Alle Beiträge von Robert Kneschke

10 + 5 + 4 Fehler bei Model‐Bewerbungen

In sei­nem Studio‐Blog beschreibt Michael Kirchner, wel­ches die zehn häu­figs­ten Fehler von Models sind, wenn sie sich direkt bei Fotografen bewer­ben. Später füg­te er noch fünf wei­te­re hin­zu.
Ich kann sei­ne Erfahrungen nur bestä­ti­gen und hof­fe, dass Models, die sich bei mir bewer­ben wol­len, sei­ne Hinweise zu Herzen neh­men. Außerdem füge ich ger­ne noch vier wei­te­re Fehler hin­zu, die mich oft bei Bewerbungen stö­ren:

- Minimalismus. Das Modell ist auf allen mit­ge­schick­ten Foto von der Größe her kaum zu erken­nen, dafür umso bes­ser der gan­ze Eifelturm dar­über.

- Coolness. Das Model schaut auf allen Bildern schlecht gelaunt bzw. total cool. Anderen Fotografen ist es viel­leicht egal, aber ich suche lebens­lus­ti­ge Menschen, die rich­tig lachen kön­nen. Wer ein schö­nes Lachen hat, wird ein­deu­tig bevor­zugt.

- Unfreundlichkeit. Eine Anrede, eine Verabschiedung, kor­rek­te Rechtschreibung und ein „bit­te“, „dan­ke“ etc. wir­ken Wunder. Mails wie „Würde ger­ne ein Shooting machen, geht das?“ ver­brei­ten nur schlech­te Laune.

- Unzuverlässigkeit. Wenn mal eine Angabe wie Alter, Wohnort oder Größe fehlt, ist das nicht so tra­gisch und ich fra­ge kurz per Email nach. Wenn ich aber auf eine Antwort jedes Mal min­des­tens eine Woche war­ten muss, wirkt das ers­tens unpro­fes­sio­nell und zwei­tens zeigt die Erfahrung, dass das auch die Models sind, die kurz vor dem Shooting ihren Termin absa­gen oder ver­schie­ben wol­len.

Gut, besser, Superpunk

Ständig im Studio mit ähn­li­chem Lichtaufbau ähn­li­che Themen zu foto­gra­fie­ren, ist auf Dauer lang­wei­lig. Deshalb foto­gra­fie­re ich zur Abwechslung ger­ne Konzerte. Die sind fast das genaue Gegenteil von Fotoproduktionen: Stark schwan­ken­de, schwie­ri­ge und unkon­trol­lier­ba­re Lichtsituationen, kei­ne Interaktion mit den „Models“ (bzw. Musikern) mög­lich, Posen sind sel­ten repro­du­zier­bar. Trotzdem oder genau des­halb macht es auch Spaß.

Die Fotos hier sind vom Konzert der Hamburger Gruppe Superpunk, die am 02.03.2008 im Gebäude 9 in Köln spiel­ten. Das schwie­ri­ge bei die­sem Konzert war, gute Fotos vom Keyboarder und Schlagzeuger zu bekom­men, da die­se Musiker erfah­rungs­ge­mäß sel­ten gut beleuch­tet wer­den.

Ich foto­gra­fier­te mit mei­ner Canon 5D und dem 70–200mm 2.8 IS USM L-Objektiv, meist bei 1600 ISO und Offenblende, bei den Schlagzeuger‐Fotos teil­wei­se sogar mit 3200 ISO. Die Belichtungszeiten fie­len mit 1/100s bis 1/30s trotz­dem sehr knapp aus.


Szenen einer Hochzeit

Neben Aktfotos gehö­ren Hochzeiten zu den schwie­rigs­ten Aufgaben eines Fotografen. Damit der glück­lichs­te Tag im Leben auch nach zig Jahren frisch im Gedächtnis aller bleibt, sol­len die Fotos so vie­le Details wie mög­lich abde­cken: Die Gäste, den Polterabend, das Buffet, den Brautstrauß, die Eheringe und natür­lich mög­lichst vie­le Fotos des Brautpaars selbst.


Das ers­te Mal habe ich mich nun an die­se Herausforderung gewagt. Die Vorbereitung begann lan­ge vor dem Hochzeitstag, eini­ge Tage vor der Trauung fuhr ich mit dem zukünf­ti­gen Bräutigam zur Kirche, um das Licht zu tes­ten und mich dem Pfarrer vor­zu­stel­len und zu erfra­gen, wann ihm Fotos recht sind und wann nicht.

Als Objektiv mei­ner Wahl dien­te mir ein gelie­he­nes Canon 70–200 IS USM 2.8 L, wel­ches mich so über­zeug­te, dass ich es mir danach kauf­te. Außerdem kam für eini­ge Gruppenaufnahmen drau­ßen das Canon 24–105 4.0 IS USM L zum Einsatz. Meist habe ich mit einem Aufhellblitz gear­bei­tet. Hilfreich war stän­dig ein Cousin der Braut, der mit neue Batterien oder Speicherkarten reich­te oder mal etwas beim Objektivwechsel hielt.

Dank des koope­ra­ti­ven Brautpaars wer­den aus­ge­wähl­te Fotos der Hochzeit auch über Bildagenturen erhält­lich sein. An die­ser Stelle noch mal dem Ehepaar alles Liebe für die Zukunft und nun viel Spaß mit den Fotos.


Unverhüllte Wegweiser – Was Fotografen von der Erotikbranche lernen können


Heute gab es in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 17 einen Artikel mit der Überschrift „Der letz­te Rest vom Schützenfest“. Darin ging es um den Niedergang der gedruck­ten Erotik, weil sie gegen die Konkurrenz aus dem Internet kaum eine Chance hät­te.

Die deut­sche Erotik‐Presse steu­ert auf ihr eige­nes Begräbnis zu. Seit fünf Jahren befin­den sich die Auflagen im frei­en Fall. […]
Im Internet gibt es nack­te Tatsachen kos­ten­los und anonym, dazu Online‐Communities, Kontaktbörsen und har­te Sexfilmchen. […]
Der Umsatzanteil am gesam­ten Zeitschriftenverkauf lag 2006 bei weni­ger als einem Prozent. Tendenz fal­lend. Männermagazine im Hochglanz‐Look zäh­len hier nicht dazu, tun sich aber eben­falls schwer. […]

Doch was hat das mit uns Stock‐Fotografen zu tun? Die Pornobranche war oft ein Vorreiter, wenn es um die Nutzung neu­er Technologien ging. Erst tru­gen sie zur Verbreitung der Videokassetten bei, dann gab es gestöhn­te 0190‐Nummern in nächt­li­chen Werbesendungen, spä­ter Dialer auf Sexseiten, danach Zugang zu Erotikwebseiten als Abonnement. Auch Pornos auf Blue‐Ray‐Discs sind seit lan­gem erhält­lich.

Parallelen zur Bildagenturen‐Welt las­sen sich durch­aus fest­stel­len. Die Beliebheit von neu­en Online‐Agenturen wuchs auch durch Communities, Agenturen wie Shutterstock, istock­pho­to oder Framepool bie­ten mitt­ler­wei­le auch (bzw. nur) Video‐Footage an, Webseiten ver­schen­ken Fotos und die Abonnement‐Vermarktung von Fotos hat auch vor kur­zem Einzug in die Branche gehal­ten.

Wer nun als Indikator für Zeitschriften‐Trends die Erotikmagazine nimmt, kann befürch­ten, dass erst Nackte‐Haut‐Postillen schnell ver­schwin­den wer­den und somit auch poten­ti­el­le Bildkäufer. Andere Zeitschriften könn­ten fol­gen. Was das für die Praxis bedeu­tet, wird sich zei­gen.

Stockfotografie vs. Fotowettbewerbe

Seitdem ich mei­ne Fotos ver­kau­fe, ach­te ich viel genau­er dar­auf, wie mei­ne Fotos benutzt wer­den. Immerhin sind sie mein „Kapital“. Auch die Bedingungen von Fotowettbewerben lese ich sehr auf­merk­sam. Das führ­te dazu, dass ich bei fast kei­nen Fotowettbewerben mehr mit­ma­che.

Ein aktu­el­les Beispiel:Die Webseite www.wetter.com ver­an­stal­tet einen Fotowettbewerb für Winterbilder. In den Teilnahmebedingungen steht u.a.:

Mit der Einsendung eines oder meh­re­rer Fotos […] räumt der Teilnehmer der wetter.com AG die fol­gen­den nicht‐ausschließlichen, über­trag­ba­ren, räum­lich und zeit­lich unbe­schränk­ten Rechte – ein­schließ­lich des Rechts zur Unterlizenzierung – an dem Bildmaterial ein:

* das Vervielfältigungs‐ und Verbreitungsrecht, d. h. das Recht, das Bildmaterial im Rahmen der hier ein­ge­räum­ten Rechte belie­big zu ver­viel­fäl­ti­gen und zu ver­brei­ten;

* das Recht der öffent­li­chen Wiedergabe, ins­be­son­de­re das Aufführungs‐ und Vorführungsrecht, das Recht der öffent­li­chen Zugänglichmachung […], das Senderecht (d. h. […] über den Fernsehsender „Deutsches Wetter Fernsehen“ zugäng­lich zu machen), das Recht der Wiedergabe durch Bild‐ oder Tonträger […].

Das bedeu­tet unge­fähr: Eingesandte Fotos – auch wenn sie nicht gewon­nen haben – dür­fen vom Veranstalter kos­ten­los für deren Webseite und Fernsehsender benutzt wer­den. Außerdem dürf­ten die­se Rechte auch an belie­big vie­le ande­re – der Formulierung „Unterlizenzierung“ sei Dank – wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Und wofür das alles? Einmal pro Woche wer­den 50 € für das bes­te Bild bezahlt. Zur Erinnerung: Genutzt wer­den dür­fen aber alle Einsendungen, auch die der „Verlierer“. Genutzt wer­den bei­spiels­wei­se über 130 Fotos auf der Webseite für den kos­ten­lo­sen „Download als Wallpaper“. Allein für sol­che Rechte wür­den beim Kauf der Bilder bei Bildagenturen meist meh­re­re tau­send Euro fäl­lig.

Wer sich vor sol­chen Klauseln in Wettbewerben schüt­zen will, fin­det hier mehr Informationen:
http://www.fotowettbewerbe.de/ratgeber/#more-1
http://www.fotorecht.de/publikationen/fotowettbewerb.html