Rafael Classen verschickt „Abmahnungen“ an Bildkäufer wegen Social Media Nutzung

Seit eini­gen Tagen meh­ren sich hier im Support-​Forum von Adobe Stock die Stimmen wüten­der Bildkäufer, wel­che Bilder des Fotografen Rafael Classen bei Adobe Stock gekauft haben und nun von die­sem eine Art „Abmahnung“ erhal­ten haben, kon­kre­ter gesagt, eine Aufforderung zur Nachzahlung in Höhe von 350 Euro.

Dem Schreiben zufol­ge – wel­ches mir vor­liegt – soll eine Verwendung der Adobe Stock Bilder – trotz gegen­tei­li­ger Aussage von Adobe – auf Social Media Webseiten wie z. B. Facebook oder Instagram gegen die Nutzungsbedingungen von Adobe Stock ver­sto­ßen, weil Facebook sich das Recht zur Weiterlizenzierung ein­räumt, was nicht gestat­tet sei:

Was ver­steht man unter dem Begriff Social Media?
Der Begriff Social-​Media bezeich­net einen all­ge­mei­nen Begriff für digi­ta­le Technologien und Medien wie Weblogs, Wikis, sozia­le Netzwerke über die Nutzerinnen und Nutzer mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren und Inhalte aus­tau­schen kön­nen.
Damit ist nicht expli­zit „Facebook“ oder „Instagram“ gemeint, jede Plattform hat ande­re Nutzungsbedingungen. Die eine ver­langt die unter­li­zen­zie­rung, die ande­re Social-​Media Plattform nicht.“

(Auszug aus dem Schreiben von Rafael Classen an die Bildnutzer; Fehler im Original)

Die von Rafael Classen ange­schrie­be­nen Bildkäufer wer­den auf­ge­for­dert, eine „Re-​Lizenzierungslizenz“ in Höhe von 350 Euro brut­to auf sei­ner eige­nen Webseite „RCphotostock“ zu kau­fen, um nicht vor Gericht wegen „Urheberrechtsverletzung“ ver­klagt zu werden:

Es han­delt sich bei der Re-​Lizenzierungs Lizenz um eine von uns für Sie kal­ku­lier­te Pauschale von 350,- € bestehend aus Schadensersatz, Dokumentationskosten und Zinsen (Seit Beginn der Rechtsverletzung). Sie spa­ren sich durch die Nutzung des Re-​Lizenzierungsangebot wei­te­re kos­ten einer anwalt­li­chen Abmahnung die im vier­stel­li­gen Bereich liegt.
Sollte die­se Ihrerseits nicht erfol­gen, müss­ten wir mit der gericht­li­chen Geltendmachung von Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen, hin­sicht­lich der Urheberrechtsverletzung beginnen.“

(Auszug aus dem Schreiben von Rafael Classen an die Bildnutzer; Fehler im Original)

Der Preis für die­se „Re-​Lizenzierungslizenz“ wur­de übri­gens erst vor weni­gen Wochen von 250 Euro auf 350 Euro erhöht.

Auch Abmahnung bei Shutterstock und iStock?

Der Fotograf ist seit eini­gen Monaten nicht mehr bei Adobe Stock aktiv bzw. wur­de schon von Adobe gesperrt, wes­halb er nicht befürch­ten muss, von Adobe wegen die­ses Verhaltens her­aus­ge­schmis­sen zu werden.

Bei Shutterstock und iStock ist der Fotograf jedoch noch unter dem Nutzernamen „rclas­sen­lay­outs“ aktiv, inso­fern soll­ten Bildkäufer auf­pas­sen, ob sie Bilder von Rafael Classen für Social Media Nutzungen ver­wen­den wol­len.

[Update 5.3.2021: Mittlerweile haben sich auch Bildkäufer bei mir gemel­det, wel­che Bilder bei iStock und Shutterstock gekauft hat­ten und nun von Rafael Classen ange­schrie­ben wer­den, um eine Nachlizenzierung zu for­dern.

Update 16.3.2021: Getty Images/​iStock hat auf mei­ne Anfrage fol­gen­de Stellungnahme abge­ge­ben: „Wir haben das Vorgehen von Herrn Classen geprüft. Sollten unse­re Kunden von Herrn Classen kon­tak­tiert wer­den, raten wir ihnen, kei­ne wei­te­ren Zahlungen zu leis­ten und bit­ten sie, ent­spre­chen­de Kommunikationen umge­hend an uns wei­ter­zu­lei­ten. Bei den uns bis­her bekannt gewor­de­nen Fällen han­del­te es sich um typi­sche Facebook-​Nutzungen, die nach unse­rer Auffassung von unse­ren Lizenzen umfasst sind. Ferner ent­hal­ten unse­re Lizenzverträge umfang­rei­che Freistellungsverpflichtungen für iStock, die unse­ren Kunden einen weit­ge­hen­den Schutz bie­ten.“ (Hervorhebung durch mich)]

Was tun?

Wer auch ein Schreiben von Rafael Classen mit der Forderung einer Nachlizenzierung erhal­ten hat, soll­te die­ses der ver­ant­wort­li­chen Abteilung von Adobe Stock wei­ter­lei­ten an die Mailadresse „copyright-stock@adobe.com“, mit Angabe der betrof­fe­nen Bildnummer und dem Namen des Kundenaccounts (also in der Regel die Emailadresse, mit der sich bei Adobe Stock regis­triert wurde).

Es ist nicht emp­feh­lens­wert, auf die Forderungen ein­zu­ge­hen, ohne vor­her mit Adobe gespro­chen zu haben.

Sehr hilf­reich ist die Freistellungspflicht von Adobe Stock (sie­he Punkt 10.1. der Adobe Stock-​Nutzungsbedingungen). Demnach über­nimmt Adobe die Verteidigung gegen Forderungen oder Klagen, wenn Dritte unter­stel­len, dass Inhalte z.B. Urheberrechte, Markenrechte oder Persönlichkeitsrechte ver­letzt wur­den. Dazu muss Adobe jedoch zeit­nah über den Vorgang infor­miert wer­den (sie­he oben).

UPDATE 12.04.2021:
Mittlerweile haben sich auch ande­re Betroffene bei mir gemel­det, wel­che Bilder von Herr Classen bei Adobe Stock gekauft hat­ten und die­se auf ihrer Webseite genutzt haben. Herr Classen bemän­gelt da zum Beispiel, dass „urhe­ber­recht­lich geschütz­te Schutzrechtshinweise der IPTC/​Metadaten des ori­gi­nal Bildmaterials“ gelöscht oder ver­än­dert wur­den. Auch hier emp­feh­le ich Betroffenen, sich direkt mit Adobe Stock in Verbindung zu setzen.

Full Disclosure: Ich habe aktu­ell mit Herrn Classen eben­falls eine juris­ti­sche Auseinandersetzung in einer ande­ren Sache.

8 Gedanken zu „Rafael Classen verschickt „Abmahnungen“ an Bildkäufer wegen Social Media Nutzung“

  1. Wir haben ein Foto von Herrn Claasen via Shutterstock lizen­siert und auf Facebook gepos­tet und wur­den dar­auf­hin eben­falls zu Relizensierung auf­ge­for­dert. Es ist sehr trau­rig, dass es immer wie­der schwar­ze Schafe gibt, die seriö­sen Fotografen das Geschäft zerstören.
    Wir für unse­ren Teil wer­den kein Bildmaterial mehr zukaufen.
    Irgendwie habe ich auch wirk­lich Lust die Sachlage gericht­lich auszufechten.

  2. Unabhängig von die­sem Vorgehen fra­ge ich mich aller­dings schon: sind die Lizenzen die von Adobe für Social Media aus­ge­ben weit genug aus­ge­legt und wer­den die Fotografen dafür aus­rei­chend entlohnt.

  3. @Hans Werner: Gute Frage -.…„wer­den die Fotografen dafür aus­rei­chend ent­lohnt“ – Aus mei­ner Sicht nicht. Es gibt kaum noch Fotografen die aus­rei­chend ver­die­nen. Kann man auch gut aus den Zahlen KSK able­sen – Billiglohner wäre wohl der rich­ti­ge Ausdruck, es gibt wohl kaum jeman­den mit einem so mage­ren Verdienst der gleich­zei­tig einer so gro­ßen juris­ti­schen Gefahr aus­ge­setzt ist wie ein Fotograf, ent­we­der sin die alle bet­tel­arm, enorm wohl­ha­bend, leben von dem Geld einer Stiftung oder sind ein­fach nur dumm. Kein ver­nüf­ti­ger Mensch setzt sich den finan­zi­el­len Risiken eines Fotografen aus.

  4. Schon krass das Herr Classen bei sei­nen Überprüfungen der IPTC Metadaten das Tool http://exif.regex.info/exif.cgi nutzt.

    Das ist ja ein kos­ten­los zur Verfügung gestell­tes Tool und es basiert auf er ExifTool Perl Bibliothek die OpenSource lizen­siert ist.

    Ein Konzept was Herr Classen zu sei­nem vor­teil ver­sucht aus zu nutzen!

    Ob das so gut in der OpenSource Community ankommt ist zu betweifeln.

  5. Hallo,
    uns hat es auch erwischt, auch die schein­bar feh­len­den Metadaten bei einem Bild. Wir haben den Herrn natür­lich ord­nungs­ge­mäß im Impressum als Urheber benannt- und trotz­dem kommt der nach Jahren aus dem Busch. Wir las­sen das jetzt von unse­rem Anwalt prü­fen und schau­en der Sache gelas­sen ent­ge­gen. Aber extrem ner­ven tut es schon- und kos­tet Zeit!

  6. Hallo,
    uns hat es auch erwischt- wir bezah­len nicht und las­sen das jetzt vom Anwalt prü­fen. Wir wer­den sehen was passiert- aber so gehts nicht!

  7. Neben Herrn Classen nutzt Frau Diana Drubig die­sel­be Methode, um zusätz­li­che Einnahmen zu gene­rie­ren. Sie arbei­tet mit der Anwaltskanzlei SPIRIT LEGAL zusam­men und mahnt wegen angeb­lich nicht erfolg­te Urhebernennung ab.

    Es erweckt auf mich den Eindruck, als sei das Verschicken von Abmahnungen das eigent­li­che Geschäftsmodell. Genau weiß ich es natür­lich nicht!

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