mich als Model aber nicht zu gebrau­chen, da sie an mei­nem Markt kom­plett vor­bei­gin­gen!!! Erst als ich Bilder als Mama, beim Kochen, im Büro gemacht habe, zeig­ten die Agenturen Interesse.
Mein gro­ßer Dank geht daher an das Model Sonja Barisic, bei der ich vor 3 Jahren just for  fun ein Laufstegtraining  absol­viert habe – ohne ihren Rat wür­den wir Beiden heu­te das Interview nicht füh­ren! Sonja führt mitt­ler­wei­le erfolg­reich ihre eige­ne Agentur und ich freue mich, auch bei ihr unter Vertrag zu sein.

Kirstin mit Pferd (Foto: www.ajorns.com)
Kirstin mit Pferd (Foto: www.ajorns.com)

Was ist Dein Ziel als Model? Was willst Du errei­chen oder auf wel­ches Level strebst Du?
Da ich Familie habe und arbei­te, bin ich zeit­lich und ört­lich gebun­den und muß auch mal einen Job ableh­nen, wenn’s z.B. vom Büro aus nicht klappt. Daher freue ich mich über jeden Auftrag, egal wie groß das Budget ist. Referenzen bzw. zufrie­de­ne Kunden sind mir sehr wert­voll und oft kam nach einem klei­nen Auftrag ein grö­ße­rer nach oder ich wur­de wei­ter­emp­foh­len…  Klar träu­me ich wie jedes Model, das Gesicht einer gro­ßen oder sogar welt­wei­ten Kampagne zu wer­den – ob sich der Traum erfüllt, ich hal­te Dich ger­ne auf dem Laufenden!

Wie viel Zeit und Aufwand inves­tierst Du in Dein „Model‐Sein“?
Schwer zu sagen – pro Tag ca. 1/2 bis 1 Stunde, ver­teilt auf den gan­zen Tag… zum Checken der Mails und Nachsehen, ob inter­es­san­te Jobs ange­bo­ten wer­den. Um Kontakt zu „mei­nen“ Fotografen und zu befreun­de­ten Models zu hal­ten – ein gutes Netzwerk ist das A und O in die­sem Job! Alle 2 Monate ver­su­che ich, ein TfP‐Shooting zu orga­ni­sie­ren, um mein Modelbook vor­an­zu­brin­gen. Und natür­lich neue Bilder zu bekom­men, die ich an mei­ne Agenturen wei­ter­ge­ben kann – um mich da wie­der ins Gespräch zu brin­gen. Sport und gesun­de Ernährung mache ich nicht nur wegen des Modelns, daher zäh­le ich das hier mal nicht zu.

Du gehörst mit über 40 Jahren nicht mehr zu den jun­gen Mädchen, die vom Model‐Sein träu­men. Hat das mehr Vorteile oder Nachteile und wenn ja, wel­che?
Definitiv Vorteile, denn es gibt ein­fach nicht so vie­le 41‐Jährige auf dem Markt! Nachteil ist, dass man von einer Agentur lei­der nicht mehr auf­ge­baut wird, son­dern das kom­plet­te Bildmaterial sel­ber mit­brin­gen muss.

Kirstin beim Fitnessshooting mit Robert Kneschke
Kirstin beim Fitnessshooting mit Robert Kneschke

Was für Tipps wür­dest Du einem jun­gen 16jährigen Mädchen geben, was unbe­dingt Model wer­den will?
Ich glau­be, dazu kann ich wenig sagen, da ich ja erst so spät ange­fan­gen habe. Mein aller­größ­ter Tipp ist: zah­le NIE bei Agenturen für die Aufnahme in die Kartei, egal wel­chen Betrag. Eine gute Agentur baut ihre Models auf, orga­ni­siert die Sedcard‐Shootings und ver­mit­telt Dich danach, um die­se Kosten wie­der rein­zu­ho­len. Finger weg von Agenturen, die sofort mit Aufträgen locken und anschei­nend nur auf DICH gewar­tet haben. Unbedingt das Kleingedruckte lesen, gera­de wenn man im Internet sucht. Leider gibt’s da vie­le schwar­ze Schafe…

Gibt es Richtlinien bezüg­lich der Frisur, des Äußeren oder der eige­nen Kleidung, die Du Neueinsteigern ans Herz legen wür­dest?
Die klas­si­schen Modelmasse bezüg­lich Größe und Konfektion soll­ten erfüllt wer­den. Keine Piercings im Gesicht, kei­ne Tattoos, natür­li­che Fingernägel. Gepflegte dezen­te Kleidung. Und High Heels soll­ten defi­ni­tiv kein Feind sein.

Du hast vie­le unbe­zahl­te (TfP‐) Shootings, sowie bezahl­te Shootings hin­ter Dir. Wo lie­gen da aus Deiner Sicht die Unterschiede?
Bei TfP kann ich mit­be­stim­men, wie ich das Ergebnis haben möch­te. Sei es die Visa, die mich so stylt, wie ich mich schön fin­de bis hin zu der Kleidung und den Szenen, die geshoo­tet wer­den. Und der Endbearbeitung der Bilder (mach da doch bit­te die Falte noch ein biss­chen klei­ner :-). Das geschieht in Absprache mit dem Fotografen, der Visa und mir, so daß alle am Ende hap­py sind mit dem Ergebnis.
Bei Pay bin ich mehr oder weni­ger „nur“ die Marionette des Kunden – ich muß so aus­se­hen, wie er es will. Ich muß zuhö­ren, wie er das fer­ti­ge Bild haben will und dem­entspre­chend agie­ren. Und ich muß damit ein­ver­stan­den sein, wie das fer­ti­ge Bild dann noch bear­bei­tet wird. Das gan­ze in der schnellst­mög­li­chen Zeit. Wenn dann mal was schief­geht, steigt der Stresspegel mehr als bei einem TfP‐Shooting!

Kirstin in einer Werbung für MonteMare
Kirstin in einer Werbung für MonteMare

Was waren das für bezahl­te Jobs? Worin unter­schei­den sich Stockfotos für Dich von ande­ren Aufträgen?
Meine Auftraggeber sind bis­her z.B. das Monte Mare, ver­schie­de­ne Hotels, Versicherungen, eine Helikopterflugschule und letz­te Woche habe ich mei­nen ers­ten klei­nen Werbeclip gedreht, der bald im Internet lau­fen wird.
Stockfotos sind für mich eigent­lich nicht anders als „nor­ma­le“ Pay‐Shootings, da ich als Model ja eher im Lifestyle‐Bereich arbei­te und nicht Kleidung für Kataloge oder auf dem Laufsteg prä­sen­tie­re.

Wie prä­sen­tierst Du Dich, um einen Pay‐Job zu bekom­men? Bei Du bei einer Agentur oder wirst Du aktiv?
Beides – ich bin sowohl bei ver­schie­de­nen Agenturen in Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim und Köln gelis­tet als auch sel­ber im Internet unter­wegs. Aktuell prü­fe ich die Möglichkeit einer eige­nen Homepage und sto­cke regel­mä­ßig mein Bildmaterial auf. Ohne eige­nes Engagement geht aber gar nichts!

Hand aufs Herz: Wie viel ver­dienst Du ca. bei einem Pay‐Job?
Zwischen 50 Euro Warengutschein und 1.000 Euro aufs Konto war schon alles dabei. Davon gehen dann aber noch mei­ne Kosten und vor allem die Steuern ab…. Und wann der nächs­te Pay‐Job kommt, das weiß man lei­der nie… kann in der nächs­ten Woche sein oder erst im nächs­ten Monat….

Kirstin ungeschminkt - Ihr Portrait-Pola
Kirstin unge­schminkt – Ihr Portrait‐Pola

Wie berei­test Du Dich auf ein Shooting vor? Unterscheidet sich das bei TfP und Pay? Was musst Du dafür von einem Fotografen vor­her wis­sen?
Also die Vorbereitung eines TfP‐Shootings ist für mich defi­ni­tiv auf­wän­di­ger, weil ich mir da natür­lich Gedanken machen muss, WAS ich eigent­lich als Endergebnis haben möch­te. Und dann dem­entspre­chend Kleidung besor­ge, die Location, die Visa – und natür­lich den pas­sen­den Fotografen.
Bei Pay tele­fo­nie­re ich meist nur kurz mit dem Kunden / Fotografen, wann ich wo sein soll, was für Farben er bei der Kleidung wünscht und ob eine Visa vor Ort ist oder ich geschminkt erschei­nen soll bzw. bekom­me die gan­zen Infos von der Agentur. Das war’s dann auch schon…

Bei Stockfotos weiß man nie vor­her, wo ein Foto auf­tau­chen wird? Was hast Du da schon erlebt? Wie ist das Gefühl dabei?
Definitiv stolz – neu­lich hat­te ich z.B. die Werbung unse­res ört­li­chen Fitness‐Studios im Briefkasten, auf der ein Bild aus unse­rem Fitness‐Shooting war – zwar nicht von mir, son­dern von Model Niki, aber ich hab mich gefreut wie Bolle! Und auf zwei ganz­sei­ti­ge Prints in einer Frauenzeitschrift von mei­ner klei­nen Tochter und mir ist mei­ne Maus noch stol­zer als ich!

Wie reagie­ren Deine Freunde, Kollegen und Verwandtschaft, wenn sie Dich irgend­wo uner­war­tet sehen?
Überrascht und begeis­tert – manch­mal auch ver­wirrt, weil sie mich nicht gleich erken­nen… nei­disch war bis­her kei­ne®, alle freu­en sich mit mir und sind inter­es­siert, was es Neues gibt.

Shooting für eine Goldschmiedin (Fotograf: Andi Schumi)
Shooting für eine Goldschmiedin (Fotograf: Andi Schumi / http://andi.model-kartei.de)

Welche Fotos machen Dir als Model am meis­ten Spaß?
Die, bei denen ich mich nicht ver­stel­len muss, son­dern wo ich ein­fach ICH sein kann, z.B. als Mama… Und natür­lich Shootings mit ande­ren Modellen zusam­men, da ich da immer viel mit­neh­me an Infos – und neben­bei noch mein Netzwerk aus­baue.

Von vie­len Amateur‐Fotografen, die das ers­te Mal ein Model foto­gra­fie­ren wol­len, höre ich oft, dass sie nicht wis­sen, wie sie es fin­den, anspre­chen oder anlei­ten sol­len. Kurz: Sie trau­en sich nicht. Was rätst Du denen?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Vielleicht erst­mal Bekannte fra­gen, mit denen man sich ver­steht und die mit einem gedul­dig sind. Sind die Bilder so, dass man damit zufrie­den ist, im Internet nach ent­spre­chen­den (kos­ten­frei­en!) Plattformen suchen und schau­en, wer an Models aus der Gegend kommt. Und dann ein­fach nett fra­gen, am bes­ten mit einer kon­kre­ten Idee, was man shoo­ten möch­te. Wenn ein Model absagt, ein­fach dran­blei­ben und das nächs­te Model fra­gen. Und ganz wich­tig: das gan­ze nicht zu ernst sehen und Spaß beim Shooten haben! Jeder hat mal ange­fan­gen, auch ein Starfotograf oder Topmodel!!!

Im Internet und auch in mei­nem Blog sind Anleitungen für Model‐Posen sehr beliebt. Was hältst Du davon?
Grundanleitungen sind o.k. – wobei man Körperspannung und wie man wo was dre­hen muss, dass man gut dasteht, eher schwer beschrei­ben kann. Ich ler­ne am meis­ten aus den Shootings mit ande­ren Models – da kann man sich viel abschau­en. Beim Posen für Kleidung die Augen auf, was die Models in den Katalogen so machen, wie sie die Hände hal­ten, die Accessoires prä­sen­tie­ren, ste­hen… und dann sel­ber vor dem Spiegel üben üben üben… evtl. mit einer Freundin dabei, die die Versuche foto­gra­fiert. Ganz wich­tig ist auch die Mimik im Gesicht – zwan­zig Posen mit dem glei­chen Gesichtsausdruck sind eher „sub­op­ti­mal“…

Nochmal Kirstin bei meinem Fitness-Shooting
Nochmal Kirstin bei mei­nem Fitness‐Shooting

Was macht für Dich einen guten Fotografen aus? Wie soll­te er mit Dir umge­hen?
Respektvoll, freund­lich, ehr­lich. Kein „wow super Pose“ und er denkt sich „oh weh“.  Gute Fotografen sehen das gan­ze Bild, also nicht nur das Technische (Beleuchtung stimmt, Schärfe), son­dern ob der Hintergrund passt, die Kleidung gut sitzt, die Haare lie­gen – ein­fach alles!

Was war das lus­tigs­te Erlebnis mit einem Fotografen?
Kann mich nicht ent­schei­den – ein­mal woll­te eine „gebuch­te“ Katze nicht so, wie der Fotograf und hat sich mehr unter die Studio‐Couch ver­krü­melt, als sich shoo­ten zu las­sen. Irgendwann saß sie dann in der Requisite und da haben wir sie nicht mehr raus­be­kom­men… oder das Shooting für eine Helikopterflugschule, wo wir in wil­den Kurven über den Flugplatz heiz­ten, bis wir eine Ermahnung des Towers beka­men… auch nicht schlecht war ein Shooting mit einem Pferd, das mit­ten im Shooting neben mir ein­ge­schla­fen ist!

Was war das ärger­lichs­te Erlebnis mit einem Fotografen?
… dass wir soooo vie­le genia­le Bilder geschos­sen hat­ten, dass sei­ne Speicherkarten kom­plett voll waren und wir des­halb das Shooting been­den muss­ten 🙂 !

Vielen Dank für das Interview.


Was wür­det ihr ein Model ger­ne fra­gen? Vielleicht gibt es eine Antwort in den Kommentaren.

Treffen + Interview mit Shutterstock‐CFO Adam Riggs

Früher habe ich den Wirtschaftsteil der Tageszeitung nie gele­sen, weil ich ihn lang­wei­lig fand. Heute lese ich ihn als Erstes, aber trotz­dem fin­de ich, dass sich vor allem die Geschäftsführer der Firmen bei Interviews sehr wort­karg geben oder im Gegenteil sil­ben­reich um eine Antwort her­um­ru­dern. Ähnlich ging es mir bei mei­nem Treffen mit Adam Riggs, dem Firmenchef der Microstock‐Bildagentur Shutterstock.

adam_riggs_shutterstock

Anfangs war nur ein infor­mel­les Treffen geplant, um sich ken­nen­zu­ler­nen und Informationen aus­zu­tau­schen. Aber mein klei­nes Blogger‐Herz konn­te nicht wider­ste­hen und so sam­mel­te ich im Shutterstock‐Forum eini­ge Fragen der Fotografen, die ich stel­len woll­te. Die Fragen und Antworten habe ich sinn­ge­mäß über­setzt und zusam­men­ge­fasst. Das Ergebnis ähnelt lei­der dem, was ich aus dem Wirtschaftsteil ken­ne.

Frage: Gibt es Pläne bei Shutterstock für eine Fotografen‐Exklusivität oder Bild‐Exklusivität?

Adam Riggs: Wir den­ken sehr oft über das Theme Exklusivität nach, aber wir wol­len weni­ger den Inhalt kon­trol­lie­ren und uns lie­ber mehr durch die Produkte, die wir anbie­ten, von den ande­ren abset­zen.

Frage: Besteht die Möglichkeit, die Ranking‐Stufen zu erwei­tern, zum Beispiel eine Stufe zwi­schen 3.000 und 10.000 US‐Dollar ein­zu­füh­ren?

Adam Riggs: Ich ste­he der Möglichkeit offen gegen­über und den­ke dar­über nach.

Frage: Wann räumt Shutterstock mal auf und säu­bert die Datenbank von alten, unver­kauf­ten Fotos?

Adam Riggs: Sowas wäre theo­re­tisch mög­lich, aber es ist unwahr­schein­lich, dass es pas­sie­ren wird. Unser Motto ist, dass wir für jeden Kunden das pas­sen­de Bild haben wol­len und wer weiß, viel­leicht sucht jemand mal nach genau dem Foto, was sich jah­re­lang nie ver­kauft hat. Das ist für uns eine demo­kra­ti­sche Entscheidung, da der Kunde ent­schei­den soll, was er haben will.

Frage: Wann wird es mög­lich sein, dass Bildkäufer die Originalgröße eines Bildes sehen kön­nen?

Adam Riggs: Das ist jetzt schon mög­lich, nur nicht so offen­sicht­lich. Die Bilder wer­den von uns in ver­schie­de­nen Größen ange­bo­ten. Die Größe L (in deutsch: Groß) ist immer die Originalauflösung. Die klei­ne­ren grö­ßen wur­den von uns ver­klei­nert, die dar­über ver­grö­ßert.

Frage: Vor einem hal­ben Jahr hat Shutterstock BigStockPhoto gekauft. Welche Pläne hat Shutterstock damit?

Adam Riggs: Wir waren die gan­ze Zeit bis­her damit beschäf­tigt, die Seite zu ana­ly­sie­ren. Welches Suchsystem hat sie, wel­ches Portfolio und so wei­ter. Auf jeden Fall wer­den wir BigStockPhoto als eige­ne Marke mit einem eige­nen Portfolio wei­ter­füh­ren. Wir pla­nen nicht, das stär­ker zu ver­zah­nen. Aber auch die „On Demand“-Downloads bei Shutterstock wird es ent­ge­gen anders­lau­ten­der Gerüchte wei­ter geben. Trotzdem ist es für uns noch eine offe­ne Frage, ob es sinn­voll ist, jedes Produkt an jeder Stelle anzu­bie­ten.

Zusätzlich zu die­sen Antworten fie­len im Gespräch wei­te­re Fakten, die inter­es­sant sein könn­ten. Hier in Stichpunktform:

  • Deutschland ist neben Großbritannien der zweit­stärks­te Markt für Shutterstock außer­halb der USA.
  • In der ers­ten Jahrseshälfte 2010 soll die kom­plet­te Fotografenseite in allen Sprachen ver­füg­bar sein, in denen auch die Käuferseite ange­zeigt wer­den kann.
  • Damit ein­her gehen soll eine Verbesserung des „Mapping‐Problems“, also dem feh­ler­haf­ten Übersetzen von Suchbegriffen
  • 25–30 Mitarbeiter sind nur damit beschäf­tigt, die hoch­ge­la­de­nen Fotos zu bear­bei­ten. Von ca. 150.000 ein­ge­sand­ten Fotos pro Woche wer­den ca 80.000 akzep­tiert. Rein rech­ne­risch müss­te damit jeder Bildredakteur ca. 700 bis 800 Fotos am Tag selek­tie­ren.

Zum Schluss wag­te Adam Riggs noch eine Prognose, wie sich der Bildermarkt ent­wi­ckeln wird: Es wird immer schwie­ri­ger für neue Bildagenturen, den Markt zu betre­ten. Nur spe­zia­li­sier­te Agenturen mit ein­zig­ar­ti­gen Bildern und weni­gen Käufern, die bereit sind, dafür auch hohe Preise zu bezah­len, wer­den es viel­leicht schaf­fen kön­nen.

Welche Frage hät­tet ihr Adam Riggs ger­ne gestellt?